Via Francigena (Italien) auf der Karte

Via Francigena (Italien)

Die Via Francigena führt in Italien 1.019,9 Kilometer vom Colle del Gran San Bernardo auf 2.467 Metern bis zum Petersdom in Rom. Sie folgt der Route, die Erzbischof Sigerich von Canterbury im Jahr 990 Station für Station aufschreiben ließ: durch das Aostatal, die Reisfelder um Vercelli, über den Po mit dem Boot, über den Apennin am Passo della Cisa und durch die Toskana nach Latium. 45 Etappen, gut 30.000 Höhenmeter bergauf, am Ende das Testimonium der Petersbasilika ab 100 Kilometern zu Fuß. Kein Jakobsweg, sondern der Weg nach Rom – und der älteste, dessen Etappen wir kennen.

1. Juli 202615 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Colle del Gran San Bernardo an der Grenze zur Schweiz / Petersplatz in Rom
  • Länge: 1.019,9 km
  • Dauer: 45 Etappen, Ø knapp 23 km; mit Ruhetagen sieben bis acht Wochen
  • Höhenmeter: ↗ 30.478 m / ↘ 32.908 m
  • Höchster Punkt: 2.467 m bei km 0,1 am Colle del Gran San Bernardo; der Apennin wird am Passo della Cisa auf 1.045 m (km 453,6) überquert
  • Landschaft: Hochgebirge und Burgen im Aostatal, Reisfelder, Po-Auen, Apennin, Küste, toskanische Hügel, Vulkanseen in Latium
  • Träger / Markierung: Associazione Europea delle Vie Francigene (AEVF) mit den Regionen; weiß-rote Schilder mit dem Pilgermännchen, dazu Holzpfosten und Aufkleber
  • Francigena-Spuren: Sigerichs Stationen von 990, Hospiz am Großen St. Bernhard, Po-Fähre, Pilgerhospitäler in Altopascio und Siena
  • Unterkunft: Pilgerquartiere in Pfarreien, Klöstern und Gemeindeherbergen, oft gegen Spende, dazu Ostelli, B&B und Agriturismi
  • Anschlusswege: am Pass die Via Francigena (Schweiz); Vercelli–Piacenza gemeinsam mit der Via Domitia; in Piacenza die Via Postumia, in Lucca der Cammino Toscana; ab Montefiascone gemeinsam mit der Via Romea Germanica (Italien); in Rom die Via Francigena del Sud
  • Beste Zeit / Urkunde: Mitte Juni bis Ende September für den Pass, sonst Start in Aosta; ideal April bis Juni und September bis Oktober; in Rom das Testimonium ab 100 km zu Fuß oder 200 km mit dem Rad

Überblick

Im Jahr 990 reiste der neue Erzbischof von Canterbury, Sigerich, nach Rom, um aus der Hand von Papst Johannes XV. das Pallium zu empfangen. Auf dem Heimweg ließ er notieren, wo er übernachtete: Station für Station, von Rom bis an den Ärmelkanal. Dieser kleine Text in der British Library, Signatur Cotton Tiberius B.V, ist der Grund, warum die Via Francigena heute so verläuft, wie sie verläuft. Die Associazione Europea delle Vie Francigene hat den Weg an Sigerichs Stationen entlang neu gezogen, der Europarat erklärte ihn 1994 zur Kulturroute, 2004 zur großen Kulturroute.

Der italienische Teil ist der längste und vielfältigste Abschnitt zwischen Canterbury und Rom. Er beginnt auf 2.467 Metern, fällt in zwei Tagen 1.700 Meter nach Aosta und wird dann flach wie ein Tisch: Reisfelder bis zum Po. Danach kommen Apennin, Meer, Toskana und die Vulkanseen Latiums. Der Satz zum Vorlesen: Du gehst einen Weg, dessen Etappen ein Erzbischof vor über tausend Jahren rückwärts aufgeschrieben hat – Rom ist bei ihm Station Nummer eins.

Ehrlich gesagt ist die Via Francigena kein Camino Francés. Es gibt keine Herbergskette, kein Pilgermenü an jeder Ecke, und in der Po-Ebene wie in Latium läufst du lange neben Straßen. Dafür liegt hier mehr belegte Geschichte am Weg als fast überall sonst, und bis Lucca triffst du wenige Mitpilger.

