Ort am Jakobsweg
Matosinhos
Distrito do Porto, Região do Norte, Portugal
- Unterkünfte
- 12
- Camino
- 1
- Höhe
- 6 m
Matosinhos ist der Ort, an dem dein Camino das Meer erreicht: elf Kilometer nach Porto, eine Hafenstadt mit Fischlokalen und einem Christusbild, das der Legende nach hier angeschwemmt wurde. Eine Pilgerherberge gibt es nicht, dafür Hostels. Ab hier folgst du der Senda Litoral auf Holzstegen nach Norden.
Aktuell in Matosinhos (Stand: Oktober 2026)
- Klappbrücke nach Leça: Die Ponte móvel über den Leça war ab 15. Juni 2026 wegen Bauarbeiten gesperrt und ist seit 14. August wieder offen. Am 7. Oktober 2026 wurde sie wegen eines Defekts erneut geschlossen. Ob sie inzwischen wieder offen ist, haben wir nicht herausgefunden. Während der Sperrungen bringt ein kostenloser Bus der Hafenverwaltung Fußgänger und Radfahrer über den Fluss.
Wie lange bleiben?
Ein Nachmittag reicht. Wer in Porto startet, ist nach elf Kilometern früh hier und hat den Rest des Tages für den Strand, das Denkmal der Fischer und ein Abendessen mit Fisch. Die Wallfahrtskirche des Senhor de Matosinhos liegt nicht an der Küste, sondern in der Stadt, und lohnt den Weg dorthin, wenn du Zeit hast. Für einen ganzen Ruhetag gibt es zu wenig, was einen Pilger hält.
Matosinhos in Ninja-Zahlen
- 11 Kilometer sind es laut Camino Ninja von Porto bis hierher. Ein kurzer Tag, und genau das macht ihn für viele zum idealen ersten Tag.
- 272 Kilometer bis Santiago liegen laut Camino Ninja noch vor dir, wenn du der Senda Litoral folgst.
- 152 Fischer starben am 1. Dezember 1947, als vier Kutter vor der Küste sanken. Ihr Denkmal steht am Strand.
- 54 Konservenfabriken gab es hier zwischen 1940 und 1960. Heute sind es noch drei.
- 2 Nationaldenkmäler von Álvaro Siza, dem Architekten aus Matosinhos, stehen seit 2011 in Leça da Palmeira, gleich jenseits der Brücke.
Ankommen: an der Küste entlang bis zum Fischerhafen
Von Porto gehst du am Douro hinunter bis zur Mündung in Foz do Douro und dann an der Küste nach Norden. Du kommst am Castelo do Queijo vorbei, einer Festung aus der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, und dann öffnet sich der lange Strand von Matosinhos. Rechts stehen hohe Häuser, links liegt das Meer. Über die Klappbrücke am Leça kommst du nach Leça da Palmeira, wo die Senda Litoral weiter nach Norden führt.
Wer das Stück durch Porto auslassen will, fährt mit der Metro, Linie A, bis zur Station Mercado oder mit dem Bus 500 an die Küste. An der Metrostation beginnen die Pfeile.
Kurz erzählt: Bouças, Fisch und Konserven
Lange hieß der Ort Bouças, nach einem Kloster aus dem zehnten Jahrhundert. Die Gemeinde verlegte ihren Sitz 1853 nach Matosinhos und nahm 1909 auch dessen Namen an. Ende des neunzehnten Jahrhunderts baute man den Hafen von Leixões als geschützten Hafen für Porto. Mit ihm kamen die Fischer und die Konservenfabriken, deren Blütezeit zwischen 1940 und 1960 lag. Seit 1984 ist Matosinhos Stadt. Heute ist es ein dichter, lebhafter Vorort von Porto mit eigenem Charakter: Hafen, Fischlokale und Strand.
