Oia ist ein Fischerdorf an der wilden Küste zwischen A Guarda und Baiona, und über ihm steht das einzige Zisterzienserkloster direkt am Meer. 1624 schossen seine Mönche mit Kanonen auf Piratenschiffe. Eine öffentliche Herberge gibt es nicht, im Winter wird das Bett knapp. Ein Nachmittag reicht.
Aktuell in Oia (Stand: Oktober 2026)
- Die Pilgerherberge im Dorf ist zu: La Cala – A Pilgrim's Inn hat nach Angaben eines Herbergsportals vom 1. März bis 12. Oktober offen. Bis zum Frühjahr findest du Betten erst wieder ein paar Kilometer weiter (siehe „Wo Pilger schlafen“).
- Das Kloster ist eine Baustelle: Es gehört einer Privatfirma, wird restauriert und soll ein Hotel mit Kulturzentrum werden. Führungen gibt es nur zeitweise, Termine für 2026 haben wir nicht gefunden.
Wie lange bleiben?
Ein Nachmittag reicht. Oia ist ein kleines Dorf um einen Hafen, und alles Wichtige liegt am Kloster. Von außen kannst du es umrunden, an der Mauer zum Meer stehen und dir vorstellen, wo 1624 die Kanonen standen. Hinein kommst du nur in die Kirche oder bei einer der seltenen Führungen. Danach bleibt Zeit für den Hafen und, bei Ebbe, für die alte Fischfalle im Watt.
Oia in Ninja-Zahlen
- Rund 148 Kilometer sind es laut Camino Ninja von Oia bis Santiago. Die 100 Kilometer, die du für die Compostela brauchst, liegen noch vor dir.
- 8 Kanonen standen 1624 auf der Klostermauer, so steht es in einem gedruckten Bericht aus demselben Jahr.
- 89.512 Pilger kamen 2025 über den portugiesischen Küstenweg nach Santiago, so das Pilgerbüro. Die Senda Litoral an der Klostermauer gehört dazu.
- Rund 350 Pferde treiben die Hirten im Mai beim Curro da Valga in der Gemeinde Oia zusammen (Stand: Mai 2024).
- 0 Geldautomaten hat der Ort (Stand: August 2026). Bargeld holst du vorher in A Guarda.
Ankommen: an der Küste entlang zum Kloster
Von A Guarda sind es laut Camino Ninja knapp 12 Kilometer. Die Senda Litoral folgt dabei der felsigen Küste mit Klippen und kleinen Buchten, das Meer liegt den ganzen Tag links von dir. Am Ende taucht ein Fischerdorf auf, und darüber, direkt am Wasser, der lange Bau des Klosters Santa María de Oia.
Kurz erzählt: Mönche zwischen zwei Königreichen
Das Kloster entstand im zwölften Jahrhundert aus kleinen Einsiedeleien. König Alfons der Siebte förderte es, 1185 schloss es sich den Zisterziensern an. Seine Mönche wurden reich: an Abgaben auf Schiffe und Fischfang, an Höfen beiderseits des Miño, an Gütern bis hinunter nach Lissabon. Ein Kloster in Galicien mit einem großen Teil seines Besitzes in Portugal, das hieß in Kriegszeiten, dass die portugiesische Krone Güter beschlagnahmte. 1835 hob der spanische Staat das Kloster auf und versteigerte es. Die Kirche wurde Pfarrkirche, der Rest wechselte die Besitzer.
Ein Bollwerk am Atlantik
Im siebzehnten Jahrhundert wurde aus dem Kloster eine Festung. Die Mönche bauten Mauern, eine Strandmauer und einen Waffenplatz, denn vor der Küste kreuzten Piraten aus Nordafrika. 1621 hatten sie sieben Geschütze. Am 20. April 1624 jagten fünf Piratenschiffe zwei portugiesische und ein französisches Handelsschiff an der Küste entlang. Die Mönche eröffneten das Feuer, mit Kanonen und Musketen, drei Stunden lang. Einer von ihnen, Pater Pablo de Lezcano, früher Soldat, richtete selbst ein Geschütz, „im Namen der Jungfrau von Oia und meines Vaters, des heiligen Bernhard“, und versenkte das Flaggschiff. So erzählt es ein Druck aus demselben Jahr. Seither heißen sie in Galicien die Artilleriemönche.
