Orte

Etappenort am Jakobsweg

Astorga

León, Castilla y León, Spain

Unterkünfte
17
Caminos
2
Höhe
872 m

Astorga ist eine Kreuzung: Hier endet nach rund 701 Kilometern die Vía de la Plata aus Sevilla und mündet in den Camino Francés. Die Römerstadt auf dem Hügel hat Gaudís Bischofspalast, eine Kathedrale und eine lange Pilgertradition seit 1121. Ein Nachmittag reicht, morgen beginnen die Berge.

Aktuell in Astorga (Stand: Oktober 2026)

  • Gaudí-Jahr: 2026 jährt sich Gaudís Tod zum hundertsten Mal. Sein Bischofspalast hat seit Mai 2026 neue Gärten und eine neue nächtliche Beleuchtung.
  • Herbergen im Winter: Die große Herberge Siervas de María ist das ganze Jahr geöffnet. Saisonale Herbergen am Weg schließen ab Mitte Oktober nach und nach.

Wie lange bleiben?

Ein Nachmittag reicht. Die Altstadt liegt kompakt auf einem Hügel, Kathedrale und Bischofspalast stehen direkt nebeneinander. Für beide, einen Gang an der Römermauer und einen Teller Cocido brauchst du keinen ganzen Tag. Bleib aber über Nacht und geh nicht weiter: Hinter Astorga steigt der Weg zum Monte Irago, und hier kaufst du ein, bevor die Dörfer kleiner werden. Wer von der Vía de la Plata kommt und Wochen allein unterwegs war, kann hier einen Ruhetag einlegen, um im vollen Francés anzukommen.

Astorga in Ninja-Zahlen

  • Rund 701 Kilometer sind es laut Camino Ninja auf der Vía de la Plata von Sevilla bis hierher. In Astorga hört sie auf.
  • Rund 265 Kilometer hast du laut Camino Ninja von hier noch bis Santiago.
  • Seit 1121 nimmt Astorga Pilger auf. Damals entstand das Hospital San Feliz, an dessen Stelle heute die große Pilgerherberge steht.
  • 41 Schokoladenfabriken gab es 1916 in Astorga. Vier arbeiten noch.
  • 27 Türme hatte die römische Stadtmauer im dritten Jahrhundert, auf gut zwei Kilometern rund um den Hügel.

Ankommen: zwei Wege, ein Hügel

Auf dem Camino Francés kommst du von Hospital de Órbigo, laut Camino Ninja gut 17 Kilometer, über Santibáñez de Valdeiglesias und San Justo de la Vega. Auf der Höhe vor San Justo steht das Crucero de Santo Toribio, ein Steinkreuz, von dem aus du Astorga zum ersten Mal siehst. Unten überquerst du die Bahn auf einer Fußgängerbrücke in Zickzack-Rampen, dann steigst du in die Altstadt hinauf. Die Herberge Siervas de María liegt direkt am Weg an der Plaza San Francisco, in der Altstadt nahe dem Rathaus.

Auf der Vía de la Plata kommst du aus dem Süden, von La Bañeza laut Camino Ninja knapp 25 Kilometer. In Astorga endet dieser Weg und wird zum Camino Francés. Wer von der Plata kommt und nach Galicien abkürzen wollte, ist schon in Granja de Moreruela auf den Camino Sanabrés abgebogen. Der mündet nicht hier.

Kurz erzählt: Gold, Bischöfe, Herbergen

Astorga begann als römisches Lager der Legio X Gemina, gegen Ende des ersten Jahrhunderts vor Christus. Daraus wurde die Stadt Asturica Augusta, reich geworden durch das Gold aus den Bergen, etwa aus Las Médulas. Plinius nannte sie eine prächtige Stadt. Bis heute laufen Teile der römischen Kanalisation unter den Straßen.

Um 249 wird ein Bischof Basílides genannt, Astorga gehört damit zu den ältesten Bistümern Spaniens. Am Camino wurde die Stadt eine der großen Herbergsstädte: 1121 entstand das Hospital San Feliz, und rund zwanzig historische Hospitäler will die Stadt ausfindig machen und beschildern. Astorga und Burgos gelten als die beiden Städte am Weg mit den meisten Hospitälern. Heute leben in Astorga rund 10.300 Menschen.

Die Kreuzung: was du sehen solltest

Hier treffen sich nicht nur zwei Jakobswege. Hier trafen sich römische Straßen, hier traf ein katalanischer Architekt auf einen katalanischen Bischof, und hier trifft die Hochebene auf die Berge. Alles liegt auf dem Hügel der Altstadt nah beieinander. Öffnungszeiten und Preise für Herbst 2026 haben wir leider für keine der Sehenswürdigkeiten zuverlässig gefunden, frag in deiner Herberge nach.

  • Palacio Episcopal de Gaudí: Nach einem Brand des alten Bischofspalastes bat Bischof Juan Bautista Grau seinen Freund Antoni Gaudí um einen Neubau. Gaudís Entwurf wurde 1889 genehmigt, 1890 legte man den Grundstein. Als der Bischof 1893 starb, zerstritt sich Gaudí mit dem Domkapitel und ging, vollendet hat den Bau Ricardo García Guereta. Heute ist der Palast das Museo de los Caminos, ein Museum, das dem Jakobsweg gewidmet ist. Für einen Pilger ist das der Grund hinzugehen: ein Gaudí-Bau, in dem es um deinen eigenen Weg geht. Seit Mai 2026 wird der Palast abends neu beleuchtet.
  • Catedral de Santa María: Gleich neben dem Palast. Eine erste Kathedrale wurde 1069 geweiht, der heutige Bau entstand ab 1471 und wurde erst im achtzehnten Jahrhundert fertig. Darum ist sie innen spätgotisch und außen barock, der rechte Turm stammt von 1704, der linke erst von 1965. Im Inneren steht der Hochaltar von Gaspar Becerra aus dem Jahr 1558, ein Hauptwerk der spanischen Renaissance-Skulptur.
  • Das römische Astorga: Von Asturica Augusta sind zwei Thermenanlagen, ein Tempel des Augustus und ein Haus mit einem Mosaik von Bär und Vögeln erhalten. Im Kryptoportikus des alten Forums, der Ergástula, liegt das Römermuseum. Wer fünf Wochen auf der Vía de la Plata gegangen ist, steht hier am Ende der Straße, die die Römer gebaut haben.
  • Schokolade: Von der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts bis ins erste Drittel des zwanzigsten war Astorga eine Schokoladenstadt, 1916 gab es 41 Hersteller. Das Schokoladenmuseum erzählt davon. Vier Hersteller arbeiten noch, und Schokolade ist guter Proviant für die Berge.