Was das Meer bringt
Die Geschichte von Matosinhos beginnt, wenn man der Legende glaubt, mit einem Stück Holz im Wasser. Nikodemus, der Jesus vom Kreuz abnahm, soll eine Christusfigur geschnitzt und in Judäa ins Meer geworfen haben. Die Wellen trugen sie an den Strand von Matosinhos, allerdings ohne einen Arm. Jahre später sammelte eine Frau Treibholz für ihr Feuer, und ein Stück sprang immer wieder aus den Flammen. Ihre stumme Tochter rief, das sei der Arm des Herrn. Er passte. Seit dem sechzehnten Jahrhundert steht das Bild in einer eigenen Kirche, und Matosinhos ist ein Wallfahrtsort.
Das Meer hat aber auch genommen. Am 1. Dezember 1947 sanken vier Fischkutter, 152 Männer ertranken. An der Strandpromenade erinnert die Skulptur „Tragédia do Mar“ daran. Für einen Pilger, der gerade erst losgegangen ist, ist das ein guter Ort, um kurz stehen zu bleiben.
Am Strand und in der Stadt: was du sehen solltest
Das meiste liegt direkt am Weg. Nur die Wallfahrtskirche erfordert einen Abstecher in die Stadt.
- Tragédia do Mar: Die Skulptur von José João Brito wurde 2005 an der Strandpromenade eingeweiht, nach einem Gemälde von Augusto Gomes. Sie erinnert an die 152 Fischer, die 1947 auf See blieben. Am Anfang eines langen Küstenwegs erinnert sie daran, dass dieses Meer, an dem du jetzt tagelang entlanggehst, nicht nur Kulisse ist.
- Igreja do Senhor Bom Jesus de Matosinhos: Die Kirche des angeschwemmten Christus wurde im sechzehnten Jahrhundert gegründet und ab 1743 von Nicolau Nasoni barock erneuert, dem Architekten, der auch Portos Torre dos Clérigos gebaut hat. Drinnen findest du vergoldete Altäre aus dem achtzehnten Jahrhundert und die Figur, um die sich die Legende dreht. Laut einem Reiseportal ist sie werktags ab 9 Uhr offen, sonntags nur bis 12.30 Uhr (Rua Silva Cunha 107).
- Piscina das Marés und Casa de Chá da Boa Nova: Wenn du hinter der Brücke an der Küste von Leça da Palmeira weitergehst, kommst du in die Gegend zweier früher Bauten von Álvaro Siza, dem Pritzker-Preisträger aus Matosinhos: das Meerwasserbad Piscina das Marés, 1966 eröffnet, und das Teehaus Casa de Chá da Boa Nova, entworfen und gebaut zwischen 1958 und 1963. Beide sind seit 2011 Nationaldenkmäler. Das Bad wurde vor kurzem saniert, Siza hat die Arbeiten selbst begleitet. Öffnungszeiten des Bades haben wir nicht gefunden.
Essen und Trinken
Matosinhos ist für seinen Fisch bekannt. Leixões gilt als wichtigster Fischereihafen Portugals, und in der Rua Heróis de França liegen die traditionellen Fischrestaurants der Stadt dicht beieinander. Für einen ersten Abend auf dem Camino ist das eine gute Adresse.
Ehrlich gesagt
- Für eine Etappe ist es kurz. Elf Kilometer sind wenig. Wer schon Kondition hat, geht weiter nach Labruge oder Vila Chã, wo es Pilgerherbergen gibt.
- Keine Pilgerherberge. In Matosinhos gibt es nur Hostels und Pensionen. Für einen Platz im Schlafsaal zahlst du mehr als in einer öffentlichen Herberge.
- Kein Fischerdorf. Matosinhos ist ein dichter Vorort von Porto mit einem großen Industrie- und Fischereihafen. Wer Idylle erwartet, findet sie erst weiter nördlich an der Küste.
- Die Brücke ist 2026 unzuverlässig. Plane ein, dass du auf den Shuttlebus warten musst (siehe Kasten).
Wo Pilger schlafen
In Matosinhos selbst gibt es keine öffentliche Herberge und keine Pilgerherberge. Mehrere private Hostels liegen nah am Weg und in der Stadtmitte, ein Bett im Schlafsaal kostet ab rund 25 € (Stand: Oktober 2026). Im Sommer und September früh buchen, die Hostels nehmen nicht nur Pilger auf.
