Orte

Ort am Jakobsweg

O Porriño

Pontevedra, Galicia, Spain

Unterkünfte
32
Caminos
2
Höhe
30 m

O Porriño ist eine Stadt aus Granit: Hier wurde 1874 Antonio Palacios geboren, der Architekt des Palacio de Cibeles in Madrid, und sein Rathaus steht wie eine kleine Burg am Weg. Laut Camino Ninja sind es noch rund 102 Kilometer bis Santiago. Ein Nachmittag reicht, aber nimm am Morgen die Variante am Fluss.

Aktuell in O Porriño (Stand: Oktober 2026)

  • 50 Jahre Palacios-Grab: Am 30. Oktober 2026 ist es 50 Jahre her, dass die Gebeine von Antonio Palacios auf eigenen Wunsch in seine Heimatstadt überführt wurden. Die Gemeinde erinnert daran im Oktober 2026 mit einer Ausstellung und einem Dokumentarfilm. Ort und Zeiten haben wir nicht gefunden.
  • Variante bei Regen: Die Variante am Río Louro kann nach starkem Regen schlammig oder überflutet sein. Dann nimm lieber den Weg durch das Industriegebiet.
  • Herbergen im Winter: Die öffentliche Herberge ist ganzjährig offen. Für einige private Häuser widersprechen sich die Angaben zur Wintersaison, frag vorher nach.

Wie lange bleiben?

Ein Nachmittag reicht. Was O Porriño besonders macht, liegt nah beieinander im Zentrum: das Rathaus, der Brunnen und die Apotheke von Antonio Palacios und der Pavillon einer Madrider U-Bahn-Station. Das schaffst du gut nach der Ankunft. Museen mit festen Öffnungszeiten, für die sich ein Ruhetag lohnen würde, haben wir nicht gefunden. Schlaf hier, iss Brot und geh am nächsten Morgen weiter.

O Porriño in Ninja-Zahlen

  • Rund 102 Kilometer sind es laut Camino Ninja von hier bis Santiago. Wer in O Porriño startet, liegt knapp über den 100 Kilometern für die Compostela und hat keinen Meter Puffer für Abkürzungen.
  • 20.965 Menschen lebten Anfang 2025 in der Gemeinde. Sie ist eine Industriestadt, und das merkst du schon beim Hereinkommen.
  • Über 260.000 € hat Galicien bis Januar 2025 in die Restaurierung eines Eingangs der Madrider U-Bahn gesteckt, der hier am Camino steht.
  • 2 Stempel pro Tag brauchst du auch hier in deiner Credencial, wie auf allen letzten 100 Kilometern.

Ankommen: durchs Industriegebiet oder am Fluss entlang

Von Tui sind es laut Camino Ninja rund 16 Kilometer. Kurz vor O Porriño hast du die Wahl. Der Hauptweg führt durch das Industriegebiet As Gándaras, das größte Galiciens: fast drei Kilometer schnurgerade Asphaltstraße bis zu einer Fußgängerbrücke über die Bahn, dann an der N-550 entlang. Bei Kilometerstein 99,408 verlässt du sie nach links und kommst über die Rúa Manuel Rodríguez in den Ort. Du gehst an der Kapelle San Sebastián und der Kapelle San Benito vorbei, siehst die Apsiden der Kirche Santa María und erreichst über die Rúa Ramón González das Rathaus.

Die Alternative ist die Variante am Río Louro, die 2013 angelegt wurde und nur etwa einen halben Kilometer länger ist. Sie zweigt etwa 300 Meter nach Kilometerstein 106,048 links ab, an einem Schild, und führt über die Furt A Ponte Baranco über den Louro, durch die Dörfer Mosende und Pontellas und zuletzt auf einem Pfad am Fluss entlang. Lass den Fluss rechts liegen und überquere ihn nicht, auch wenn Pfeile dazu verleiten. Der Pfad endet direkt an der öffentlichen Herberge.

