A Guarda ist dein erster Abend in Galicien: Das Boot aus Caminha legt in Camposancos an, und über dem Fischerhafen steht der 341 Meter hohe Santa Trega mit einer Siedlung aus der Zeit um Christi Geburt. 2025 kamen 32.785 Pilger hier durch. Ein Nachmittag reicht, wenn du ihn oben auf dem Berg verbringst.
Aktuell in A Guarda (Stand: Oktober 2026)
- Keine Fähre, nur Boote: Die Autofähre aus Caminha fährt seit 2021 nicht mehr. Das Linienboot legt in A Pasaxe in Camposancos an und fährt von November bis März nur morgens zwischen 8 und 9 Uhr portugiesischer Zeit.
- Winterpause der Herberge: Die kommunale Herberge war im letzten Winter vom 15. Dezember bis zum 15. Januar wegen Wartung geschlossen. Ob sie 2026/27 wieder schließt, haben wir nicht herausgefunden. Ruf vorher an: +34 619 258 075.
- Museen am Hafen: Die Gemeinde meldet das Museo do Mar und das Besucherzentrum im Castillo de Santa Cruz als geschlossen. Für das MASAT auf dem Santa Trega nennt sie reguläre Öffnungszeiten.
Wie lange bleiben?
Ein Nachmittag reicht. Von Caminha sind es nur gut zehn Kilometer, du bist also früh da. Den Nachmittag braucht der Santa Trega: etwa eine Stunde Aufstieg, oben der Castro, die Kapelle, das Museum und der Blick über die Mündung des Miño. Abends bleibt Zeit für den Hafen und die kleine Altstadt. Einen ganzen Ruhetag füllt A Guarda eher nicht.
A Guarda in Ninja-Zahlen
- 32.785 Pilger kamen 2025 laut Gemeinde durch A Guarda, und mehr als 3.850 begannen hier ihren Weg.
- 2.600 Pilger zählte der Portugiesische Küstenweg 2016, im Jahr seiner offiziellen Anerkennung in Galicien. 2025 waren es rund 90.000.
- Rund 159 Kilometer sind es laut Camino Ninja von A Guarda bis Santiago auf der Senda Litoral.
- 341 Meter hoch ist der Santa Trega. Von oben siehst du bei klarem Wetter die Küste, die du morgen gehst.
Ankommen: vom Bootsanleger um den Berg
Das Linienboot aus Caminha legt nach etwa zehn Minuten an der Estación marítima von A Pasaxe an, im Ortsteil Camposancos. Stell die Uhr eine Stunde vor, du bist in Spanien. Der direkte Weg nach A Guarda ist 3,6 Kilometer lang. Er führt links hinauf am verlassenen Bau des alten Jesuitenkollegs vorbei, durch Camposancos und das Viertel Saa zu den Sportanlagen von A Sangriña am Fuß des Santa Trega und dann an der Landstraße in den Ort.
Die Senda Litoral, wie Camino Ninja sie führt, nimmt den längeren Weg: um die Südspitze der Halbinsel herum zur Flussmündung und auf dem Uferweg am Strand O Muíño vorbei bis zum Hafen. Laut Camino Ninja sind das von A Pasaxe 8 Kilometer, gut 4 mehr als direkt.
Kurz erzählt: eine Wache an der Mündung
Auf dem Santa Trega lebten schon um Christi Geburt Tausende Menschen in einer großen befestigten Siedlung. Im Mittelalter verwalteten die Zisterzienser des Klosters Oia den Ort, der eine dreieckige Mauer mit der Kirche an der Spitze hatte. Im Krieg zwischen Spanien und Portugal baute man um 1664 die Festung Santa Cruz. Schon im November 1665 eroberten die Portugiesen sie, und A Guarda gehörte drei Jahre lang zu Portugal.
Später lebte der Ort vom Meer und von der Auswanderung. Im neunzehnten Jahrhundert gingen viele nach Puerto Rico, Santo Domingo und Brasilien, und wer reich zurückkam, baute sich ein Haus. Heute hat A Guarda gut 10.000 Einwohner.
Der Berg und das Meer: Langusten unter dem heiligen Berg
Oben der heilige Berg mit seinen Ruinen, unten der Hafen: Vom Santa Trega siehst du den Weg der letzten Tage und die Küste nach Norden, und unten erzählen steinerne Becken in den Felsen von einer Zeit, in der A Guarda Langusten bis ins Ausland verschickte. Ende der 1960er Jahre holten die Fischer noch riesige Mengen aus dem Meer. Mitte der 1970er Jahre waren die Langusten vor Galicien und Portugal fast verschwunden, und 2005 landete der Hafen keine 500 Kilo mehr an. Gefeiert werden sie trotzdem, seit 1991 auf der Festa da Langosta am ersten Juliwochenende.
