Ort am Jakobsweg
Alken
Germany
- Unterkünfte
- 16
- Camino
- 1
- Höhe
- 85 m
Alken lebt vom Gegenüber: Auf dem Bleidenberg, von wo 1248 die Erzbischöfe von Köln und Trier die Burg Thurant belagerten, steht heute die Wallfahrtskirche, drüben die Burg, die sich beide danach teilten. Unten im Ort wartet eine Kirche, die 1015 erstmals genannt wird. Bis Trier sind es noch 139,6 Kilometer.
Aktuell in Alken (Stand: Oktober 2026)
- Michaelskapelle: Die alte Michaelskirche ist nur bis Ende Oktober sonntags und feiertags von 14 bis 17 Uhr offen. Danach bis Mai nur mit Führung nach Absprache.
- Burg Thurant: Im Oktober täglich 10 bis 17 Uhr, vom 1. bis 15. November 10 bis 16 Uhr. Vom 16. November bis Ende Februar ist die Burg geschlossen.
Wie lange bleiben?
Ein Nachmittag reicht. Alken ist ein kleiner Weinort, und das Wichtigste liegt dicht beieinander: die Wallfahrtskirche auf dem Bleidenberg, an der du ohnehin vorbeikommst, die alte Michaelskirche mit ihrem Beinhaus und darüber die Burg Thurant. Für die Burg brauchst du noch einmal einen kurzen, steilen Aufstieg. Im Winter ist beides zu, dann bleibt dir der Bleidenberg.
Alken in Ninja-Zahlen
- 17,6 Kilometer sind es laut Camino Ninja von Koblenz-Stolzenfels bis Alken. Die Etappe ist kurz, aber sie hat einen Berg zum Schluss und einen steilen Abstieg.
- 764 Bergwallfahrten hatte die Pfarrei Oberfell 2012 auf den Bleidenberg gezählt, jedes Jahr seit 1248.
- Rund 800 Meter und 180 Höhenmeter misst der Pfad der Sieben Fußfälle vom Bleidenberg hinunter nach Alken.
- 2 Bergfriede hat die Burg Thurant, einen für Köln und einen für Trier. Seit 1248 trennt eine Mauer die beiden Hälften.
- 139,6 Kilometer sind es laut Camino Ninja von hier bis zur Abtei St. Matthias in Trier.
Ankommen: über den Bleidenberg
Auf dem Mosel-Camino ist Alken der erste Etappenort. Von Koblenz-Stolzenfels steigst du am Schloss vorbei in den Koblenzer Stadtwald, kommst an den Resten eines römischen Merkurtempels vorbei, über Waldesch und Naßheck, über die A 61 und hinab zum Aspeler Bach. Dann geht es neben dem Oberfeller Bach wieder hinauf zur Wallfahrtskirche Bleidenberg, laut Camino Ninja 1,1 Kilometer vor Alken.
Vom Bleidenberg siehst du zum ersten Mal Alken und die Burg Thurant. Dann geht es steil hinunter, an den Stationen der Sieben Fußfälle vorbei, auf einem steinigen Pfad, den ein Wanderportal einen Klettersteig nennt. Unten gehst du durch ein altes Stadttor und kommst an der alten Michaelskirche in der Von-Wiltberg-Straße an.
Kurz erzählt: eine Burg für zwei Erzbischöfe
Alken ist alt. Der Name geht vermutlich auf einen keltischen Gewässernamen zurück, und schon im zehnten Jahrhundert ist ein Ort Alkana überliefert. Um 1200 ließ Pfalzgraf Heinrich, ein Bruder Kaiser Ottos IV., nach seiner Rückkehr vom Kreuzzug über dem Dorf die Burg Thurant bauen. Als ihre Burgmannen das Trierer Land überfielen, belagerten die Erzbischöfe von Köln und Trier die Burg rund zwei Jahre lang und nahmen sie 1248 ein. Danach teilten sie Burg und Amt Alken unter sich auf, bis zum Ende des Alten Reiches.
Um 1330 ließ Erzbischof Balduin von Trier Alken befestigen und zur Stadt erheben. 1689 zerstörten französische Truppen die Burg. 1911 kaufte Robert Allmers die Ruine und baute sie teilweise wieder auf. Heute gehört sie den Familien Allmers und Wulf.
Berg gegen Burg
Was Alken besonders macht, siehst du am besten von oben: Der Bleidenberg und die Burg Thurant stehen sich gegenüber. Der Name des Bergs kommt wohl von den Bliden, den Wurfmaschinen des Mittelalters. Von hier aus sollen die Belagerer die Burg beschossen haben. Nach dem Sieg ließ Erzbischof Arnold II. von Isenburg dort oben, auf den Resten einer älteren Marienkapelle, die Wallfahrtskirche bauen. Ablässe sind für 1253 und 1296 belegt.
