Regenjacke oder Poncho? Was über 70 Pilger bei Regen auf dem Jakobsweg tragen
Poncho, Regenjacke mit Hose oder doch der Trekkingschirm? Über 70 Pilgerinnen und Pilger erzählen, was sich bei ihnen auf dem Jakobsweg bewährt hat – mit allen Argumenten.

Was ziehst du an, wenn es auf dem Jakobsweg regnet – einen Poncho oder lieber Regenjacke und Regenhose? Über 70 Pilgerinnen und Pilger haben uns auf diese Frage geantwortet. Hier ist ihr gesammeltes Wissen, vor allem die vielen Argumente dafür und dagegen. Kurze Antworten wie nur „Poncho“ oder „Jacke“ haben wir nicht aufgenommen.
Schon auf den ersten Blick zeigt sich: Es gibt gute Gründe für beide Varianten. Die beiden Lager halten sich zahlenmäßig fast die Waage, mit einem leichten Vorsprung für den Poncho.

Foto von Kerli Rebane
Was heißt das für dich?
Vor allem eines: Du kannst nicht viel falsch machen. Je gleichwertiger zwei Lösungen sind, desto kleiner ist die Gefahr, die falsche zu wählen.

Jacken und Ponchos auf dem Jakobsweg. Foto von Martina Corazon
- Wenn du schnell frierst oder in einer kühleren Jahreszeit (oder weit oben in den Bergen) unterwegs bist, spricht viel für Regenjacke und Regenhose.
- Wenn du im warmen Regen nicht klatschnass geschwitzt ankommen willst, sind Poncho und kurze Hose eine beliebte Kombination.
Lies die wichtigsten Argumente der Pilger – und entscheide dann selbst.
Argumente für den Poncho
Die meistgenannten Vorteile: Der Rucksack bleibt gleich mit trocken, der Poncho ist schnell übergeworfen und wieder abgenommen, und darunter zirkuliert mehr Luft. Als Nachteile tauchen Schwitzen unter der Kapuze und Probleme bei Sturm auf.

Foto von Inge Vermeire

Poncho oder Zelt? Foto von Sebastian Beck

Roter Poncho und die Sonne im Herzen. Foto von Ulrike Kraenz

Anja Beep (rechts, der Herr links ist uns namentlich nicht bekannt)
- Poncho bei starkem Regen. Dazu aber abgezippte Hose, damit nur die Beine nass werden und nicht die Hose. Hatte ’n tollen Poncho, den ich erst in Ponferrada gekauft habe: Den konnte man ganz mit Reißverschluss öffnen wie ’nen Mantel. Damit konnte ich den gut anlassen, wenn starker Regen und Sonnenschein sich abwechselten, ohne drunter ins Schwitzen zu kommen.
Für Tage mit nur Wind und/oder wenig Regen fand ich ’ne (möglichst leichte) Softshelljacke top.
(Annette Segref) - Ganz klar Poncho. Es geht ja nicht nur allein ums Trockenhalten, sondern ist auch viel einfacher, wenn man mal muss. Und man schwitzt definitiv nicht so stark darunter, weil mehr Luft dazwischen kommt. Gibt man ein paar Euro mehr aus, passt der Rucksack einfach darunter, und man kann sie auch zwischen den Beinen zusammenknöpfen.
(Vera Kopf) - Poncho, denn da kann man auch den Rucksack drunter verstecken, und wenn’s ganz dicke kommt, kann man in die Hocke gehen, und es entsteht so was wie ein „Im-Zelt-Feeling“. LG
(Alfred Englert) - Mittelalterlicher Pilgerumhang aus Loden – windfest, wasserfest und trotzdem atmungsaktiv, im Gegensatz zu dem modernen Regenzeug, in dem man trotzdem durchweicht ist, weil man sich totschwitzt …
(Jay Alexander) - Poncho. Alles andere dauert zu lange zum An- und Ausziehen.
(Patrick Büttner) - Auf jeden Fall den Poncho. Der ist schnell über Kleidung und Rucksack geworfen und trocknet schneller als Hose und Jacke.
(Conny Bahmann) - Poncho! Den konnte ich bei ein paar Metern Sonnenschein immer hinten auf den Rucksack schmeißen und dann wieder drüber, wenn der Regen (wieder und wieder und wieder) kam.
(Stefan Warnecke) - Sonnenschein ist auch meine erste Wahl! Dann folgt ein Poncho, der auch über den Rucksack passt.
(Martina Garbe) - Wenn zu erwarten ist, dass es länger stark regnet, natürlich den Poncho. Bei leichtem gelegentlichen Regen Anorak und Rucksackhülle.
(Hans-Georg Göbel) - Aus leidvoller Erfahrung weiß ich, dass ein Poncho einfach besser geeignet ist.
(Christian Huy) - Ich ganz klar den Poncho … da ist der Rucksack gleich mit drin. Und ich bin mir da immer so schön einsam vorgekommen.
(Michael Zenhäusern) - Definitiv Poncho! Hält gleichzeitig den Rucksack trocken, und falls mal keine Herberge frei ist: Poncho abspannen, Isomatte und Schlafsack drunter, und fertig ist die Dackelgarage zum Schlafen. Als Backup, falls es heftig zu regnen beginnt, noch einen Biwaksack parat legen.
(Tommy Halt) - Poncho und Regenhose :) Keine Jacke, hab es lieber ein wenig länger …
(Gemeinsam zum Horizont) - Auf jeden Fall Poncho. Hat mir und meinem Rucksack gute Dienste geleistet.
(Anja Wald) - Poncho, hält auch den Rucksack trocken.
(Günter Ganzevoort) - Poncho. Obwohl ich davon Blasen an den Ohren hatte.
(Carolin Klotz) - Poncho, weil Rucksack dann auch trocken. Leider bei Sturm auch Problem.
(Rosemarie Gebetsroither) - Kurze Hose, Poncho!
(Anja Lucky Lüke) - Poncho – auf keinen Fall mehr Regenhose! Mit Regenhose schwitzt man wie verrückt. Ich trage lieber bei Regen kurze Hosen. Da werden zwar die Beine nass, aber die trocknen schnell wieder.
(Ingrid Mumm) - Ich sag auch Poncho. Und zwar am besten einen, der mit Rucksackzusatz ist.
(Monika Tombrink) - Poncho … Keine Frage. War das beste.
(Cornelia Kahn) - Poncho mit Reißverschluss vorne.
(Andy Müller)
Irgendwo dazwischen

