Ein stiller Weg quer durch zwei Länder: rund 421 Kilometer von Salamanca über Ciudad Rodrigo und die Beira Alta bis ins portugiesische Braga – auf den Spuren des Gelehrten Diego de Torres Villarroel, der diese Pilgerreise 1737 unternahm.
Der Camino Torres ist ein junger, noch wenig begangener Jakobsweg, der eine alte Reise wieder zugänglich macht: 1737 pilgerte Diego de Torres Villarroel (1694–1770), Mathematikprofessor an der Universität Salamanca, von Salamanca nach Santiago de Compostela – und wählte dabei nicht die naheliegende Vía de la Plata, sondern einen Umweg durch Portugal. Seine Reise hielt er in einem launigen Versgedicht fest, der „Peregrinación al Glorioso Apóstol Santiago de Galicia".
Fast drei Jahrhunderte später, ab 2008, entwarf die Ehemaligenvereinigung der Universität Salamanca einen modernen Weg, der diese Route so getreu wie möglich nachbildet; 2011 ging die offizielle Webseite online. Der Gesamtweg reicht über rund 570 bis 580 Kilometer und 23 Etappen bis Santiago.
Dieser Abschnitt führt über 421 Kilometer von Salamanca bis Braga: durch die salmantinische Dehesa, über Ciudad Rodrigo und die portugiesische Grenze in die Beira Alta, durch die Flusslandschaften von Douro und Támega bis ins nordportugiesische Braga, wo der Caminho Português Central das Pilgern Richtung Santiago übernimmt.
Der Name geht auf Diego de Torres Villarroel zurück, dessen Pilgerreise von 1737 der moderne Weg nachbildet.
Ideal, wenn du einen stillen, einsamen Weg fernab der großen Pilgerströme suchst, gern selbst navigierst und Interesse an einer literarisch-historischen Spurensuche durch zwei Länder hast. Wer Ruhe, Dehesa, portugiesisches Hinterland und die Verbindung von Spanien und Portugal mag, ist hier richtig.
Weniger geeignet, wenn du eine dichte Herbergsstruktur, durchgehend perfekte Markierung und Gesellschaft anderer Pilger erwartest. Der Camino Torres ist anspruchsvoll: lange, einsame Etappen, deutliche Höhenmeter und Abschnitte, in denen GPS sinnvoll bleibt.
Von Salamanca zieht der Weg zunächst westwärts durch die weite salmantinische Dehesa – über alte Pfade wie die Cañada Real de Extremadura – bis nach Ciudad Rodrigo. Über Aldea del Obispo erreichst du die portugiesische Grenze und das Festungsstädtchen Almeida.
In Portugal geht es durch die Beira Alta über Pinhel, Trancoso und Sernancelhe in die Hügel- und Flusslandschaften von Douro und Támega – vorbei an Lamego und Amarante – bis nach Guimarães und schließlich Braga.
Mit rund 421 Kilometern bis Braga und kräftigen Höhenmetern (↗ 6.646 m / ↘ 7.398 m, höchster Punkt etwa 918 m) ist der Weg über geschätzte 17–19 Tage durchaus fordernd. Das Gelände wechselt zwischen offener Hochebene, Bergland und Flusstälern. Es geht über traditionelle, öffentliche Wege; die Etappen sind teils lang und führen durch dünn besiedelte Gegenden. Eine gute Vorbereitung und das Mitführen der GPS-Tracks sind empfehlenswert.
Als der Camino Torres 2011 veröffentlicht wurde, war er vollständig georeferenziert: Für jede der 23 Etappen gibt es GPS-Tracks, mit denen man sich nicht verlaufen kann. Die physische Markierung kam später hinzu. Mitglieder der Vía-de-la-Plata-Vereinigung ACASAN markierten den Weg ab 2013 mit gelben Pfeilen und frischten sie 2019 auf; heute ist die Pfeil-Markierung nahezu durchgehend, an einzelnen Stellen aber noch verbesserungswürdig.
In Portugal kamen eigene Beschilderungen hinzu: Die Stadt Amarante markierte ihren Abschnitt (abgeschlossen 2020), und das Projekt „Valorização do Caminho de Torres" mehrerer nordportugiesischer Gemeindeverbände (2018–2021) brachte ab Ponte do Abade eine durchgehende vertikale Beschilderung.
Der Camino Torres mündet in Braga in das portugiesische Wegenetz nach Santiago. Hier schließt der Caminho Português Central an, der über Ponte de Lima die Grenze nach Tui überquert und durch Galicien – über Redondela, Pontevedra, Caldas de Reis und Padrón – nach Santiago de Compostela führt. Wer den historischen Gesamtweg von Torres Villarroel nachgehen möchte, setzt seine Reise ab Braga also auf dem Caminho Português Central fort.
Die beste Zeit ist Frühling bis Herbst. Der Camino Torres ist ein stiller Weg mit dünnerer Infrastruktur als die großen Caminos: Plane Unterkünfte (Pensionen, einfache Quartiere, in Spanien teils Albergues) im Voraus und rechne mit langen, versorgungsarmen Abschnitten. Lade dir die offiziellen GPS-Tracks herunter und nimm einen Pilgerausweis für Stempel und die Compostela mit. Detaillierte Etappenbeschreibungen und Tracks stellt die offizielle Webseite caminotorres.com bereit.
In Spanien und Portugal rechnest du grob mit 35–55 € pro Tag für Unterkunft und Verpflegung. Einfache Quartiere, Albergues und Selbstversorgung senken die Kosten; in Gegenden mit wenig Angebot oder in größeren Städten kann es teurer werden.
Startpunkt ist Salamanca, Ziel dieses Abschnitts Braga.

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