Die Burg auf der anderen Seite ist bis heute zweigeteilt, mit einem Kölner und einem Trierer Turm. Der Kreuzweg der Sieben Fußfälle verbindet die Kirche der Sieger mit dem Ort unter der Burg. Wer heute als Pilger den Bleidenberg hinunter nach Alken geht, geht genau diese Linie.
Zwischen Bleidenberg und Burg: was du sehen solltest
Alles liegt nah beieinander, aber nie auf gleicher Höhe. Plan für die Burg einen zweiten steilen Anstieg ein.
- Wallfahrtskirche Bleidenberg: Die gotische Kirche entstand vermutlich nach 1248, seit 1952 ist sie der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Nach der Säkularisation wurde sie 1818 zum Abbruch versteigert, teilweise abgerissen und ab 1851 wieder aufgebaut. Seit 1962 hat sie wieder ein Dach. Seit 2012 steht vor ihr ein Pilgerstein, der erste des Mosel-Caminos. Gesetzt hat ihn eine Gruppe aus Oberfell, Alken und Kobern, die seit 2009 mit der Matthiasbruderschaft aus Mayen zum Grab des heiligen Matthias nach Trier pilgert. Die Kirche ist das ganze Jahr täglich offen, der Eingang liegt auf der Nordseite.
- Alte Michaelskirche (Michaelskapelle) mit Beinhaus: Die Kirche wird 1015 erstmals genannt und zählt zu den ältesten an der Mosel. Bis 1849 war sie die Pfarrkirche von Alken. Im Chorgewölbe sitzt Christus als Weltenrichter, gemalt um 1350. Durch ein großes Eisengitter siehst du ins Beinhaus mit den Gebeinen früherer Alkener. Von hier führte ab 1648 ein Kreuzweg zum Bleidenberg, die Kirche war Teil der Wallfahrt. Offen sonntags und feiertags von Mai bis Ende Oktober, 14 bis 17 Uhr, Telefon 02605 8360 (Stand: Oktober 2026).
- Burg Thurant: Von der Michaelskirche sind es rund 350 Meter, aber steil bergauf. Du siehst die Burgkapelle mit alten Fresken, ein Jagdhaus mit Rüstungen und Waffen und den Kölner Turm, von dem du über die Untermosel schaust. Der Trierer Turm ist nicht zugänglich. Die Burg ist privat, der Eintritt kostet etwas. Den aktuellen Preis haben wir nicht gefunden.
- Neue Pfarrkirche St. Michael: Sie wurde 1846 bis 1849 aus Schieferbruchstein im neugotischen Stil gebaut. Drinnen steht ein barocker Michaelsaltar von 1708.
Essen und Trinken
Belegte Pilgertipps zu Lokalen in Alken haben wir nicht gefunden. Alken ist ein Weinort mit Winzerhöfen, und der alte Zollturm am Moselufer ist heute ein Restaurant. Auf der Burg Thurant gibt es einen Kiosk. In der Von-Wiltberg-Straße gibt es eine Café-Bäckerei.
Ehrlich gesagt
- Der Abstieg ist hart. Die Sieben Fußfälle sind steil und steinig. Nach Regen wird es rutschig. Nimm dir Zeit.
- Der Abzweig am Bleidenberg ist leicht zu verpassen. Ein Pilger hat ihn 2013 übersehen und ist über Oberfell gelaufen, mit rund 150 Höhenmetern extra. Achte am Bleidenberg genau auf den Abzweig.
- Pilgerbetten gibt es kaum. Neben einer kleinen Herberge gibt es nur Pensionen, Ferienwohnungen und Winzerhöfe. Ein Pilger fand 2020 die ersten beiden Tage am schwierigsten, um ein Bett zu bekommen. Buch früh.
- Im Winter ist vieles zu. Die Michaelskapelle öffnet nur von Mai bis Oktober, die Burg schließt Mitte November.
- Alken hat keinen Bahnhof. Nach Koblenz fährt der Bus. Der nächste Bahnhof liegt in Löf auf der anderen Moselseite.
Wo Pilger schlafen
- Pilgerherberge am Bleidenberg: In der Bachstraße 14 im Ort. Laut Camino Ninja hat sie drei Plätze. Wer sie betreibt und was sie kostet, haben wir nicht herausgefunden. Frag vorher an.
