Caminho da Geira e dos Arrieiros
Von Braga auf einer römischen Straße nach Santiago: 245 Kilometer über die Meilensteine der Via Nova, quer durch den Nationalpark Peneda-Gerês und auf den Pfaden der Maultiertreiber durch Galicien.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen der Weg ideal ist – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Auf der Via Nova – Roms Meilensteine und die Maultiertreiber
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Vorbereitung & Praktisches
- 11Was dich der Weg kostet
- 12Anreise
- 13Wegträger
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Braga → Santiago de Compostela
- Länge: 244,5 km
- Höhenmeter: ↗ 6.632 m / ↘ 6.566 m
- Dauer: rund 9–11 Tage (offiziell 10 Etappen)
- Markierung: gelbe Pfeile und Geira-Beschilderung, seit der Anerkennung durchgehend
- Andere Namen: Geira Romana, Via Nova, Camino de la Geira y de los Arrieros
- Charakter: römische Straße + Maultiertreiber-Pfade – der historischste Weg zwischen Portugal und Galicien
Überblick
Kaum ein Jakobsweg läuft so buchstäblich durch die Geschichte wie dieser: Von Braga folgt der Caminho da Geira der Via Nova, einer römischen Straße aus dem Jahr 79/80 n. Chr., mitten durch den einzigen Nationalpark Portugals – den Peneda-Gerês. Links und rechts des alten Pflasters stehen mehr römische Meilensteine als an jeder anderen Straße Europas.
Hinter der Grenze übernehmen die Arrieiros: Jahrhundertelang trieben Maultiertreiber auf diesen Pfaden Wein und Waren zwischen Galicien und Portugal hin und her – ihre Route führt heute durch das grüne Hügelland über Celanova und die Terra de Montes bis nach Santiago de Compostela. Seit 2019 ist der Weg offiziell anerkannt, die Compostela ist dir also sicher – und mit bislang nur ein paar Tausend Pilgern gehört er zu den stillsten Wegen ans Apostelgrab.
Andere Namen
- Portugiesisch: Caminho da Geira e dos Arrieiros; „Geira“ heißt die römische Via Nova im Volksmund
- Spanisch: Camino de la Geira y de los Arrieros
- Historisch: Via Nova bzw. Via XVIII des Antoninischen Itinerars
„Arrieiros“ sind die Maultiertreiber, die bis ins 20. Jahrhundert den Warenhandel über die Grenze trugen – ihr Name steckt im galicischen Teil des Weges.
Für wen der Weg ideal ist – und für wen eher nicht
Ideal, wenn du Geschichte zum Anfassen willst: römisches Pflaster, Meilensteine, ein Römerlager am Stausee, westgotische und mozarabische Kirchen – dazu die wilde Landschaft des Gerês mit Wasserfällen und Thermalquellen. Und das alles auf einem Weg, den die meisten Pilger noch gar nicht kennen.
Weniger geeignet, wenn du es flach und gesellig magst: 6.600 Höhenmeter auf 245 Kilometern bedeuten ständiges Auf und Ab, die alten Pflasterstrecken sind bei Nässe rutschig, und zwischen den Etappenorten ist die Infrastruktur noch im Aufbau – Herbergen gibt es, aber nicht an jedem Ort.
Streckenverlauf & Landschaft
Von der Kathedrale von Braga – der ältesten Portugals – steigt der Weg durch das Minho-Hügelland nach Terras de Bouro und hinein in den Nationalpark Peneda-Gerês. Hier folgt er der Geira durch die Mata da Albergaria, einen der schönsten Eichenwälder der Iberischen Halbinsel, vorbei an Meilenstein um Meilenstein bis zum alten Grenzübergang Portela do Homem.
Auf galicischer Seite warten die Thermalquellen von Lobios, das Römerlager Aquis Querquennis am As-Conchas-Stausee und die westgotische Kirche Santa Comba de Bande (7. Jahrhundert). Über das Klosterstädtchen Celanova mit seiner mozarabischen Kapelle San Miguel zieht der Weg durchs Ribeiro-Weinland und die Terra de Montes – über Soutelo de Montes und Codeseda – bis er von Süden her in Santiago einläuft.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
245 Kilometer, gut 6.600 Höhenmeter, 9–11 Gehtage in 10 offiziellen Etappen – eine bewährte Gliederung (Kilometer sind Richtwerte):
- Braga → Terras de Bouro (1 Etappe) – Minho-Hügel, erste Meilensteine
- Terras de Bouro → Campo do Gerês (1 Etappe) – Stausee Vilarinho das Furnas
- Campo do Gerês → Lobios (1 Etappe) – Mata da Albergaria, Portela do Homem, Thermen von Rio Caldo
- Lobios → Bande (1 Etappe) – Aquis Querquennis und Santa Comba de Bande
- Bande → Celanova (1 Etappe) – Kloster San Salvador, Kapelle San Miguel
- Celanova → Pazos de Arenteiro (2 Etappen) – Arrieiros-Pfade durchs Ribeiro-Weinland
- Pazos → Soutelo de Montes (1 Etappe) – Terra de Montes
- Soutelo → Codeseda (1 Etappe) – Herbergsdorf der Geira-Pioniere
- Codeseda → Santiago de Compostela (2 Etappen) – über A Estrada und Ponte Ulla ins Ziel
Auf der Via Nova – Roms Meilensteine und die Maultiertreiber
Die Via Nova (Via XVIII) wurde 79/80 n. Chr. unter den Kaisern Vespasian und Titus gebaut und verband Bracara Augusta mit Asturica Augusta – 210 römische Meilen mit elf Poststationen. Was sie einzigartig macht: Keine andere Straße Europas hat so viele erhaltene Meilensteine. Im Gerês stehen sie teils in Gruppen am Originalpflaster, mitten im Wald der Mata da Albergaria. Und am Stausee von As Conchas taucht bei Niedrigwasser das Römerlager Aquis Querquennis auf – eine komplette Garnison mit Mannschaftsbaracken und Thermen.