Was dich daran berührt, wenn du hier mit Rucksack stehst: Die Mauer, an der du entlanggehst, ist dieselbe. Das Kloster liegt so nah am Wasser wie kein anderes Zisterzienserkloster, und genau das machte es verwundbar und wehrhaft zugleich.
Am Kloster: was du sehen solltest
Oia ist klein. Alles, was sich lohnt, liegt im Viertel O Arrabal um das Kloster und den Hafen, du brauchst dafür keinen Stadtplan.
- Kirche Santa María de Oia: Die Kirche entstand zwischen dem späten zwölften und dem dreizehnten Jahrhundert und ist der einzige erhaltene Teil des mittelalterlichen Klosters. Drinnen ist sie zisterziensisch streng: drei Schiffe, ein Querhaus und hinter dem Altar fünf rechteckige Kapellen, ein Grundriss nach französischem Vorbild. Die Fassade ist barock und aus dem achtzehnten Jahrhundert, oben steht die Virxe do Mar, die Jungfrau vom Meer, Schutzpatronin des Ortes. Seit 1931 ist das Kloster Baudenkmal, und die Xunta nennt die Kirche einen wichtigen Bezugspunkt des Küstenwegs. Besichtigen kannst du laut der spanischen Tourismusbehörde nur die Kirche, Öffnungszeiten haben wir nicht gefunden.
- Die Mauer zum Meer: Geh einmal außen um das Kloster herum bis an die Mauer zum Meer. Auf der Klostermauer standen 1624 die Geschütze. Neben dem Kloster liegt ein kleiner Strand, den du nur bei Ebbe erreichst.
- A Camboa: Im Watt vor dem Dorf liegt eine steinerne Fischfalle aus dem sechzehnten Jahrhundert. Bei Flut füllt sie sich, bei Ebbe bleiben die Fische darin zurück. Du siehst sie nur bei Niedrigwasser, also lohnt sich ein Blick in die Gezeitentabelle.
- Fonte de San Cosme: Der alte Brunnen am Hafen wird noch genutzt, und man sagt seinem Wasser Heilkraft nach. San Cosme ist ein Name, der hier älter ist als die Zisterzienser: 1137 schenkte König Alfons der Siebte den Mönchen eine Einsiedelei dieses Heiligen. Das Fest von San Cosme y San Damián feiert der Ort Ende September.
Essen und Trinken
Die Auswahl ist klein. Am Kloster gibt es eine Handvoll Bars und Restaurants, darunter die Casa Henriqueta, ein Haus aus dem achtzehnten Jahrhundert mit Terrasse und Blick aufs Kloster, und A Camboa mit Gegrilltem und Kabeljau nach portugiesischer Art. Dazu kommt die Bar Terraza do Mosteiro im Kulturhaus des Ortes. Einen Laden für Lebensmittel gibt es, einen Bäcker nicht.
Ehrlich gesagt
- Keine öffentliche Herberge. In Oia gibt es nur eine kleine private Pilgerherberge mit zwölf Betten, und die ist im Winter zu. Wer günstig schlafen will, plant entweder A Guarda oder die Herbergen ein paar Kilometer weiter.
- Das Kloster bleibt meist verschlossen. Es ist Privatbesitz und eine Baustelle. Erwarte keinen Kreuzgang, sondern eine Kirche und eine eindrucksvolle Fassade.
- Wenig Versorgung. Kein Geldautomat, keine Apotheke, kein Bäcker. Kauf in A Guarda ein.
- Abends wird es eng. Für ein Abendessen solltest du in der Saison rechtzeitig reservieren, das berichten Camino-Ninja-Pilger, und die Liste der Lokale ist kurz.