Kurz erzählt: ein Wirt, ein Hospital und viel Stein

Den Namen soll der Ort von einem Wirt bekommen haben, einem Mesonero namens Juan Porro, der im Mittelalter hier eine Herberge führte. Das ist Überlieferung. Belegt ist ein Pilgerhospital: Ein Hospital de Santa María wird 1569 in einem Testament erwähnt und lässt sich bis Mitte des siebzehnten Jahrhunderts nachweisen.

Groß wurde O Porriño mit seinem Granit. Im neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert begann man, den rosafarbenen Stein der Gegend im großen Stil abzubauen. Heute liegt hier die wichtigste Granitlagerstätte Spaniens, und die Sorte „Rosa Porriño“ geht über den Hafen von Vigo nach Italien, Japan und China. Der berühmteste Sohn der Stadt kam aus einer Familie mit eigenen Steinbrüchen: Antonio Palacios.

Die Stadt des Architekten

Antonio Palacios, geboren am 8. Januar 1874 in O Porriño, hat Madrid mitgeprägt: den Palacio de Cibeles, den Círculo de Bellas Artes und die ersten Stationen der U-Bahn. Seiner Heimatstadt hat er Bauten hinterlassen, die du auf deinem Weg durch den Ort siehst, die meisten aus Granit. Die Pläne für das Rathaus schenkte er ihr sogar. 1924 machte ihn O Porriño zum Ehrenbürger. Er starb 1945 bei Madrid und wurde 1976, wie er es gewünscht hatte, auf dem Friedhof seiner Heimatstadt beigesetzt. Auf seinem Grabstein steht nur „Antonio Palacios - Arquitecto“.

In Santiago begegnest du ihm wieder: Dort steht am Paseo da Ferradura ein Pavillon, den er 1908 und 1909 für die Regionalausstellung baute.

Im Granit von Palacios: was du sehen solltest

Die Palacios-Bauten und die alten Kapellen liegen im Zentrum oder direkt am Weg. Öffnungszeiten für Innenräume haben wir nicht gefunden. Das meiste siehst du ohnehin von außen.

  • Casa do Concello: Das Rathaus ist das Wahrzeichen der Stadt. Palacios entwarf es 1918 und 1919 und verlangte dafür kein Honorar, er schenkte die Pläne seinem Geburtsort. Gebaut wurde ab 1921, fertig war es 1924. Es sieht aus wie eine mittelalterliche Burg, mit einem Eckturm, Zinnen und Wehrgang, alles aus Granit, auf einem kleinen, langgezogenen Grundstück. Davor steht ein Denkmal für Palacios. Für Pilger ist der Platz ein Orientierungspunkt: Der Hauptweg führt am Rathaus vorbei, und am Kreisverkehr davor beginnt am nächsten Morgen die Etappe nach Redondela. Im Januar 2025 zierte das Gebäude sogar ein Los der spanischen Nationallotterie.
  • Templete de San Luis: Ein Pavillon aus Granit, Eisen und Glas, den Palacios 1919 als Eingang zur U-Bahn-Station Gran Vía in Madrid entwarf. Darin fuhr ein Aufzug zu den Bahnsteigen hinunter, für ein paar Céntimos. Anfang der 1970er-Jahre wurde er in Madrid abgebaut und in die Heimatstadt des Architekten gebracht. Er steht auf dem Campo da Feira an der Avenida Domingo Bueno. Die galicische Regierung hat ihn für über 260.000 € restauriert und dabei ausdrücklich bedacht, dass er am Camino steht. Ein Glaselement erinnert an das alte Metroschild. In Madrid steht seit 2021 eine Nachbildung, das Original steht hier.
  • Fonte do Cristo und Botica Nova: Den Brunnen an der Praza do Cristo entwarf Palacios 1904, ein Jahr später war er fertig. Auf einer kannelierten Säule mit Keramik von Daniel Zuloaga steht ein Page mit dem Wappen des Ortes, gemeißelt vom Bildhauer Cerviño. Dem Cristo geweiht ist auch die Capela do Cristo von 1898 oder 1899, gestiftet von Servando Ramilo Nieves. Ebenfalls von Palacios ist die Botica Nova, die er zwischen 1909 und 1912 als Apotheke mit Wohnung für seinen Bruder José baute. Achte auf den großen Bogen am Eingang. Heute ist sie ein Kulturraum.
  • Die Kapellen am Weg: Wenn du den Hauptweg nimmst, kommst du an der schlichten Kapelle San Sebastián vorbei, die Nachbarn für ihre tägliche Messe bauten, und an der Kapelle San Benito, wo früher der Markt stattfand und die ein beliebter Halt für Pilger ist. Ihr Fest ist am 11. Juli. Dahinter steht die Pfarrkirche Santa María, deren Baujahr die Quellen unterschiedlich angeben. Denselben Namen trug das Pilgerhospital, das 1569 erwähnt wird. Die Messzeiten wechseln nach Saison und Wochentag.