Sonst schläfst du in Pensionen, Ferienwohnungen und Winzerhöfen. Einzelzimmer gibt es ab etwa 55 € (Stand: Oktober 2026). Die nächste Pilgerherberge auf dem Weg ist laut einem Wanderportal der Klickerterhof beim Aussichtspunkt Kompes Köpfchen, kurz vor Karden.
Ninja-Tipps
- Das erste Foto: Oben am Bleidenberg siehst du Alken und die Burg zum ersten Mal. Halt hier an, bevor es steil hinuntergeht.
- Stempel an der Autobahn: Der Weg führt an der Raststätte Mosel-West an der A 61 vorbei. Ein Pilger bekam 2020 an einer Raststätte auf dem Weg nach Alken einen Stempel, ohne dass er fragen musste: Die Leute an der Theke hatten die Muschel an seinem Rucksack gesehen.
- Der Pilgerstein: Vor der Wallfahrtskirche steht der erste Pilgerstein des Mosel-Caminos. Die Pilgerfreunde Oberfell haben ihn 2012 als ihren Startpunkt an der Mosel gesetzt.
- Zwei Türme, ein Ausblick: Auf der Burg ist der Kölner Turm der Aussichtsturm. Der Trierer Turm ist ein Wasserspeicher und bleibt zu.
- Kurz auf die Teufelslay: Südlich von Alken liegt gegenüber von Löf der Aussichtspunkt Teufelslay.
- Film in der Kapelle: In der alten Michaelskirche läuft eine Multimedia-Schau über ihre tausend Jahre, gemacht zum Jubiläum 2015.
Praktische Tipps für Pilger
- Stempel: 2013 gab es den Stempel im Café Becker. Ob das noch so ist, wissen wir nicht. Eine aktuelle Stempelstelle in Alken haben wir nicht gefunden.
- Bleidenberg-Kirche: Telefon +49 2605 8472736. Die Bergwallfahrt ist jedes Jahr am ersten Sonntag nach Pfingsten.
- An- und Abreise: Alken erreichst du mit dem Bus 301 ab Koblenz. Löf, Hatzenport und Treis-Karden haben einen Bahnhof.
- Für morgen: Für die Etappe nach Karden rät der Tourismusträger zu ordentlichen Schuhen, Regenschutz und ausreichend Getränken. Der Abstieg vor Karden ist steil.
Weiter: über die Mosel zur Burg Eltz
Auf dem Mosel-Camino gehst du über die flussaufwärts gelegene Moselbrücke auf die Eifelseite nach Löf, laut Camino Ninja 1,9 Kilometer. Ein schmaler Pfad rechts der Bahngleise führt unter der Rabenlay nach Hatzenport, 5 Kilometer. Dann steigst du zum Küppchen, einem Startplatz für Drachenflieger, und gehst über Lasserg und die Antoniuskapelle hinunter ins Elzbachtal zur Burg Eltz, nach 12,4 Kilometern. Hinter der Burg geht es steil zum Rotherhof hinauf, weiter zum Aussichtspunkt Kompes Köpfchen und dann steil hinab nach Karden, 17,7 Kilometer.
Morgen erwartet dich
Treis, laut Camino Ninja 18,8 Kilometer entfernt, auf der anderen Seite der Mosel gegenüber von Karden. Unterwegs kommst du an der Burg Eltz vorbei, die nie zerstört wurde. Und in der Stiftskirche St. Castor in Karden steht eine Figur des heiligen Jakobus. Es ist die erste Jakobusfigur am Weg, von der wir wissen.
Tiefer eintauchen: Berg gegen Burg
Ein langer Text, falls du noch mehr über Alken erfahren willst. Etwa fünfzehn Minuten Lesezeit.
Der Blick von oben
Wer auf dem Mosel-Camino von Koblenz kommt, sieht Alken zuerst von oben. Den ganzen Morgen bist du durch Wald gegangen, über eine Hochebene, an einem Sendemast und an einer Autobahn vorbei. Dann stehst du auf dem Bleidenberg vor einer alten Kirche, und unter dir öffnet sich das Moseltal. Drüben, auf einem Sporn aus Schiefer, steht eine Burg mit zwei runden Türmen. Darunter liegt ein kleiner Ort am Fluss.
Diese Aussicht ist nicht nur schön. Sie ist ein Schlachtplan. Genau von hier aus sollen im dreizehnten Jahrhundert die Wurfmaschinen zweier Erzbischöfe auf die Burg gezielt haben. Die Kirche, an der du stehst, haben die Sieger gebaut. Und der Pfad, auf dem du gleich hinuntergehst, verbindet seit fast vierhundert Jahren diese Kirche mit dem Ort unter der Burg. Wenn du Alken verstehen willst, musst du dieses Gegenüber verstehen: Berg gegen Burg, Köln gegen Trier, Wallfahrt gegen Fehde.