Wo Pilger schlafen
- La Cala – A Pilgrim's Inn: private Pilgerherberge in der Rúa do Loureiro, rund 50 Meter vom Weg. Zwölf Betten in Zwei- und Dreibettzimmern, nur mit Credencial, 25 € mit Bettwäsche, Handtuch und Frühstück (Stand: August 2026). Reservierung per WhatsApp oder Mail, offen vom 1. März bis 12. Oktober. Pilger in Foren empfehlen sie.
Daneben gibt es in Oia Zimmer in privaten Häusern, etwa Casa Puertas, ein restauriertes Haus aus dem siebzehnten Jahrhundert nahe am Strand, das Camino-Ninja-Pilger durchweg loben, oder OIA Villa Violeta. Herbergsbetten findest du 4 bis 7 Kilometer weiter: In Viladesuso liegen Albergue da Estrela und Alojamiento Camino Portugués Oia, in O Porto de Mougás das Albergue Aguncheiro. Das Alojamiento Camino Portugués Oia hat ganzjährig offen, Da Estrela bis Ende November und Aguncheiro bis Mitte November (Stand: August 2026).
Ninja-Tipps
- Bargeld aus A Guarda mitbringen: In Oia gibt es keinen Geldautomaten.
- Bei Ebbe ankommen: Die steinerne Fischfalle A Camboa und der Strand am Kloster zeigen sich nur bei Niedrigwasser. Ein Blick auf die Gezeiten am Morgen in A Guarda lohnt sich.
- Den Tag verlängern: Wenn dir die Etappe von A Guarda zu kurz ist, schau dir das Kloster mittags an und geh noch 4 bis 7 Kilometer bis zu den Herbergen in Viladesuso oder Mougás. Dann wird der nächste Tag nach Baiona kürzer.
- Im Mai und Juni an die Pferde denken: In den Bergen über Oia leben halbwilde Pferde. Bei den Curros treiben die Hirten sie zusammen, scheren ihre Mähnen und markieren die Fohlen. 2026 waren die Termine am 17. Mai in A Valga, am 7. Juni in Torroña und am 14. Juni in Mougás, dem größten Curro der Gemeinde.
- An der Straße wach bleiben: Hinter Mougás führt der Weg ein Stück an der PO-552 und auf dem Radweg daneben. Vor A Ermida musst du die Straße überqueren, dort ist Vorsicht angesagt.
- Der alte Weg vor Baiona: Nach A Ermida steigt der Weg steil an, auf einem kurzen Stück mit bis zu 20 Prozent, und führt dann als alter gepflasterter Pfad zum Leuchtturm am Kap Silleiro. Pilger beschreiben ihn als gut markiert und als einen der schönsten Abschnitte des Weges.
Praktische Tipps für Pilger
- Einkauf: Es gibt einen Lebensmittelladen, aber keinen Bäcker und keine Apotheke (Stand: August 2026). Für die nächste Etappe kaufst du am besten schon in A Guarda ein.
- Stempel: Einen offiziellen Stempelort im Dorf haben wir nicht gefunden. Frag in der Herberge oder in den Bars am Kloster.
- Feste: Die Virxe do Mar feiert Oia im späten Frühjahr mit Messe und Prozession, Ende September folgt San Cosme y San Damián.
Weiter: über das Kap nach Baiona
Die Senda Litoral bleibt am Meer. Hinter O Serrallo überquerst du auf einer Metallbrücke die Mündung des Río Mougás, gehst durch das Fischerdorf O Porto de Mougás und ein Stück neben der Landstraße. Nach A Ermida beginnt der Anstieg zum Kap Silleiro mit dem Leuchtturm und dem Blick auf die Islas Cíes. Dann geht es hinunter nach Baiona, laut Camino Ninja gut 18 Kilometer von Oia.
Morgen erwartet dich
Die meisten Camino-Ninja-Pilger übernachten als Nächstes in Baiona. Dort warten die Festung Monterreal und der Blick auf die Bucht, und dort steht mit Santa María eine Kirche, die nach einem Pilgerportal von Zisterziensermönchen aus Oia gegründet wurde. Du gehst morgen also von einem Haus der weißen Mönche zum nächsten.
