Ort am Jakobsweg
Bischofswerda
Germany
- Unterkünfte
- 6
- Camino
- 1
- Höhe
- 291 m
Bischofswerda ist eine Stadt, die nach einem einzigen Abend neu gebaut wurde: Am 12. Mai 1813 brannte sie bis auf drei Häuser nieder, danach entstand sie klassizistisch auf dem alten Grundriss wieder. 25,5 Kilometer hinter Bautzen endet hier deine erste Etappe. Für den Altmarkt und die Christuskirche reicht ein Nachmittag.
Wie lange bleiben?
Ein Nachmittag reicht. Bischofswerda ist eine Kleinstadt mit gut zehntausend Einwohnern, der Kern um den Altmarkt ist klein. Was du siehst, ist fast alles nach 1813 entstanden, aus einem Guss und auf dem Straßennetz des Mittelalters. Nach dem ersten langen Tag aus Bautzen ist das genau das richtige Maß: ankommen, einmal um den Markt, in die Christuskirche schauen, früh schlafen.
Bischofswerda in Ninja-Zahlen
- 25,5 Kilometer hast du laut Camino Ninja seit Bautzen hinter dir. Die erste Etappe ist geschafft.
- 282,2 Kilometer sind es von hier noch bis Hof.
- 3 Häuser innerhalb der Stadtmauer überstanden den Brand vom 12. Mai 1813, dazu ein Teil der Fronfeste. Der Rest ist Wiederaufbau.
- 8 Stadtbrände verzeichnet die Chronik zwischen 1429 und 1813. Bischofswerda hat Übung im Neuanfangen.
- 4 Sterne stehen im Stadtwappen neben zwei gekreuzten Bischofsstäben. Was sie bedeuten, weiß niemand.
Ankommen: in der Stadt der Bischöfe
Von Bautzen kommst du über Göda und Demitz-Thumitz auf dem Sächsischer Jakobsweg in die Stadt. Das Ziel ist der Altmarkt, ein Platz, der seit 1978 als Beispiel einer mittelalterlichen Stadtanlage unter Denkmalschutz steht. Bischofswerda nennt sich selbst „Tor zur Oberlausitz“. Für dich als Pilger ist es eher das Tor hinaus: Ab hier geht es ins Tal der Wesenitz und Richtung Dresden.
Kurz erzählt: die Insel der Bischöfe
Der Name sagt fast alles. „Werda“ hieß der Hügel zwischen Sümpfen und Teichen, auf dem sich um 600 Sorben ansiedelten. Die Bischöfe von Meißen bauten den Ort aus, nach der Stadtchronik vor allem Bischof Benno, der hier im 11. Jahrhundert eine Kirche errichten ließ. 1227 wird Bischofswerda erstmals urkundlich erwähnt, 1361 erstmals als Stadt. Bis 1559 regierten die Bischöfe, dann ging die Herrschaft an Kurfürst August von Sachsen über.
Seit 1286 gab es einen regelmäßigen Markt. Die Leute brachten ihre Waren auf Schieböcken, Schubkarren ohne Kasten. Daher heißt das Stadtfest bis heute „Schiebocker Tage“.
Neu auf altem Grundriss: der Brand von 1813
Im Mai 1813 war Bischofswerda von napoleonischen Truppen besetzt, vor den Toren wurde gekämpft. Am Abend des 12. Mai brach ein Feuer aus, vermutlich durch Fahrlässigkeit der Soldaten. Innerhalb der Stadtmauer blieben wohl nur drei Häuser und ein Teil der Fronfeste stehen.
Auf Befehl König Friedrich Augusts I. von Sachsen wurde die Stadt auf ihrem mittelalterlichen Grundriss wieder aufgebaut. Vom Architekten Gottlob Friedrich Thormeyer stammen das Rathaus und die Christuskirche. Deshalb läufst du hier durch ein mittelalterliches Straßennetz, an dem fast kein mittelalterliches Haus steht. Die Gassen stammen aus dem Mittelalter, die Häuser fast alle aus der Zeit nach 1813.
Klassizismus am Altmarkt: was du sehen solltest
Alles Sehenswerte liegt nah beieinander, rund um den Altmarkt.
- Altmarkt und Rathaus: Das klassizistische Rathaus von Thormeyer wurde 1818 fertig. Der Platz davor wurde 2006/07 neu gestaltet, vorher haben Archäologen gegraben und Fundamente des ersten, gotischen Rathauses gefunden, das 1286 mitten auf dem Markt stand und 1763 abgerissen wurde. Der Paradiesbrunnen am Markt stammt von 1914.
- Christuskirche: Die evangelische Stadtkirche, ebenfalls klassizistisch und von Thormeyer entworfen. Am Eingang ein Mosaik von Josef Goller, innen ein Gemälde von Osmar Schindler, der in Bischofswerda aufwuchs. Öffnungszeiten haben wir nicht gefunden.
- Kirche St. Benno: Die katholische Kirche trägt den Namen des Bischofs, der den Ort der Überlieferung nach zur Stadt ausbaute. Benno von Meißen, gestorben 1106, ist ein sächsischer Heiliger, und für Pilger am Beginn eines langen Weges ist er hier der passende Hausherr. 2020 startete eine ökumenische Pilgergruppe der Jakobus-Gesellschaft ihre Etappe nach Arnsdorf an dieser Kirche.