Vom Berg zum Hafen: was du sehen solltest
Für den Santa Trega brauchst du den Nachmittag, für Hafen und Altstadt genügt ein Abendspaziergang.
- Monte Santa Trega und der Castro: Der Berg hat zwei Gipfel, O Facho mit 328 Metern und San Francisco mit 341 Metern. An seinen Hängen liegt eine befestigte Siedlung aus Rundhäusern, die um die Zeitenwende ihre Blütezeit hatte und rund 20 Hektar groß war. Oben stehen die Kapelle der heiligen Trega aus dem zwölften Jahrhundert und davor ein steinernes Wegkreuz aus dem sechzehnten. Für dich als Pilger ist das der große Rückblick und Ausblick: Unter dir mündet der Miño, über den du heute gekommen bist, und bei klarer Sicht siehst du die Küste, die du morgen gehst. Der Aufstieg zu Fuß dauert etwa eine Stunde, am Weg stehen die Stationen eines Kreuzwegs.
- MASAT, das Museum auf dem Gipfel: Das archäologische Museum zeigt, was am Berg gefunden wurde: zwei goldene Enden eines Halsrings, römische Münzen, Mühlsteine und den Cabezón, den „großen Kopf“ vom Trega. Eintritt 1,50 € (Stand: Oktober 2026), den Audioguide lädst du aufs Handy. Im Oktober geöffnet von 10 bis 19 Uhr, im November und Dezember von 11 bis 17 Uhr, montags und im Januar geschlossen. Ob Fußgänger an der Zufahrt zahlen, haben wir nicht sicher herausgefunden.
- Hafen und Cetárea Redonda: Am Hafen werden Fisch und Meeresfrüchte versteigert, die Halle ist werktags ab 16 Uhr für Besucher offen. An der Promenade erinnern zwei Denkmäler an die Fischer und an die Frauen, die jemanden auf See verloren haben. Nördlich des Hafens liegen in den Felsen die Cetáreas, alte Becken, in denen Langusten und andere Meerestiere lebend bis zum Verkauf gehalten wurden. Die größte, die runde Cetárea Redonda, liegt direkt an deinem Weg nach Oia.
- Altstadt und Indianos-Häuser: Die Pfarrkirche Santa María ist im zwölften Jahrhundert erstmals belegt und wurde im sechzehnten erweitert. In einem Seitenaltar hängt ein Gekreuzigter, der der Überlieferung nach zur Zeit Heinrichs des Achten von England ins Meer geworfen und hier geborgen wurde. Am Hafen steht das Kloster San Benito aus dem sechzehnten Jahrhundert, dessen Kirche noch in Gebrauch ist. Mehr als 50 Häuser haben Rückkehrer aus Amerika gebaut, eine Runde zu zwölf von ihnen dauert unter einer Stunde und beginnt in der Rúa Puerto Rico, der Straße der Pilgerherberge.
Essen und Trinken
A Guarda ist ein Fischerort, und das schmeckst du. Die Langusten sind das Wahrzeichen, auch wenn sie heute kaum noch vor der eigenen Küste gefangen werden. Woher die Tiere auf den Tellern kommen, haben wir nicht herausgefunden. Zur Festa da Langosta steht ein großes Zelt am Hafen, 2026 war es die 34. Ausgabe. Am letzten Juliwochenende folgt das Fest des Schwertfischs. In der Markthalle an der Rúa Concepción Arenal kaufst du vormittags Fisch, Meeresfrüchte und Gemüse.
Ehrlich gesagt
- In der kommunalen Herberge gab es 2026 Bettwanzen-Meldungen. Mehrere Camino-Ninja-Pilger berichteten von Mai bis September 2026 von Bettwanzen, dazu von offenen Duschen ohne Vorhang. Andere lobten Sauberkeit und Empfang. Prüf dein Bett beim Einchecken.
- Die berühmten Rundhäuser sind Nachbauten. Die beiden Rundhäuser, die zum Sinnbild des Castro wurden, sind Rekonstruktionen von 1965 und 1972 und gelten Archäologen als ungenau. Der Aufstieg lohnt sich trotzdem, schon wegen des Blicks.
