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Cammino di Francesco (Franziskusweg)

Der Cammino di Francesco — im Markt meist Via di Francesco genannt — führt auf 535,8 km von Florenz über La Verna und Assisi nach Rom: der bergigste Weg unseres Portfolios, 13.323 Höhenmeter im Aufstieg, fast 25 pro Kilometer. Er ist kein Jakobsweg, sondern ein Franziskusweg mit zwei Gräbern als Ziel — und offiziell in beiden Richtungen markiert: Viele pilgern von Rom aus auf Assisi zu.

18. August 202624 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Florenz (Santa Croce) → Rom (Petersplatz) — mit Assisi als Scharnier bei Kilometer 289
  • Länge: 535,8 km (Nordast Florenz → Assisi ca. 289 km, Südast Assisi → Rom ca. 246 km)
  • Höhenmeter: ↗ 13.323 m / ↘ 13.354 m — 24,9 Höhenmeter pro Kilometer, das 1,7-Fache des Camino Francés: der bergigste Weg unseres Portfolios
  • Dauer: ca. 25–30 Tage (27 Etappen); Nordast ~15, Südast ~12 Tage
  • Richtung: offiziell in beiden Richtungen begehbar und markiert — viele gehen nur einen Ast, mit Assisi als Ziel: von Florenz hin oder von Rom hin
  • Wegzeichen: das gelbe Tau; in Umbrien und Latium zusätzlich gelb-blaue Streifen (bidirektional gesetzt), in der Toskana weiß-rote CAI-Zeichen
  • Pilgerdokumente: Credenziale vorab bei der Diözese Gubbio; Testimonium ab 100 km zu Fuß — in Assisi oder in Rom, nicht in Santiago
  • Anschluss: kein Jakobsweg, kein Compostela — in Rom warten die Via Francigena und die Sieben-Kirchen-Wallfahrt
  • Charakter: Gebirgsweg mit zwei Gräbern: Klöster, Eremos und Sanktuarien statt Albergue-Kette, 4.483 Fußpilger im ganzen Jahr 2024 — Vorbuchen ist der Normalfall, nicht die Ausnahme

Überblick

Der Cammino di Francesco — im Markt meist Via di Francesco genannt — beginnt an der größten Franziskanerkirche der Welt und endet am Grab des Petrus: 535,8 Kilometer von Florenz über den Consuma-Pass, die Casentiner Wälder von Camaldoli und den Fels von La Verna nach Assisi, dann durch das Rieti-Tal und die Sabiner Hügel nach Rom. Dazwischen liegen 13.323 Höhenmeter im Aufstieg — 24,9 pro Kilometer, das 1,7-Fache des Camino Francés. Das ist keine Warnung, sondern eine Erklärung: Die Orte des Franziskus liegen oben, weil Einsiedler nach oben gehen — Camaldoli auf rund 1.100 Metern, La Verna auf 1.128, der Eremo delle Carceri auf 791. Dieser Weg ist keine italienische Verlängerung des spanischen Systems. Er ist ein Gebirgsweg mit zwei Gräbern.

Sein Scharnier ist Assisi bei Kilometer 289 — und weil der Weg offiziell in beiden Richtungen markiert ist („percorribile in entrambi i sensi di marcia“, sagt der Betreiber), gehen ihn viele gar nicht als Linie, sondern als Ankunft: den Nordast von Florenz auf das Grab zu, oder den Südast von Rom durch das Rieti-Tal — beide Male mit Assisi als Ziel. 2024 kamen dort 4.483 Pilger zu Fuß oder mit dem Rad an; Santiago zählt so viele an einem guten Julitag. Die größte Auslandsgruppe waren mit 11,95 Prozent die Deutschen. Und 2026 hat dieser Weg ein Argument, das kein Marketing ist, sondern ein Dekret: Papst Leo XIV. hat das franziskanische Jubeljahr ausgerufen — vom 10. Januar 2026 bis zum 10. Januar 2027, mit vollkommenem Ablass für den Besuch jeder Kirche, die dem heiligen Franziskus gewidmet ist. Dieser Weg besteht aus solchen Kirchen. Wer 2026 geht, geht durch die Bedingung.

