Orte

Ort am Jakobsweg

Valença

Distrito de Viana do Castelo, Região do Norte, Portugal

Unterkünfte
20
Caminos
3
Höhe
74 m

Valença ist dein letzter Abend in Portugal: eine Festungsstadt mit zwölf Bastionen hoch über dem Minho, gegenüber der Kathedrale von Tui. Tagsüber füllen Wäscheläden und Tagesgäste die Gassen, am Abend gehören die Mauern den Pilgern. Morgen gehst du über die Brücke von 1886 nach Spanien und verlierst eine Stunde.

Aktuell in Valença (Stand: Oktober 2026)

  • Herberge in Rubiães im Winter zu: Wenn du von Süden kommst: Die Herberge in Rubiães, eine Etappe vor Valença, ist vom 15. November 2026 bis 31. Januar 2027 wegen Bauarbeiten geschlossen. Plane die Etappe vorher entsprechend.
  • Kirche in Restaurierung: An der Igreja de Santa Maria dos Anjos in der Festung wird 2026 restauriert.

Wie lange bleiben?

Ein Nachmittag reicht. Die Festung ist klein genug, um sie in zwei Stunden zu umrunden, mit Blick von den Bastionen auf den Fluss und nach Tui. Am schönsten ist sie am Abend, wenn die Tagesbesucher weg sind und die Sonne über dem Minho untergeht. Für einen ganzen Ruhetag gibt es hier zu wenig, und wer am nächsten Tag weit gehen will, schläft wegen der Zeitverschiebung oft lieber gleich in Tui.

Valença in Ninja-Zahlen

  • 1 Stunde verlierst du auf der Brücke nach Tui. Spanien ist Portugal eine Stunde voraus.
  • 3,5 Kilometer sind es laut Camino Ninja von Valença bis Tui.
  • Rund 121 Kilometer sind es laut Camino Ninja von hier bis Santiago.
  • 42 Meilen zeigt der römische Meilenstein vor der Kirche Santo Estêvão, gezählt auf der Römerstraße von Braga nach Tui, dem Vorläufer deines Weges.

Ankommen: Festung oder Brücke

Am großen Kreisel von Valença mit dem Brunnen musst du dich entscheiden. Links geht es hinauf zur Festung und zur Herberge. Geradeaus führt die Avenida de España direkt zur Brücke nach Tui. Pilger berichten, dass die Markierungen vor der Festung manchmal verschwinden und die Apps unterschiedliche Wege zeigen: einen außen herum und einen durch die Festung, über eine steile Steinrampe hinauf, durch die Gassen und durch die Tore wieder hinaus. Die Porta da Gaviarra im Norden ist der Ausgang, den die Pilger Richtung Brücke nehmen.

Kurz erzählt: eine Festung gegen den Nachbarn

Die ersten Mauern stammen aus dem dreizehnten Jahrhundert. Bis ins fünfzehnte Jahrhundert hieß der Ort Contrasta, danach Valença. Ihre heutige Form bekam die Festung im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert: zwei Festungsteile, getrennt durch einen Graben, mit vier Toren und zwölf Bastionen. Valença lag im Krieg mit Spanien ab 1640 unter Beschuss und wurde nur ein einziges Mal von spanischen Truppen eingenommen. Napoleons General Soult ließ beim Abzug ein Tor sprengen. Heute bewirbt sich die Festung um den Titel als Welterbe.

