Orte

Etappenort am Jakobsweg

Vila do Conde

Distrito do Porto, Região do Norte, Portugal

Unterkünfte
20
Caminos
4
Höhe
9 m

Vila do Conde ist die Stadt der Schiffbauer und eines Königs, der als Pilger kam: 1502 machte Manuel I. hier auf dem Weg nach Santiago Station, und sein Besuch gab den Anstoß zur Hauptkirche. Am Ave liegen ein Nachbau eines Entdeckerschiffs und ein Kloster mit 999 Bögen Aquädukt. Die öffentliche Herberge ist geschlossen.

Aktuell in Vila do Conde (Stand: Oktober 2026)

  • Öffentliche Herberge geschlossen: Die städtische Herberge Santa Clara nimmt keine Pilger auf. Im August 2026 hieß es noch „vorübergehend wegen Wartung geschlossen“, inzwischen wird sie als endgültig geschlossen geführt. Plane eine private Unterkunft ein.

Wie lange bleiben?

Ein Nachmittag reicht. Die Altstadt am Ave ist klein: Hauptkirche, Zollhaus mit Schiffsmuseum, der Nachbau des Entdeckerschiffs und der Blick hinauf zum Kloster Santa Clara liegen nah beieinander. Wer aus Porto kommt, hat ohnehin einen langen Tag hinter sich. Beachte, dass die Museen montags geschlossen sind.

Vila do Conde in Ninja-Zahlen

  • 34 Kilometer sind es laut Camino Ninja auf der Senda Litoral von Porto bis hierher, auf dem Portugiesischen Küstenweg gut 28. Kein Wunder, dass viele unterwegs übernachten.
  • 250 Kilometer bis Santiago hast du laut Camino Ninja auf der Senda Litoral noch vor dir, auf dem Küstenweg rund 228.
  • 1502 kam König Manuel I. als Pilger nach Santiago durch die Stadt. 1518 stand die Kirche, zu der sein Besuch den Anstoß gab.
  • 999 Bögen hatte das Aquädukt, das ab 1714 Wasser ins Kloster Santa Clara brachte.

Ankommen: über den Ave in die Stadt der Werften

Du kommst von Süden an der Küste entlang durch Azurara, den Ort auf dem Südufer des Ave. Über die Brücke gehst du in die Stadt. Am rechten Ufer steht auf einem Hügel das Kloster Santa Clara, und am Fluss liegt das Schiff, die Nau Quinhentista.

Mit der Metro, Linie B, bist du von hier aus direkt mit Porto verbunden.

Kurz erzählt: Grafen, Nonnen, Seefahrer

Ein erstes Dokument nennt den Ort im Jahr 953. Der Name bedeutet „Stadt des Grafen“, wer der Graf war, weiß man nicht genau. 1318 legte Afonso Sanches, ein Sohn König Dinis', mit seiner Frau Teresa Martins den Grundstein für das Klarissenkloster über dem Fluss. Im sechzehnten Jahrhundert blühte die Stadt durch den Schiffbau für die Entdeckungsfahrten. 1516 erhielt sie von Manuel I. ein Stadtrecht, auch als Dank für ihren Anteil an den Fahrten nach Indien.

Ein König auf dem Jakobsweg

1502 pilgerte König Manuel I. von Portugal nach Santiago de Compostela, und sein Weg führte durch Vila do Conde. Sein Besuch gab den Anstoß für eine neue Hauptkirche, die Igreja Matriz São João Baptista. Gebaut wurde sie in den folgenden Jahren, 1518 war sie errichtet, der Glockenturm folgte 1573. Wenn du heute vor ihrem Portal stehst, stehst du an einem Ort, den ein König auf demselben Weg nach Santiago gesehen hat.

Auch das Kloster über dem Fluss hat nach der Überlieferung mit dem Camino zu tun. Laut einem spanischen Pilgerführer gründeten Afonso Sanches und Teresa Martins es nach einer Pilgerreise nach Compostela.

Am Fluss und in der Altstadt: was du sehen solltest

Die wichtigsten Orte liegen am Ave und in der Altstadt.