Sowohl als auch … Foto von Theresa Lena Weberling

Poncho mit Regenhose. Foto von Sascha Mader
- Ich hatte einen Poncho, der Vorteil ist, dass man so auch den Rucksack trocken hält. Nachteil … Ich habe unter der Kapuze so geschwitzt, dass die Haare klatschnass waren und an den Armen der Poncho auf der Haut klebte, das war nicht so toll.
(Anke van Ohlen) - Hitzewelle im Süden. Da braucht man keinen Poncho. Regen im Norden und der Mitte. Da hilft auch die Regenjacke nichts mehr. Also …
(Amélie von Bernstorff)
Argumente für die Regenjacke
Die Jacken-Fraktion schätzt die bessere Bewegungsfreiheit, dass man sie ohne Hilfe an- und ausziehen kann, und dass Jacke und Hose auch bei kaltem Wind, Schnee oder als Abendjacke nützen. Den Rucksack schützt dann ein Regenüberzug – oder wasserdichte Packsäcke innen.

Foto von Katha Baum

Regenjacke und Foto von Theresa Lena Weberling
- Poncho braucht einen Helfer zum Anziehen, andererseits kann man es schnell runterziehen, wenn der Regen vorbei ist. Dagegen beeinträchtigt eine gute Regenjacke weniger die Bewegung. Hose? Solange es um die 20 Grad bleibt, für den Regen nur kurze Hose. Haut trocknet schneller als Stoff, und das Weiterlatschen mit nassen Hosenbeinen (da hilft nicht mal ein langer Poncho wirklich) ist nervig bis schmerzhaft. Also Regenjacke + kurze Hose + Raincover für den Rucksack.
(Agnes Fromme)
Darauf antwortete Michael Seibold: „Poncho braucht keinen Helfer, du musst es nur können.“ - Softshell bei leichtem Regen, sonst Regenjacke und einfach nur eine gute Trekkinghose, die schnell trocknet. Regenjacke kann ich auch während des Laufens ohne Absetzen des Rucksacks an- und ausziehen, so kann ich schnell anpassen und muss nicht unnötig lang schwitzen.
(Floresta Madera de Abedul)
Auf die Nachfrage, wie man eine Regenjacke ohne Absetzen des Rucksacks an- und auszieht, antwortete Floresta:
Ich habe einen gut sitzenden Rucksack mit Hüftgurt – darauf liegt ja eh das Gewicht. Also Regenjacke über Hüftgurt zwischen Rucksack und Rücken durchziehen. Bei mir ist da genug Platz, dass sie nicht stört und da auch erst mal bleiben kann. Wenn benötigt, erst mal einen Schulterriemen vom Rucksack runterstreifen, Ärmel anziehen, Riemen wieder rüber und auf der anderen Seite wiederholen. Wenn der Regen nachlässt, einfach so wieder ausziehen, und dann lass ich die in der Regel da über dem Hüftgurt hängen, bis das Wetter sicher besser ist und ich die nächste Pause mache, wo ich meinen Rucksack im Trockenen abstellen kann, dann wird die Jacke entspannt wieder eingepackt. - Ich bevorzuge Regenjacke und Regenhose, ich sehe gerne meine Füße je nach Untergrund. Da die Regencover nicht 100 % dicht halten, packe ich alles in ultraleichte Packsäcke, die wasserdicht sind, gleichzeitig helfen die Packsäcke, den Inhalt in Ordnung zu halten. Bis jetzt hat das bei mir prima funktioniert.