Auf den Mauern: was du sehen solltest

  • Die Bastionen: Geh einmal über die Mauern. Von der Bastion do Carmo siehst du über den Minho nach Tui, auf die Kathedrale, zu der du morgen gehst. Die weitesten Ausblicke hast du von den Bastionen do Socorro und Santa Ana.
  • Igreja de Santa Maria dos Anjos: Die Hauptkirche der Festung wurde um 1276 gegründet, hat ein romanisches Portal und ist Nationaldenkmal. Sie steht direkt am Pilgerausgang, der Porta da Gaviarra. Daneben liegt die Capela da Misericórdia mit einem kleinen Museum für sakrale Kunst. 2026 wird die Kirche restauriert.
  • São Teotónio: Vor der barocken Kapelle Bom Jesus steht die Statue des Stadtpatrons. Teotónio wurde um 1082 in der Nähe geboren und gilt als erster Heiliger Portugals. Sein erster Lehrer war sein Onkel, Abt eines Klosters bei Tui. Die Herberge trägt seinen Namen.
  • Igreja de Santo Estêvão und der Meilenstein: Vor der Kirche steht ein römischer Meilenstein aus dem ersten Jahrhundert. Er stand an der Straße von Braga nach Tui. Die Römer gingen also schon diesen Weg, lange bevor es Pilger gab.
  • Ponte Internacional: Die Eisenbrücke über den Minho ist 399 Meter lang, unten fahren Autos, oben die Bahn, und an der Seite gibt es einen Fußweg. Sie wurde 1886 eingeweiht. Oft liest man, sie stamme von Gustave Eiffel. Gebaut hat sie aber der spanische Ingenieur Pelayo Mancebo. Wenn du sie überquerst, bist du in Spanien.

Essen und Trinken

Am Minho gibt es Neunauge, als Arroz de lampreia. Typisch für Valença sind außerdem Stockfisch-Gerichte wie Bacalhau à São Teotónio, Zicklein und Lamm aus dem Ofen. Zum Nachtisch gibt es die Klostersüßigkeiten „Valencianos“. Ein Tipp: In der Festung sind die Restaurants teurer und manchmal voll, außerhalb der Mauern isst du günstiger.

Ehrlich gesagt

  • Die Festung ist ein Einkaufszentrum. In den Gassen reiht sich ein Laden für Handtücher und Bettwäsche an den nächsten, und tagsüber kommen viele spanische Tagesgäste zum Einkaufen. Echte Festungsstimmung gibt es erst am Abend.
  • Die Markierung ist unklar. An der Festung verlieren Pilger leicht den Weg, weil die Pfeile verschwinden und die Apps verschiedene Routen zeigen.
  • Die Mauern bröckeln. Im Januar 2023 stürzte nach einem Unwetter ein Teil der Mauer ein. Ob alles repariert ist, haben wir nicht herausgefunden.

Wo Pilger schlafen

  • Albergue de peregrinos São Teotónio: die Herberge der Stadt, seit 2005 geöffnet, ganzjährig, für 8 € pro Nacht. Sie nimmt nur Pilger auf, hat eine Küche, Waschmaschine und Garten und stellt auch Credenciais aus. Sie liegt etwas abseits des Weges, etwa 400 Meter entfernt.

Eine Donativo- oder Pfarrherberge gibt es in Valença nicht. In der Festung gibt es außerdem Hostels mit Schlafsälen ab etwa 20 bis 25 €.

Ninja-Tipps

  • Die verlorene Stunde: Wenn du in Valença um 7 Uhr losgehst, ist es in Tui schon 8 Uhr. Wenn du am nächsten Tag weit gehen willst, schlaf lieber in Tui. Wenn nicht, geh bei Sonnenaufgang über die Brücke.
  • Abends auf die Mauern: Den Sonnenuntergang über dem Minho siehst du am besten von den Bastionen, wenn die Tagesgäste weg sind.
  • Navigation vorher prüfen: Schau dir in der Ninja-Karte an, ob du durch die Festung oder außen herum zur Brücke gehen willst. Vor Ort sind die Pfeile nicht eindeutig.
  • Kein Gepäck am Bahnhof: Der Bahnhof von Valença hat keine Gepäckaufbewahrung.

Praktische Tipps für Pilger

  • Zwei Stempel pro Tag ab Tui: Auf den letzten 100 Kilometern brauchst du mindestens zwei Stempel pro Tag. Das gilt ab Tui. Hol dir in Valença trotzdem schon einen.
  • Credencial: Wenn du hier erst startest, bekommst du sie in der Herberge.