- A Casa Vermelha – Pilgrims & Bikes Hostel: ein privates Hostel für Pilger und Radfahrer auf der anderen Seite des Flusses in Leça da Palmeira, laut Camino Ninja gut einen Kilometer weiter, mit Schlafsaal ab 15 € (Stand: Oktober 2026).
Ninja-Tipps
- Der perfekte erste Tag: Wenn du in Porto ankommst und nicht gleich 25 Kilometer gehen willst, ist Matosinhos dein Ziel. Elf flache Kilometer am Wasser zum Einlaufen.
- Metro statt Vorstadt: Wer das Stück durch Porto nicht gehen will, fährt mit der Metro bis Mercado. Dort beginnen die Pfeile.
- Bei Sturm hinter die Häuser: Wenn der Wind auf den Holzstegen zu stark wird, geh auf den Straßen hinter der ersten Häuserreihe parallel zur Küste. Das Meer hörst du trotzdem.
- Holz schont die Knie: Pilger loben die Holzstege an der Küste, weil sie weicher sind als Pflaster und Asphalt.
- Senda oder Küstenweg: Die Senda Litoral bleibt am Meer. Der Portugiesische Küstenweg verläuft auf manchen Abschnitten etwas weiter im Landesinneren. In den Orten treffen sich beide wieder, du kannst Tag für Tag wählen.
Praktische Tipps für Pilger
- Anreise: Metro Linie A bis Mercado oder Bus 500 von Porto entlang des Flusses.
- Brücke: Klappt sie gerade nicht, fährt der Gratisbus zwischen Matosinhos und Leça da Palmeira, tagsüber alle 10 bis 15 Minuten (Stand: Oktober 2026).
- Schlechtwetter-Notfall: Bei Sturm kannst du mit der Metro bis Vila do Conde oder Póvoa de Varzim fahren.
Weiter: auf Holzstegen nach Norden
Von Matosinhos folgst du der Senda Litoral über die Brücke nach Leça da Palmeira und dann an der Küste entlang nach Norden. Laut Camino Ninja sind es knapp 12 Kilometer bis Praia de Angeiras, gut 13 bis Labruge und knapp 16 bis Vila Chã. Bis Vila do Conde sind es knapp 23 Kilometer. Der Portugiesische Küstenweg führt in Camino Ninja nicht durch Matosinhos, sondern von Porto über Maia und erreicht die Küste erst bei Praia de Angeiras.
Morgen erwartet dich
Ein ganzer Tag am Atlantik, flach und zu einem guten Teil auf Holzstegen. Am Ende überquerst du den Ave und stehst in Vila do Conde, einer Stadt, in der Schiffe für die Entdeckungsfahrten gebaut wurden und in der 1502 ein König als Pilger nach Santiago Station machte. Wer es kürzer mag, bleibt in Labruge oder Vila Chã.
Tiefer eintauchen: Was das Meer an Land trägt
Ein langer Text, falls du noch mehr über Matosinhos erfahren willst. Etwa fünfzehn Minuten Lesezeit.
Wo dein Weg das Meer findet
Wenn du von Porto kommst, bist du den ganzen Morgen am Wasser gegangen, erst am Douro, dann an seiner Mündung, dann an der Küste nach Norden. In Matosinhos wird daraus etwas anderes. Hier liegt der Strand breit und offen, hinter dir stehen die hohen Häuser einer Stadt, die mit Porto längst zusammengewachsen ist, und vor dir beginnt der Weg, der dich tagelang am Atlantik entlangführen wird. Matosinhos ist kein Dorf, kein Idyll und kein klassischer Pilgerort mit Herberge und Pilgermesse. Es ist eine Hafenstadt mit einem großen Industrie- und Fischereihafen und vielen Fischlokalen.
