Orte

Etappenort am Jakobsweg

Baiona

Pontevedra, Galicia, Spain

Unterkünfte
12
Camino
1
Höhe
16 m

Baiona ist der Hafen, in dem Europa zuerst von Amerika hörte: Am 1. März 1493 lief hier die Pinta ein. Heute kommst du an der Küste von Oia an, umrundest die Festung Monterreal auf ihren Mauern und hast noch rund 129 Kilometer bis Santiago. Eine öffentliche Herberge gibt es nicht, also reservier dein Bett.

Aktuell in Baiona (Stand: Oktober 2026)

  • Eine Herberge macht Winterpause: Das Hostel Baionamar ist nur vom 1. März bis 31. Oktober geöffnet. Ab November bleibt in Baiona nur die Albergue Estela do Mar, die ganzjährig offen hat. Ausweichen kannst du nach Sabarís und A Ramallosa, drei bis vier Kilometer weiter.
  • Festa da Arribada: Am ersten Märzwochenende spielt Baiona mit einem mittelalterlichen Markt die Ankunft der Pinta nach. Dann sind Betten knapp.

Wie lange bleiben?

Ein Nachmittag reicht, aber geh nicht durch, sondern schlaf hier. Die Altstadt ist klein, und die Runde um die Festung, die Pinta im Hafen und ein Blick in die Colegiata passen gut in den Nachmittag nach der Ankunft. Genau das verpasst aber, wer nur durchläuft, denn der offizielle Weg lässt Uferpromenade, Hafen und Festung links liegen. Ein Pausentag lohnt sich nur, wenn du die Virxe da Rocha oben am Berg und die Museen in Ruhe sehen willst. Montags hat die Pinta geschlossen.

Baiona in Ninja-Zahlen

  • Rund 129 Kilometer sind es laut Camino Ninja von Baiona bis Santiago. Manche Pilger beginnen ihren Weg auch erst hier.
  • Der 1. März 1493 ist der Tag, den Baiona feiert: Die Pinta brachte die Nachricht von der Entdeckung Amerikas, drei Tage bevor Kolumbus selbst in Lissabon einlief.
  • 89.147 Pilger gingen 2025 bis zum 7. Dezember den Portugiesischen Küstenweg, rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Eine öffentliche Herberge hat Baiona trotzdem bis heute nicht.
  • Rund 3 Kilometer Zinnenmauern umschließen die Halbinsel der Festung Monterreal.
  • 15 Meter hoch ist die Virxe da Rocha über der Stadt. Vom Grundstein bis zur Einweihung dauerte es 20 Jahre.

Ankommen: an der Küste entlang, wie einst die Pinta

Von Oia sind es laut Camino Ninja gut 18 Kilometer, von A Guarda knapp 30. Du gehst auf dem Senda Litoral, der Küstenvariante des Portugiesischen Küstenwegs, an der Felsküste entlang und über Silleiro. Kurz vor der Stadt zweigt an der Straße von A Guarda die Zufahrt zur Virxe da Rocha ab. In der Stadt führen dich die Pfeile durch die Rúa Ventura Misa, die Straße im Inneren der Altstadt. Die Uferpromenade, den Hafen und die Festung siehst du von dort kaum. Mach den Umweg, er lohnt sich.

Kurz erzählt: ein Hafen mit Vorrechten

Die befestigte Halbinsel war schon vor den Römern besiedelt, als Abobriga, später unter dem Namen Erizana. 1201 gab König Alfons der Neunte von León dem Ort ein Stadtrecht und den Namen Bayona. Im Spätmittelalter war Baiona neben A Coruña der einzige galicische Hafen, der mit dem Ausland handeln durfte. 1493 kam die Pinta aus Amerika zurück, 1585 wehrten die Bewohner einen Angriff von Francis Drake ab. Die Festung Monterreal ist seit 1966 ein staatliches Hotel, ein Parador.