- Die Museen am Hafen sind ein Glücksspiel. Museo do Mar und das Besucherzentrum der Festung stehen auf der Seite der Gemeinde als geschlossen. Verlass dich auf das MASAT auf dem Berg.
- Morgen früh gibt es lange nichts. Bis Oia sind die Bars und Läden dünn gesät. Ein Pilger fand im Juni 2026 das erste Café erst nach 8 Kilometern, und es öffnete um 9 Uhr. Kauf Frühstück und Wasser am Abend vorher.
Wo Pilger schlafen
- Albergue de peregrinos de A Guarda: die Herberge der Gemeinde in der Rúa Puerto Rico 7, mitten im Ort und wenige Meter vom Weg. 36 Plätze in zwei Schlafsälen, 10 € pro Nacht, keine Reservierung, Credencial Pflicht. Aufnahme von 14 bis 20:30 Uhr, um 22 Uhr wird abgeschlossen. Küche ja, Waschmaschine nein. Im Sommer und an langen Wochenenden oft voll.
- Albergue O Peirao: eine private Herberge mit 16 Plätzen, 18 bis 20 € pro Nacht, reservierbar, geöffnet vom 1. März bis zum 27. Dezember. Camino-Ninja-Pilger loben die Vorhänge an jedem Bett, die abschließbaren Fächer, die Küche und die herzlichen Gastgeber.
Eine Pfarr- oder Donativo-Herberge gibt es in A Guarda nicht.
Ninja-Tipps
- Die Uhr vorstellen: In Spanien ist es eine Stunde später als in Caminha. Die Herberge öffnet um 14 Uhr spanischer Zeit, wer früh übersetzt, hat also Zeit.
- Der lange Weg nur bei klarer Sicht: Die Runde um die Halbinsel an der Flussmündung ist gut 4 Kilometer länger als der direkte Weg. Sie lohnt sich vor allem an einem klaren Morgen.
- Ohne Rucksack auf den Berg: Geh nach dem Einchecken hinauf, im Winter schließt das Museum schon um 17 Uhr.
- Die Versteigerung ansehen: Werktags ab 16 Uhr darfst du in die Fischhalle am Hafen.
- Nur offizielle Boote: 2025 gab es am Miño Kontrollen gegen illegale Pilgertransporte, mit Strafen für Anbieter. Frag im Zweifel nach, bevor du in ein Boot steigst.
Praktische Tipps für Pilger
- Credencial: In der kommunalen Herberge brauchst du sie, ohne sie gibt es kein Bett.
- Einkauf: Supermärkte, Apotheke und Geldautomaten liegen wenige Gehminuten von der kommunalen Herberge.
- Touristinfo: Praza do Reló 1, im Winter montags bis freitags 10 bis 14 und 16:30 bis 18:30 Uhr, samstags nur vormittags.
- Feste: Der 16. Juli ist Feiertag, am 23. September ist die Wallfahrt zur heiligen Trega. Dann und am zweiten Sonntag im August ist das MASAT zu. An Festtagen füllen sich die Betten früh.
Weiter: an den Langustenbecken entlang nach Norden
Ab A Guarda folgst du der Senda Litoral an der offenen Atlantikküste nach Norden. Du verlässt den Ort über die Rúa Puerto Rico an der Herberge vorbei. Die Pfeile sind hier schlecht, achte auf das Schild zum Strand Area Grande. Über die Strände Fedorento und Area Grande geht es an den Cetáreas vorbei, bis die Pfeile bei der Cetárea Redonda zur Landstraße hinaufführen.
Laut Camino Ninja erreichst du nach knapp 6 Kilometern Portecelo und nach 11,7 Kilometern Oia. Auf den offenen Abschnitten kann der Wind von vorn kräftig blasen.
Morgen erwartet dich
Morgen ist ein kurzer Tag am Meer. In Portecelo, gut 6 Kilometer hinter A Guarda, liegt zehn Minuten vom Rastplatz Explanada do Horizonte entfernt die Laxe do Lapón, ein Felsen mit einer eingeritzten Spirale aus der Bronzezeit, rund 4.000 Jahre alt. Am Ende wartet Oia, ein kleines Fischerdorf, über dem das Zisterzienserkloster Santa María aus dem zwölften Jahrhundert direkt am Meer steht. Es ist dasselbe Kloster, dessen Mönche im Mittelalter A Guarda verwalteten.
Wer mehr Kraft hat, geht weiter bis Baiona, laut Camino Ninja knapp 30 Kilometer ab A Guarda.