Ein Name aus keltischer Zeit
Alken ist einer der alten Orte an der Mosel. Der Name geht vermutlich auf einen keltischen Gewässernamen zurück, Alkana, vielleicht für den Bach, der hier in die Mosel fließt. Ein Ortsteil trägt nach Angaben der Touristinformation bis heute einen keltischen Namen, Olk. Aus der Zeit der Römer erzählt man von einer Villa Alcana.
Schriftlich taucht der Ort in der ersten Hälfte des zehnten Jahrhunderts auf, als Alkana. Die Abtei Echternach hatte hier schon damals Besitz. Weitere Nennungen aus den Jahren 1008 bis 1015, 1052 und 1093 hält ein Ortslexikon für Fälschungen, die im elften Jahrhundert entstanden sind. Dasselbe Lexikon berichtet, dass 1093 ein Pfalzgraf namens Heinrich das Kloster Maria Laach, das er gegründet hatte, mit Gütern in Alken ausstattete. Der Laacher Hof in der Moselstraße erinnert daran, er ist heute ein Weingut.
Auch auf dem Burgberg lebten schon früh Menschen. In der späten Römerzeit, im vierten und fünften Jahrhundert, lag dort eine kleine befestigte Höhensiedlung. Und auf dem Bleidenberg gegenüber haben Archäologen Reste einer keltischen Mauer gefunden, die vermutlich das ganze Plateau schützte. Die beiden Höhen über Alken waren also lange vor dem Mittelalter Orte, an denen man sich verschanzte.
Ein Pfalzgraf, der aus dem Heiligen Land kam
Die Burg Thurant beginnt mit einem Kreuzfahrer, rund hundert Jahre später. Auch er hieß Heinrich. Dieser Pfalzgraf bei Rhein war ein Sohn Heinrichs des Löwen und ein Bruder des Welfen Otto, der später Kaiser Otto IV. wurde. Heinrich zog ins Heilige Land und kam um 1198 zurück. Kurz danach ließ er über Alken eine Burg bauen, um die Ansprüche seines Bruders an der Mosel zu sichern.
Woher ihr Name kommt, ist eine schöne Geschichte, aber eben eine Geschichte. Der Überlieferung nach nannte Heinrich die Burg nach Toron, einer Festung im Süden des heutigen Libanon, die die Kreuzfahrer vergeblich belagert hatten. Er soll sie als uneinnehmbar erlebt haben. Ein Ortslexikon bietet eine nüchternere Erklärung an: Das Wort könnte aus dem Moselromanischen kommen, turún, der Turm. In den Urkunden heißt die Burg 1198 Thurun, um 1216 castrum Turunh super Mosellam, die Burg Turunh über der Mosel, und 1248 Thoron.
Uneinnehmbar war die Burg jedenfalls nicht. 1214 starb der letzte welfische Pfalzgraf ohne Sohn, und Kaiser Friedrich der Zweite gab die Pfalzgrafschaft mit Thurant an die Wittelsbacher. Gleich darauf griff der Erzbischof von Köln zu. Engelbert der Erste eroberte die Burg um 1216 und hielt sie bis zu seinem Tod 1225. Der Papst, Honorius der Dritte, forderte ihn 1218 indirekt auf, sie zurückzugeben. Engelbert ließ stattdessen vor der Burg einen eigenen Turm bauen. Erst nach Jahren kam die Burg zurück an die Pfalzgrafen, und 1243 verzichtete Erzbischof Konrad von Hochstaden ausdrücklich auf alle Kölner Rechte. Es sah aus, als sei der Streit beendet.
Der Burggraf, der die Nachbarn überfiel
Er war es nicht. Auf der Burg saß nun als Amtmann des Pfalzgrafen ein Mann namens Berlewin, genannt Zorno, ein Marschall aus Alzey. Er und seine Burgmannen nutzten Thurant, so berichten die Quellen, als Stützpunkt für Überfälle im Umland. Dieses Umland aber gehörte zum Einflussgebiet der Erzbischöfe von Trier und Köln. Ein Raubritter auf einer Höhenburg über der Mosel, mitten zwischen ihren Ländern, das wollten beide nicht hinnehmen.
Also taten sich die Rivalen zusammen. Erzbischof Arnold der Zweite von Isenburg aus Trier und Konrad von Hochstaden aus Köln belagerten Thurant gemeinsam. Wann genau sie anfingen, ist nicht ganz klar. Manche Quellen nennen 1245, andere 1246 oder 1247. Einig sind sie sich, dass die Belagerung ungefähr zwei Jahre dauerte.