Essen und Trinken

O Porriño ist eine Brotstadt. Das typische pan do Porriño ist ein Laib mit harter Kruste und weicher Krume, und zwei Bäckereien des Ortes standen 2018 und 2019 unter den 80 besten Spaniens. Es gibt eine eigene Brotmesse, die Feira do Pan. Die zweite Spezialität sind callos, Kutteln, mit einem eigenen Fest am ersten Sonntag im Oktober. Für die Selbstversorgung gibt es mehrere große Supermärkte nahe der öffentlichen Herberge.

Ehrlich gesagt

  • Der Ortseingang ist ein Industriegebiet. Wer den Hauptweg nimmt, läuft fast drei Kilometer schnurgerade durchs Industriegebiet und danach an der N-550 entlang. Nimm bei trockenem Wetter die Variante am Louro.
  • Die öffentliche Herberge ist funktional, nicht charmant. Sie liegt etwas außerhalb des Zentrums nahe der Straße, kann laut sein und wird im Sommer sehr warm. In der Küche gibt es eine Mikrowelle, aber kein Geschirr und kein Besteck.
  • Schön ist O Porriño nicht überall. Die Stadt lebt von Industrie und Granit. Das Zentrum mit Fußgängerzone und Palacios-Bauten ist der lohnende Teil.
  • Morgen teilst du dir den Weg mit Autos. Die Etappe nach Redondela quert die N-550 mehrmals und läuft oft am Seitenstreifen.

Wo Pilger schlafen

  • Albergue de peregrinos de O Porriño: die öffentliche Herberge der Xunta, seit 2003 an der Avenida de Buenos Aires direkt am Louro, mit zwei Schlafsälen. 10 € pro Nacht, ganzjährig offen, keine Reservierung, nur mit Credencial. Einlass von 13 bis 22 Uhr, morgens musst du vor 8 Uhr draußen sein. Eine Waschmaschine gibt es nicht. Pilger loben, dass sie sauber ist und das Personal freundlich.

Eine Pfarr- oder Donativo-Herberge haben wir in O Porriño nicht gefunden. Die privaten Herbergen kosten im Schlafsaal meist 15 bis 25 € (Stand: September 2026) und liegen über den ganzen Ort verteilt, prüf deshalb die Lage, bevor du buchst. In mehreren gibt es Vorhänge an den Betten, in einigen ist das Frühstück im Preis.

Ninja-Tipps

  • Besteck und Teller mitbringen: In der öffentlichen Herberge fehlt jedes Küchenwerkzeug. Wer kochen will, braucht eigene Ausrüstung oder ein Fertiggericht für die Mikrowelle.
  • Die Herberge nicht verpassen: Sie liegt hinter dem Bahnübergang an der Avenida de Buenos Aires. Man läuft leicht daran vorbei.
  • Proviant vor der Variante: Auf der Variante am Louro gibt es kaum Einkehr. Füll Wasser und Essen vor dem Abzweig auf.
  • Bei der Ankunft gleich einkaufen: Die Supermärkte liegen nah an der Herberge. Kauf dort gleich Proviant für die Etappe nach Redondela.
  • Palacios-Runde am Abend: Geh vom Rathaus zum Templete und zur Fonte do Cristo. So siehst du an einem Abend, was diese Stadt mit Madrid verbindet.
  • Warnweste oder helle Kleidung für morgen: Auf der N-550 bist du bei Nebel oder in der Dämmerung schlecht zu sehen.
  • Brot für unterwegs: Pack ein Stück pan do Porriño für den Anstieg zum Santiaguiño ein. Es schmeckt dort besser als jeder Riegel.

