Logroño empfängt dich über den Ebro: Die Steinbrücke ersetzt seit 1884 eine ältere, die der Überlieferung nach San Juan de Ortega für die Pilger baute. Die Hauptstadt der Rioja hat zwei Pilgerherbergen auf Spendenbasis und rund um die Calle Laurel mehr als 65 Bars. Ein Nachmittag reicht, der Abend gehört den Pinchos.
Aktuell in Logroño (Stand: Oktober 2026)
- Städtische Herberge unter neuer Leitung: Nach Bauarbeiten war sie von Mitte April bis Ende Juni 2026 geschlossen. Seit dem 1. Juli 2026 führt sie der spanische Dachverband der Freunde des Jakobswegs, und sie arbeitet auf Spendenbasis. Zuvor hatte der Verein aus La Rioja sie 33 Jahre lang betreut, er hat gegen die Neuvergabe Einspruch eingelegt.
- Pfarrherberge im Winter: Laut einem Beitrag im Pilgerforum vom Juli 2026 soll die Pfarrherberge Santiago el Real von November bis Februar schließen. Ein Herbergsportal führt sie dagegen als ganzjährig offen. Frag vorher nach.
Wie lange bleiben?
Ein Nachmittag reicht. Die Kirchen am Weg, Santiago el Real, die Concatedral und San Bartolomé, liegen alle in der kleinen Altstadt. Das Besondere an Logroño ist der Abend: Dann füllen sich die Gassen um die Calle Laurel. Wenn deine Füße nach gut 160 Kilometern einen Ruhetag brauchen, ist eine Großstadt mit Läden, Apotheken und privaten Herbergen kein schlechter Ort dafür. Nötig ist er aber nicht.
Logroño in Ninja-Zahlen
- Rund 161 Kilometer hast du laut Camino Ninja seit Saint-Jean-Pied-de-Port geschafft. Bis Santiago sind es noch 615.
- 198 Meter lang ist der Puente de Piedra, über den du in die Stadt kommst. Seine Vorgängerin hatte zwölf Bögen und drei Wehrtürme, die heute noch im Stadtwappen stehen.
- Mehr als 65 Bars drängen sich auf gut 200 Metern rund um die Calle Laurel (Stand: Oktober 2026).
- 33 Jahre lang führte ein Verein aus Ehrenamtlichen die städtische Herberge, bis zum Frühjahr 2026.
Ankommen: über den Ebro in die Altstadt
Von Viana sind es laut Camino Ninja knapp 10 Kilometer. Auf dem Weg wechselst du von Navarra nach La Rioja. Dann führt dich der Camino Francés über den Puente de Piedra, die Steinbrücke über den Ebro. Sie ist seit Jahrhunderten das Tor der Pilger in die Stadt.
Auf der anderen Seite beginnt die Altstadt mit den beiden Pilgerherbergen: die städtische in der Calle Ruavieja und die Pfarrherberge in der Calle Barriocepo an der Kirche Santiago el Real, direkt am Camino. An der Brücke gibt es außerdem einen Infopunkt für Pilger, der im Juli 2026 wieder geöffnet hat.
Kurz erzählt: ein Dorf, das ein Stadtrecht bekam
Logroño war ursprünglich ein Dorf, das dem Kloster San Millán gehörte. 1095 gab König Alfons der Sechste ihm ein Stadtrecht, den Fuero de Logroño, und machte es zur königlichen Stadt. Dieses Recht wurde zum Vorbild für viele Städte im Norden Spaniens. Mit den Pilgern und dem Handel wuchs die Stadt am Ebro.
1521 belagerten französische und navarresische Truppen Logroño etwa eine Woche lang. Die Stadt hielt stand, und jedes Jahr am 11. Juni feiert sie das mit dem Fest San Bernabé. 1610 fand hier ein großes Glaubensgericht der Inquisition statt, bei dem nach der Überlieferung Menschen aus dem Pyrenäendorf Zugarramurdi als Hexen verbrannt wurden. Heute ist Logroño mit rund 152.000 Einwohnern die Hauptstadt der Rioja, der Region, nach der auch ihr Wein heißt.
Der Fluss, auf den die Pilger warteten
Im zwölften Jahrhundert warnte der Pilgerführer des Codex Calixtinus: Alle Flüsse zwischen Estella und Logroño seien für Menschen und Tiere ungesund. Dann kam der Ebro. Durch Logroño, so schreibt der Codex, fließe ein gewaltiger Fluss mit gesundem Wasser und reich an Fischen. Für die Pilger von damals war das eine gute Nachricht nach Tagen mit schlechtem Wasser.
Über diesen Fluss führte eine Brücke, die der Überlieferung nach San Juan de Ortega gebaut hat, einer der großen Wegbauer des Camino. Ein Chronist der Stadt schrieb, sie sei gebaut worden, um den Pilgern auf dem Weg nach Santiago den Übergang zu erleichtern. Sie hatte zwölf Bögen und drei Türme. Im Juni 1775 stand das Hochwasser über der ganzen Brücke und riss den ersten Turm mit, 1871 stürzte sie ein. Die heutige Brücke von 1884 hat sieben Bögen und ist 198 Meter lang.
Du wirst den Ebro in Logroño noch öfter sehen. Am Ufer zieht sich ein rund 15 Kilometer langer Grünweg mit Parks entlang, gut für einen Abendspaziergang ohne Rucksack. Und selbst in der Calle Laurel, zwischen den Tapas-Bars, ist sein Lauf seit 2011 in Bodenplatten nachgezeichnet.
Rund um Santiago el Real: was du sehen solltest
Die Altstadt ist klein, und alles liegt am Camino oder ein paar Gassen daneben. Öffnungszeiten und Eintritt haben wir für keine der Kirchen verlässlich gefunden. Wenn eine Tür offen ist, geh hinein.
- Iglesia de Santiago el Real: Die Kirche des Apostels steht direkt am Camino, und in ihr betreibt die Pfarrei die Pilgerherberge. Die heutige Kirche entstand zwischen 1500 und 1527, nachdem ein Brand den Vorgängerbau zerstört hatte. Am Portal siehst du Jakobus zweimal: als Pilger und als Santiago Matamoros, den Maurentöter, eine Figur von 1737. Zwei Bilder desselben Heiligen an einer Tür, der Wanderer und der Kämpfer. Im Altaraufsatz drinnen ist die legendäre Schlacht von Clavijo zweimal dargestellt, in der Jakobus den Christen erschienen sein soll, dazu eine gotische Pilgerfigur des Apostels aus dem vierzehnten Jahrhundert.