Die erste Nachricht von Amerika

Ende Februar oder am 1. März 1493 tauchte vor Baiona ein kleines, sturmgeschädigtes Schiff auf: die Pinta, Kapitän Martín Alonso Pinzón aus Palos. Auf der Rückfahrt hatte ein Sturm sie von der Niña getrennt, auf der Kolumbus segelte. Pinzón schrieb von hier aus an den Königshof in Barcelona. Ob er damit dem verfeindeten Kolumbus zuvorkommen wollte, wissen wir nicht. Sicher ist, dass er schwer krank war. Er segelte nach der Reparatur weiter nach Palos und starb Ende März. Baiona hat aus diesem Tag sein Fest gemacht: Die Festa da Arribada ist seit 2015 ein Fest von internationalem touristischem Interesse, und seit 1977 ist Baiona Partnerstadt von Palos de la Frontera.

Zwischen Festung und Hafen: was du sehen solltest

Die Wege sind kurz. Festung, Hafen und Altstadt liegen nebeneinander, die Virxe da Rocha ist der einzige Abstecher bergauf.

  • Fortaleza de Monterreal: Die Festung auf der Halbinsel Monte Boi entstand zwischen dem elften und dem siebzehnten Jahrhundert, rund 3 Kilometer Zinnenmauern umschließen 18 Hektar. Seit 1966 ist sie ein Parador, aber das Gelände ist für Spaziergänger offen, laut Tourismusamt täglich von 8 bis 21 Uhr. Der Paseo de Monte Boi außen um die Mauern ist 1,5 Kilometer lang und leicht, er endet an der Torre del Reloj, deren Glocke früher bei Angriffen Alarm schlug. Für Pilger ist das eine gute Abendrunde nach der Etappe. Einen Eintrittspreis für Fußgänger haben wir nicht gefunden.
  • Carabela Pinta und Casa da Navegación: Am Steg im Hafen liegt ein Nachbau der Pinta, gebaut 1993 und 1994 in der Werft Amado in O Freixo, innen als schwimmendes Museum eingerichtet, mit Audioguide. Hier verstehst du, auf wie wenig Platz die Männer 1493 über den Atlantik kamen. Geöffnet Dienstag bis Sonntag, vormittags und nachmittags. In der Rúa Ventura Misa 17, direkt an deinem Weg, erzählt die Casa da Navegación die Geschichte des Hafens, von Schiffbrüchen bis zum Handel mit Amerika, Dienstag bis Samstag. Das Kombiticket für beide kostet 3 € (Stand: Oktober 2026).
  • Ex-Colegiata Santa María und Hospital Sancti Spiritus: Die Kirche aus dem dreizehnten Jahrhundert sieht aus wie eine kleine Burg, ihr Schiff im Zisterzienserstil erinnert an das Kloster von Oia, an dem du heute vorbeigekommen bist. Von 1482 bis 1850 war sie Kollegiatkirche. Im Atrium stehen Wegkreuze, die 1841 aus den Straßen hierher versetzt wurden. Nebenan steht die barocke Kapelle der Santa Liberata von 1695. Und in der Rúa Manuel Valverde 6 steht das Hospital Sancti Spiritus, ursprünglich ein Pilgerhospital am Küstenweg und bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert ein Heim für Obdachlose. Hier haben schon vor Jahrhunderten Pilger geschlafen. Öffnungszeiten der Colegiata haben wir nicht gefunden.
  • Virxe da Rocha: Die 15 Meter hohe Madonna am Monte Sansón hält ein Boot in der rechten Hand, Gesicht und Hände sind aus weißem Marmor. Der Grundstein wurde 1910 gelegt, eingeweiht wurde sie erst 1930, weil das Geld fehlte. Über eine enge Wendeltreppe steigst du in ihr hinauf bis ins Boot, in das fünf Menschen passen, gegen einen symbolischen Obolus. Von dort siehst du die Cíes-Inseln und die Strände von Nigrán. Am letzten Sonntag im August ist hier eine Wallfahrt.

Essen und Trinken

Baiona isst Meer: Taschenkrebse, Samtkrabben, Entenmuscheln, Miesmuscheln, Kammmuscheln und Venusmuscheln, je nach Saison. Der Pulpo kommt „á feira“ mit Paprika, Öl und grobem Salz, gegrillt oder als Empanada de pulpo. Am Sonntag sind die Restaurants schnell voll und manche öffnen erst am Abend. Dann sind Tapas die bessere Wahl.

