Etappenort am Jakobsweg
Caminha
Distrito de Viana do Castelo, Região do Norte, Portugal
- Unterkünfte
- 15
- Caminos
- 2
- Höhe
- 6 m
Caminha ist der letzte Ort Portugals an der Küste, eine kleine Grenzstadt an der Mündung des Minho mit Uhrturm, Renaissance-Brunnen und spätgotischer Pfarrkirche. Die Fähre nach Galicien fährt nicht mehr: Du setzt mit kleinen Booten nach A Guarda über oder gehst am Fluss entlang nach Valença. Ein Nachmittag reicht.
Aktuell in Caminha (Stand: Oktober 2026)
- Die Fähre fährt nicht mehr: Die alte Autofähre nach A Guarda steht seit 2021 still. Im Oktober 2026 hat die Gemeinde sie als Schrott zum Verkauf ausgeschrieben. Ein kleineres Nachfolgeschiff ist angekündigt, aber noch nicht in Sicht. Über den Fluss kommst du nur mit kleinen Booten (siehe unten).
- Im Winter nur morgens: Das Linienboot von Xacobeo Transfer fährt von November bis März nur zwischen 8 und 9 Uhr portugiesischer Zeit. Ob private Wassertaxis im Winter fahren, ist nicht sicher.
- Kommunale Herberge: Gronze meldet sie derzeit als „vorübergehend wegen Wartung geschlossen“, Pilger berichteten Ende August 2026 aber noch von einer geöffneten Herberge. Ruf vorher an: +351 914 290 431.
Wie lange bleiben?
Ein Nachmittag reicht. Die Altstadt ist klein: Uhrturm, Platz mit Brunnen, Misericórdia und Pfarrkirche liegen auf wenigen hundert Metern, alle direkt am Weg. Mehr gibt es kaum zu besichtigen, denn die Festung auf der Insel Ínsua erreichst du nur per Boot. Nutze den Abend lieber, um die Überfahrt oder den Weg am Minho für den nächsten Morgen zu planen.
Caminha in Ninja-Zahlen
- 1 Stunde Zeitunterschied liegt zwischen den beiden Ufern des Minho. Spanien ist voraus, und die Bootsfahrpläne gelten in der Zeit des Abfahrtshafens.
- 9 € kostet die Überfahrt mit dem Linienboot (Stand: Oktober 2026). 2022 waren es noch 6 €.
- Rund 152 Kilometer sind es laut Camino Ninja von Caminha bis Santiago, wenn du am Minho entlang über Valença gehst. Über die Küste und A Guarda sind es rund 170 Kilometer.
Ankommen: durch den Kiefernwald an die Flussmündung
Von Moledo gibt es zwei Wege. Der offizielle führt an der Bahnlinie entlang auf einem Radweg in den Ort. Schöner ist die Variante über den Strand von Moledo und durch den Kiefernwald Mata do Camarido bis an die Mündung des Minho, nur gut einen Kilometer länger. Von dort gehst du an der Uferpromenade nach Caminha hinein. Durch den Uhrturm, das letzte erhaltene Tor der mittelalterlichen Stadtmauer, betrittst du die Altstadt.
Achtung: Einige Wassertaxis legen schon an der Flussmündung vor dem Ort ab. Wer dort übersetzt, sieht Caminha gar nicht.
Kurz erzählt: eine Grenzstadt ohne Brücke
Caminha war jahrhundertelang ein Bollwerk gegen Kastilien. König Afonso III. ließ den Ort um 1260 befestigen, König Dinis gab ihm 1284 das Stadtrecht. Zusammen mit Viana, Valença und Monção bildete Caminha die nördliche Verteidigungslinie Portugals, und nach jedem Krieg mit Spanien wurden die Mauern neu gebaut. Heute ist von ihnen fast nur der Uhrturm geblieben.
Eine Grenze ist der Fluss bis heute geblieben: Caminha ist die einzige Gemeinde im Minho-Tal, die keine Brücke nach Galicien hat. Eine Straßenbrücke steht zwar auf der Wunschliste der Region, aber nur als Studie.
Altstadt am Fluss: was du sehen solltest
Alles liegt an deinem Weg zwischen Uhrturm und Pfarrkirche. Eine Stunde ohne Rucksack genügt.
