Orte

Etappenort am Jakobsweg

Burgos

Burgos, Castilla y León, Spain

Unterkünfte
27
Caminos
2
Höhe
861 m

Burgos war einst Hauptstadt Kastiliens und ist für Pilger die Schwelle zur Meseta. Seit 1221 steht hier die gotische Kathedrale, Welterbe und Grab des Cid; mit Credencial zahlst du 6 statt 11 €. Ein Pausentag lohnt sich, bevor du morgen hinaus in die Weite der Hochebene gehst.

Aktuell in Burgos (Stand: Oktober 2026)

  • Kleine Herberge im Winterschlaf: Die Pilgerherberge Santiago y Santa Catalina in der Kapelle Divina Pastora schließt am 31. Oktober und öffnet wieder am 1. April.
  • Städtische Herberge im Winterrhythmus: Seit Mitte Oktober öffnet sie erst um 14 Uhr, abends schließt sie um 22 Uhr.
  • Kathedrale: Vom 1. November bis 18. März ist sie täglich von 9:30 bis 18 Uhr geöffnet.
  • Kein Pilgerbüro im Winter: Das Pilgerbüro in der Kathedrale ist nur vom 1. Juni bis 30. September besetzt.
  • Hostel Catedral: Im Dezember geschlossen, für Januar und Februar vorher nachfragen.

Wie lange bleiben?

Einen Pausentag wert. Die Kathedrale braucht Zeit, und danach wartet das Museum der Menschheitsentwicklung mit den Funden aus der Sierra de Atapuerca, über die du gestern oder heute gegangen bist. Dazu kommen die Altstadt mit dem Arco de Santa María, die Tapas-Straßen am Abend und das Hospital del Rey, das Pilger seit dem zwölften Jahrhundert kennen. Vor allem ist Burgos der richtige Ort, um vor der Meseta Kraft zu sammeln. Hinter der Stadt beginnen Tage mit viel Himmel und wenig Schatten.

Burgos in Ninja-Zahlen

  • Rund 492 Kilometer sind es laut Camino Ninja von hier bis Santiago. Gut ein Drittel des Camino Francés hast du hinter dir.
  • 6 statt 11 Euro kostet die Kathedrale, wenn du deine Credencial vorzeigst (Stand: Oktober 2026).
  • Über 800 Jahre ist es her, dass am 20. Juli 1221 der Grundstein der Kathedrale gelegt wurde.
  • Rund 676 Kilometer lang ist laut Camino Ninja die Ruta de la Lana, die von Alicante kommt und in Burgos auf den Camino Francés trifft.
  • Seit 1921 liegen der Cid und seine Frau Jimena unter der Vierung der Kathedrale.

Ankommen: durch das Industriegebiet oder am Fluss

Auf dem Camino Francés steigst du über die steinige, schattenlose Sierra de Atapuerca. Oben steht ein Holzkreuz, und bei klarer Sicht siehst du schon Burgos. Hinter Orbaneja Riopico, laut Camino Ninja knapp 12 Kilometer vor der Kathedrale, überquerst du die Autobahn AP-1. Dann musst du dich entscheiden.

Der Hauptweg, dem auch Camino Ninja folgt, umrundet den Flughafen und führt über Villafría auf dem Gehweg der alten Nationalstraße durch einen langen, lauten Industriekorridor. Über den Stadtteil Gamonal und die Avenida de Vitoria gelangst du schließlich über die Calle San Juan und die Calle Fernán González zur Kathedrale.

Die schönere Alternative ist die Variante über Castañares. Kurz hinter der Autobahn zweigt bei einer Siedlung mit weißen Reihenhäusern links ein unmarkierter Weg ab. In Castañares überquerst du die N-120 und gehst um eine große Fabrik herum. Über eine Fußgängerbrücke gelangst du an den Río Arlanzón und folgst dem Flussweg bis in die Stadt. Bleib unten am Paseo de la Quinta bis zur Puente Gasset, dann über die Calle Victoria zur Plaza de San Juan und durch den Mauerbogen in die Altstadt.

Auch die Ruta de la Lana aus dem Südosten endet hier, über Cardeñadijo kommend. Eine Variante des Camino Vasco über Monasterio de Rodilla erreicht Burgos ebenfalls.

Kurz erzählt: die Hauptstadt Kastiliens

Der Überlieferung nach gründete Graf Diego Rodríguez Porcelos die Stadt im Jahr 884. Um 931 wurde Burgos Hauptstadt der Grafschaft Kastilien, 1038 Hauptstadt des Königreichs. 1075 wurde die Stadt Bischofssitz. Im fünfzehnten Jahrhundert machte der Handel mit Wolle sie reich, und die alten Wege der Wollhändler gehen heute Pilger auf der Ruta de la Lana.

Für Pilger gründete König Alfons VIII. 1195 vor der Stadt das Hospital del Rey. Die dunkelste Zeit erlebte Burgos im Bürgerkrieg: Von 1936 bis 1939 saß hier die Führung der Aufständischen um Franco, und vom 1. April bis 18. Oktober 1939 war Burgos Hauptstadt Spaniens.

Die Schwelle: Stein vor der Weite

Burgos ist für Pilger eine Schwelle. Hinter dir liegen Navarra und La Rioja mit Weinbergen und Hügeln. Vor dir liegt die Meseta, die kastilische Hochebene, mit Getreidefeldern bis zum Horizont. Dazwischen steht diese Stadt aus Stein mit ihren Toren, Türmen und ihrer gewaltigen Kathedrale.

Das Mittelalter hat diese Schwelle markiert. Durch die Puerta de la Coronería betraten die Pilger die Kathedrale. Wer die Stadt verließ, kam am Hospital del Rey vorbei, wo Pilger aufgenommen und die Verstorbenen begraben wurden. Gönn dir hier, was die Pilger vor dir auch gesucht haben: ein Bett, ein gutes Essen, eine Messe vielleicht, einen Tag Ruhe. Die Meseta wartet auf dich.

Von Tor zu Tor: was du sehen solltest

Die Altstadt ist kompakt. Von der städtischen Herberge hinter der Kathedrale erreichst du alles zu Fuß, und der Weg hinaus führt dich sowieso noch am Hospital del Rey vorbei.