Tiefer eintauchen: Die Artilleriemönche von Oia
Ein langer Text, falls du noch mehr über Oia erfahren willst. Etwa fünfzehn Minuten Lesezeit.
Ein Kloster, das ins Meer schaut
Wenn du von A Guarda kommst, hast du den ganzen Tag das Meer zur Linken gehabt, Felsen, kleine Buchten, Brandung. Und dann steht da, unten am Wasser, ein Kloster. Kein Kloster in einem stillen Tal, wie es die Zisterzienser sonst suchten, sondern eines, das dem Atlantik direkt ins Gesicht schaut. Die Gemeinde Oia sagt, es sei das einzige Kloster dieses Ordens, das unmittelbar am Meer liegt.
Dieses Kloster hat in fast neunhundert Jahren vieles gesehen. Es war reich und arm, gehörte halb zu Galicien und halb zu Portugal, wehrte sich mit Kanonen gegen Piraten, wurde versteigert, beherbergte vertriebene Jesuiten und wurde im Spanischen Bürgerkrieg zum Gefängnis. Heute ist es eine Baustelle mit großen Plänen. Dieser Text erzählt, was hinter der Mauer liegt, an der du gerade entlanggehst.
Ein Anfang, über den man streitet
Wann das Kloster gegründet wurde, ist nicht sicher, und es lohnt sich, das offen zu sagen. Die Gemeinde Oia nennt das Jahr 1137. Damals, so heißt es, habe man drei kleine Klöster der Gegend zusammengelegt, die nach der Regel des heiligen Benedikt lebten, unter dem Schutz von König Alfons dem Siebten. Eine andere Darstellung erzählt, Alfons der Siebte habe den Mönchen in jenem Jahr eine Einsiedelei des heiligen Cosmas geschenkt. Den Namen findest du heute noch am Brunnen im Hafen.
Historiker sind vorsichtiger. Manche der frühen Urkunden gelten als zweifelhaft. Als erste verlässliche Erwähnung nennt eine Darstellung eine königliche Schenkung von 1149, ein Historiker setzt die Gründung auf 1145. Die Historikerin Ana Paula Leite Rodrigues, die das Kloster gründlich erforscht hat, nennt als ältestes Dokument eine Schenkung vom 29. August 1145. Ein Mönch namens Paio Guterres vermachte dem Kloster damals Land in Verdoejo und Mozelos, und beide Orte liegen in Portugal, bei Valença und Paredes de Coura. Das erste Blatt Papier, das von Oia erzählt, handelt also von Besitz auf der anderen Seite des Miño. Das ist wie ein Vorzeichen.
Es gibt auch eine Legende, und man sollte sie als solche erzählen. Danach kamen die ersten Mönche aus dem Kloster Melón im Landesinneren, und sie kamen über das Meer. Eine Darstellung nennt sie ausdrücklich eine moderne Legende. Sie passt nur zu gut zu einem Kloster, das man sich ohne das Meer nicht vorstellen kann.
Die weißen Mönche
Wahrscheinlich ist dies: Oia entstand aus einfachen Einsiedeleien und lebte zunächst nach der Regel Benedikts. Dann rückte es den Zisterziensern näher, jenem Reformorden aus Burgund, der Armut, Handarbeit und schlichte Kirchen predigte. 1185 schloss sich Oia ihm vollständig an. Ein Grabstein bezeugt einen Abt, dessen Amtszeit in diesem Jahr begann. Über das galicische Kloster Armenteira gehörte Oia zur Familie von Clairvaux, dem Kloster des heiligen Bernhard. Diesen Namen wirst du gleich noch einmal hören, in einem Moment, in dem es um Leben und Tod geht.