Andere Namen

Im Markt heißt dieser Weg meistens anders als bei uns: Via di Francesco, englisch Way of St Francis — so nennt ihn das offizielle Projekt der Regionen Umbrien und Latium, das die Route als durchgehenden Weg gebaut hat. Auch Cammino di San Francesco liest man häufig; italienische Wegportale benutzen beide Namen für dieselbe Linie. Im Deutschen heißt er schlicht Franziskusweg — so führen wir ihn auch im Seitentitel. Unser Seitenname „Cammino di Francesco“ folgt der Routen-Datenbank und meint die Gesamtlinie Florenz–Assisi–Rom. Und jetzt wird es kniffelig, denn drei weitere Wege tragen fast denselben Namen — wer sie verwechselt, bucht das Falsche:

  • Cammino di Francesco (Rieti): gleicher Name, anderer Weg. Rund 80 km in acht Etappen, eingeweiht 2003 von der Provinz Rieti, ein Rundkurs durch das Valle Santa zu den vier Franziskus-Heiligtümern Greccio, La Foresta, Poggio Bustone und Fonte Colombo. Zwei davon liegen an unserer Strecke, zwei sind Abstecher. Eigenes Pilgerdokument, eigene Website.
  • Cammino di Assisi: über 300 km in 13 Etappen, von Dovadola bei Forlì über Camaldoli, La Verna, Sansepolcro, Città di Castello und Gubbio nach Assisi — er teilt große Teile unseres Nordastens, kommt aber aus der Romagna statt aus der Toskana.
  • „Di qui passò Francesco“: der Wegvorschlag von Angela Serracchioli, seit 2004 im Buchhandel, von Assisi nach Poggio Bustone. 2024 kamen 2,33 Prozent aller Fußpilger in Assisi über ihn.

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Für wen ideal – und für wen eher nicht

Dieser Weg ist etwas für dich, wenn du Berge magst und Kirchen aushältst. Er ist der bergigste Weg in unserem ganzen Portfolio: 24,9 Höhenmeter auf jeden Kilometer — beim Camino Francés sind es etwa 15. Du gehst über den Consuma-Pass, durch die Casentiner Wälder nach Camaldoli und in der ersten Woche auf 1.128 Meter nach La Verna; Tage mit über 1.100 Metern Aufstieg sind hier Programm, nicht Ausnahme. Ideal ist er auch, wenn du Geschichte in Originalgröße willst — Giotto in Assisi, Piero della Francesca in Sansepolcro, eine römische Inschrift aus dem 3. Jahrhundert vor Christus über Spoleto, ein Wasserfall, den ein Konsul 271 v. Chr. anlegen ließ — und wenn du gern allein gehst: 2024 kamen 4.483 Menschen zu Fuß oder mit dem Rad in Assisi an. Auf vielen Etappen gehört dir der Weg.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du einen Jakobsweg suchst — denn das ist er nicht. Hier gibt es keine Muschel, keine Albergue-Kette und kein Compostela: Das Wegzeichen ist das gelbe Tau, das Ziel sind zwei Gräber in Italien, und das Dokument am Ende heißt Testimonium — ausgestellt ab 100 Kilometern zu Fuß, in Assisi oder in Rom. Nichts für dich ist er auch, wenn du gleichmäßige Flachetappen brauchst: Es gibt Tage mit 31 und 35 Kilometern, es gibt eine Neun-Kilometer-Etappe mit 515 Höhenmetern, und es gibt Abschnitte ohne Bar und ohne verlässliches Wasser in der Etappenmitte. Geschlafen wird in Klöstern, B&Bs und Agriturismi, meist mit Reservierung und für 65 bis 100 Euro am Tag. Und wenn dich Kirchen und Klöster grundsätzlich langweilen, verpasst du auf diesem Weg ungefähr alles.

Streckenverlauf & Landschaft

Der Weg hat drei Gesichter. Das erste ist toskanisch und steil: Von Florenz gehst du das Arno-Tal hinauf, durch Weinberge in den Wald von Vallombrosa und über den Consuma-Pass ins Casentino. Hier liegen die zwei Orte, die alles über diesen Weg sagen — Camaldoli auf rund 1.100 Metern, wo Romuald um 1012 zwanzig Einsiedlerzellen in fünf Reihen anlegen ließ, und La Verna auf 1.128 Metern, der Berg, den Graf Orlando 1213 verschenkte. Dazwischen der Nationalpark Foreste Casentinesi: Buchenhallen, Tannen, Farnwald, kaum Häuser. Das zweite Gesicht ist das obere Tibertal und der umbrische Apennin — Sansepolcro, Citerna, Città di Castello, Pietralunga, Gubbio, die Stadt des Wolfs: Getreide, Sonnenblumen, Eichenwald und lange, einsame Tage auf Schotter. Der Weg fällt nie ins Flache; er wechselt nur die Höhe, in der er sich bewegt.