- Torre do Relógio: Der Uhrturm aus dem fünfzehnten Jahrhundert war das Tor der mittelalterlichen Stadtmauer, und der Camino führt bis heute hindurch. Wenn du hindurchgehst, betrittst du die Stadt auf demselben Weg wie die Menschen vor fünfhundert Jahren.
- Praça Conselheiro Silva Torres: Der Hauptplatz mit seinem Renaissance-Brunnen von 1551 ist das Herz des Ortes. Daneben stehen das Rathaus mit seinen Arkaden aus dem siebzehnten Jahrhundert und die Igreja da Misericórdia mit einem Renaissance-Portal und Kachelbildern im Inneren. Ein guter Platz für den ersten Kaffee nach der Etappe.
- Igreja Matriz: Die Pfarrkirche wurde 1488 begonnen und 1556 geweiht und ist seit 1910 Nationaldenkmal. Gebaut haben sie Meister aus dem Baskenland und aus Galicien, und die geschnitzte Holzdecke des Mittelschiffs stammt von einem Galicier. Schau dir die Außenseite der Apsis an: Dort sitzt eine Figur, die nach örtlicher Deutung den Galiciern auf der anderen Flussseite ihr Hinterteil zeigt. Öffnungszeiten der Kirche haben wir nicht gefunden.
- Forte da Ínsua: Die Festung auf der kleinen Insel an der Flussmündung entstand ab 1392 zusammen mit einem Franziskanerkloster und bekam ihre heutige Form mit fünf Bastionen ab 1649. Besuchen kannst du sie nicht regelmäßig, aber vom Ufer und vom Kiefernwald aus siehst du sie gut.
Essen und Trinken
Caminha lebt vom Fluss. Typisch ist Sável (Maifisch), oft mit Arroz de debulho serviert. Von Mitte Januar bis Mitte April ist Saison für Lampreia, das Neunauge, geschmort oder als Reisgericht. Zum Frühstück gehst du in eine der Bäckereien in der Rua de São João, etwa Petinga Doce oder Caminhense, die sehr früh öffnet. Probier dort die örtlichen Süßigkeiten wie Caminhenses oder Sidónios. Letztere sind nach Präsident Sidónio Pais benannt, der in der Rua Direita geboren wurde.
Ehrlich gesagt
- Die Überfahrt ist der Haken an Caminha. Ohne Fähre hängt alles an kleinen Booten. Pilger berichten 2025 und 2026 von über einer Stunde Wartezeit bei einem Anbieter, von einer Bootspanne und von Booten, die früher Schluss machten als angegeben.
- Im Winter ist die Küste fast abgeschnitten. Wer nach 9 Uhr am Anleger steht, findet von November bis März kein Linienboot mehr. Im Januar 2025 meldete ein Pilger, dass gar kein Boot fuhr und nur ein Taxi über die Brücke von Cerveira blieb, für rund 35 €.
- Die kommunale Herberge ist schlicht. Sie liegt halb im Souterrain, und die Duschen haben nur Vorhänge. Die meisten Pilger sind trotzdem zufrieden.
Wo Pilger schlafen
- Albergue de peregrinos de Caminha: die Herberge der Gemeinde, betrieben ehrenamtlich vom Verein der Jakobusfreunde aus Viana do Castelo. 10 € pro Nacht, dazu eine Spendenbox. Keine Reservierung: Fußpilger mit Rucksack kommen zuerst dran, Radfahrer erst ab 18 Uhr. Sie ist ganzjährig geöffnet, Status im Herbst 2026 siehe Kasten oben.
- Albergue Santiago de Caminha: eine private Herberge mitten in der Altstadt in der Rua Direita, ganzjährig offen, rund 20 bis 25 € pro Nacht, reservierbar. Eine Küche gibt es nicht, nur Mikrowelle und Kühlschrank.
Eine Donativo-Herberge gibt es in Caminha nicht. Daneben findest du einige Hostels und Pensionen.
Ninja-Tipps
- Fahrplan in Ortszeit: Die Boote fahren nach der Uhr ihres Abfahrtshafens. Wenn du um 15:30 Uhr in Caminha ablegst, kommst du gegen 16:40 Uhr spanischer Zeit an.
- Mehrere Anbieter, ein Fluss: Neben dem Linienboot von Xacobeo Transfer fahren in der Saison private Wassertaxis, teils im Zehn-Minuten-Takt. Wenn bei einem eine Schlange steht, frag beim nächsten.