Praktische Tipps für Pilger

  • Einkaufen und Geld: Geldautomaten, Apotheke, Bäckereien, Metzgerei und Supermärkte gibt es im Ort.
  • Touristinfo: Das Tourismusbüro liegt an der Avenida de Buenos Aires. Öffnungszeiten haben wir nicht gefunden.
  • An- und Abreise: O Porriño hat einen Bahnhof an der Linie zwischen Vigo und Porto und Busverbindungen nach Vigo und Santiago.
  • Stempel: Seit Tui brauchst du zwei Stempel am Tag. Sammle sie in Herbergen, Bars und Kirchen.

Weiter: über den Santiaguiño nach Redondela

Ab dem Kreisverkehr am Rathaus gehst du links in die Calle Ramiranes bis zum Kreisel an der N-550, der O Porriño von Mos trennt, dann unter der Autobahn A-52 hindurch. Über Ameiro Longo erreichst du nach laut Camino Ninja 3,5 Kilometern Veigadaña und nach 6 Kilometern Mos mit seiner öffentlichen Herberge, 37 Betten für 10 €. Hinter Mos beginnt der einzige echte Anstieg des Tages: 147 Höhenmeter auf gut drei Kilometern bis zur Capilla de Santiaguiño, laut Camino Ninja 9,1 Kilometer ab O Porriño. Füll in Mos dein Wasser auf. Hinter Saxamonde geht es dann steil bergab. Bis Redondela sind es laut Camino Ninja 15,6 Kilometer. Du bist weiter auf dem Camino Portugués Central, auf dem seit Valença auch die Pilger des Portugiesischen Küstenwegs unterwegs sind.

Morgen erwartet dich

Redondela, die Stadt, in der zwei Wege einer werden: Hier trifft der Central auf die Küstenvariante über Vigo, und von da an gehen alle gemeinsam nach Santiago. Auf dem Weg zur Herberge gehst du unter dem Viaduto de Madrid hindurch, einer Eisenbahnbrücke von 1876. Kurz hinter der Capilla de Santiaguiño steht ein römischer Meilenstein am Weg, ein Zeuge der alten Straße zwischen Braga und Astorga.

Tiefer eintauchen: Der Architekt, der heimkam

Ein langer Text, falls du noch mehr über O Porriño erfahren willst. Etwa zwölf Minuten Lesezeit.

Eine Stadt aus Stein

Wenn du am Rathaus von O Porriño stehst, stehst du vor einer Burg, die nie eine war. Ein Eckturm mit Zinnen, ein Wehrgang, schwere Mauern aus Granit, dazu Bögen und Formen, die an Romanik und Gotik erinnern. Und doch ist das Gebäude gerade einmal gut hundert Jahre alt. Es wurde 1924 fertig. Gebaut hat es ein Mann, der in dieser Stadt geboren wurde, in Madrid berühmt wurde und am Ende zurückkam, um hier begraben zu werden.

O Porriño ist keine Stadt, für die Pilger früher lange Umwege gemacht hätten. Es ist eine Industriestadt im Tal des Louro, mit gut zwanzigtausend Einwohnern, Lagerhallen, Steinbrüchen und einem Bahnhof an der Linie zwischen Vigo und Porto. Wer von Tui kommt, hat das größte Industriegebiet Galiciens hinter sich oder einen stillen Weg am Fluss. Aber wer hier ankommt und die Augen offenhält, merkt bald, dass diese Stadt eine Geschichte hat, die weit über sie hinausreicht. Sie handelt von rosafarbenem Stein, von einem Jungen aus einer Familie von Steinbrechern und von einer U-Bahn-Station, die heute dort steht, wo es keine U-Bahn gibt.

Ein Wirt namens Porro

Woher der Name kommt, weiß niemand sicher. Die schönste Erklärung ist eine Geschichte vom Weg. Im Mittelalter, so erzählt man, führte hier ein Wirt namens Juan Porro eine Herberge, und sein Name blieb am Ort hängen. Aus dem Haus des Porro wurde O Porriño. Ob es diesen Juan Porro wirklich gab, lässt sich nicht belegen. Aber die Geschichte passt zu einem Ort an einer alten Straße, an der Reisende ein Dach und eine Mahlzeit brauchten.