Weiter: über die Brücke nach Spanien

Von Valença gehst du über die Ponte Internacional nach Tui, gut drei Kilometer bis zur Kathedrale. Danach geht es auf dem Camino Portugués Central durch Galicien nach Santiago. Der Portugiesische Küstenweg, der über Caminha und Vila Nova de Cerveira am Minho entlang kommt, trifft hier auf den Central.

Morgen erwartet dich

Gleich hinter der Brücke liegt Tui mit seiner Kathedrale, die 1225 geweiht wurde und wie eine Burg über dem Fluss steht. Für viele Pilger beginnt dort erst der Camino: Tui ist der drittgrößte Startort aller Jakobswege. Ab hier wird es also voller.

Tiefer eintauchen: Die Festung gegenüber

Ein langer Text, falls du noch mehr über Valença erfahren willst. Etwa fünfzehn Minuten Lesezeit.

Der letzte Abend in Portugal

Wenn du am Abend auf den Mauern von Valença stehst, liegt unter dir der Minho, und drüben, auf der anderen Seite, steht die Kathedrale von Tui. Zwischen beiden liegt nur der Fluss, und doch liegt dazwischen eine Grenze, eine Sprache und eine Stunde. Morgen gehst du hinüber. Heute bist du noch in Portugal.

Dieser Blick ist der Schlüssel zu Valença. Die Stadt wurde gebaut, um genau dorthin zu schauen, auf die Stadt am anderen Ufer. Jahrhundertelang war Tui der Nachbar, dem man nicht traute, und Valença die Antwort darauf. Die Kanonen, die heute noch auf den Mauern stehen, zeigen nach Norden, auf den Fluss und auf Galicien. Wer hier wohnte, lebte mit dem Gesicht zur Grenze.

Heute ist diese Grenze kaum mehr zu spüren. Spanier kommen zum Einkaufen herüber, Pendler fahren hin und her, und Pilger gehen über die alte Eisenbrücke, ohne dass jemand nach ihrem Pass fragt. Aber die Mauern sind geblieben, und mit ihnen eine Geschichte von Königen und Heiligen, von Belagerungen und einer Königin auf Pilgerfahrt. Von dieser Geschichte erzählt dieser Text.

Contrasta, die Gegenstadt

Am Anfang stand ein Name, der schon alles sagte. Um 1200 ließ der portugiesische König Sancho der Erste auf dem Hügel über dem Minho die ersten Mauern errichten. Den Ort nannte man Contrasta. Das Wort bedeutet, so erklären es die portugiesischen Nachschlagewerke, einen Ort, der einem anderen gegenübersteht. Gemeint war Tui, die galicische Bischofsstadt auf der anderen Seite des Flusses.

Die Geschichte dahinter ist auch eine Familiengeschichte. Sancho hatte seine Tochter Teresa mit Alfonso dem Neunten verheiratet, dem König von León, zu dem Galicien damals gehörte. Als diese Ehe zerbrach, beauftragte Sancho einen Gefolgsmann namens Paio Carramundo, das Land am Südufer neu zu besiedeln und gegenüber von Tui einen befestigten Platz anzulegen. Lange hielt Contrasta nicht. Die Leonesen zerstörten den Ort, nach einer Quelle im Jahr 1212 unter Alfonso dem Neunten selbst. Der portugiesische König Afonso der Zweite ließ den Ort danach wieder besiedeln, und 1217 wurde er zur Gemeinde erhoben.

Wann aus Contrasta Valença wurde, erzählen die Quellen unterschiedlich. Die meisten Quellen nennen König Afonso den Dritten und das Jahr 1262. Ein portugiesisches Nachschlagewerk schreibt den neuen Namen dagegen erst Afonso dem Fünften zu, in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts. Sicher ist nur, dass der Ort am Ende Valença hieß und dass man ihm später den Zusatz do Minho gab, nach dem Fluss, an dem er liegt.

