Ort am Jakobsweg
Bautzen
Germany
- Unterkünfte
- 36
- Caminos
- 2
- Höhe
- 213 m
Bautzen ist die Stadt, die teilt: Im Dom St. Petri beten seit 1524 Katholiken und Protestanten unter einem Dach, auf den Schildern stehen Deutsch und Sorbisch nebeneinander, und an der Hammermühle trennt sich der Sächsische Jakobsweg von der Via Regia. Vor dir liegen 307,7 Kilometer bis Hof. Ein Pausentag vor dem Aufbruch lohnt sich.
Wie lange bleiben?
Einen Pausentag wert, am besten vor dem ersten Schritt. Wer hier startet, hat vor dem ersten Schritt Zeit für eine Altstadt, die erstaunlich viel auf engem Raum versammelt: den geteilten Dom, die schiefen und geraden Türme, die Wasserkunst an der Spree, das Sorbische Museum und die Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Gefängnis. Das füllt einen Tag ohne Hetze. Wer über die Via Regia aus Görlitz kommt, hat ohnehin Grund für eine Pause, bevor er nach Südwesten abbiegt. Beachte die Ruhetage: Das Sorbische Museum und das Museum Bautzen sind montags zu.
Bautzen in Ninja-Zahlen
- 307,7 Kilometer sind es laut Camino Ninja von hier bis Hof. Bautzen ist Kilometer null des Sächsischen Jakobswegs.
- 25,5 Kilometer bis Bischofswerda, deinem ersten Etappenziel. Kein Einlaufen, sondern gleich ein ordentlicher Tag.
- 1,44 Meter hängt die Spitze des Reichenturms aus dem Lot. Sein Fundament reichte nur 80 Zentimeter tief, erst 1953/54 wurde es gesichert.
- 4 Orgeln stehen im Dom St. Petri. Bei zwei Konfessionen unter einem Dach ist das fast schon sparsam.
- 17 Türme zählt die Stadt heute, sie nennt sich selbst „Stadt der Türme“. Im Domturm wohnt sogar eine Familie.
Ankommen: zwei Wege, eine Mühle
Der Sächsischer Jakobsweg beginnt unten an der Spree, an der Hammermühle unterhalb der Alten Wasserkunst. Hier zweigt er von der Via Regia ab, die als Ökumenischer Pilgerweg aus Görlitz kommt und weiter nach Westen zieht. Die Hammermühle ist die letzte von einst 21 Mühlen der Stadt. Von dort führt der Weg hinauf in die Altstadt zum Dom und dann wieder hinunter an die Spree, auf der Promenade Richtung Grubschütz.
Die Via Regia lief schon im Mittelalter durch die Gerberstraße und querte die Spree zuerst über eine Furt. Rund 5.000 Frachtwagen sollen die Stadt jedes Jahr passiert haben. Du bist also nicht der Erste, der hier mit Gepäck den Hang hinaufkeucht.
Kurz erzählt: Budyšin, die Stadt auf dem Felsen
Bischof Thietmar von Merseburg erwähnt die Burg 1002 als „Civitas Budusin“. Sorbisch heißt die Stadt bis heute Budyšin, und die zweisprachigen Straßenschilder erinnern dich bei jedem Schritt daran, dass hier seit über 1.300 Jahren Sorben leben. 1346 schloss sich Bautzen mit Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau zum Oberlausitzer Sechsstädtebund zusammen.
Die Stadt brannte mehrfach, 1620, 1634, 1707 und 1720, und wurde barock wieder aufgebaut. Im Mai 1813 tobte vor ihren Toren die Schlacht bei Bautzen gegen Napoleons Heer. Im 20. Jahrhundert wurde der Name zum Synonym für Haft: Das Gefängnis Bautzen I war von 1945 bis 1950 ein sowjetisches Speziallager, Bautzen II von 1956 bis 1989 ein Stasi-Gefängnis.
Unter einem Dach: der Dom, der geteilt wird
Seit 1524 nutzen Katholiken und Protestanten den Dom St. Petri gemeinsam. Die Stadt nennt ihn die älteste und größte Simultankirche Deutschlands. Die Katholiken haben den Chor, die Evangelischen das Langhaus. Lange trennte ein vier Meter hohes Gitter die beiden Teile. Wer wann Gottesdienst feiert, regelt ein Vertrag aus dem 16. Jahrhundert, unterbrochen wurde er nur selten. Das Haus hat gehalten.
Für einen Pilger, der an diesem Ort aufbricht, ist das kein schlechtes Bild. Der Jakobsweg gehört keiner Konfession allein. Und der erste Raum, durch den er dich führt, beweist, dass man sich einen Raum teilen kann, ohne sich einig zu sein.