Essen und Trinken

Das bekannteste Gericht der Gegend ist der Cocido maragato, ein Eintopf aus der Maragatería, dem Land der Maragatos rund um Astorga. Er wird verkehrt herum gegessen: zuerst das Fleisch, dann Kichererbsen und Gemüse, zum Schluss die Suppe. Für danach sind die Mantecadas da, kleine Butterkuchen, und die Schokolade. Mantecadas und Cecina, das luftgetrocknete Rindfleisch, haben eine geschützte Herkunftsbezeichnung mit Sitz in Astorga.

Ehrlich gesagt

  • Die große Herberge ist laut und eng. Siervas de María hat 156 Plätze in Sälen mit bis zu 30 Betten. Pilger loben Küche und Terrasse, finden die Sanitäranlagen aber veraltet und knapp für so viele Menschen. Wer Ruhe sucht, schläft bei den Franziskanern.
  • Der Schluss zieht sich. Nach der Brücke über die Bahn geht es noch hinauf in die Altstadt, am Ende eines langen Tages von Hospital de Órbigo oder gar von Villar de Mazarife.
  • Für Plata-Pilger wird es plötzlich voll. 2024 kamen rund 9.000 Pilger über die Vía de la Plata nach Santiago, 2025 über den Francés mehr als 242.000. Wer von Süden kommt, teilt ab hier die Wege, Bars und Säle mit sehr viel mehr Menschen.

Wo Pilger schlafen

  • Albergue de peregrinos Siervas de María: die Pilgerherberge des Jakobsweg-Vereins von Astorga, mit freiwilligen Hospitaleros, in einem ehemaligen Kloster auf dem Gelände des alten Hospitals San Feliz. 156 Plätze, 7 bis 8 €, ganzjährig, keine Reservierung. Es gibt eine Küche, Waschmaschine und Trockner kosten je 3 €. Eine Credencial bekommst du hier auch.
  • Franciscano Santa María de los Ángeles: die Herberge der Franziskaner nahe Kathedrale und Gaudí-Palast, 60 Plätze, rund 10 €. Die meisten Zimmer haben zwei Betten ohne Stockbett und ein eigenes Bad, die Küche ist groß.
  • Albergue San Javier: private Herberge in einem alten Haus nahe der Kathedrale, 110 Plätze, ab 12 €. Pilger mögen Kamin, Bücher und Fußbecken, bemängeln aber den großen Saal und knarrende Betten.

Daneben gibt es kleinere private Herbergen, im Schlafsaal ab etwa 15 €.

Ninja-Tipps

  • Abends zu den Franziskanern: Um 18 Uhr treffen sich die Pilger zum Austausch, um 19 Uhr feiern die Brüder Messe mit Pilgersegen, auf Wunsch auch einzeln. Viele nennen das einen Höhepunkt ihres Weges.
  • Knie melden: In der Siervas de María suchst du dir dein Bett nicht immer selbst aus. Wenn Knie, Hüfte oder Füße schmerzen, sag es bei der Ankunft, damit du unten schläfst.
  • Proviant für den Monte Irago: Astorga ist die letzte Stadt vor den Bergen. Kauf hier ein, auch für den Tag danach.
  • Einen Stein mitnehmen: Übermorgen erreichst du das Cruz de Ferro, wo Pilger seit Generationen einen mitgebrachten Stein ablegen. Wenn du noch keinen hast, ist heute Abend Zeit, darüber nachzudenken, was er tragen soll.
  • Den Palast bei Nacht sehen: Seit Mai 2026 ist der Gaudí-Palast abends neu beleuchtet. Ein kurzer Gang nach dem Abendessen lohnt sich.

Praktische Tipps für Pilger

  • Credencial: Wer in Astorga startet, bekommt die Credencial in der Siervas de María.
  • Wäsche: In der Siervas de María Waschmaschine und Trockner je 3 €. Die Franziskaner haben einen großen Waschraum.
  • An- und Abreise: Astorga hat Bahn- und Busverbindungen nach León und weiter nach Madrid. Wer die Vía de la Plata hier beendet, fährt so zurück.

Weiter: hinauf zum Monte Irago

Der Camino Francés verlässt Astorga nach Westen durch die Maragatería, auf den Monte Irago zu. Über Valdeviejas und Murias de Rechivaldo erreichst du nach gut 6 Kilometern die Abzweigung nach Castrillo de los Polvazares, das 1,4 Kilometer abseits liegt. Weiter geht es über Santa Catalina de Somoza und El Ganso nach Rabanal del Camino, laut Camino Ninja knapp 20 Kilometer. Bis Foncebadón sind es gut 25 Kilometer, bis Ponferrada rund 52.

Morgen erwartet dich

Morgen gehst du in die Maragatería hinein, und am Abend liegt Rabanal del Camino am Fuß des Monte Irago, wo die meisten Pilger aus Astorga übernachten. In Rabanal leben Benediktinermönche, die abends mit den Pilgern die Vesper beten.

Wer mehr Kraft hat, geht weiter bis Foncebadón und hat dann übermorgen früh nur noch ein kurzes Stück bis zum Cruz de Ferro.

Tiefer eintauchen: Wo die Straßen zusammenlaufen

Ein langer Text, falls du noch mehr über Astorga erfahren willst. Etwa fünfundzwanzig Minuten Lesezeit.

Ein Hügel, an dem zwei Wege enden

Wenn du in Astorga ankommst, steigst du zuletzt bergauf. Die Stadt liegt auf einem Hügel über der Ebene, und wer von Osten kommt, hat zuvor die Bahngleise überquert und dann noch einmal Höhe gemacht, am Ende eines langen Tages. Oben stehen die Kathedrale und der Bischofspalast von Antoni Gaudí so dicht beieinander, als hätten sie sich verabredet. Und unter deinen Füßen liegen die Reste einer römischen Stadt.

Astorga ist ein Ort, an dem Wege zusammenlaufen. Das war schon so, bevor es Pilger gab. Hier trafen sich römische Straßen, hier lief das Gold aus den Bergen zusammen, hier kreuzten die Maultierzüge der Maragatos auf ihrem Weg zwischen Galicien und Madrid. Heute trifft hier der Camino Francés auf die Vía de la Plata, den langen Weg aus Sevilla. Wer aus dem Osten kommt, hat die Meseta hinter sich. Wer aus dem Süden kommt, hat rund siebenhundert Kilometer hinter sich, oft fast allein. An diesem Abend sitzen sie in derselben Herberge.