Und doch ist es ein Ort, an dem man stehen bleiben sollte. Denn kaum eine Stadt an der portugiesischen Küste erzählt so deutlich davon, was das Meer den Menschen gibt und was es ihnen nimmt. Es hat Matosinhos der Überlieferung nach seinen Christus gebracht, um den herum über Jahrhunderte eine Wallfahrt gewachsen ist. Es hat der Stadt Fisch, Arbeit und Konservenfabriken gebracht. Und es hat ihr in einer einzigen Nacht im Dezember 1947 mehr als hundertfünfzig Männer genommen. Landeinwärts steht außerdem ein Kloster, in dem Ritter Pilger auf dem Weg nach Santiago aufnahmen und in dem ein König heimlich heiratete. Dieser Text erzählt diese Geschichten, so weit sie sich belegen lassen.
Bouças, die Stadt vor der Stadt
Lange hieß dieser Ort gar nicht Matosinhos. Der alte Name lautete Bouças, nach einem Kloster, das hier schon im zehnten Jahrhundert bestand. 1833 entstand eine Gemeinde Bouças. 1853 verlegte sie ihren Sitz in den Ort Matosinhos, und 1909 übernahm sie auch dessen Namen. Seit 1984 ist Matosinhos eine Stadt, und die Gemeinde zählte bei der Volkszählung von 2021 gut hundertzweiundsiebzigtausend Einwohner.
Der alte Name lebt in der Legende weiter, um die es gleich geht. Denn bevor das berühmte Christusbild Senhor de Matosinhos hieß, nannte man es den Herrn von Bouças.
Das Holz, das aus dem Feuer sprang
Die Geschichte, die man sich in Matosinhos erzählt, beginnt weit weg, in Jerusalem. Nikodemus, der in den Evangelien als heimlicher Anhänger Jesu auftritt und nach der Kreuzigung half, ihn zu begraben, soll danach eine Figur des Gekreuzigten aus Holz geschnitzt haben. Weil er Jesus in seinen letzten Stunden gesehen hatte, galt ihr Gesicht als treues Abbild. In ihrem hohlen Inneren soll Nikodemus die Werkzeuge der Passion verborgen haben. In Zeiten der Verfolgung, so erklärt es die Legende, warf man heilige Dinge lieber ins Meer, als sie verbrennen zu lassen. Also übergab Nikodemus die Figur vor der Küste Judäas dem Mittelmeer.
Die Wellen trugen sie, so heißt es, um halb Europa herum bis an den Strand von Matosinhos. Unterwegs hatte sie einen Arm verloren. Die Menschen von Bouças bauten ihr ein Gotteshaus, nannten sie Nosso Senhor de Bouças und verehrten sie fünfzig Jahre lang wegen ihrer vielen Wunder, ohne Arm.
Dann sammelte eine Frau am Strand Treibholz. Sie legte ein Stück zu den anderen, trug es nach Hause und warf es ins Feuer. Das Holz sprang heraus. Sie warf es wieder hinein, und es sprang wieder heraus. Ihre Tochter, die stumm war, gestikulierte aufgeregt, und dann sprach sie zum ersten Mal: Das sei der Arm des Herrn von Bouças. Man brachte das Holz zur Figur, und der Arm passte so genau, als sei er nie abgetrennt gewesen.
Eine Überlieferung nennt sogar ein Jahr für die Ankunft am Strand, das Jahr 124. Das gehört zur Legende, nicht zur Geschichte. Belegt ist, dass die Figur im sechzehnten Jahrhundert in eine eigens für sie gebaute Kirche in Matosinhos gebracht wurde. Von da an hieß sie Senhor de Matosinhos, der Herr von Matosinhos. Am Strand erinnert ein steinernes Denkmal von 1758 an ihn, der Padrão do Bom Jesus.
Wie alt ist der Christus wirklich?