  • Igreja Matriz São João Baptista: Die Hauptkirche geht auf den Besuch des Pilgerkönigs Manuel I. 1502 zurück und wurde 1518 errichtet, mit einem Portal im spätgotisch-manuelinischen Stil und einem Turm von 1573. Für Pilger ist sie die Kirche, in der Vila do Conde und Santiago sich am deutlichsten berühren. Eintritt frei, montags laut Reiseführer geschlossen.
  • Alfândega Régia und Nau Quinhentista: Das königliche Zollhaus geht auf eine Urkunde König Joãos II. vom 27. Februar 1487 zurück. Seit 2001 ist es ein Museum für Schiffbau. Am Ufer davor liegt seit 2007 die Nau Quinhentista, der Nachbau eines Schiffes aus dem sechzehnten Jahrhundert. Hier verstehst du, warum Leute aus dieser Stadt mit Vasco da Gama segelten. Eintritt 2 €, montags geschlossen (laut Reiseführer).
  • Kloster Santa Clara und das Aquädukt: Das Kloster steht seit 1318 über dem Fluss. Ab 1626 baute man ein Aquädukt mit 999 Bögen, das Wasser von einer Quelle in Terroso bei Póvoa de Varzim ins Kloster brachte, im Oktober 1714 floss es zum ersten Mal im Kreuzgang. Teile der Bögen stehen noch. Das Kloster ist heute ein Hotel. Ob du die gotische Kirche besichtigen kannst, haben wir nicht herausgefunden.
  • Museu das Rendas de Bilros: Das Museum der Klöppelspitze gehört zu einer Spitzenschule, die 1919 gegründet wurde. Eintritt 2 €, montags geschlossen (laut Reiseführer).

Essen und Trinken

Eine Spezialität, die nur Vila do Conde hat, haben wir in verlässlichen Quellen nicht gefunden. Rund um die Altstadt gibt es Supermärkte, Bäcker, Cafés und Restaurants. Wenn du am nächsten Tag weitergehst, kauf hier ein.

Ehrlich gesagt

  • Die öffentliche Herberge ist zu. Seit 2026 gibt es keine günstige städtische Herberge mehr. Du zahlst im Schlafsaal etwa das Doppelte.
  • Der Tag aus Porto ist lang. Auf der Senda Litoral sind es 34 Kilometer. Wer in Porto startet, übernachtet besser schon in Matosinhos, Labruge oder Vila Chã.
  • Pfeile ins Landesinnere. In Vila do Conde führen auch Pfeile zum Camino Portugués Central. Wer an der Küste bleiben will, muss aufpassen.
  • Der Aquädukt-Weg ist kaum markiert. Die Verbindung nach São Pedro de Rates ist schön, aber Pilger berichten, dass sie ohne Karte auf dem Handy nicht auskamen.

Wo Pilger schlafen

Die öffentliche Herberge Santa Clara ist geschlossen (siehe Kasten). Eine Pfarr- oder Donativo-Herberge gibt es nicht.

  • Casa da Laura (Caminho da Costa): eine private Pilgerherberge in der Stadtmitte am Weg, Schlafsaal 20 € (Stand: Oktober 2026), ganzjährig offen. In den Bewertungen der Camino-Ninja-Pilger kommt immer wieder der hilfsbereite Gastgeber vor, außerdem gibt es eine Waschmaschine.

Daneben gibt es die Jugendherberge, die Pousada de Juventude, mit Schlafsälen und Frühstück, das Pilger in ihren Bewertungen loben. Sie liegt laut Gronze rund 500 Meter vom Weg. Mehrere private Hostels mit Schlafsälen liegen in der Stadt und am Ausgang Richtung Póvoa de Varzim.

Ninja-Tipps

  • Ohne Rucksack ankommen: Manche gehen die Etappe von Matosinhos nach Vila do Conde mit leichtem Gepäck, fahren mit der Metro zurück nach Porto und kommen am nächsten Morgen mit dem Rucksack wieder.
  • Achte auf die Abzweigung: In Vila do Conde zeigen Pfeile ins Landesinnere nach São Pedro de Rates. Das ist der Weg zum Camino Portugués Central. Für die Küste geh weiter Richtung Póvoa de Varzim.
  • Für den Aquädukt-Weg die Karte laden: Wenn du nach Rates wechseln willst, lade dir vorher den Track herunter. Die Markierung ist dünn.
  • Montag meiden: Die Museen sind montags geschlossen. Kommst du an einem Montag an, bleibt dir nur der Blick von außen.
  • Bei Sturm die Metro: Ist es an der Küste zu stürmisch, fahren einige mit der Metro bis Vila do Conde oder Póvoa de Varzim und gehen erst von dort weiter.