Dieser Text erzählt, wie Astorga zu dieser Kreuzung wurde. Er handelt von Legionären und Goldsuchern, von einem Bischof, der nach Jerusalem pilgerte, von zwanzig Hospitälern, von einer Kathedrale, an der drei Jahrhunderte gebaut wurde, von einem Architekten, der im Streit ging, von Fuhrleuten, die nie ausgeraubt wurden, und von Schokolade.

Ein Lager für die zehnte Legion

Am Anfang steht ein Krieg. Kaiser Augustus führte zwischen 29 und 19 vor Christus Feldzüge gegen die Asturer und Kantabrer, die letzten Völker der Iberischen Halbinsel, die sich Rom noch nicht unterworfen hatten. Gegen Ende des ersten Jahrhunderts vor Christus legten die Römer auf diesem Hügel ein Lager an, für die Legio Decima Gemina, die zehnte Legion. Archäologen haben zwei Verteidigungsgräben gefunden und die Gruben, in denen einst die Pfosten hölzerner Bauten standen. Die spanische Forschung nennt als Gründungszeit meist die Jahre um 14 vor Christus.

Als die Kämpfe vorbei waren, zogen die Soldaten ab, und aus dem Lager wurde eine zivile Stadt. Sie bekam den Namen ihres Kaisers, Asturica Augusta, die Stadt der Asturer, die dem Augustus gehört. Schon im Jahr 27 nach Christus zeigt ein Gastfreundschaftsvertrag mit dem einheimischen Volk der Zoelae, dass Rom sich mit den Menschen ringsum eingerichtet hatte.

Asturica wurde Hauptort eines großen Gerichtsbezirks, des Conventus Asturum. Plinius der Ältere, der als hoher Beamter in Hispanien diente und die Gegend um das Jahr 73 kannte, schrieb in seiner Naturgeschichte über die Asturer und ihre Hauptstadt. Er nannte Asturica eine urbs magnifica, eine prächtige Stadt.

Gold aus den Bergen

Prächtig wurde die Stadt durch das Gold. In den Bergen im Westen, in der Maragatería, am Teleno und vor allem in Las Médulas, ließen die Römer ganze Berghänge abtragen, um an das Metall zu kommen. Asturica wurde die Stadt, in der dieses Gold verwaltet und gesammelt wurde. Inschriften nennen Prokuratoren der Bergwerke, kaiserliche Beamte, die über die Minen wachten.

Von dieser reichen Stadt ist mehr erhalten, als man auf den ersten Blick sieht. Unter der Plaza Mayor lag das Forum, ein Platz von mehr als 31.000 Quadratmetern. Zu ihm gehört ein langer Gang mit Tonnengewölbe, rund fünfzig Meter lang, den man in Astorga die Ergástula nennt. Das Wort bedeutet Sklavengefängnis, und eine alte Deutung sagt, hier seien Sklaven aus den Goldminen eingesperrt worden. Belegt ist das nicht. Die Forschung hält den Gang heute eher für den Unterbau eines Heiligtums für den Kaiser. Heute ist darin das Römermuseum der Stadt.

Es gibt zwei Thermenanlagen, die großen und die kleinen, beide erst in den 1980er Jahren gefunden. Es gibt Wohnhäuser reicher Familien, darunter eines mit einem Mosaik, auf dem ein Bär und Vögel zu sehen sind. Und es gibt die Kanalisation. Ihre Gänge wurden 1863 entdeckt, und Teile davon sind bis heute in Betrieb.

Im späten dritten Jahrhundert bekam der ganze Hügel eine Mauer, gut zwei Kilometer lang, mit siebenundzwanzig halbrunden Türmen, die etwa sechzehn Meter auseinanderstanden. Das Mittelalter hat sie weiterbenutzt. Abschnitte davon stehen noch, und wenn du am Abend um die Altstadt gehst, gehst du an Steinen entlang, die Römer gesetzt haben. Das Ende kam mit dem Ende der Minen: Unter Kaiser Diokletian wurde kein Gold mehr gefördert, und die Stadt verlor an Bedeutung.

Die Straße aus dem Süden

Wo Gold ist, braucht es Straßen. Ein römisches Straßenverzeichnis, das Itinerarium Antonini, beschreibt mehrere Routen, die von Asturica ausgingen oder hier endeten. Eine davon kam aus dem Süden, von Augusta Emerita, dem heutigen Mérida, der Hauptstadt der Provinz Lusitanien. Sie lief über Cáceres und Salamanca nach Norden, und ihr Ziel war Asturica. Die Meilensteine an diesem Abschnitt tragen hohe Zahlen, bis über dreihundert römische Meilen. Hinter Astorga hat man keinen einzigen Meilenstein dieser Straße mehr gefunden. Hier war sie zu Ende.

Diese Straße nennen wir heute die Vía de la Plata. Mit Silber hat der Name nichts zu tun. Im arabisch geprägten Spanien hieß sie al-Balat, die gepflasterte Straße, und aus balat wurde mit der Zeit vermutlich plata. Als die christlichen Königreiche nach Süden vorrückten, wurde aus der Römerstraße ein Pilgerweg nach Santiago.

Eine andere Route aus Astorga führte nach Westen, und spanische Forscher sehen in ihr den späteren Pilgerweg. Wenn du morgen in die Berge aufbrichst, gehst du also in einer Richtung, die schon die Römer kannten.

Ob die Vía de la Plata wirklich in Astorga endet, darüber wird übrigens gestritten. Die touristische Ruta de la Plata, die man heute vermarktet, reicht von Sevilla bis an die Küste nach Gijón und führt dabei über León, an Astorga vorbei. Der Bürgermeister von Astorga hat das immer wieder kritisiert, und ein Verein der Stadt protestiert seit 2006 gegen diese künstliche Verlängerung. Für Pilger ist die Sache einfacher: Der Jakobsweg auf der Vía de la Plata endet hier, und ab hier gehst du auf dem Camino Francés weiter. Wer von Süden nach Galicien abkürzen wollte, ist schon in Granja de Moreruela auf den Camino Sanabrés abgebogen.

Bischöfe seit dem dritten Jahrhundert

Astorga ist eine der ältesten Bischofsstädte Spaniens. Um das Jahr 249 wird ein Bischof namens Basílides genannt. Zu dieser Zeit war der Bischofssitz noch mit León verbunden, nach dem Toleranzedikt von Mailand im Jahr 313 lag er allein in Astorga. Bischöfe aus Astorga reisten zu den frühen Konzilien, nach Zaragoza im Jahr 380 und nach Toledo.