Die Mönche trugen ungefärbte Wolle, deshalb nannte man sie die weißen Mönche. Sie bauten nach festen Regeln. Ihre Kirchen sollten keinen Prunk zeigen, keine Fabelwesen an den Kapitellen, keine bunten Fenster. Die Kirche von Oia, die du heute siehst, entstand zwischen dem späten zwölften und der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts genau in diesem Geist. Sie hat drei Schiffe, ein Querhaus und hinter dem Altar fünf rechteckige, gestaffelte Kapellen. Der Grundriss folgt französischen Vorbildern. Die spanische Tourismusbehörde schreibt, um 1230 habe Oia wegen seiner schlichten Formen als Musterbeispiel zisterziensischer Baukunst gegolten.
Reich am Meer
Arm blieben die Mönche nicht. Könige beschenkten sie, Alfons der Neunte, Sancho der Vierte, Heinrich der Dritte. Dazu kamen Abgaben auf Schiffe und auf den Fischfang an dieser Küste und Höfe auf beiden Seiten des Miño. Über die Jahrhunderte zählte das Kloster einhundertvierzig Äbte. Vor dem Dorf siehst du bei Ebbe noch eine Spur dieser Wirtschaft. A Camboa ist eine steinerne Falle im Watt aus dem sechzehnten Jahrhundert. Die Flut trug die Fische hinein, die Ebbe ließ sie zurück.
Man sagt den Mönchen noch mehr nach, und hier muss man vorsichtig sein. Ein galicisches Portal vermutet, ihre Pferdezucht habe die Tradition der halbwilden Pferde in den Bergen von Oia befördert, und ihr Weinbau sei eine Wurzel des heutigen Weinbaugebiets Rías Baixas. Beides ist eine Vermutung, keine belegte Tatsache. Wahr ist, dass in den Bergen über Oia bis heute Pferde frei leben und dass die Hirten sie jedes Frühjahr zusammentreiben.
Ein galicisches Kloster mit portugiesischem Herzen
Die vielleicht überraschendste Geschichte von Oia spielt nicht hier, sondern in Portugal. Schon die erste Urkunde hatte von Land jenseits des Miño gehandelt, und dabei blieb es. Ein großer Teil des Klosterbesitzes lag in Portugal, im Norden an der Grenze und weit im Süden, in der Estremadura. Nach der Eroberung von Lissabon und Torres Vedras in den Jahren 1147 und 1148 erhielt Oia offenbar Güter bei Torres Vedras, als eine der ersten Einrichtungen überhaupt. Später besaß es auch Güter in Lissabon selbst.
Das Herz des portugiesischen Besitzes aber war ein Hof bei Valença, die Granja da Silva. Ein Dokument von 1340 nennt sie den Kopf und die Kornkammer aller Güter des Klosters zwischen den Flüssen Lima und Minho. Wenn du durch Valença gekommen bist, bist du also schon durch das alte Land der Mönche von Oia gegangen.
Diese Doppellage war ein Segen in Friedenszeiten und ein Fluch im Krieg. Als Portugal und Kastilien zwischen 1336 und 1339 Krieg führten, litt der Besitz an der Grenze schwer, und 1340 beschlagnahmte die portugiesische Krone die Granja da Silva. Zwei Jahre später ordnete sie die Rückgabe der beweglichen Güter an. 1384 übertrug der Meister von Avis, der bald darauf König Johann der Erste wurde, Einnahmen des Klosters an einen seiner Leute, mit einer bemerkenswerten Begründung: Das Kloster liege im Land seiner Feinde. Im Jahr darauf erklärte der Abt von Oia dem König von Portugal seinen Gehorsam. Man kann sich vorstellen, wie viel Klugheit es brauchte, auf beiden Seiten eines Grenzflusses Herr zu sein. 1426 zog König Johann die Güter im Süden Portugals ein und gab sie einem seiner Hofleute.
Die Historikerin Leite Rodrigues kommt zu einem Schluss, der für jeden Pilger auf diesem Weg interessant ist. Der Miño, sagt sie, habe die Gebiete eher verbunden als getrennt. Die Kriege der Könige trafen das Kloster trotzdem jedes Mal direkt.
