Jakobsweg mit Hund: Erfahrungen und Tipps vom Camino Francés
Fünf Wochen mit Hund Bobby auf dem Camino Francés: wie die Quartiersuche gelang, was schwierig war und was andere Hundepilger erlebt haben.

Darf der Hund mit auf den Jakobsweg? In Foren und Erfahrungsberichten lautet die Antwort meist: lieber nicht. Unsere Autorin hat es trotzdem gewagt – im Mai 2010 ist sie mit ihrem Mann Rainer und ihrem Hund Bobby rund fünf Wochen lang den Camino Francés von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Santiago gegangen. Hier erzählt sie, was gut lief, was schwierig war und was sie anderen Hundepilgern rät. Am Ende kommen weitere Pilger zu Wort, die mit Hund unterwegs waren.
Alle rieten ab – wir haben es trotzdem probiert
Nachdem ich viel über den Jakobsweg im Fernsehen gesehen und einiges gelesen hatte, war für mich klar: Das möchte ich unbedingt einmal machen. Ich bewege mich gern im Freien – schon allein wegen unseres Hundes Bobby, den ich natürlich mitnehmen wollte.
Was ich im Internet über den Jakobsweg mit Hund fand, war allerdings nicht sehr ermutigend. In jedem Forum wurde mir abgeraten, vor allem weil es sehr schwierig sei, Übernachtungen zu finden. Spanien ist sehr eigen, was öffentliche Einrichtungen, Restaurants und öffentliche Verkehrsmittel betrifft: Dort sind Hunde in den wenigsten Fällen erlaubt. Man solle den Weg lieber allein genießen oder zumindest ein Zelt mitnehmen.
Ich bin ein sehr positiv denkender Mensch und dachte mir: Das wird doch irgendwie zu schaffen sein. Und falls nicht, kann ich ja jederzeit abbrechen und heimkehren. Mein Mann hatte anfangs keine rechte Lust auf das Abenteuer – doch je tiefer ich in die Planung einstieg, desto mehr interessierte er sich dafür. Irgendwann sagte er, er wolle mitkommen. Gemeinsame Erlebnisse sind einfach viel schöner!
Die Vorbereitung
Ich kaufte neue Wanderschuhe und lief sie jeden Tag beim Gassigehen mit Bobby ein. Für ihn besorgte ich einen Faltnapf, einen Hunderucksack und Hundeschuhe – falls unterwegs etwas mit seinen Pfoten sein sollte.
Anfang Mai 2010 ging es los: von unserem Wohnort Nufringen mit der Bahn nach Stuttgart, über Paris nach Bordeaux und schließlich nach Bayonne. Nach einer Übernachtung fuhren wir mit dem Bus nach Saint-Jean-Pied-de-Port, wo wir unsere erste Etappe starteten.

Unterwegs: Matsch, Begegnungen und ein wunder Hund
Jeder Tag war erfüllt von tollen Begegnungen, einer beeindruckenden Landschaft und natürlich viel Bewegung. Bobby war mit Feuereifer dabei. Allerdings hatten wir viele enorm matschige und nasse Wege, sodass er sich nach ein paar Tagen unter seinem Hunderucksack an den Vorderbeinen wundgescheuert hatte. Rainer übernahm dann einige Tage Bobbys Rucksack, und die Wunden verheilten sehr schnell.
Die Quartiersuche: morgens anrufen
Am Anfang machten wir es wie die meisten Pilger: Das Tagesziel stand morgens fest, und dort suchten wir eine Unterkunft. Doch in vielen Orten bekamen wir mit Hund kein Quartier und mussten lange suchen.
Dann änderten wir unsere Strategie: Wir riefen schon morgens an den möglichen Etappenorten an und legten unsere Etappe so, dass wir am Ende des Tages ein Bett hatten. Das half enorm – denn jeden Tag noch viele Kilometer extra zu laufen, bringt einen irgendwann an seine Grenzen.
Das klappte jeden Tag recht gut. Dass ich inzwischen gut Spanisch spreche, war ein großer Vorteil. Manchmal waren mehrere Anrufe nötig, oft klappte es schon beim ersten Mal. Auch Passanten waren sehr hilfsbereit, wenn wir etwas suchten oder uns in den Städten nicht gleich zurechtfanden. Jeden Tag ging irgendwo ein Türchen auf.

Einmal schien es fast aussichtslos: Wir saßen in einer Bar in Villoval beim Pilgermenü, ich telefonierte sämtliche Möglichkeiten ab und bekam nur Absagen. Am Ende durften wir bei der Besitzerin der Bar im Nachbarort privat schlafen – eine Gastfreundschaft, die nicht zu überbieten war. Wenn man sich auf das Abenteuer einlässt, nicht alles planen zu können, wird man überrascht, was alles möglich ist.
Was uns der Weg geschenkt hat
Landschaftlich war es für uns, die wir schon oft an der spanischen Küste Urlaub gemacht hatten, absolut toll. Galicien erinnert an das Allgäu: sehr grün, viele Bauernhöfe, bewirtschaftete Felder und Wiesen voller Kühe. Das hat mir fast am besten gefallen. Schön war auch die Abwechslung zwischen Städten und Natur. Burgos und León mit ihren Kathedralen sind natürlich Highlights, aber es gibt auch viele kleinere, sehr reizvolle Orte. Am besten erlebt man das selbst.
Und uns wurde bewusst: Das Leben eines Menschen passt in einen Rucksack.

