Camino Torres
Ein stiller Weg quer durch zwei Länder: rund 421 Kilometer von Salamanca über Ciudad Rodrigo und die Beira Alta bis ins portugiesische Braga – auf den Spuren des Gelehrten Diego de Torres Villarroel, der diese Pilgerreise 1737 unternahm.

- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen der Weg ideal ist – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Markierung – von GPS zur gelben Pfeil-Spur
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Salamanca → Braga
- Länge: 421,3 km
- Höhenmeter: ↗ 6.646 m / ↘ 7.398 m
- Höchster Punkt: ~918 m
- Dauer: rund 17–19 Tage zu Fuß (geschätzt)
- Wegzeichen: überwiegend gelbe Pfeile, GPS-Tracks, abschnittsweise eigene Beschilderung
- Andere Namen: Camino de Torres, Caminho de Torres
- Charakter: stiller, wenig begangener Jakobsweg durch West-Spanien und Nordportugal
Überblick
Der Camino Torres ist ein junger, noch wenig begangener Jakobsweg, der eine alte Reise wieder zugänglich macht: 1737 pilgerte Diego de Torres Villarroel (1694–1770), Mathematikprofessor an der Universität Salamanca, von Salamanca nach Santiago de Compostela – und wählte dabei nicht die naheliegende Vía de la Plata, sondern einen Umweg durch Portugal. Seine Reise hielt er in einem launigen Versgedicht fest, der „Peregrinación al Glorioso Apóstol Santiago de Galicia".
Fast drei Jahrhunderte später, ab 2008, entwarf die Ehemaligenvereinigung der Universität Salamanca einen modernen Weg, der diese Route so getreu wie möglich nachbildet; 2011 ging die offizielle Webseite online. Der Gesamtweg reicht über rund 570 bis 580 Kilometer und 23 Etappen bis Santiago.
Dieser Abschnitt führt über 421 Kilometer von Salamanca bis Braga: durch die salmantinische Dehesa, über Ciudad Rodrigo und die portugiesische Grenze in die Beira Alta, durch die Flusslandschaften von Douro und Támega bis ins nordportugiesische Braga, wo der Caminho Português Central das Pilgern Richtung Santiago übernimmt.
Andere Namen
- Deutsch: Camino Torres, Camino de Torres
- Portugiesisch: Caminho de Torres
- Englisch: Camino Torres
Der Name geht auf Diego de Torres Villarroel zurück, dessen Pilgerreise von 1737 der moderne Weg nachbildet.
Für wen der Weg ideal ist – und für wen eher nicht
Ideal, wenn du einen stillen, einsamen Weg fernab der großen Pilgerströme suchst, gern selbst navigierst und Interesse an einer literarisch-historischen Spurensuche durch zwei Länder hast. Wer Ruhe, Dehesa, portugiesisches Hinterland und die Verbindung von Spanien und Portugal mag, ist hier richtig.
Weniger geeignet, wenn du eine dichte Herbergsstruktur, durchgehend perfekte Markierung und Gesellschaft anderer Pilger erwartest. Der Camino Torres ist anspruchsvoll: lange, einsame Etappen, deutliche Höhenmeter und Abschnitte, in denen GPS sinnvoll bleibt.
Streckenverlauf & Landschaft
Von Salamanca zieht der Weg zunächst westwärts durch die weite salmantinische Dehesa – über alte Pfade wie die Cañada Real de Extremadura – bis nach Ciudad Rodrigo. Über Aldea del Obispo erreichst du die portugiesische Grenze und das Festungsstädtchen Almeida.
In Portugal geht es durch die Beira Alta über Pinhel, Trancoso und Sernancelhe in die Hügel- und Flusslandschaften von Douro und Támega – vorbei an Lamego und Amarante – bis nach Guimarães und schließlich Braga.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Mit rund 421 Kilometern bis Braga und kräftigen Höhenmetern (↗ 6.646 m / ↘ 7.398 m, höchster Punkt etwa 918 m) ist der Weg über geschätzte 17–19 Tage durchaus fordernd. Das Gelände wechselt zwischen offener Hochebene, Bergland und Flusstälern. Es geht über traditionelle, öffentliche Wege; die Etappen sind teils lang und führen durch dünn besiedelte Gegenden. Eine gute Vorbereitung und das Mitführen der GPS-Tracks sind empfehlenswert.