- Concatedral de Santa María de la Redonda: Die Kirche an der Plaza del Mercado entstand ab 1516, ihre beiden Zwillingstürme kamen im achtzehnten Jahrhundert dazu. Im Chorumgang hinter dem Hauptaltar ist ein kleines Gemälde der Kreuzigung zu sehen, das Michelangelo zugeschrieben wird. Ein Bischof hat es nach Logroño gebracht, ob es wirklich von Michelangelo ist, ist nicht bewiesen. Für dich ist es die Gelegenheit, mitten auf dem Weg vielleicht einen Michelangelo zu sehen.
- Iglesia de San Bartolomé: Die Kirche liegt am Camino und wurde im zwölften Jahrhundert begonnen. Ihr gotisches Portal gilt als wichtigstes gotisches Bildhauerwerk der Rioja. In 19 Szenen erzählt es vom Martyrium des Apostels Bartholomäus und von der Auffindung seiner Reliquien. Den Turm aus Ziegeln baute man nach der Belagerung von 1521 neu.
- Iglesia de Santa María de Palacio: 1130 schenkte König Alfons der Siebte seinen Palast dem Orden vom Heiligen Grab, der hier seine erste Niederlassung in Kastilien gründete. Der Orden war mit dem Grab Christi in Jerusalem verbunden, dem anderen großen Pilgerziel des Mittelalters. Auffällig ist die spitze gotische Turmhaube aus dem dreizehnten Jahrhundert.
Essen und Trinken
Logroños Abend spielt sich in der Calle Laurel und den Nachbargassen ab, die zusammen „Senda de los Elefantes“ heißen, der Pfad der Elefanten. Wer hineingeht, so sagt man, kommt mit Rüssel und auf allen vieren wieder heraus. Auf gut 200 Metern gibt es mehr als 65 Bars, und jede hat ein oder zwei Spezialitäten: Champignons, Pilze, Spieße, Tortilla, Schweineohr, Patatas bravas. Dazu trinkst du Rioja, den Wein der Region. Die Straße entstand, nachdem die Stadtmauer 1862 abgerissen wurde. Die Calle San Juan gehört ebenfalls dazu.
Ehrlich gesagt
- Die städtische Herberge steht auf unsicherem Boden. Ihre Leitung ist neu, und der bisherige Verein kämpft gegen die Vergabe. Wie sie sich langfristig entwickelt, ist offen. Für dich zählt: Im Sommer und Herbst 2026 loben Pilger in der App die Freiwilligen und das Haus.
- Die Pfarrherberge ist herzlich, aber einfach. Es gibt keine Küche, wenn alle Betten belegt sind, schläfst du auf einer Matte, und um 22 Uhr ist die Tür zu. Wer abends lange in der Calle Laurel sitzen will, ist dort falsch.
- Die Kirchen sind oft zu. Für keine haben wir verlässliche Öffnungszeiten gefunden. Plane deinen Besuch nicht um eine bestimmte Kirche herum.
- Der Weg aus der Stadt ist lang. Bis zum Stausee La Grajera, wo du wieder im Grünen bist, sind es vom Zentrum knapp sechs Kilometer.
Wo Pilger schlafen
- Albergue de peregrinos de Logroño: die städtische Herberge in der Calle Ruavieja in der Altstadt. Seit dem 1. Juli 2026 führt sie der spanische Dachverband der Freunde des Jakobswegs, und sie arbeitet auf donativo-Basis. Zur Begrüßung gibt es Zitronenwasser und Obst. Pilger loben in der App die Freiwilligen, die Küche und die Waschplätze.
- Albergue parroquial Santiago El Real: die Pfarrherberge an der Kirche Santiago el Real, Calle Barriocepo 8, seit 2007. 30 Plätze in Stockbetten und auf Matratzen, donativo. Es gibt ein gemeinsames Abendessen und Frühstück, nach dem Essen ein freiwilliges Gebet. Keine Reservierung, Einlass von 14 bis 22 Uhr, eine Credencial ist Pflicht. Pilger in der App erzählen vom gemeinsamen Kochen und Singen.
Daneben gibt es in der Altstadt mehrere private Herbergen mit Schlafsälen, meist zwischen 15 und 25 € pro Nacht, die sich reservieren lassen. Viele haben Vorhänge an den Betten, Klimaanlage und Bettwäsche aus Baumwolle, das loben Pilger in der App immer wieder.
Ninja-Tipps
- Füße in den Brunnen: In der städtischen Herberge darfst du deine Füße in den Brunnen im Innenhof stellen. Mehrere Pilger schwärmen davon in der App.
- Die Spezialität des Hauses: In der Calle Laurel hat jede Bar ein oder zwei Spezialitäten. Bestell genau die, trink ein Glas und zieh weiter. So funktioniert der Abend hier.
- Donativo heißt nicht gratis: Beide Pilgerherbergen leben von deinen Spenden, in der Pfarrherberge auch das Abendessen. Gib so viel, wie du in einer privaten Herberge zahlen würdest, wenn du kannst.
- Hilf mit: In der Pfarrherberge wird gemeinsam gekocht und abgewaschen. Pack mit an.
- Der Infopunkt an der Brücke: Gleich am Puente de Piedra gibt es einen Infopunkt für Pilger. Dort bekommst du Auskunft, bevor du in die Altstadt gehst.
- Am Ebro entspannen: Wenn du nachmittags noch Lust hast, geh am Ebro entlang. Am Ufer zieht sich ein Grünweg mit Parks entlang.
Praktische Tipps für Pilger
- Sperrstunde: In der Pfarrherberge ist um 22 Uhr Schluss, und das wird streng gehandhabt.
- Einkaufen: Als Großstadt hat Logroño alles, was du für die nächsten Tage brauchst. Pilger in der App erwähnen Supermärkte gleich neben mehreren privaten Herbergen.
- Fest: Das Weinlesefest San Mateo ist jedes Jahr in der Woche um den 21. September.
Weiter: über La Grajera nach Nájera
Du verlässt die Stadt auf einem Grünweg, der Vía Verde, die zum Stausee La Grajera führt. Der Stausee wurde 1880 gebaut, um die Gärten der Stadt zu bewässern, und liegt heute in einem großen Park. Nach laut Camino Ninja 12,6 Kilometern erreichst du Navarrete, das letzte Töpferzentrum der Rioja, mit einer Kirche, die ab 1553 gebaut wurde, und einem barocken Altaraufsatz. Über Sotés und Ventosa geht es weiter nach Nájera, laut Camino Ninja 29,6 Kilometer ab Logroño.