Andere Erzählungen reichen viel weiter zurück, bis zu einem vorrömischen Volk der Gegend und einem König mit dem Beinamen „der Kindliche“, von dem sich der Name herleiten soll. Für diese Version gibt es keine belastbaren Quellen. Nimm sie als das, was sie ist: eine Legende, wie sie viele galicische Orte über sich erzählen.

Sicherer wird der Boden im sechzehnten Jahrhundert. 1569 wird in einem Testament ein Pilgerhospital in O Porriño erwähnt, das Hospital de Santa María. Es lässt sich bis in die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts nachweisen. Was genau dort geschah, wie viele Betten es hatte und wer die Pilger pflegte, haben wir nicht herausgefunden. Aber es zeigt dir, dass Menschen auf dem Weg nach Santiago schon vor über vierhundert Jahren hier Halt machten, so wie du heute.

Älter als jeder Pilger

Die ältesten Spuren der Menschen in O Porriño liegen nicht im Zentrum, sondern draußen in den Gándaras de Budiño, der sumpfigen Ebene am Louro, durch die du vielleicht heute gekommen bist. 1961 entdeckte der Paläontologe Emiliano Aguirre dort Steinwerkzeuge. Anfang der 1980er-Jahre grub der Archäologe Julio Vidal Encinas in den alten Flussablagerungen weiter. Die Funde gehören zur sogenannten Acheuléen-Kultur, deren typische Werkzeuge die Faustkeile sind, und stammen aus dem mittleren Pleistozän. Fachleute zählen As Gándaras zu den bekanntesten Fundstellen dieser Art auf der Iberischen Halbinsel.

Wie alt die Funde genau sind, wird noch erforscht. Der Archäologe Eduardo Méndez-Quintas von der Universität Vigo hält ein Alter von rund 300.000 Jahren für möglich. Dann wäre As Gándaras der älteste bekannte Ort menschlicher Anwesenheit in Galicien. Das ist eine Hypothese, kein Ergebnis. Aber es ist ein seltsamer Gedanke: Lange bevor jemand das Wort Pilger kannte, gingen Menschen mit Steinwerkzeugen durch dieses Tal.

Heute sind die Gándaras ein Feuchtgebiet, das die Europäische Union als Gebiet von gemeinschaftlichem Interesse schützt, mit Erlen, Weiden, Rohrkolben und mehr als hundertfünfunddreißig Vogelarten. Seit 2013 führt die Variante des Jakobswegs über die Furt A Ponte Baranco und am Louro entlang durch diese Landschaft. Ein Lokaljournalist schrieb allerdings schon 2016, der Fluss leide seit über hundert Jahren unter der Industrie an seinen Ufern. Das Schöne und das Laute liegen hier eng beieinander.

Eine Burg auf dem Pianisten

Über der Stadt erhebt sich der Monte Castelo. Die Leute nennen ihn auch „O Pianista“, den Pianisten, wegen der Form seiner Felsen. Im elften Jahrhundert stand auf seinem Gipfel eine Burg, das Castelo de Miravel, von der noch Reste erhalten sind. Eine andere Quelle erzählt, die Burg sei im vierzehnten Jahrhundert besetzt und wahrscheinlich im fünfzehnten zerstört worden. Mehr wissen wir darüber nicht.

Der rosa Stein

Was O Porriño groß gemacht hat, liegt unter der Erde. In der Gemeinde befindet sich die wichtigste Granitlagerstätte Spaniens. Der Stein hat einen rosafarbenen Ton, und die Sorte trägt den Namen der Stadt: Rosa Porriño. Abgebaut wurde Granit hier wohl schon lange, eine Quelle schreibt den Anfang sogar den Römern zu, ohne Beleg. Der große Aufschwung kam im neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert, als die Steinbrüche in großem Stil erschlossen wurden. Der Stein ging in die Welt hinaus, nach New York und nach Japan, und heute wird er über den Hafen von Vigo vor allem nach Italien, Japan und China verschifft.