Niedergang und Reform
Im fünfzehnten Jahrhundert ging es bergab. Weltliche Herren mischten sich ein, und Äbte wurden zu Kommendataräbten, die Einkünfte bezogen, ohne im Kloster zu leben. Um 1523 stritt man um den Abt Gregório Neto. 1547 wurde Oia mit Unterstützung Kaiser Karls des Fünften in die kastilische Kongregation der Zisterzienser eingegliedert. Damit wurde der Wiederaufbau möglich. Im sechzehnten Jahrhundert entstand der zweigeschossige Kreuzgang nördlich der Kirche, und die Chorempore wurde gebaut. Um 1560 ließ die portugiesische Krone den Besitz des Klosters bei Valença noch einmal genau aufschreiben: rund vierhundertfünfundzwanzig einzelne Grundstücke.
Die Jungfrau aus dem Meer
Oben auf der Fassade steht eine Marienfigur, die Virxe do Mar, die Jungfrau vom Meer. Sie ist die Schutzpatronin von Oia, und um sie ranken sich zwei Geschichten, die nicht zusammenpassen.
Die eine sagt, Dorfbewohner hätten die Figur 1581 an einer Klippe in der Nähe gefunden und ins Kloster gebracht. Die andere ist eine Legende, wie sie Seefahrer lieben. Danach fanden die Mönche die Figur auf einer Insel, an einen Hund gekettet. Englische Protestanten hätten sie ins Meer geworfen, und manche nennen dabei sogar Oliver Cromwell. Das passt nicht recht, denn um 1624 spielte Cromwell noch keine Rolle. Ein Druck von 1624 spricht nur allgemein von Calvinisten. Was immer stimmt, die Figur erzählt von einer Zeit, in der das Meer vor Oia nicht nur Fische brachte, sondern auch Feinde.
Der 20. April 1624
Damit sind wir bei der Geschichte, für die Oia bekannt ist. Im frühen siebzehnten Jahrhundert kreuzten Piraten vor den Küsten Galiciens, in den Quellen „Türken“ genannt, gemeint waren Korsaren aus Nordafrika. Ein Kloster am offenen Meer war verwundbar. Also rüsteten die Mönche auf. Sie bauten Mauern, eine Strandmauer und einen Waffenplatz. 1621 besaß das Kloster sieben Geschütze.
Was im Frühjahr 1624 geschah, wissen wir aus einem gedruckten Bericht, der im selben Jahr erschien und heute in der Universitätsbibliothek von Sevilla liegt. Sein Titel beginnt mit den Worten „Vitoria que los monges del monasterio de Nuestra Señora de Oya“, der Sieg der Mönche von Oia. Verfasst hat ihn ein Mann am Königshof, Andrés de Almansa y Mendoza. Der Journalist Eduardo Rolland hat ihn 2023 für die Zeitung VigoÉ nacherzählt.
Danach vertrieben die Mönche schon am 14. März türkische Schiffe, die ein französisches und ein englisches Handelsschiff verfolgten. Am Samstag, dem 20. April, kam es zum großen Gefecht. Fünf Piratenschiffe jagten zwei portugiesische und ein französisches Schiff an der Küste entlang. Die Besatzungen hatten sich schon ergeben, als die Mönche von der Mauer aus das Feuer eröffneten, mit Kanonen und Musketen. Acht Geschütze standen inzwischen dort. Der Kampf dauerte drei Stunden.
Und dann kommt der Mann, an den man sich in Oia erinnert. Pater Pablo de Lezcano stammte aus Guadalajara und war Soldat gewesen, bevor er Mönch wurde. Er richtete selbst ein Geschütz und rief dabei, so der Bericht: „Esta va en nombre de la Virgen María de Oya y de mi Padre San Bernardo.“ Dieser Schuss geht im Namen der Jungfrau von Oia und meines Vaters, des heiligen Bernhard. Die Kugel traf das Flaggschiff, und es sank. Siebenunddreißig Angreifer starben. Neun Überlebende zogen die Mönche aus dem Wasser und nahmen sie gefangen.
