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Camino del Estrecho

Der Camino del Estrecho führt dich in sieben Etappen und 148,8 km von Algeciras über Tarifa, den südlichsten Punkt des europäischen Festlands, und die Hügelstadt Medina Sidonia nach Puerto Real in der Bucht von Cádiz — durch drei Naturparks, an einer römischen Stadt vorbei und quer durch einen See, den es seit 1967 nicht mehr gibt. Er ist der jüngste Jakobsweg Andalusiens: ab 2010 vom Trägerverein entworfen, am 4. März 2024 offiziell vorgestellt — und damit jünger als die meisten Wanderschuhe, die auf ihm laufen.

17. August 202618 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Algeciras (Plaza Alta) → Puerto Real (Bucht von Cádiz)
  • Länge: 148,8 km
  • Höhenmeter: ↗ 2.693 m / ↘ 2.706 m — viele kleine Wellen statt großer Pässe; markant sind der Anstieg in die Alcornocales und die Rampe nach Medina Sidonia
  • Dauer: 6–7 Tage (7 Etappen)
  • Wegzeichen: gelbe Pfeile, in einigen Gemeinden Keramikfliesen und Stadtbeschilderung — der Weg ist jung, ein GPS-Track ist Pflichtausrüstung
  • Zubringer: die Fähre: Tanger Ville → Tarifa und Ceuta → Algeciras in je rund einer Stunde; an Land Bus und Bahn nach Algeciras, dem südlichsten Bahnhof des europäischen Festlands
  • Anschluss: in Puerto Real übernimmt die Vía Augusta — ihre Etappe 1 (Cádiz → Puerto Real) endet exakt hier; über Sevilla weiter auf der Vía de la Plata
  • Charakter: junger, fast pilgerleerer Küsten- und Grenzweg — Korkeichenwald, Meerenge mit Afrika-Blick, trockengelegter See, Hügelstadt mit Santiago-Wappen; genau ein Pilgerquartier auf der ganzen Strecke

Überblick

Der Camino del Estrecho beginnt an der Plaza Alta in Algeciras und steigt als Erstes weg vom Containerhafen in den Korkeichenwald des Parque Natural Los Alcornocales — oben, bei Las Pantallas, dreht sich das Bild: unter dir die Bucht, gegenüber Afrika, Ceuta und Tanger zum Anfassen nah. Dann fällt der Weg hinab nach Tarifa, den südlichsten Punkt des europäischen Festlands — Algier und Tunis liegen nördlicher —, folgt der Küste des Parque Natural del Estrecho zur Römerstadt Baelo Claudia und der über 30 Meter hohen Duna de Bolonia und biegt landeinwärts ab: durch die Ebene der Laguna de la Janda, des einst größten Sees Spaniens, den es seit 1967 nicht mehr gibt, hinauf in die Hügelstadt Medina Sidonia und zuletzt durch die Marschen der Bucht von Cádiz nach Puerto Real. Drei Naturparks, ein verschwundener See — und an klaren Tagen zwei Kontinente im Blick.

Dabei ist dies der jüngste Jakobsweg Andalusiens: ab 2010 von der Asociación Gaditana Jacobea „Vía Augusta" entworfen, am 4. März 2024 in Tarifa offiziell vorgestellt — er ist jünger als die meisten Wanderschuhe, die auf ihm laufen. Sein Fundament ist trotzdem alt: eine 630 geweihte Kirche bei Medina Sidonia, ein Santiago-Patronat, das eine Handschrift der Nationalbibliothek auf die Belagerung von Algeciras 1342–44 datiert — der Stadt, in der du losgehst —, und als Substrat die römischen Küstenstraßen der Vía Herculea. In Puerto Real endet der Weg nicht, er wird übergeben: an die Vía Augusta, deren erste Etappe genau hier endet, und über Sevilla an die Vía de la Plata. Rund 1.300 Kilometer sind es ab Algeciras bis Santiago — und diese ersten 148,8 sind die einzigen mit Afrika im Rücken.