Tiefer eintauchen: Der heilige Berg über der Grenze
Ein langer Text, falls du noch mehr über A Guarda erfahren willst. Etwa fünfzehn Minuten Lesezeit.
Der erste Schritt in Galicien
Wenn das kleine Boot aus Caminha in A Pasaxe anlegt, hast du in zehn Minuten ein Land gewechselt. Die Uhr springt eine Stunde vor, die Sprache auf den Schildern ändert sich, und vor dir steigt ein Berg auf, der die ganze Mündung des Miño beherrscht. Das ist der Santa Trega. Auf der anderen Seite des Wassers liegt Portugal, das du gerade verlassen hast. Vor dir liegt Galicien und, knapp hundertsechzig Kilometer entfernt, Santiago.
A Guarda ist ein Ort, der sich zwischen diesem Berg und dem Meer eingerichtet hat. Oben die Ruinen einer Siedlung aus der Zeit um Christi Geburt und eine Kapelle für eine Heilige aus Kleinasien. Unten ein Fischerhafen, eine kleine Altstadt und Häuser, die Auswanderer mit dem Geld aus Amerika gebaut haben. Dazwischen liegt eine Geschichte von Grenzkriegen, Langusten und einer Schule, die in einem der dunkelsten Kapitel Spaniens zum Gefängnis wurde. Dieser Text erzählt sie, so weit die Quellen sie tragen.
Eine Heilige aus Kleinasien
Der Berg heißt nach einer Frau aus dem fernen Kleinasien. Tecla, auf Galicisch Trega oder Tegra, stammte der Überlieferung nach aus Ikonion, dem heutigen Konya in der Türkei. Alles, was von ihr erzählt wird, steht in einer einzigen Quelle, den Akten des Paulus und der Thekla, einer Schrift aus dem zweiten Jahrhundert, die nicht in die Bibel aufgenommen wurde. Danach hörte die junge Frau den Apostel Paulus predigen und beschloss, ihm zu folgen, gegen den Willen ihrer Mutter und ihres Verlobten. Man verurteilte sie zum Feuertod, doch ein Unwetter mit Regen und Hagel löschte den Scheiterhaufen. Später warf man sie wilden Tieren vor, und die Tiere griffen sie nicht an.
In Spanien ist Tecla vor allem die Patronin von Tarragona, wohin 1321 eine Armreliquie der Heiligen kam. Wie ihr Name auf einen Berg an der Mündung des Miño gelangte, wissen wir nicht. Die Gemeinde von A Guarda datiert ihre Verehrung auf das siebte Jahrhundert, eine Kapelle ist seit dem zwölften Jahrhundert belegt. Bei Grabungen fand man 1994 dort oben mehrere Gräber aus westgotischer Zeit. Eine galicische Überlieferung erzählt, Tecla habe ihr Leben als Einsiedlerin auf diesem Berg beendet. Das ist eine Legende.
Wachs, Babyschuhe und ein Mantel
Die Kapelle, die du heute oben siehst, bekam ihre Gestalt im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert. Davor steht ein Wegkreuz aus dem sechzehnten Jahrhundert, das dem heiligen Franziskus gewidmet ist, so wie der höchste Gipfel San Francisco heißt. Drinnen steht eine Figur der Heiligen mit echtem Haar, die man ankleiden kann. Die argentinische Anthropologin Constanza Ceruti hat 2024 beschrieben, was die Menschen hier zurücklassen: Körperteile aus Wachs, Fotos kranker Angehöriger, Babyschuhe. Im Volksglauben heilt Santa Trega das Herz und den Kopf.
Die Gläubigen berühren den Mantel der Figur und reiben Taschentücher daran. Ceruti erzählt von einer Wärterin, nach deren Bericht ein Priester die Figur einmal auf den Hochaltar stellen wollte. Die Gemeinde war dagegen, denn dort oben hätte niemand mehr den Mantel berühren können. Die Figur blieb, wo die Hände sie erreichen.
Am 23. September, dem Festtag der Heiligen, steigen die Familien von A Guarda auf den Berg, mit Messen, einer Prozession, der Versteigerung von Gaben, die man der Heiligen geschenkt hat, und einem Picknick unter den Bäumen. Im August, in der Woche der Festa do Monte, gibt es eine zweite große Wallfahrt mit Musik und Tanz. Dieses Fest wurde 2009 zum Fest von touristischem Interesse in Galicien erklärt. Wenn du an einem dieser Tage ankommst, gehst du nicht allein hinauf.