Andere Namen

Via Francigena heißt „die aus dem Frankenland kommende Straße“; zum ersten Mal steht der Name 876 in einer Urkunde aus dem Kloster San Salvatore am Monte Amiata, ausgestellt in Chiusi. Im Mittelalter hieß dieselbe Route auch Via Francisca oder Via Romea, die Straße der Rompilger. Der Abschnitt über den Apennin war die Strada di Monte Bardone, nach dem lateinischen Mons Bardonis für den Cisa-Pass. Im Deutschen liest man Frankenweg, im Englischen Via Francigena oder Sigeric's Route; die AEVF spricht vom ganzen Weg Canterbury–Rom als Via Francigena und von diesem Teil als Via Francigena in Italia.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Ideal, wenn du Zeit hast und Kunstgeschichte nicht im Museum, sondern unterwegs sehen willst: römische Stadttore in Aosta, langobardische Kirchen in Pavia, romanische Dome in Fidenza und Lucca, Siena und am Ende Rom. Und ideal für Abschnittsgeher, die den Weg in Jahresstücken gehen.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du jeden Abend ein Bett ohne Anruf erwartest: Viele Pilgerquartiere wollen am Vortag Bescheid wissen, und in kleinen Orten gibt es genau eines. Nichts für dich, wenn du Asphalt und Hitze schlecht verträgst – die Po-Ebene ist im Juli schwül, das Val d'Orcia schattenlos. Und nichts für dich, wenn du auf eine Compostela hoffst: Die Via Francigena ist ein Weg nach Rom, nicht nach Santiago; am Ziel gibt es das Testimonium der Petersbasilika.

Streckenverlauf & Landschaft

Großer St. Bernhard bis Pavia (km 0–257,5): Vom Colle del Gran San Bernardo geht es steil über Saint-Rhémy nach Aosta (km 26,2), dann durch das Aostatal mit den Burgen von Verrès und Bard nach Pont-Saint-Martin (km 90,6). Hinter Ivrea (km 113,6) folgen die Moränenhügel der Serra und der Lago di Viverone, dann die Ebene: Reisfelder um Santhià und Vercelli (km 178,9), die Lomellina mit Mortara und Garlasco und der Ticino vor Pavia (km 257,5); der Stadtkern liegt 0,7 Kilometer neben der Trasse.

Pavia bis Siena (km 257,5–738,9): Über Santa Cristina und Orio Litta erreichst du den Po bei Corte Sant'Andrea (km 305,6), setzt mit dem Boot nach Soprarivo über und gehst über Calendasco nach Piacenza (km 325,1). Über Fiorenzuola nach Fidenza (km 380,0), dann durchs Taro-Tal über Berceto zum Passo della Cisa (1.045 m, km 453,6). Jenseits liegt die Lunigiana mit Pontremoli und Aulla; über Sarzana kommst du an die Küste, die Ruinen von Luni liegen einen Kilometer abseits. Über Massa und Pietrasanta unter den Marmorbergen geht es nach Lucca (km 603,2), über Altopascio an den Arno und nach San Miniato, dann über San Gimignano und Monteriggioni nach Siena (km 738,9).

Siena bis Rom (km 738,9–1.019,9): Durch die Crete Senesi und das Val d'Orcia mit San Quirico und dem Thermalbecken von Bagno Vignoni steigt der Weg nach Radicofani (780 m, km 823,4), Bagni San Filippo bleibt gut einen Kilometer abseits. Bei Acquapendente beginnt Latium, der Weg folgt dem Ufer des Lago di Bolsena nach Montefiascone und Viterbo (km 903,4), über Vetralla und Sutri in die Campagna Romana und über La Storta und den Monte Mario zum Petersplatz.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Wir zeigen den Weg in 45 Etappen. Die Kilometer stammen aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 1.019,9 km kalibriert; Etappenorte sind Orte mit Unterkunft.