630 geweiht, 1344 erschienen, 2024 eröffnet

Die Santiago-Geschichte dieses Weges hängt an Medina Sidonia, und sie beginnt mit einem Datum, das auf den Tag überliefert ist: Am 6. Dezember 630 weihte Bischof Pimenio die Ermita de los Santos Mártires vor der Stadt — gebaut auf einer römischen Villa, ein römischer Turm dient bis heute als Sakristei. Diese Kirche stand schon 81 Jahre, als 711 die Araber über die Meerenge kamen, und sie steht immer noch: eine der ältesten Kirchen Andalusiens, direkt an deiner Trasse. Das Santiago-Patronat kam sieben Jahrhunderte später — mit der Pointe, die diesen Weg trägt: Der Überlieferung nach erschien der Apostel bei Medina Sidonia als Reiter auf weißem Pferd und verteidigte eine fromme Frau gegen maurische Überfälle, und zwar während der Belagerung von Algeciras 1342–44 — genau in den Jahren, in denen die Stadt fiel, in der dieser Weg beginnt. Anfang und Höhepunkt der Route sind Anfang und Ende derselben Geschichte.

Aufgeschrieben steht das in einer anonymen Handschrift der spanischen Nationalbibliothek, MS. 9405: „De como la ciudad de medina sidonia invoca y tiene por su patron particular al apostol santiago … desde 300 años á esta parte" — verfasst Mitte des 17. Jahrhunderts, und die Rückrechnung „seit 300 Jahren" landet exakt in der Belagerungszeit; die Quelle datiert ihr eigenes Patronat selbst. Amtlich wurde die Sache erst 1965: Per Decreto 299/1965 genehmigte der Staat das Wappen von Medina Sidonia, mit Santiago zu Pferd. Wie ungleich die Region ihren Apostel behandelt, siehst du unterwegs mit eigenen Augen: In Tarifa verkaufte das Bistum die Santiago-Kirche aus dem 14. Jahrhundert im frühen 20. Jahrhundert als Baumaterial — geblieben sind Glockengiebel, Mauern und eine Kapelle von 1523. Sechzig Kilometer weiter reitet derselbe Apostel per Dekret im Stadtwappen.

Und eines muss man ehrlich sagen: Einen historischen Pilger von hier kennt niemand mit Namen. Bis 1344 war die Region muslimisch, danach jahrhundertelang Grenz- und Korsarenland — wer hier lebte, verließ die Mauern nicht für 1.300 Kilometer. Der belegbare Mensch dieses Weges ist darum sein Erbauer: Manuel Barea Patrón, Präsident der 2009 gegründeten Asociación Gaditana Jacobea „Vía Augusta", die den Camino del Estrecho ab 2010 entwarf und am 4. März 2024 in Tarifa offiziell vorstellte, gefördert von der Junta de Andalucía. Zwischen dem Kirchweihdatum 630 und dem Eröffnungsdatum 2024 liegen 1.394 Jahre — und du gehörst zu den Ersten, die diesen Weg tatsächlich gehen.

Andere Namen

Dieser Weg hat vier Namen, und drei davon stammen vom selben Verein. Auf der offiziellen Wegeliste der Asociación Gaditana Jacobea „Vía Augusta" heißt er Vía del Estrecho (Algeciras–Puerto Real); auf den Etappen- und Unterkunftsseiten desselben Vereins, bei den Wegportalen und in der Regionalpresse heißt er Camino del Estrecho — die Form, die sich durchgesetzt hat, und deshalb die, unter der du ihn hier findest. Komoot und das internationale Pilgerforum führen ihn als Camino de Santiago del Estrecho, und die Zeitung Portal de Cádiz nannte ihn im September 2024 Vía Gaditana Augusta Jacobea — Verwaltungssprache für dasselbe Stück Andalusien. Auf Deutsch wäre er der Jakobsweg der Meerenge: „Estrecho" ist die Straße von Gibraltar, und dieser Weg läuft ihr entlang, statt sie zu überqueren. Dass ein einziger Weg mit vier Namen unterwegs ist, hat einen einfachen Grund — er wurde erst 2024 vorgestellt, und die Namen sind noch nicht fertig sortiert. Verwechsle ihn nicht mit dem Schwesterweg desselben Vereins, der ab Gibraltar durch die Berge geht (siehe unten).