Die Straße der Römer

Doch der Hügel war schon lange vor den Königen bewohnt. In der Umgebung gibt es Felsbilder und Megalithgräber, und vor den Römern lebten hier Menschen in befestigten Dörfern auf den Hügeln, den Castros. Dann kamen die Römer und mit ihnen die Straßen. An Valença führten zwei vorbei: eine militärische, die große Straße von Braga nach Astorga, die in einem römischen Straßenverzeichnis als neunzehnte Route geführt wird, und eine Handelsstraße, die näher an der Küste verlief.

Ein Zeuge dieser Zeit steht heute innerhalb der Mauern, vor der Kirche Santo Estêvão: ein römischer Meilenstein aus dem ersten Jahrhundert. Seine Inschrift nennt den Kaiser Claudius, der die Straße erneuern ließ, und eine Zahl: zweiundvierzig Meilen, gezählt von Braga aus, das sind rund 62 Kilometer.

Für dich als Pilger ist dieser Stein mehr als eine Antiquität. Zwischen Ponte de Lima und Padrón folgt der portugiesische Jakobsweg weitgehend dieser alten Römerstraße. Wenn du auf dem Central von Ponte de Lima heraufgekommen bist, bist du auf ihren Spuren gegangen, und auch nach Tui und weiter nach Norden wird sie dich begleiten. Die Römer brachten Soldaten und Händler auf diese Straße. Du bringst nur deinen Rucksack.

Der Heilige aus Ganfei

Wer Valença besucht, begegnet überall einem Namen: Teotónio. Die öffentliche Herberge trägt ihn, ein Stockfischgericht der Gegend, und vor der barocken Capela do Bom Jesus steht seine Statue. Er ist der Patron der Stadt, und sein Todestag, der 18. Februar, ist bis heute ihr Feiertag.

Teotónio wurde um 1082 in Ganfei geboren, einem Dorf, das heute zur Gemeinde Valença gehört. In Ganfei gab es ein altes Benediktinerkloster, dessen Gründung man dem heiligen Martin von Dume oder dem heiligen Fructuosus im sechsten Jahrhundert zuschreibt. Seine Eltern hießen Oveco und Eugenia und galten als wohlhabend und fromm. Sein erster Lehrer war sein Onkel Crescónio, Abt eines Benediktinerklosters bei Tui, auf der anderen Seite des Flusses. Als Crescónio 1092 Bischof von Coimbra wurde, nahm er den zehnjährigen Jungen mit.

Nach dem Tod des Onkels 1098 ging Teotónio nach Viseu, wo ein anderer Onkel Prior des Domkapitels war. Dort wurde er Priester und schließlich Erzpriester der ganzen Stadt. Er galt als guter Prediger und als Anwalt der Armen. Jeden Freitag las er eine Messe für die Seelen der Verstorbenen, zog danach in einer Prozession zum Friedhof und ließ Almosen an die Armen verteilen.

Er war auch unbequem. Man erzählt, dass er in Viseu vor der verwitweten Herrscherin Teresa, der Mutter des späteren ersten Königs, und ihrem Geliebten gegen das Zusammenleben ohne Ehe predigte. Als Teresa ihn einmal bat, die Messe kürzer zu halten, soll er geantwortet haben, die Messe werde einem größeren Herrscher dargebracht, und ihre Länge werde sich nicht ändern.

Ein Pilger nach Jerusalem

Teotónio war selbst ein Pilger, und darin liegt vielleicht seine größte Nähe zu dir. Zweimal ging er ins Heilige Land. Für die erste Reise legte er sein Amt in Viseu nieder. Die zweite Reise unternahm er mit einer großen Gruppe von Pilgern, und die Überlieferung beschreibt sie genau: etwa zehn Wochen Reise bis zum Hafen von Bari in Süditalien, sechs Wochen Warten auf günstigen Wind, ein Sturm vor dem Kap Malea im Süden Griechenlands und drei Wochen auf See bis Jaffa. Im Heiligen Land besuchte er Nazareth, den Berg Tabor, den See Genezareth, Bethlehem und in Jerusalem den Kalvarienberg.

