Der erste Tag: Napoleon vs. Valcarlos​

Der erste Tag: Napoleon vs. Valcarlos

Der Start des Camino Francés von Saint-Jean-Pied-de-Port (SJPDP) nach Roncesvalles gilt als die „Königsetappe“. Sie ist landschaftlich überwältigend, aber physisch die wohl größte Herausforderung des gesamten Weges.

Dabei stehst du direkt zu Beginn vor einer wichtigen Entscheidung: die Napoleon-Route (über die Berge) oder die Valcarlos-Route (durch das Tal).


1. Die Napoleon-Route (Route de Napoléon)

Dies ist der „klassische“ Weg, den die meisten Pilger wählen, sofern das Wetter es zulässt.

  • Verlauf: Du steigst steil aus SJPDP auf, passierst die Herberge Orisson und überquerst die Pyrenäen am Pass Col de Lepoeder (1.430 m), bevor es steil hinunter nach Roncesvalles geht.

  • Herausforderung: Knapp 1.250 Höhenmeter Aufstieg auf ca. 25 km. Das ist eine enorme Belastung für untrainierte Knie und Lungen.

  • Vorteil: Spektakuläre 360-Grad-Panoramen, weite Graslandschaften und das Gefühl, „über den Wolken“ nach Spanien einzureisen.

2. Die Valcarlos-Route (Variante par Valcarlos)

Diese Variante führt tiefer am Hang und durch das Tal des Flusses Nive de Valcarlos.

  • Verlauf: Der Weg folgt oft der Nationalstraße N-135 (meist auf Seitenwegen) und führt durch das Dorf Valcarlos, in dem es auch Unterkünfte und Cafés gibt.

  • Herausforderung: Mit ca. 24 km ähnlich lang, aber „nur“ etwa 900 Höhenmeter Aufstieg, die sich gleichmäßiger verteilen.

  • Vorteil: Bessere Infrastruktur (Einkehrmöglichkeiten), Schutz vor extremem Wind und Nebel sowie die einzige Option im Winter.


Wer sollte welche Variante wählen?

Die Napoleon-Route ist für dich, wenn…
  • Das Wetter perfekt ist: Strahlender Sonnenschein oder leichte Bewölkung sind ideal.

  • Du fit bist: Du hast vorher trainiert und dein Rucksack wiegt nicht mehr als 10–12 % deines Körpergewichts.

  • Du das „Gipfelerlebnis“ suchst: Du möchtest den Camino mit dem ultimativen Panorama beginnen.

Die Valcarlos-Route ist für dich, wenn…
  • Das Wetter schlecht ist: Bei starkem Nebel, Sturm oder Schneeregen ist die Napoleon-Route lebensgefährlich (Orientierungsverlust!).

  • Es Winter ist: Vom 1. November bis zum 31. März ist die Napoleon-Route aus Sicherheitsgründen strikt gesperrt.

  • Du es sanfter angehen willst: Wenn du Knieprobleme hast oder am ersten Tag nicht direkt an deine absolute Grenze gehen möchtest.

  • Du spät startest: Wenn du erst am Mittag in SJPDP loskommst, bietet Valcarlos die Möglichkeit, die Etappe in der Mitte zu unterbrechen.


Unser Tipp für den Start

Unterschätze niemals die Pyrenäen. In Saint-Jean-Pied-de-Port gibt es das Pilgerbüro (72 Rue de la Citadelle). Gehe dort vor deinem Start unbedingt vorbei! Die Mitarbeiter dort sagen dir tagesaktuell, wie das Wetter auf dem Pass ist und ob die Napoleon-Route sicher begehbar ist.

Wichtig: Der Abstieg nach Roncesvalles ist auf beiden Routen steil und geht auf die Knie. Wanderstöcke sind hier dein bester Freund.

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