  • Catedral de Santa María: Am 20. Juli 1221 legten König Fernando III. und Bischof Mauricio den Grundstein, seit 1984 ist sie Welterbe der UNESCO. Für Pilger ist sie mehr als ein Museum: Durch die Puerta de la Coronería betraten im Mittelalter die Pilger die Kirche. Unter der Vierung liegen der Cid und seine Frau Jimena. Schau dir die Escalera Dorada von Diego de Siloé an, eine vergoldete Treppe, die Vorbild für die Treppe der Pariser Oper gewesen sein soll, und die Capilla del Condestable, eine eigene kleine Kathedrale. Verehrt wird bis heute der Cristo de Burgos, eine Christusfigur aus dem vierzehnten Jahrhundert. Täglich geöffnet, im Winter von 9:30 bis 18 Uhr, im Sommer bis 18:30 Uhr. Eintritt 11 €, mit Credencial 6 € (Stand: Oktober 2026).
  • Papamoscas: Hoch oben in der Kathedrale sitzt eine Figur, die zur vollen Stunde die Glocke schlägt und dabei den Mund aufreißt. Der Name heißt „Fliegenschnapper“.
  • Arco de Santa María: Das prächtige Stadttor an der Brücke über den Arlanzón war eines von einst zwölf Toren. Zu Ehren Karls V. wurde es im sechzehnten Jahrhundert umgebaut. In den Nischen stehen die Helden Kastiliens: der Stadtgründer Diego Porcelos, Graf Fernán González, der Cid und Karl V. Ein Vorgängertor wird schon im Cantar de mio Cid erwähnt. Heute ist es ein Kulturzentrum mit einem Apothekenmuseum.
  • Museo de la Evolución Humana: Am Fluss, seit 2010. Im Untergeschoss liegen die Funde aus der Sierra de Atapuerca, darunter der Schädel „Miguelón“ und der Faustkeil „Excalibur“. Für Pilger hat das einen besonderen Reiz: Du bist gerade über die Hügel gegangen, in denen einige der ältesten Menschen Europas gefunden wurden. Öffnungszeiten und Eintritt haben wir nicht verlässlich gefunden.
  • Hospital del Rey und San Amaro: König Alfons VIII. gründete das Hospital 1195 als Pilgerherberge. Vor dem Eingang lag ein Friedhof für Pilger, die hier starben. Am Portal aus dem sechzehnten Jahrhundert ist eine Pilgerfamilie dargestellt. Daneben steht die Kapelle von San Amaro, einem Heiligen, der sein Leben den Pilgern widmete und hier begraben ist. Heute sitzt im Hospital die Universität. Du kommst morgen früh am Ortsausgang daran vorbei.

Essen und Trinken

Der Klassiker ist lechazo, gebratenes Milchlamm. Abends gehst du am besten in die Calle San Lorenzo, die Calle Herreros oder die Calle Sombrerería zum Tapas-Essen. Probier einen cojonudo mit frittierter Chorizo oder morcilla, der berühmten Blutwurst von Burgos. Zum Nachtisch gibt es in fast allen Konditoreien yemas de Burgos aus Eigelb und Zucker.

Ehrlich gesagt

  • Der Hauptweg in die Stadt ist zäh. Auf dem Gehweg der alten Nationalstraße gehst du durch einen langen, lauten Industriekorridor. Nimm die Flussvariante über Castañares, auch wenn die Abzweigung nicht markiert ist.
  • Die Kathedrale ist nicht billig. 11 € regulär sind viel für ein Pilgerbudget. Zeig deine Credencial, dann zahlst du 6 €.
  • Im Winter ist es hier richtig kalt. Burgos hat kalte, schneereiche Winter, in Kältewellen fällt das Thermometer unter minus zehn Grad. Wer im November oder Dezember kommt, braucht warme Kleidung für den Abend.
  • Im Winter wird das Angebot dünn. Die kleine Herberge mit Pilgersegen in der Kapelle Divina Pastora schließt Ende Oktober, das Pilgerbüro ist nur im Sommer offen, und ein großes Hostel macht im Dezember zu.

Wo Pilger schlafen

  • Albergue municipal Casa del Cubo y de los Lerma: die städtische Herberge direkt hinter der Kathedrale, in einem Haus aus dem sechzehnten Jahrhundert an der Calle Fernán González 28. Sie gehört der Stadt und wird von der Vereinigung der Jakobusfreunde in Burgos mit freiwilligen Hospitaleros geführt. 10 € (Stand: Oktober 2026), ganzjährig offen, nur für Pilger, keine Reservierung. Es gibt Schließfächer, Waschmaschine und Trockner. Eine Credencial bekommst du hier für 3 €.
  • Albergue Santiago y Santa Catalina: eine kleine Herberge mit 16 Plätzen in der Kapelle Divina Pastora an der Calle Laín Calvo 10, etwa 100 Meter von der Kathedrale. Betrieben von einem Verein mit freiwilligen Helfern, 11 €, keine Reservierung, Pilger zu Fuß haben Vorrang. Jeden Abend um 19 Uhr gibt es eine Messe mit Pilgersegen. Geöffnet vom 1. April bis 31. Oktober.
  • Casa de Espiritualidad der Benediktinerinnen: Das Gästehaus des Klosters San José an der Calle Emperador 9 liegt direkt am Weg. Reservierung telefonisch.

Private Hostels gibt es in der Altstadt und am Busbahnhof, etwa Hostel Catedral Burgos nahe der Kathedrale und Hostel Burgos (Mola!) am Busbahnhof, mit Frühstück. Ein Bett im Schlafsaal kostet dort etwa 17 bis 25 € (Stand: Oktober 2026).

Ninja-Tipps

  • Credencial in die Tasche: In der Kathedrale sparst du damit 5 €. Dienstags gibt es zudem ein Zeitfenster mit freiem Eintritt, die Angaben zur Uhrzeit widersprechen sich, frag an der Kasse.
  • Die Flussvariante nehmen: Hinter Orbaneja Riopico und der Autobahnbrücke bei den weißen Reihenhäusern links abbiegen, über Castañares an den Arlanzón. Der Weg ist nicht markiert, aber deutlich angenehmer als das Industriegebiet.
  • Pünktlich zur vollen Stunde: Stell dich in der Kathedrale unter den Papamoscas, wenn die Uhr schlägt.
  • Pilgermesse: In der Kathedrale wird täglich um 19:30 Uhr eine Pilgermesse gefeiert, im Winter können sich die Zeiten ändern.
  • Proviant für die Meseta: Kauf in Burgos ein. Neben dem Hostel am Busbahnhof gibt es einen großen Supermarkt. Auf der nächsten Etappe findest du vor allem Brunnen.
  • Am Ortsausgang aufschauen: Am Hospital del Rey zeigt das Portal eine Pilgerfamilie. Gleich daneben liegt San Amaro begraben, der sein Leben Pilgern wie dir gewidmet hat.
  • Ruhig hinaus: Statt der markierten Straßen kannst du morgen früh am Fluss durch den Parque de la Isla zur Puente de Malatos gehen, etwa 20 Minuten.

Praktische Tipps für Pilger

  • Credencial und Stempel: Eine Credencial bekommst du in der städtischen Herberge für 3 €. Im Sommer stempelt und verkauft auch das Pilgerbüro in der Kathedrale Credenciales.
  • Einkaufen: Burgos hat rund 175.000 Einwohner, Apotheken, Supermärkte und Geldautomaten findest du überall. Sonntags sind viele Geschäfte geschlossen.
  • Wäsche: Die städtische Herberge hat Waschmaschine und Trockner.
  • An- und Abreise: Burgos hat einen Busbahnhof in der Nähe der Altstadt, wenn du hier startest oder aussteigst.