Diese Reise veränderte ihn. Zurück in Portugal wollte er eine Gemeinschaft gründen, die nach der Regel des heiligen Augustinus lebte. Am 28. Juni 1131 begann in Coimbra der Bau des Klosters Santa Cruz, und am 22. Februar 1132 nahm die Gemeinschaft dort ihr Ordenskleid an, zweiundsiebzig Männer, mit Teotónio als erstem Prior. Santa Cruz wurde eines der wichtigsten Klöster Portugals.

Teotónio wurde zum Berater von Afonso Henriques, dem ersten König Portugals. Der König schrieb seinen Sieg in der Schlacht von Ourique den Gebeten des Priors zu, und Teotónio nutzte seinen Einfluss: Er überredete den König, mozarabische Christen freizulassen, die seine Truppen bei Raubzügen im maurischen Gebiet gefangen genommen hatten. Die Bistümer von Viseu und später von Coimbra, die man ihm anbot, lehnte er ab. Der heilige Bernhard von Clairvaux, der von ihm gehört hatte, schickte ihm einen Hirtenstab.

Nach rund dreißig Jahren als Prior zog Teotónio sich als Einsiedler zurück. Er starb am Samstag, dem 18. Februar 1162, in Coimbra. Der König soll gesagt haben: „Seine Seele wird im Himmel sein, bevor sein Leib im Grab liegt.“ Teotónio gilt als erster Heiliger Portugals, seine Verehrung wurde später von Papst Benedikt dem Vierzehnten bestätigt. Ein Junge aus einem Dorf am Minho, unterrichtet von einem Abt aus Galicien, gestorben als Heiliger in Coimbra: Auch das ist eine Geschichte dieser Grenze, an der die Menschen immer verbunden waren, auch wenn die Könige sich bekriegten.

Die Königin auf dem Weg

Rund hundertsechzig Jahre nach Teotónios Tod kam eine berühmte Pilgerin durch Valença. Isabel von Aragón war die Frau des Königs Dinis. Man nennt sie die Rainha Santa, die heilige Königin. 1325, kurz nach dem Tod ihres Mannes, machte sie sich auf den Weg nach Santiago. Ihre Route führte über Águeda und Barcelos nach Norden bis nach Valença, und man spricht seither vom Caminho da Rainha Santa, dem Weg der heiligen Königin. Der Überlieferung nach übernachtete sie in Valença, bevor sie nach Galicien hinüberging.

In Compostela, so wird berichtet, legte sie ihre Krone auf dem Altar des Apostels nieder. Die Kirche von Compostela schenkte ihr einen Pilgerstab, und dieser Stab fand sich später in ihrem Grab im Kloster Santa Clara in Coimbra. In ihrem Testament hinterließ sie große Summen für Pilgerhospitäler in Portugal.

Andere folgten ihr. 1502 pilgerte König Manuel der Erste von Lissabon nach Santiago und stiftete der Kathedrale eine Lampe. Und 1669 kam Cosimo der Dritte de' Medici, der spätere Großherzog der Toskana, aus Portugal und betrat Spanien bei Tui, also genau gegenüber von Valença. Ob er in Valença übernachtete, wissen wir nicht. Am 4. und 6. März 1669 betete er in Santiago am Grab des Apostels.

Wie diese Pilger über den Fluss kamen, darüber haben wir keine genauen Angaben gefunden. Eine Brücke gab es jedenfalls noch lange nicht. Die Quellen erzählen nur, dass das Tor der Gaviarra im Norden der Festung früher das Haupttor war und zum Flussufer und zur Fähre hinunterführte. Heute ist es das Tor, durch das die Pilger die Festung Richtung Brücke verlassen.

