Etappenort am Jakobsweg
Ponte de Lima
Distrito de Viana do Castelo, Região do Norte, Portugal
- Unterkünfte
- 48
- Caminos
- 4
- Höhe
- 22 m
Ponte de Lima ist der Ort, an dem man nicht vergessen soll: An dieser Brücke über den Lima, den die Römer für den Fluss des Vergessens hielten, rief der Legende nach ein Feldherr seine Soldaten beim Namen. 1125 bekam der Ort sein Stadtrecht. Die Pilgerherberge kostet 5 €, und morgen wartet der Anstieg zur Labruja.
Aktuell in Ponte de Lima (Stand: Oktober 2026)
- Rubiães im Winter: Die öffentliche Herberge im nächsten Etappenort Rubiães schließt laut Gronze vom 15. November 2026 bis 31. Januar 2027 für Bauarbeiten. Die Gemeinde Paredes de Coura hat im Mai 2026 rund 400.000 € für die Sanierung angekündigt. Plane in diesem Zeitraum eine private Unterkunft ein.
- Früher Schluss: Die Pilgerherberge in Ponte de Lima schließt von November bis März schon um 21 Uhr, sonst um 22 Uhr.
- 200 Jahre Feiras Novas: Das große Septemberfest feierte 2026 sein zweihundertjähriges Bestehen (9. bis 14. September 2026). Wer im September unterwegs ist: Die Termine liegen jedes Jahr um das zweite Septemberwochenende.
Wie lange bleiben?
Ein Nachmittag reicht. Die Altstadt ist klein, und das Schönste liegt dicht beieinander: die Brücke, die gotische Kapelle am anderen Ufer, die Türme der alten Stadtmauer und der Weg unter den Platanen am Fluss. Dazu kommst du meist erst nach einer langen Etappe aus Barcelos an, und morgen wartet der wichtigste Anstieg des ganzen Camino Portugués. Schone deine Beine. Wenn du trotzdem einen Ruhetag einlegst, dann nicht am Montag: Dann haben alle Museen geschlossen.
Ponte de Lima in Ninja-Zahlen
- 1125 bekam Ponte de Lima sein Stadtrecht von Königin Teresa. Damit gilt es als älteste Vila Portugals, auch wenn ein Ort am Douro das bestreitet (siehe Deep Dive).
- Rund 156 Kilometer sind es laut Camino Ninja von hier bis Santiago.
- 5 € kostet ein Bett in der öffentlichen Pilgerherberge (Stand: Oktober 2026).
- 315 Höhenmeter auf 4,2 Kilometern bringt dich morgen der Anstieg zum Pass von Labruja.
- 200 Jahre alt wurden die Feiras Novas im Jahr 2026.
Ankommen: zum Fluss des Vergessens
Aus Barcelos sind es laut Camino Ninja gut 33 Kilometer, mit dem steilen Anstieg nach Portela de Tamel unterwegs. Wer die Etappe teilt, übernachtet in Vitorino dos Piães und hat dann noch knapp 12 Kilometer vor sich. Du erreichst die Altstadt am linken Ufer des Lima. Am Largo de Camões beginnt die Brücke, eine Infotafel erklärt dort ihre Geschichte. Die Pilgerherberge liegt auf der anderen Seite: Du gehst über die Brücke nach Arcozelo, und dort steht am Largo da Alegria die Casa do Arnado, etwa 400 Meter vom Altstadtkern, direkt am Weg.
Kurz erzählt: eine Brücke, um die ein Ort wuchs
Ponte de Lima verdankt seinen Namen der Brücke. Hier führte die römische Straße von Braga nach Astorga über den Fluss, die Via XIX, und an ihr lag eine Station namens Limia. Am 4. März 1125 gab Teresa, die Mutter des ersten portugiesischen Königs, dem Ort ein Stadtrecht. Im vierzehnten Jahrhundert ließ König Pedro der Erste eine neue, längere Brücke bauen und den Ort ummauern, mit neun Türmen und sechs Toren. Um 1370 war das Werk vollendet.
Später brauchte man die Mauern nicht mehr, im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert wurden sie größtenteils abgetragen. Ponte de Lima blieb ein Marktort, umgeben von Weinbergen und barocken Herrenhäusern. Heute nennt es sich Hauptstadt des Vinho Verde, und jeden zweiten Montag findet hier einer der ältesten Märkte des Landes statt.