Morgen erwartet dich
Kurz vor Navarrete gehst du an den Ruinen des mittelalterlichen Pilgerhospitals San Juan de Acre vorbei. Sein romanisches Portal steht heute am Friedhof, an dem du auf dem Weg nach Nájera vorbeikommst: ein Tor für Pilger, das zu einem Tor für die Toten wurde. In Nájera wartet das Kloster Santa María la Real, 1052 geweiht von König García Sánchez dem Dritten, der hier geboren und begraben wurde. Erhalten ist eine Höhle aus dem ersten Bau, die Cueva de la Virgen.
Wenn dir der Weg bis Nájera zu lang ist, ist Navarrete nach 12,6 Kilometern ein guter Zwischenstopp.
Tiefer eintauchen: Die Stadt am großen Fluss
Ein langer Text, falls du noch mehr über Logroño erfahren willst. Etwa fünfundzwanzig Minuten Lesezeit.
Auf der Brücke
Bleib einen Moment stehen, bevor du in die Altstadt gehst. Unter dir fließt der Ebro, der größte Fluss, den du auf dem Camino Francés überquerst. Vor dir liegt eine Stadt mit rund 152.000 Einwohnern, die erste wirklich große seit Pamplona. Und unter deinen Füßen trägt dich eine Brücke, die erst seit 1884 hier steht, an einer Stelle, an der Pilger seit fast tausend Jahren über den Fluss gehen.
Logroño ist eine Stadt, die man leicht unterschätzt. Viele Pilger kennen sie nur als den Ort mit den Tapas-Bars in der Calle Laurel. Das ist nicht falsch. Aber hinter den Bars liegt eine Geschichte, die mit diesem Fluss beginnt, mit einem Heiligen, der Brücken baute, mit einem Apostel, der zu Pferd in eine Schlacht ritt, die es so nie gegeben hat, mit einem kleinen Bild, das vielleicht von Michelangelo stammt, und mit einer Woche im Juni 1521, in der die Stadt den Atem anhielt.
Und es ist eine Weinstadt. Unter der ältesten Straße der Stadt, durch die du gleich gehst, liegen bis heute Keller, in denen schon vor Jahrhunderten Wein gemacht wurde. Der Weg und der Wein, das sind die beiden Fäden, die sich durch Logroño ziehen.
Eine Furt und ein Stadtrecht
Schon der Name erzählt vom Fluss. Die verbreitetste Erklärung leitet Logroño von einem keltischen Wort ab, das so viel wie Furt oder Übergang bedeutet. Später wuchs ein Artikel davor, aus Gronio wurde Logronio. Im Stadtrecht von 1095 steht beides: meistens Logronio, einmal noch illo Gronio, jene Furt. Eine andere Erklärung denkt an einen heiligen Hain des Volkes der Berones, das hier vor den Römern lebte. Sicher ist nur, dass dieser Ort von Anfang an mit dem Übersetzen über den Ebro zu tun hatte.
Die Römer hatten ein paar Kilometer flussabwärts ihre Siedlung Vareia, die heute im Stadtgebiet aufgegangen ist. Der Ort Logroño selbst taucht erst im zehnten Jahrhundert in den Urkunden auf. 965 schenkte König García Sánchez der Erste von Pamplona ihn dem Kloster San Millán de la Cogolla. Logroño war damals ein Dorf, das Mönchen gehörte.
Das änderte sich 1095. König Alfons der Sechste von Kastilien und León gab dem Ort ein eigenes Stadtrecht, den Fuero de Logroño. Er wollte mehr Menschen an diesem strategischen Punkt ansiedeln, an der Grenze zwischen Kastilien, Navarra und Aragón, dort, wo der Pilgerweg den Fluss überquerte. Das Stadtrecht erlaubte Einheimischen wie Fremden, sich niederzulassen. Aus dem Klosterdorf wurde eine königliche Stadt, in der Handwerk und Handel wuchsen. Der Fuero war so erfolgreich, dass viele Orte im Norden ihn als Vorbild übernahmen.
In diesem Stadtrecht steht auch die älteste schriftliche Spur einer Brücke über den Ebro: eine Pflicht, die mit dem Kopf der Brücke des heiligen Johannes zu tun hat. Und es erwähnt beiläufig, dass der Cid, Rodrigo Díaz de Vivar, die Stadt einmal angegriffen hatte, im Streit mit einem seiner Rivalen. Logroño war schon früh ein Ort, um den man kämpfte.
Der Heilige, der Brücken baute
Die alte Brücke trug den Namen eines Mannes, dem du auf deinem Weg noch begegnen wirst: San Juan de Ortega. Sein Kloster liegt in den Montes de Oca hinter Belorado, und du kommst in ein paar Tagen daran vorbei.
Juan wurde um 1080 in Quintanaortuño bei Burgos geboren. Er war ein Schüler von Santo Domingo de la Calzada, nach dem eine Stadt weiter vorn am Weg benannt ist. Zusammen arbeiteten die beiden an Wegen, die den Pilgern das Gehen leichter machen sollten. Als Domingo 1109 starb, reiste Juan nach Jerusalem. Auf der Rückfahrt erlitt er Schiffbruch. Er betete zum heiligen Nikolaus von Bari und gelobte, ihm eine Kapelle zu bauen, wenn er überlebte. Er überlebte, und er hielt sein Wort. In den Montes de Oca errichtete er eine Kapelle und eine Unterkunft. Um 1138 entstand daraus ein Kloster, das Papst Innozenz der Zweite unter seinen Schutz stellte.
Die Überlieferung schreibt Juan noch mehr zu. Er soll den Weg zwischen Nájera und Burgos vollendet haben, den sein Lehrer begonnen hatte, und die ersten Brücken gebaut haben: in Logroño, in Nájera, in Santo Domingo de la Calzada, in Belorado. Im Jahr 1633 schrieb Fernando Albia de Castro, der Chronist von Logroño, in seinem Memorial der Stadt, Juan habe die Brücke gebaut, „para facilitar el paso a los peregrinos que iban a Santiago“, um den Pilgern auf dem Weg nach Santiago den Übergang zu erleichtern.
Ob Juan diese Brücke wirklich mit eigenen Händen errichtet hat, lässt sich nicht beweisen. Albia schrieb fünf Jahrhunderte später. Aber der Name blieb, und am linken Ufer stand eine Kapelle, die dem Heiligen geweiht war. Juan de Ortega erkrankte in Nájera, ließ sich in sein Kloster bringen und starb dort am 2. Juni 1163. Seit 1971 ist er der Schutzpatron der spanischen Bautechniker. Für einen Mann, der für die Pilger Brücken baute, ist das ein passendes Amt.