Kirchen hinter den Mauern

Innerhalb der Mauern stehen zwei alte Kirchen. Die wichtigere ist die Igreja de Santa Maria dos Anjos, die Kirche der Heiligen Maria von den Engeln, direkt neben der Porta da Gaviarra. Sie wurde um 1276 gegründet und geweiht. Ihr Hauptportal hat romanische Formen, außen ist sie schlicht, innen reich ausgestattet: ein einziges Schiff, ein Holzfußboden mit Einfassungen aus Granit, ein geschnitzter und bemalter Hochaltar und ein altes Taufbecken. Im Lauf der Jahrhunderte kamen barocke und klassizistische Elemente hinzu. Neben der Fassade steht die Capela da Misericórdia aus dem achtzehnten Jahrhundert mit einem kleinen Museum für sakrale Kunst. Die Kirche ist Nationaldenkmal, und als dieser Text entstand, im Herbst 2026, wurde an ihr restauriert.

Die zweite ist die Igreja de Santo Estêvão, die Stephanuskirche, vor der der römische Meilenstein steht. Auch sie ist romanischen Ursprungs, aus dem dreizehnten Jahrhundert, wurde aber im achtzehnten Jahrhundert im klassizistischen Stil neu gebaut. Ein Nachschlagewerk nennt eine Restaurierung im Jahr 1792. Im Inneren erzählen Bilder das Leben des heiligen Stephanus.

Eine Jakobuskirche oder ein Pilgerhospital mit belegter Geschichte haben wir in Valença nicht gefunden. Die Pilger waren hier immer Durchreisende, auf dem Weg zum Fluss und zu dem Heiligtum auf der anderen Seite.

Ein Stern aus Stein

Was du heute siehst, ist nicht mehr die mittelalterliche Stadtmauer, sondern eine Festung der Neuzeit. Von den Bauten des dreizehnten Jahrhunderts ist wenig geblieben. Einige Steine tragen noch Steinmetzzeichen aus romanischer und gotischer Zeit, und am Tor der Gaviarra soll ein Schlussstein mit einem mittelalterlichen Wappen erhalten sein.

Die große Wende kam 1640. In diesem Jahr löste sich Portugal von der spanischen Krone, unter der es sechzig Jahre lang gestanden hatte, und es folgte ein fast dreißigjähriger Krieg. Valença lag nun wieder an einer Front, und die spanische Artillerie nahm die Stadt unter Feuer. Der Visconde de Vila Nova de Cerveira, militärischer Gouverneur der Provinz zwischen Douro und Minho, ließ die Anlage nach den neuesten Regeln der Festungsbaukunst umbauen. Den Entwurf lieferte der französische Militäringenieur Miguel de l'École. Wann genau die Arbeiten begannen, ist unklar: Eine Quelle nennt 1641, eine andere 1661. Sicher ist, dass sie sich über Jahrzehnte hinzogen. Erst 1713 erklärte der Baumeister Manuel Pinto de Vilalobos die Festung für vollendet.

Das Ergebnis ist eine Bastionsfestung im Stil, den man nach dem berühmten französischen Festungsbauer Vauban benennt. Dass Vauban selbst hier gebaut habe, wie man manchmal liest, belegt keine der Quellen, die wir gefunden haben. Die Festung besteht aus zwei Teilen auf zwei Hügeln: dem größeren Recinto Magistral im Norden mit der alten Stadt und der Coroada im Süden. Ein Graben trennt sie, und die Porta do Meio, das mittlere Tor, verbindet sie. Zehn Bastionen und zwei Halbbastionen springen wie die Zacken eines Sterns aus den Mauern. Sie tragen Namen von Heiligen und Marienbildern: Santa Ana, São Jerónimo, Santa Bárbara, Carmo, Socorro, Lapa, Esperança und andere. Dazu kommen Vorwerke, Wachhäuschen, Schießscharten und Pulvermagazine. Eines davon, das Paiol do Açougue, wurde 1774 gebaut.