- Sandalen griffbereit: Manche Wassertaxis setzen dich auf spanischer Seite am Strand ab, im knöcheltiefen Wasser.
- Wo du anlegst, bestimmt deinen Weg: Das Linienboot fährt vom Ortszentrum nach Camposancos, von dort sind es noch einige Kilometer bis A Guarda. Taxis von der Flussmündung setzen näher an der Senda Litoral ab.
- Etwas Bargeld dabei: Nicht jedes kleine Boot nimmt Karte.
Praktische Tipps für Pilger
- Credencial: Die kommunale Herberge stellt sie aus und stempelt.
- Online buchen im Sommer: Für das Linienboot empfiehlt der Betreiber zwischen Mai und September eine Online-Buchung. Das Ticket ist flexibel, du nimmst das nächste Boot mit freiem Platz.
- Bei Sturm: Fällt eine Überfahrt wegen Wetter aus, bekommst du beim Linienboot das Geld zurück und eine Nachricht per WhatsApp.
Weiter: Boot oder Fluss?
Mit dem Boot geht es hinüber nach Galicien und auf der Senda Litoral um den Monte Santa Trega herum, an einer der wildesten Küsten Galiciens entlang und am Kloster von Oia vorbei. Wenn kein Boot fährt oder du im Winter unterwegs bist, folgst du dem Portugiesischen Küstenweg am Minho flussaufwärts über Seixas und Vila Nova de Cerveira nach Valença. Das sind rund 30 Kilometer mit viel Kopfsteinpflaster und einigen Abschnitten an der Landstraße. Als ruhigere Alternative gibt es den flachen Uferweg Ecovia do Minho.
Morgen erwartet dich
Auf der Küstenroute übernachten die meisten Camino-Ninja-Pilger als Nächstes in A Guarda, gut zehn Kilometer weiter am anderen Ufer. Darüber erhebt sich der Monte Santa Trega mit den Resten einer keltischen Siedlung und einem weiten Blick über die Flussmündung, die du gerade überquert hast.
Tiefer eintauchen: Ein Fluss, zwei Uhren
Ein langer Text, falls du noch mehr über Caminha erfahren willst. Etwa dreizehn Minuten Lesezeit.
Am Ende Portugals
Caminha liegt dort, wo der Minho ins Meer fließt. Gegenüber, auf der anderen Seite des Flusses, beginnt Galicien, und über dem anderen Ufer steht der Monte Santa Trega. In der Mündung selbst liegt eine kleine, flache Insel mit einer sternförmigen Festung. Wer aus Porto die Küste heraufkommt, hat hier das Ende Portugals erreicht.
Für viele Pilger ist Caminha deshalb weniger ein Ziel als ein Übergang: der letzte Abend in einem Land, der letzte Kaffee mit portugiesischem Gebäck, bevor am nächsten Morgen die Uhr eine Stunde vorgestellt wird. Aber diese kleine Stadt hat mehr zu erzählen, als ihr Umfang vermuten lässt. Sie ist eine Festung gegen den Nachbarn, die von Baumeistern des Nachbarn gebaut wurde. Sie hat eine Kirche, die zu den schönsten im Norden Portugals zählt, und eine Insel, auf der jahrhundertelang Mönche und Soldaten Tür an Tür lebten. Und sie hat einen Fluss, den man bis heute nicht einfach überqueren kann.
Ein Ort auf dem Hügel am Fluss
Wie alt Caminha ist, lässt sich nicht genau sagen. Man nimmt an, dass schon in vorgeschichtlicher Zeit Menschen auf diesem Hügel über der Mündung lebten. Eine Quelle berichtet von den Fundamenten einer Befestigung aus dem vierten und fünften Jahrhundert, aus der Spätzeit der römischen Herrschaft. Gesichert ist das nicht, aber es passt zur Lage: Wer diesen Punkt hält, kontrolliert den Fluss und die Küste zugleich.
Greifbar wird die Geschichte erst im dreizehnten Jahrhundert. König Afonso der Dritte ließ um 1260 Burg und Ort anlegen, nach dem Muster einer Bastide, einer planmäßig angelegten, befestigten Siedlung. Sein Sohn, König Dinis, verlieh Caminha 1284 das Stadtrecht und ließ die Mauern ausbessern und erweitern. Von da an war der Ort ein Stück der nördlichen Verteidigungslinie Portugals. Zusammen mit Viana, Valença und Monção sollte er das Land gegen Kastilien sichern.