Zwölf Bögen, drei Türme und ein Unglück im Fluss
Die Brücke, die Albia de Castro beschrieb, war ein ganz anderes Bauwerk als die heutige. Sie war gut 200 Meter lang und ruhte auf zwölf Bögen. Und sie war eine Festung. Drei Türme standen auf ihr. Der erste stand auf der Seite von Navarra, der zweite in der Mitte, groß genug für bis zu 40 Verteidiger und mit den Rollen für die Ketten einer hölzernen Zugbrücke, der dritte verband die Brücke mit der Stadtmauer. Die drei Türme stehen bis heute im Wappen von Logroño.
Der Fluss nagte an der Brücke. Vom 18. bis zum 21. Juni 1775 stand ein Hochwasser über dem gesamten Bauwerk, und der erste Turm stürzte ein. Im ersten Karlistenkrieg schnitt man 1835 einen Bogen heraus und ersetzte ihn durch eine Zugbrücke. 1850 trug man die Reste der Türme ab. Im Januar 1871 zerstörte ein weiteres Hochwasser die Seite am linken Ufer so schwer, dass die letzten drei Bögen abgerissen werden mussten.
Dann kam das Unglück, an das in Logroño heute kaum jemand denkt. Während der Bauarbeiten behalf man sich mit einem hölzernen Übergang. Im August 1880 brach er unter einer Abteilung Artillerie mit ihren Pferden zusammen. Die Pioniere des Heeres bauten aus zwei Booten und Balken eine Fähre. Am 1. September 1880 kenterte sie mit Soldaten eines Infanterieregiments, weil das Gewicht schlecht verteilt war. 90 Soldaten starben, in Panik, an einer Stelle, an der ihnen das Wasser nicht einmal ganz über den Kopf reichte.
Danach ging es schnell. 1882 wurde daneben eine Eisenbrücke eröffnet, die es bis heute gibt. Im selben Jahr genehmigte man den Plan des Ingenieurs Fermín Manso de Zúñiga für einen vollständigen Neubau der Steinbrücke. Er gab ihr nur sieben Bögen mit weiteren Spannweiten und runden Pfeilern, damit das Hochwasser besser abfließen konnte. Ein Teil der Steine stammt von der alten Brücke. Eingeweiht wurde sie am 11. Juni 1884, am Tag des Stadtfests San Bernabé. Zwei Pfeiler der alten Brücke stecken noch im Fluss, und im Sommer, wenn das Wasser niedrig steht, kannst du sie sehen. Seit 2021 werden die Bögen an besonderen Tagen farbig angestrahlt.
Die Kirche des Apostels
Gleich hinter der Brücke, an der Calle Barriocepo, steht die Kirche, die für Pilger in Logroño die wichtigste ist: Santiago el Real, Jakobus der Königliche. Sie gilt als die älteste Kirche der Stadt, und an ihr hängen mehr Legenden als an jeder anderen.
Zwei Chronisten der Stadt, darunter Albia de Castro, glaubten, Jakobus selbst habe in dieser Gegend gepredigt und einer seiner Schüler habe hier die erste Kirche gegründet. Belegt ist davon nichts. Wahrscheinlicher ist, dass am Anfang eine Krypta aus der frühen christlichen Zeit stand. Unter der Apsis gibt es bis heute eine Gruft mit Grabnischen. Die Überlieferung erzählt weiter, die Kirche sei im Jahr 844 erweitert worden, im Jahr der Schlacht von Clavijo. Diese romanische Kirche brannte im Jahr 1500 fast vollständig nieder.
Was du heute siehst, entstand gleich danach, in den ersten Jahrzehnten des sechzehnten Jahrhunderts. Es ist ein einziger Raum ohne Säulen, rund 42 Meter lang und 24 Meter hoch, überspannt von einem Sternengewölbe. Der Turm daneben wurde ab 1570 gebaut und ist 40 Meter hoch. Im achtzehnten Jahrhundert setzte man ihm eine Ziegelspitze nach dem Vorbild der Türme von La Redonda auf. Sie wog rund 300 Tonnen, und weil sie den Turm aus dem Gleichgewicht brachte, nahm man sie 1902 wieder ab.
Santiago el Real war nicht nur eine Kirche. Hier tagte bis 1572 der Rat der Stadt. Rechts vom Altaraufsatz steht bis heute eine Inschrift in römischen Buchstaben: „Este es el archivo de esta muy noble y muy leal ciudad de Logroño“, dies ist das Archiv dieser sehr edlen und sehr treuen Stadt Logroño. Und hier, so berichtet Albia de Castro, versammelten sich die Bürger in der Not des Jahres 1521 zu einer offenen Ratsversammlung.
Unten im Altaraufsatz sitzt eine gotische Madonna aus dem vierzehnten Jahrhundert, die Virgen de la Esperanza, die Jungfrau der Hoffnung. Der Überlieferung nach vertraute die Stadt sich ihr während der Belagerung von 1521 an. Seitdem ist sie die Schutzpatronin von Logroño und trägt den Ehrentitel einer obersten Bürgermeisterin. Jedes Jahr am 11. Juni wird sie durch die Stadt getragen.
Draußen, neben der Kirche, findest du einen Brunnen für die Pilger, die Fuente del Peregrino. Und auf dem Platz davor ist ein Gänsespiel in den Boden eingelassen, das Juego de la Oca, mit Feldern, die den Camino zeigen. Man erzählt, die Templer hätten das Gänsespiel erfunden und darin den Pilgerweg verschlüsselt. Das ist eine schöne Geschichte, mehr nicht. Aber das Spielfeld lädt dich ein, ein paar Felder zu gehen, nachdem du die echten Kilometer schon hinter dir hast.
Clavijo: eine Schlacht, die es so nicht gab
Im Altaraufsatz von Santiago el Real reitet Jakobus gleich zweimal. Einmal als Reiter auf seinem Pferd, einmal mitten in der Schlacht von Clavijo. Um diese Schlacht zu verstehen, musst du eine Geschichte kennen, die Spanien jahrhundertelang geprägt hat.