Der Fluss, der Erinnerung frisst
Der griechische Geograf Strabon schrieb, der Lima werde auch Lethe genannt. So hieß in der antiken Sage der Fluss der Unterwelt, dessen Wasser alle Erinnerung auslöscht. Als der römische Feldherr Decimus Junius Brutus um 137 vor Christus mit seinen Legionen an den Fluss kam, weigerten sich die Soldaten, ihn zu überqueren. Sie fürchteten, ihr Gedächtnis zu verlieren. Brutus nahm die Standarte, ging allein hinüber und rief vom anderen Ufer jeden Soldaten bei seinem Namen. Er hatte nichts vergessen. Da folgten sie ihm.
Am Flussufer erinnern heute Statuen an diese Szene: der Feldherr zu Pferd und seine Legionäre. Wenn du über die Brücke gehst, gehst du den Weg, vor dem sie Angst hatten. Und das Schöne daran: Am anderen Ufer wartet nicht das Vergessen, sondern dein Bett.
Am Ufer des Lima: was du sehen solltest
Ponte de Lima ist ein Ort für einen langsamen Abendspaziergang. Alles Wichtige erreichst du zu Fuß zwischen der Herberge und dem Largo de Camões.
- Die Brücke: Sie besteht aus zwei Brücken. Der kürzere Teil am Nordufer, auf der Seite der Herberge, ist römisch, wahrscheinlich aus der Zeit des Kaisers Augustus, und liegt zum Teil im Trockenen. Der lange gotische Teil entstand im vierzehnten Jahrhundert. 1504 ließ König Manuel der Erste sie neu pflastern und mit Zinnen schmücken. An beiden Enden standen Wehrtürme, die man 1857 und 1858 für den Verkehr abriss. Heute ist die Brücke nur noch für Fußgänger da, seit 1910 ist sie Nationaldenkmal. Über sie liefen schon die mittelalterlichen Pilger nach Santiago.
- Capela do Anjo da Guarda: Die kleine Kapelle am Nordufer, nur ein paar Schritte von der Herberge, stammt aus dem letzten Viertel des dreizehnten Jahrhunderts, romanisch-gotisch. Sie zeigt den Erzengel Michael und war Reisenden ein Ort der Andacht und der Zuflucht. Das Hochwasser des Lima hat sie mehrmals beschädigt, sie wurde immer wieder aufgebaut.
- Igreja de Santo António da Torre Velha: Die Kirche direkt neben der Kapelle trägt den Namen des alten Wehrturms, der einst am Brückenende auf ihrer Achse stand. Seine Fundamente siehst du noch unten an der Brücke. Zusammen mit der Kapelle daneben gehört sie zu den meistfotografierten Motiven der Stadt.
- Igreja Matriz: Die Hauptkirche in der Altstadt geht mindestens auf das frühe fünfzehnte Jahrhundert zurück, ihre heutige Gestalt erhielt sie ab 1567. Der Hauptaltar von 1729 ist der Schmerzensmutter, Nossa Senhora das Dores, geweiht. Ihr gilt auch das große Septemberfest, die Feiras Novas, das hier mit Messe und Vesper beginnt.
- Museu dos Terceiros: In zwei Kirchen des alten Franziskanerklosters am südlichen Ende der Avenida dos Plátanos zeigt das Museum Sakralkunst. Der Weg dorthin unter den Platanen am Fluss ist schon ein Grund, hinzugehen. Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 12:30 und 14 bis 18 Uhr, Eintritt 2,50 € (Stand: Mai 2026), montags geschlossen.
- Die Türme der Stadtmauer: Von den einst neun Türmen stehen noch zwei. In der Torre da Cadeia Velha, dem alten Gefängnisturm, ist heute die Touristinfo. Die Torre de São Paulo trägt eine gotische Inschrift, die anzeigt, wie hoch der Fluss einmal stieg: „Aqui chegou o rio pelo risco“, bis zu diesem Strich kam der Fluss.