Türme und Tore: was du sehen solltest
Die Altstadt ist klein genug für einen Rundgang ohne Rucksack. Wenn du mehrere Museen besuchen willst, rechnet sich das Kombiticket „4 auf einen Streich“ der Tourist-Information am Hauptmarkt 1: Reichenturm, Museum Bautzen, Sorbisches Museum und Alte Wasserkunst für 10 € (Stand: 2025).
- Dom St. Petri: Die heutige spätgotische Hallenkirche entstand im 15. Jahrhundert, nach dem Stadtbrand von 1634 erhielt sie ihr barockes Inneres, 2015 wurde die Innensanierung abgeschlossen. Achte auf die Trennung zwischen katholischem Chor und evangelischem Schiff. Seit 1921 ist der Dom Kathedrale, seit 1980 Konkathedrale des Bistums Dresden-Meißen. Im Herbst 2025 war er montags bis samstags von 10 bis 16 Uhr offen, sonntags von 12 bis 16 Uhr. Auf den Turm kommst du nur über die Familie, die darin wohnt, und nur an Wochenenden von Ostern bis zum zweiten Sonntag im Dezember.
- Reichenturm: Der schiefe Turm von Bautzen, 53 Meter hoch, 135 Stufen. Seine Neigung wurde 1747 erstmals festgestellt. Geöffnet April bis Oktober täglich 10 bis 17 Uhr (Stand: 2025).
- Alte Wasserkunst: Wenzel Röhrscheidt der Ältere baute den Turm 1558, er pumpte Spreewasser zu 86 Röhrentrögen in der Stadt. 1965 stillgelegt, heute technisches Museum mit Aussicht. Gleich darunter liegt die Hammermühle, dein Startpunkt. April bis Oktober 10 bis 17 Uhr, im Winter 10 bis 16 Uhr, freitags zu, im Januar nur am Wochenende (Stand: 2025).
- Ortenburg und Sorbisches Museum: Die Burg auf dem Felsen über der Spree ließ der ungarische König Matthias Corvinus ab 1483 neu bauen, heute sitzt darin das Sächsische Oberverwaltungsgericht. Im Burghof erzählt das Sorbische Museum, wer die Menschen sind, deren Sprache du auf jedem Straßenschild liest. Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, kostenloser Audioguide (Stand: 2025).
- Taucherkirche: Eine kleine Friedhofskirche mit seltsamer Reisegeschichte: Die Marienkapelle wurde 1553 aus dem Taucherwald bei Uhyst hierher versetzt. Eine Kirche, die selbst umgezogen ist, passt zu einem Ort, an dem man aufbricht. Konzerte gibt es seit 1997 meist am zweiten Sonntag im Monat, März/April bis November.
- Gedenkstätte Bautzen: Im ehemaligen Gefängnis Bautzen II erinnert die Gedenkstätte an politische Häftlinge des Stasi-Gefängnisses. Kein leichter Besuch, aber einer, der bleibt. Täglich 10 bis 18 Uhr, freitags bis 20 Uhr, Eintritt frei (Stand: 2025).
Essen und Trinken
An Bautzen kommst du nicht vorbei, ohne Senf zu essen. Der Bautzner Senf im kleinen Becher mit blauem Deckel erschien 1953, vom Mittelscharfen gehen nach Angaben der Stadt rund zwei Millionen Becher im Monat über den Ladentisch. Am Fleischmarkt 5 gibt es eine Senfmanufaktur mit kleinem Museum und Verkostung. Für mehr als eine Bratwurst mit Senf ist die Altstadt um den Hauptmarkt gut bestückt. Im Spätsommer, von Mitte August bis Anfang September, feiert die Stadt die Bautzener Senfwochen.
Ehrlich gesagt
- Das Pilgerbett ist knapp. Die Pilgerunterkunft der Kirchgemeinde hat nur sechs Plätze. Zu zweit oder zu dritt ist das kein Problem, als Gruppe musst du auf die Jugendherberge oder eine Pension ausweichen.
- Der erste Tag ist kein Spaziergang. 25,5 Kilometer bis Bischofswerda. Wer frisch aus dem Zug steigt, sollte nicht erst mittags losgehen.
- Der Dom macht sonntags spät auf. Erst um 12 Uhr (Stand: Herbst 2025). Wenn du ihn vor dem Aufbruch sehen willst, plane das am Vortag ein.
- Die Geschichte drückt. „Bautzen“ war in der DDR ein Wort, das Angst machte. Die Gedenkstätte zeigt, warum. Das ist richtig so, aber plane nach dem Besuch etwas Leichtes ein.