Kanonen über dem Fluss

Der Krieg kam schnell. 1643, als die Umbauten erst begonnen hatten, griffen spanische Truppen Valença an und wurden zurückgeschlagen. Weitere Angriffe folgten, nach einer Quelle 1657 und noch einmal 1668, kurz bevor Spanien die Unabhängigkeit Portugals anerkannte.

Wie gefährlich die Lage war, zeigt ein Blick flussabwärts. Im September 1658 schlug ein spanisches Heer aus Galicien unter dem Marqués de Viana die portugiesischen Truppen bei Vila Nova de Cerveira. Der portugiesische Befehlshaber war der Graf von Castelo Melhor, und er verlor die Schlacht. Im Januar 1659 fiel nach einer langen und verlustreichen Belagerung Monção, flussaufwärts von Valença. Die Grenze am Minho war in diesen Jahren eine echte Front, und Valença stand mitten darin.

Erobert oder nicht?

Hier stößt du auf eine Frage, die die Quellen nicht einig beantworten: Ist Valença in diesen Kriegen jemals gefallen?

Ein portugiesisches Nachschlagewerk sagt ja. Die Stadt sei nur ein einziges Mal von spanischen Truppen eingenommen worden und dann vom Grafen von Castelo Melhor zurückerobert worden. Eine andere Quelle nennt dafür das Jahr 1654. Eine Burgenseite dagegen schreibt, Valença sei bis 1809 nie eingenommen worden, und erst Napoleons Truppen seien hineingekommen.

Wir können diesen Widerspruch nicht auflösen. Vielleicht war es nur eine kurze Besetzung, die manche Chronisten nicht als Eroberung zählen. Sicher ist nur: Am Ende des Krieges war Valença portugiesisch, und es ist es geblieben. Für eine Stadt, die gebaut wurde, um standzuhalten, ist das vielleicht die wichtigste Bilanz.

Franzosen, Bürgerkrieg und Republik

1809 kamen die Franzosen. Im Krieg gegen Napoleon zog Marschall Soult mit seinem Heer durch den Norden Portugals, und nach örtlichem Widerstand nahm er Valença ein. Dabei ließ er die Porta do Sol sprengen, das Sonnentor, das bis dahin der Haupteingang der Festung war. Heute ist dort die Touristeninformation.

Ruhe kam danach nicht. 1828 wurde Valença in den Bürgerkrieg zwischen den Anhängern einer absoluten Monarchie und den Liberalen hineingezogen, die eine Verfassung wollten. Die Stadt stellte sich auf die Seite der Liberalen und wurde von Truppen des absolutistischen Königs Miguel eingenommen. Später holten die Liberalen sie mit Hilfe englischer Kräfte unter Admiral Charles Napier zurück. In der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts geriet Valença noch einmal in die politischen Kämpfe Portugals, und erst danach kehrte Frieden ein.

Nach einer Quelle musste die Festung sogar im zwanzigsten Jahrhundert noch einmal kämpfen: 1912 soll Valença die zwei Jahre zuvor ausgerufene Republik gegen einen Angriff von Monarchisten verteidigt haben. 1928 wurde die Festung zum Nationaldenkmal erklärt. Heute bewirbt sie sich um den Titel als Welterbe.

Die Brücke

Jahrhundertelang gab es zwischen Valença und Tui keine Brücke. Erst 1879 vereinbarten Portugal und Spanien, eine Brücke zu bauen, die Straße und Eisenbahn zugleich tragen sollte. Den Entwurf lieferte Pelayo Mancebo y Ágreda, ein spanischer Ingenieur und Abgeordneter aus La Rioja. Die Brücke ist ein Kasten aus Eisengitter, 399 Meter lang. Unten fahren Autos, an den Seiten gehen Fußgänger, oben fährt die Bahn. 1884 ging sie in Betrieb, und am 25. März 1886, fast anderthalb Jahre später, wurde sie feierlich eingeweiht.