Wichtig sind nur noch Essen, Trinken, Schlafen, blasenfreie Füße und eine trockene Unterkunft. Alles andere trägt man bei sich – fünf Wochen lang. Die Tage bekommen einen ganz anderen Sinn als zu Hause, das Elementare tritt in den Vordergrund. Auch die Zeit zu zweit, nur mit unserem Hund, war sehr schön.
Schwierigkeiten mit Hund
Natürlich gibt es Schwierigkeiten, die man ohne Hund nicht hat – allen voran bei den Unterkünften. Ohne Hund kann man in jeder Herberge übernachten, ohne vorher genau zu wissen, wie weit man an einem Tag kommt.
Auch mit anderen Hunden gab es zwischendurch Reibereien, vor allem in den ländlichen Ortschaften.

In Ortschaften haben wir Bobby deshalb immer angeleint: Einer von uns ging voraus, dazwischen der Hund, der andere hinten. Kam ein fremder Hund heran, haben wir ihn mit den Wanderstöcken abgewehrt – meist mit Erfolg. Außerhalb der Ortschaften lief Bobby frei, was er sehr genossen hat. Alle paar Tage haben wir seine Pfoten mit etwas Hirschtalg eingecremt, damit sie geschmeidig blieben – durch das viele Laufen trocknen sie doch sehr aus.
Etappenlängen
Im Durchschnitt sind wir 25 Kilometer am Tag gegangen, mal mehr, mal weniger; einen Tag haben wir Pause gemacht. Die längste Etappe waren 40 Kilometer – das wurde uns erst abends so richtig bewusst. Ungefähr nach der dritten Woche bekam ich meine erste Blase, obwohl ich gut eingelaufen war; vielleicht war es einfach zu viel. Auch eine Schienbeinentzündung plagte mich länger. Mit Eincremen, Ibuprofen, einem Tag Pause und Zähnezusammenbeißen habe ich das aber überstanden.
Unser Fazit
Der Camino war für uns ein absolut tolles Erlebnis – vor allem, weil wir ihn mit Bobby gegangen sind und es am Ende gut geklappt hat.

Ich habe jeden Tag Tagebuch geführt: was wir erlebt haben, wo wir geschlafen haben und was es gekostet hat. Mit Hund ist es natürlich teurer, als wenn man nur in Herbergen schläft.
Nach unserer Rückkehr habe ich eine Übernachtungsliste erstellt und in Pilgerforen angeboten – die Nachfrage nach dem Camino mit Hund wird immer größer. Weil ich immer wieder Fragen beantwortete, wie das unterwegs mit Futter, Pfoten und Co. läuft, habe ich unsere Reise aufgeschrieben: nicht als Reiseführer, sondern als persönlichen Erfahrungsbericht. So entstand das Buch „Auf vier Pfoten nach Santiago“. Es soll allen Mut machen, die – entgegen vieler Meinungen, den Hund lieber zu Hause zu lassen – das Wagnis eingehen wollen. Diese besondere Herausforderung lohnt sich absolut.
Schöne Orte und Übernachtungen mit Hund
Pamplona, Burgos, León und Santiago sind sehr schöne Städte. Logroño, die Hauptstadt der Rioja, hat uns besonders gut gefallen: Sie bietet viele schöne Tapasbars, die als die besten Spaniens gelten – unbedingt eine Übernachtung einplanen! Weitere schöne Orte: Villava, Sahagún, El Acebo und Sarria.
Diese Unterkünfte haben uns 2010 mit Hund aufgenommen. Ob das heute noch gilt, solltest du unbedingt vorher telefonisch klären:
- Hornillos: eine umgebaute Mühle, etwas abseits des Camino, aber traumhaft schön
- Österreichische Herberge in Los Arcos
- Herberge in Ventosa
- Casa rural in der Nähe von Tosantos/Belorado
- Casa rural „Molino Galochas“ bei Villar de Mazarife, ebenfalls eine umgebaute Mühle
- Herberge in Foncebadón
- Schwäbische Herberge in La Faba
- Herberge „Paloma y Leña“ in San Mamede
- Herberge in Mercadoiro
Fünf Tipps für Hundepilger
- Vorher anrufen. Kläre vorab in Herbergen, Pensionen oder Hotels, ob dein Vierbeiner erlaubt ist. Ein paar Spanischkenntnisse helfen dabei. Rechne mit etwas höheren Übernachtungskosten, weil in vielen Herbergen Hunde verboten sind.
- An Fremde gewöhnen. Dein Hund sollte fremde Menschen gewohnt sein. In manchen Herbergen darf er nur im Flur oder im Innenhof schlafen und muss eine Nacht ohne dich auskommen. Lass ihm dann ein T-Shirt oder einen Schuh von dir da, damit er weiß, dass du noch da bist.
- Pfoten pflegen. Creme die Pfoten ab und zu morgens vor dem Losgehen mit etwas Hirschtalg oder Olivenöl ein, damit sie nicht austrocknen, und kontrolliere die Ballen regelmäßig auf kleine Verletzungen. Ein Mikrofaserhandtuch zum Trockenreiben und Reinigen ist ebenfalls hilfreich.
- Gewicht sparen und üben. Stell vor der Reise eventuell auf Trockenfutter um – das spart kostbare Pfunde im Rucksack. Trainiere das Gehen mit Hunderucksack vorher einige Male. Ein Faltnapf ist sehr praktisch, weil er sich ganz klein zusammenlegen lässt.
- Pausen einplanen. Gönn deinem Hund genügend Ruhe und achte auf Anzeichen von Müdigkeit, damit du ihn nicht überforderst.