Essen und Trinken
Das Gericht von Ponte de Lima ist der Arroz de sarrabulho, ein dunkler Reis mit Schweinefleisch und Blut, gewürzt mit Muskat und Pfeffer. Dazu gibt es rojões, gebratene Schweinefleischstücke, und oft tripas enfarinhadas, frittierte Kutteln. Nach 33 Kilometern ist das genau richtig. Dazu trinkt man Vinho Verde, hier auch als roten, und im Centro de Interpretação do Vinho Verde kannst du ihn für 3 € probieren (Stand: 2026).
Ehrlich gesagt
- Die Ankunft ist hart verdient. Aus Barcelos sind es gut 33 Kilometer mit einem steilen Anstieg. Wer ohne Not nicht so weit gehen will, teilt die Etappe in Vitorino dos Piães.
- Die öffentliche Herberge ist schön gelegen, aber einfach. Pilger klagen in Camino-Ninja-Bewertungen über eng gestellte Betten, Gemeinschaftsduschen, deren Temperatur man nicht regeln kann, und eine karge Küche. Für 5 € und diese Lage am Fluss sehen es viele gelassen.
- Im Winter wird es kalt. Es gibt keine Decken, ohne Schlafsack geht es nicht.
- Montags ist kulturell Pause. Alle Museen haben geschlossen, dafür ist dann Markt, allerdings nur jeden zweiten Montag.
Wo Pilger schlafen
- Albergue de peregrinos de Ponte de Lima: die städtische Herberge in der Casa do Arnado am Largo da Alegria, gleich hinter der Brücke in Arcozelo. Sie wurde 2009 eröffnet und wird von einer örtlichen Vereinigung der Camino-Freunde geführt. 60 Betten in drei Schlafsälen, 5 €, Einlass ab 15 Uhr, keine Reservierung, ganzjährig offen, nur für Pilger. Schlafsack ist Pflicht, eine Küche gibt es, die Credencial bekommst du hier für 1,50 €.
- Pousada de Juventude de Ponte de Lima: die Jugendherberge am Ortseingang, etwa einen Kilometer vom Zentrum, mit Schlafsälen ab rund 18 bis 24 € mit Frühstück.
Dazu kommen private Hostels mit Schlafsälen ab etwa 22 €, eines davon gut einen Kilometer außerhalb der Altstadt. In Arcozelo, schon am Weg nach Labruja, gibt es weitere private Herbergen.
Ninja-Tipps
- Frühstück vorziehen: In der Jugendherberge kannst du beim Einchecken fragen, ob du vor der regulären Zeit frühstücken darfst. Für den Aufstieg nach Labruja ist ein früher Start Gold wert.
- Ein Stempel aus Wachs: Im Old Village Hostel bekommst du einen Stempel aus farbigem Siegelwachs, einen der ungewöhnlichsten am ganzen Weg. Es liegt aber etwa eine Viertelstunde vom Zentrum entfernt.
- Die Römer in deinem Haus: In der Casa do Arnado, dem Gebäude der Pilgerherberge, ist auch ein kleines Zentrum zur Römerzeit untergebracht, die Estação do Tempo Romano (laut Stand 2022 Dienstag bis Sonntag offen). So erfährst du gleich nebenan mehr über die Straße, auf der du gehst.
- Wasser für morgen: Zwischen Codeçal und Rubiães liegen über neun Kilometer ohne Bar und Laden, genau auf dem Stück über den Pass. Kauf heute ein.
- Am Abend über die Brücke: Such dir am Flussufer die Statuen der Römer. Du bist der, der sich getraut hat.
Wenn es regnet
Ponte de Lima ist nass: Im Jahresmittel fallen hier rund 1.360 Millimeter Regen. Diese Ziele haben Dienstag bis Sonntag geöffnet, montags alle geschlossen:
- Museu dos Terceiros: Sakralkunst in zwei Klosterkirchen, 10 bis 12:30 und 14 bis 18 Uhr, 2,50 € (Stand: Mai 2026).
- Estação do Tempo Romano: in der Casa do Arnado neben der Herberge, 10 bis 12:30 und 14 bis 18 Uhr (Stand: 2022).
- Centro de Interpretação do Vinho Verde: Fonte da Vila 28, 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr (Stand: 2022), Weinprobe 3 €.
- Museu do Brinquedo Português: portugiesisches Spielzeug aus vielen Generationen, 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr (Stand: 2022).
- Centro de Interpretação da História Militar: im Paço do Marquês, 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr (Stand: 2022).