Fast das ganze Zentrum ist aus diesem Granit gebaut. Ein Artikel schrieb 2026, bei Sonnenuntergang bekomme die Stadt einen rosa Schimmer. Und wenn du später durch Vigo kommst oder schon dort warst: Das große Tor zum Atlantik an der Praza de América, ein Denkmal für die Auswanderer, wiegt 427 Tonnen, und sein Granit stammt aus einem Steinbruch in Porriño.

Seit 2011 gibt es in einem Steinbruch für rosa Granit sogar ein kleines Museum, das Minergal, nach Angaben eines galicischen Portals das erste Mineralienmuseum Galiciens. Der Eintritt ist frei, Öffnungszeiten haben wir nicht gefunden.

Der Junge aus der Steinbruchfamilie

Antonio Palacios Ramilo wurde am 8. Januar 1874 in O Porriño geboren, als jüngstes von sieben Kindern. Sein Vater Isidro arbeitete als Bauhelfer bei öffentlichen Bauten, seine Mutter stammte aus dem Ort, und die Familie besaß Granitsteinbrüche in Atios und Budiño. Einen Teil seiner Kindheit verbrachte Antonio im Norden Portugals, wo sein Vater bei der Eisenbahn arbeitete. Der Junge wuchs also mit Stein auf und auf beiden Seiten der Grenze, die du in Tui überquert hast.

1885 ging er aufs Gymnasium in Pontevedra, 1892 nach Madrid, erst um Ingenieur zu werden, dann Architekt. Am 20. Dezember 1900 schloss er das Studium ab. Seine Vorbilder waren groß: die Architekten der Chicagoer Schule, der Wiener Otto Wagner, der Franzose Viollet-le-Duc und der englische Kunstkritiker John Ruskin.

Unsere Liebe Frau der Kommunikation

In Madrid machte Palacios eine Karriere, die bis heute im Stadtbild steht. Gemeinsam mit seinem Partner Joaquín Otamendi gewann er den Wettbewerb für den neuen Palast der Post, des Telegrafen und des Telefons an der Plaza de Cibeles. Der Bau begann 1907, am 14. März 1919 eröffneten König Alfons der Dreizehnte und Königin Victoria Eugenie das Gebäude. Die Madrilenen fanden es so groß und prächtig, dass sie es scherzhaft „Nuestra Señora de las Comunicaciones“ tauften, Unsere Liebe Frau der Kommunikation, als wäre es eine Kathedrale. Heute ist es das Rathaus von Madrid.

Es folgten ein Krankenhaus für Tagelöhner, ein Bankgebäude, das man das Haus der Karyatiden nennt und in dem heute das Instituto Cervantes sitzt, und der Círculo de Bellas Artes mit seinem Turm. Und Palacios gestaltete die ersten Stationen der Madrider U-Bahn, die im Oktober 1919 eröffnet wurde: die Zugänge, die Pavillons, die Kacheln. Erhalten ist davon in Madrid nur wenig.

Bauten für die Heimat

Bei allem Ruhm hat Palacios O Porriño nie vergessen. 1904 entwarf er für den Platz am Cristo einen Brunnen, der ein Jahr später fertig war. Er erinnert an ein altes Wegkreuz: eine kannelierte Säule mit Keramik des Künstlers Daniel Zuloaga, oben ein steinerner Page, der das Wappen des Ortes hält, gemeißelt von einem Bildhauer namens Cerviño. 1906 folgte eine Schule, die Escuela Fernández Areal. Sie steht nicht mehr, man riss sie 1969 ab. Zwischen 1909 und 1912 baute er für seinen Bruder José, der Apotheker war, eine Apotheke mit Wohnung, die Botica Nova, mit einem großen Bogen über dem Eingang.

1924 ernannte ihn die Stadt zu ihrem Ehrenbürger. Im selben Jahr wurde das Gebäude fertig, das sein größtes Geschenk an O Porriño war.

