Über die Alpen nach Rom: rund 1.020 Kilometer vom Grossen St. Bernhard durch das Aostatal, die Po-Ebene und die Toskana bis zum Petersdom – der italienische Hauptteil der Via Francigena.
Die Via Francigena ist neben dem Jakobsweg der bedeutendste Pilgerweg Europas – ihr Ziel ist jedoch nicht Santiago, sondern Rom und das Grab des Apostels Petrus. Ihr italienischer Hauptteil beginnt oben am Grossen St. Bernhard, steigt ins Aostatal hinab, quert die Po-Ebene und führt durch die berühmten Hügel der Toskana bis zum Petersdom.
Der Weg folgt der Reiseroute, die Erzbischof Sigerich von Canterbury im Jahr 990 aufschrieb – eine der ältesten überlieferten Pilgerrouten der Welt. Geschichte, Kunst und Landschaft verdichten sich hier zu einer großen europäischen Reise.
„Francigena“ bedeutet „die aus dem Frankenreich kommende (Straße)“ – der Weg verband das nördliche Europa mit Rom.
Ideal, wenn du eine lange, geschichtsträchtige Reise abseits der Jakobsweg-Ströme suchst und Kunst, Toskana und Rom liebst. Wer Zeit und Ausdauer mitbringt, erlebt einen der großartigsten Wege Europas.
Weniger geeignet, wenn du dichte Pilgerinfrastruktur wie auf dem Camino Francés erwartest: Die Via Francigena ist weniger ausgebaut, Etappen sind länger und Unterkünfte teils dünner gesät. Italienisch-Grundkenntnisse helfen sehr.
Vom Grossen St. Bernhard geht es hinab ins grüne Aostatal mit seinen Burgen und Weinbergen, dann in die weite Po-Ebene rund um Pavia und Piacenza.
Über den Apennin (Passo della Cisa) erreicht der Weg die Toskana – Lucca, San Gimignano, Siena, das Val d'Orcia – bevor er durch Latium und schließlich nach Rom und zum Petersdom führt.
Mit über 1.000 Kilometern und mehr als 30.000 Höhenmetern ist die Via Francigena ein großes Unterfangen: alpiner Auftakt, flache Po-Ebene, hügelige Toskana, Apennin-Übergänge. Technisch meist unkompliziert, aber lang und im Sommer heiß.
Die meisten Pilger brauchen rund 45 bis 52 Tage für die Gesamtstrecke; viele gehen einzelne Abschnitte (z. B. nur die Toskana). Markierung und Infrastruktur sind besser als früher, aber dünner als auf den spanischen Wegen.
Der landschaftliche Höhepunkt ist die Toskana: San Gimignano mit seinen Geschlechtertürmen, das mittelalterliche Siena, das sanfte Val d'Orcia. Hier wird das Gehen zum Wandeln durch ein Renaissance-Gemälde.
Das eigentliche Ziel ist der Petersdom in Rom. Pilger erhalten am Ende das Testimonium, das Pendant zur Compostela.
Die Via Francigena endet in Rom – doch sie ist Teil eines noch größeren Wegenetzes. Davor kommt der schweizerische Abschnitt (Via Francigena CH) über den Grossen St. Bernhard. Von Rom aus führt die Via Francigena del Sud weiter nach Süden bis Santa Maria di Leuca an der Spitze Apuliens – historisch die Route zu den Häfen, von denen Pilger ins Heilige Land aufbrachen.
Die beste Zeit ist Frühling und Herbst; der Hochsommer ist in der Po-Ebene und in Latium sehr heiß, der Bernhardpass ist nur im Sommer schneefrei. Übernachtet wird in Pilgerherbergen (ostelli), Klöstern und Pensionen – Vorausbuchen ist ratsam. Du brauchst eine Pilgerkredenziale; das Ziel-Zertifikat heißt Testimonium.
Italien ist teurer als Spanien. Rechne pro Tag grob mit 35–60 €. Einfache Herbergen kosten 10–20 €, dazu Verpflegung; in den Städten und der Toskana liegt das Niveau höher.
Startpunkt ist der Grosse St. Bernhard (Anreise meist über Martigny/Aosta); viele beginnen auch in Aosta.

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