Das dritte Gesicht beginnt in Assisi. Ab hier läuft der Weg südwärts am Rand der umbrischen Ebene — Spello mit seinen Römertoren, Foligno, Trevi über den Olivenhängen —, dann steigt er hinter Spoleto auf den Monteluco, einen heiligen Hain, dessen Schutz schon die Lex Spoletina aus dem 3. Jahrhundert vor Christus regelte: „Questo bosco sacro nessuno profani.“ Danach kippt er in die Valnerina: Ferentillo mit seiner Mumienkrypta, der Wasserfall von Marmore — 165 Meter, drei Stufen, seit 271 v. Chr. von Menschenhand —, der See von Piediluco, und dann das Valle Santa bei Rieti, das franziskanischste Tal Italiens. Die letzten beiden Tage sind der Preis für Rom: mehr Asphalt, mehr Verkehr, Vorstadt statt Umbrien. Der Einzug erfolgt von Nordosten über den Ponte Nomentano — die Via Francigena kommt von der anderen Seite. Zwei Wege, zwei Himmelsrichtungen, ein Grab.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

27 Etappen sind der natürliche Rhythmus, entlang der Orte unserer Routen-Datenbank — aber fast niemand geht das in einem Stück. Der Weg hat sein Scharnier in Assisi, und dort teilt er sich in zwei Hälften, die je eine eigene Reise sind: Etappe 1–15 von Florenz nach Assisi (ca. 289 km, die bergige Hälfte), Etappe 16–27 von Assisi nach Rom (ca. 246 km, die freundlichere). Und weil der Weg offiziell in beiden Richtungen markiert ist, geht ein guter Teil der Pilger den Südast umgekehrt — von Rom aus nordwärts, mit Assisi als Ziel statt als Abschied. Die Höhenmeter verteilen sich unfair: Es gibt eine Neun-Kilometer-Etappe mit 515 Metern Aufstieg, und drei lange Tage gehören in jeden Plan — ca. 31 km nach Pietralunga, ca. 35 km nach Sansepolcro, ca. 29 km nach Monterotondo. Zwei Teilungen sind fest einkalkuliert; sie stehen im Absatz nach der Liste.