Für wen ideal — und für wen eher nicht

Dieser Weg ist etwas für dich, wenn du Andalusien nicht als Kulisse willst, sondern als Grenzraum: Du gehst am südlichsten Zipfel des europäischen Festlands los, siehst an klaren Tagen Ceuta und Tanger, läufst an einer Römerstadt vorbei, die vom Handel mit Tanger lebte, und kommst in einer Stadt an, die 1483 als Flottenbasis für Nordafrika gegründet wurde. Wenn dich Römer, Westgoten, Reconquista und Zweite Republik in einer einzigen Etappenliste reizen, ist das dein Weg — und mit 148,8 km in sieben Etappen passt er exakt in eine Urlaubswoche. Dazu ist er so leer, wie ein Jakobsweg nur sein kann: Du wirst hier kaum einem anderen Pilger begegnen.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du das Herbergsleben suchst: Auf der ganzen Strecke gibt es genau ein Pilgerquartier, die Casa del Peregrino in Tahivilla. Sonst wohnst du in Hostales, Pensionen und Casas rurales, buchst vor — und in El Pelayo, Bolonia und Tahivilla telefonierst du außerhalb der Saison vorher, weil manche Häuser erst im Frühjahr öffnen. Solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs. Und wenn du windempfindlich bist, gehört eine Zahl auf den Tisch: An der Meerenge liegt die durchschnittliche Windgeschwindigkeit in jedem Monat des Jahres über 10 Knoten — Levante oder Poniente, einer von beiden bläst fast immer.

Streckenverlauf & Landschaft

Du startest an der Plaza Alta in Algeciras, an der Kirche Nuestra Señora de la Palma, und steigst fast sofort weg vom Hafen hinauf in den Parque Natural Los Alcornocales, den Korkeichenwald. Auf der Höhe von Las Pantallas liegt dir die Bucht zu Füßen, gegenüber Afrika. Von El Pelayo fällst du an die Meerenge ab und erreichst Tarifa — 36 Grad Nord, südlicher als Algier und Tunis. Danach folgen 24 Kilometer Küste im Parque Natural del Estrecho, teils direkt über Felsen am Wasser, bis zur Bucht von Bolonia mit der über 30 Meter hohen Duna de Bolonia und den Ruinen von Baelo Claudia — den umfassendsten Resten einer römischen Stadt auf der Iberischen Halbinsel.

Hinter Bolonia dreht der Weg landeinwärts, und die Landschaft wechselt komplett: Über Tahivilla querst du die Ebene der Laguna de la Janda — einst der größte See Spaniens, ab dem frühen 19. Jahrhundert trockengelegt, endgültig erst 1967, gehalten von drei Staudämmen. Bei starkem Regen holt sich das Wasser die Flächen zurück; dann läufst du buchstäblich durch einen See. Über Benalup-Casas Viejas führt eine historische Cañada Real, eine alte Viehtrift, an Los Badalejos und zwei weißen Bogensteinbrücken vorbei hinauf in die Hügelstadt Medina Sidonia. Die letzte Etappe ist die längste und flachste: 30 Kilometer über den Sendero „Dos Bahías" durch Feuchtgebiete und Dehesa in den Parque Natural Bahía de Cádiz nach Puerto Real. Drei Naturparks, zwei Landschaftswelten, ein verschwundener See — auf 148,8 Kilometern.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Der Trägerverein teilt den Weg in sieben Etappen von 17 bis 30 Kilometern — im Schnitt 21 am Tag, das passt in eine Woche. Technisch ist nichts schwierig: Die 2.693 Höhenmeter verteilen sich auf viele kleine Wellen, markant sind nur der Anstieg am ersten Tag in die Alcornocales und die Rampe hinauf nach Medina Sidonia. Was dich wirklich fordert, ist anderes — Wind an der Küste, Felsen am Wasser, nach Regen Matsch und stellenweise überflutete Wege in La Janda. Und die Betten: Deine Etappeneinteilung richtet sich hier weniger nach deiner Kondition als nach der Frage, wo überhaupt eines steht. Wer sechs Tage will, legt die ersten beiden Etappen zu einem 37-Kilometer-Marsch zusammen — machbar, aber nur für Trainierte, und der Wind am Estrecho redet mit.