Praktische Tipps für Pilger
- Credencial und Stempel: Die Credencial bekommst du in der Pilgerherberge für 1,50 €, dort gibt es auch den Stempel.
- Touristinfo: in der Torre da Cadeia Velha in der Altstadt.
- Einkauf: Kauf heute Abend Proviant für morgen, denn hinter Codeçal kommt bis Rubiães nichts mehr.
- Feiras Novas: Wer Mitte September ankommt, erlebt eines der größten Volksfeste im Norden Portugals. 2025 drängten sich rund 30.000 Menschen in den Gassen.
Weiter: über die Labruja
Morgen verlässt du Ponte de Lima über die Brücke und gehst am Fluss Labruja entlang durch Weinberge und Wälder, über Arcozelo und Codeçal nach Labruja, laut Camino Ninja gut 10 Kilometer. Dann beginnt der Anstieg zur Portela Grande de Labruja, vorbei an der Cruz dos Franceses, mit 315 Höhenmetern auf 4,2 Kilometern. Es ist der wichtigste Anstieg des ganzen Weges, gut zu gehen, aber mittelalterliche Pilger fürchteten ihn. Ab Codeçal brauchst du im ruhigen Tempo etwa anderthalb Stunden bis oben. Bis Rubiães sind es insgesamt knapp 18 Kilometer, bis Valença rund 35. Du bist auf dem Camino Portugués Central, und bis Santiago sind es noch rund 156 Kilometer.
Morgen erwartet dich
Ein Tag im Wald und am Berg, und am Ende ein Dorf mit einer romanischen Kirche aus dem dreizehnten Jahrhundert. In Rubiães stehen sechs römische Meilensteine der Via XIX, zwei davon tragen den Vorbau einer Kapelle. Es ist dieselbe Straße, über die du heute die Brücke von Ponte de Lima überquert hast.
Tiefer eintauchen: Der Fluss des Vergessens
Ein langer Text, falls du noch mehr über Ponte de Lima erfahren willst. Etwa dreizehn Minuten Lesezeit.
Auf der Brücke
Wenn du am Abend auf der Brücke von Ponte de Lima stehst, hast du zwei Ufer und zwei Zeitalter unter den Füßen. Auf der einen Seite liegt die Altstadt mit ihren Türmen und Plätzen. Auf der anderen Seite, in Arcozelo, stehen eine kleine gotische Kapelle und eine Kirche mit dem Namen eines Turms, den es nicht mehr gibt. Dazwischen fließt der Lima. Und unter dir trägt eine Brücke, die eigentlich zwei Brücken ist: ein kurzes Stück aus der Zeit der Römer und ein langes aus dem vierzehnten Jahrhundert.
Dieser Ort hat seinen Namen nicht von einem Heiligen, nicht von einem Fürsten und nicht von einem Berg. Er heißt einfach Brücke am Lima. Alles, was hier geschah, geschah, weil Menschen über diesen Fluss wollten. Römische Soldaten, Händler, Könige, Pilger. Du gehörst dazu.
Und dieser Fluss hat eine Geschichte, die besser zu einem Pilgerweg passt als fast jede andere. Man hielt ihn für den Fluss des Vergessens.
Lethe
In der Unterwelt der Griechen gab es einen Fluss, der Lethe hieß. Wer von seinem Wasser trank, vergaß alles, was er im Leben gewesen war. Die Seelen der Toten tranken davon, bevor sie in ein neues Leben gingen. Lethe ist das griechische Wort für Vergessen.
Der griechische Geograf Strabon, der um die Zeitenwende schrieb, berichtet, dass man den Lima auch Lethe nenne, den Fluss des Vergessens. Er erzählt dazu eine Geschichte: Kelten und Turduler seien gemeinsam auf einem Kriegszug bis hierher gekommen. Nach einem Streit hätten sie ihren Anführer verloren, sich zerstreut und seien geblieben, wo sie waren. Als hätten sie vergessen, woher sie kamen und wohin sie wollten. Man glaubte, das Wasser des Flusses raube das Gedächtnis.
Ob die Römer das wörtlich nahmen, wissen wir nicht. Aber die Geschichte, die man hier bis heute erzählt, setzt voraus, dass einfache Soldaten es glaubten.