Praktische Tipps für Pilger

  • Einkaufen: In der Stadtmitte gibt es Supermärkte, Apotheken, Geldautomaten, Bäcker und eine Post.
  • An- und Abreise: Die Metro, Linie B, verbindet Vila do Conde mit Porto und dem Flughafen.

Weiter: Póvoa de Varzim und der Weg nach Norden

Auf der Senda Litoral und dem Portugiesischen Küstenweg gehst du von Vila do Conde fast nahtlos weiter nach Póvoa de Varzim, das laut Camino Ninja knapp 6 Kilometer entfernt liegt (auf dem Küstenweg 3,5). Bis Esposende sind es laut Camino Ninja gut 26 Kilometer auf der Senda Litoral, auf dem Küstenweg knapp 24. Unterwegs liegen Apúlia und Fão.

Wer zum Camino Portugués Central wechseln will, nimmt den Aqueduct Trail am Aquädukt entlang nach São Pedro de Rates, laut Camino Ninja gut 12 Kilometer.

Morgen erwartet dich

Zuerst Póvoa de Varzim, so nah, dass die beiden Städte zusammengewachsen sind. Dort steht ein Fischerviertel aus dem achtzehnten Jahrhundert, und die Fischerfamilien markierten ihren Besitz und unterschrieben mit eigenen Zeichen, den Siglas Poveiras, einer frühen Form der Schrift. Manche Familien nutzen sie bis heute. Dann geht es an der Küste weiter, bis du in Esposende den Cávado erreichst.

Tiefer eintauchen: Der König, die Nonnen und das Schiff

Ein langer Text, falls du noch mehr über Vila do Conde erfahren willst. Etwa fünfzehn Minuten Lesezeit.

Am Ave, wo sich die Wege teilen

Du kommst von Süden über die Brücke, Azurara im Rücken, und vor dir liegt eine Stadt, die zwei Gesichter hat. Oben auf dem Hügel am rechten Ufer steht ein großes Kloster. Unten am Fluss liegt ein Schiff, ein Nachbau aus der Zeit der Entdeckungsfahrten. Zwischen beiden, in der Altstadt, steht die Hauptkirche, an der dein Weg direkt vorbeiführt.

Diese drei Orte erzählen fast die ganze Geschichte von Vila do Conde. Das Kloster erzählt von einem Königssohn und seiner Frau, die hier vor über siebenhundert Jahren ein Haus für Nonnen gründeten. Das Schiff erzählt von den Werften, aus denen Karavellen für die Fahrten über die Ozeane ausliefen. Und die Kirche erzählt von einem König, der als Pilger nach Santiago hier Station machte und seine Spuren hinterließ.

Vila do Conde ist auch ein Ort, an dem sich Wege trennen. Hier zeigen Pfeile ins Landesinnere, zum Zentralweg nach São Pedro de Rates, am alten Aquädukt entlang. Und hier beginnt an der Hauptkirche die Variante, die am Wasser entlang nach Póvoa de Varzim führt. Wer hier steht, muss sich entscheiden.

Hunderttausend Jahre und ein Graf

Menschen leben in dieser Gegend schon sehr lange. In Modivas, Malta und Labruge, Orten der heutigen Gemeinde, fand man Steinwerkzeuge aus der Altsteinzeit, die zwischen hunderttausend und fünfzehntausend Jahre alt sind. Aus der Eisenzeit stammen mehrere Wallburgen, die man hier Castros nennt. Die größte, die Cividade de Bagunte, bedeckte rund fünfzig Hektar, schon im achtzehnten Jahrhundert hat sie ein Gelehrter namens Jerónimo Contador de Argote beschrieben. Auch auf dem Hügel, auf dem heute das Kloster steht, lag eine solche Wallburg, das Castro de São João.