Was davon stimmt
Hier ist eine ehrliche Frage am Platz. Die ganze Geschichte stützt sich im Wesentlichen auf diesen einen Druck. Solche gedruckten Siegesberichte sollten im siebzehnten Jahrhundert Taten bekannt machen und feiern, nüchterne Protokolle waren sie nicht. Die Zahl der Toten, der Ausruf des Paters, die drei Stunden: Unabhängig bestätigt ist das nicht.
Auch was danach kam, wird unterschiedlich erzählt. Die Gemeinde Oia und ein galicisches Portal schreiben, König Philipp der Vierte habe dem Kloster zum Dank den Titel eines königlichen Klosters verliehen. Der Bericht von 1624 selbst sagt etwas Nüchterneres: Die Nachricht ging an die königlichen Räte, die lobten die Tat und ordneten an, das Kloster mit mehr Artillerie und Miliz zu verstärken. Von einem Titel steht dort nichts. Beides kann stimmen, belegt ist im zeitgenössischen Text nur die Aufrüstung.
Sicher ist, dass die Mönche von Oia sich gewehrt haben und dass die Erinnerung daran lebt. In Galicien nennt man sie bis heute die Artilleriemönche. Und im April 2025 gab es am Kloster eine Veranstaltung namens A Treboada, das Gewitter, mit einer Theaterführung zur Schlacht von 1624. Die Plätze waren ausgebucht.
Geflohen, versteigert, vermietet
Die Mauern halfen gegen Piraten, nicht gegen die großen Umbrüche. Im Krieg gegen Napoleon mussten die Mönche fliehen. Zwischen 1820 und 1823 wurden sie erneut vertrieben und verloren Besitz. 1835 kam das Ende: Mit den Gesetzen des Ministers Mendizábal hob der spanische Staat das Kloster auf und versteigerte es. 1838 wurde die Klosterkirche Pfarrkirche des Ortes, der Rest ging an private Käufer. Später vermietete man das Gebäude. Im achtzehnten Jahrhundert hatte man noch den Glockenturm und die heutige Fassade gebaut. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts war das Gebäude stark verfallen.
Dann zogen noch einmal Ordensleute ein, Jesuiten aus Portugal, die dort nach der Revolution von 1910 nicht mehr bleiben durften. Ob sie 1910 oder 1912 kamen, darüber sind sich die Quellen nicht einig. Sie blieben bis Anfang der dreißiger Jahre. 1931 wurde das Kloster zum nationalen Baudenkmal erklärt.
Gefangene hinter Klostermauern
Dann kam das dunkelste Kapitel. Im Spanischen Bürgerkrieg wurde das Kloster ein Konzentrationslager für Gefangene der Republik. Zwischen 1937 und 1939 waren hier nach einem Bericht der Zeitung VigoÉ mehr als fünftausend Menschen eingesperrt. Die ersten kamen aus dem Norden, aus Asturien, Kantabrien und dem Baskenland. In den letzten Kriegsmonaten kamen Gefangene aus Katalonien, Valencia und Mallorca.
Viele von ihnen schrieben und zeichneten an die Wände. Als die heutigen Eigentümer das Gebäude übernahmen, waren diese Graffiti dem Verfall preisgegeben. Über ein Jahrzehnt hinweg wurden sie gesichert, das Dach darüber, das eingestürzt war, wurde ersetzt, ein Fachteam arbeitete mehr als fünfzehnhundert Stunden. Im November 2019 wurden die Zeichnungen in einer Ausstellung gezeigt, und man ehrte einen der früheren Gefangenen, Joan Salvador. Die Mauern, die einst gegen Piraten schützten, hatten Menschen eingesperrt. Auch das gehört zu diesem Ort.