Der Feldherr, der die Namen rief
Decimus Junius Brutus war 138 vor Christus Konsul in Rom. Danach schickte man ihn auf die Iberische Halbinsel, wo Banden aus Lusitanien die römischen Gebiete überfielen. Er zog nach Norden, überquerte den Douro und kam in das Land der Callaeker, wie die Römer die Menschen im heutigen Galicien und Nordportugal nannten. Der griechische Geschichtsschreiber Appian schreibt, Brutus sei der erste Römer gewesen, der daran dachte, den Lethe zu überqueren.
Und hier beginnt die Szene, die Ponte de Lima bis heute erzählt. Der römische Geschichtsschreiber Livius berichtet in der Kurzfassung seines Werkes, die Soldaten hätten sich aus Aberglauben geweigert, über den Fluss zu gehen, bis Brutus selbst voranging. Die örtliche Überlieferung hat daraus ein Bild gemacht, das man nicht vergisst. Brutus nimmt die Standarte, das Feldzeichen der Legion, und geht allein durch den Fluss. Am anderen Ufer dreht er sich um und ruft seine Soldaten, einen nach dem anderen, beim Namen. Er hat nichts vergessen. Er weiß noch, wer sie sind. Und da folgen sie ihm.
Über das Jahr sind sich die Quellen nicht einig. Manche nennen 138 vor Christus, andere 137, in Ponte de Lima liest du oft 135. Rom gab Brutus für seinen Feldzug einen Triumph und den Beinamen Callaicus, der Bezwinger der Callaeker. Für die Callaeker bedeutete der Feldzug Zerstörung, Ausgrabungen in der Cividade de Terroso zeigen Brandspuren aus dieser Zeit. Für die Erzähler von Ponte de Lima ist es die Gründungslegende ihres Flusses.
Auch flussaufwärts, im galicischen Xinzo de Limia, kennt man die Geschichte. Dort feiert man jeden Sommer ein Fest des Vergessens und spielt die Überquerung nach. Der Fluss hat zwei Länder und eine Legende.
Was die Geschichte dir sagt
Man kann diese Legende als Anekdote über einen klugen Feldherrn lesen. Man kann sie aber auch anders hören, besonders mit einem Rucksack auf dem Rücken. Da stehen Menschen an einem Ufer und haben Angst, dass sie sich auf der anderen Seite selbst verlieren. Einer geht voraus, und von drüben ruft er ihre Namen.
Vielleicht kennst du diese Angst in einer anderen Form. Man fragt sich, ob man nach Wochen auf dem Weg noch derselbe ist, ob man etwas zurücklässt, das man nicht wiederfindet. Die Legende von Ponte de Lima gibt darauf eine leise Antwort. Wer drüben ankommt, wird beim Namen gerufen. Du verlierst dich nicht im Fluss. Du kommst an.
Eine Straße, älter als der Weg
Die Römer kamen, um zu bleiben, und sie bauten eine Straße. Die Via XIX führte von Bracara Augusta, dem heutigen Braga, über Tude, das heutige Tui, bis Asturica Augusta, dem heutigen Astorga. Am Lima lag eine Station namens Limia, und hier stand die einzige Brücke weit und breit, die einzige zwischen der Mündung und dem Landesinneren. Wer nach Norden wollte, musste hier hinüber.
Die römische Brücke wird in die Zeit des Kaisers Augustus datiert. Ein Teil ihrer Bögen ist am Nordufer erhalten, auf der Seite, auf der heute die Pilgerherberge steht. Die Straße selbst ist an vielen Stellen noch zu finden. In Arcozelo steht ein Meilenstein an der Quinta de Faldejães. Bei Labruja überspannt eine kleine römische Brücke mit einem einzigen Bogen den gleichnamigen Fluss. Und in Rubiães, wo du morgen ankommst, stehen sechs Meilensteine, zwei davon tragen den Vorbau einer Kapelle.
Als später Pilger nach Santiago zogen, folgten sie dieser Straße. Der Weg über Ponte de Lima war kürzer als die anderen, dafür führte er über das raue Gebirge der Labruja. Du gehst also auf einem Weg, der lange vor dem Apostel da war. Die Markierungen sind neu. Die Straße nicht.