Vom Bleidenberg aus sollen die Belagerer die Burg mit Bliden beschossen haben, großen Wurfmaschinen, die Steine schleuderten. Eine Burgendatenbank beschreibt etwas anderes als Ursache für das Ende: Die Belagerer schnitten die Burg von der Außenwelt ab, und im September 1248 ergab sich die Besatzung, weil ihr die Lebensmittel ausgingen. Vielleicht gehört beides zusammen.
Am 17. November 1248 wurde in einem Friedensvertrag festgehalten, was nun geschehen sollte. Burg und Ort Alken gingen an die beiden Erzbistümer gemeinsam. Mit Thurant verlor der Pfalzgraf seinen letzten Stützpunkt an der unteren Mosel. Der Vertrag ist bis heute erhalten.
Eine Burg für zwei Herren
Was dann kam, ist selten und an der Burg bis heute zu sehen. Die beiden Sieger teilten Thurant nicht auf dem Papier, sondern mit Stein. Eine Scheidemauer trennte den nördlichen Teil, der Köln gehörte, vom südlichen, der an Trier ging. Jede Hälfte bekam einen eigenen Eingang, eigene Wohn- und Wirtschaftsbauten und einen eigenen Bergfried, den Kölner Turm und den Trierer Turm. Jede Hälfte hatte ihren eigenen Burggrafen. Der Kölner Teil war der kleinere.
Fachleute nennen das eine Doppelburg, und nur wenige sind erhalten. Das meiste Mauerwerk, das du heute siehst, stammt aus der Zeit nach 1248. Die Teilung hielt sich jahrhundertelang. Auch das Amt Alken blieb ein gemeinsamer Besitz beider Kurfürsten, bis zum Ende des Alten Reiches. Noch 1718 beschrieb man die Rechtsprechung im Ort als simultanea jurisdictio, als gemeinsame Gerichtsbarkeit zweier Herren über ein kleines Moseldorf.
Um die Burg herum entstand ein Netz von Lehnsleuten. Unter ihnen finden sich die Herren von Eltz, deren Burg du morgen erreichst, die Herren von Winningen und von Waldeck, und von 1414 bis 1436 ein Amtmann, der sich nach dem Ort nannte, Thys von Alken. Um 1330 ließ Erzbischof Balduin von Trier Alken befestigen und zur Stadt erheben. Die Mauer verband die Burg mit dem Ort. 1332 nennt ein Privileg Kaiser Ludwigs des Bayern Alken unter den Orten mit Frankfurter Stadtrecht. Später nennen die Quellen Alken wieder Flecken und schließlich Dorf. Aber Teile der Mauer und das Fallertor stehen noch.
Die Kirche der Sieger
Oben auf dem Bleidenberg stand schon vor der Belagerung eine kleine Kapelle, die Maria geweiht war. Nach dem Sieg ließ Erzbischof Arnold dort eine neue, größere Kirche bauen, gotisch und dreischiffig. Man vermutet, dass sie zur Erinnerung an die Belagerung entstand. Eine Kirche auf dem Berg, auf dem die Wurfmaschinen standen: Das ist die vielleicht eigenartigste Pointe dieses Ortes.
Bald kamen Wallfahrer. 1253 ist die Kirche zum ersten Mal in einem Ablassbrief genannt, 1296 folgte ein weiterer, und in den folgenden Jahrhunderten kamen noch mehr dazu. Ein Ablass versprach den Gläubigen den Nachlass von Sündenstrafen, wenn sie die Kirche besuchten, und so wurde der Bleidenberg ein viel besuchter Wallfahrtsort. Die Pfarrei Oberfell zählt ihre Bergwallfahrt seit 1248. Im Jahr 2012 feierte sie die 764. Seit 1680 stehen in der Kirche drei Altäre, ein Marienaltar, ein Nikolausaltar und ein Kreuzaltar. 1753 und 1754 wurde die Kapelle noch einmal erweitert.
In die Wallfahrt war auch Alken einbezogen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg, ab 1648, führte ein Kreuzweg von der Michaelskirche im Ort hinauf zum Bleidenberg. Seine sieben Stationen heißen die Sieben Fußfälle. Es ist der Pfad, den du als Pilger heute hinuntergehst. Er ist rund 800 Meter lang und überwindet etwa 180 Höhenmeter. Die Wallfahrer gingen ihn bergauf, von Station zu Station. Du gehst ihn bergab, mit müden Knien. Die Richtung ist eine andere, der Weg ist derselbe.