Weiter: hinaus auf die Meseta

Von der Kathedrale gehst du über die Calle Fernán González und die Calle Emperador aus der Altstadt, überquerst nach gut einem Kilometer auf der Puente de Malatos den Arlanzón und gehst durch den Parque del Parral zum Hospital del Rey. Dann geht es an der Universität vorbei und auf Erdwegen hinaus. Über die Puente del Arzobispo aus dem sechzehnten Jahrhundert erreichst du Tardajos, laut Camino Ninja 11,0 Kilometer. Hinter Rabé de las Calzadas (12,8 km) beginnt die offene Hochebene. Nach Hornillos del Camino sind es laut Camino Ninja 20,6 Kilometer.

Morgen erwartet dich

Zwischen Tardajos und Rabé überquerst du die Talaue des Urbel, die früher bei Hochwasser gefürchtet war. Daher stammt der Spruch: „De Rabé a Tardajos, no te faltarán trabajos; de Tardajos a Rabé, libéranos Domine.“ Von Rabé bis Tardajos wird es dir an Mühen nicht fehlen, von Tardajos bis Rabé erlöse uns, Herr. Hinter Rabé steigst du zwischen Getreidefeldern auf eine Anhöhe auf 925 Meter, und von dort siehst du schon Hornillos del Camino, dein Ziel für den Tag.

Tiefer eintauchen: Burgos, Stadt der Schwellen

Ein langer Text, falls du noch mehr über Burgos erfahren willst. Etwa fünfundzwanzig Minuten Lesezeit.

Wenn der Papamoscas die Stunde schlägt

Geh in der Kathedrale ins Hauptschiff, an sein westliches Ende zum Hauptportal hin, und schau nach oben. Etwa fünfzehn Meter über dem Boden sitzt in einem Fenster über einer Uhr eine halbe Figur in rotem Wams, mit grünem Kragen und einem Gesicht, das man mephistophelisch nennt. In der rechten Hand hält sie ein Notenblatt und die Kette eines Glockenklöppels. Zur vollen Stunde zieht sie an der Kette, die Glocke schlägt, und bei jedem Schlag reißt sie den Mund auf. Die Leute von Burgos nennen sie den Papamoscas, den Fliegenschnapper. Links daneben, auf einem kleinen Balkon, steht eine kleinere Figur, der Martinillo, der mit beiden Armen die Viertelstunden auf zwei hellen Glocken schlägt. Am schönsten ist es um zwölf Uhr mittags: zwölf Schläge, zwölfmal geht der Mund auf und zu.

Der heutige Papamoscas stammt aus dem achtzehnten Jahrhundert. Er ersetzte einen älteren Automaten aus dem sechzehnten. Benito Pérez Galdós hat ihn in zwei Romanen erwähnt, Edmondo de Amicis und Victor Hugo kannten ihn auch. Ende des neunzehnten Jahrhunderts hieß sogar die wichtigste Zeitung der Stadt nach ihm, ein liberales, spöttisches Blatt namens El Papa-Moscas.

Es ist ein guter Anfang für Burgos, denn diese Stadt nimmt sich ernst und lacht trotzdem. Hinter dir liegen gut zweihundertachtzig Kilometer seit Saint-Jean-Pied-de-Port, vor dir knapp fünfhundert bis Santiago. Du stehst in einem Gebäude, an dem mehr als drei Jahrhunderte lang gebaut wurde, über dem Grab des berühmtesten Kriegers Spaniens, in einer Stadt, die einmal Hauptstadt eines Königreichs war. Und über dir schnappt ein bemalter Holzmann nach Fliegen. Dieser Text erzählt, wie das alles zusammengehört.

Burgen an einem Fluss

Bewohnt waren die Hügel über dem Arlanzón schon in der Jungsteinzeit und in der Bronzezeit. Die Stadt Burgos aber beginnt, so will es die Überlieferung, im Jahr 884. Damals schickte König Alfons der Dritte von Asturien den Grafen Diego Rodríguez Porcelos, auf einem Hügel am rechten Flussufer eine Befestigung zu bauen. Es waren zuerst zwei Wachtürme, dann eine Mauer, dann eine Burg. Burgos war ein Vorposten an der Grenze zwischen dem christlichen Norden und dem muslimischen Süden.

Woher der Name kommt, ist nicht ganz geklärt. Die meisten denken an das spätlateinische burgus, einen befestigten Turm, das seinerseits auf ein griechisches Wort für Turm zurückgehen könnte. Andere hören darin das germanische Wort Berg oder ein westgotisches Wort für einen befestigten Ort. Allen Deutungen gemeinsam ist das Bild, das du heute noch siehst, wenn du zum Burghügel hinaufschaust: Hier wohnte man, weil man sich verteidigen musste.

Um 930 oder 931 vereinte Graf Fernán González mehrere Grafschaften unter Burgos. Bis dahin hatte die Gegend dem Königreich León unterstanden. Jetzt war Burgos die Hauptstadt der Grafschaft Kastilien, eines Landes, dessen Name selbst von seinen Burgen kommt. Fernán González wurde zur Gründungsfigur Kastiliens. Wenn du durch den Arco de Santa María in die Altstadt gehst, schaut er dich aus einer der Nischen an, neben Diego Porcelos, dem Cid und Kaiser Karl dem Fünften.

Die Hauptstadt eines Königreichs

1038 wurde Fernando der Erste König, und aus der Grafschaft Kastilien wurde ein Königreich mit Burgos als Hauptstadt. Seine Söhne stritten um das Erbe. 1071 ließ Sancho der Zweite seinen Bruder García in Burgos gefangen setzen. 1074 schenkte Alfons der Sechste seinen Palast für den Bau einer Kathedrale, und im selben Jahr wurde der alte Bischofssitz von Oca nach Gamonal verlegt, heute ein Stadtteil von Burgos, durch den der Hauptweg in die Stadt führt. 1075 bestätigten der König und Papst Gregor der Siebte Burgos als Bischofsstadt. Das Bistum Oca war alt, sein Bischof hatte schon 589 am dritten Konzil von Toledo teilgenommen. Burgos erbte also eine lange Geschichte.

1080 tagte hier unter Alfons dem Sechsten ein Konzil, das den alten spanischen Gottesdienst durch den römischen ersetzte. Das war eine Hinwendung nach Europa, nach Rom und nach Frankreich. Und es war die Zeit, in der der Jakobsweg die Stadt zu prägen begann. Im elften Jahrhundert übernahm der Weg die Rolle, die vorher das Militär gespielt hatte. Die Stadt wuchs von Osten nach Westen entlang des Flusstals, genau in der Richtung, in der die Pilger kamen und gingen. Um 1100 lebten hier etwa tausend Menschen, im dreizehnten Jahrhundert etwa siebentausend, am Ende des fünfzehnten etwa zwanzigtausend.