Schriftlich taucht der Ort zum ersten Mal im Jahr 953 auf. Damals verkaufte die Gräfin Mumadona Dias Land an das Kloster von Guimarães, und in der Urkunde ist von einer Villa de Comite die Rede, dem Gut des Grafen. Daraus wurde Vila do Conde, die Stadt des Grafen. Welcher Graf gemeint war, weiß niemand sicher. Die meisten Autoren denken an Grafen aus Galicien und Asturien, die im neunten Jahrhundert während der Rückeroberung in diese Gegend kamen.

Im Mittelalter gehörte die Herrschaft über den Ort einer Frau namens Maria Pais da Ribeira. Über Erbschaften ging sie an eine Nachfahrin in der fünften Generation, Teresa Martins. Und mit ihr beginnt die Geschichte des Klosters.

Ein Königssohn und seine Frau

Afonso Sanches wurde am 24. Mai 1289 geboren. Er war ein Sohn König Dinis' von Portugal, aber nicht mit der Königin, sondern mit Aldonça Rodrigues Talha. Er war der Lieblingssohn seines Vaters, und genau das wurde zum Problem, denn sein Halbbruder, der spätere König Afonso der Vierte, war der Thronfolger. Afonso Sanches heiratete Teresa Martins, eine Enkelin König Sanchos des Vierten von Kastilien über ihre Mutter. Durch sie kam er zur Herrschaft über Vila do Conde.

1318 gründeten die beiden über dem Ave ein Kloster für Klarissen, den weiblichen Zweig der Franziskaner. Die Schritte lassen sich genau verfolgen. Am 15. März 1318 erlaubte Papst Johannes der Zweiundzwanzigste die Gründung. Am 7. Mai 1318 stellten Afonso Sanches und Teresa Martins die Stiftungsurkunde aus. Das Original ist verloren, erhalten ist eine Abschrift von 1437. König Dinis bestätigte die Urkunde und verzichtete auf seine königlichen Rechte am Kloster. 1319 übergaben die Stifter das Kloster den Klarissen.

Die Stifter statteten das Kloster großzügig aus, mit Dörfern und Weilern im heutigen Póvoa de Varzim und mit Höfen in Beiriz, Terroso und anderen Orten der Gegend. Dafür sollten vier Kapläne jeden Tag vier Messen lesen, für die Stifter und für König Dinis. Afonso Sanches hat sein Kloster nicht lange erlebt. Er starb in Kastilien, in Escalona, um das Jahr 1329. Sein Leichnam wurde später nach Vila do Conde gebracht.

Gingen die Stifter nach Santiago?

Für dich als Pilger ist eine Frage besonders reizvoll: Hat dieses Kloster mit dem Jakobsweg zu tun? Ein spanischer Pilgerführer erzählt, Afonso Sanches und Teresa Martins hätten es nach einer Pilgerreise nach Compostela gegründet. Das wäre eine schöne Geschichte. Nur: In den anderen Quellen, die wir gelesen haben, findet sie sich nicht.

Die Chronisten früherer Jahrhunderte erzählen eine andere Geschichte. Die beiden hätten im Traum eine Leiter gesehen, die bis in den Himmel reichte, und das als Zeichen verstanden, ein geistliches Haus zu gründen. Auch das ist eine Legende.

Die Historikerin Marisa Costa, die die Stiftungsurkunde untersucht hat, sieht noch etwas anderes. Für sie ist die Gründung auch ein Ausdruck adliger Macht, in einer Zeit, in der Afonso Sanches mit dem Thronfolger im Streit lag. Und die Webseite der Stadt verweist auf eine Spannung im Königshaus: Königin Isabel, die Frau des Königs Dinis, hatte vier Jahre zuvor, 1314, in Coimbra ein Klarissenkloster neu gegründet. Die Gründung in Vila do Conde fiel in eine Zeit, in der König und Königin nicht einig waren. Die Stadt selbst nennt das nur die wahrscheinlichste Erklärung.

Was bleibt also? Ein Kloster, über dessen Anfänge man drei Geschichten erzählt: eine Pilgerreise, einen Traum und die Politik eines Königshofs. Vielleicht stimmt von jeder etwas. Belegt ist die Pilgerreise der Stifter nicht, und wir erzählen sie deshalb nur als Überlieferung.