Steine, die älter sind als die Siedlung
Lange bevor jemand den Namen Tecla kannte, haben Menschen auf diesem Berg Zeichen in den Fels geritzt. Die Felsbilder stammen aus der Endphase der Jungsteinzeit und sind rund 2.000 Jahre älter als die Siedlung, deren Ruinen du siehst. Mit ihr haben sie nichts zu tun. Eine dieser Steinplatten hat man als Landkarte des Miño gedeutet und Laxe do Mapa genannt, die Platte der Karte. Wissenschaftlich begründet ist diese schöne Idee nicht.
Dass hier oben eine ganze Stadt gestanden hatte, wusste lange niemand. Als der gelehrte Benediktiner Martín Sarmiento 1745 nach A Guarda kam, erwähnte er den Berg, die Kapelle und die Wallfahrt, aber keine Ruinen. 1862 fanden Steinbrecher in der Nähe der Kapelle eine kleine Bronzefigur des Herkules. Sie kam später ins Museum und wurde in den 1970er Jahren gestohlen. 1864 schrieb Ramón López García zum ersten Mal über die Ruinen, und 1888 brachte der Historiker Manuel Murguía sie mit den Kelten in Verbindung.
Eine Straße findet eine Stadt
Der eigentliche Fund war ein Zufall. 1912 wurde in A Guarda eine Gesellschaft zur Förderung des Berges gegründet, die Sociedad Pro Monte. Ein Jahr später ließ sie eine Straße auf den Gipfel bauen, und die Bauarbeiter stießen auf Mauern und Fundamente. Am 26. Februar 1914 kam die Erlaubnis für richtige Grabungen. Geleitet hat sie bis 1923 Ignacio Calvo vom Archäologischen Nationalmuseum in Madrid. Er nannte die Anlage eine Citania, eine kleine Stadt.
Von 1928 bis 1933 grub Cayetano de Mergelina von der Universität Valladolid weiter, vor allem am Osthang. Am 3. Juni 1931 wurde die Siedlung zum nationalen Kunst- und Geschichtsdenkmal erklärt. Ausgerechnet in diesen Jahren beschädigten der Ausbau der Straße und eine Aufforstung die Ruinen schwer. Nach 1933 kümmerte sich fast fünfzig Jahre lang kaum jemand um sie, und die Vegetation wuchs darüber. Erst 1979 begann man wieder zu säubern und zu sichern, 1983 folgten neue Grabungen.
Das Museum auf dem Gipfel hat seine eigene Geschichte. Gegründet wurde es 1917 von derselben Gesellschaft. 1943 kaufte sie ein Gebäude auf dem Gipfel, das der berühmte galicische Architekt Antonio Palacios als Restaurant entworfen hatte. Am 23. Juli 1953 wurde dort das Museum eingeweiht, mit den Teilnehmern eines nationalen Archäologenkongresses als Gästen.
Wer hier oben wohnte
Was die Grabungen zeigen, ist eine dicht bebaute Siedlung aus runden und ovalen Steinhäusern. Mehrere davon gruppierten sich jeweils um einen gemeinsamen Hof, Archäologen sprechen von Familieneinheiten. Die Gemeinde schätzt, dass auf rund 20 Hektar zur Blütezeit zwischen 3.000 und 5.000 Menschen lebten.
Die Funde erzählen von Handel weit über den Berg hinaus. Man fand knapp hundert Münzen, die meisten aus der Zeit der Kaiser Augustus und Tiberius. Dazu Scherben von römischem Tafelgeschirr, Amphoren, die meist Wein enthielten, und Glas in Millefiori-Technik, das zu den besten Stücken seiner Art auf der Iberischen Halbinsel zählt. Das kostbarste Stück sind zwei Enden eines Halsrings aus Goldblech, eines davon mit einem Triskel, einem Dreiwirbel. Du siehst sie heute in der Mitte des Museums.
Wann genau hier Menschen lebten, ist umstritten. Mergelina glaubte an eine lange Besiedlung vom sechsten Jahrhundert vor bis ins dritte Jahrhundert nach Christus. Die heute verbreitete Sicht des Archäologen Antonio de la Peña Santos ist viel kürzer: vom ersten Jahrhundert vor bis zum ersten Jahrhundert nach Christus. Die Gemeinde nennt Spuren bis ins vierte Jahrhundert vor Christus. Einig sind sich alle, dass die Siedlung ihre Blüte um die Zeitenwende hatte, als Rom schon da war und die Menschen hier trotzdem in ihren runden Häusern blieben.