Der zweite Namensgeber sind die Arrieiros: Maultiertreiber, die bis ins 20. Jahrhundert Ribeiro-Wein, Fisch und Waren über die Grenze handelten. Ihren Pfaden folgt der galicische Teil des Weges – durch Dörfer, in denen Pilger noch mit Handschlag begrüßt werden.
Neu ist der Weg nur als offizieller Camino: 2017 vorgestellt, 2019 kirchlich anerkannt, zählt er bis heute erst rund 8.700 Pilger aus 50 Ländern (Stand: Juli 2026) – und seit Juli 2026 gibt es den ersten kompletten Pilgerführer, erarbeitet von den Wegpionieren um die Associação Codeseda Viva.
Highlights am Weg
- Braga – „portugiesisches Rom“ mit der ältesten Kathedrale des Landes und Bom Jesus do Monte
- Nationalpark Peneda-Gerês – Portugals einziger Nationalpark, Wasserfälle und Wildpferde
- Mata da Albergaria – römisches Pflaster und Meilensteine im Eichenwald
- Portela do Homem – der alte Grenzpass zwischen Portugal und Galicien
- Lobios / Rio Caldo – Thermalquellen direkt am Weg
- Aquis Querquennis – Römerlager am Stausee, bei Niedrigwasser sichtbar
- Santa Comba de Bande – westgotische Kirche aus dem 7. Jahrhundert
- Celanova – Klosterstadt mit mozarabischer Kapelle San Miguel (10. Jh.)
- Ribeiro-Weinland – die alten Handelsgründe der Arrieiros
- Santiago de Compostela – Ankunft an der Kathedrale, wie vor tausend Jahren
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Braga ist bestens ans Pilgernetz angebunden – zwei Wege führen direkt hin:
- Porto – Braga – der grüne Zubringer vom Flughafen- und Bahnknoten Porto, ideal als Warm-up vor der Geira
- Camino Torres – der lange Weg aus Salamanca läuft ebenfalls über Braga; wer mag, wechselt hier auf die Römerstraße
Auch vom Camino Portugués Central ist der Umstieg einfach: Von Barcelos oder Ponte de Lima bringt dich der Bus in einer knappen Stunde nach Braga. Und wer ab Braga die Fluss- statt der Bergroute mag: Der Caminho Minhoto Ribeiro ist der Schwesterweg durchs Minho-Tal und die Ribeiro-Weinberge.
Vorbereitung & Praktisches
Die beste Zeit ist April bis Oktober; im Gerês kann es im Hochsommer heiß werden, die Pflasterstrecken sind bei Regen rutschig – Stöcke helfen. Der Weg ist markiert (gelbe Pfeile plus Geira-Schilder), ein GPS-Track gibt zusätzliche Sicherheit.
Herbergen gibt es in den wichtigsten Etappenorten (u. a. Campo do Gerês, Lobios, Celanova, Codeseda), dazwischen Pensionen und Casas Rurales – in der Nebensaison vorab anrufen. Wie auf allen Wegen nach Santiago brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial) für Stempel und Herbergen und am Ende die Compostela – am besten vorab online bestellen. Deine Etappen und Unterkünfte planst du am einfachsten direkt in der Camino Ninja App, in der du beides gleich zusammen einteilst.
Was dich der Weg kostet
Nordportugal und das ländliche Galicien sind günstig: Rechne mit 35–55 € pro Tag (Stand: August 2026) – Herbergen ab etwa 10–15 €, Pensionen um 35–50 €, dazu bodenständige Küche zu kleinen Preisen.
Anreise
Startpunkt ist Braga – vom Flughafen Porto in gut einer Stunde per Bus oder Bahn erreichbar. Wer pilgernd anreist, kommt über den Porto – Braga-Weg oder den Camino Torres direkt in die Stadt.
- Anreise: Flug nach Porto, weiter mit CP-Bahn (cp.pt) oder Bus nach Braga
- Rückreise ab Santiago: internationaler Flughafen (SCQ) und Bahnanschluss (renfe.com)
- Zwischeneinstieg: Celanova ist per Bus ab Ourense erreichbar – ideal für den rein galicischen Teil
Wegträger
Getragen wird der Weg von Vereinen und Gemeinden beidseits der Grenze – allen voran der Associação Codeseda Viva, die den Weg mit aufgebaut, beherbergt und dokumentiert hat. 2019 erkannte die Kirche die Route offiziell an; seit Juli 2026 gibt es den ersten vollständigen Pilgerführer in Buchform. Infos und Geschichte der Römerstraße bündelt geira.pt.
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