  1. Florenz → Pontassieve — ca. 19 km — Start an Santa Croce, der größten Franziskanerkirche der Welt, dann das Arno-Tal aufwärts. Viel Asphalt — der weichste Tag des Wegs.
  2. Pontassieve → Consuma — ca. 18 km — ↗ ca. 1.100 m: durch Weinberge in den Wald von Vallombrosa. Der Waldeinstieg ist laut Betreiber leicht zu verpassen; ab hier begleitet dich das gelbe Tau.
  3. Consuma → Stia — ca. 18 km — hinunter ins Casentino, loses Blockwerk im Abstieg.
  4. Stia → Camaldoli — ca. 17 km — ↗ ca. 910 m durch den Nationalpark Foreste Casentinesi zum Sacro Eremo: zwanzig Einsiedlerzellen auf rund 1.100 Metern, gegründet um 1012.
  5. Camaldoli → Badia Prataglia — ca. 9 km — die kürzeste Etappe des Wegs, trotzdem ↗ ca. 515 m. Das ist dieser Weg in einer Zeile.
  6. Badia Prataglia → La Verna — ca. 18 km — ↗ ca. 1.180 m auf felsigem Bergpfad, Ankunft auf 1.128 Metern: der härteste Aufstiegstag des ganzen Wegs, und sein heiligster Fels — Cappella delle Stimmate, Sasso Spicco.
  7. La Verna → Pieve Santo Stefano — ca. 15 km — ↘ ca. 930 m, über den Eremo di Cerbaiolo hinab ins obere Tibertal.
  8. Pieve Santo Stefano → Sansepolcro — ca. 35 km — Königsetappe Nord, offiziell eine Etappe; teilbar an Montagna (kein DB-Ort — wer teilt, telefoniert vorher). Ankunft in der Stadt, die nach dem Heiligen Grab heißt.
  9. Sansepolcro → Citerna — ca. 12 km — kurz und aussichtsreich, Grenze Toskana/Umbrien.
  10. Citerna → Città di Castello — ca. 20 km — wer die Variante über Monterchi nimmt (Piero della Francescas „Madonna del Parto“), rechnet ca. 8 km und einen halben Museumstag dazu. Lohnt.
  11. Città di Castello → Pietralunga — ca. 31 km — ↗ ca. 1.120 m: die längste Etappe des Nordastens, offiziell „lungo e impegnativo“. Nicht spontan angehen.
  12. Pietralunga → Gubbio — ca. 26 km — ↗ ca. 704 m, Einzug in die Wolfsstadt.
  13. Gubbio → Eremo di San Pietro in Vigneto — ca. 16 km — die offizielle Teilung der 38-Kilometer-Strecke nach Valfabbrica: Pflicht-Zwischenstopp, sonst steht ein 38er im Plan.
  14. Eremo di San Pietro in Vigneto → Valfabbrica — ca. 22 km — ↗ ca. 760 m, ein einsamer Tag.
  15. Valfabbrica → Assisi — ca. 13 km — ↗ ca. 490 m, letzter Anstieg, dann liegt die Basilika unter dir. Ende des Nordastens und Scharnier des Wegs: Grab des Franziskus, Testimonium an der Statio Peregrinorum; Abstecher zu San Damiano, zur Porziuncola und zum Eremo delle Carceri. Für viele ist hier Schluss. Für viele fängt hier alles an.
  16. Assisi → Foligno — ca. 19 km — Beginn des Südastens (viele gehen ihn in Gegenrichtung, von Rom auf Assisi zu): über Spello mit seinen Römertoren in die Ebene von Foligno.
  17. Foligno → Trevi — ca. 12 km — kürzeste Südetappe, Olivenhänge.
  18. Trevi → Spoleto — ca. 27 km — offiziell an Poreta geteilt (12 + 15 km); Ziel ist die Stadt, bei der Franziskus 1204/05 umkehrte — bei San Sabino steht das Denkmal zum Traum.
  19. Spoleto → Ceselli — ca. 16 km — über den Monteluco, den heiligen Hain der Lex Spoletina, dann hinab in die Valnerina.
  20. Ceselli → Arrone — ca. 15 km — über Ferentillo: Mumienkrypta von Santo Stefano und die langobardische Abtei San Pietro in Valle.
  21. Arrone → Piediluco — ca. 13 km — über Marmore. Wasserfall-Fahrplan prüfen (üblich 12–13 und 16–17 Uhr), sonst rauschende Leere. Dann der See von Piediluco.
  22. Piediluco → Poggio Bustone — ca. 22 km — ↗ ca. 970 m über Labro ins Valle Santa; Ankunft im Dorf des „Buongiorno, buona gente!“.
  23. Poggio Bustone → Rieti — ca. 17 km — über Cantalice und das Santuario della Foresta (Weinwunder 1225): der dichteste Franziskus-Tag des Südens. Abstecher ab Rieti: Fonte Colombo, der „Sinai francescano“; offizielle Variante nach Greccio.
  24. Rieti → Poggio San Lorenzo — ca. 22 km — Sabiner Hügel, dünne Infrastruktur: vorbuchen.
  25. Poggio San Lorenzo → Ponticelli Sabino — ca. 20 km — stilles Hügelland, Oliven, kaum Durchgangsorte.
  26. Ponticelli Sabino → Monterotondo — ca. 29 km — Königsetappe Süd, über Montelibretti. Rom rückt hörbar näher: mehr Verkehr, mehr Asphalt.
  27. Monterotondo → Rom (Petersplatz) — ca. 34 km — üblich in zwei Tagen, geteilt an Monte Sacro (19 + 15 km): über den Ponte Nomentano von Nordosten in die Stadt. Ehrlich: Die letzten Kilometer sind Vorstadt, nicht Umbrien.

Zwei Teilungen gehören fest in den Plan: Die 38 Kilometer Gubbio–Valfabbrica sind oben bereits am Eremo di San Pietro in Vigneto geteilt — kein DB-Ort, aber der einzige Schlafplatz dazwischen, also vorher anrufen —, und die Schlussetappe nach Rom gehst du realistisch in zwei Tagen mit Quartier an Monte Sacro. Wer zusätzlich die 35er nach Sansepolcro entschärfen will, teilt an Montagna, ebenfalls nur nach Telefonat. Und rechne ehrlich: Wer Varianten und Abstecher mitnimmt — Monterchi, Greccio, die Carceri —, landet erfahrungsgemäß bei über 600 Kilometern.