Die Legende macht die Figur zu einem der ältesten Bilder der Christenheit, geschaffen von einem Augenzeugen. Historiker sehen das naturgemäß anders, aber sie nehmen die Figur trotzdem sehr ernst. Der Historiker Joel Cleto hat die Christusbilder untersucht, die man Nikodemus zuschreibt. Solche Bilder gibt es an vielen Küsten des Mittelmeers und des Atlantiks, und von mehreren erzählt man, sie seien von Seeleuten oder Reisenden im Meer gefunden worden. Cleto bringt ihre Verbreitung mit dem Wachsen der Küstensiedlungen auf der Iberischen Halbinsel ab dem zwölften Jahrhundert und mit dem Seehandel in Verbindung. Dass Nikodemus als Holzschnitzer von Christusbildern galt, ist nach seiner Darstellung im Westen eine alte Vorstellung, älter als die spätere Verbindung mit den Legenden vom Heiligen Gral.
Über den Herrn von Matosinhos selbst schreibt Cleto einen bemerkenswerten Satz: Er sei wahrscheinlich die älteste lebensgroße Skulptur eines gekreuzigten Christus, die es in Portugal gibt. Das ist keine Wundergeschichte, aber auf seine Weise erstaunlich genug.
So stehen hier zwei Wahrheiten nebeneinander. Die eine sagt, das Bild kam aus Jerusalem übers Meer. Die andere sagt, es ist ein sehr altes Werk, entstanden in einer Zeit, in der an den Küsten Europas viele solcher Bilder verehrt wurden und man sich erzählte, das Meer habe sie gebracht. Du musst dich nicht entscheiden. Aber du verstehst, warum diese Geschichte gerade in einer Stadt so lebendig ist, deren Menschen jeden Tag auf das Meer schauen und von ihm leben.
Die Kirche des Herrn von Matosinhos
Die Kirche, in der die Figur heute steht, liegt nicht am Strand, sondern in der Stadt. Sie heißt Igreja do Senhor Bom Jesus de Matosinhos, und sie wurde im sechzehnten Jahrhundert gegründet. Was du heute siehst, ist vor allem das Werk des achtzehnten Jahrhunderts. Ab 1743 erneuerte sie der Italiener Nicolau Nasoni von Grund auf, derselbe Architekt, der in Porto die Torre dos Clérigos gebaut hat.
Von außen siehst du eine große barocke Fassade mit Pilastern und einem kräftig geschwungenen Gebälk. Sie hat drei Portale, das mittlere ist das größte, und in zwei Nischen daneben stehen die Apostel Petrus und Paulus. Der Mittelteil ist erhöht und endet in einem gesprengten Giebel mit einem lateinischen Kreuz. Flammenförmige Aufsätze, Voluten und Fialen geben den beiden Glockentürmen ihre bewegte Silhouette.
Innen ist die Kirche älter, als die Fassade vermuten lässt. Drei Schiffe werden von fünf Rundbögen des sechzehnten Jahrhunderts auf ionischen Säulen getrennt, darüber liegt eine hölzerne Kassettendecke aus dem siebzehnten Jahrhundert. Der erste Hochaltar entstand von 1576 bis 1579 aus Kalkstein von Ançã, geschaffen von João de Ruão und Tomé Velho. Von ihm ist nur eine bemalte Figur des heiligen Petrus geblieben. 1650 folgte ein Altar aus vergoldetem Holz von Ambrósio Pereira, und auch er musste im achtzehnten Jahrhundert dem heutigen weichen.
Dieser heutige Hochaltar ist ein Entwurf von Luís Pereira da Costa aus Porto. Er überzieht Gewölbe, Triumphbogen und Seitenwände der Apsis und steht stilistisch im Übergang vom sogenannten nationalen Stil zum Stil der Zeit König Johanns des Fünften. Die vergoldeten Altäre der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts schnitzte Domingos Martins Moreira, vergoldet hat sie José da Mota Manso, der auch die Kanzeln schuf. Die Altäre im Querschiff, für die Sakramentskapelle und für den Senhor dos Passos, entstanden zwischen 1746 und 1750. In einer Wandnische liegt das Grab eines Bischofs, Frei João de São José e Queirós, der Bischof von Grão-Pará in Brasilien war.