Ein Abriss, der nicht stattfand
Dann kam die Zeit Napoleons. Ab 1803 waren Wallfahrten verboten, und die Bildnisse an den Fußfällen verfielen. Für die Kirche auf dem Bleidenberg gab es zunächst einen anderen Plan: Sie sollte Pfarrkirche für Alken und Oberfell werden. 1805 ließ man den Plan fallen. 1809 bat man um Erlaubnis, die alte Kirche abzureißen. 1818 wurde sie zusammen mit dem Hof daneben zum Abbruch versteigert.
Ganz abgerissen wurde sie nie. Teile fielen, der Rest blieb stehen. Um 1851 begann der Wiederaufbau, 1852 wurde im wiederhergestellten Chor wieder eine Messe gefeiert. Das Langhaus blieb lange offen. Erst 1962 war die ganze Kirche wieder überdacht. Zehn Jahre vorher, 1952, hatte sie ein neues Patrozinium bekommen. Aus der Marienwallfahrt wurde eine Wallfahrt zur Heiligen Dreifaltigkeit, gefeiert am ersten Sonntag nach Pfingsten.
Was du heute siehst, ist das Werk von Ehrenamtlichen. 1994 gründete der Kirchenchor Cäcilia aus Oberfell ein Gremium, das die Kirche restauriert und mit Serenadenkonzerten Geld dafür sammelt. Seit 2023 entwickelt ein ehrenamtliches Team die Kirche weiter, als offenen Ort für Gottesdienste und Kultur. Für den Oktober 2025 lud die Stadt Koblenz zu einer Führung mit einem Mitglied dieses Teams ein. Es sollte auch um die Mühe gehen, ein solches Gebäude zu erhalten, und als Eintritt bat man um eine Spende für die Kirche.
Tausend Jahre Sankt Michael
Unten im Ort steht die zweite Kirche dieser Geschichte. Die alte Michaelskirche, die viele Michaelskapelle nennen, gilt als eine der ältesten Kirchen an der Mosel. Sie wird 1015 erstmals in einer Urkunde genannt, in einer Stiftung für das Jahresgedächtnis des Trierer Erzbischofs Megingaud. Ein Ortslexikon ist vorsichtiger. Es hält die frühen Urkunden mit Nennungen von Alken aus den Jahren 1008 bis 1015 für spätere Fälschungen und nennt die Michaelskirche erst für 1256. 2015 feierte Alken ihr tausendjähriges Jubiläum.
Lange war sie nicht einmal eine eigene Pfarrkirche. Die Mutterkirche lag auf der anderen Seite der Mosel, in Löf, wo du morgen als Erstes hinkommst. 1146 durfte die Gemeinde einen eigenen Pfarrer wählen, 1446 bekam sie einen eigenen Geistlichen, und 1616 wurde Alken eine selbständige Pfarrei. 1296 stellten zwölf Prälaten in Rom einen Ablassbrief für die Kirche aus.
Der Bau hat einen romanischen Kern. Der Westturm stammt aus dem dreizehnten Jahrhundert, die Sakristei trägt die Jahreszahl 1547. Wenn du hineinkommst, schau zuerst nach oben in den Chor. Dort thront Christus als Weltenrichter, umgeben von Maria und Johannes dem Täufer, gemalt um 1350. In den übrigen Feldern des Gewölbes waren die zwölf Apostel zu sehen, nicht alle sind noch zu erkennen. An den Wänden des Schiffs gab es Bilder aus dem fünfzehnten Jahrhundert, die Passion Christi auf der einen und die zehn Plagen Ägyptens auf der anderen Seite. Im siebzehnten Jahrhundert wurden sie übermalt, 1928 legte man einen Teil wieder frei.
Die Kirche erzählt auch von den Herren von Wiltberg. 1571 musste ein Marienaltar einem Grabmal für Graf Heinrich von Wiltberg weichen. 1883 wurde dieses Epitaph verkauft und steht heute im Landesmuseum in Bonn. 1662 stiftete ein Wiltberg ein Bild der Krönung Mariens. Am oberen Ende der Treppe steht eine Pietà von 1686, und am Ende des Kreuzwegs ein großer Ecce Homo von 1787. Unter den Heiligen in Altären und Bildern findest du Nikolaus, den Patron der Schiffer, Urban, den Patron der Winzer, und Matthias, den Apostel, dessen Grab in Trier das Ziel dieses Weges ist.