  1. Algeciras → El Pelayo — ca. 19 km — Start an der Iglesia Nuestra Señora de la Palma an der Plaza Alta; über die Playa de Getares und eine alte Militärstraße hinauf in den Parque Natural Los Alcornocales, bei Las Pantallas der große Blick über Bucht und Meerenge — ab hier siehst du Ceuta und Tanger. El Pelayo ist eine Streusiedlung an der N-340 mit wenigen Betten: unbedingt vorbuchen.
  2. El Pelayo → Tarifa — ca. 18 km — Abstieg zur Meerenge und Küstenanmarsch, teils Asphalt. In der Altstadt: Puerta de Jerez (13. Jh.), Castillo de Guzmán (960 erbaut), Iglesia de San Mateo — und die Ruine der Iglesia de Santiago im Viertel Aljaranda. Tarifa ist Surf- und Fährstadt mit Unterkünften in allen Preisklassen, der beste Standtag des Weges.
  3. Tarifa → El Lentiscal / Bolonia — ca. 24 km — Die Königsetappe: Küste im Parque Natural del Estrecho, über La Costa und teils direkt über Felsen am Wasser, bis zur Ensenada de Bolonia mit Baelo Claudia und der über 30 Meter hohen Duna de Bolonia. Der Wind ist hier Faktor, nicht Kulisse. In El Lentiscal sind manche Häuser außerhalb der Saison geschlossen — vorher anrufen.
  4. El Lentiscal → Tahivilla — ca. 17 km — Abschied von der Küste, landeinwärts in die Ebene der ehemaligen Laguna de la Janda; die kürzeste Etappe, unterwegs wenig Service. In Tahivilla wartet die Casa del Peregrino, das einzige echte Pilgerquartier des ganzen Weges.
  5. Tahivilla → Benalup-Casas Viejas — ca. 20 km — Durch La Janda: flach, offen, bei Nässe schwer. Ziel ist der Ort, der bis 1998 amtlich nur „Casas Viejas" hieß — mit dem Gedenkort zu den Ereignissen vom Januar 1933. Kleinstadt mit Hostales und Landhotels.
  6. Benalup-Casas Viejas → Medina Sidonia — ca. 20 km — Auf einer historischen Cañada Real über Malcocinado und Los Badalejos (Kanalquerung auf Holzsteg), vorbei an zwei weißen Bogensteinbrücken, am Ende der Anstieg in die Hügelstadt. Oben: Parroquia de Santiago el Mayor, Santa María la Coronada, Burg — und die Ermita de los Santos Mártires von 630.
  7. Medina Sidonia → Puerto Real — ca. 30 km — Die längste Etappe, flach: über den Sendero „Dos Bahías", an Casas del Berrueco vorbei, durch Feuchtgebiete und Dehesa über die Barriada Meadero de la Reina und den Barrio de Jarana in den Parque Natural Bahía de Cádiz. Wer teilen will, teilt in Jarana. In Puerto Real: Hotels, Bahnhof — und der Anschluss an die Vía Augusta.