Im Mittelpunkt aber steht die Figur, um die sich alles dreht: der Christus, den das Meer gebracht haben soll. Die Kirche ist bis heute ein Wallfahrtsort, und hier werden die bekannten Feste des Senhor de Matosinhos gefeiert.
Wenn du sie offen findest, setz dich einen Moment hinein. Von der Küste aus ist es ein Abstecher in die Stadt, aber es ist der Ort, an dem Matosinhos seine älteste Geschichte aufbewahrt.
Leça do Balio: Ritter, die Pilger schützten
Landeinwärts, am Fluss Leça und nicht an deinem Küstenweg, sondern am Zentralweg, der von Porto über Maia nach Norden führt, steht das wichtigste mittelalterliche Bauwerk der Gemeinde: das Kloster von Leça do Balio. Christliches Leben gab es dort schon im zehnten Jahrhundert. Man erzählt, das Kloster stehe auf den Resten eines Tempels für Jupiter. Das ist eine Überlieferung, kein Befund.
Seine große Zeit begann im zwölften Jahrhundert. Gräfin Teresa, die Mutter des ersten portugiesischen Königs, soll es den Johannitern übergeben haben, dem Ritterorden vom Hospital des heiligen Johannes zu Jerusalem, den man später den Malteserorden nannte. Ob der Orden schon 1112 hier war, wie eine spätere Abschrift behauptet, halten Historiker für wenig wahrscheinlich. Sicher ist ein Dokument von 1140: Afonso Henriques, der erste König Portugals, bestätigte dem Orden darin seine Besitzungen in Leça und befreite ihn von Abgaben. Leça wurde zum ersten Sitz der Johanniter in Portugal. Hier residierte der Balio, der Verwalter des Ordens, und nach ihm heißt der Ort bis heute.
Die Johanniter waren Ritter, aber ihr Ursprung war die Fürsorge, für Arme, Kranke und Pilger. Das Kloster lag am portugiesischen Weg nach Santiago, und eine Studie über den Orden in Portugal beschreibt, wie Leça sich, nachdem der Sitz des Ordens im vierzehnten Jahrhundert nach Crato im Süden verlegt worden war, noch stärker der Hilfe für Pilger widmete. Eine Überlieferung erzählt, dass Adlige aus dem Süden, die auf dem Weg nach Santiago hier starben, von den Rittern im Kloster begraben wurden.
Die Kirche, die du heute siehst, ist gotisch und stammt im Wesentlichen aus dem vierzehnten Jahrhundert. Die Klosteranlage wurde zwischen 1306 und 1336 erneuert, und mit diesen Arbeiten verbindet man den Prior Frei Estêvão Vasques Pimentel. Die Kirche ist eine Wehrkirche, ihre Architektur hat etwas Militärisches. Die Befestigung sollte die Mönche schützen, und die Pilger, die auf dem Weg nach Compostela hier Halt machten. 1834 verließen die Orden das Kloster, die Kirche Santa Maria de Leça do Balio ist aber bis heute Pfarrkirche. 1910 gehörte das Kloster zu den ersten Bauwerken, die Portugal zum Nationaldenkmal erklärte.
Eine Hochzeit, über die ein Land sprach
Am 15. Mai 1372 heiratete in Leça do Balio König Ferdinand der Erste von Portugal Leonor Teles. Es war eine Hochzeit, die nicht hätte stattfinden sollen. Ferdinand war einer Infantin von Aragón versprochen, und Leonor war bereits verheiratet gewesen. Ihre erste Ehe wurde für ungültig erklärt, und der König heiratete sie im Kloster der Johanniter, wie es heißt, im Geheimen. Ein Reiseportal nennt sie die erste Liebesheirat der portugiesischen Monarchie, ein anderes eine umstrittene und romantische Hochzeit.