Der bekannteste von ihnen ist Toribio. Er wurde um die Mitte des fünften Jahrhunderts Bischof, und er war, bevor er Bischof wurde, selbst ein Pilger, nur in die andere Richtung. Er verkaufte seinen Besitz und ging nach Jerusalem. Dort soll er das Vertrauen des Patriarchen Juvenal gewonnen haben und Sakristan an der Grabeskirche geworden sein. Auf dem Rückweg traf er in Rom Papst Leo den Großen. Mit ihm stand er später in Briefwechsel, weil in seinem Bistum die Lehre des Priscillian wieder auflebte, die die Kirche als Irrlehre verurteilt hatte. Toribio starb 476 in Astorga.

Was er aus Jerusalem mitbrachte, ist eine Frage der Überlieferung. Nach ihr kam mit Toribio ein Stück vom Kreuz Christi nach Astorga, das Lignum Crucis. Im achten Jahrhundert, als die Muslime nach Norden vordrangen, soll man seine Gebeine und die Reliquie in Sicherheit gebracht haben, in ein Kloster im Tal von Liébana in Kantabrien. Dort wird das Kreuzstück bis heute verehrt, und das Kloster heißt Santo Toribio de Liébana. Ganz sicher ist nicht einmal, ob der Bischof aus Astorga und der Heilige, den Liébana als seinen Gründer verehrt, ein und derselbe Mann waren. Die Forschung streitet darüber. In der Kathedrale von Astorga aber steht Toribio groß über dem Altar hinter dem Chor, und auf deinem Weg in die Stadt bist du an einem Steinkreuz vorbeigekommen, das seinen Namen trägt.

Die Jahrhunderte danach waren hart. Im Jahr 456 plünderte der Westgotenkönig Theoderich der Zweite die Stadt, 569 noch einmal sein Nachfolger Leovigild. Im Jahr 714 kam auf dem Zug nach Norden der muslimische Feldherr Táriq und zerstörte sie. Erst um 850 ließ König Ordoño der Erste von Asturien Astorga durch einen Grafen namens Gatón neu besiedeln und wieder aufbauen. Für ein paar Jahre war Astorga sogar Königssitz: García der Erste regierte von hier aus, bis er 914 starb. Dann ging die Hauptstadt nach León. Und gegen Ende des zehnten Jahrhunderts belagerte und plünderte der Heerführer Almansor die Stadt gleich mehrmals, in den Jahren 988, 994 und 996.

Die Pilger kommen

Mit dem zehnten und elften Jahrhundert begann das Grab in Santiago Menschen aus ganz Europa anzuziehen, und ihr Weg führte durch Astorga. Die Bischöfe der Stadt sorgten für diesen Weg. Bischof Osmundo, der gegen Ende des elften Jahrhunderts regierte und in seinem Bistum die römische Liturgie einführte, ließ der Überlieferung nach um 1082 eine Brücke über den Sil bauen, damit die Pilger den Fluss sicher überqueren konnten. Weil sie mit Eisen verstärkt war, soll aus ihr der Name einer ganzen Stadt geworden sein: Ponferrada, die eiserne Brücke. In wenigen Tagen gehst du darüber.

Um 1140 entstand der berühmteste Pilgerführer des Mittelalters, das fünfte Buch des Codex Calixtinus. Es teilt den Weg in Tagesetappen ein, und die neunte führt von León nach Rabanal. Astorga war für den Verfasser also keine Etappenstadt, sondern ein Ort, durch den man am langen Tag hindurchzog. In seiner Liste der Orte am Weg nennt er sie aber eigens: Nach Órbigo kommt die Stadt Astorga, dann Rabanal, das man das gefangene nennt.

Drei Jahrhunderte später schrieb ein deutscher Mönch einen Pilgerführer in Versen. Hermann Künig von Vach gehörte zum Orden der Serviten, der Diener Mariens, und sein Büchlein wurde 1495 in Leipzig gedruckt. Ausgerechnet für diesen Abschnitt hatte er einen eigenwilligen Rat: Wer ihm folge, solle hinter León nicht zur Seite nach Astorga abbiegen, sondern die andere Richtung nehmen, dann müsse er nicht über die Berge. Und er schrieb, sinngemäß: Mein Rat ist, Rabanal zu meiden. Die meisten Pilger haben sich nicht daran gehalten, und du wohl auch nicht.

Zwanzig Hospitäler

Wer im Mittelalter durch Astorga kam, fand viele Türen offen. Die Historikerin María José Pérez Álvarez von der Universität León schreibt, dass in Astorga im Mittelalter bis zu zwanzig Hospitäler arbeiteten, die meisten getragen von religiösen Gemeinschaften und vor allem von Bruderschaften. Nur Burgos hatte eine vergleichbare Dichte. Eine andere Darstellung spricht sogar von vierundzwanzig Häusern für Pilger und Arme. Die genaue Zahl hängt davon ab, was man zählt, denn viele dieser Hospitäler waren klein, ein paar Betten in einem Haus, das eine Bruderschaft unterhielt.

Für das Jahr 1121 nennt der Jakobsweg-Verein der Stadt die Gründung des Hospitals San Feliz, und 2021 feierte Astorga deshalb neunhundert Jahre Gastfreundschaft für Pilger. Die Stadtkapelle spielte zum Jubiläum, und der Vorsitzende des Vereins, Juan Carlos Pérez, sprach von der langen Tradition der Gastfreundschaft in Astorga. Es sei bewegend, sagte er, dass die Pilger von heute auf demselben Boden gingen wie die vor Jahrhunderten. An der Stelle des alten San Feliz steht heute die große Pilgerherberge der Stadt.

Zu Beginn des sechzehnten Jahrhunderts arbeiteten noch vierzehn Hospitäler. Ihre Namen klingen wie eine Litanei: San Roque, Santa Bárbara, Los Prestes, San Andrés, Santo Tomás, San Esteban, San Lázaro, Santo Tomé, San Juan Bautista, Santa Marta, San Feliz, San Nicolás, Los Mártires und Corpus Christi. Aber viele kleine Häuser mit wenig Geld waren schwer zu halten. 1521 beschlossen mehrere Bruderschaften, darunter die von San Feliz, Santa Marta und San Nicolás, ihre Einkünfte gemeinsam zu verwalten. Gegen Ende des Jahrhunderts teilten sie sich die Aufgaben: San Nicolás, San Feliz und Corpus Christi nahmen Durchreisende auf, Los Mártires und Santa Marta pflegten Kranke. 1626 verkaufte man die kleinen Häuser und kaufte dafür ein großes, und so entstand das Königliche Hospital der Cinco Llagas, der fünf Wunden Christi.