Ein Rathaus wie eine Burg

Das alte Rathaus war baufällig, und Palacios entwarf ein neues. 1918 zeichnete er die ersten Pläne, 1919 übergab er sie der Stadt, und er verlangte dafür kein Honorar. Ab 1921 wurde gebaut, unter der Leitung des Steinmetzen Manuel Ruibal Solía. Das Grundstück war klein und langgezogen, und Palacios machte daraus etwas Monumentales: einen Bau aus Granit in einer Formensprache, die an das Mittelalter erinnert, mit einem Eckturm, Zinnen und Wehrgang. Die galicischen Tourismusbehörden zählen ihn zu den bekanntesten Werken des Regionalismus in Galicien.

Auch dieses Haus hat seine Wunden. Ein Pilgerportal berichtet, es sei 1976 ausgebrannt und bis 1983 wiederhergestellt worden. Eine zweite Quelle dafür haben wir nicht gefunden. Heute arbeitet hier die Gemeindeverwaltung, und vor dem Gebäude steht ein Denkmal für seinen Architekten. 2024 und 2025 feierte die Stadt den hundertfünfzigsten Geburtstag von Palacios und den hundertsten ihres Rathauses. Im Januar 2025 erschien das Gebäude sogar auf einem Los der spanischen Nationallotterie.

Eine U-Bahn-Station ohne U-Bahn

Die vielleicht schönste Geschichte erzählt ein kleiner Pavillon auf dem Campo da Feira. In Madrid treffen sich an einer Kreuzung die Gran Vía, die Calle de la Montera, die Calle de Hortaleza und die Calle de Fuencarral. Früher hieß der Platz Red de San Luis, nach einer Kirche, die 1936 niederbrannte. 1919 stellte Palacios dort einen Pavillon aus poliertem Granit hin, mit einem Dach aus Eisen und Glas. Darin fuhr ein Aufzug zur neuen U-Bahn hinunter, und wer ihn benutzen wollte, zahlte ein paar Céntimos.

Als die Station Rolltreppen bekam, brauchte niemand mehr den Aufzug. Anfang der 1970er-Jahre wurde der Pavillon abgebaut. Über das genaue Jahr sind sich die Quellen nicht einig, genannt werden 1970, 1971 und 1972. Er ging an die Heimatstadt seines Architekten, und so kam ein Eingang zur Madrider Metro nach O Porriño. Das Dach aus Eisen und Glas kam nicht mit.

Später ließ die galicische Regierung ihn für mehr als 260.000 Euro restaurieren. Ein neues Dach schützt ihn, ein Glaselement erinnert an das alte Schild der Station, eine neue Beleuchtung setzt ihn in Szene, und ein anderes Pflaster im Boden zeichnet nach, wie weit das alte Vordach einmal reichte. Am 8. Januar 2025, Palacios' hunderteinundfünfzigstem Geburtstag, besuchte der galicische Kulturminister den restaurierten Bau. Bei der Planung habe man berücksichtigt, hieß es, dass der Pavillon am Eingang des Portugiesischen Jakobswegs steht. Er ist also auch für dich restauriert worden.

In Madrid steht heute an der alten Stelle eine Nachbildung. Die Station Gran Vía wurde umgebaut und im Juli 2021 wieder geöffnet, und dabei fand man sogar die Reste des alten Aufzugschachts. Das Original aber steht hier, an einem Pilgerweg, weit weg von der Gran Vía.

Heimkehr

Antonio Palacios starb am 27. Oktober 1945 in El Plantío bei Madrid, in einem Haus, das er selbst entworfen hatte. Er wurde zuerst in San Lorenzo de El Escorial begraben. Sein Wunsch aber war, in O Porriño zu liegen. Am 30. Oktober 1976 wurde er auf den Friedhof seiner Heimatstadt überführt. Auf seinem Grabstein aus Granit stehen nur zwei Dinge: sein Name und sein Beruf.

Als dieser Text entstand, im Herbst 2026, bereitete O Porriño den fünfzigsten Jahrestag dieser Heimkehr vor, mit einer Ausstellung und einem Dokumentarfilm. Seit 1999 vergibt die Stadt einen Preis in seinem Namen, und neben dem Denkmal vor dem Rathaus gibt es seit 2011 eine zweite Skulptur von ihm, geschaffen von Suso Balado.