Eine Skulptur der Bildhauerin Irene Vilar erinnert in Leça an diese Hochzeit. Und jedes Jahr im September spielt Matosinhos sie nach. Seit 2006 veranstaltet die Stadt rund um das Kloster ein mittelalterliches Fest mit dem Namen Os Hospitalários no Caminho de Santiago, die Johanniter auf dem Jakobsweg. Es gibt Ritterspiele, Märkte und Tavernen, und es gibt ein Spital für Pilger, in dem ankommenden Pilgern in einer Zeremonie die Füße gewaschen werden. Am letzten Tag wird die Hochzeit des Königs mit Leonor Teles nachgespielt. Das ist Theater, aber es zeigt, wie sehr sich Matosinhos heute als Station am Jakobsweg versteht.
Ein Kloster, das wieder offen steht
Lange war das Kloster vor allem ein Denkmal. 2016 kaufte es die Unternehmensgruppe Lionesa der Familie Pinto. Sie beauftragte Álvaro Siza, den berühmtesten Architekten der Stadt, das Kloster in ein Kulturzentrum zu verwandeln. Siza ließ minderwertige spätere Einbauten abreißen, bewahrte den Granit, restaurierte Türen, Fenster und Böden, wo es ging, und baute sie nach, wo es nötig war. Aus einem alten Silo wurde ein runder Brunnen, in den Besucher ihre Füße tauchen können. Daneben entstand 2024 nach seinem Entwurf die Open Sculpture, ein weißer Bau mit Elementen, die an eine Kathedrale erinnern.
Heute hat dort die Stiftung der Livraria Lello ihren Sitz, der berühmten Buchhandlung aus Porto. Der Architekt António Choupina, der mit Siza an dem Projekt arbeitete, sagte, das Ziel sei gewesen, die Erfahrung für alle zu öffnen. Wenn du Zeit hast und den Bus nimmst, ist das ein besonderer Abstecher: ein Ort, an dem Ritter Pilger aufnahmen, neu gedeutet von einem Architekten, der ein paar Kilometer entfernt geboren wurde.
Hafen, Sardinen, Konserven
Das Matosinhos, durch das du heute gehst, ist ein Kind des späten neunzehnten Jahrhunderts. Damals baute man den Hafen von Leixões, weil Porto am offenen Meer einen geschützten Hafen brauchte. Mit dem Hafen kamen die Fischer, und mit den Fischern kamen die Konservenfabriken. Ihre Blütezeit lag zwischen 1940 und 1960, damals gab es vierundfünfzig davon in der Stadt, und ihre Konserven gingen in den Export. Ab 1970 begann der Niedergang, und bis 1989 schloss eine Fabrik nach der anderen. Heute arbeiten noch drei: Portugal Norte, Pinhais und Ramirez.
Geblieben ist der Fisch. Leixões gilt als wichtigster Fischereihafen Portugals, und in der Rua Heróis de França liegen die traditionellen Fischrestaurants dicht beieinander. Über dem Kreisverkehr an der Küste schwebt seit 2005 eine riesige Netzskulptur der Amerikanerin Janet Echelman. Sie heißt eigentlich She Changes, die Leute hier nennen sie die Anemone. Wer will, sieht darin ein Fischernetz, das sich im Wind bewegt.
Die Nacht des ersten Dezember 1947
Der erste Dezember 1947 begann bedeckt und düster, aber es regnete nicht, und es wehte kaum Wind. Am Morgen lief ein Kutter voller Sardinen in Leixões ein, und die Bootsführer schickten ihre Mannschaften wieder hinaus. Am Nachmittag liefen die Boote aus und fuhren nach Süden, Richtung der Fanggründe vor Figueira da Foz.
Wenige Stunden später schlug das Wetter um. Der Wind drehte auf Nordwest, wurde kälter und kam in Böen wie von einem Wirbelsturm. Die Nacht war dunkel, ohne Mond, und die Wellen wurden so hoch wie Berge. Die meisten Boote kehrten um. Vier gerieten zwischen Aguda und Senhor da Pedra bei Vila Nova de Gaia in Not, ganz nah an der Küste, und sanken. Männer wurden über Bord gespült. Die Familien standen auf der südlichen Mole von Leixões und am Strand von Matosinhos und warteten.