Das Kloster heute
Seit 2004 gehört das Kloster der Unternehmensgruppe MARE, früher Vasco Gallega. Eine Stiftung, die Fundación Bretal, kümmert sich um Forschung und Ausstellungen. Bis 2025 gab es vier archäologische Grabungskampagnen. 2024 zeigte eine Ausstellung in Vigo das Kartular des Klosters von 1739, Handschriften und die Graffiti der Gefangenen. Geplant ist ein Umbau nach Entwürfen des Büros Rodríguez + Pintos. Aus dem Kloster soll ein Hotel werden, dazu ein Kulturzentrum, und es soll zugänglich bleiben. Als dieser Text entstand, im Herbst 2026, war das Projekt noch nicht fertig.
Die Kirche ist seit 1838 Pfarrkirche. 2021 schrieb die Xunta eine Restaurierung für 829.000 Euro aus, weil Wasser in die Mauern drang. Sie nannte die Kirche bei dieser Gelegenheit einen wichtigen Bezugspunkt des portugiesischen Küstenwegs. Im Juni 2025 begann eine von der Xunta organisierte Wanderung für Jedermann auf diesem Weg genau hier, vor dem Kloster, und führte bis Baiona.
Pferde, Felsbilder und ein Schiff aus Stein
Bevor du weitergehst, schau noch einmal hinauf in die Hügel. Dort leben die halbwilden Pferde, die die Galicier nach dem Bergland der Groba benennen. Jedes Frühjahr treiben die Hirten sie in Pferche, die Curros. Sie scheren die Mähnen, behandeln die Tiere gegen Würmer, markieren die Fohlen und lassen alle wieder frei. Den Anfang der galicischen Saison macht der Curro da Valga in der Gemeinde Oia, mit rund dreihundertfünfzig Pferden. Der größte der Gemeinde ist der Curro von Mougás.
Noch älter sind die Bilder in den Felsen. Die Gemeinde Oia gehört zu den Orten Galiciens mit den meisten vorgeschichtlichen Felsritzungen. Bei Pedornes, gleich hinter Oia, liegt im Flussbett des Río de Vilar eine Granitplatte, die man Auga dos Cebros nennt. Darauf ist ein Schiff eingeritzt, mit Segel und Besatzung, und dazu siebzehn Hirsche. Die Form des Schiffs erinnert an Schiffe des Mittelmeers aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus. Eine Zeitung aus Vigo nennt es einzigartig an der atlantischen Küste Europas. Lange bevor Piraten hier kreuzten und lange bevor Pilger hier entlanggingen, hat hier also schon jemand ein Schiff in Stein festgehalten, das an Schiffe des fernen Mittelmeers erinnert.
Was Oia dir mitgibt
Du gehst auf einem Weg, der an dieser Stelle jedes Jahr Zehntausende Menschen am Meer entlangführt. 2025 kamen fast neunzigtausend Pilger auf dem Küstenweg nach Santiago. Viele bleiben in Oia nur kurz stehen. Das ist in Ordnung.
Aber vielleicht nimmst du etwas mit. Ein Kloster, das nicht in einem stillen Tal steht, sondern direkt an der Brandung. Mönche, die auf beiden Ufern eines Grenzflusses zu Hause waren. Mönche, die im Namen der Jungfrau Kanonen abfeuerten und danach Schiffbrüchige aus dem Wasser zogen. Gefangene, die an dieselben Wände schrieben, die einst Schutz bedeutet hatten.
Oia ist kein Ort, der dir eine fertige Antwort gibt. Es ist ein Ort, an dem Schutz und Gefahr, Gebet und Gewalt, Grenze und Verbindung so dicht beieinanderliegen wie die Klostermauer und das Meer. Morgen gehst du weiter, über das Kap nach Baiona. Das Meer bleibt links von dir.
Übernachten in Oia
Unterkünfte in Oia.

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Geöffnet0 BewertungenOIA Villa VioletaOia35€FrühstückFrühstück inkl.Baumwollbettwäsche & Kissenbezüge
Angebote in Oia
Was du vor der nächsten Etappe im Ort findest.
- Geldautomat
- Café
- Geschäft
- Tabak
- Apotheke
- Brunnen
- Restaurant
Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert April 2026
Caminos durch Oia
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