Wo Pilger schlafen
- Pilgerunterkunft im Kirchgemeindehaus: im Kirchgemeindehaus St. Petri, Am Stadtwall 12, am Rand der Altstadt. Sechs Plätze. Einen festen Preis haben wir nicht gefunden. Fragen zu Pilgerangeboten nimmt das evangelische Kirchspiel unter ksp.bautzen@evlks.de entgegen.
- DJH Jugendherberge Bautzen „Gerberbastei“: Am Zwinger 1, in einer alten Bastei der Stadtbefestigung. Mit 123 Plätzen die Ausweichlösung, wenn die Pilgerunterkunft voll ist.
Daneben gibt es in der Altstadt Pensionen und Ferienwohnungen in allen Preislagen.
Ninja-Tipps
- Starte an der Mühle, nicht am Dom. Offizieller Anfang des Sächsischen Jakobswegs ist die Hammermühle an der Spree. Geh am Vorabend hin, dann weißt du morgens, wo es losgeht.
- Mittagsmusik und Vesper: Dienstags um 12 Uhr gibt es Mittagsmusik im Dom, samstags um 17.15 Uhr eine Domvesper (Stand: 2025). Eine gute Viertelstunde, um anzukommen.
- Kombiticket nur, wenn du drei Museen schaffst. Mit 10 € lohnt sich „4 auf einen Streich“ ab dem dritten Haus. Für einen halben Tag reicht der Reichenturm.
- Ostern ist Sonderzeit. Am Ostersonntag ziehen rund 1.500 sorbische Osterreiter in einer Prozession von der Liebfrauenkirche nach Radibor. Wer in der Osterwoche startet, sollte das nicht verpassen.
- Senf ist leicht. Ein kleiner Becher passt in jeden Rucksack, ein Glas eher nicht.
Praktische Tipps für Pilger
- Tourist-Information: Hauptmarkt 1, Telefon 03591 42016. Hier gibt es auch das Kombiticket.
- Anreise: Bautzen hat einen Bahnhof an der Strecke Dresden–Görlitz, gut für den Start.
- Montag: Sorbisches Museum und Museum Bautzen haben Ruhetag (außer an Feiertagen).
- Andere Wege: Wer nicht nach Südwesten will, geht auf der Via Regia weiter Richtung Kamenz.
Weiter: an der Spree hinaus nach Westen
Von der Hammermühle führt der Weg an der Spree entlang über die Promenade nach Grubschütz (Kilometer 5,0), dann über Oberförstchen und Kleinförstchen nach Göda (Kilometer 11,1). Über Demitz-Thumitz (Kilometer 19,2), wo der Oberlausitzer Bergweg kreuzt, erreichst du nach 25,5 Kilometern Bischofswerda.
Morgen erwartet dich
Bischofswerda, eine Kleinstadt, die fast vollständig nach einem einzigen Tag gebaut ist: Am 12. Mai 1813 brannte sie unter napoleonischer Besetzung bis auf wenige Häuser nieder. Was du heute siehst, wurde danach auf dem mittelalterlichen Grundriss neu errichtet, mit einem klassizistischen Rathaus von 1818 am Altmarkt.
Tiefer eintauchen: Bautzen, die Stadt, die teilt
Ein kurzer Text, falls du noch mehr über Bautzen erfahren willst. Etwa vier Minuten Lesezeit.
Ein Felsen über der Spree
Wenn du an der Hammermühle stehst und den Hang zur Altstadt hinaufschaust, siehst du, warum hier eine Stadt entstanden ist. Die Spree hat sich tief in den Granit gegraben, und oben auf dem Felsen ließ sich gut wohnen und gut verteidigen. Sorbische Stämme siedelten seit dem siebten Jahrhundert in der Gegend. Im Jahr 1002 nennt der Chronist Thietmar von Merseburg den Ort Civitas Budusin. Aus Budusin wurde Budyšin, der sorbische Name, der bis heute neben dem deutschen auf den Schildern steht.
Unten an der Spree lief die Hohe Straße vorbei, später Via Regia genannt, die Königsstraße. Eine Urkunde von 1252 spricht schon von der strata regia. Händler zogen von Westen nach Osten, Pilger auch. Jährlich sollen etwa fünftausend Frachtwagen durch die Stadt gekommen sein, 1431 kaufte die Stadt dem Kaiser Sigismund den Durchgangszoll ab. Bautzen lebte von der Straße, und die Straße brauchte Bautzen, um über den Fluss zu kommen.
Sechs Städte und ein König aus Ungarn
1346 verbündete sich Bautzen mit Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau. Der Oberlausitzer Sechsstädtebund hielt bis 1815 und wurde 1991 wiederbelebt. Die Oberlausitz gehörte damals zur böhmischen Krone, und so kam es, dass ab 1483 ein ungarischer König die Burg über der Spree neu bauen ließ: Matthias Corvinus, der damals über die Lausitz herrschte. Der Matthiasturm der Burg trägt seinen Namen, und in ihren Mauern sitzt heute ein Gericht.