Treue in der Krise
In den Jahren 1383 bis 1385 stand Portugal am Abgrund. Nach dem Tod des Königs drohte das Land an Kastilien zu fallen, und es kam zum Bürgerkrieg. Caminha stellte sich auf die Seite von João, dem späteren König João dem Ersten, der am Ende den Thron gewann. Der neue König vergaß das nicht. Er förderte den Ort, legte eine Garnison hinein und ließ eine zweite Mauerlinie bauen. 1392 gewährte er dem Hafen besondere Freiheiten im Handel.
Caminha lebte vom Fluss und vom Meer. In den Ständeversammlungen des Königreichs ging es in den Jahren 1439 und 1455 auch um Fischerei und Abgaben aus Caminha. 1464 kam die Herrschaft über den Ort an Henrique de Meneses und damit an das Haus der Grafen von Vila Real. Um 1509 zeichnete Duarte de Armas in seinem Buch der Festungen, das er für König Manuel den Ersten anlegte, auch Caminha mit Burg und Mauern.
Mauern, die immer wieder fielen
König Manuel der Erste bestätigte 1512 das Stadtrecht und ordnete eine Festung an der Flussmündung an. In den Kriegen mit Spanien wurde Caminha immer wieder getroffen, und immer wieder baute man die Mauern neu. Nach 1640, als Portugal sich von der spanischen Krone löste, ließ König João der Vierte die Befestigungen noch einmal umbauen. Im Krieg um die Unabhängigkeit, der darauf folgte, sollen spanische Truppen sogar die Pfarrkirche beschossen haben.
Später verloren die Mauern ihren Zweck. Die meisten wurden abgerissen oder überbaut. Geblieben ist vor allem der Uhrturm aus dem fünfzehnten Jahrhundert, das einzige erhaltene Tor der mittelalterlichen Mauer. Durch dieses Tor betrittst du heute die Altstadt, auf demselben Weg wie die Menschen vor fünfhundert Jahren.
Eine Kirche für eine Stadt in Mauern
Die Igreja Matriz, die Pfarrkirche Unserer Lieben Frau von der Himmelfahrt, ist der eigentliche Schatz von Caminha. Sie musste innerhalb der Stadtmauern stehen. Deshalb blieb der Platz vor ihrer Fassade lange eng, und erst bei Restaurierungen im einundzwanzigsten Jahrhundert wurde er freigelegt. An ihrer Stelle soll vorher eine kleine romanische Kapelle gestanden haben. Ein vermauertes Portal und ein wiederverwendeter Kragstein an der Nordseite gelten als ihre Reste.
Oft liest man, König Manuel der Erste habe die Kirche gestiftet. Das stimmt nicht. Der Grundstein wurde am 4. April 1488 gelegt, noch unter König João dem Zweiten, Jahre bevor Manuel den Thron bestieg. Der Bau zog sich lange hin und war teuer. Weder die Hilfe der Krone noch die Zuschüsse der Herren der Stadt reichten aus. Der Glockenturm entstand zwischen 1550 und 1560, geweiht wurde die Kirche 1556, ein Jahr vor dem Tod von König João dem Dritten. Fast siebzig Jahre lagen also zwischen dem ersten Stein und der Weihe.
Baumeister von der anderen Seite
Wer hat diese Kirche gebaut? Den Grundriss und die erste Bauleitung schreiben die Quellen zwei Meistern zu, deren Namen schon ihre Herkunft verraten: João de Tolosa, einem Basken, und Pero Galego, was nichts anderes heißt als Pero der Galicier. Eine andere Beschreibung nennt für den Anfang noch zwei weitere Basken, Tomé de Tolosa und Francisco Fial. Gesichert ist vor allem eines: Die Kirche, die eine portugiesische Grenzstadt gegen Spanien schmücken sollte, wurde zu einem guten Teil von Meistern aus Spanien errichtet.
Das schönste Beispiel dafür hängt über dir, wenn du hineingehst. Die geschnitzte Holzdecke des Mittelschiffs schuf der galicische Schnitzer Francisco Munhoz. Eine Beschreibung nennt ihn einen Meister aus Tui, also aus der Stadt, die du in ein, zwei Tagen erreichst. Die Decke wurde 1565 vollendet. Sie ist in Felder mit fünfzehn Rosetten gegliedert, und die mittlere hängt wie ein großer, plastischer Zapfen herab. Kunsthistoriker sehen darin den Einfluss der Mudéjar-Kunst, der von maurischen Handwerkern geprägten Holzkunst Spaniens. Sie gilt als eine der besten Arbeiten dieser Art im ganzen Land.