Ehrlich gesagt

  • Es gibt keine öffentliche Herberge. Schon 2017 bemühte sich die Stadt seit über einem Jahr um eine kommunale Herberge, bis heute ohne Ergebnis. Die zwei privaten Pilgerherbergen haben zusammen 38 Betten. Reservier, vor allem im Sommer und am Wochenende.
  • Der offizielle Weg verpasst das Beste. Die Pfeile führen durch die Altstadt und lassen Uferpromenade, Hafen und Festung aus. Wer nur durchgeht, sieht von Baiona wenig.
  • Im Sommer wird es eng. Baiona gilt als einer der schönsten Orte Galiciens, und an Wochenenden und zu Festen sind Betten knapp.
  • Morgen wird es städtisch. Der offizielle Weg nach Vigo geht ab A Ramallosa ins Landesinnere, über viel Asphalt und eine lange Stadteinfahrt. Die Küste ist die schönere Wahl (siehe Ninja-Tipps).

Wo Pilger schlafen

  • Albergue Estela do Mar: private Pilgerherberge im Zentrum, ganzjährig offen, 20 Betten in einem großen Schlafraum, dazu ein paar Privatzimmer. Bettwäsche und Handtuch sind dabei. Pilger loben den Garten mit viel Platz zum Sitzen und Wäschetrocknen und das freundliche Personal, kritisieren aber, dass es für 20 Leute zu wenige Duschen gibt.
  • Hostel Baionamar: private Herberge in der Rúa Venezuela mit 18 Betten in zwei Schlafsälen, vom 1. März bis 31. Oktober geöffnet. Handtücher gibt es nicht, und in der Küche kannst du nur aufwärmen, nicht kochen. Der Supermarkt liegt zwei Minuten entfernt. Im Sommer kann es nachts warm werden.

Im Schlafsaal zahlst du in beiden je nach Saison etwa 16 bis 21 €. Sind beide voll, gehst du weiter: Nach 3 Kilometern liegt in Sabarís die Albergue Playa de Sabarís, nach 4 Kilometern in A Ramallosa die große Albergue-Hospedería Pazo Pías mit 62 Betten. Beide sind ganzjährig geöffnet.

Ninja-Tipps

  • Abends um die Festung: Geh den Paseo de Monte Boi, 1,5 Kilometer außen an den Mauern entlang bis zur Torre del Reloj. Für den Rundgang innen planst du mit Pausen etwa anderthalb Stunden.
  • Ein Ticket, zwei Museen: Mit dem Kombiticket für 3 € siehst du die Pinta und die Casa da Navegación. Die Pinta hat montags zu, die Casa da Navegación sonntags und montags.
  • In der Madonna nach oben: Die Treppe in der Virxe da Rocha ist eng, manchmal musst du warten. Oben im steinernen Boot ist Platz für fünf.
  • Morgen am Strand entlang: Statt den Pfeilen durch die Stadt zu folgen, gehen viele Pilger an der Küste über die Strände Santa Marta und Ladeira nach Sabarís und zur alten Brücke von A Ramallosa, großteils auf einem Radweg.
  • Ab A Ramallosa links halten: Wenn sich die Wege nach Vigo teilen, bleib am Wasser. Pilger im Forum raten: Wann immer du links Richtung Strand abbiegen kannst, tu es.
  • Ruhig schlafen: Wer abends Ruhe will, sucht sich sein Bett abseits von Hafen und Ausgehmeile.

Praktische Tipps für Pilger

  • Stempel: Die Herbergen stempeln, Bars am Weg oft auf Nachfrage.
  • Post: Das Postamt hat Montag bis Freitag von 8:30 bis 14:30 Uhr geöffnet, samstags nicht.
  • Feiertage: Am 16. Juli und am 27. September sind lokale Feiertage. Dann füllen sich die Betten früh, und Läden und Banken bleiben zu.
  • Einkaufen: Kauf für morgen ein, bevor du duschst. Bis Vigo kommst du zwar durch Orte, aber der Weg ist lang.

Weiter: an der Ría de Vigo entlang

Die nächste große Etappe führt laut Camino Ninja gut 26 Kilometer weiter nach Vigo. Nach gut 3 Kilometern erreichst du Sabarís, nach gut 4 Kilometern die Brücke von A Ramallosa. Dort teilt sich der Weg: Die offizielle Route geht ins Landesinnere, die Küstenvariante führt über Panxón, Canido und den Stadtstrand Samil. In Redondela, laut Camino Ninja rund 42 Kilometer von Baiona, mündet dein Weg in den Camino Portugués Central.