1213 verschenkt, 1224 gezeichnet, 2026 im Jubeljahr

Dieser Weg besitzt einen Berg, der ein Geschenk war. Graf Orlando Catani von Chiusi in Casentino hörte Franziskus 1213 auf einem Ritterfest predigen und schenkte ihm den Monte della Verna — die Verna-Literatur nennt den 8. Mai 1213, und Franziskus nahm an, aber „con riserva“: Er wollte den Berg erst sehen. (Eine Casentino-Quelle warnt selbst, bei La Verna „prevale la leggenda sulla storia“ — die Legende siegt über die Geschichte. Genau deshalb erzählen wir sie mit Datum und sagen, wo die Urkundenlage endet.) Mitte September 1224 empfing Franziskus dort oben, auf 1.128 Metern, der Überlieferung nach die Stigmata. Das ist Glaube — bis auf ein Blatt: In denselben Wochen schrieb er eigenhändig Lobpreis und einen Segen für Bruder Leo auf ein einziges Stück Pergament, die Chartula. Auf La Verna ist alles Glaube; das Blatt aus seiner Hand liegt 190 Kilometer weiter in einer Vitrine — in der Reliquienkapelle der Unterkirche von Assisi, „in ottimo stato di conservazione“. Das ist keine Legende, das ist Tinte. Du gehst auf diesem Weg vom Ort der Handschrift zur Handschrift.

Und der Weg führt durch den Ort der Kehrtwende. 1204/05 zog ein junger Söldner aus Assisi Richtung Apulien, wurde bei Spoleto krank und hörte im Traum die Frage, wer mehr nütze — der Herr oder der Diener. Seine Antwort: „Signore, che vuoi ch'io faccia?“ — Herr, was willst du, das ich tue? Er kehrte um; deine Etappe 18 endet genau dort. Ein Jahr später sprach das Kruzifix von San Damiano: „Francesco, va' e ripara la mia casa che, come vedi, è tutta in rovina.“ Zwanzig Jahre danach, 1225, diktierte der fast erblindete Franziskus den Sonnengesang: „Altissimu, onnipotente, bon Signore…“ — das älteste Gedicht der italienischen Literatur, dessen Verfasser man kennt. Am 3. Oktober 1226 starb er in der Porziuncola, am 16. Juli 1228 sprach Gregor IX. ihn heilig — nach 1 Jahr, 9 Monaten und 7 Tagen, und noch am selben Tag wurde der Grundstein der Basilika gelegt, in der er heute liegt. Schneller ist in der Kirchengeschichte kaum je aus einem Toten ein Heiliger und aus einem Heiligen eine Baustelle geworden.

Dass du diese Basilika heute sehen kannst, ist die jüngste Pointe des Wegs: Am 26. September 1997 um 11:42 Uhr stürzten beim Erdbeben Teile der Gewölbe der Oberkirche ein, vier Menschen starben, über 300.000 Fragmente wurden aufgesammelt — Wiedereröffnung am 28. November 1999, nach zwei Jahren und zwei Monaten, seit 2000 UNESCO-Welterbe. Und jetzt kommt die Gegenwart: Die Franziskaner feiern seit 2023 eine Kette von 800-Jahr-Jubiläen — 2023 die erste Krippe von Greccio, 2024 die Stigmata von La Verna, 2025 den Sonnengesang, 2026 den Transitus, den Tod des Heiligen. Dafür hat Papst Leo XIV. das franziskanische Jubeljahr ausgerufen: 10. Januar 2026 bis 10. Januar 2027, und das Ablass-Dekret vom 16. Januar 2026 knüpft den vollkommenen Ablass an den Besuch jeder franziskanischen Kirche weltweit. Dieser Weg reiht solche Kirchen aneinander wie andere Wege Herbergen. Es gibt Jahre, in denen man einen Weg gehen kann — und es gibt das eine Jahr, für das er wie gebaut ist.