Die Sechs-Tage-Variante legt Algeciras und Tarifa zu einer Etappe von rund 37 Kilometern zusammen — so führen manche Portale den Weg. Alles darunter scheitert nicht an deinen Beinen, sondern an der Unterkunftskarte: Zwischen den Etappenorten liegt schlicht nichts.

Highlights am Weg

  • Tarifa, 36° Nord — der südlichste Punkt des europäischen Festlands; Algier und Tunis liegen nördlicher. Dazu das Castillo de Guzmán, 960 unter Abd-ar-Rahman III. erbaut: Hier warf Guzmán el Bueno 1294 der Belagerungsarmee, die seinen gefangenen Sohn töten wollte, selbst den Dolch von der Mauer — „Matadle con este, si lo habéis determinado". Sein Haus gab später Medina Sidonia den Herzogsnamen.
  • Iglesia de Santiago, Tarifa — 14. Jahrhundert, auf einer Moschee im Viertel Aljaranda erbaut, neben dem „Postigo de Santiago". Das Bistum verkaufte sie im frühen 20. Jahrhundert als Baumaterial; seit 2015 gehört die Ruine der Stadt. Erhalten: Glockengiebel, Mauern und die Capilla de la Concepción von 1523.
  • Baelo Claudia — römische Stadt an der Bucht von Bolonia, Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. gegründet, von Claudius zum Municipium erhoben: Theater für 2.000 Personen, vier Aquädukte, Garum-Fabriken — und der wichtige Hafen für Tanger. Die Verbindung Europa–Afrika, für die du heute die Fähre nimmst, war hier schon vor 2.100 Jahren Geschäftsmodell.
  • Duna de Bolonia — über 30 Meter hoch, 13,17 Hektar, vom Levante aufgeschichtet; Monumento Natural seit dem 2. Oktober 2001. Direkt daneben die Römerstadt.
  • Der Vogelzug an der Meerenge — die Fundación Migres zählte 2023 zwischen Mai und Dezember 1,2 Millionen Richtung Afrika ziehende Vögel, darunter 271.400 Schwarzmilane und 147.500 Weißstörche. Du bist an dieser Küste nicht der Einzige, der aufs Wasser schaut und überlegt, wie man hinüberkommt — 1,2 Millionen machen dasselbe, nur in die andere Richtung.
  • Laguna de la Janda — einst der größte See Spaniens, ab dem frühen 19. Jahrhundert trockengelegt, vollendet erst 1967. Bei starkem Regen kommt das Wasser zurück — dann läufst du durch einen See.
  • Benalup-Casas Viejas — Gedenkort (seit 2015) der Ereignisse vom 10.–12. Januar 1933: mindestens 26 Tote, das verbrannte Haus des 72-jährigen „Seisdedos". Der Ort durfte seinen alten Namen erst 1998 wieder amtlich tragen — 65 Jahre nach den Schüssen.
  • Medina Sidonia — die Schlüsselstadt des Weges: aktive Parroquia de Santiago el Mayor, Santiago als Stadtpatron per Decreto 299/1965 im Wappen, die Ermita de los Santos Mártires von 630 — und der Sitz der Herzöge von Medina Sidonia (ab 1440), aus deren Haus 1588 der Befehlshaber der Armada kam. Manche halten die Stadt für die älteste Europas; gesichert ist das nicht — gesichert sind der römische Name Asido Caesarina und das Kirchweihdatum 630.
  • Puerto Real — dein Ziel: 1483 von den Katholischen Königen als „Königlicher Hafen" und Flottenbasis für Nordafrika gegründet, heute dein Übergabepunkt an die Vía Augusta im Parque Natural Bahía de Cádiz.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Der auffälligste Zubringer dieses Weges ist eine Fähre. Algeciras und Tarifa sind die beiden großen Fährhäfen der Meerenge: Tanger Ville → Tarifa dauert rund eine Stunde, mit etwa zehn Überfahrten am Tag ab 27–28 Euro, und Ceuta → Algeciras ebenfalls rund eine Stunde, bei etwa sechzehn Abfahrten täglich. Der Fährhafen von Algeciras liegt fußläufig zu Bahnhof und Busbahnhof — du kannst am Vormittag in Afrika sein und am Nachmittag an der Plaza Alta losgehen. Wer aus Marokko oder Ceuta kommt, betritt diesen Jakobsweg buchstäblich vom Schiff aus.