Morgen erwartet dich

Gleich am Morgen gehst du über die Ponte da Ramallosa, eine Fußgängerbrücke aus dem dreizehnten Jahrhundert mit zehn Bögen. In ihrer Mitte steht ein Steinkreuz mit San Telmo, dem Schutzpatron der Seeleute, der die Brücke der Legende nach wieder aufbauen ließ. Am Fuß des Kreuzes, so erzählt man, wartete früher eine schwangere Frau ab Mitternacht auf den ersten Mann, der vorbeikam. Goss er ihr etwas Wasser auf den Bauch, wurde er Pate des Kindes. Am Abend wartet Vigo, die größte Stadt Galiciens.

Tiefer eintauchen: Die Nachricht, die mit der Pinta kam

Ein langer Text, falls du noch mehr über Baiona erfahren willst. Etwa fünfzehn Minuten Lesezeit.

Am Hafen, wo die Nachricht ankam

Wenn du am Abend unten am Hafen von Baiona stehst, liegt vor dir ein kleines Holzschiff am Steg. Es wirkt erstaunlich klein. Das ist ein Nachbau der Pinta, gebaut in den Jahren 1993 und 1994 für den fünfhundertsten Jahrestag. Das Original lag hier im Frühjahr 1493. Es kam aus einer Welt zurück, von der in Europa noch niemand wusste, und es brachte die Nachricht als Erstes an diese Küste.

Baiona hat aus diesem Moment sein Selbstverständnis gemacht. Die Stadt feiert ihn jedes Jahr mit einem Fest, sie ist mit Palos de la Frontera verschwistert, dem Hafen, aus dem die Schiffe des Kolumbus aufbrachen, und ein Denkmal mit dem Namen Encontro entre Dous Mundos, Begegnung zweier Welten, erinnert seit 1993 daran. Eingeweiht hat es der damalige Kronprinz Felipe. Doch Baiona war schon lange vor 1493 ein wichtiger Ort, und es blieb es danach. Dieser Text erzählt von einer Halbinsel, die man immer wieder befestigt hat, von einem Kapitän, der krank nach Hause kam, von Gelübden im Sturm, von Pilgern und Heiligen, und von einer Madonna, die ein Boot in der Hand hält.

Abobriga, Erizana, Bayona

Die Halbinsel, auf der heute die Festung steht, ragt wie ein Riegel in die Bucht. Wer sie hielt, beherrschte den Zugang zur Ría de Vigo. Kein Wunder, dass Menschen hier früh siedelten. Die erste Erwähnung des Ortes wird auf die Zeit um 140 vor Christus datiert, unter dem Namen Abobriga, einem Namen mit keltischen Wurzeln. Römische Quellen berichten von einer Belagerung der befestigten Halbinsel durch den Konsul Serviliano. Die Römer nannten sie Erizana.

Wie so viele Orte an dieser Küste hat sich auch Baiona eine noch ältere und glanzvollere Herkunft erzählt. Diomedes, ein Held aus dem Trojanischen Krieg, soll die Stadt gegründet haben. Das ist eine Legende. Dieselbe Geschichte von Diomedes erzählt man übrigens auch in Tui am Miño.

Belegt ist dagegen das Jahr 1201. Damals gab König Alfons der Neunte von León dem Ort ein Stadtrecht und einen neuen Namen: Bayona. Am Hafen, dort wo die Pinta liegt, trägt der Paseo Alfonso IX seinen Namen. Im dreizehnten Jahrhundert entstand die Kirche Santa María, die später Kollegiatkirche wurde.

Ein Hafen mit Vorrechten

Baiona lebte vom Meer, und es lebte gut. König Johann der Zweite von Kastilien gestand nur zwei galicischen Häfen das Recht zu, mit dem Ausland zu handeln: Baiona und A Coruña. Im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert blühte der Handel. In der Casa da Navegación an der Rúa Ventura Misa erzählt die Stadt heute von diesen Verbindungen nach Europa und später nach Amerika, aber auch von Schiffbrüchen und den Gefahren der Seefahrt.