Ein Haus für zwei
Die Reformation erreichte Bautzen früh. Seit 1524 teilen sich die Konfessionen den Dom St. Petri, so steht es in den Unterlagen der Stadt. Andere Quellen setzen die gemeinsame Nutzung einige Jahre später an, um 1530. Sicher ist, dass die Katholiken den Chor behielten und die Evangelischen das Langhaus bekamen, und dass ein Vertrag aus dem sechzehnten Jahrhundert regelt, wer wann Gottesdienst feiert. Ein vier Meter hohes Gitter trennte lange die beiden Teile der Kirche.
Man kann das als Kompromiss belächeln. Man kann es aber auch als Kunststück sehen: Fast fünfhundert Jahre lang haben zwei Gemeinden, die sich theologisch oft nichts zu sagen hatten, denselben Raum geputzt, geheizt und renoviert. Seit 1921 ist der Dom Kathedrale, seit 1980 Konkathedrale des Bistums Dresden-Meißen. Im Turm, dreiundachtzig Meter hoch, wohnt eine Familie, die Besucher an Wochenenden nach oben führt.
Feuer, Krieg und Gefängnis
Bautzen brannte oft. 1620 und 1634 im Dreißigjährigen Krieg, dann wieder 1707 und 1720. Jedes Mal wurde die Stadt neu aufgebaut, und so sieht die Altstadt heute vor allem barock aus. Im Mai 1813 standen sich vor der Stadt die Verbündeten und Napoleons Armee gegenüber.
Im zwanzigsten Jahrhundert bekam der Name einen dunklen Klang. Nach dem Krieg betrieb die sowjetische Besatzungsmacht im Gefängnis Bautzen I ein Speziallager. Die Stadt nennt für die Jahre 1945 bis 1950 über zweitausendsiebenhundert nachweisbare Tote. Von 1956 bis 1989 war Bautzen II ein Gefängnis der Staatssicherheit für politische Häftlinge. In der DDR genügte das Wort Bautzen, um Angst zu machen. Heute ist Bautzen II eine Gedenkstätte, und der Eintritt ist frei.
Zwei Sprachen auf jedem Schild
Wer durch Bautzen geht, liest vieles zweimal, auf Deutsch und auf Sorbisch. Bautzen und Budyšin. Die Sorben sind ein westslawisches Volk, ihr Obersorbisch klingt für tschechische und slowakische Ohren vertraut. Etwa vierzigtausend von ihnen leben heute in der Ober- und Niederlausitz, alle sind deutsche Staatsbürger, alle sprechen auch Deutsch. 1912 gründeten sie ihren Dachverband, die Domowina. Wer mehr wissen will, findet im Sorbischen Museum auf der Burg Antworten, mit kostenlosem Audioguide.
Auch die Kirchen erzählen davon. Die Liebfrauenkirche, 1293 zuerst erwähnt, nennen die Bautzener die sorbische Kirche. Die Hussiten zerstörten sie 1431, später brannte sie 1620, 1634 und 1686 noch dreimal nieder, und jedes Mal wurde sie wieder aufgebaut. In der Michaeliskirche feiern seit 1619 die evangelischen deutschen und sorbischen Dörfer rund um Bautzen ihre Gottesdienste. Und am Ostersonntag ziehen von der Liebfrauenkirche aus die sorbischen Osterreiter los, hoch zu Ross, bis nach Radibor, um die Osterbotschaft weiterzutragen. Rund fünfzehnhundert Reiter sind es an diesem Tag.
Was Bautzen dir mitgibt
Du verlässt Bautzen auf einem Weg, der sich von einem anderen trennt. Die Via Regia geht weiter nach Westen, der Sächsische Jakobsweg biegt nach Südwesten ab, über Dresden, Chemnitz und Zwickau bis Hof. Vielleicht nimmst du von hier ein Bild mit: einen Dom, in dem zwei Gemeinden seit Jahrhunderten unter einem Dach leben, Schilder in zwei Sprachen, eine Mühle, an der zwei Wege auseinandergehen. Teilen heißt hier nicht, dass alle dasselbe denken. Es heißt, dass man den Raum nicht verlässt.
Übernachten in Bautzen
Unterkünfte in Bautzen.
GeöffnetReservierung möglichDJH Youth Hostel Bautzen "Gerber Bastion"
GeöffnetPilgerunterkunft im Kirchengemeindehaus
Donativo
GeöffnetReservierung möglichPension Stadtwall Bautzen
Ort 1 von 1
Weiter auf dem Via Regia DE
Bautzen ist der letzte beliebte Ort auf dem Via Regia DE.