Die Legende geht so. Im Jahr 844 weigert sich König Ramiro der Erste von Asturien, den Mauren weiter einen grausamen Tribut zu zahlen: hundert junge Frauen. Es kommt zur Schlacht bei Clavijo, in den Bergen südlich von Logroño. Die Christen sind unterlegen und flüchten sich in die Burg von Clavijo. In der Nacht träumt Ramiro, Jakobus werde ihnen beistehen. Am nächsten Morgen, am 23. Mai 844, erscheint der Apostel auf einem weißen Pferd und führt die Christen zum Sieg. Aus Dankbarkeit, so die Legende weiter, erlässt Ramiro zwei Tage später in Calahorra den Voto de Santiago, ein Gelübde, das die Christen zur Wallfahrt nach Compostela und zu Abgaben an die Kirche des Apostels verpflichtet.
Diese Schlacht hat es so nicht gegeben. Schon im achtzehnten Jahrhundert zeigte der Historiker Juan Francisco Masdeu, dass die Geschichte nicht stimmen kann. Die Urkunde des Gelübdes, auf die sich Santiago jahrhundertelang berief, ist eine Fälschung, entstanden erst im zwölften Jahrhundert. Die erste Chronik, die von der Erscheinung des Apostels erzählt, schrieb Erzbischof Rodrigo Jiménez de Rada von Toledo um 1243, also vierhundert Jahre nach dem angeblichen Ereignis. Der Historiker Claudio Sánchez-Albornoz wies 1948 nach, dass hinter der Legende wohl eine echte Schlacht steckt: die von Albelda am Monte Laturce im Jahr 859, unter König Ordoño dem Ersten. Archäologische Funde bestätigen dort Kämpfe. Aus dieser Schlacht wurde in der Erinnerung eine andere, mit einem anderen König und einem himmlischen Reiter.
Die Legende war trotzdem mächtig. Sie machte aus dem stillen Apostel, der in Galicien begraben liegt, den Schutzpatron eines Kriegs, und aus dem Gelübde eine Einnahmequelle der Kirche von Compostela. Und sie ist dir näher, als du denkst. In der Concatedral La Redonda, ein paar Gassen weiter, liegt ein silbernes Reliquiar des heiligen Prudentius aus dem Jahr 1461. Es stammt aus einem verfallenen Kloster am Monte Laturce bei Clavijo, genau dort, wo die Legende die Schlacht ansiedelt.
Der Pilger und der Maurentöter
Geh jetzt wieder hinaus vor das Portal von Santiago el Real. Der Baumeister Juan Raón schuf es zwischen 1669 und 1672. An ihm steht Jakobus als Pilger, eine Figur des Bildhauers Juan de Amezqueta. Und am selben Portal reitet Santiago Matamoros, Jakobus der Maurentöter. Diese Reiterfigur schuf 1737 ein flämischer Künstler, dessen Namen niemand kennt.
Zwei Bilder desselben Mannes an einer Tür. Der eine geht den Weg, den du gehst. Der andere ist ein Bild aus der Legende von Clavijo, ein Krieger gegen die Mauren. Die Historikerin Jean Mitchell-Lanham hat geschrieben, diese angebliche Schlacht habe eine der stärksten ideologischen Ikonen der spanischen nationalen Identität geliefert. Der Schlachtruf spanischer Heere lautete über Jahrhunderte: „¡Santiago y cierra España!“, Santiago, und Spanien, schließ die Reihen.
Wie man heute mit diesem Bild umgehen soll, ist umstritten. Nach den Anschlägen von Madrid im März 2004 wurde berichtet, die Kathedrale von Santiago wolle ihre Matamoros-Figur entfernen, um ein Zeichen des Friedens gegenüber den Muslimen in Spanien zu setzen. Nach einem öffentlichen Aufschrei nahm die Kirche die Entscheidung zurück. Man solle, so hieß es, kein historisches Meisterwerk wegen eines unglücklichen Ereignisses beseitigen. Die einen sehen im Matamoros ein Kunstwerk und ein Stück Geschichte, die anderen ein Feindbild, das in Stein gehauen ist.
Logroño hat seinen Matamoros behalten, am selben Portal wie den Pilger. Du musst dich nicht entscheiden. Aber es lohnt sich, beide anzuschauen und zu fragen, welcher Jakobus dich auf diesem Weg begleitet. Die Pilger gingen zum Grab eines Apostels, der zu Fuß unterwegs gewesen war. Die Geschichte vom himmlischen Reiter wurde erst Jahrhunderte nach der angeblichen Schlacht aufgeschrieben.
La Redonda: ein Palmenhain aus Stein
Etwas abseits des Camino, an der Plaza del Mercado, stehen die beiden barocken Türme, die das Wahrzeichen von Logroño sind. Sie gehören zur Concatedral de Santa María de la Redonda. Der Name, die Runde, erinnert an eine Kirche, die es nicht mehr gibt. An dieser Stelle stand eine romanische Kirche, erstmals 1196 erwähnt, mit rundem oder achteckigem Grundriss, wohl ähnlich wie die Kirchen von Eunate und Torres del Río in Navarra. Durch Torres del Río bist du vor Viana gekommen. Von ihr ist nur der Name geblieben.
1435 wurde die Kirche zur Stiftskirche, als man sie mit der aufgelösten Stiftskirche von Albelda vereinte. Zwischen 1516 und 1538 riss man den romanischen Bau ab und errichtete eine spätgotische Hallenkirche mit drei Schiffen. Acht schlanke Säulen tragen das Rippengewölbe und verzweigen sich oben wie Palmwedel. Man spricht von einem „palmeral de piedra“, einem Palmenhain aus Stein. Wenn du hineingehst und nach oben schaust, verstehst du, warum.
In den folgenden drei Jahrhunderten kam immer mehr dazu. Der Chor wurde 1607 gebaut, die Orgel 1715. Ab 1684 entstand der Hauptaltar mit der Wurzel Jesse. 1756 baute man eine Kapelle für die Jungfrau der Engel und mit ihr die beiden Türme. Ihr Baumeister Martín de Beratúa nahm sich den Turm von Santo Tomás in Haro zum Vorbild, und die Türme gelten als Musterbeispiel des Barocks der Rioja. Der Südturm ist dem heiligen Paulus geweiht, der Nordturm dem heiligen Petrus. Zwischen ihnen öffnet sich ein Portal, das wie ein Altaraufsatz aus Stein gearbeitet ist.