  1. Colle del Gran San Bernardo → Échevennoz (14,5 km) — steiler Abstieg vom Pass
  2. Échevennoz → Aosta (11,7 km) — kurz, an alten Wasserkanälen
  3. Aosta → Châtillon (29,8 km) — lang, an der Nordflanke des Tals
  4. Châtillon → Verrès (18,5 km) — über Saint-Vincent
  5. Verrès → Pont-Saint-Martin (16,1 km) — an der Festung Bard vorbei
  6. Pont-Saint-Martin → Ivrea (23,0 km) — Weinterrassen, ins Piemont
  7. Ivrea → Viverone (19,8 km) — Moränenhügel, Seeblick
  8. Viverone → Santhià (17,1 km) — hinab in die Ebene
  9. Santhià → Vercelli (28,4 km) — lang, Reisfelder
  10. Vercelli → Robbio (18,9 km) — über die Sesia
  11. Robbio → Mortara (14,6 km) — kurz, Lomellina
  12. Mortara → Garlasco (20,7 km) — über Tromello
  13. Garlasco → Pavia (24,4 km) — an den Ticino
  14. Pavia → Santa Cristina e Bissone (27,9 km) — lang und flach
  15. Santa Cristina e Bissone → Orio Litta (16,2 km) — über Miradolo Terme
  16. Orio Litta → Piacenza (23,5 km) — Fähre über den Po
  17. Piacenza → Fiorenzuola d'Arda (32,3 km) — lang, an der Via Emilia
  18. Fiorenzuola d'Arda → Fidenza (22,6 km) — zum Dom San Donnino
  19. Fidenza → Medesano (22,1 km) — erste Hügel
  20. Medesano → Sivizzano (19,2 km) — über Fornovo
  21. Sivizzano → Berceto (23,4 km) — über Cassio, steil
  22. Berceto → Pontremoli (28,2 km) — über den Passo della Cisa
  23. Pontremoli → Aulla (31,3 km) — lang, teilbar in Villafranca
  24. Aulla → Sarzana (18,0 km) — steil, dann Meerblick
  25. Sarzana → Massa (28,9 km) — an Luni vorbei
  26. Massa → Camaiore (25,4 km) — über Pietrasanta
  27. Camaiore → Lucca (26,7 km) — an den Serchio
  28. Lucca → Altopascio (18,5 km) — über Porcari
  29. Altopascio → San Miniato (27,8 km) — über Fucecchio
  30. San Miniato → Gambassi Terme (24,9 km) — Hügelkämme
  31. Gambassi Terme → San Gimignano (13,5 km) — kurz, Zeit für die Türme
  32. San Gimignano → Monteriggioni (30,5 km) — lang, über Colle di Val d'Elsa
  33. Monteriggioni → Siena (20,5 km) — durch Wald
  34. Siena → Ponte d'Arbia (25,6 km) — Crete Senesi
  35. Ponte d'Arbia → San Quirico d'Orcia (26,7 km) — über Buonconvento
  36. San Quirico d'Orcia → Radicofani (32,2 km) — lang, steil, wenig Schatten
  37. Radicofani → Acquapendente (22,9 km) — hinab nach Latium
  38. Acquapendente → Bolsena (23,2 km) — an den See
  39. Bolsena → Montefiascone (16,1 km) — auf den Kraterrand
  40. Montefiascone → Viterbo (17,8 km) — auf der Via Cassia
  41. Viterbo → Vetralla (22,2 km) — Monti Cimini
  42. Vetralla → Sutri (23,3 km) — Haselnusshaine
  43. Sutri → Campagnano di Roma (24,7 km) — über Monterosi
  44. Campagnano di Roma → La Storta (21,6 km) — Parco di Veio
  45. La Storta → Rom (24,7 km) — über den Monte Mario

Technisch ist der Weg einfach, körperlich nicht: Der Abstieg vom Pass geht in die Knie, Cisa und Lunigiana sind die bergigsten Tage, die Toskana ein ständiges Auf und Ab, die Po-Ebene zermürbt mit Geraden. Plane Ruhetage in Lucca und Siena ein.

Station I heißt Urbs Roma: Sigerichs Reisezettel liest man von hinten

Der Bericht beginnt mit „Adventus archiepiscopi nostri Sigerici ad Romam“ – die Ankunft unseres Erzbischofs Sigerich in Rom. Es folgen 23 römische Kirchen, ein Mittagessen beim Papst und dann der Satz, auf dem dieser Weg beruht: „Istae sunt submansiones de Roma usque ad mare“ – dies sind die Stationen von Rom bis ans Meer. Je nach Zählung sind es 79 oder 80, und weil Sigerich heimwärts schrieb, steht Rom als „I Urbs Roma“ oben. Der Satz zum Vorlesen: Wer die Via Francigena nach Rom geht, liest Sigerichs Liste von unten nach oben – und kommt am Ende bei Nummer eins an.