Eine Königin macht aus einem Ort eine Vila
Am 4. März 1125 stellte Teresa eine Urkunde für den Ort Ponte aus. Teresa war die Tochter von König Alfons dem Sechsten von León und regierte nach dem Tod ihres Mannes, Heinrich von Burgund, die Grafschaft Portugal. Der Papst nannte sie bereits Königin. Ihr Sohn war Afonso Henriques, der später erster König von Portugal wurde, nachdem er die eigene Mutter 1128 in der Schlacht von São Mamede besiegt und ins Exil geschickt hatte.
Mit dieser Urkunde, einem Foral, machte Teresa Ponte zur Vila, zu einem Ort mit eigenen Rechten. Ein Foral regelte Verwaltung, Abgaben und Freiheiten und befreite die Menschen ein Stück weit von der Herrschaft eines Grundherrn. Der Foral von Ponte erwähnt auch einen Markt. Afonso der Zweite bestätigte ihn 1217, Manuel der Erste erneuerte ihn 1511.
Heute steht in Ponte de Lima eine Statue der Königin vom Bildhauer Luís Valadares, am 4. März 2002 eingeweiht, genau 877 Jahre nach der Urkunde. Auf dem Sockel stehen Worte, die das Ereignis zusammenfassen: „E fez vila o lugar de Ponte“. Und sie machte den Ort Ponte zur Vila.
Die älteste Vila Portugals?
Ponte de Lima nennt sich gern die älteste Vila Portugals, und du wirst diesen Satz auf vielen Schildern lesen. Ganz so einfach ist es nicht, und es lohnt sich, das ehrlich zu sagen.
Zum einen gibt es Konkurrenz. São João da Pesqueira am Douro erhielt seinen ersten Foral schon zwischen 1055 und 1065 vom König Ferdinand dem Großen von León, also lange bevor es Portugal als Königreich gab. Ob man das zählt, hängt davon ab, was man unter Portugal versteht.
Zum anderen streiten die Historiker darüber, was 1125 eigentlich geschah. Der Historiker António de Almeida Fernandes vertrat 1960 die Ansicht, vor dem Foral habe es hier nur verstreute Höfe gegeben, und Teresa habe die Vila am Südufer überhaupt erst gegründet. Der Historiker Avelino de Jesus da Costa widersprach. Eine Kirche Santa Maria am Fluss sei schon für das Jahr 986 belegt, und im elften Jahrhundert habe es hier bereits einen Markt und Handel gegeben. In der Urkunde steht der Satz „faciam villam supra nominato loco Ponte“, ich mache eine Vila an dem genannten Ort Ponte. Für Costa war das keine Gründung aus dem Nichts, sondern ein Privileg für eine Siedlung, die es schon gab, damit mehr Menschen kamen. Urkunden dieser Zeit, so sein Argument, übertreiben gern die Leere vorher.
In einem Punkt waren sich beide einig: Die alte Gleichsetzung von Ponte de Lima mit einem römischen Forum Limicorum hielten sie für Fantasie. Was bleibt, ist ein Ort, der sehr alt ist, seine Rechte sehr früh bekam und seinen Stolz darauf zu Recht pflegt, auch wenn der Superlativ wackelt.
Mauern, Türme und eine neue Brücke
Im vierzehnten Jahrhundert reichte die alte Römerbrücke nicht mehr. Unter König Pedro dem Ersten entstand eine neue, viel längere Brücke im gotischen Stil. Manche vermuten, dass schon König Dinis mit dem Bau begonnen hatte. Gleichzeitig bekam der Ort eine Mauer. Eine Inschrift an der Torre Velha nannte den Baubeginn: den 8. März 1359. Am 19. Mai 1370 bestätigte König Fernando, dass das Werk vollendet war. Die Mauer war gut einen Kilometer lang, hatte neun Türme und sechs Tore. Zwei Türme sicherten die Brücke, einer davon die Torre Velha am Nordufer.
1504 ließ König Manuel der Erste die Brücke neu pflastern und mit Zinnen schmücken. 1511 wurde unter ihm die Porta Nova mit dem Turm vollendet, der lange als Gefängnis diente und heute Touristinfo ist. An der Torre de São Paulo kannst du eine gotische Inschrift lesen, die markiert, wie hoch einmal das Hochwasser stieg. Der Fluss, der das Gedächtnis rauben sollte, hat hier selbst eine Erinnerung in Stein hinterlassen.