1085 eroberte Alfons der Sechste Toledo, und die Hauptstadt wanderte nach Süden. Burgos blieb trotzdem eine Stadt der Könige. Bis in die Zeit der Katholischen Könige kam der Hof immer wieder hierher, und hier tagten die Cortes, die Ständeversammlungen. Im Juni 1187 stiftete Alfons der Achte auf Bitten seiner Frau Eleonore von England vor der Stadt das Zisterzienserinnenkloster Las Huelgas. Es wurde Grablege der Königsfamilie, und seine Äbtissin herrschte bis ins sechzehnte Jahrhundert auch weltlich über mehr als fünfzig Dörfer. 1254 heiratete dort der englische Thronfolger, der spätere Eduard der Erste, Eleonore von Kastilien. In der Jakobuskapelle im Klostergarten steht eine bewegliche Figur des Apostels aus dem dreizehnten Jahrhundert. Mit ihr, so heißt es, wurden Könige, Prinzen und Infanten zu Rittern geschlagen.

Rodrigo Díaz, der Mann

Kein Name gehört so zu Burgos wie der des Cid, und kaum ein Name ist so von Legenden überwuchert. Der Mann dahinter hieß Rodrigo Díaz. Geboren wurde er wahrscheinlich um 1048. Dass er aus Vivar stammte, einem Dorf wenige Kilometer nördlich von Burgos, ist Tradition. Zeitgenössische Quellen dafür gibt es nicht, erst eine Dichtung des vierzehnten Jahrhunderts verbindet ihn ausdrücklich mit dem Ort.

Als junger Mann kam er an den Hof Fernandos des Ersten, als Page des Infanten Sancho. Unter Sancho dem Zweiten kämpfte er in den Schlachten gegen dessen Bruder Alfons. Nach Sanchos Tod 1072 diente er Alfons dem Sechsten, und der König verheiratete ihn mit Jimena Díaz, einer Urenkelin des Königs Alfons des Fünften von León. Die Urkunde, in der Rodrigo seiner Frau ihre Güter verschrieb, die sogenannte Carta de arras, liegt bis heute im Archiv der Kathedrale von Burgos.

Dann kam der Bruch. 1081 schickte Alfons ihn in die Verbannung, nachdem er ohne Erlaubnis in das Gebiet von Toledo eingefallen war. 1089 verbannte er ihn ein zweites Mal und zog seine Güter ein. Von da an war Rodrigo ein Herr auf eigene Rechnung. Er kämpfte für muslimische wie für christliche Herren und gegen beide. Am 17. Juni 1094 ergab sich ihm nach langer Belagerung Valencia, und er regierte die Stadt als unabhängiger Fürst. Er unterschrieb lateinisch als Rodericus Campidoctor, Rodrigo der Meister der offenen Feldschlacht. Daher kommt sein Beiname Campeador. Der Name Cid dagegen kommt aus dem Arabischen, von sayyid, Herr. Zuerst belegt ist er in einem lateinischen Gedicht aus der Mitte des zwölften Jahrhunderts.

Rodrigo starb 1099 in Valencia. 1102 verließ Jimena mit seinen Leuten die Stadt, die bald darauf wieder an die Almoraviden fiel, und brachte seine Gebeine nach Kastilien, in das Kloster San Pedro de Cardeña bei Burgos. Dort hätten sie bleiben können. Aber der Tote kam nicht zur Ruhe. 1808 schändeten französische Soldaten das Grab. 1809 ließ der französische General Thiébault die Gebeine in ein Mausoleum am Paseo del Espolón in Burgos bringen. 1826 kehrten sie nach Cardeña zurück, 1842 kamen sie in die Kapelle des Rathauses. Erst 1921 fanden Rodrigo und Jimena ihren heutigen Platz, unter der Vierung der Kathedrale. Die Grabinschrift verfasste Ramón Menéndez Pidal, der große Erforscher des Cid.

Der Cid im Lied: ein verschlossenes Tor

Dass der Cid ein Held ganz Spaniens wurde, verdankt er weniger seinen Schlachten als einem Gedicht. Das Cantar de mio Cid entstand zwischen 1195 und 1207, wahrscheinlich geschrieben von einem gebildeten, rechtskundigen Mann, der die Gegend um Burgos kannte. Erhalten ist es in einer einzigen Abschrift aus dem vierzehnten Jahrhundert, die heute in der Nationalbibliothek in Madrid liegt. Am Ende steht, ein Per Abbat habe es im Mai 1207 geschrieben. Die Forschung hält ihn heute eher für einen Abschreiber als für den Dichter.

Gleich am Anfang des erhaltenen Textes kommt der verbannte Cid nach Burgos. Die Leute stehen an den Fenstern und weinen, und sie sagen mit einer Stimme den berühmtesten Vers der spanischen Literatur: „¡Dios, qué buen vasallo, si oviesse buen señor!“ Gott, welch guter Vasall, hätte er nur einen guten Herrn. Aber niemand öffnet ihm. Der König hat in einem versiegelten Brief verboten, ihn aufzunehmen, bei Strafe von Hab und Gut, von Augen und Leben. Das Tor ist verriegelt. Schließlich tritt ein neunjähriges Mädchen hervor und erklärt ihm, dass sie nicht öffnen dürfen, und wünscht ihm Gottes Schutz. Der Cid betet in der Kirche Santa María und schlägt sein Lager draußen auf dem Kiesufer des Flusses auf, wie in den Bergen, weil ihm in der Stadt niemand etwas verkauft.

Für Pilger ist diese Szene seltsam vertraut. Ein Mann kommt erschöpft in eine Stadt, braucht ein Bett und Brot, und alle Türen sind zu. Burgos hat diese Erfahrung in seinen Gründungsmythos geschrieben, und es hat in den folgenden Jahrhunderten viele Hospitäler für Fremde gebaut.

Im Lied folgt gleich danach ein Streich. Weil der Cid Geld braucht, lässt sein Gefolgsmann Martín Antolínez zwei Truhen voller Sand als Pfand bei den jüdischen Geldverleihern Raquel und Vidas zurück und erzählt ihnen, darin liege Gold. In der Kathedrale zeigt man eine alte Truhe als Cofre del Cid. Tatsächlich diente sie dem Domkapitel zur Aufbewahrung von Urkunden. Auch eine zweite berühmte Szene ist Erfindung: In der Kirche Santa Águeda soll der Cid den König Alfons gezwungen haben zu schwören, dass er nichts mit dem Tod seines Bruders Sancho zu tun hatte. Historiker sehen dafür keinerlei Grundlage. Die Geschichte taucht zum ersten Mal 1236 auf, mehr als hundert Jahre nach Rodrigos Tod. Erzählt wird sie trotzdem bis heute, und die Kirche steht noch.

Ein Bischof, der Europa gesehen hatte

Die Kathedrale, in der der Cid heute liegt, ist nicht die erste an dieser Stelle. Alfons der Sechste hatte einen alten Palast seines Vaters und eine kleine Marienkirche gestiftet, und 1096 war eine romanische Kathedrale fertig. Hundert Jahre später war sie zu klein. Das Domkapitel hatte schon vor 1200 mehr als dreißig Mitglieder, und die Stadt wuchs mit den Pilgern.