Erfahrungen anderer Pilger mit Hund
Nicht jeder Hundepilger zieht dieselbe Bilanz. Diese Erfahrungen haben uns Leserinnen und Leser geschickt:
Olaf
Ich bin den Camino 2013 in Jena gestartet und habe meinen Hund nach 550 km in Speyer von meiner Tochter abholen lassen und bin dann solo weiter gelaufen. Der Grund war: der Hund war total platt. Er ist am Tag für mich gelaufen, und in der Nacht hat er über mich gewacht. Rasse: Australian Shepherd, Rüde, 8 Jahre.
Wenn man die 830 km Spanien läuft, sollte man bedenken, dass Hunde in keiner Herberge erwünscht sind. Es war gruselig zu sehen, dass Hunde über Nacht vor der Herberge angeleint waren und berechtigterweise einen Nachtgesang abhielten. Wenn man hingegen mit seinem Hund nur draußen campt, dann hat man bis auf ein paar Streuner keine Probleme.
Mic Roba
Wir haben es auch gemacht. Wir sind im Jahr 2010 ca. 240 km gepilgert mit unserem Hund Bobby, einem Podenco-Mix, 12 Jahre alt.
Wir kamen nur in zwei Herbergen unter, den Rest der Zeit haben wir im Zelt geschlafen.
In Restaurants darf der Hund auch nicht, egal was für Wetter ist. Die Pfoten leiden unter dem rauen Boden. Nach 8 Tagen waren wir am Ziel, sonst hätte Bobby eine Pause gebraucht. Die Hitze (im September) war teilweise auch grenzwertig für den Hund.
Wer dies auf sich nimmt und wer dabei auf seinen Hund achtet, wird ein wunderschönes Erlebnis mit seinem Hund haben! Es war super toll, das Erlebnis nimmt uns keiner mehr (zumal Bobby nicht mehr da ist), aber nochmal machen würde ich es nicht.

Tobh Nava
Also ich bin mit meinem Hund Luna den Jakobsweg von Tirol bis nach Fisterra gelaufen, durch Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich, Spanien.
Ich muss sagen, bis Frankreich war es recht einfach, und vor allem in Italien waren die meisten Menschen äußerst freundlich zu Hunden.
Als ich gestartet bin, war Luna knapp 2 Jahre alt, und wir haben ca. 3000 km zurückgelegt, d. h. Luna sicher 6000 km, weil sie immer vorgelaufen ist und wieder zurück *g*.
Bis auf Spanien ist es mit einem Hund recht einfach, aber in Spanien selbst wird es dann nicht mehr so prickelnd. Ständig Hunde-Verbote, egal ob in Restaurants, Bars etc.
Selbst bei der Rückreise hatte ich große Probleme. Ich wollte zuerst mit der Bahn reisen, das war aber unmöglich, weil Hundeverbot im Bus, im Zug etc., also wirklich übel. Da blieb mir schlussendlich nur mehr das Flugzeug, denn das war die einzig vernünftige Alternative.
Zum Thema Herbergen kann ich nur sagen: ebenso zumeist problematisch, doch weil ich ein Zelt dabeihatte, war es weniger schlimm.
Was natürlich zu beachten ist, dass man Futter und Wasser in ausreichender Menge zur Verfügung hat, was schon bald mal 5–6 kg mehr ausmacht.

Mehr dazu
Wie sich ein Weg mit Hund in Deutschland anfühlt, liest du im Pilgerbericht Eifel-Camino mit Hund.
Hast du auch Erfahrungen mit Hund auf dem Jakobsweg gemacht? Schreib uns an info@caminoninja.com – wir ergänzen diese Seite gern.