Highlights am Weg

  • Basilica di Santa Croce, Florenz — die größte Franziskanerkirche der Welt, erstmals 1228 erwähnt, im Jahr der Heiligsprechung; Grundstein 3. Mai 1294. Hier beginnt dein Weg.
  • Sacro Eremo di Camaldoli — zwanzig Einsiedlerzellen in fünf Reihen auf rund 1.100 Metern, gegründet von Romuald um 1012, benannt nach Maldolus, der das Land schenkte.
  • Santuario della Verna (1.128 m) — Cappella delle Stimmate von 1263 über dem Ort des Ereignisses, Terrakotten von Andrea della Robbia (1475–1493), der Sasso Spicco, unter dem Franziskus' erste Hütte „di legno e terra“ stand.
  • Sansepolcro — Piero della Francescas „Resurrezione“, die Aldous Huxley 1925 „das beste Bild der Welt“ nannte. Der Stadtname kommt von Grab-Reliquien, die zwei Pilger um 1012 aus dem Heiligen Land brachten — samt Hospiz für Leute wie dich.
  • Monterchi (Abstecher/Variante, ca. +8 km) — die „Madonna del Parto“, die schwangere Maria, um 1455–1465 gemalt; Pieros Mutter stammte von hier.
  • Gubbio, San Francesco della Pace — die Stadt des Wolfs aus den Fioretti (Kapitel XXI: der Wolf legt die Pfote in Franziskus' Hand und lebt zwei Jahre zahm im Ort). Die Legende ist 700 Jahre alt — der Wolfsskelett-Fund unter einer Steinplatte bei Straßenarbeiten 1872/73 ist 150. Beweisen tut er nichts, und genau deshalb erzählt Gubbio ihn so gern; die Grabplatte liegt in der Krypta.
  • Basilica di San Francesco, Assisi — Grab des Heiligen, Giotto-Zyklus, UNESCO-Welterbe seit 2000; Grundstein am Tag der Heiligsprechung, 16. Juli 1228. In der Reliquienkapelle der Unterkirche: die Chartula, von Franziskus 1224 auf La Verna eigenhändig beschrieben.
  • Eremo delle Carceri (Abstecher, ca. 4 km, 791 m) — Höhlen am Monte Subasio im Steineichenwald, 1426 von Bernardin von Siena ausgebaut.
  • Porziuncola in Santa Maria degli Angeli (Abstecher) — die 7 × 4 Meter kleine Kapelle mitten in einer Renaissance-Basilika; daneben die Cappella del Transito, wo Franziskus am 3. Oktober 1226 starb.
  • Monteluco über Spoleto — der heilige Hain, geschützt schon durch die Lex Spoletina aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.: „Questo bosco sacro nessuno profani.“ Der Wald, in dem Franziskus betete, stand schon unter Naturschutz, als Rom noch Republik war. Unten, bei San Sabino, kehrte 1204/05 ein Söldner um.
  • Ferentillo — 24 natürlich mumifizierte Leichen und über 270 Schädel in der Krypta von Santo Stefano, letzte Bestattung am 18. Mai 1871. Kein Wunder, keine Legende — Bodenchemie. Daneben die langobardische Abtei San Pietro in Valle.
  • Cascata delle Marmore — 165 Meter in drei Stufen, der höchste von Menschen gemachte Wasserfall: Der Kanal stammt von Konsul Curius Dentatus, 271 v. Chr. — und er wird eingeschaltet. Üblich 12–13 und 16–17 Uhr, sonst läuft das Wasser ins Kraftwerk; wer den Fahrplan nicht kennt, steht vor einer trockenen Wand.
  • Poggio Bustone — hier grüßte Franziskus im Sommer 1208 „Buongiorno, buona gente!“, und man grüßt so bis heute; oben der Speco, wo ihm nach der Überlieferung die Vergebung seiner Sünden zugesagt wurde.
  • Fonte Colombo (Abstecher ab Rieti, 549 m) — der „Sinai francescano“: Hier entstand die Ordensregel, die Honorius III. am 29. November 1223 bestätigte. Greccio (offizielle Variante) liegt gegenüber im Tal — Weihnachten 1223 stand dort die erste Krippe: „Greccio è diventata come una nuova Betlemme.“
  • Rom, Petersplatz — das zweite Grab und das Ziel. Und der Startpunkt der Sieben-Kirchen-Wallfahrt, die Philipp Neri am 25. Februar 1552 formalisierte.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Einen klassischen Zubringerweg gibt es nicht — dieser Weg beginnt in einer Millionenstadt und endet in einer anderen, und die meisten kommen mit dem Zug. Die eigentliche Frage ist deshalb nicht, wie du herkommst, sondern wo du anfängst: Der Cammino di Francesco ist offiziell in beiden Richtungen begehbar — „percorribile in entrambi i sensi di marcia“, sagt der Betreiber, und die gelb-blauen Zeichen in Umbrien und Latium sind ausdrücklich bidirektional gesetzt. Drei Spielarten sind gängig. Erstens die ganze Linie von Norden: Florenz → Assisi → Rom, 535,8 km, 27 Etappen, Assisi bei Kilometer 289 als geistliche Mitte. Zweitens nur der Nordast: von Florenz (ca. 289 km) oder ab La Verna (ca. 190 km) bis Assisi — hier ist das Grab das Ziel, und dafür wird an der Statio Peregrinorum das Testimonium ausgestellt. Drittens der Südast in Gegenrichtung: von Rom nach Assisi, ca. 246 km durch das Rieti-Tal. Das ist keine Notlösung, sondern eine eigene Reise — du gehst dann nicht von Franziskus weg, sondern auf ihn zu. Nur eines ändert die Richtung nicht: Der Norden bleibt der harte Teil, egal von wo du ihn angehst.