Um 1700 waren noch vier Hospitäler übrig, um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts nur noch zwei: Cinco Llagas und San Juan Bautista. Pérez Álvarez weist auf etwas hin, das man leicht übersieht. In dieser Zeit waren die meisten Menschen, die über den Camino zogen, keine Pilger mehr, sondern Reisende aller Art, und die Hospitäler nahmen nur auf, wer kein Geld hatte.

Das älteste dieser beiden, San Juan Bautista, steht direkt neben der Kathedrale. Es wurde vom Domkapitel gegründet, Urkunden aus der Zeit König Ferdinands des Zweiten von León zeigen, dass es spätestens im zwölften Jahrhundert ein Pilgerhospital war. Man erzählt sich, Franziskus von Assisi habe hier auf seiner Pilgerreise nach Santiago gelegen, um sich von einer Krankheit zu erholen, und danach sei in der Stadt ein Franziskanerkloster gegründet worden. Das ist eine Legende. Belegt ist, dass das Hospital 1756 abbrannte und mit dem Geld von Bischof Francisco Javier Sánchez Cabezón wieder aufgebaut wurde. Das klassizistische Portal von damals steht noch. 1885 übernahmen es die Barmherzigen Schwestern, und bis heute ist es ein Haus für Menschen, die Pflege brauchen, ein Altenheim mit Platz für 140 Bewohner. Neunhundert Jahre lang hat dieses Haus also nie aufgehört, Menschen aufzunehmen. Das Hospital der Cinco Llagas wiederum wurde 1892 einem Pflegeorden anvertraut, den Siervas de María, deren Namen die große Pilgerherberge heute trägt.

Die Eingemauerten von Santa Marta

Gleich bei der Kathedrale steht die Kirche Santa Marta, der Stadtpatronin geweiht, und zwischen ihr und der Kapelle San Esteban gibt es einen der seltsamsten Orte am ganzen Weg. Es ist die Zelle der Emparedadas, der Eingemauerten. Sie stammt noch von einer mittelalterlichen Kirche, die vor der heutigen hier stand.

In dieser Zelle lebten Frauen, eingeschlossen. Durch ein vergittertes Fenster zur Straße bekamen sie ihr Essen, durch ein zweites Fenster sahen sie in den Chorraum von Santa Marta und konnten so die Gottesdienste mitfeiern. Warum die einzelnen Frauen hier lebten, ob aus eigenem Entschluss oder nicht, verraten die Quellen, die wir gefunden haben, nicht.

Über dem Fenster zur Straße steht eine lateinische Inschrift. Übersetzt sagt sie: Gedenke meines Urteils, denn so wird auch das deine sein. Mir gestern, dir heute. Jahrhundertelang sind Pilger an diesem Fenster vorbeigegangen und haben diesen Satz gelesen oder sich vorlesen lassen. Er war an sie gerichtet, an jeden, der draußen vorbeiging, frei, unterwegs, mit einem Ziel vor Augen.

Eine Kathedrale, an der drei Jahrhunderte bauten

Die Kathedrale Santa María steht nicht auf freiem Feld. Vor ihr gab es eine vorromanische Kirche, dann eine romanische, die am 20. Dezember 1069 geweiht wurde, unter König Alfons dem Sechsten und Bischof Pedro Núñez. Königin Urraca schenkte 1120 Land neben der Kirche für die nötigen Bauten. Im dreizehnten Jahrhundert trug die Kathedrale bereits den Beinamen Apostólica, die Apostolische.

Am Montag, dem 16. August 1471, legte man den Grundstein für einen neuen, gotischen Bau. Man begann mit dem Chorhaupt. Als erste Baumeister vermutet man Juan de Colonia und seinen Sohn Simón, die Familie aus Köln, die auch die Kathedrale von Burgos prägte. Im sechzehnten Jahrhundert leitete Rodrigo Gil de Hontañón die Arbeiten, einer der großen Baumeister der spanischen Renaissance. Er lebte selbst in Astorga, bis 1559 führte er den Bau, und von ihm stammt das Südportal von 1551, mit Gottvater im Bogenfeld, der die Welt in der Hand hält und segnet.

Die letzten drei Joche nach Westen kamen erst im siebzehnten Jahrhundert hinzu. Die Hauptfassade entwarfen gegen Ende des siebzehnten und zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts Francisco und Manuel de la Lastra, und Pablo Antonio Ruiz arbeitete 1708 bis 1710 an ihr. Dann kam das Erdbeben von Lissabon. Im Jahr 1755 erschütterte es auch Astorga, und die Kathedrale wurde schwer beschädigt. Ein halbes Jahrhundert später beschädigten napoleonische Truppen den Kreuzgang und die Glasfenster. Die beiden Türme sind über sechzig Meter hoch, und wenn du genau hinsiehst, haben ihre Steine unterschiedliche Farben, von grünlich bis rosa. Das hat einen Grund: Der linke Turm wurde erst 1965 vollendet. Seit 1931 ist die Kathedrale Nationaldenkmal.

Drei Jahrhunderte Bauzeit sieht man dem Gebäude an. Innen ist es eine gotische Hallenkirche mit hohen Gewölben, deren Rippen ohne Kapitelle direkt aus den Pfeilern wachsen. Außen zeigt es sich barock. Eine Besonderheit merkt man nur mit dem Kompass: Die Kathedrale ist nach Nordosten ausgerichtet, nicht genau nach Osten, weil sie dem Grundriss ihrer Vorgängerin folgt.

Was du in der Kathedrale siehst

Bleib vor dem Hauptportal einen Moment stehen. Die Fassade erzählt Szenen aus dem Leben Jesu: die Vertreibung der Händler aus dem Tempel, die Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde, die Kreuzabnahme, zwei Heilungen. Eine davon ist die Heilung des Blinden von Betsaida. Der Bildhauer hat diesen Blinden als Pilger dargestellt. Wer im achtzehnten Jahrhundert mit Stab und Tasche vor diesem Portal stand, sah sich selbst in der Fassade.

Darüber, im Bogenfeld, steht Jakobus. Er ist hier nicht der Maurentöter, der hoch zu Ross mit dem Schwert reitet, wie man ihn in vielen spanischen Kirchen sieht. Er empfängt die Pilger, die ankommen, und schickt sie weiter auf ihren Weg. Über ihm ist das Lamm Gottes, von vier Engeln bewacht.