Drinnen findest du Kunst aus ganz Europa. Es gibt sechs flämische Tafelbilder, die Gillis Coignet 1584 in Antwerpen malte, die einzigen Werke dieses Malers in Spanien. Es gibt eine Unbefleckte Empfängnis aus dem siebzehnten Jahrhundert, die Gregorio Fernández zugeschrieben wird, und eine Madonna aus Silber und Elfenbein, die Virgen de Valvanera, die Schutzpatronin der Rioja. An der Nordwand des Chorumgangs liegt das Grabmal von Baldomero Espartero, dem General, der zweimal Regierungschef und einmal Regent von Spanien war. Er lebte in Logroño und starb hier 1879. Sein Reiterstandbild steht auf dem Espolón, dem großen Platz im Zentrum.
Für dich als Pilger gibt es in der Kirche eine Figur des Jakobus im rechten Seitenschiff. Und es gibt die Tatsache, dass Pilger auf dem Weg nach Compostela über die Jahrhunderte hier eingekehrt sind, wie die Kirche selbst in ihrem Rundgang betont. Seit 1959 ist La Redonda eine von drei gleichrangigen Kathedralen des Bistums, zusammen mit Calahorra und Santo Domingo de la Calzada. Seit 1993 gehört sie als Teil des Camino Francés zum Welterbe der UNESCO.
Ein Michelangelo hinter dem Altar?
Hinter dem Hauptaltar, im Chorumgang, hängt ein kleines Bild auf Holz, das viele Besucher übersehen. Es zeigt Christus am Kreuz, lebend, nicht tot, mit seiner Mutter, dem Apostel Johannes und Maria Magdalena, darüber zwei Engel. Man nennt es das Kalvarienbild der Rioja. Und es wird Michelangelo zugeschrieben.
Die Geschichte beginnt mit einem Bischof. Pedro González del Castillo war ein gebildeter und reicher Kirchenmann, der oft nach Rom reiste und dort Kunstwerke für seine Kapelle erwarb. Er stiftete in La Redonda die Kapelle des Heiligen Christus und ließ sich dort bestatten, in einem Grabmal mit einer betenden Figur. Die Stiftungsurkunde der Kapelle vom 13. Oktober 1627 beschreibt das Bild, mit einem Rahmen aus Ebenholz, und legt fest, dass es hinter dem Grab des Bischofs hängen soll. Ein Vermerk am Rand sagt, man habe es in Truhen aufbewahrt und solle es erst aufhängen, wenn das schützende Gitter angebracht sei. Auf das Zeugnis dieses Bischofs geht die Zuschreibung an Michelangelo zurück.
Dann geriet das Bild für Jahrhunderte in Vergessenheit. Erst in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts schrieb man es der Schule Michelangelos zu und hängte es in den Chorumgang. Die Kirche selbst erzählt heute eine größere Geschichte. In ihrem Rundgang heißt es, Michelangelo habe das Bild für seine Freundin Vittoria Colonna gemalt, eine Dichterin, die 1540 ein kleines Bild für ihre private Andachtskapelle wünschte. Skizzen dafür lägen im Louvre, in den Uffizien und im British Museum. Nach Vittorias Tod im Jahr 1547 habe Michelangelo das Bild zurückgeholt und ihr in der Maria Magdalena ein Gesicht gegeben. Am Hals des Gekreuzigten steht ein hebräisches Wort, Gibor, der Starke.
Was ist davon zu halten? Ehrlich gesagt: Bewiesen ist es nicht. Einige Untersuchungen halten das Bild für ein Original und keine Kopie. Sie verweisen darauf, dass der linke Arm der Jungfrau anders liegt als in den bekannten Fassungen und dass Maria Magdalena nicht symmetrisch angeordnet ist, so als habe der Maler beim Malen noch etwas verändert. Andere Fassungen desselben Motivs sind von deutlich geringerer Qualität. Die Zuschreibung gilt als möglich, aber eine abschließende Untersuchung steht noch aus.
Das macht das Bild nicht weniger interessant. Stell dich davor und schau es dir an, ohne zu wissen, wer es gemalt hat. Ein Christus, der noch lebt, und eine Frau zu seinen Füßen, die vielleicht die Züge einer Dichterin trägt, die Michelangelo verehrte. Ob er selbst den Pinsel hielt oder einer seiner Schüler, wirst du in Logroño nicht erfahren. Aber du hast mitten auf dem Camino vor einem Bild gestanden, über das Fachleute bis heute streiten.
Juni 1521: die Stadt hält den Atem an
Im Frühjahr 1521 stand Logroño plötzlich an der Front. Neun Jahre zuvor, 1512, hatte Ferdinand der Katholische das Königreich Navarra besetzt. Nun wollte Heinrich von Albret, der vertriebene Erbe Navarras, sein Land zurück, und König Franz der Erste von Frankreich unterstützte ihn. Der Zeitpunkt war günstig. In Kastilien tobte der Aufstand der Comuneros, und der Vizekönig von Navarra, der Herzog von Nájera, hatte kaum Truppen.
Das französisch-navarresische Heer führte André de Foix, Herr von Asparrós, ein junger General von etwa dreißig Jahren und Bruder einer Geliebten des französischen Königs. Am 12. Mai nahm er Saint-Jean-Pied-de-Port ein, den Ort, an dem heute viele Pilger ihren Camino beginnen. Am 17. Mai floh der Vizekönig aus Pamplona. Am 20. Mai beschossen die Franzosen die Zitadelle von Pamplona. Auf den Mauern stand ein junger Offizier aus dem Baskenland. Eine Kanonenkugel zerschmetterte ihm ein Bein und verletzte das andere. Er hieß Íñigo de Loyola. Auf seinem Krankenlager las er Heiligenleben, wandte sich Gott zu und gründete später den Jesuitenorden. Dieselbe Armee, die ihn verwundete, zog weiter nach Süden und stand Anfang Juni vor Logroño.
In der Stadt lagen rund 2.000 kastilische Soldaten, die unter Pedro de Beaumont und Pedro Vélez de Guevara eingezogen waren. Wie groß das Heer davor war, darüber gehen die Angaben weit auseinander. Ältere Berichte sprachen von 30.000 Mann, heutige Forscher rechnen eher mit etwa 8.000. Am 6. Juni stellten die Franzosen ihre Geschütze auf. Vier Tage lang beschossen sie die Stadt. Vélez de Guevara hatte vier Kanonen und 120 Arkebusenschützen, und sie hielten die feindlichen Geschütze auf Abstand. Der Turm von San Bartolomé an der Stadtmauer wurde getroffen. Draußen plünderten die Belagerer die Dörfer der Umgebung, Agoncillo, Lardero, Alberite, Albelda. Ein Nahkampf an den Mauern ist nicht belegt.