Der Berg, auf dem sich ein Volk umgebracht haben soll
Ignacio Calvo, der erste Ausgräber, hatte eine kühne Idee. Er glaubte, den Monte Medulio gefunden zu haben. Römische Geschichtsschreiber erzählen von diesem Berg als einem der letzten Schauplätze der Kriege, mit denen Rom den Norden Spaniens unterwarf. Die Römer hätten die Verteidiger mit einem Graben von fünfzehn Meilen eingeschlossen, und als es keinen Ausweg mehr gab, hätten sich die Eingeschlossenen nach einem letzten Festmahl selbst getötet, mit Feuer, Schwert oder dem Gift der Eibe. Der spätantike Autor Orosius schreibt, der Berg liege über dem Fluss Minius, und der Minius ist der Miño.
Auch der deutsche Altertumsforscher Adolf Schulten hielt den Santa Trega für einen möglichen Kandidaten, neben dem Berg Aloia bei Tui. Aber das ist nur eine von vielen Thesen. Andere suchen den Monte Medulio in Kantabrien, weil dort der Krieg tobte, wieder andere im Landesinneren Galiciens. Die Frage gilt bis heute als ungeklärt. Wenn du oben stehst und auf den Fluss hinunterschaust, darfst du dir die Szene vorstellen. Beweisen kann sie niemand.
Umstritten ist auch, was du auf jedem Foto vom Santa Trega siehst: die beiden Rundhäuser am Weg. Sie wurden 1965 und 1972 nachgebaut. Archäologen bescheinigen ihnen ernste Mängel in der Genauigkeit. Trotzdem wurden sie in kurzer Zeit zum Sinnbild der ganzen galicischen Castro-Kultur. So geht es manchmal mit Bildern: Das ungenaue wird berühmter als das echte.
Eine Festung gegen Portugal
Unten am Meer entstand im Mittelalter der Ort A Guarda. Im zwölften Jahrhundert verwalteten ihn die Mönche des Zisterzienserklosters Oia, das du morgen siehst. Die Mauer bildete ein Dreieck, an dessen Spitze die Kirche stand. Im sechzehnten Jahrhundert dezimierten Seuchen die Bevölkerung, und 1558 gründete die Adelsfamilie Sotomayor mit Erlaubnis Philipps des Zweiten ein Kloster für Benediktinerinnen am Hafen.
Dann wurde die Grenze heiß. 1640 hatte sich Portugal von Spanien losgesagt, und der Krieg zog sich fast drei Jahrzehnte hin. Um 1664 baute man in A Guarda die Festung Santa Cruz und nahm dafür Steine der mittelalterlichen Stadtmauer. Es half wenig. Im November 1665 eroberte ein portugiesisches Heer unter dem Grafen von Prado die Festung, nach Widerstand unter dem Gouverneur Jorge Madureira. Drei Jahre lang gehörte A Guarda zu Portugal, bis der Krieg 1668 endete.
Als die Franzosen kamen
Eineinhalb Jahrhunderte später standen die beiden Ufer auf derselben Seite. Im Februar 1809 versuchte der französische Marschall Soult, den Miño bei A Guarda zu überqueren, um nach Portugal einzufallen. Am 5. Februar besetzte seine Vorhut die Festung, am 12. Februar kam das Hauptheer. Die Menschen flohen in die Berge, und die Männer bildeten Milizen, die man Alarmas nannte. Soult gab den Übergang auf und zog am 17. Februar ab, ließ aber eine Besatzung zurück.
Am 10. März 1809 kamen sechshundert portugiesische Soldaten unter Oberst Serpa über den Fluss. Zusammen mit den Milizen unter Hauptmann Juan de Almeida e Sousa nahmen sie die Festung ein und holten die französische Fahne ein. Die spanische Wikipedia nennt A Guarda den ersten Ort, an dem in jener Zeit eine französische Fahne fiel. Diesmal kamen die Portugiesen also nicht als Eroberer, sondern als Verbündete, über denselben Fluss, den du heute im Boot überquert hast.
Langusten für Europa
Das neunzehnte und zwanzigste Jahrhundert gehörten dem Meer. Entlang der Küste baute man in die Felsen Becken, die Cetáreas, in denen das Meerwasser bei Flut hereinströmte und Langusten, Krebse und andere Meerestiere lebend hielt, bis man sie verkaufte, in andere Teile Spaniens und ins Ausland. Vier dieser Becken sind in A Guarda erhalten. Das größte ist die runde Cetárea Redonda, eine Quelle nennt 1895 als Baujahr.