An Land führt alles über Algeciras: Busse aus Málaga, Sevilla und von der Costa del Sol, dazu die Bahn über Ronda (siehe Anreise). Und es gibt eine Entscheidung, die du schon im Campo de Gibraltar triffst: Der Camino Serrana — beim Trägerverein „Vía Serrana" — startet an der Iglesia de Santiago in La Línea de la Concepción direkt an der Grenze zu Gibraltar und läuft über San Roque und Jimena de la Frontera durch die Serranía de Ronda nach Utrera und Sevilla. Beide Wege gehören demselben Verein, beide beginnen an der Meerenge — du wählst zwischen Küste und Bergen.

Weiterpilgern?

Puerto Real ist kein Ziel, sondern eine Übergabe — und zwar eine ungewöhnlich präzise: Genau hier endet die erste Etappe der Vía Augusta, die in sieben Etappen von Cádiz nach Sevilla führt, betreut vom selben Verein, der auch den Camino del Estrecho gebaut hat. Du steigst also nicht um, du gehst einfach weiter: über Jerez de la Frontera, El Cuervo, Las Cabezas, Utrera und Alcalá de Guadaíra nach Sevilla — auf der Trasse der längsten Römerstraße Hispaniens, rund 1.500 Kilometer von Gades bis zu den Pyrenäen, gebaut zwischen 8 und 2 v. Chr.

In Sevilla wartet die Vía de la Plata und mit ihr der lange Norden — über Mérida, Cáceres, Salamanca und Zamora, dann entweder über den Camino Sanabrés direkt nach Galicien oder weiter bis Astorga auf den Camino Francés. Der Trägerverein rechnet für Algeciras bis Santiago mit rund 1.300 Kilometern. Anders gesagt: Deine 148,8 Kilometer sind gut elf Prozent des Weges — aber es sind die elf Prozent, in denen du Afrika sehen kannst.

Vorbereitung & Praktisches

Die beste Zeit sind Frühling und Herbst. Der Sommer an der Meerenge ist heiß, und die Küstenetappen bieten kaum Schatten; der Winter bringt Regen — und Regen ist hier ein echtes Thema: In La Janda holt sich das Wasser des trockengelegten Sees die Ebene zurück, ein Pilgerbericht beschreibt Wege, die nach Regen streckenweise fast unpassierbar überflutet waren. Dann weichst du auf Asphalt aus. Und rechne immer mit Wind: über 10 Knoten im Monatsmittel, das ganze Jahr, Levante oder Poniente. Eine Windjacke ist hier keine Vorsichtsmaßnahme, sondern Ausrüstung.

Markiert ist der Weg mit gelben Pfeilen, teils mit Keramikfliesen und Stadtbeschilderung — in Medina Sidonia war die städtische Beschilderung im September 2024 fertig, an einzelnen Landabschnitten fehlte sie noch. Auf einem so jungen und so wenig gegangenen Weg gehört ein GPS-Track aufs Handy; der Verein stellt Tracks und Etappenblätter bereit. Die zweite Pflicht ist das Bett: ein Pilgerquartier auf 148,8 Kilometern (Casa del Peregrino, Tahivilla), sonst Hostales, Pensionen und Casas rurales — vorbuchen, außerhalb der Saison vorher anrufen. Und auf den Etappen 4 bis 7 gibt es unterwegs streckenweise nichts: Wasser und Proviant trägst du, besonders auf den 30 Kilometern nach Puerto Real. Zwischen Tarifa und Bolonia ist das Gelände teils felsig — feste Schuhe, keine Turnschuhe.