Im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert brauchte niemand mehr Mauern, und man trug sie ab. Die Steine wanderten in neue Häuser. 1857 und 1858 riss man die beiden Brückentürme ab, damit Fuhrwerke passieren konnten. Von der alten Torre Velha siehst du nur noch die Fundamente. Bei Grabungen am Largo de Camões fand man im Jahr 2000 zwei gotische Bögen der Brücke, die unter dem Platz verschüttet lagen. Die Brücke ist also noch länger, als du siehst.
Ein König auf dem Weg nach Santiago
Wo Menschen über eine Brücke müssen, braucht es eine Unterkunft. Eine königliche Untersuchung aus der Zeit um 1412 erwähnt eine Albergaria an der Rua da Ponte, der Straße, die zwangsläufig zur Brücke führte. Eine Albergaria war ein einfaches Haus, in dem Reisende und Arme ein Dach über dem Kopf fanden. Wer über die Brücke wollte, kam durch diese Straße.
Einer dieser Reisenden war ein König. Manuel der Erste von Portugal pilgerte 1502 nach Santiago de Compostela. Die örtliche Überlieferung erzählt, dass er auf dem Weg in Ponte de Lima übernachtete, in der Casa do Patim, einem Haus, das schon im fünfzehnten Jahrhundert stand. Ob er wirklich hier schlief, lässt sich nicht beweisen. Sicher ist, dass derselbe König zwei Jahre später die Brücke pflastern ließ, über die er gekommen war.
Am Nordufer steht noch heute ein Ort, an dem mittelalterliche Reisende Halt machten. Die Capela do Anjo da Guarda, die Kapelle des Schutzengels, stammt aus dem letzten Viertel des dreizehnten Jahrhunderts. Sie ist klein, romanisch und gotisch zugleich, und sie zeigt den Erzengel Michael. Für Reisende war sie ein Ort der Andacht und der Zuflucht. Wer weiterzog, über die Berge nach Norden, konnte sich hier dem Engel anvertrauen, der in der christlichen Überlieferung die Seelen auf der Waage wiegt. Der Lima hat die Kapelle mehrmals überflutet, und jedes Mal hat man sie wieder aufgebaut.
Sie liegt nur ein paar Schritte von der heutigen Pilgerherberge. Sie stand schon da, als mittelalterliche Pilger den Pass von Labruja fürchteten.
Die Hauptkirche und die Schmerzensmutter
In der Altstadt steht die Igreja Matriz, die Hauptkirche. Ihre Wurzeln reichen mindestens ins frühe fünfzehnte Jahrhundert, in die Zeit von König João dem Ersten, und wahrscheinlich steht sie an der Stelle einer älteren Kirche. 1567 begann ein großer Umbau, der ihr die heutige Gestalt gab. Die meisten Holzschnitzereien im Inneren stammen aus dem achtzehnten Jahrhundert. Die Fensterrose an der Fassade kam erst 1932 hinzu, nach dem Vorbild der Franziskanerkirche in Porto.
Ihr Hauptaltar von 1729 ist Nossa Senhora das Dores geweiht, der Muttergottes der Schmerzen. Sie ist die Frau, der das größte Fest der Stadt gilt. Jedes Jahr im September beginnen hier die Feiras Novas mit einer feierlichen Messe und einer Vesper, und am letzten Tag zieht ihre Prozession durch die Altstadt.
Zweihundert Jahre Feiras Novas
Am 5. Mai 1826 erlaubte König Pedro der Vierte per Dekret, in Ponte de Lima drei Tage Markt zu Ehren der Schmerzensmutter abzuhalten. Daraus wurden die Feiras Novas, die neuen Märkte, und sie sind bis heute eines der größten Volksfeste im Norden Portugals. Sie finden um das zweite Septemberwochenende statt, mit Viehmarkt, Trommlern, Dudelsackspielern, Hunderten von Akkordeonspielern, Feuerwerk, einem großen Festumzug und der Prozession.
Ein brasilianischer Journalist, der den Caminho Português selbst zweimal gegangen ist, beschrieb 2025 rund dreißigtausend Menschen in den Gassen. Die Festwagen fuhren auf kleinen Lastwagen und Traktoren und zeigten das Landleben: die Weinlese, das Dreschen des Maises, die Arbeit in den Mühlen. Die Stimmung nannte er geordnet und hingebungsvoll. 2023 beantragte man, die Feiras Novas als immaterielles Kulturerbe anzuerkennen.