Die ersten 48 Einträge liegen in Italien, viele davon heute direkt an deiner Trasse. „XLVIII Sce Remei“ ist Saint-Rhémy, „XLVII Agusta“ Aosta, „XLIII Vercel“ Vercelli, „XLI Pamphica“ Pavia, „XXXIX Sce Andrea“ Corte Sant'Andrea am Po, „XXVI Luca“ Lucca, „XIX Sce Gemiane“ San Gimignano, „XV Seocine“ Siena, „XII Sce Quiric“ San Quirico d'Orcia. Selbst Weiler stehen drin: „XIII Turreiner“ ist Torrenieri, „II Johannis VIIII“ La Storta. Sigerich schaffte rund 20 Kilometer am Tag – fast deine Etappenlänge.

Pilger waren vor und nach ihm unterwegs. Der Isländer Nikulás von Munkaþverá beschrieb um 1154 im Leiðarvísir denselben Weg über den Großen St. Bernhard nach Rom, der französische König Philipp II. August reiste 1191 auf dem Rückweg vom Kreuzzug hier durch. Den größten Ansturm brachte 1300 das erste Heilige Jahr, das Bonifaz VIII. mit der Bulle „Antiquorum habet fida relatio“ ausrief; Dante und der Chronist Giovanni Villani waren in Rom. Nach Reformation und Eisenbahn schlief der Weg ein, erst ab den späten 1980er-Jahren rekonstruierte ihn der Anthropologe Giovanni Caselli im Gelände, 2001 gründete sich die AEVF, und zum Heiligen Jahr 2025 kamen rund 33 Millionen Pilger nach Rom.

Highlights am Weg

  • Hospiz am Großen St. Bernhard (km 0) — um 1050 von Bernhard von Menthon gegründet, knapp auf Schweizer Seite; Heimat der Bernhardiner, deren berühmtester, Barry, 40 Menschen rettete.
  • Aosta (km 26,2) — Augusta Praetoria, 25 v. Chr. gegründet, mit Augustusbogen; Geburtsort von Anselm, der 1093 Erzbischof von Canterbury wurde – der Sohn von Sigerichs Station XLVII saß später auf Sigerichs Stuhl.
  • Vercelli (km 178,9) — Basilika Sant'Andrea; in der Kapitelbibliothek liegt das Vercelli Book, eine altenglische Handschrift aus Sigerichs Jahrhundert, 1822 von Friedrich Blume entdeckt.
  • Pavia (km 257,5) — San Pietro in Ciel d'Oro, 1132 geweiht, mit den Gräbern des Augustinus, den König Liutprand um 725 hierher holte, und des Boethius.
  • Fähre über den Po (km 305,6) — der Transitum Padi von Corte Sant'Andrea nach Soprarivo, Sigerichs Station XXXIX.
  • Fidenza (km 380,0) — Dom San Donnino mit Skulpturen von Benedetto Antelami; die Petrusfigur an der Fassade zeigt mit dem Finger Richtung Rom.
  • Pontremoli (km 472,9) — im Castello del Piagnaro die Stelenstatuen der Lunigiana aus der Bronzezeit.
  • Lucca (km 603,2) — der Volto Santo im Dom San Martino, ein Holzkruzifix, das nach der Legende 782 führerlos in Luni anlandete; die Radiokarbonmessung sagt 770 bis 880.
  • Altopascio (km 621,7) — Pilgerhospital, 1084 erstmals erwähnt, Sitz der Ritter vom Tau, 1773 aufgelöst.
  • San Gimignano und Monteriggioni (km 687,9 und 718,4) — Geschlechtertürme und ein Mauerring von 1213 bis 1219 mit 14 Türmen, den Dante im 31. Gesang des Inferno besang: „Montereggion di torri si corona“.
  • Siena (km 738,9) — Dom, Piazza del Campo und das Pilgerhospital Santa Maria della Scala.
  • Bolsena (km 869,5) — in Santa Cristina blutete 1263 die Hostie eines zweifelnden böhmischen Priesters; 1264 folgte das Fronleichnamsfest.
  • Viterbo (km 903,4) — Papstpalast, in dem die Kardinäle von 1268 bis 1271 wählten, bis die Bürger sie einsperrten, das Dach abdeckten und auf Brot und Wasser setzten; daraus wurde 1274 die Konklave-Regel.
  • Rom (km 1.019,9) — Petersplatz und Petersdom, das Grab des Apostels und das Testimonium.

Transitum Padi: Ein Fährmann statt einer Brücke

Sigerich überquerte den Po bei „Sce Andrea“, und genau dort setzt die Via Francigena noch heute über. Bei Corte Sant'Andrea an der Mündung des Lambro wartet ein Boot, das dich flussabwärts zum Landungssteg in Soprarivo bei Calendasco bringt; im Register des Fährmanns trägst du dich mit Namen und Herkunft ein, Calendasco stempelt den Übertritt. Der Europarat erkennt den Transitum Padi seit 1994 an, seit 2009 auch zwei italienische Ministerien.