Dass an ihrer Stelle eine gotische Kathedrale entstand, hat viel mit einem Mann zu tun: Bischof Mauricio, seit 1213 im Amt. Er reiste durch Frankreich und Deutschland, um für den jungen König Fernando den Dritten eine Braut zu werben, Beatrix von Schwaben, eine Enkelin Kaiser Friedrich Barbarossas. Die Hochzeit fand noch in der alten romanischen Kathedrale statt. Ein königliches Privileg von 1221 entschädigte den Bischof für seine Reise. Ob ihn auf dieser Reise die neuen gotischen Kathedralen jenseits der Pyrenäen beeindruckt haben, sagen die Quellen nicht. Aber der Mann, der seinen Neubau begann, kam sehr wahrscheinlich aus Frankreich.

Am 20. Juli 1221 wurde in Anwesenheit des Königs und des Bischofs der Grundstein gelegt. Dieser erste Baumeister bleibt namenlos. Manche Forscher denken an einen Domherrn namens Johan de Champagne, der 1227 belegt ist und den Mauricio mitgebracht haben könnte. Man begann im Osten, mit dem Chorhaupt und dem Altarraum. Schon 1230 wurde dort Gottesdienst gefeiert. Als Mauricio 1238 starb, waren das Chorhaupt, ein großer Teil des Querhauses und die Schiffe fast fertig. Er wurde im Altarraum begraben und später in die Mitte des Chorgestühls umgebettet. 1260 wurde die Kathedrale geweiht.

Um 1240 übernahm Meister Enrique die Bauleitung, auch er wohl aus Frankreich. Er leitete später auch den Bau der Kathedrale von León. Wenn du in einigen Tagen dort unter den bunten Fenstern stehst, siehst du das Werk desselben Mannes. Nach seinem Tod 1277 folgte ihm Johan Pérez, der erste Spanier in dieser Reihe.

Meister aus Köln

Die Kathedrale war geweiht, aber nicht fertig, und das zweite große Kapitel ihrer Baugeschichte hat einen Namen, der für deutsche Ohren vertraut klingt. Juan de Colonia, Hans aus Köln, arbeitete vor 1440 vermutlich in Dijon für die Herzöge von Burgund. Die Tradition erzählt, Bischof Alonso de Cartagena habe ihn vom Konzil von Basel mitgebracht. Belegt ist das nicht. Sicher ist, dass er 1442 in Burgos in einer Bruderschaft eingeschrieben war und dass am 18. September 1442 der Grundstein für die neuen Türme gelegt wurde. Im Jahr 1458 vermerkten die Bücher der Kathedrale: „Este día se acabaron de facer las torres.“ An diesem Tag wurden die Türme fertig.

Er hatte der Westfassade zwei durchbrochene Turmhelme aus Stein aufgesetzt, filigran wie Spitze und deutlich von deutscher Gotik geprägt. Sie sind bis heute das Wahrzeichen der Stadt, und du hast sie vielleicht schon von weitem gesehen. Unter ihnen, über der Galerie der Westfassade, steht eine Madonna mit dem Kind, ebenfalls von Juan de Colonia, mit der Inschrift „pulchra es et decora“, schön bist du und anmutig.

Juan de Colonia baute auch einen ersten Vierungsturm, plante nach einem Brand das Kartäuserkloster Miraflores vor der Stadt und heiratete eine Frau aus Burgos. Er starb zwischen 1476 und 1481, das genaue Jahr ist unsicher, und liegt unter den Bodenplatten am Eingang der Kapelle, die er für Alonso de Cartagena gebaut hatte. Sein Sohn Simón und sein Enkel Francisco führten das Werk fort. Simón begann 1482 die Capilla del Condestable, die Grabkapelle des Konnetabels Pedro Fernández de Velasco und seiner Frau Mencía de Mendoza. Offiziell heißt sie Kapelle der Reinigung Mariens. Sie ist so groß, dass man sie eine Kathedrale in der Kathedrale nennt, und ihr achteckiges Sterngewölbe ist in der Mitte durchbrochen, sodass Licht wie durch ein steinernes Netz fällt. Francisco baute 1517 ihre Sakristei. Drei Generationen einer Kölner Familie haben also das Gesicht dieser kastilischen Kathedrale geprägt.

Was du drinnen siehst

In der Nacht vom 3. auf den 4. März 1539 stürzte der Vierungsturm ein, in den frühen Morgenstunden. Niemand kam dabei ums Leben. Als Ursache nennen die Quellen das zu große Gewicht und nachgebende Pfeiler auf der Nordseite, manche auch einen Sturm. Juan de Vallejo baute ihn neu, auf vier gewaltigen runden Pfeilern, und 1568 war das Werk vollendet. Wenn du unter diesem Turm stehst und hinaufschaust, siehst du einen Stern aus Stein, durch den das Licht fällt. Und unter dir, im Boden, liegt eine schlichte Platte: das Grab des Cid und Jimenas.

Im nördlichen Querhaus führt eine Treppe hinauf zur Puerta de la Coronería, die höher liegt als der Kirchenboden, weil die Kathedrale in den Hang gebaut ist. Das ist die Escalera Dorada, die goldene Treppe. Das Domkapitel und Bischof Juan Rodríguez de Fonseca gaben sie 1519 bei Diego de Siloé in Auftrag. Die vergoldeten Eisengeländer schuf zwischen 1523 und 1526 ein Meister namens Hilario. Es heißt, Charles Garnier habe sich für die Treppe der Pariser Oper von ihr anregen lassen. Benutzt wird sie heute nur noch in der Karwoche.

Das Chorgestühl aus Nussholz schnitzte ab 1505 Felipe Bigarny. Den Hochaltar begann Rodrigo de la Haya 1562, nach seinem Tod vollendete ihn sein Bruder Martín bis 1580. In der Annenkapelle steht ein Altar von Gil de Siloé, dem Vater Diegos, der auch für die Kartause Miraflores gearbeitet hat. Den Altar der Capilla del Condestable schufen Diego de Siloé und Felipe Bigarny zwischen 1523 und 1526.

Und dann ist da der Christus. Der Santísimo Cristo de Burgos ist eine Figur aus dem vierzehnten Jahrhundert, erschreckend lebensecht: Sie hat bewegliche Glieder, echtes Menschenhaar und einen Holzkörper, der mit Haut überzogen ist. Lange gehörte sie dem königlichen Augustinerkloster der Stadt, erst nach der Auflösung der Klöster 1835 kam sie in die Kathedrale. Um sie ranken sich Legenden. Eine schreibt sie Nikodemus zu, dem Mann, der Jesus vom Kreuz genommen hat. Eine andere hat der böhmische Adlige Leo von Rožmitál auf seiner großen Reise durch Europa zwischen 1465 und 1467 aufgezeichnet: Seeleute aus Burgos hätten die Figur auf einem Schiff auf dem Meer gefunden. Die Kaufleute von Burgos nahmen ihre Verehrung mit in die Fremde und gründeten Kapellen des Christus von Burgos in Brügge und Antwerpen, die Augustiner trugen sie durch Spanien und nach Amerika. Vor diesem Bild standen Teresa von Ávila, der venezianische Gesandte Andrea Navagero und, Jahrhunderte später, Jean-Paul Sartre.