Die Langustenfischerei reichte die ganze galicische Küste entlang, von Ribadeo im Norden bis A Guarda im Süden. Francisco Pérez, früher Verantwortlicher der Fischerzunft Santa Tecla, erinnerte sich, dass die Fischer von A Guarda Ende der 1960er Jahre noch jeden Monat riesige Mengen fingen. Wenige Jahre später war es vorbei. Mitte der 1970er Jahre waren die Langusten vor Galicien und Portugal fast verschwunden, die Boote aus A Guarda mussten bis nach Marokko fahren. 2005 kamen im Hafen keine 500 Kilo mehr an. Ein Journalist nannte die verlassenen Becken an der Küste 2024 stumme Zeugen einer verschwundenen Art.
Heute fährt die Flotte von A Guarda weit hinaus aufs Meer, und ihre Schwertfischfänger gehören zu den wichtigsten Spaniens. Die Langusten werden trotzdem gefeiert, jeden Juli in einem großen Zelt am Hafen. An der Promenade stehen zwei Denkmäler: eines von 1991 für die Fischer und die Frauen, die die Netze knüpften, und eines von 2004 für die Frauen, die einen Menschen an das Meer verloren haben.
Puerto Rico, Santo Domingo und zurück
Wer nicht aufs Meer fuhr, fuhr oft übers Meer. Im neunzehnten Jahrhundert wanderten viele Menschen aus A Guarda nach Amerika aus, vor allem nach Puerto Rico, dazu nach Santo Domingo und Brasilien. Wer dort reich wurde, kam zurück und baute. Mehr als 50 dieser Häuser der Indianos, wie man die Heimkehrer nannte, stehen heute im Ort, die meisten aus der zweiten Hälfte des neunzehnten und dem Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts.
Eines heißt Villa Borinquen, gebaut 1910, und Borinquen ist der alte Name Puerto Ricos. Das heutige Kulturzentrum entstand zwischen 1921 und 1932 als Hospital und Asyl. Und die Pilgerherberge, in der du vielleicht schläfst, steht in der Rúa Puerto Rico. Die Verbindung hat bis heute gehalten: 2005 schloss A Guarda eine Partnerschaft mit Santo Domingo in der Dominikanischen Republik.
Ein Kolleg namens Apostel Jakobus
Wenn du vom Boot nach A Guarda hinaufgehst, kommst du an einem großen, verfallenden Gebäude vorbei. Es ist das alte Kolleg der Jesuiten von Camposancos. Die Schule war 1872 im Gutshaus Ancéis bei A Coruña gegründet worden und zog 1875 hierher an die Mündung des Miño. Sie trug den Namen Colegio Apóstol Santiago, Kolleg des Apostels Jakobus.
Zwei ihrer Menschen haben in Galicien Spuren hinterlassen. Der Jesuit Baltasar Merino, 1845 in Lerma bei Burgos geboren, kam 1880 als Lehrer für Naturwissenschaften an die Schule. Er leitete ihre Wetterstation, deren Beobachtungen von 1881 bis 1890 er veröffentlichte, und schrieb ein großes Werk über die Pflanzen Galiciens, das zwischen 1905 und 1909 in drei Bänden erschien. Unter den Schülern war ein Junge aus Lalín, Ramón María Aller. Er baute 1912 in seinem Haus in Lalín das erste astronomische Observatorium Galiciens und leitete später die Sternwarte der Universität Santiago. Der Botaniker starb 1917 in Vigo, der Astronom 1966 in seinem Heimatort.
Mitte der 1910er Jahre zog das Kolleg nach Vigo, wo es als Jesuitenschule Apóstol Santiago bis heute besteht. Die portugiesischen Jesuiten, die ebenfalls in Camposancos unterrichteten, blieben bis 1932. Danach begann für das Gebäude eine andere Geschichte.
Die Pforte der Hölle
Nach dem Militärputsch im Juli 1936 schloss sich A Guarda rasch den Aufständischen an, und das alte Kolleg wurde zum Gefängnis. Im Oktober 1937 fiel die republikanische Front in Asturien. Am 28. Oktober lief im Hafen von Baiona der Dampfer Arichachu ein, mit 3.167 Männern, 140 Frauen und einigen Kindern, die in Asturien gefangen genommen worden waren. Auf Lastwagen brachte man sie nach Camposancos. Das Kolleg wurde ein Konzentrationslager, in dem Tausende Gefangene zusammengepfercht waren. In Galicien nannte man es die Pforte der Hölle.