Man kann darin etwas sehen, das Pilger gut kennen. Palacios ging fort, weit fort, und machte in der Hauptstadt Karriere. Am Ende wollte er dorthin zurück, wo er angefangen hatte. Auch der Jakobsweg ist für viele ein Weg, auf dem man irgendwann merkt, wohin man eigentlich gehört.

Palacios am Weg

Palacios hat auch an den anderen portugiesischen Wegen Spuren hinterlassen. Wer die Küstenvariante über Vigo geht, kommt an seinen Werken vorbei: in Baiona, wo eine rund 15 Meter hohe Madonna aus Granit steht, in Panxón mit dem Templo Votivo do Mar und in Vigo, wo er ein Theater und eine Bank baute. Und in Santiago steht am Paseo da Ferradura in der Alameda ein Pavillon, den er 1908 und 1909 für die große Regionalausstellung errichtete. Wenn du dort am Ende deines Weges spazieren gehst, gehst du an einem frühen Werk des Mannes vorbei, in dessen Stadt du heute schläfst.

Industriestadt oder Pilgerort?

Es wäre unehrlich, O Porriño nur über seine schönen Bauten zu erzählen. Für viele Pilger ist es vor allem die Stadt nach dem Industriegebiet. Ein Pilgerportal nennt es „un polígono industrial que nadie olvida“, ein Industriegebiet, das niemand vergisst, und das ist nicht als Lob gemeint. Die Gemeinde lebt von Granit, Autoindustrie, Logistik und Maschinenbau, und der Gewerbepark As Gándaras liegt genau am Jakobsweg.

Man kann darüber klagen, und viele tun es. Man kann aber auch fragen, was ein Jakobsweg eigentlich zeigen soll: nur das Schöne oder auch das Land, wie es heute ist. Die Variante am Louro, die es seit 2013 gibt, ist ein Kompromiss: Wer Ruhe sucht, findet sie am Fluss. Wer durch das Industriegebiet geht, sieht, wovon diese Gegend lebt. Beides gehört zu O Porriño, und welcher Weg der richtige ist, entscheidest du selbst.

Brot und Kutteln

Zum Schluss etwas, das du sicher mitnehmen kannst. O Porriño gilt in Galicien als Brotstadt. Das typische Brot hat eine harte Kruste und eine weiche Krume. Die Leute hier sagen, ihr Brot habe mehr als vierhundert Jahre Geschichte. Belegen können wir das nicht, aber die Stadt feiert es mit einer eigenen Brotmesse, und zwei Bäckereien aus der Gemeinde standen 2018 und 2019 unter den achtzig besten Spaniens.

Am ersten Sonntag im Oktober gehört die Stadt dann den callos, den Kutteln, einem deftigen Gericht. Ihr Fest zieht Tausende Besucher an. Für einen Pilger nach einem langen Tag auf Asphalt ist das vielleicht genau das Richtige.

Was O Porriño dir mitgibt

O Porriño ist keine Stadt, die dich mit Schönheit überwältigt. Sie ist eine Arbeiterstadt aus rosa Stein, an einem Fluss, der Steinzeitmenschen und Lagerhallen gesehen hat. Aber sie zeigt dir, dass hinter einem unscheinbaren Ort oft mehr steckt, als der erste Blick verrät. Ein Junge aus einer Familie von Steinbrechern wurde einer der großen Architekten Spaniens, baute Paläste in der Hauptstadt und kam am Ende nach Hause.

Wenn du morgen früh am Rathaus vorbei in Richtung Redondela gehst, schau noch einmal auf den Turm mit seinen Zinnen. Dann geh weiter. Du hast noch rund hundert Kilometer vor dir, und vielleicht merkst du unterwegs, wie Palacios, wohin du eigentlich unterwegs bist.

Übernachten in O Porriño

Die von Pilgern am besten bewerteten Unterkünfte in O Porriño stehen vorn.

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Angebote in O Porriño

Was du vor der nächsten Etappe im Ort findest.

  • Geldautomat
  • Café
  • Geschäft
  • Tabak
  • Arztpraxis
  • Apotheke
  • Brunnen
  • Post
  • Bahnhof
  • Restaurant

Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert Januar 2026