Die Pforte der Pilger

Die Kathedrale hat vier große Portale, und eines davon gehört den Pilgern. An der Nordseite, zum Hang hin, liegt die Puerta de la Coronería, auch Apostelpforte genannt. Sie entstand zwischen 1250 und 1257, gebaut von Künstlern aus dem Kreis Meister Enriques, mit einem Jüngsten Gericht im Bogenfeld. Durch diese Tür betraten die Pilger des Jakobswegs die Kathedrale. Der Weg führte und führt bis heute oberhalb der Kathedrale durch die Stadt, und vom alten Straßenzug, der heutigen Calle Fernán González, gelangte man direkt zu dieser Pforte. Das Domkapitel ließ sie schließlich schließen, weil zu viel Verkehr hindurchging. 1786 setzte man ihr einen barocken Bogen vor.

Schon 1516 hatte Bischof Fonseca ein zweites Nordportal anlegen lassen, als Ausweichtür zur Coronería: die Puerta de la Pellejería, die Pforte der Fellhändler, von Francisco de Colonia im Stil der Frührenaissance entworfen. Wenn du die Kathedrale heute als Besucher betrittst, kommst du durch die Südseite, die Puerta del Sarmental, gebaut um 1230 bis 1240. Ihr Bogenfeld mit Christus und den Evangelisten wird einem Bildhauer zugeschrieben, der auch an der Kathedrale von Amiens gearbeitet hat.

Den Apostel selbst findest du in der Kathedrale mehrfach. Die Jakobuskapelle, die Juan de Vallejo im frühen sechzehnten Jahrhundert erweitert hat, ist heute der wichtigste Raum des Museums und birgt den Kirchenschatz. Ihr Altar aus dem sechzehnten Jahrhundert zeigt Jakobus als Maurentöter, hoch zu Pferd, wie ihn das kriegerische Spanien sah. Im oberen Kreuzgang dagegen zeigt ein Relief Jakobus als Pilger. Der Ritter und der Wanderer, beide in einem Haus: Das ist ziemlich genau die Spannung, die den Jakobsweg durch das Mittelalter begleitet hat.

Ein Pilger hat in dieser Kathedrale seine letzte Ruhe gefunden. Alonso de Cartagena, Bischof von Burgos, wurde 1384 in Burgos geboren, als Sohn eines Rabbiners, der zum Christentum übergetreten und selbst Bischof geworden war. Alonso war Diplomat auf dem Konzil von Basel, übersetzte Cicero und Seneca und verteidigte 1449 und 1450 in einer eigenen Schrift die zum Christentum übergetretenen Juden gegen ihre Verfolger. 1456 kehrte er von einer Pilgerreise nach Santiago zurück und starb kurz darauf, am 12. Juli, in Villasandino in der Provinz Burgos. Er liegt in der Kapelle der Heimsuchung, die er sich 1440 hatte bauen lassen, und an deren Eingang sein Baumeister Juan de Colonia begraben ist.

Lesmes und das Hospital am Stadttor

Wer im Mittelalter nach Burgos kam, kam nicht in eine Stadt, die ihm die Tür verschloss wie dem Cid im Lied. Die Stadt hatte viele Hospitäler, und hinter den beiden wichtigsten stehen zwei Fremde, die geblieben sind.

Der erste hieß Adelelmo, auf Spanisch Lesmes. Er stammte aus Loudun im französischen Poitou, war Soldat gewesen und hatte auf einer Pilgerreise nach Rom Robert von Turlande kennengelernt, den Gründer der Abtei La Chaise-Dieu. Lesmes wurde Mönch und später Abt dort. Königin Konstanze von Burgund, die französische Frau Alfons des Sechsten, hörte von seinem Ruf und holte ihn nach Burgos. 1079 gründeten König und Königin ein Kloster unter der Bedingung, dass Lesmes dessen Abt würde. Er baute dazu bald eine Kirche und ein Hospital für Kranke und Pilger. Um 1100 starb er, und Burgos machte ihn zu seinem Stadtpatron. Seine Gebeine liegen in der Kirche San Lesmes an der Plaza de San Juan, über die der Weg in die Altstadt führt. Gegenüber steht das Hospital de San Juan, 1476 als Nachfolger des alten Hospitals gegründet. Das heutige Gebäude wird Simón de Colonia zugeschrieben, nur das Portal und die Wappen sind vom ursprünglichen Bau erhalten. Heute ist es ein Kulturhaus.

Das zweite und größere war das Hospital del Rey. König Alfons der Achte gründete es 1195 vor den Toren, an der Straße nach Westen, ausdrücklich für die Aufnahme von Pilgern, und unterstellte es der Äbtissin von Las Huelgas. Es wurde eine der bedeutendsten Pilgerherbergen am ganzen Weg. 1234 kam das Hospital von Valdefuentes mit seinen Ländereien hinzu. Das Hospital del Rey herrschte selbst über Dörfer im Umland, darunter Cardeñadijo, durch das heute die Pilger der Ruta de la Lana kommen. Im dreizehnten Jahrhundert entstand ein großer Krankensaal, ein gotischer Bau mit drei Schiffen und Decken im Mudéjarstil, also in der Formensprache maurischer Handwerker. Von ihm ist nichts geblieben, die letzten Ruinen, die Arcos de la Magdalena, wurden 1910 abgerissen.

Gepflegt wurden die Pilger von Laienbrüdern. Diese Hospitalbrüder machten sich 1474 zu einem eigenen Orden selbständig, 1587 wurde der Orden aufgehoben und wieder der Äbtissin unterstellt. Auch zwischen dem Kloster und dem Hospital gab es Streit. 1429 lagen die Äbtissin und das Hospital vor Gericht miteinander, und es war Alonso de Cartagena, der Pilgerbischof, der als königlicher Rat eingriff. 1430 bekam das Kloster recht.

San Amaro und die Puerta de Romeros

Mit dem Hospital del Rey ist ein zweiter Fremder verbunden, der geblieben ist. Amaro war der Überlieferung nach ein französischer Pilger des dreizehnten Jahrhunderts. Statt heimzukehren, widmete er sein Leben den armen Kranken und den Pilgern im Hospital del Rey. Er ist neben dem Hospital in einer kleinen Kapelle begraben, und vor dem Eingang lag der Friedhof, auf dem die Pilger beerdigt wurden, die hier starben. Es gibt auch die Legende eines Abtes namens Amaro, der mit Gefährten übers Meer zum irdischen Paradies gesegelt sein soll. Ob er mit dem Pilger von Burgos etwas zu tun hat, lässt sich aus unseren Quellen nicht sagen.