Drinnen zieht der Hochaltar den Blick an. In den 1550er Jahren schrieb das Domkapitel einen Wettbewerb aus. Zwei angesehene Werkstätten bewarben sich, und Gaspar Becerra, ein Künstler aus Baeza, der in Italien gelernt hatte. Er gewann, 1558 wurde der Vertrag unterzeichnet, und 1584 war der Altar fertig. Bemalt haben ihn Gaspar de Hoyos und Gaspar de Palencia. Der Altar erzählt in drei Stockwerken das Leben Christi und Marias, in der Mitte die Himmelfahrt und die Krönung Marias, ganz oben eine große Kreuzigungsgruppe. Kunsthistoriker sehen in ihm den Höhepunkt des sogenannten Romanismus in Spanien, jener Kunst, die Michelangelos Kraft und Körperlichkeit nach Spanien brachte.

Im Chor stehen 97 Sitze aus unbemaltem Nussbaumholz, geschnitzt im zweiten Viertel des sechzehnten Jahrhunderts von Juan und Nicolás de Colonia und anderen Meistern. Oben sieht man Apostel und Heilige, unten Propheten. Unter den Klappsitzen aber haben die Schnitzer ihrem Humor freien Lauf gelassen. Dort spielen Hunde Karten und rauchen dabei Pfeife. Einer der Sitze gehört Santo Toribio.

In einer Seitenkapelle thront die Virgen de la Majestad, eine Muttergottes aus Birnbaumholz aus dem zwölften Jahrhundert, mit Silber überzogen. Sie hält einen Apfel und zeigt auf das Kind auf ihrem Schoß. Als man sie 1988 restaurierte, fand man in einem Reliquienfach in ihrem Rücken kleine Päckchen. Auf einem stand, es enthalte Splitter vom wahren Kreuz, auf einem anderen, Milch Mariens. Vielleicht erinnerte sich jemand an das Kreuzstück, das Toribio der Überlieferung nach einst aus Jerusalem gebracht hatte.

Die Orgel hat 2.830 Pfeifen. Neben der Kathedrale liegt ihr Museum, und dahinter das Hospital San Juan Bautista. Kathedrale, Hospital und Bischofspalast gehören zu den Stätten, die die UNESCO 2015 als Teile des Jakobswegs in ihr Welterbe aufgenommen hat.

Ein Palast für einen Freund

Am 23. Dezember 1886 brannte der alte Bischofspalast von Astorga ab. Er war schon lange baufällig gewesen. Der Bischof hieß Joan Baptista Grau i Vallespinós, und er stammte aus Reus in Katalonien, genau wie ein junger Architekt, den er kannte. Die beiden hatten sich in Tarragona kennengelernt, wo Grau Generalvikar war und eine Kirche einweihte, deren Altar dieser Architekt entworfen hatte. Sein Name war Antoni Gaudí. Astorga hatte keinen eigenen Diözesanarchitekten, also fragte Grau seinen Freund.

Gaudí hatte damals keine Zeit. Er baute in Barcelona den Palau Güell, und er hatte gerade die Sagrada Família übernommen. Also bat er den Bischof um Fotos, Zeichnungen und Beschreibungen des Grundstücks und zeichnete die Pläne in Barcelona. Weil ein Bischofspalast ein öffentliches Gebäude war, musste die Königliche Akademie in Madrid zustimmen, und nach einigen Änderungen wurde der Entwurf im Februar 1889 genehmigt. Den Grundstein legte man an einem 24. Juni, dem Tag Johannes des Täufers und Namenstag des Bischofs. Ob das 1889 oder 1890 war, darüber sind sich die Quellen nicht einig. Gaudí kam nun selbst, mehrmals, und er brachte katalanische Handwerker mit, denen er vertraute. Der Palast sollte, so wird Gaudí zitiert, außen eine Burg und innen eine Kirche sein. Er baute ihn aus Granit aus dem Bierzo, mit vier Ecktürmen und einem Graben ringsum.

1893 starb Bischof Grau. Gaudí entwarf noch den Katafalk für seine Totenfeier. Dann eskalierte der Streit mit dem Domkapitel, und am 4. November 1893 legte Gaudí sein Amt nieder. Das Obergeschoss und das Dach fehlten noch. Beim Abschied soll er gesagt haben: Sie werden nicht imstande sein, ihn zu vollenden, und auch nicht, ihn unvollendet zu lassen. Jahre später, so erzählt man, fragte ihn die Infantin Isabel von Bourbon, warum er Astorga verlassen habe. Gaudí soll geantwortet haben: Señora, ich bin nicht gegangen, man hat mich hinausgeworfen.

Die Prophezeiung traf zu. Ein Architekt aus León versuchte sich am Bau und gab bald auf, einer aus Santiago kam zwischen 1899 und 1904 kaum voran. 1905 versuchte Bischof Julián de Diego Alcolea, Gaudí zurückzuholen, vergeblich. Erst Ricardo García Guereta vollendete den Palast zwischen 1907 und 1915, nach Gaudís Grundriss, aber in einer braveren Sprache. Eine Inschrift nennt den 12. Oktober 1913 als Tag der Vollendung.

Gewohnt hat in diesem Palast nie ein Bischof. Noch 1913 wurde Bischof de Diego nach Salamanca versetzt, und der Bau stand leer. Im Bürgerkrieg war er Artilleriekaserne und Sitz der Falange. 1956 begann ein Bischof, ihn doch noch als Residenz herzurichten, aber er starb 1960, und sein Nachfolger Marcelo González Martín machte daraus ein Museum. Seit 1962 ist der Palast das Museo de los Caminos, das Museum der Wege. Im Garten stehen drei Engel aus Zink, die Gaudí für das Dach entworfen hatte. Sie wurden 1913 gegossen, kamen aber nie hinauf. Einer trägt ein Vortragekreuz, einer einen Bischofsstab, einer eine Mitra.

Drinnen findest du religiöse Kunst aus dem Bistum, und vieles davon hat mit dem Weg zu tun, den du gerade gehst. In einem Saal ist Jakobus in drei Gestalten versammelt, als Pilger, als Betender und als Krieger. Der Palast ist eines von nur drei Gebäuden, die Gaudí außerhalb Kataloniens gebaut hat. Ein zweites steht in León, die Casa Botines, an der du in León vorbeigekommen bist. Zwischen 2014 und 2017 wurde der Palast für 1,8 Millionen Euro restauriert, und im Mai 2026, im hundertsten Todesjahr Gaudís, bekam er neue Gärten und eine neue nächtliche Beleuchtung.