Wer einen solchen Hafen hatte, musste ihn verteidigen, und Baiona wechselte mehr als einmal den Herrn. Im vierzehnten Jahrhundert residierte hier eine Zeit lang Ferdinand der Erste von Portugal, der sich zum König von Kastilien hatte ausrufen lassen, bis er nach Portugal zurückkehren musste. 1474 eroberte Pedro Madruga, ein galicischer Adliger und Graf von Caminha, die Stadt und baute einen Turm auf dem Monte Boi. Unter den Katholischen Königen kam eine neue Ordnung. Sie erlaubten rund zweihundert Familien, sich innerhalb der Mauern der Halbinsel anzusiedeln, mit denselben Rechten wie die Bürger von Baiona.

Wie weit die Männer dieses Hafens hinauskamen, zeigt eine Geschichte aus den Jahren 1519 bis 1522. Damals brach eine spanische Flotte unter Magellan auf, um einen Weg nach Westen zu den Gewürzinseln zu finden. Nur wenige kamen nach drei Jahren zurück, nachdem sie als Erste die Erde umrundet hatten. Zwei von ihnen stammten aus Baiona: Diego Carmena und Vasco Gómez, beide mit dem Beinamen Gallego, der Galicier.

Drei Schiffe, und eines kommt zuerst

Die berühmteste Geschichte Baionas beginnt aber nicht hier, sondern im Süden Spaniens, in Palos. Im August 1492 brachen drei Schiffe nach Westen auf. Die Santa María führte Christoph Kolumbus. Die Niña und die Pinta musste die Stadt Palos stellen, als Strafe, die ihr die Krone auferlegt hatte. Die Pinta war klein, Historiker schätzen sie auf rund vierzig Tonnen und knapp fünfzehn Meter Länge. Gemietet war sie von ihren Eigentümern Cristóbal Quintero und Gómez Rascón, die selbst an Bord gingen. Ihr Kapitän war Martín Alonso Pinzón, ein erfahrener Seemann aus Palos, damals etwa fünfzig Jahre alt.

An Bord der Pinta war auch ein Matrose, den man Rodrigo de Triana nannte. Er war es, der am 12. Oktober 1492 als Erster Land sah. Bis dahin verstanden sich Kolumbus und Pinzón gut. Danach nicht mehr. Am 21. November 1492 trennte sich die Pinta von den anderen Schiffen. Kolumbus schrieb in sein Bordbuch, Pinzón sei aus Gier davongesegelt, um auf eigene Faust Gold zu finden. Spätere Zeugenaussagen in Prozessen erzählen es anders: Pinzón habe die Insel, die wir heute Haiti nennen, zuerst gefunden und Kolumbus davon berichtet. Wer recht hat, ist bis heute umstritten. Sicher ist nur, dass die beiden Männer von da an Feinde waren.

Zu Weihnachten 1492 lief die Santa María auf Grund und ging verloren. Neununddreißig Männer blieben in der neuen Welt zurück. Mit der Niña und der Pinta machte sich der Rest am 16. Januar 1493 auf den Heimweg.

Der Sturm und die Gelübde

Mitte Februar gerieten die beiden Schiffe in der Nähe der Azoren in den schwersten Sturm der ganzen Reise. In der Nacht zum 14. Februar verloren sie einander aus den Augen. Auf der Niña rechnete niemand mehr damit, das Land wiederzusehen, und in dieser Not taten die Männer, was Seeleute damals taten. Sie gelobten Wallfahrten.

Kolumbus ließ so viele Kichererbsen in eine Mütze legen, wie Männer an Bord waren, eine davon mit einem Kreuz markiert. Wer sie zog, sollte als Pilger nach Santa María de Guadalupe gehen und eine Wachskerze von fünf Pfund tragen. Kolumbus griff als Erster hinein und zog die Erbse mit dem Kreuz. Ein zweites Los galt einer Wallfahrt nach Loreto in Italien. Es fiel auf Pedro de Villa, einen Seemann aus El Puerto de Santa María, und Kolumbus versprach, ihm die Reise zu bezahlen. Das dritte Los verpflichtete zu einer Nachtwache im Kloster Santa Clara in Moguer, und wieder traf es Kolumbus. Dazu gelobte die ganze Mannschaft, im Büßerhemd in einer Prozession zur ersten Marienkirche zu gehen, die sie an Land erreichten.

