10 Lehren vom Jakobsweg – was ich vor meinem ersten Camino gern gewusst hätte
Was ich auf meinem ersten Jakobsweg gelernt habe – zehn ehrliche Lehren vom Rucksackgewicht bis zur Regenjacke, die dir deinen ersten Camino leichter machen.

Was ich auf meinem ersten Jakobsweg gelernt habe – zehn ehrliche Lehren vom Rucksackgewicht bis zur Regenjacke, die dir deinen ersten Camino leichter machen.

Mein erster langer Pilgerweg war nicht der berühmte in Spanien, sondern der Allgäuer Jakobsweg – von München bis an den Bodensee nach Lindau. Zwei Wochen, viel wunderschöne, einsame Natur, ein paar blaue Flecken und jede Menge Erkenntnisse. Vieles davon hätte ich gern schon vorher gewusst.
Diese zehn Lehren gelten nicht nur fürs Allgäu. Ob Camino Francés, Camino Português oder ein Weg vor deiner Haustür: Der Rücken, das Wetter und die eigenen Beine funktionieren überall gleich. Hier ist, was mir mein erster Camino beigebracht hat.
Alles, was du einpackst, trägst du bei jedem einzelnen Schritt mit. Bei mir waren es acht Kilo – inklusive zwei Büchern, Stadtschuhen und Duschgel. Nichts davon war die Mühe wert. Als Faustregel gilt: höchstens rund zehn Prozent deines Körpergewichts, und im Zweifel bleibt es zu Hause. Ein Buch liest du abends ohnehin selten, wenn die Beine schwer sind.
Ein paar Proberunden mit vollem Rucksack sagen mehr als jede Packliste. Du lernst deinen Körper kennen: wo es drückt, wo es reibt, wie du reagierst, wenn es hart wird. Wer erst am dritten Wandertag merkt, dass die Schuhe nicht passen, hat schlecht verhandelt.
Am liebsten würde man gleich losstürmen. Tu es nicht. Der Körper braucht ein, zwei Tage, um sich einzupendeln. Ich bin am ersten Tag 32 Kilometer gelaufen und kam kaum noch die Treppe zu meinem Zimmer hoch. Ein kurzer Auftakt ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Erfahrung.
Auch ein gut ausgebauter Weg hat den „falschen Tag": Ruhetag im einzigen Wirtshaus, Nebensaison, alles geschlossen. Zum Abendessen gab es bei mir schon mal nur Leitungswasser. Du musst nicht alles bis ins Detail planen – aber ein Blick auf Öffnungszeiten, Saison und Etappenziele vorab erspart dir hungrige Abende.
Der Pfad, der spannender aussieht, ist selten der bessere. Ich habe einmal die „interessantere" Abzweigung genommen und bin am Ende auf allen vieren an einem Abhang balanciert, den schweren Rucksack im Nacken. Die Markierungen sind nicht da, um dir den Spaß zu nehmen, sondern um dich heil ans Ziel zu bringen.
Auch wenn das Gehen im Mittelpunkt steht: Manche Städte verdienen eine Pause. Ich bin einmal an einer wunderbaren Stadt vorbeigehetzt, weil ich keine Zeit eingeplant hatte – und habe es bereut. Ein halber Ruhetag für eine Kathedrale, eine Altstadt oder einfach einen guten Kaffee gehört zum Weg dazu.
„Nur zwei Kilometer" zur Ruine steht im Führer – und verschweigt die dreihundert Höhenmeter hinunter und wieder hinauf. Abstecher lohnen sich oft, aber entscheide bewusst und mit Blick aufs Höhenprofil, nicht nur auf die Luftlinie.
Unterwegs gibt es Wirtshäuser, für die sich ein Umweg wirklich lohnt. Ein hervorragendes Abendessen kann ein Tagesziel für sich sein. (Behalte nur Lehre 4 und 7 im Hinterkopf, bevor du dich auf den Weg dorthin machst.)
Ich bin einmal bis auf die Haut durchnässt in der „sonnigsten Ortschaft Deutschlands" angekommen, während meine Mitpilgerin im ordentlichen Regenumhang trocken blieb. Gute Regenkleidung ist keine Ausgabe, sondern eine Investition – sie entscheidet, ob ein Regentag ein Abenteuer oder eine Qual wird.
Man kann ewig planen, packen und zweifeln. Am Ende zählt der erste Schritt. Es gibt unglaublich schöne, abwechslungsreiche Wege – in Spanien, in Portugal und oft direkt vor der eigenen Haustür. Probier es einfach aus. Der Rest ergibt sich unterwegs.
Welche Lehre war dein größter Aha-Moment auf dem Camino? Schreib uns – wir sammeln die Erfahrungen der Camino-Ninja-Community und ergänzen diese Liste gern. Und wenn du noch überlegst, wo dein erster Weg hinführen soll: Stöbere durch die Jakobswege oder plane deine Etappen im Reiseplaner.
Nach einem Erfahrungsbericht von Mona Moldovan.