Die Kirche der Klarissen und die Gräber der Stifter

Die gotische Kirche des Klosters ist das einzige, was vom mittelalterlichen Bau geblieben ist. Sie gilt als ein wichtiges Werk der Gotik nördlich des Douro, schon freier von der romanischen Tradition. Ihre Westfassade hat eine Fensterrose zwischen zwei Strebepfeilern, aber keine Tür in der Mitte. Wie bei Klarissenkirchen üblich, betritt man sie durch ein Spitzbogenportal an der Nordseite. Innen hat sie ein einziges Schiff in Form eines lateinischen Kreuzes. Darüber liegt eine hölzerne Kassettendecke aus dem siebzehnten Jahrhundert, die zu den besten erhaltenen in Portugal gezählt wird.

Die Stifter wollten ursprünglich nicht in der Kirche begraben werden. In der Urkunde von 1318 legten sie fest, dass man sie in einer Vorhalle draußen beisetzen solle, in einer Galilea, wie es dort heißt, „que hi mandamos fazer“, die wir hier bauen ließen. Begräbnisse in der Kirche sollten heiligen Menschen vorbehalten bleiben. Zweihundert Jahre später sah man das anders. 1526 ließ eine Äbtissin die Kapelle der Stifter bauen, links vom Eingang, mit einem Bogen im manuelinischen Stil, und die Gräber wurden hineingebracht.

Die Grabmäler von Afonso Sanches und Teresa Martins sind aus Stein von Ançã gearbeitet. Auf den reich verzierten Sarkophagen liegen die beiden als Liegefiguren. Man schreibt sie der Werkstatt des Bildhauers Diogo Pires des Jüngeren in Coimbra zu, und sie gelten als einige der schönsten Grabskulpturen der manuelinischen Zeit. In derselben Kapelle liegen zwei Kinder der Stifter, die jung gestorben sind. Im Querschiff liegt Brites Pereira, die einzige Tochter des Heiligen Konnetabels Nuno Álvares Pereira, und gegenüber ein Graf von Cantanhede mit seiner Frau, ein Nachfahre der Stifter.

1723 eröffnete die Kirche ein Verfahren, um Afonso Sanches und Teresa Martins seligzusprechen. Seitdem gelten sie als Diener Gottes. Wenn du die Kirche besuchen kannst, stehst du also vor den Gräbern zweier Menschen, für die ein Seligsprechungsverfahren eröffnet wurde.

Neunhundertneunundneunzig Bögen

Ein Kloster auf einem Hügel braucht Wasser. Der Wasserspeicher im Kloster reichte bald nicht mehr, und 1626 wollte die Äbtissin Maria de Meneses Abhilfe schaffen. Sie kaufte Land und ließ einen Baumeister ein Aquädukt beginnen, das Wasser von einer Quelle in Terroso heranführen sollte, im heutigen Póvoa de Varzim. Zehn Jahre später, 1636, ließ ihre Nachfolgerin Catarina Lima die Arbeiten stoppen. Man hatte festgestellt, dass das Gefälle nicht stimmte. Was gebaut war, war unbrauchbar.

Erst am 19. Dezember 1705 nahm die Äbtissin Bárbara Micaela de Ataíde das Projekt wieder auf. Sie holte sich Hilfe bei ihrer Familie, ihr Bruder war Militärgouverneur des Minho, und bat den König um einen eigenen Richter für das Bauwerk und darum, dass die Arbeiter vom Militärdienst befreit wurden. Ein Baumeister aus Ponte de Lima begann, aber erst Domingos Moreira aus Moreira da Maia brachte das Werk zu Ende. Am 20. Oktober 1714 floss das erste Wasser in den Kreuzgang, in den barocken Brunnen, der dort heute noch steht.