Das ist eine Szene, die dir als Pilger vertraut vorkommen mag. Die Männer, die gerade eine neue Welt gesehen hatten, versprachen in ihrer Angst nicht Gold und nicht Ruhm, sondern einen Weg zu Fuß zu einem heiligen Ort. Als die Niña am 17. Februar vor einer Azoreninsel ankerte, ging die Hälfte der Mannschaft an Land, um das Gelübde einzulösen. Die Portugiesen hielten sie für Piraten und nahmen sie zwei Tage lang gefangen. Und Kolumbus hielt Wort: In der Nacht zum 16. März 1493, gleich nach seiner Rückkehr, wachte er in Santa Clara in Moguer und ließ eine Dankmesse lesen.

Die Pinta vor Baiona

Die Pinta hatte den Sturm ebenfalls überstanden. Sie erreichte die Küste Galiciens und lief in Baiona ein. Das Schiff war beschädigt, und sein Kapitän war schwer krank. Von hier aus schrieb Pinzón mehrere Briefe, an verschiedene Orte in Spanien und an den Königshof, der damals in Barcelona saß. In der ersten Märzhälfte erreichte die Nachricht den Hof.

Die Männer blieben einige Tage, bis die Pinta repariert war. Wahrscheinlich am 9. März segelten sie nach Süden. Am 15. März 1493 lief die Pinta in Palos ein, am selben Tag wie die Niña mit Kolumbus, der inzwischen über Lissabon gekommen war. Pinzón ging nicht mehr in seine Stadt. Man brachte ihn auf ein Landgut bei Moguer und dann in das Kloster La Rábida. Dort starb er um den 31. März 1493, wenige Wochen nach seiner Rückkehr. Er wurde, wie er es sich gewünscht hatte, in der Klosterkirche von La Rábida begraben.

War Baiona wirklich zuerst?

Baiona nennt sich den ersten Ort Europas, der von der Entdeckung Amerikas erfuhr. Das stimmt in einem wichtigen Sinn: Die Pinta war das erste Schiff der Expedition, das die Iberische Halbinsel erreichte, und Pinzóns Briefe waren die ersten Nachrichten an den Hof. Kolumbus kam erst am 4. März nach Lissabon.

Wie so oft lohnt aber ein zweiter Blick. Baiona feiert den 1. März, doch Historiker setzen die Ankunft der Pinta eher auf Ende Februar, einige auf den 28. Februar. Und streng genommen hatte die Niña schon am 17. Februar portugiesischen Boden betreten, auf den Azoren, weit draußen im Atlantik. Ob das schon Europa ist, darüber kann man lange streiten.

Die heiklere Frage ist eine andere. Wer die Feindschaft der beiden Männer kennt, fragt sich, ob Pinzón mit seinen Briefen dem Admiral zuvorkommen wollte. Kolumbus misstraute ihm seit November, und die Zeugen der Familie Pinzón verteidigten ihn später vor Gericht. Doch was Martín Alonso in Baiona dachte, beantworten die Quellen nicht. Belegt ist nur, dass er schrieb und dass er krank war. Er starb, bevor er es jemandem erklären konnte. Vielleicht ist es am ehrlichsten, Baiona nicht als Ort eines Wettlaufs zu sehen, sondern als Ort, an dem ein todkranker Seemann nach der längsten Fahrt seines Lebens wieder festen Boden fand.

Die Festung auf dem Monte Boi

Über dem Hafen liegt die Halbinsel, die man Monte Boi nennt, und auf ihr die Festung Monterreal. Ihre Mauern entstanden zwischen dem elften und dem siebzehnten Jahrhundert, rund drei Kilometer lang, mit Zinnen und drei großen Toren. Das älteste ist die Puerta del Sol, dazu kommt die Puerta Real aus dem sechzehnten Jahrhundert. Ihren Namen bekam die Festung zu Ehren der Katholischen Könige: Monte Real, königlicher Berg.

Drei Türme bewachen die Halbinsel. Die Torre del Reloj am Eingang trägt eine Glocke, die früher Alarm schlug, wenn Feinde kamen. Die Torre de la Tenaza im Osten trug eine Batterie von Kanonen, die den Hafen schützte. Die Torre del Príncipe im Westen, zur Bucht hin, ist vielleicht die älteste. Sie diente als Leuchtturm und trägt drei Wappen, das der Habsburger, das der Familie Sotomayor und das von Baiona.