- Denkmal für die Schlacht von 1813: Eher eine Infotafel als ein Denkmal, der Obelisk steht ein paar Meter weiter Richtung Stadt in einem Vorgarten. Ein kurzer Halt, der erklärt, warum hier alles so jung aussieht.
Ehrlich gesagt
- Keine Pilgerherberge. Eine kirchliche oder kommunale Pilgerunterkunft haben wir in Bischofswerda nicht gefunden. Du schläfst privat, in einer Pension oder im Hotel.
- Wenig Altstadtzauber. Wer nach Bautzen mit Türmen und Mauern rechnet, findet hier eine ruhige, gleichförmige Kleinstadt des 19. Jahrhunderts. Das ist ihr Charakter, kein Mangel, aber auch kein Pausentag.
- Das 1813-Denkmal enttäuscht. Eine Tafel und ein Obelisk im Vorgarten. Die Geschichte erzählt der Stadtgrundriss besser.
Wo Pilger schlafen
Eine Pilgerherberge gibt es in Bischofswerda nicht. In der App sind Privatzimmer gelistet, die Pilger aufnehmen, dazu Pensionen und Ferienwohnungen in der Stadt. Die nächste echte Pilgerunterkunft ist das Pfarrhof-Pächterhaus Wallroda, 20,6 Kilometer weiter, wo Pilger gegen eine Spende übernachten.
Ninja-Tipps
- Etappe nach Gefühl teilen. Bis Arnsdorf sind es 16,1 Kilometer, bis zum Pfarrhof Wallroda 20,6. Nach dem langen ersten Tag ist die kürzere Variante kein Zeichen von Schwäche.
- Zug als Notausgang. Der Bahnhof Bischofswerda hat direkte Verbindungen nach Dresden, Görlitz, Zittau und ins tschechische Liberec. Wer Blasen pflegen muss oder nur ein Wochenende hat, kommt hier gut weg und wieder her.
- Der Rathausplatz erzählt die Geschichte. Stell dich auf den Altmarkt und denk dir das gotische Rathaus mitten auf den Platz. Dort stand es bis 1763.
Weiter: ins Tal der Wesenitz
Hinter Bischofswerda führt der Weg über Goldbach und Seeligstadt (Kilometer 28,7 laut Camino Ninja) an der Wesenitz entlang zum Schlosspark Großharthau (Kilometer 32,9) und weiter nach Arnsdorf, 16,1 Kilometer von hier.
Morgen erwartet dich
Arnsdorf und, viereinhalb Kilometer dahinter, Wallroda mit dem Pfarrhof-Pächterhaus, wo Pilger gegen eine Spende schlafen. Nach einer Nacht in der Kleinstadt ist das die erste Herberge des Weges, die ausdrücklich für Pilger da ist. Von Arnsdorf sind es dann noch 26,8 Kilometer bis Dresden.
Tiefer eintauchen: Die Stadt, die zweimal gegründet wurde
Ein kurzer Text, falls du noch mehr über Bischofswerda erfahren willst. Etwa zwei Minuten Lesezeit.
Ein Hügel im Sumpf
Bischofswerda hat seinen Namen von zwei Dingen, die längst verschwunden sind: von den Bischöfen und vom Wasser. Werda nannte man den Hügel, der aus Sümpfen und Teichen ragte. Um das Jahr 600 siedelten hier Sorben. Später kamen die Bischöfe von Meißen, und mit ihnen der Mann, nach dem die katholische Kirche heute heißt. Bischof Benno soll hier im elften Jahrhundert eine Kirche gebaut und den Ort zur Stadt gemacht haben. 1227 taucht Bischofswerda zum ersten Mal in einer Urkunde auf. Das Wappen trägt bis heute zwei gekreuzte Bischofsstäbe, dazu vier Sterne, deren Bedeutung niemand mehr kennt.
Acht Mal Feuer
Die Chronik der Stadt ist eine Chronik der Brände. 1429, 1469, 1528, 1583, 1596, 1641, 1671 brannte es. Jedes Mal wurde wieder aufgebaut. Dann kam das Jahr 1813. Napoleons Truppen lagen in der Stadt, draußen wurde gekämpft, und am Abend des 12. Mai brach ein Feuer aus, wahrscheinlich aus Unachtsamkeit. Danach standen innerhalb der Mauer nur noch drei Häuser.
Die zweite Gründung
Der König ließ die Stadt nicht nach einem neuen Plan bauen, sondern auf dem alten. Die Straßen und Plätze blieben, wo sie seit dem Mittelalter waren. Darauf setzte der Architekt Gottlob Friedrich Thormeyer ein neues Rathaus und eine neue Kirche, schlicht und klassizistisch. So ist Bischofswerda eine Stadt mit zwei Geburtsdaten: eine mittelalterliche im Grundriss und eine aus dem neunzehnten Jahrhundert im Aufriss.
Was Bischofswerda dir mitgibt
Am Abend deines ersten Pilgertages stehst du in einer Stadt, die alles verloren und trotzdem ihren Weg behalten hat. Vielleicht ist das kein schlechter Gedanke für die nächsten dreihundert Kilometer. Was du unterwegs zurücklässt, ist weniger wichtig als die Richtung, in der du weitergehst.
Übernachten in Bischofswerda
Unterkünfte in Bischofswerda.
GeöffnetFrau Venus — Privatzimmer
Donativo
GeöffnetFamilie Matthias Greth
GeöffnetReservierung möglichHotel Evabrunnen
Ort 2 von 15