Den Eingang zum Hospital bildet bis heute die Puerta de Romeros, die Pforte der Pilger, ein Portal im Stil der Frührenaissance, auf dessen Spitze der Apostel steht. Kaiser Karl der Fünfte ließ das Hospital im sechzehnten Jahrhundert erneuern. Aus dieser Zeit stammen auch die hölzernen Kirchentüren mit Jakobusmotiven. Eines der Bilder zeigt eine Pilgerin, die im Gehen ihr Kind stillt. Schau es dir an, wenn du morgen früh vorbeikommst. Wahrscheinlich hast du in den letzten Wochen nicht an Mütter gedacht, die mit Säuglingen nach Santiago gingen. Das Bild erzählt, dass es sie gab.

Die Geschichte des Hospitals endet nicht friedlich. Nach den Klosteraufhebungen des neunzehnten Jahrhunderts ging es an die städtische Wohlfahrt, 1874 an die Krone. Im Bürgerkrieg nutzten die Aufständischen es als Lazarett für marokkanische Soldaten aus Francos Truppen, und im Hof baute man für sie eine Moschee. Ende der 1940er Jahre war sie eine Ruine, heute ist keine Spur mehr davon übrig. In den 1980er Jahren wurde das Hospital restauriert und der Universität übergeben. Wo früher Pilger schliefen, sitzen heute das Rektorat, die juristische Fakultät und die alte Bibliothek. Im Garten liegt ein großes Schachbrett, und im Sommer gibt es dort Konzerte.

Was der Pilgerführer über Burgos sagt

Im zwölften Jahrhundert entstand der Liber Sancti Iacobi, das große Jakobusbuch, das man nach seiner berühmtesten Handschrift auch Codex Calixtinus nennt. Sein fünftes Buch ist ein Reiseführer für Pilger. Es teilt den Weg von den Pyrenäen bis Santiago in dreizehn Tagesreisen ein, manche ausdrücklich zu Pferd. Die fünfte, so heißt es dort, ebenfalls zu Pferd, „va de Nájera hasta la ciudad llamada Burgos“, die sechste „de Burgos a Frómista“. In der Liste der Orte am Weg stehen drei Namen hintereinander, die du kennst: Atapuerca, die Stadt Burgos, Tardajos. Der Ort hinter dir, der, in dem du stehst, und der vor dir.

Über Kastilien urteilt der Verfasser freundlicher als über manche andere Gegend. Auf dem Weg nach Burgos, schreibt er, folgen Kastilien und Campos, „una tierra llena de tesoros, de oro, plata“, reich an Tuchen und kräftigen Pferden. Die Pilger kamen also in eine wohlhabende Landschaft, und Burgos war ihr Tor.

Viele kamen. Leo von Rožmitál notierte hier in den 1460er Jahren die Legende vom Christus aus dem Meer. Der Priester Domenico Laffi aus Bologna ging dreimal zu Fuß nach Santiago, 1666, 1670 und 1673, und schrieb darüber ein Buch, das 1681 erschien. Auch er besuchte in Burgos den Gekreuzigten, von dem man sagte, er sei eines von drei Kreuzen aus der Hand des Nikodemus. Burgos war für die Pilger dieser Jahrhunderte ein Ort, an dem man nicht nur schlief, sondern etwas sehen musste.

Wolle, Brügge und die Juden von Burgos

Im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert war Burgos das Handelszentrum Nordspaniens, vor allem für Wolle. Die Wolle der kastilischen Schafe ging nach Flandern, und in Brügge und Antwerpen gründeten Kaufleute aus Burgos Kapellen für den Christus ihrer Heimatstadt. Im sechzehnten Jahrhundert wuchs Burgos auf rund fünfundzwanzigtausend Einwohner, baute Paläste und dehnte sich über den Fluss aus. Die alten Wege der Wollhändler gehen Pilger heute als Ruta de la Lana, rund 676 Kilometer von Alicante bis hierher.

Zu dieser reichen Stadt gehörte eine der größten jüdischen Gemeinden Nordspaniens. Ihr Viertel lag am Hang unter der Burg, geteilt in einen oberen und einen unteren Teil durch die heutige Calle Fernán González, also genau durch die Straße, auf der du zur Kathedrale gehst. Eine Synagoge ist 1440 belegt, ein jüdischer Friedhof 1386. Alonso de Cartagena und sein Vater stammten aus dieser Welt. Mit der Vertreibung der Juden und später der Morisken begann, so liest man es in der Stadtgeschichte, ein langer Niedergang.

Im Haus des Konnetabels, der Casa del Cordón, so erzählt eine Inschrift an der Fassade, empfingen die Katholischen Könige Christoph Kolumbus nach seiner zweiten Reise. Im selben Haus starb Philipp der Schöne, der Mann Johannas der Wahnsinnigen. Zu Ehren Karls des Fünften, der 1520 nach Burgos kam, baute die Stadt ab 1531 das alte Stadttor an der Brücke zum Arco de Santa María um. Burgos hatte sich am Aufstand der kastilischen Städte gegen den jungen Kaiser beteiligt und wollte sich wieder beliebt machen. Über allen Helden Kastiliens steht dort die Jungfrau Maria.

Stille Jahrhunderte

Ab der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts ging es bergab. Die Stadtgeschichte nennt viele Gründe: die Kriege in Flandern, die Entdeckung Amerikas, die Zentralisierung des Reiches, den Umzug des Hofes nach Madrid und die Pest, die vor allem im letzten Viertel des Jahrhunderts wütete. Die Einwohnerzahl fiel auf etwa viertausendfünfhundert. Ein Dokument der Stadtverwaltung klagt: „La Ciudad está tan despoblada y sin gente.“ Die Stadt ist so entvölkert und ohne Menschen. 1750 lebten hier etwa neuntausend Menschen, um 1800 zehntausend.

Dann kamen die Franzosen. Im Unabhängigkeitskrieg gegen Napoleon litt Burgos unter Hunger, besonders im Krisenjahr 1812. Soldaten plünderten die Kartause Miraflores und schändeten das Grab des Cid in Cardeña, in der Kathedrale gingen viele der alten Glasfenster zu Bruch. Am 13. Juni 1813 zogen die Franzosen ab und sprengten zuvor die Burg, nach der die Stadt benannt ist.

Im neunzehnten Jahrhundert wurde Burgos 1834 Provinzhauptstadt. Man legte Promenaden an, den Espolón, die Isla, die Quinta, an deren Ufer du vielleicht hereingekommen bist. 1885 wurde die Kathedrale zum Nationaldenkmal erklärt. Der Architekt Vicente Lampérez restaurierte ab 1887 die Kapelle des Christus und zwischen 1899 und 1911 den Kreuzgang. Die Stadt begann, ihre Steine als Erbe zu verstehen.