Neunhundertneunundneunzig Bögen auf rund vier Kilometern machen es zum zweitgrößten Aquädukt Portugals. Das Wasser war so kostbar, dass die Kirche 1739 die Exkommunikation für jeden bestätigte, der es stahl. 1794 riss ein Sturm sechsundvierzig Bögen nieder. Bei der Restaurierung der Klosterkirche zwischen 1929 und 1932 entfernte man fünf weitere mit Absicht, damit man die Apsis besser sehen konnte. Und im Dezember 2009 stürzten noch einmal mehrere Bögen ein, vor allem im schlecht unterhaltenen Abschnitt auf dem Gebiet von Póvoa de Varzim. Sie wurden nie wieder aufgebaut.

Wenn du den Aqueduct Trail nach São Pedro de Rates nimmst, gehst du ein Stück an diesen Bögen entlang.

Reform, Verfall und ein langes Ende

Das Kloster war reich, und Reichtum bringt Streit. Im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert gab es Auseinandersetzungen um seine Güter und Rechte. König Manuel der Erste griff ein. Auf seinen Wunsch ernannte der Papst 1515 Frei Francisco Lisboa, der das Kloster 1517 reformierte. Die Äbtissin Joana de Meneses wehrte sich und musste in ein anderes Kloster umziehen. An ihre Stelle kamen Nonnen aus Beja im Süden, mit einer neuen Äbtissin, Isabel de Castro.

Im siebzehnten Jahrhundert verfiel das Kloster zusehends, und man begann ein neues, viel größeres Gebäude. Es ist der klassizistische Bau, den du heute vom Fluss aus siehst. 1778 wurde er unter der Äbtissin Luiza de Azevedo fertig, ihr Vater bezahlte ihn. 1788 zogen die Nonnen ein, obwohl der Bau noch unvollendet war. Dann kamen die französischen Invasionen, die Bürgerkriege und 1834 die Aufhebung der Orden in Portugal. Die Nonnen durften bleiben, aber keine neuen aufnehmen. Die letzte, Ana Augusta do Nascimento, starb am 21. Mai 1893.

Was danach kam, ist eine merkwürdige Reihe. Ab 1902 war das Kloster mehr als hundert Jahre lang eine Erziehungsanstalt für Jugendliche. 1944 eröffneten die Salesianer dort eine Berufsschule, die 2005 schloss. 2008 zog vorübergehend das Gericht ein. Seit 1910 ist das Kloster Nationaldenkmal. Heute ist es ein Hotel. Über der Fassade zum Fluss hin steht eine Figur der heiligen Klara neben einem Elefanten, einem Sinnbild der Keuschheit.

Ein König auf dem Weg nach Santiago

Im Herbst 1502 war König Manuel der Erste von Portugal auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Er war der König, unter dem Vasco da Gama wenige Jahre zuvor den Seeweg nach Indien gefunden hatte. Und er zog als Pilger nach Norden, zum Grab des Apostels.

Anfang November 1502 kam er aus Porto nach Vila do Conde. Ein Dokument vom 5. November ist noch in Porto ausgestellt, schon am nächsten Tag eines in Vila do Conde. Der König wohnte im Haus eines Jerónimo Rodrigues, eines Knappen des Herzogs Jaime von Bragança, seines Neffen. Die Historikerin Eliana Miranda de Sousa betont, dass dieser Halt kein Zufall war. Der König nutzte ihn, um Probleme zu lösen, die ihm die Stadt vorher in Briefen und vor den Ständen vorgetragen hatte. Er traf die Männer, die die Stadt regierten. Und er ernannte zwei Vertraute, die die Rechnungsbücher über Einnahmen und Ausgaben der Kirchenbaustelle prüfen sollten.

Es ging also um eine Kirche. Und es ging um mehr. Am 5. Dezember 1502 schrieb der König einen Brief, in dem er die neue Hauptkirche mit ihren Flächen und Maßen beschrieb und zugleich einen neuen Platz vor ihr plante, die Praça Nova. Vila do Conde bekam durch seinen Besuch eine neue Mitte: Kirche, Platz, Rathaus und neue Straßen. Der Platz wurde 1538 eröffnet und heißt heute Praça Vasco da Gama.

Wie lange der König blieb und welchen Weg er von hier nach Norden nahm, sagen unsere Quellen nicht. Aber er kam als Pilger durch diese Stadt, auf dem Weg nach Santiago, so wie du heute.