Hundertzweiundfünfzig Fischer kamen nicht zurück. So geben es die Quellen in Matosinhos an, auch wenn eine amerikanische Zeitschrift zwei Wochen danach von hundertfünfundsechzig Toten berichtete. Sie hinterließen einundsiebzig Witwen und hundertzweiundfünfzig Waisen. Die Trauer reichte bis nach Póvoa de Varzim und Vila do Conde, durch die du in den nächsten Tagen kommst, und im Süden bis nach Espinho und Murtosa. Dieselbe Zeitschrift erzählte von einer Familie, die vier Männer verloren hatte, mit einundzwanzig Kindern. Und von einem Jungen, der mit fünf Geschwistern Waise geworden war. Als eine Fürsorgerin ihn fragte, was er werden wolle, sagte er: „Fischer, wie mein Vater, natürlich.“
Nach einem bekannten Gemälde des Malers Augusto Gomes schuf der Bildhauer José João Brito die Skulptur Tragédia do Mar, Tragödie des Meeres, die seit 2005 an der Promenade steht. Du kommst auf deinem Weg direkt an ihr vorbei. Bleib einen Moment bei ihr stehen.
Ein Architekt von hier
Álvaro Siza wurde 1933 in Matosinhos geboren. 1992 erhielt er den Pritzker-Preis, die wichtigste Auszeichnung der Architektur. Zwei seiner frühen Werke stehen gleich jenseits der Brücke an der Küste von Leça da Palmeira, nah an deinem Weg.
Das erste ist die Casa de Chá da Boa Nova, ein Teehaus an der Küste, entworfen und gebaut zwischen 1958 und 1963, nicht weit vom Leuchtturm von Boa Nova aus dem Jahr 1927. Das zweite ist die Piscina das Marés, ein Schwimmbad, das mit Meerwasser gefüllt wird. Es wurde 1966 eröffnet. Beide Bauten sind seit 2011 Nationaldenkmäler, und das Bad wurde vor kurzem für rund 1,3 Millionen Euro saniert, Siza hat die Arbeiten selbst begleitet.
Für einen Pilger ist das eine schöne Fügung. Siza baute am Anfang seiner Laufbahn an genau dieser Küste, und im hohen Alter hat er in Leça do Balio ein Kloster neu geöffnet, in dem einst Pilger aufgenommen wurden. Wenn du die ersten Kilometer hinter der Brücke langsam gehst, siehst du, wie ein Mensch an seinem Herkunftsort mit dem Meer gearbeitet hat, statt gegen es.
Was Matosinhos dir mitgibt
Matosinhos ist der Ort, an dem dein Weg zum Küstenweg wird. Ab hier hast du das Meer zur Linken, Tag für Tag, bis nach Galicien. Es wird dir Wind bringen und Weite.
Diese Stadt erzählt dir zum Abschied zwei Geschichten über dieses Meer. In der einen bringt es etwas: ein Stück Holz, das ein Mädchen zum Sprechen bringt und eine ganze Stadt zu einer Wallfahrt. In der anderen nimmt es: hundertzweiundfünfzig Männer in einer Nacht. Beide Geschichten gehören zusammen, und die Menschen hier haben mit beiden gelebt.
Du musst nichts davon glauben, um etwas davon mitzunehmen. Vielleicht nur dies: Das Meer, an dem du jetzt entlanggehst, ist keine Kulisse. Geh am Abend noch einmal an den Strand, schau nach Westen, wo die Sonne untergeht, und lass Porto hinter dir. Morgen beginnt der Weg nach Norden.
Übernachten in Matosinhos
Die von Pilgern am besten bewerteten Unterkünfte in Matosinhos stehen vorn.
- Top #1
GeöffnetReservierung möglichFishtail Sea House
- Top #2
GeöffnetReservierung möglichOportocean Hostel
- Top #3
GeöffnetReservierung möglichCASA RIETSCH
Angebote in Matosinhos
Was du vor der nächsten Etappe im Ort findest.
- Geldautomat
- Café
- Geschäft
- Tabak
- Arztpraxis
- Apotheke
- Brunnen
- Post
- Bahnhof
- Restaurant
Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert April 2026