Wer in Rom startet, sollte die Nachbarschaft kennen: Dort endet auch die Via Francigena aus Canterbury — allerdings von der anderen Seite, über La Storta und den Monte Mario aus Nordwesten, während unser Weg über Monterotondo und Monte Sacro von Nordosten hereinzieht, auf der alten Achse der Via Salaria. Gemeinsam ist beiden nur das Ende: das Petrusgrab. Und egal für welche Variante du dich entscheidest — die Credenziale bestellst du vorab beim Credential-Büro der Diözese Gubbio, mindestens drei Wochen vor dem Start, bei Versand ins Ausland besser zwei Monate. Das gelbe Tau für den Rucksack bekommst du in Florenz in den Läden rund um Santa Croce.

Weiterpilgern?

In Rom ist Schluss — und trotzdem hast du drei Anschlüsse. Der erste liegt direkt vor dir: die Sieben-Kirchen-Wallfahrt, die Philipp Neri am 25. Februar 1552 als geordnete Fußwallfahrt einführte — San Pietro, San Paolo fuori le Mura, San Sebastiano, San Giovanni in Laterano, Santa Croce in Gerusalemme, San Lorenzo fuori le Mura, Santa Maria Maggiore. Ein bis zwei Tage, und der beste Weg, eine Ankunft nicht am Bahnhof enden zu lassen. Der zweite ist die Via Francigena: Sie mündet ebenfalls in Rom, nur aus der Gegenrichtung — wer sie nordwärts nimmt, geht über Viterbo, Siena und Lucca Richtung Alpen und irgendwann Canterbury.

Der dritte Anschluss ist der eleganteste, weil er derselbe Weg ist: die Gegenrichtung. Wer von Florenz nach Rom gegangen ist, hat Assisi bei Kilometer 289 mitgenommen — als Station, nicht als Ziel. Der Südast rückwärts, von Rom durch das Rieti-Tal nach Assisi, ist offiziell markiert und macht aus derselben Strecke eine andere Reise: ca. 246 km, zwölf Etappen, und am Ende stehst du nicht auf einem Bahnhofsvorplatz, sondern am Grab. Viele Pilger machen genau das in zwei Urlauben — einmal der Norden, einmal der Süden, beide Male mit Assisi als Ankunft. Und 2026 hat das ein Datum als Argument: das franziskanische Jubeljahr, 800 Jahre nach dem Tod des Franziskus, vom 10. Januar 2026 bis zum 10. Januar 2027.

Vorbereitung & Praktisches

Kondition zuerst, alles andere danach. 13.323 Höhenmeter auf 535,8 Kilometer heißen: Tagesanstiege von 500 bis 1.500 Metern, Rampen mit 25 Prozent und mehr — der Toskana-Betreiber schreibt selbst, der Weg sei anstrengender als weite Teile des spanischen Camino. Stöcke sind hier keine Zierde, sondern Ausrüstung. Die Markierung wechselt mit der Region: In der Toskana führen weiß-rote CAI-Zeichen und das gelbe Tau, in Umbrien und Latium kommen die gelb-blauen Streifen dazu — bidirektional gesetzt, du kannst ihnen also in beide Richtungen trauen. Trotzdem: Der Waldeinstieg oberhalb von Pontassieve ist laut Betreiber leicht zu verpassen. Die Camino Ninja App aufs Handy, Powerbank einpacken.

Beste Zeit ist April bis Oktober, ideal Mai und September/Oktober — im März und November haben viele Unterkünfte zu, im August läuft Italien auf Ferienbetrieb, und auf den Apenninpässen kann im Frühjahr Schnee liegen. Wasser gibt es in den Orten, aber ausdrücklich nicht zuverlässig in der Etappenmitte: 1,5 bis 2 Liter im Herbst, mehr im Sommer. Bars öffnen früh und schließen nachmittags, Restaurants servieren ab halb acht — plane die Verpflegung in den Tag ein, nicht auf gut Glück. Und die wichtigste Vorbereitung betrifft das Bett: Es gibt kein durchgehendes Herbergsnetz, sondern Klosterforesterie und Konvente (Camaldoli, La Verna, Poggio Bustone, La Foresta), Ostelli, familiengeführte B&Bs und Agriturismi; die wenigen Donativo-Plätze schließen Mitte Oktober. Die dünnsten Stellen sind Pieve Santo Stefano–Sansepolcro, Città di Castello–Pietralunga, Gubbio–Valfabbrica und Ponticelli Sabino–Monterotondo — solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs.