Die Kirche Johannes des Täufers

Die Igreja Matriz ist Johannes dem Täufer geweiht. Sie ersetzte eine alte Kirche des heiligen Johannes aus vorromanischer Zeit, die ein Historiker als eng, abgelegen und ärmlich beschreibt, zu ärmlich für eine so vornehme Stadt. Gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts verlagerte sich die Mitte der Stadt vom Klosterhügel hinunter zur Küste. Auf einem Gelände mit einer Kapelle des heiligen Sebastian, die man dafür verlegte, entstand die neue Kirche.

Ihr wichtigster Baumeister war João de Castilho, ein Steinmetz aus dem Norden Spaniens, der um 1508 nach Portugal kam und heute als einer der größten Baumeister seines Jahrhunderts gilt. Der Erzbischof von Braga, Diogo de Sousa, hatte ihn 1509 nach Braga geholt. Von 1511 bis 1513 lebte Castilho in Vila do Conde. Er baute die Schiffe, die Bögen und das Hauptportal. Später leitete er ab 1517 die Bauarbeiten am Hieronymitenkloster in Belém und arbeitete am Christuskloster in Tomar. Das Portal in Vila do Conde ist also ein frühes Werk eines Mannes, der an fünf Bauwerken des Weltkulturerbes mitgebaut hat. Es ist spätgotisch und manuelinisch, der Stil, der nach König Manuel benannt ist.

1518 war die Kirche errichtet, unter Erzbischof Diogo de Sousa. Der Glockenturm folgte erst 1573, nach einem Entwurf von João Lopes dem Älteren. Seitenkapellen kamen hinzu, eine für Nossa Senhora da Boa Viagem, die Muttergottes der guten Reise, und für das Fronleichnamsfest, eine andere für den Erzengel Michael und Mariä Himmelfahrt. Im achtzehnten Jahrhundert bekam die Kirche vergoldete Holzaltäre. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ließ der Prior José Augusto Ferreira Glasfenster aus Frankreich einsetzen, und ein Wohltäter namens Bento Luiz de Aguiar schenkte die Orgel.

Der Name der Muttergottes der guten Reise passt zu einer Stadt der Seefahrer. Und er passt zu dir, der du gerade selbst auf Reisen bist.

Hat der König die Kirche gebaut?

Die Kurzfassung, die man überall liest, lautet: Manuel der Erste kam 1502 als Pilger durch Vila do Conde, und sein Besuch gab den Anstoß zur neuen Hauptkirche. Das stimmt, aber es ist nicht die ganze Wahrheit.

Denn die Kirche war schon im Bau, bevor er kam. Seit den neunziger Jahren des fünfzehnten Jahrhunderts arbeitete man an ihr, und der König prüfte bei seinem Besuch die Bücher einer bestehenden Baustelle. Die Webseite der Stadt sagt es vorsichtig: Bis 1502 sei wenig gebaut worden. Dann übernahm der König das Patronat, legte die Regeln für den Bau fest, und von da an ging es voran.

Man kann also sagen: Die Stadt hatte den Plan, der König machte daraus sein Projekt. Für Vila do Conde war das ein Gewinn. Die Pilgerreise eines Königs brachte einer Hafenstadt eine Kirche, einen Platz und ein neues Zentrum. Pilgerwege haben Städte schon immer verändert. Hier sieht man es an einem einzigen Besuch.

Werften, Zoll und die Fahrt nach Indien

Schiffe baut man in Vila do Conde mindestens seit dem dreizehnten Jahrhundert. Seine große Zeit hatte der Schiffbau im sechzehnten Jahrhundert, als die Stadt eng mit den Entdeckungsfahrten verbunden war. Hier wurden Karavellen gebaut und zu Wasser gelassen. Und Männer aus der Stadt fuhren mit, unter ihnen die Brüder Paulo und Francisco Faria, die mit Vasco da Gama segelten. 1516 gab König Manuel der Erste Vila do Conde ein Stadtrecht und würdigte darin ausdrücklich den Anteil der Stadt an den Fahrten nach Indien.