Die Fuhrleute, die nie ausgeraubt wurden

Wenn du morgen aus Astorga hinausgehst, betrittst du die Maragatería, das Land der Maragatos. Über Jahrhunderte waren die Maragatos berühmt als Arrieros, als Fuhrleute, die mit langen Maultierzügen Waren durch Spanien transportierten. Ihre Routen verbanden die galicische Küste mit der kastilischen Hochebene und mit Madrid.

Schon König Heinrich der Zweite befreite am 20. Februar 1367 die Fuhrleute aus Astorga vom Portazgo, einer Abgabe, die man beim Betreten einer Stadt für seine Waren zahlen musste, und das Privileg galt bald im ganzen Königreich. Notarakten aus Galicien zeigen Fuhrleute aus Quintanilla de Somoza und Castrillo de los Polvazares, die sich in den Jahren 1633, 1636 und 1657 verpflichteten, eingelegte Austern bis nach Medina de Rioseco und La Bañeza zu bringen. Sie transportierten vor allem Fisch aus Galicien, aber auch Steuergelder. Die Krone vertraute ihnen sogar das Gold aus Amerika an, das sie von den Häfen an den Hof brachten.

Ihr Ruf war ihr Kapital. Reisende beschrieben sie als wortkarg, ernst und gelassen, darunter der Augustinermönch Enrique Flórez und der Engländer George Borrow, der in den 1830er Jahren als Bibelverkäufer durch Spanien zog. Die Maragatos galten als absolut ehrlich und zuverlässig, und dafür verlangten sie mindestens doppelt so viel wie andere Fuhrleute. Bemerkenswert ist: Es gibt keinen einzigen belegten Überfall auf einen Maultierzug der Maragatos, während andere Fuhrleute ständig ausgeraubt wurden. Manche Zeitgenossen vermuteten deshalb Absprachen mit den Räubern. Eine mündliche Überlieferung erzählt von einem Fuhrmann aus Castrillo, dem in einem galicischen Hafen königliches Gold gestohlen wurde. Er ersetzte den Verlust und verlor dabei sein ganzes Vermögen.

Reich wurden nicht alle. Nur etwa ein Fünftel der Menschen in der Maragatería lebte vom Fuhrgeschäft, und das Geld konzentrierte sich bei wenigen Familien. Die meisten bestellten mühsam den kargen Boden. Die großen Häuser der Fuhrleute kannst du morgen noch sehen, wenn du den kurzen Abstecher nach Castrillo de los Polvazares machst.

Das Ende kam mit der Eisenbahn. Am 19. Februar 1866 erreichte der erste Zug aus León Astorga, und gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts brauchte niemand mehr Maultierzüge. Viele Maragatos zogen nach Galicien und nach Madrid und machten dort weiter, was sie kannten: den Handel mit Fisch. Einige gingen noch weiter. Maragatos waren im achtzehnten Jahrhundert unter den ersten Siedlern in Patagonien, und in Uruguay und im Süden Brasiliens ist ihr Name bis heute bekannt.

In Astorga erinnern zwei Figuren aus Blei an sie, Juan Zancuda und die Colasa. Sie stehen am Rathaus an der Plaza Mayor, das der Baumeister Manuel de la Lastra im späten siebzehnten Jahrhundert errichtete, und schlagen die Stunden. Und in jedem Restaurant der Stadt steht der Cocido maragato auf der Karte, der Eintopf der Fuhrleute.

Woher kommen die Maragatos?

Kaum eine Frage wird in Astorga so gern und so lange diskutiert. Die Maragatos lebten über Jahrhunderte als eigene Gemeinschaft, mit eigener Tracht und eigenen Bräuchen, und sie wurden lange benachteiligt und beargwöhnt. Wer waren sie?

Die älteste schriftlich festgehaltene Antwort ist die unfreundlichste. Im achtzehnten Jahrhundert erzählte man, der Name komme von mauri capti, gefangenen Mauren, also Muslimen, die nach der christlichen Eroberung hier geblieben seien. Der Benediktinermönch Martín Sarmiento sammelte 1768 diese und andere Erklärungen und verwarf sie. Er hielt die Maragatos für Nachfahren der vorrömischen Asturer. Im neunzehnten Jahrhundert vermutete der niederländische Arabist Reinhart Dozy wieder eine Herkunft von Berbern, die unter Ferdinand dem Ersten um Astorga geblieben und Christen geworden seien. Eduardo Saavedra dagegen sah in ihren Hochzeitsbräuchen Spuren der Kelten.

Die heutige Forschung ist nüchterner. Der Historiker Laureano Rubio von der Universität León erklärt den Namen aus dem Fuhrgeschäft selbst: Die Männer brachten Fisch vom Meer zu den Gatos, und Gatos, Katzen, ist bis heute der Spitzname der Madrilenen. Aus del mar a los gatos sei maragato geworden. Eine andere Spur führt zu einem Grabstein aus dem vierzehnten Jahrhundert, der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in La Coruña gefunden wurde. Er zeigt eine Tasche und eine Peitsche, die Werkzeuge eines Fuhrmanns, und das lateinische Wort mercator, Händler. Und die Tracht, die so fremd wirken sollte, entspricht nach heutiger Sicht einer Mode, die im achtzehnten Jahrhundert in vielen Gegenden Europas getragen wurde.

Eine sichere Antwort gibt es nicht. Vielleicht ist das auch die ehrlichste Lehre aus diesem Streit: dass Menschen, die anders leben, schnell eine geheimnisvolle Herkunft angedichtet bekommen, und dass sich das Rätsel manchmal auflöst, wenn man sich einfach ansieht, womit sie ihr Brot verdienten.

Schokolade

In den Schaufenstern siehst du es: Diese Stadt hat eine lange Geschichte mit Schokolade. Kakao kam in den 1520er Jahren mit Hernán Cortés aus Mexiko nach Spanien. Astorga war eine der ersten Städte Europas, in denen man Schokolade trank und herstellte.

Warum ausgerechnet hier, fern von jedem Hafen? Wieder spielen die Maragatos die Hauptrolle. Ihre Maultierzüge beherrschten den Handel zwischen den galicischen Häfen und Madrid, und mit ihnen kamen Kakaobohnen und andere Waren aus Amerika nach Astorga. Die Stadt selbst erzählt außerdem eine Geschichte über einen Marqués von Astorga, der in Mexiko Schokolade kennengelernt und seiner Tochter Kakaobohnen als Mitgift gegeben haben soll. Der Bürgermeister José Luis Nieto nannte das 2025 den ersten schriftlichen Hinweis auf Schokolade in der Stadt. Auch Klöster stellten eigene Schokolade her. Und dann ist da das Klima: Die trockene Kälte der Hochebene ließ die Schokolade schnell und natürlich abkühlen.