1924 kaufte Ángel Bedriñana Meana die Anlage von einem Neffen und Erben der Familie Elduayen. Er war ein Spanier, der in Kuba mit Zuckerrohr reich geworden war. Er steckte den Rest seines Lebens und seines Vermögens in ihre Wiederherstellung. Seine Erben verkauften sie an den Staat, und 1966 wurde in ihr ein Parador eröffnet, eines der staatlichen Hotels in historischen Gebäuden. Er trägt den Namen eines Mannes, der in dieser Festung einst das Kommando führte: des Grafen von Gondomar.

Ein Gouverneur gegen Drake

Diego Sarmiento de Acuña wurde 1567 in Astorga geboren, in einer Stadt, die du vielleicht vom Camino Francés kennst. Als junger Mann half er 1585, Baiona und Vigo gegen die Engländer zu verteidigen. Der Freibeuter Francis Drake war mit einer Flotte in die Ría eingelaufen, auf dem Weg in die Karibik. Vigo hielt er zwei Wochen lang besetzt und erpresste Vorräte. Baiona aber konnte er nicht einnehmen, die Bewohner wehrten ihn ab.

König Philipp der Zweite machte Diego Sarmiento danach zum Militärgouverneur von Baiona und der Festung Monte Real, verantwortlich für die Südgrenze und die Küste Galiciens. Später wurde er Graf von Gondomar und machte eine Karriere, die ihn weit von dieser Halbinsel wegführte. Ab 1613 war er spanischer Botschafter in London, mit einer Unterbrechung bis 1622. Sein Druck trug dazu bei, dass Sir Walter Raleigh 1618 hingerichtet wurde, und das haben ihm die Engländer nie verziehen. Seine große Bibliothek liegt heute in der Königlichen Bibliothek in Madrid. Und sein Name steht über der Tür des Hotels in seiner alten Festung.

Pilger, Heilige und ein Hospital

Wo bleiben in dieser Geschichte von Schiffen und Festungen die Pilger? Sie waren da, auch wenn sie in den Chroniken leiser sind als Kapitäne und Grafen. In der Rúa Manuel Valverde steht das Hospital Sancti Spiritus. Es entstand als Herberge für Pilger auf dem Küstenweg, den man auch den Camino Monacal nennt, den Weg der Mönche. Später, bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert, nahm das Haus die Obdachlosen der Gegend auf. Wenn du heute in einer privaten Herberge in Baiona schläfst, gehst du also einen Weg, auf dem schon vor Jahrhunderten Menschen Unterkunft brauchten.

Ein paar Schritte weiter steht die Kirche Santa María. Sie wurde im dreizehnten Jahrhundert gebaut, romanisch und schon mit gotischen Zügen, und sie wirkt wie eine kleine Festung. Ihr Schiff erinnert an die Zisterzienserkirche von Oia, an der du heute vorbeigekommen bist. Von 1482 bis 1850 war sie Kollegiatkirche, mit einem Kapitel von Geistlichen. 1841 stellte man in ihrem Vorhof Wegkreuze auf, die bis dahin verstreut in den Straßen gestanden hatten. Am Ortsausgang, an der Küste, steht noch ein weiteres altes Kreuz unter einem steinernen Dach, das Cruceiro da Santísima Trinidade.

Neben der Kirche steht die Kapelle der Santa Liberata, gebaut 1695. Die Überlieferung erzählt, Liberata sei eine von neun Schwestern gewesen, die an einem Tag geboren wurden, Töchter eines römischen Statthalters. Sie habe Jungfräulichkeit gelobt, und als ihr Vater sie verheiraten wollte, habe sie um Hässlichkeit gebetet. Ihr sei ein Bart gewachsen, und der erzürnte Vater habe sie kreuzigen lassen. In Baiona, so heißt es, sei sie gestorben. Das alles ist Legende. Die Forschung vermutet, dass die Geschichte aus einem Missverständnis entstand: Ein berühmtes Kruzifix in Lucca zeigt Christus mit Bart in einem langen Gewand, und spätere Betrachter hielten die Figur für eine gekreuzigte Frau. 1969 strich die Kirche Liberata aus dem allgemeinen Kalender. In Baiona aber wird sie weiter verehrt. Angerufen wird sie von Frauen, die von einem ungewollten Mann loskommen wollen.