Wo Schiffe ein- und auslaufen, braucht der König Zoll. Am 27. Februar 1487 ordnete König Johann der Zweite den Bau eines königlichen Zollhauses an, der Alfândega Régia. Im achtzehnten Jahrhundert wurde sie mehrmals umgebaut, um den vielen Handelsverkehr zu bewältigen. Im zwanzigsten Jahrhundert verlor sie ihre Aufgabe, diente der Finanzwache und später als Lager für die Werften gegenüber, die bis 1993 arbeiteten.

Dann kam die Wende. 2001 wurde die Stadt mit einem Projekt in ein Pilotprogramm für Stadterneuerung aufgenommen, und das Zollhaus wurde restauriert und zu einem Museum für Schiffbau. Dazu gehört ein Dokumentationszentrum zu den Seehäfen des sechzehnten Jahrhunderts mit rund sechzigtausend Bildern und Kopien von über zehntausend Originaldokumenten aus Archiven im In- und Ausland. 2007 legte am Ufer davor die Nau Quinhentista an, der Nachbau eines Schiffes aus dem sechzehnten Jahrhundert, gebaut im selben Projekt. Du kannst über ihre Decks gehen und in Räume schauen, die zeigen, wie man damals auf See lebte.

Nicht alles an dieser Geschichte ist golden. 1537 nahm König Johann der Dritte dem Kloster seine Herrschaftsrechte und gab sie seinem Bruder, dem Infanten Duarte, von dem sie später an das Haus Bragança gingen. Für die Stadt brachte das eine schwache Verwaltung und hohe Abgaben. Nur Seefahrt und Handel blieben unter der Kontrolle der Krone. Im neunzehnten Jahrhundert plünderten französische Truppen viele Gebäude. Aber die Verbindung zum Meer ist geblieben.

Was das Meer der Stadt gab und nahm

Wie in Matosinhos gehört zum Meer auch hier der Verlust. Als in der Nacht des 1. Dezember 1947 vor der Küste südlich von Porto vier Fischerboote sanken und hundertzweiundfünfzig Männer ertranken, reichte die Trauer bis nach Vila do Conde. Am 2. Februar feiert die Stadt das Fest der Senhora da Guia, das man auch das Fest der Fischer nennt.

Und es gibt die stille Seite dieser Stadt. Vila do Conde ist berühmt für ihre Klöppelspitze, die Rendas de Bilros, die Generationen von Spitzenmacherinnen verfeinert haben. 1919 wurde eine Spitzenschule gegründet, zu der heute ein Museum gehört. Am 24. Juni, dem Tag Johannes des Täufers, des Patrons der Hauptkirche, feiert die Stadt ihren Feiertag mit einer Wallfahrt. Und alle vier Jahre legen die Menschen zum Fronleichnamsfest Teppiche aus Blüten auf die Straßen, über die die Prozession zieht.

Was Vila do Conde dir mitgibt

Diese Stadt hat zwei Arten von Aufbruch gekannt. Die einen fuhren aufs Meer hinaus, auf Schiffen, die hier gebaut wurden, ohne zu wissen, ob sie zurückkehren würden. Die anderen zogen nach Norden, zum Grab eines Apostels, wie der König im Herbst 1502. Beide wollten an ein Ziel, das weit weg lag, und beide mussten sich unterwegs auf andere verlassen.

Wenn du am Abend am Ufer des Ave stehst, sieh zum Kloster hinauf, wo zwei Menschen begraben liegen, die vor siebenhundert Jahren hier etwas gegründet haben, das sie überdauert hat. Und dann sieh auf das Schiff am Fluss, das an Menschen erinnert, die von hier aus ins Unbekannte fuhren. Du bist irgendwo dazwischen unterwegs, mit einem Ziel, das du kennst, und mit einem Weg, der dich noch überraschen wird.

Morgen gehst du weiter nach Norden. Ein König ist vor über fünfhundert Jahren von hier aus nach Santiago weitergezogen. Jetzt bist du an der Reihe.

Übernachten in Vila do Conde

Die von Pilgern am besten bewerteten Unterkünfte in Vila do Conde stehen vorn.

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Angebote in Vila do Conde

Was du vor der nächsten Etappe im Ort findest.

  • Geldautomat
  • Café
  • Geschäft
  • Arztpraxis
  • Apotheke
  • Brunnen
  • Post
  • Bahnhof
  • Restaurant

Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert April 2026