1849 wurde die neue Pfarrkirche geweiht, ein neugotischer Bau aus Schieferbruchstein. Die alte Kirche wurde verlassen, aber nicht abgerissen. 1898 begann eine erste Renovierung, und am 28. Mai 1935 wurde hier nach langer Restaurierung wieder Gottesdienst gefeiert. Seit etwa 1980 kümmert sich eine Michaelsbruderschaft um die Kirche. Sie hat mit viel Geld die alten Fresken sichern und freilegen lassen. 1987 kam ein Flügelaltar aus Südtirol dazu.
Die Toten unter der Kirche
Unter der Kirche liegt das Beinhaus. Der Friedhof rund um die Kirche war klein, und so wurde er immer wieder geräumt. Die Gebeine legte man in das Beinhaus, Schicht um Schicht. Durch ein großes Eisengitter kannst du hineinsehen.
In den 1970er Jahren untersuchte das Anthropologische Institut der Universität Mainz die Knochen. Die ältesten stammen aus dem frühen vierzehnten Jahrhundert, die jüngsten aus dem achtzehnten. Bei 126 von 151 Skeletten konnten die Forscher noch die Blutgruppe bestimmen. Es sind Menschen aus Alken, aus fünf Jahrhunderten. Ein Wanderportal nennt das Beinhaus bizarr. Man kann es auch anders sehen: Hier liegt das Dorf, auf das du vom Bleidenberg geblickt hast.
Ein Haus aus Burgsteinen
Nach den Herren von Alken, einem Adelsgeschlecht, das Ende des fünfzehnten Jahrhunderts erlosch, kamen 1495 die Herren von Wiltberg. Von 1495 bis 1530 war Nikolas von Wiltberg Amtmann auf Thurant. Die Burg war da schon in schlechtem Zustand, 1542 nennt man sie baufällig. Als die Wiltbergs 1616 in Alken ihr Burghaus bauten, nahmen sie dafür Steine von Thurant. Die Burg wurde zum Steinbruch für den Ort unter ihr. Das Haus heißt heute Wiltburg und hat ein barockes Portal. Sein Kern stammt nach anderen Angaben schon aus dem vierzehnten Jahrhundert, als es ein Burghaus der Trierer Erzbischöfe war.
In der Oberstraße steht das Malteserhaus mit einem Torbogen und einer steinernen Wendeltreppe im Hof. Es war vermutlich einmal ein Hospital. Sicher ist nur, dass es 1656 in Alken ein Hospital gab, und dass es baufällig war. Ob dort auch Pilger aufgenommen wurden, sagen die Quellen, die wir gefunden haben, nicht.
Franzosen, Ruinen und ein Maler aus London
Das siebzehnte Jahrhundert brachte den Krieg an die Mosel. 1673 und 1674 erpressten französische Truppen den Ort. 1689, im Pfälzischen Erbfolgekrieg, zerstörten sie die Burg Thurant. Übrig blieben die beiden Bergfriede und ein Wohnhaus aus dem sechzehnten Jahrhundert. 1798 wurde Alken eine französische Gemeinde, und napoleonische Truppen zerstörten 1812 oder 1813 den Rittersaal im Kölner Teil der Burg. 1816 kam Alken an Preußen.
Im Jahr 1839 kam ein Reisender mit Skizzenbuch vorbei, der Engländer William Turner. Er zeichnete Alken mit Bleistift, flussabwärts gesehen, und machte daraus noch im selben Jahr ein Aquarell. Auf der Skizze thront die Burg in der Mitte, auf einem schwindelerregenden Berg, wie die Londoner Tate Gallery schreibt. Am Fuß des Felsens erkennt man den spitzen Turm der Michaelskapelle.
1911 kaufte Robert Allmers die Ruine, ein Verleger und Autofabrikant, der später den Reichsverband der Automobilindustrie leitete. 1915 und 1916 ließ er Teile wieder aufbauen, darunter den Torbau. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten amerikanische Artillerie und ein Brand das Herrenhaus. Es wurde von 1960 bis 1962 auf den alten Fundamenten neu gebaut und ist bis heute bewohnt. Seit 1973 gehört die Burg den Familien Allmers und Wulf.
Was man nicht genau weiß
Über Thurant wird viel erzählt, und nicht alles passt zusammen. Wann wurde die Burg gebaut? Eine Burgendatenbank nennt 1195 als erste Erwähnung, ein Ortslexikon setzt den Bau kurz nach 1198 an, die englische Wikipedia sieht die erste sichere Nennung erst 1209 und vermutet den Bau zwischen 1198 und 1206. Die Tate Gallery schreibt 1197. Alle meinen ungefähr dasselbe: um 1200, kurz nach dem Kreuzzug. Genauer weiß es niemand.