Im neunzehnten Jahrhundert wurde aus dem Handwerk eine Industrie, und um 1914 bis 1916 zählte Astorga je nach Quelle zwischen 41 und 49 Schokoladenfabriken. Damit gehörte die kleine Stadt zu den großen Schokoladenzentren Spaniens, neben Madrid, Barcelona und Valencia. Einige Hersteller belieferten den Königshof. Später verschwanden die meisten. Wie viele heute noch arbeiten, geben die Quellen unterschiedlich an, zwischen vier und acht. Am 13. Dezember 1994 eröffnete das Schokoladenmuseum, nach Angaben der Stadt das erste seiner Art in Spanien, in einer kleinen Villa, die sich ein Schokoladenfabrikant im zwanzigsten Jahrhundert gebaut hatte. Dort siehst du alte Maschinen, Plakate und Einwickelpapiere.

Neben der Schokolade hat Astorga noch zwei Spezialitäten mit geschützter Herkunftsbezeichnung, die Mantecadas, kleine Butterkuchen, und die Cecina, luftgetrocknetes Rindfleisch. Beides hält sich gut im Rucksack.

Belagert und geschleift

Astorga war nicht immer eine Stadt der Gastfreundschaft. Sie war auch eine Festung. Am 16. Juli 1465 machte König Heinrich der Vierte den Adligen Álvar Pérez de Osorio zum Marqués von Astorga, und die Stadt, bis dahin königlich und frei, wurde zum Besitz eines Herrn.

Ihre schwerste Zeit erlebte sie im Unabhängigkeitskrieg gegen Napoleon. Am 2. Mai 1808, am selben Tag, an dem sich Madrid erhob, standen in Astorga Bauern und Tagelöhner gegen die Franzosen auf. Am letzten Tag des Jahres 1808 zogen französische Truppen ein, und danach wechselte die Stadt mehrmals den Besitzer. Im März 1810 kam General Junot mit einem ganzen Armeekorps. Die Verteidiger unter General José María Santocildes hielten die alten Mauern wochenlang. Erst am 15. April trafen die schweren Belagerungsgeschütze der Franzosen ein, am 20. April war die Mauer durchbrochen. Ein erster Sturmangriff am Abend des 21. April wurde abgewehrt. Am nächsten Morgen ergab sich Santocildes, die Munition war fast verbraucht. Rund 2.500 Spanier gingen in Gefangenschaft. 1812 eroberten spanische und britische Truppen die Stadt zurück, am 17. August kapitulierten die Franzosen.

Die Römermauer hatte in diesen Kämpfen schwer gelitten. In der Folge wurden ihr nördlicher und ihr südlicher Abschnitt fast völlig abgerissen, dazu viele Türme im Westen. Die alten Stadttore gibt es nicht mehr, nur ihre Namen leben in Straßennamen weiter, Puerta del Rey, Puerta del Sol. Für ihre Rolle in diesem Krieg bekam Astorga die Titel sehr edel und treu.

Danach ging es auf und ab. Die Eisenbahn brachte ab 1866 neue Verbindungen und half der Schokoladenindustrie, aber sie beendete das Zeitalter der Maragatos. Von 1896 an fuhr sogar eine Bahn auf der alten Vía de la Plata nach Süden, bis Plasencia. 1983 wurde sie eingestellt. Die Einwohnerzahl erreichte 1981 ihren Höhepunkt und sinkt seitdem langsam. Am 1. Januar 2025 lebten in Astorga 10.305 Menschen.

Astorga heute

Die Pilger aber kamen wieder. Die Herberge an der Stelle des alten San Feliz führt heute der Jakobsweg-Verein der Stadt, mit freiwilligen Hospitaleros, die jeden Abend Menschen aus aller Welt aufnehmen, das ganze Jahr hindurch. Der Bürgermeister sagte zum Jubiläum 2021, der Verein habe die historische Rolle der Hospitäler übernommen und modernisiert. Die Stadt will die rund zwanzig historischen Hospitäler ausfindig machen und mit Schildern kennzeichnen, damit man sieht, wo sie standen.

Auf der Vía de la Plata kamen 2024 rund 9.000 Pilger nach Santiago, auf dem Camino Francés waren es 2025 mehr als 242.000. Für die einen ist Astorga der Ort, an dem es plötzlich voll wird, für die anderen ein Ort, an dem neue Gesichter auftauchen, mit anderen Geschichten.

Als dieser Text entstand, im Herbst 2026, war Gaudí seit hundert Jahren tot, und die Stadt feierte ihn. Der Palast hat neue Gärten und leuchtet abends, und im Mai 2026 erinnerte die Diözese mit einer Skulptur an Bischof Grau, den Mann, der seinen Freund aus Reus nach Astorga holte.

Was Astorga dir mitgibt

Astorga ist eine Stadt der Schichten. Unter dem Pflaster liegen römische Kanäle, über ihnen mittelalterliche Mauern, daneben eine Kathedrale, die drei Jahrhunderte lang wuchs, und ein Palast, den sein Architekt im Streit verließ. Vieles hier ist nicht so geworden, wie es geplant war, und trotzdem steht es da.

Die Stadt erinnert dich daran, dass Wege älter sind als die Menschen, die auf ihnen gehen. Die Römer brachten Gold über diesen Hügel, die Maragatos Fisch und Kakao, und die Pilger brachten das, was sie bei sich trugen, ihre Fragen, ihre Erschöpfung, ihre Hoffnungen. In zwanzig Hospitälern hat man ihnen dafür ein Bett gegeben.

Wenn du heute Abend jemanden triffst, der aus der anderen Richtung kam, aus Sevilla vielleicht, nach Wochen fast allein, dann frag ihn, wie es war. Ab morgen geht ihr denselben Weg, hinauf in die Berge zum Eisenkreuz, an dem Pilger einen Stein ablegen. Und vielleicht kommst du vorher noch an dem Fenster bei Santa Marta vorbei, über dem steht: Mir gestern, dir heute. Man kann diesen Satz als Drohung lesen. Man kann ihn auch als Einladung verstehen, den heutigen Tag nicht zu verschwenden.

Übernachten in Astorga

Die von Pilgern am besten bewerteten Unterkünfte in Astorga stehen vorn.

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Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert Januar 2025

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