2026 wurde das Fest zweihundert Jahre alt. Am 5. Mai 2026, genau zwei Jahrhunderte nach dem Dekret, stellte die Stadt ein Jubiläumsbuch, eine Ausstellung und einen Dokumentarfilm vor, und zum Schluss gab es ein Feuerwerk für das nächste Jahrhundert. Die Feiras Novas selbst liefen vom 9. bis 14. September 2026.
Wein, Reis und Herrenhäuser
Rund um Ponte de Lima stehen mehr barocke Herrenhäuser als irgendwo sonst in Portugal, Häuser des Landadels mit Namen wie Aurora, Bertiandos und Calheiros. Die Landwirtschaft blieb hier bis ins zwanzigste Jahrhundert die wichtigste Lebensgrundlage. Auf den Feldern wächst der Wein für den Vinho Verde, und Ponte de Lima nennt sich seine Hauptstadt. Hier trinkt man ihn auch rot.
Auf den Tisch kommt der Arroz de sarrabulho, ein Reis, der mit Schweineblut gekocht und mit Muskat und Pfeffer gewürzt wird, dazu gebratenes Schweinefleisch. Es ist kein feines Essen. Es ist ein Essen für Menschen, die den ganzen Tag draußen gearbeitet haben. Oder gegangen sind.
Aus Ponte de Lima kamen Menschen, die man in Portugal kennt. Francisco de São Luís wurde Kardinal und Patriarch von Lissabon. José Norton de Matos war General und Politiker der Republik. Und Fernando Pimenta, geboren 1989, gewann für Portugal olympische Medaillen im Kanu, eine Silbermedaille 2012 und eine Bronzemedaille bei den Spielen von Tokio.
Ein Haus für Pilger am Ufer
2009 öffnete die Stadt eine Pilgerherberge in der Casa do Arnado am Largo da Alegria, am Nordufer, gleich hinter der Brücke. Das Haus gehört der Gemeinde, eine örtliche Vereinigung der Freunde des Jakobswegs kümmert sich um die Pilger. Sechzig Betten, fünf Euro. Im selben Gebäude erzählt ein kleines Zentrum von der Zeit der Römer.
Damit schließt sich ein Kreis. Die Herberge steht auf dem Ufer, das die Legionäre der Legende nach nicht betreten wollten, wenige Schritte von der römischen Brücke und der Kapelle des Schutzengels. Die Pilger von heute schlafen auf der Seite, von der aus Brutus seine Soldaten beim Namen rief.
Was Ponte de Lima dir mitgibt
Ponte de Lima ist ein Ort über das Erinnern. Es erinnert sich an eine Königin, an einen römischen Feldherrn, an ein Hochwasser, an zweihundert Jahre Fest. Es hat seine Mauern abgetragen und seine Brücke behalten. Und es erzählt eine Geschichte, in der jemand vorausgeht und die anderen beim Namen ruft.
Vielleicht ist das ein guter Gedanke für den Abend vor dem Berg. Morgen gehst du über die Labruja, den Anstieg, den die Pilger des Mittelalters fürchteten. Du gehst nicht allein. Vor dir sind schon viele gegangen, auf derselben Straße, über dieselbe Brücke. Wenn du willst, sag heute Abend die Namen der Menschen, die du mitgenommen hast, still für dich oder laut am Fluss. Der Lima nimmt dir nichts davon.
Dann geh über die Brücke zurück, vorbei an der Kapelle, und leg dich schlafen. Morgen früh rufst du dich selbst.
Übernachten in Ponte de Lima
Die von Pilgern am besten bewerteten Unterkünfte in Ponte de Lima stehen vorn.
- Top #1
GeöffnetReservierung möglichOld Village Hostel
- Top #2
GeöffnetReservierung möglichPousada de Juventude de Ponte de Lima
- Top #3
GeöffnetReservierung möglichMercearia da Vila
Angebote in Ponte de Lima
Was du vor der nächsten Etappe im Ort findest.
- Geldautomat
- Café
- Geschäft
- Arztpraxis
- Apotheke
- Brunnen
- Post
- Bahnhof
- Bushaltestelle
- Restaurant
Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert Januar 2026