Am 10. Juni hob André de Foix die Belagerung auf und zog ab. Am Nachmittag des 11. Juni erreichte die Vorhut des Herzogs von Nájera die Stadt. Drei Wochen später, am 30. Juni 1521, wurde das französische Heer bei Noáin vor Pamplona vernichtend geschlagen. Rund 5.000 Mann gingen verloren. André de Foix wurde verwundet und gefangen genommen, später gegen Lösegeld freigelassen. Navarra blieb bei Kastilien.
Fisch, Brot und Wein: was vom Mythos bleibt
Logroño hat aus dieser Woche eine Legende gemacht. Am 11. Juni legte die Stadt ein Gelübde ab, den Voto de San Bernabé, denn der 11. Juni ist der Tag des Apostels Barnabas. Daraus wurde das wichtigste Stadtfest. Bis heute ist die Verteilung von Fisch, Brot und Wein der Höhepunkt der Festtage. Erzählt wird, die Belagerten hätten in ihrer Not nur das gehabt, Fische aus dem Ebro, Brot und Wein, und damit hätten sie durchgehalten, bis der Feind abzog.
Die Forschung sieht das nüchterner. 2021 erschien ein Band des Instituts für Riojanische Studien mit dem Titel „El cerco de Logroño de 1521: mitos y realidad“, die Belagerung von Logroño, Mythen und Wirklichkeit. Die Belagerung dauerte etwa eine Woche, und der Ring um die Stadt war nicht einmal geschlossen. Für den Fischfang während der Belagerung gibt es keinen Beleg, Brot und Wein dagegen gab es sicher. Das Gelübde spricht von 28.000 Franzosen, zeitgenössische Berichte nennen 12.000 bis 15.000, die nach Navarra einmarschierten. Die Geschichte von einem Scharfschützen taucht erst achtzig Jahre später auf. Und die Erzählung, die Verteidiger hätten das französische Lager überflutet, erinnert verdächtig an das Wunder von Empel, das sich erst 1585 in den Niederlanden zugetragen haben soll.
Was bleibt, ist trotzdem viel. Kaiser Karl der Fünfte belohnte die Stadt für ihre Treue und erlaubte ihr, drei Lilien in ihr Wappen aufzunehmen, das Zeichen der französischen Könige. Zwischen 1522 und 1534 entstand an der Stadtmauer die Puerta del Revellín, auch Puerta del Camino genannt. Über ihr prangt der Doppeladler Karls des Fünften, daneben die Wappen der Stadt mit den Lilien. Durch dieses Tor verlässt du morgen früh die Altstadt. Und wenn du im Juni hier bist: Seit 2015 ist San Bernabé ein Fest von nationalem touristischem Interesse, mit einer Nachstellung der Belagerung in den Straßen.
Hexen vor Gericht und ein Inquisitor, der zweifelte
Logroño hat auch eine Geschichte, die nicht zum Feiern ist. 1570 richtete die Inquisition hier ein Tribunal ein. Im November 1610 hielt sie in Logroño ein großes Autodafé ab, eine öffentliche Verkündung der Urteile. Unter den Angeklagten waren Menschen aus Zugarramurdi, einem Dorf in den Pyrenäen, denen man Hexerei vorwarf. 31 Urteile wurden verkündet. Sechs Menschen wurden lebendig verbrannt, fünf weitere, die schon vorher gestorben waren, in Bildnissen.
Doch dann geschah etwas Bemerkenswertes. Einer der drei Richter, der Inquisitor Alonso de Salazar Frías, zweifelte. 1611 zog er in die Gegend, aus der die Angeklagten kamen, vor allem rund um Zugarramurdi, und sammelte fast 2.000 Geständnisse, 1.384 davon von Kindern zwischen sieben und vierzehn Jahren. Die meisten nahmen ihre Aussagen zurück und sagten, man habe sie unter Folter gemacht. Salazar fand keinen einzigen echten Beweis für Hexerei. Er schrieb, die bloße Aussage einer angeblichen Hexe genüge nicht, um zu verurteilen, man brauche äußere und überprüfbare Beweise. Seine beiden Kollegen warfen ihm vor, mit dem Teufel im Bund zu sein.
Salazar setzte sich durch. Im August 1614 wurden alle noch offenen Verfahren eingestellt, und neue, strengere Regeln für Beweise traten in Kraft. In Spanien wurden danach keine Hexen mehr verbrannt, lange bevor die Hexenverfolgung im protestantischen Norden Europas zu Ende ging. In Logroño trägt ein Platz seinen Namen. Man nennt ihn bis heute den Anwalt der Hexen.
Pilger, Hospitäler und eine Bruderschaft des Jakobus
Und die Pilger? Sie waren immer da. Im zwölften Jahrhundert schrieb der Pilgerführer im Codex Calixtinus eine Warnung für die Etappe, die du gerade gegangen bist: Alle Flüsse zwischen Estella und Logroño seien für Menschen und Tiere ungesund. Dann der Ebro. „Por Logroño pasa un río enorme llamado Ebro, de agua sana y rico en peces“, durch Logroño fließt ein gewaltiger Fluss namens Ebro, mit gesundem Wasser und reich an Fischen. Für Menschen, die tagelang jedem Bach misstraut hatten, war das eine gute Nachricht.
Wer krank oder erschöpft ankam, fand in der Stadt Hospitäler. Es gab mehrere kleine Häuser, eines davon trug den Namen Santiago, ein anderes den Namen Roque Amador, nach der Muttergottes von Rocamadour in Südfrankreich, einem Wallfahrtsort, der mit dem Jakobsweg verbunden ist. Ende des fünfzehnten Jahrhunderts begann man, sie zu einem großen Hospital zusammenzulegen, dem Heiligen Hospital Unserer Lieben Frau von Rocamador und Santiago. Die Bruderschaft des Jakobus, die Cofradía de Santiago, gehörte ab 1532 zu seinen Schutzherren. Ein Inventar von 1559 zählt mehr als 22 Matratzen. Aus diesem Haus wurde später das Krankenhaus der Provinz.
Der Weg und die Stadt lebten voneinander. Pilger brachten Geld, Nachrichten und Neuigkeiten, und die Stadt verdiente an Unterkunft, Essen, Ausrüstung und an der Pflege wunder Füße. Durch die Calle Ruavieja, die älteste Straße der Stadt, gingen die Pilger, und an ihr steht heute die städtische Herberge. An der Brücke steht ein Fielato, eines der Zollhäuschen aus dem neunzehnten Jahrhundert, an denen man Waren verzollen musste, die in die Stadt kamen. Heute ist dort die Pilgerinformation. Wo früher Steuern erhoben wurden, bekommst du heute Auskunft.