Wie auf allen Jakobswegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial) — ausgegeben von der Asociación Gaditana Jacobea „Vía Augusta" in Cádiz (Sprechstunde mittwochs in der Parroquia Nuestra Señora de la Merced); Stempel bekommst du unterwegs in Rathäusern, Kirchen und Geschäften. Am besten bestellst du den Ausweis schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist. Und plane deine Tagesetappen vorher durch, weil die Unterkünfte dünn gesät und teils saisonal geschlossen sind — am einfachsten gelingt das direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.

Was dich der Weg kostet

Rechne mit 55 bis 85 € pro Tag, wenn du allein gehst, und mit 45 bis 65 € im geteilten Doppelzimmer (Stand: August 2026) — weil es fast keine Herbergen gibt, liegt dieser Weg über den klassischen Caminos. Die Bausteine: Einzelzimmer im Hostal ab etwa 40 €, Doppelzimmer 50 bis 70 €, das kommunale Quartier in Tahivilla im üblichen Rahmen von 10 bis 15 €; Frühstück 4 bis 5 €, das Menú del Día mittags 10 bis 14 €, wer im Supermarkt einkauft, isst für rund 10 € am Tag. Für die sieben Etappen landest du realistisch bei 400 bis 600 € ohne Anreise, plus 20 bis 30 € für Eintritte wie Baelo Claudia und die Burg von Medina Sidonia — und 27 bis 28 € Fähre, falls du aus Tanger anreist. Interessant ist die Gegenrechnung der Projektträger: Sie kalkulieren mit 40 bis 50 € Tagesausgaben pro Pilger und hoffen auf rund 4 Millionen Euro im Jahr für die Region. Der Weg ist auch ein Wirtschaftsplan — das darfst du wissen, und die 40 bis 50 € schaffst du nur zu zweit und mit Menú del Día.

Anreise

Mit dem Flugzeug ist Málaga der praktischste Einstieg: rund 120 Kilometer, und Avanza fährt direkt vom Flughafen und aus der Stadt nach Algeciras. Näher liegt Gibraltar (rund 20 Kilometer, weniger Verbindungen); Jerez de la Frontera ist mit rund 100 Kilometern der beste Flughafen für die Rückreise ab Puerto Real. Mit der Bahn erreichst du Algeciras über die Strecke von Bobadilla — es ist der südlichste Bahnhof des europäischen Festlands, mit Zügen aus Ronda, Granada, Córdoba und Madrid, und er liegt direkt neben dem Busbahnhof, der Fährhafen fußläufig.

Aus Afrika ist die Anreise am schönsten: Fähre von Tanger Ville nach Tarifa oder von Ceuta nach Algeciras, jeweils rund eine Stunde. Von Tarifa bringt dich der Bus die knapp 40 Kilometer nach Algeciras zurück an den offiziellen Startpunkt — oder du lässt es und beginnst gleich in Tarifa; der Weg verzeiht das. Die Rückreise ab Puerto Real ist bequem: Der Ort liegt an der Cercanías-Linie der Bucht von Cádiz, Minuten von Cádiz und Jerez entfernt — praktisch auch, wenn du direkt auf der Vía Augusta weitergehst.

  • Anreise nach Algeciras: Avanza-Busse ab Málaga (auch ab Flughafen) und Sevilla; Bahn über Bobadilla aus Ronda, Granada, Córdoba und Madrid; Fähren aus Ceuta und Tanger Med. Bahnhof, Busbahnhof und Fährhafen liegen beieinander, die Plaza Alta ist zu Fuß erreichbar.
  • Rückreise ab Puerto Real: Cercanías der Bucht von Cádiz nach Cádiz, El Puerto de Santa María und Jerez; ab Jerez Flughafen und Fernverkehr.
  • Zwischeneinstieg: Tarifa ist per Bus ab Algeciras erreichbar — wer dort startet, hat noch rund 111 km in 5 Etappen vor sich und beginnt direkt mit der Königsetappe an der Küste.
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