Vielleicht hat dir jemand erzählt, die Brücke stamme von Gustave Eiffel. Das hört man oft, auch auf Pilgerblogs, und es klingt auch gut: Die Brücke sieht aus wie ein Werk aus Eiffels Zeit, und Eiffel hat tatsächlich Brücken in Portugal gebaut. Aber die Zuschreibung ist eine Legende. Die englische Wikipedia sagt vorsichtig, die Brücke sei von Eiffels Werken inspiriert. Gebaut hat sie Pelayo Mancebo.

Die alte Brücke ist heute nicht mehr die einzige. 1995 wurde weiter südlich eine neue Autobahnbrücke eröffnet, und schwere Lastwagen dürfen die alte nicht mehr benutzen. Am 17. März 2020 wurde sie wegen der Pandemie vorübergehend geschlossen, eine Grenze, die man vergessen hatte, war plötzlich wieder da. Inzwischen gibt es Pläne für eine Spur für Fahrräder und Elektroroller. Für Pilger aber ist sie, was sie seit über hundert Jahren ist: der Weg nach Spanien. Wenn du in der Mitte stehst, bist du weder in Portugal noch in Spanien, sondern über dem Minho.

Eine Stadt aus zwei Städten

Am 10. Februar 2012 haben Valença und Tui etwas getan, das ihre Vorfahren kaum geglaubt hätten: Sie haben sich zur Eurocidade erklärt, zur Europastadt, zwei Städte in zwei Ländern, die zusammenarbeiten. Die Festung, die gegen Tui gebaut wurde, ist heute Teil einer Partnerschaft mit Tui.

In der Gemeinde Valença lebten 2021 rund 13.600 Menschen. Die Stadt war immer ein Handelsort. Früher brachten Boote auf dem Minho Holz aus Monção und Salz aus Aveiro und Setúbal. Heute kommen die Kunden aus Galicien, und in den Gassen der Festung reiht sich ein Laden für Handtücher und Bettwäsche an den nächsten. Schon 2007 zählte man rund 170 Läden, und zu manchen Zeiten waren mehr als achtzig Prozent der Kunden Spanier.

Auch die Pilger sind zurück. 2005 öffnete die Herberge São Teotónio, und im ersten Halbjahr 2010 übernachteten bereits mehr als 3.500 Pilger in Valença. Portugal hat festgelegt, dass der Caminho Português da Costa, der über Caminha und Vila Nova de Cerveira am Meer und am Minho entlang kommt, hier endet. Hier treffen also zwei portugiesische Wege zusammen, bevor sie gemeinsam über den Fluss gehen.

Was Valença dir mitgibt

Valença wurde gebaut, um Nein zu sagen. Nein zu Tui, nein zu León, nein zu Spanien, nein zu Napoleon. Seine Mauern sind ein steinernes Nein, zehn Bastionen und zwei Halbbastionen lang. Und doch ist diese Stadt, wenn du heute auf ihren Mauern stehst, vor allem ein Ort des Übergangs. Der Heilige, nach dem die Pilgerherberge heißt, lernte als Kind bei einem Abt auf der anderen Seite. Eine Königin ging von hier aus nach Norden, um ihre Krone niederzulegen. Und eine Brücke, die zwei Länder gemeinsam bauten, trägt dich morgen hinüber.

Wenn du morgen früh losgehst, verlierst du auf der Brücke eine Stunde. Das ist das Einzige, was du hier verlierst. Bleib einen Moment in der Mitte stehen und schau zurück auf die Mauern, die so lange gegen das andere Ufer gerichtet waren. Dann geh hinüber. Manche Grenzen werden mit der Zeit zu Brücken. Vielleicht kennst du das auch aus deinem eigenen Leben.

Übernachten in Valença

Die von Pilgern am besten bewerteten Unterkünfte in Valença stehen vorn.

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Angebote in Valença

Was du vor der nächsten Etappe im Ort findest.

  • Geldautomat
  • Café
  • Geschäft
  • Arztpraxis
  • Apotheke
  • Brunnen
  • Post
  • Bahnhof
  • Bushaltestelle
  • Restaurant

Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert Januar 2026