Die Madonna mit dem Boot

Über der Stadt steht am Hang des Monte Sansón, rund hundert Meter über dem Meer, eine riesige steinerne Frau. Das ist die Virxe da Rocha, die Jungfrau vom Felsen. Sie ist fünfzehn Meter hoch, und in ihrer rechten Hand hält sie ein Boot.

Die Idee hatte der Ingenieur Gustavo Calvo Julián. Am 18. September 1910 legte man den Grundstein und mauerte eine Zinkschachtel mit Gold-, Silber- und Bronzemünzen hinein. Dann ging das Geld aus. Man sammelte bei der Bevölkerung, und in Madrid wurde sogar ein Bühnenstück aufgeführt, dessen Einnahmen in den Bau flossen. Den Stein bearbeitete Antonio Palacios aus O Porriño, ein galicischer Architekt. Gesicht und Hände schuf der Madrider Bildhauer Ángel García aus weißem Marmor. Erst am 14. September 1930, zwanzig Jahre nach dem Grundstein, wurde die Statue eingeweiht.

Das Besondere ist ihr Inneres. Die Figur ist hohl, und eine schmale Wendeltreppe führt hinauf bis in das Boot. Darin haben fünf Menschen Platz, und sie schauen hinaus auf den Atlantik, auf die Cíes-Inseln und die Strände von Nigrán. Es ist ein seltsames und schönes Gefühl, im Boot einer Madonna zu stehen, die über eine Seefahrerstadt wacht. Jedes Jahr am letzten Sonntag im August ziehen die Menschen der Gegend zu ihr hinauf, zu einer Romería, einer Wallfahrt mit Fest.

Die Arribada und das Heute

Am ersten Wochenende im März verwandelt sich Baiona in eine mittelalterliche Stadt. Bei der Festa da Arribada, dem Fest der Ankunft, stehen die Stände eines mittelalterlichen Marktes in den Gassen, und die Ankunft der Pinta mit ihrer Nachricht wird nachgespielt. Seit 1974 ist der Tag in Baiona ein lokaler Feiertag, seit 2015 ist das Fest als Fest von internationalem touristischem Interesse anerkannt. Und seit dem 1. März 1977 ist Baiona Partnerstadt von Palos de la Frontera. Die beiden Häfen, an denen die Reise begann und an dem sie zuerst endete, sind seither verbunden.

Heute leben in der Gemeinde gut zwölftausend Menschen, und es kommen immer mehr Pilger. Der Portugiesische Küstenweg, den du gehst, ist seit 2016 ein offizieller Jakobsweg und wächst schneller als jeder andere in Galicien. 2025 gingen ihn bis Anfang Dezember mehr als 89.000 Menschen. Viele machen in Baiona Station. Eine öffentliche Herberge hat die Stadt trotzdem nicht. 2017 bemühte sie sich darum, gebaut wurde sie nie, und so schlafen Pilger in privaten Häusern. Als dieser Text entstand, im Herbst 2026, waren es zwei Pilgerherbergen mit zusammen knapp vierzig Betten.

Was Baiona dir mitgibt

Baiona ist ein Ort, an dem Menschen ankamen. Die Pinta kam hier an, mit einem todkranken Kapitän und einer Nachricht, die die Welt verändern sollte. Pilger kamen an, die im Hospital Sancti Spiritus ein Bett suchten.

Vielleicht nimmst du von hier eine Szene mit, die eigentlich nicht in Baiona spielt, sondern draußen im Sturm: Männer, die in Todesangst Kichererbsen aus einer Mütze ziehen und versprechen, zu Fuß zu einer Kirche zu gehen, wenn sie überleben. Du bist schon unterwegs, ohne Sturm und ohne Gelübde, oder vielleicht doch mit einem, das nur du kennst. Wenn du am Abend auf den Mauern von Monterreal stehst und über die Bucht schaust, ist Santiago noch knapp hundertdreißig Kilometer entfernt. Die Nachricht, die du einmal nach Hause bringst, schreibst du gerade selbst.

Übernachten in Baiona

Die von Pilgern am besten bewerteten Unterkünfte in Baiona stehen vorn.

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Angebote in Baiona

Was du vor der nächsten Etappe im Ort findest.

  • Geldautomat
  • Café
  • Geschäft
  • Tabak
  • Arztpraxis
  • Apotheke
  • Brunnen
  • Post
  • Bushaltestelle
  • Restaurant

Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert April 2026

Caminos durch Baiona

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