Noch spannender ist der Name des Berges, auf dem du gestanden hast. Die verbreitete Erklärung führt ihn auf die Bliden zurück, die Wurfmaschinen der Belagerer. Ein Ortslexikon nennt dafür die erste Form, Blithenberch, aus dem Jahr 1247, mitten in der Belagerung. Es bietet aber auch eine ganz andere Deutung an: Das mittelhochdeutsche ze deme bliden berge hieße einfach am freundlichen Berg. Dazu gibt es eine Sage, nach der die Burg mit Bleikugeln beschossen worden sei, daher Bleidenberg. Das Ortslexikon merkt trocken an, dass Geschütze in der Region erst im vierzehnten Jahrhundert belegt sind.
Vielleicht ist der Berg also nicht nach den Waffen benannt, die von ihm aus schossen, sondern einfach nach seiner Freundlichkeit. Du kannst es dir aussuchen. Beides passt zu dem Ort, an dem die Sieger eine Kirche bauten.
Ein neuer Weg an alter Stelle
Seit dem Sommer 2008 ist der Mosel-Camino durchgehend markiert, von Koblenz-Stolzenfels bis zur Abtei St. Matthias in Trier, mit der gelben Muschel auf blauem Grund. Die Idee für die Markierung stammt von Karl-Heinz Jung, der Wegzeichen mit Naturschutz verbindet und an den Jakobswegen Nistkästen und Insektenhotels aufhängt. 2013 fand ein Pilger die Muscheln auf den ersten Kilometern an solchen Nistkästen. Ein Vogelhaus zeigte ihm, wohin es nach Santiago geht.
Auch in Alken und Oberfell gibt es Pilger, die nicht von weit her kommen. Eine Gruppe junger Männer aus Oberfell, Alken und Kobern, die sich Pilgerfreunde Oberfell nennen, geht seit 2009 mit der Matthiasbruderschaft aus Mayen zum Grab des Apostels Matthias in Trier. 2011 beschlossen sie, sich einen eigenen Startpunkt an der Mosel zu schaffen. Zum Dreifaltigkeitssonntag, dem 3. Juni 2012, luden sie zur Einsegnung ihres Pilgersteins ein, nach dem Festhochamt der 764. Bergwallfahrt. Seitdem steht er vor der Kirche auf dem Bleidenberg, der erste Pilgerstein am Mosel-Camino. In der Einladung beschrieben sie die Kirche als ganzjährigen Anlaufpunkt für Besucher und Wanderer.
Andere kamen von weiter her. Im Oktober 2013 ging Rainer Steinhausen den Weg, verpasste am Bleidenberg den Abzweig und machte einen Umweg über Oberfell. Er beschrieb die Kirche als einen ruhigen Ort zur Einstimmung. Im Herbst 2020 kam Jakob Engel nach Alken, auf dem letzten Teil einer Wanderung von 45 Tagen, die in Görlitz begonnen hatte und in Trier endete. Zwei Minuten bevor er seine Unterkunft erreichte, fing es an zu regnen.
Was Alken dir mitgibt
Alken ist ein Ort der Gegenüber. Eine Burg und ein Berg, zwei Erzbischöfe in einer Burg, eine Mauer zwischen zwei Türmen, eine Kirche oben und eine Kirche unten, und dazwischen ein Pfad mit sieben Stationen. Wer hierherkommt, hat den ersten Tag auf dem Mosel-Camino hinter sich, und die meisten Tage noch vor sich.
Vielleicht nimmst du von hier mit, wie schnell sich die Bedeutung eines Ortes ändern kann. Wo Wurfmaschinen standen, steht seit fast achthundert Jahren eine Kirche, zu der Menschen jedes Jahr hinaufgehen. Eine Burg, die zwei Herren mit einer Mauer teilten, ist heute ein Haus, in dem eine Familie wohnt, und ein Aussichtsturm. Und ein Weg, den die Wallfahrer einst bergauf gingen, gehst du heute bergab, auf dem Weg zum Grab eines Apostels in Trier und vielleicht weiter nach Santiago.
Morgen gehst du über die Brücke nach Löf, wo früher die Mutterkirche von Alken stand. Hinter dir bleiben der Berg und die Burg, die sich seit fast achthundert Jahren anschauen.
Übernachten in Alken
Unterkünfte in Alken.
GeöffnetPilgerherberge am Bleidenberg
GeöffnetReservierung möglichWinzerhof Brachtendorf
GeöffnetFerienwohnung Christ
Angebote in Alken
Was du vor der nächsten Etappe im Ort findest.
- Café
- Geschäft
- Brunnen
- Post
- Bahnhof
- Bushaltestelle
- Restaurant
Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert April 2026