Praktisch heißt das: Melde die Überfahrt einige Tage vorher telefonisch an, bei Hochwasser oder Sturm fällt sie aus. Sonst bleibt nur der Umweg über eine Straßenbrücke. Ehrlich gesagt ist das Boot der schönste Grund, an diesem Tag nicht zu trödeln.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Wer die ganze Via Francigena geht, startet in Canterbury, durchquert Frankreich und kommt über die Via Francigena (Schweiz) zum Großen St. Bernhard, wo dieser Weg beginnt. Die meisten steigen in Aosta, Pavia, Lucca oder Siena ein, alle mit Bahnhof. Für das Testimonium reicht der Start in Viterbo, von dort sind es 116,5 Kilometer bis Rom.

Unterwegs kreuzen andere Wege. In Piacenza trifft die Via Postumia ein, zwischen Vercelli und Piacenza teilt sich die Via Francigena die Trasse mit der Via Domitia, die von Piacenza nach Westen über die Alpen nach Arles führt. In Lucca kreuzt der Cammino Toscana den Weg, und ab Montefiascone laufen die letzten Etappen gemeinsam mit der Via Romea Germanica (Italien), die vom Brenner kommt.

Weiterpilgern?

In Rom beginnen oder enden weitere Wege:

Wer nach Santiago will, nimmt in Piacenza die Via Domitia Richtung Arles und damit den Anschluss an die französischen Jakobswege.

Vorbereitung & Praktisches

Pilgerausweis und App. Wie auf allen Francigena-Abschnitten brauchst du einen Pilgerausweis (Credenziale), um in den Pilgerquartieren zu übernachten und am Ende das Testimonium zu erhalten. Am besten bestellst du ihn schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist; die AEVF gibt die offizielle Credenziale aus. Plane den Weg am einfachsten direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst; Karte und Track hast du offline dabei.

Das Testimonium. Die Petersbasilika stellt es als Bestätigung der Pilgerfahrt „devotionis causa“ aus, wenn du mindestens 100 Kilometer zu Fuß oder 200 mit dem Rad nach Rom gekommen bist, belegt durch Stempel in der Credenziale. Du gehst über den Gebetsweg „Percorso Oranti“ in die Basilika und holst die Urkunde am Empfang ab.

Unterkünfte und Jahreszeit. Die Passstraße zum Großen St. Bernhard ist meist von Mitte Juni bis Ende September offen, davor und danach beginnst du besser in Aosta. Pilgerquartiere rufst du am Vortag an. Beste Zeit sind April bis Juni und September bis Oktober; im Juli und August werden Po-Ebene, Val d'Orcia und Latium sehr heiß, und Rom ist voll.

Was dich der Weg kostet

Pilgerquartiere in Pfarreien, Klöstern und Gemeindeherbergen kosten meist 15 bis 25 € oder eine Spende, Ostelli 20 bis 35 €, ein B&B oder Agriturismo 50 bis 90 € fürs Doppelzimmer, in der Toskana und in Rom mehr (Stand: Oktober 2026). Eine Trattoria kostet 15 bis 25 €, ein Panino aus dem Laden wenige Euro. Die Credenziale kostet wenige Euro, das Testimonium nichts.

Rechne mit 45 bis 60 € pro Tag mit Pilgerquartier und einfacher Verpflegung, mit 70 bis 100 €, wenn du überwiegend in B&B schläfst (Stand: Oktober 2026).

Anreise

Zum Start. Mit dem Zug geht es über Turin oder Mailand und Chivasso nach Aosta, im Sommer fährt von dort ein Bus zum Pass. Von Schweizer Seite fährst du mit der Bahn nach Martigny und mit dem Bus über Orsières zum Col du Grand-Saint-Bernard, ebenfalls nur in der Saison.

Vom Ziel. Rom hat mit Termini einen der größten Bahnhöfe Italiens und den Flughafen Fiumicino mit Direktflügen nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz. Der Bahnhof Roma San Pietro liegt rund zehn Gehminuten vom Petersplatz, die Metro A hält in Ottaviano.

  • Bahn Italien: trenitalia.com — Verbindungen nach Aosta und ab Rom
  • Bahn Schweiz: sbb.ch — Anreise über Martigny
  • Weg und Träger: viefrancigene.org — AEVF mit Credenziale und Etappeninfos
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