Eine Frage, über die gestritten wird

Es gibt ein Kapitel, das Burgos nicht gern erzählt und das du trotzdem kennen solltest. Im Juli 1936 putschten Teile der Armee gegen die Republik, und Burgos lag von Anfang an im Gebiet der Aufständischen. Hier saß die Junta de Defensa Nacional, die Führung der Aufständischen. Hier bildete Franco 1938 seine erste Regierung. Vom 1. April bis zum 18. Oktober 1939 war Burgos die Hauptstadt des siegreichen Regimes. Im Hospital del Rey lagen, wie erzählt, marokkanische Soldaten der Aufständischen.

Auch später blieb der Name der Stadt mit dem Regime verbunden. Am 3. Dezember 1970 begann hier vor einem Militärgericht der Prozess von Burgos gegen sechzehn Mitglieder der baskischen Untergrundorganisation ETA, angeklagt wegen dreier Morde. Sechs Todesurteile wurden verhängt und dann in Haftstrafen umgewandelt.

Was folgt daraus? In Spanien wird bis heute gestritten, wie man an diese Jahre erinnern soll, welche Denkmäler bleiben, welche Namen von Straßen verschwinden, wie man von Opfern und Tätern spricht. Burgos ist keine Stadt der Täter, und es ist keine Stadt der Opfer. Es ist eine Stadt, in der beides geschehen ist. Du musst dir keine Meinung bilden, um weiterzugehen. Aber es ist ehrlicher, die Kathedrale nicht nur als Kulisse für Könige und Helden zu sehen. Dieselbe Stadt, die den Cid besingt, hat auch dunkle Jahre gesehen.

Die ältesten Europäer

Etwa fünfzehn Kilometer vor Burgos bist du durch die Sierra de Atapuerca gegangen, einen niedrigen, steinigen Höhenzug mit einem Holzkreuz oben. Schon im Pilgerführer des zwölften Jahrhunderts steht der Ort Atapuerca vor Burgos. Niemand ahnte damals, was im Berg lag.

Im zwanzigsten Jahrhundert schnitt eine Schmalspurbahn tiefe Gräben in den Berg, und dabei kamen Höhlen und Spalten zum Vorschein, voll mit Knochen. 1964 grub Francisco Jordá Cerdá erste Funde aus. Ab 1978 leitete Emiliano Aguirre die Forschung, nach ihm übernahmen Eudald Carbonell, José María Bermúdez de Castro und Juan Luis Arsuaga.

In der Gran Dolina fand man ab 1994 mehr als hundertsechzig Knochenstücke von Menschen, zwischen 850.000 und 780.000 Jahre alt. Die Forscher stellten sie zu einer eigenen Art, dem Homo antecessor, dem Vorgänger, auch wenn diese Einordnung bis heute diskutiert wird. Mehr als dreißig Prozent dieser Knochen tragen Bearbeitungsspuren. Diese frühen Menschen haben einander gegessen, und die Forscher deuten es als Kannibalismus zur Ernährung. In der Sima de los Huesos, der Knochengrube, lagen mehr als fünftausendfünfhundert Skelettreste von mindestens achtundzwanzig Menschen, mindestens 350.000 Jahre alt. Unter ihnen war ein vollständiger Schädel, den die Forscher Miguelón tauften, und daneben ein Faustkeil aus rotem Quarzit, Excalibur genannt. Manche Fachleute halten ihn für eine Grabbeigabe. Wenn das stimmt, hätten Menschen hier schon vor Hunderttausenden von Jahren ihren Toten etwas mitgegeben. In der Sima del Elefante kam im Juli 2022 ein Oberkieferknochen mit Zahn ans Licht, rund 1,4 Millionen Jahre alt, das bisher älteste menschliche Gesicht Westeuropas.

Im Jahr 2000 wurde Atapuerca Welterbe. Seit 2010 zeigt das Museo de la Evolución Humana am Ufer des Arlanzón, ein Bau des Architekten Juan Navarro Baldeweg, die Funde. Für dich als Pilger ist das ein merkwürdiger Gedanke. Die Kathedrale, das Hospital, der Cid, das alles ist ein paar Jahrhunderte alt. Über die Hügel, die du auf dem Weg hierher gegangen bist, sind Menschen schon vor mehr als einer Million Jahren gezogen. Der Weg ist viel älter als der Jakobsweg.

Burgos heute

Heute ist Burgos eine Industriestadt mit rund 175.000 Einwohnern. Seit den 1960er Jahren wuchsen große Industriegebiete, und wenn du auf dem Hauptweg über Villafría und Gamonal hereingekommen bist, hast du sie gesehen. Das gehört zu dieser Stadt wie die Türme.

Die Kathedrale wurde am 31. Oktober 1984 Welterbe, als einzige Kathedrale Spaniens ganz für sich allein, nicht als Teil einer Altstadt oder einer Gruppe von Bauten. Am 12. August 1994 stürzte eine Statue des heiligen Laurentius vom Nordturm. Seither sind rund 30 Millionen Euro in die Restaurierung geflossen, so heißt es, mehr als in jedes andere Baudenkmal Europas. 2012 prägte Spanien eine Zwei-Euro-Münze mit der Fassade und dem Vierungsturm. Vielleicht hast du sie im Portemonnaie.

Und die Pilger kommen. Für sie gibt es die städtische Herberge in einem Haus aus dem sechzehnten Jahrhundert direkt hinter der Kathedrale, geführt von Freiwilligen, und im Sommer die kleine Herberge in der Kapelle Divina Pastora mit ihrem abendlichen Pilgersegen. Im Mittelalter betraten die Pilger die Kathedrale durch die Coronería. Heute zeigst du an der Kasse deine Credencial und zahlst weniger. Das ist auch eine Art Pforte.

Was Burgos dir mitgibt

Morgen gehst du über die Puente de Malatos, die Brücke, die nach den Aussätzigen benannt ist, am Hospital del Rey vorbei und hinaus auf die Meseta. Vor dir liegen Tage mit viel Himmel und wenig Schatten.

Burgos hat dir viel gezeigt: einen Helden, dem die Tür verschlossen wurde, und Fremde wie Lesmes und Amaro, die geblieben sind, damit anderen die Tür offen steht. Einen Bischof, der Europa gesehen hatte, und einen Baumeister aus Köln, der hier begraben ist. Einen Pilgerbischof, Sohn eines Rabbiners, der von Santiago heimkam und starb. Eine Stadt, die reich war, arm wurde, Hauptstadt eines Regimes war und heute von ihrer Industrie lebt. Und Knochen in einem Berg, älter als jede Geschichte.

Du musst nichts davon mitnehmen. Aber vielleicht dies: Jede dieser Geschichten handelt von einer Schwelle, von einem Tor, das sich öffnet oder schließt. Auf der Meseta wird es stiller. Wenn du hinter Rabé auf der Anhöhe stehst und vor dir nur noch Felder siehst, darfst du die Pracht von Burgos loslassen. Sie hat ihre Arbeit getan.

Übernachten in Burgos

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Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert Oktober 2025