Zwei Papiere brauchst du. Die Credenziale bestellst du vorab beim Credential-Büro der Diözese Gubbio — Zustellung kostenlos, Spende erbeten, mindestens drei Wochen vorher, ins Ausland zwei Monate. Das Testimonium Viae Francisci gibt es nur persönlich: in Assisi an der Statio Peregrinorum im Sacro Convento (10–12:30 und 15–17:30 Uhr), in Rom bei der Petersbasilika — Bedingung sind beide Male mindestens 100 Kilometer zu Fuß oder die letzten 200 mit dem Rad, per Stempel nachgewiesen. Wer weniger geht, bekommt in Assisi die Chartula Peregrini — und wer mit Hund kommt, kein Scherz, ein Zertifikat für den Hund. Plane deine Tagesetappen vorher durch, weil die Quartiere klein, ungleich verteilt und oft nur nach Anruf offen sind — am einfachsten gelingt das direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.

Was dich der Weg kostet

Rechne mit 65 bis 100 € pro Person und Tag für Unterkunft und Verpflegung, wenn du allein unterwegs bist — so kalkuliert es der Toskana-Abschnitt des Wegs selbst, und ein deutscher Pilger, der die Gesamtstrecke ging, kam für 34 Tage auf 2.646 €, also rund 78 € am Tag. Für die 27 Etappen landest du damit grob bei 1.800 bis 2.600 € ohne An- und Abreise; der Nordast allein kostet etwa 1.000 bis 1.500 €, der Südast 800 bis 1.200 €. Das ist teurer als Spanien, aus einem einfachen Grund: Es gibt keine 10-Euro-Albergues — du schläfst im B&B, im Agriturismo oder in der Klosterforesteria. Sparen lässt sich an drei Stellen: Erstens die Klöster und Sanktuarien — Foresterie sind deutlich günstiger als Hotels, servieren oft Abendessen und Frühstück mit, und in Camaldoli, auf La Verna oder in Poggio Bustone schläfst du buchstäblich im Ereignisort. Zweitens der Mittag: Cappuccino und Cornetto an der Bar, Brot, Pecorino und Tomaten aus dem Alimentari — das Abendmenü kostet 20 bis 30 €, die Pizza 7 bis 10. Drittens die Reisezeit: Mai und Oktober sind billiger als der August. Credenziale und Testimonium selbst sind kostenlos, eine Spende deckt den Versand (alle Preise Erfahrungswerte aus Betreiber- und Pilgerangaben, Stand: August 2026).

Anreise

Alle drei Schlüsselpunkte dieses Wegs liegen an der Bahn — das macht die Planung angenehm einfach. Florenz erreichst du mit Frecciarossa oder Italo aus Rom in etwa eineinhalb Stunden, aus Mailand in knapp zwei; aus Deutschland über Bologna oder mit dem Nachtzug. Vom Bahnhof Firenze Santa Maria Novella bist du in zwanzig Minuten zu Fuß an Santa Croce, wo der Weg beginnt. Rom ist über Termini und die Flughäfen Fiumicino und Ciampino von überall erreichbar — praktisch, wenn du den Südast in Gegenrichtung gehst. Und Assisi hat einen eigenen Bahnhof im Ortsteil Santa Maria degli Angeli, rund fünf Kilometer unterhalb der Altstadt, an der Linie Foligno–Terontola mit täglich rund 54 Zügen; ein Stadtbus fährt hinauf zur Basilika. Damit lässt sich der Weg sauber in zwei Urlaube teilen: Anreise Florenz, Abreise Assisi — oder Anreise Rom, Abreise Assisi.

Für die Rückreise gilt dasselbe in Gegenrichtung. Wer nur einen Teilabschnitt geht, erreicht außerdem Sansepolcro, Città di Castello, Gubbio, Foligno, Spoleto, Terni und Rieti mit Bahn oder Regionalbus — der umbrische Nahverkehr ist besser als sein Ruf, am Wochenende aber dünn. Kalkuliere die Anschlüsse vorher, nicht am Sonntag auf dem Dorfplatz.

  • Anreise zum Start: Florenz (Firenze Santa Maria Novella, Flughafen Peretola mit Tram T2 zum Hauptbahnhof) — oder Rom (Termini, Fiumicino/Ciampino) für den Südast in Gegenrichtung.
  • Rückreise: ab Rom von überall; ab Assisi per Bahnhof Santa Maria degli Angeli (Regionalzüge nach Rom, Florenz, Perugia und Terni, Intercity nach Mailand).
  • Zwischeneinstieg / Teilstrecke: Sansepolcro, Città di Castello, Gubbio, Foligno, Spoleto, Terni und Rieti sind mit Bahn oder Regionalbus erreichbar und teilen den Weg sauber — ab La Verna bleiben ca. 190 km bis Assisi, ab Assisi ca. 246 km bis Rom.
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