Wein unter der Altstadt
Die Calle Ruavieja ist nicht nur die älteste Straße von Logroño. Sie war auch die erste, in der Wein gemacht wurde, Weißwein, Clarete und Rotwein. Unter den Häusern liegen bis heute Keller, calados genannt. Im Calado de San Gregorio ist ein solcher Keller aus dem siebzehnten Jahrhundert erhalten. 2022 zeigte eine Ausstellung dort die alten Gerätschaften: Pumpen, Fässer, Weinschläuche aus Leder und ein Fächer, mit dem man die Gärgase aus dem Keller trieb. Daneben sind Reste von Kelteranlagen aus derselben Zeit erhalten, in denen die Trauben mit den Füßen getreten wurden.
Der Wein der Rioja ist alt. Die älteste Urkunde, die Reben in der Region erwähnt, stammt aus dem Jahr 873, aus dem Archiv des Klosters San Millán. Im dreizehnten Jahrhundert schrieb dort der Mönch Gonzalo de Berceo, der erste namentlich bekannte Dichter in spanischer Sprache, und auch in seinen Versen taucht der Wein auf. Logroño spielte früh eine Rolle. 1560 wählten die Winzer der Stadt ein Zeichen, das für die Qualität ihres Weins bürgen sollte. Und 1635 verbot der Bürgermeister auf Bitten der Winzer den Kutschen, durch die Straßen über den Kellern zu fahren, weil die Erschütterungen dem gärenden Most schaden könnten.
Den Sprung zum Wein, den du heute trinkst, machte die Rioja im neunzehnten Jahrhundert. 1852 erzeugte Luciano Murrieta den ersten feinen Wein der Gegend, nachdem er die Methode in Bordeaux gelernt hatte. Sein Name lebt in einem der großen Weingüter von Logroño weiter. 1899 erreichte die Reblaus die Rioja, 1902 legte ein königlicher Erlass fest, was ein Rioja ist, 1926 entstand der Kontrollrat, der bis heute über den Wein wacht. 1991 wurde die Rioja als erstes Weingebiet Spaniens mit dem höchsten Rang ausgezeichnet, als qualifizierte Herkunftsbezeichnung.
2018 wuchsen die Reben auf rund 66.000 Hektar, verteilt auf La Rioja, die baskische Provinz Álava und Navarra. Auf neun von zehn Hektar stehen rote Trauben, und die wichtigste heißt Tempranillo. Auf dem Weg nach Nájera wirst du durch diese Weinberge gehen. Und wenn du am Abend in der Calle Laurel ein Glas bestellst, trinkst du einen Wein, dessen Geschichte zum Teil hier, unter deinen Füßen, geschrieben wurde. Jedes Jahr um den 21. September feiert die Stadt die Weinlese mit dem Fest San Mateo.
Logroño heute
Logroño ist heute eine lebendige Stadt, Hauptstadt der autonomen Region La Rioja seit 1982 und Sitz des Parlaments, das in einem ehemaligen Kloster tagt. Rund die Hälfte aller Menschen der Region lebt hier. Für die Pilger ist die Stadt ein Ort zum Durchatmen: Apotheken, Läden, Bars, ein langer Grünweg am Ebro.
Als dieser Text entstand, im Herbst 2026, war die städtische Herberge gerade durch eine schwierige Zeit gegangen. 33 Jahre lang hatte ein Verein aus La Rioja sie mit Ehrenamtlichen geführt. Im Frühjahr 2026 vergab die Stadt die Leitung neu, das Haus war über zwei Monate geschlossen, der Verein legte Einspruch ein. Seit dem 1. Juli 2026 führt der spanische Dachverband der Jakobswegvereine die Herberge, weiter auf Spendenbasis. Und in der Pfarrherberge von Santiago el Real, im Schatten des Pilgers und des Maurentöters, kochen Pilger und Freiwillige gemeinsam.
Damit schließt sich ein Kreis. Seit dem Mittelalter haben in dieser Stadt Bruderschaften, Hospitäler, Pfarreien und Vereine dafür gesorgt, dass Fremde ein Dach finden. Die Namen haben sich geändert. Die Aufgabe nicht.
Was Logroño dir mitgibt
Logroño ist kein stiller Ort. Nach den Dörfern Navarras ist die Stadt laut, voll und abends fröhlich. Aber vielleicht ist das genau ihre Lektion. Der Camino führte nie nur durch Felder und Wälder. Er führte über Brücken, die immer wieder einstürzten und neu gebaut wurden, durch Städte, die belagert wurden, an Gerichten vorbei, in denen Menschen verurteilt wurden, und an Kirchen, in denen um die Wahrheit gestritten wird.
Du hast hier zwei Bilder desselben Apostels gesehen und vielleicht ein Bild von Michelangelo, vielleicht auch nicht. Du hast gehört, wie aus einer Woche Belagerung eine Legende wurde und wie ein einzelner Inquisitor den Mut fand, zu sagen: Das stimmt nicht. Logroño zeigt dir, dass Geschichten und Geschichte nicht dasselbe sind, und dass beide ihren Wert haben.
Setz dich am Abend in eine Bar, bestell die Spezialität des Hauses und ein Glas Rioja. Morgen früh gehst du durch das Tor Karls des Fünften hinaus, vorbei am Stausee, hinein in die Weinberge. Hinter dir fließt der Ebro weiter, so wie er schon floss, als der Überlieferung nach Juan de Ortega hier die erste Brücke baute. Der Weg geht weiter.
Übernachten in Logroño
Die von Pilgern am besten bewerteten Unterkünfte in Logroño stehen vorn.
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GeöffnetKeine Reservierung möglichAlbergue parroquial Santiago El RealLogroño4.812 Bewertungen
Gemeinschafts-AbendessenFrühstück auf SpendenbasisBaumwollbettwäsche & Kissenbezüge - Top #2
GeöffnetReservierung möglichWinederful Hostel & CaféLogroño4.413 Bewertungen
13€KücheKochfelderMikrowelleUnd mehr - Top #3
GeöffnetReservierung möglichHostal La NumantinaLogroño5.04 Bewertungen
39€W-lanFernseherErlaubt HaustiereUnd mehr - Top #4

- Top #5GeöffnetReservierung möglichAlbergue San NicolásLogroño
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22€KücheKochfelderMikrowelleUnd mehr
Angebote in Logroño
Was du vor der nächsten Etappe im Ort findest.
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Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert Januar 2025
Caminos durch Logroño
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