(Thorsten Raulfs) - Regenjacke plus Hose ist für mich besser – beim Überziehen des Ponchos über mich samt Rucksack fessele ich mich immer selber, wenn ich keinen anderen Pilger als Hilfesteller habe.
(Christian Dereser) - Regenjacke – dünn, leicht – auch gut für abends – Raincover – 2014 Mai 2 Wochen Regen auf Camino Francés – alles gut – ist nuuur Wasser – in allen Variationen – von vorne – hinten – viel – wenig – genieselt – geschüttet …
(Nic Kunkel) - Jacke + Hose. Denn beides ist auch toll und hilfreich bei kaltem Wind und Schnee. Der Poncho hat dagegen nur einen Einsatzbereich.
(Cindy Noack) - Hose, Jacke und Rucksacküberzug … Perfekt.
(Antje Hecht) - Regenjacke und Hose.
(Joon E. Dočkalson) - Nach 17 Tagen Regen im April bei 0 Grad in der Früh in Portugal: Regenjacke und Regenhose.
(Hannes Schlosser) - Wenn’s nicht kalt ist, lieber kurzärmlig mit ’nem Shirt zum Wechseln, bei kühleren Temperaturen aber lieber die Jacke.
(Michael Spanel) - Hut, Buff, Regenjacke und Funktionshose … feddich!
(Marc Weislowski) - Regenhose und Regenjacke sind zu empfehlen.
(Klaus Peters)
Die dritte Option: der Trekkingschirm

Foto und Schirm von Felix Gast

Foto von Felix Göbel

Foto von Felix Göbel
- Ganz klar einen Regenschirm und für den Rucksack den Überzieher. Die paar Tropfen, die man trotzdem abbekommt, hält auch ein guter Windstopper ab. Ist auf jeden Fall angenehmer, als unter einem Poncho zu schwitzen.
(Bernd Sienel) - So lange es geht, nehme ich einen Trekking-Regenschirm, dann kommt die Regenjacke. Die nassen Hosen nehme ich in Kauf. Sind eh gleich trocken. So hab ich 2013 drei Wochen Regen auf dem Francés überstanden. Regenschirm wiegt 200 Gramm und ist windsicher.
(Hubert Neumann) - Du kannst ihn auch als Sonnenschutz benutzen.
(Peter Eich)
Spar nicht an der falschen Stelle
Egal, wofür du dich entscheidest: Ein Regenschutz, der beim ersten Starkregen aufgibt, hilft dir nicht weiter. Hier ein Beispiel, was dann passiert:

Frank Hoppe schreibt zu seinem Bild: „Nachdem ich meinen Billigponcho am ersten Tag Starkregen in die Tonne gekloppt habe, kämpfe ich mich mit der oberen Plane meines Zeltes durch das Dreckswetter.“
Fazit
Poncho, Jacke und Hose oder Schirm – alle drei bringen dich trocken(er) nach Santiago. Entscheidend sind die Jahreszeit, wie schnell du frierst oder schwitzt und wie gut du mit dem An- und Ausziehen unterwegs zurechtkommst. Probier deinen Regenschutz am besten vorher bei einer Testwanderung mit vollem Rucksack aus.

Fotos von Britta Bandelt und Traudl Bauer
Hast du eigene Erfahrungen mit deinem Regenschutz auf dem Jakobsweg? Schreib uns an info@caminoninja.com – wir ergänzen diese Seite gern.
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Titelfoto von Christoph Ellinghausen