Markierung – von GPS zur gelben Pfeil-Spur
Als der Camino Torres 2011 veröffentlicht wurde, war er vollständig georeferenziert: Für jede der 23 Etappen gibt es GPS-Tracks, mit denen man sich nicht verlaufen kann. Die physische Markierung kam später hinzu. Mitglieder der Vía-de-la-Plata-Vereinigung ACASAN markierten den Weg ab 2013 mit gelben Pfeilen und frischten sie 2019 auf; heute ist die Pfeil-Markierung nahezu durchgehend, an einzelnen Stellen aber noch verbesserungswürdig.
In Portugal kamen eigene Beschilderungen hinzu: Die Stadt Amarante markierte ihren Abschnitt (abgeschlossen 2020), und das Projekt „Valorização do Caminho de Torres" mehrerer nordportugiesischer Gemeindeverbände (2018–2021) brachte ab Ponte do Abade eine durchgehende vertikale Beschilderung.
- In der Provinz Salamanca gibt es alte, gegenläufige Markierungen (Pfeile, Steinmale, Metallschilder), die Richtung Salamanca statt Richtung Portugal weisen – hier aufmerksam bleiben.
- Auch wo Beschilderung vorhanden ist, bleibt das GPS eine sinnvolle Ergänzung.
Highlights am Weg
- Salamanca – Universitätsstadt mit goldenem Sandstein, Weltkulturerbe und Ausgangsort der Reise von Torres Villarroel.
- Ciudad Rodrigo – ummauerte Grenzstadt mit Kathedrale.
- Almeida – sternförmige Festungsstadt direkt hinter der portugiesischen Grenze.
- Trancoso – mittelalterliches Mauerstädtchen in der Beira Alta.
- Lamego – Wallfahrtsort mit der barocken Treppe zur Kirche Nossa Senhora dos Remédios.
- Amarante – malerischer Ort am Fluss Tâmega.
- Guimarães – „Wiege Portugals", Altstadt als Weltkulturerbe.
- Braga – eine der ältesten Städte Portugals, Endpunkt dieses Abschnitts.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Der Torres beginnt als Abzweig: In Salamanca verlässt du die Via de la Plata und hältst nach Westen auf Portugal zu – benannt ist der Weg nach dem Geographen Torres Villegas, der ihn 1852 kartierte.
Braga ist die große Drehscheibe am anderen Ende: Hier docken der Caminho Minhoto Ribeiro und der Caminho da Geira e dos Arrieiros an, und über Ponte de Lima erreichst du den Camino Portugués Central.
Weiterpilgern?
Der Camino Torres mündet in Braga in das portugiesische Wegenetz nach Santiago. Hier schließt der Caminho Português Central an, der über Ponte de Lima die Grenze nach Tui überquert und durch Galicien – über Redondela, Pontevedra, Caldas de Reis und Padrón – nach Santiago de Compostela führt. Wer den historischen Gesamtweg von Torres Villarroel nachgehen möchte, setzt seine Reise ab Braga also auf dem Caminho Português Central fort.
Vorbereitung & Praktisches
Die beste Zeit ist Frühling bis Herbst. Der Camino Torres ist ein stiller Weg mit dünnerer Infrastruktur als die großen Caminos: Plane Unterkünfte (Pensionen, einfache Quartiere, in Spanien teils Albergues) im Voraus und rechne mit langen, versorgungsarmen Abschnitten. Lade dir die offiziellen GPS-Tracks herunter und nimm einen Pilgerausweis für Stempel und die Compostela mit. Detaillierte Etappenbeschreibungen und Tracks stellt die offizielle Webseite caminotorres.com bereit.
Was dich der Weg kostet
In Spanien und Portugal rechnest du grob mit 35–55 € pro Tag für Unterkunft und Verpflegung. Einfache Quartiere, Albergues und Selbstversorgung senken die Kosten; in Gegenden mit wenig Angebot oder in größeren Städten kann es teurer werden.
Anreise
Startpunkt ist Salamanca, Ziel dieses Abschnitts Braga.
- Bahn nach Salamanca: über das spanische Netz, u. a. ab Madrid. Renfe – Verbindungen und Tickets.
- Rückreise ab Braga: Braga ist ans portugiesische Bahnnetz angebunden (Richtung Porto). Comboios de Portugal – Verbindungen ab Braga.
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