Mindestens 74 Gefangene starben an Schlägen oder an Krankheiten, die aus Enge, Schmutz und fehlender ärztlicher Hilfe kamen. Ab dem 4. Juni 1938 tagte im Lager ein Militärgericht. Der Historiker Marcelino Laruelo hat 31 Schnellverfahren dokumentiert, Sammelprozesse, in denen auf jeden Angeklagten etwa fünf Minuten kamen. Am Ende standen 222 Todesurteile. Wie viele davon vollstreckt wurden, geben die Quellen unterschiedlich an, es waren mehr als hundertfünfzig. Erschossen wurden die Verurteilten außerhalb von A Guarda, in Pontevedra und vor allem in Tui.
Auf dem Friedhof von Sestás in Camposancos erinnert eine schlichte Tafel an 49 Menschen, die dort in einem Massengrab liegen. Das Kolleg selbst verfällt. Wenn du morgens vom Boot heraufkommst und an seinen leeren Fenstern vorbeigehst, gehst du an diesem Kapitel vorbei. Es ist kein Ort für Fotos, aber vielleicht einer für einen stillen Moment.
Pilger an der Mündung
Ob im Mittelalter viele Pilger hier über den Miño kamen, ist nicht belegt. Die Anthropologin Ceruti vermutet, der weithin sichtbare Santa Trega könnte Pilgern auf dem portugiesischen Weg als Landmarke gedient haben, so wie der Cebreiro auf dem Camino Francés. Das ist eine Vermutung, mehr nicht.
Sicher ist, was in den letzten Jahren geschah. Erst 2016 wurde der Portugiesische Küstenweg mit dem galicischen Denkmalgesetz offiziell anerkannt. In jenem Jahr zählte er 2.600 Pilger. 2025 waren es über 90.000, und der Präsident der Xunta sprach im April 2026 von einem spektakulären Wachstum. Durch A Guarda kamen 2025 nach Angaben der Gemeinde 32.785 Pilger, mehr als 3.850 begannen hier. Der Bürgermeister Roberto Carrero beobachtet, dass immer mehr von ihnen länger bleiben, um Essen, Kultur und Landschaft zu genießen.
Seit 1995 brachte eine Autofähre die Menschen über den Fluss, seit 2021 fährt sie nicht mehr, und im Oktober 2026 stand sie als Schrott zum Verkauf. Als dieser Text entstand, im Herbst 2026, kamen die Pilger also wieder in kleinen Booten nach A Guarda, wie es früher wohl einmal war.
Was A Guarda dir mitgibt
Der Santa Trega ist ein Berg für den Blick zurück und nach vorn. Hinter dir liegt Portugal mit all den Tagen an der Küste, vor dir die Küste Galiciens bis Baiona und weiter. Auf demselben Berg haben Menschen vor Jahrtausenden Zeichen in den Fels geritzt, vor zweitausend Jahren in runden Häusern gewohnt und bis heute Körperteile aus Wachs und Babyschuhe zu einer Heiligen aus Kleinasien getragen. Was immer du dort oben suchst, Aussicht, Geschichte oder ein Gebet, der Berg hat es schon vielen gegeben.
Und unten, am Fuß des Berges, steht das leere Kolleg, das einen Apostelnamen trug und zum Lager wurde. Auch das gehört zu diesem Ort. Wer auf dem Weg ist, lernt, beides zu sehen: die Weite und die Wunde. Morgen gehst du weiter nach Norden, mit dem Meer zur Linken.
Übernachten in A Guarda
Unterkünfte in A Guarda.
GeöffnetReservierung möglichAlbergue O PeiraoA Guarda4.517 Bewertungen
18€KücheKochfelderMikrowelleUnd mehr
GeöffnetReservierung möglichHotel Vila da GuardaA Guarda4.73 Bewertungen
45€KücheMikrowelleTeller & UtensilienUnd mehr
Geöffnet0 BewertungenReservierung möglichHotel Eli MarA Guarda41€FrühstückFrühstück inkl.W-lanUnd mehr
Geöffnet0 BewertungenHotel Monumento Convento de San BenitoA Guarda56€FrühstückW-lanFernseherUnd mehr
Angebote in A Guarda
Was du vor der nächsten Etappe im Ort findest.
- Geldautomat
- Café
- Geschäft
- Tabak
- Arztpraxis
- Apotheke
- Brunnen
- Post
- Bahnhof
- Restaurant
Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert April 2026
Caminos durch A Guarda
Öffne einen Camino, um ihm ab A Guarda auf der Karte zu folgen.