Was du drinnen und draußen siehst
Von außen wirkt die Kirche wehrhaft, gebaut aus dem Granit der Gegend. Sie gilt als ein Meisterwerk der späten Gotik im Norden Portugals, durchsetzt mit Ornamenten der Renaissance. Das Hauptportal im Westen ist ein Rundbogen in einem rechteckigen Rahmen, darüber sitzt eine Rosette. Der Stein ist stark verwittert.
Viel lohnender ist das Südportal. Es wird João de Tolosa zugeschrieben und gilt als wichtiges Werk der Renaissance. Zwei Pilaster mit fantastischen Ornamenten rahmen es, dazu kommen zwei runde Medaillons mit Köpfen, die man traditionell als König Manuel den Ersten und Königin Maria deutet. In Nischen stehen Petrus, Markus, Lukas und Paulus. Ganz oben sitzt die Schutzherrin der Kirche, Nossa Senhora dos Anjos, mit dem Kind, und neben ihr zwei Büsten, die vermutlich Adam und Eva darstellen.
Drinnen trennen acht runde Säulen drei Schiffe. Über den Bögen laufen Kachelbilder, unter anderem Medaillons mit männlichen Bildnissen, die bis heute niemand sicher benennen kann. Eine Beschreibung erwähnt außerdem einen barocken Altar der Rosenkranzmadonna mit einem Stammbaum Jesse von 1704 und ein vergoldetes Tabernakel mit Szenen der Passion von 1674. Vieles andere ging verloren. Ein Sturm im Januar 1636 zerstörte die Brüstung über der Fassade weitgehend, und bei einer großen Restaurierung im zwanzigsten Jahrhundert verschwanden mehrere Seitenkapellen, die Orgeln und ein großer Teil des barocken Schmucks. Seit dem 16. Juni 1910 ist die Kirche Nationaldenkmal.
Der Christus aus dem Fischernetz
Die bekannteste Kapelle der Kirche ist die Capela dos Mareantes, die Kapelle der Seeleute, auf der linken Seite. Sie ist dem Senhor Jesus dos Mareantes geweiht. Ihr Bogen trägt die Jahreszahl 1511 und gilt als eines der frühesten Werke der Renaissance in Portugal überhaupt.
Zu dieser Kapelle gehört eine Geschichte, wie sie nur eine Stadt am Meer erzählen kann. Im Jahr 1539 zogen Fischer mit ihrem Netz eine Kiste aus dem Wasser. Darin lagen eine hölzerne Christusfigur, zwei vergoldete Silberkelche und bestickte Messgewänder. Woher sie kam, erzählen die Quellen nicht. Die Figur kam in die Kapelle der Seeleute, und sie wird dort bis heute verehrt. Für eine Stadt der Fischer und Seeleute war das ein Christus, der aus ihrer eigenen Welt kam.
Das Hinterteil für die Nachbarn
Und dann ist da noch die Figur, über die in Caminha jeder schmunzelt. An der Außenseite der Kirche sitzt ein Wasserspeier in Menschengestalt, der dem galicischen Ufer sein Hinterteil zuwendet. Die Deutung ist eine örtliche Überlieferung, aber eine hübsche. Eine portugiesische Beschreibung liest daraus sogar, dass neben den Basken und Galiciern eben auch portugiesische Meister am Bau beteiligt waren, und dass sie sich auf diese Weise verewigt haben.
Ob es je so gemeint war, weiß niemand. Aber es fasst die Geschichte dieser Grenze gut zusammen. Galicische Hände haben die Decke geschnitzt, baskische Hände das Portal gemeißelt, und ein Portugiese hat dafür gesorgt, dass die Nachbarn trotzdem wissen, wo die Grenze verläuft. Wenn du um die Apsis herumgehst, such nach ihm.
Eine Insel zwischen Fluss und Meer
Vom Kiefernwald von Camarido und von der Uferpromenade aus siehst du die Insel Ínsua de Santo Isidoro mit ihrer Festung. Hier begann die Geschichte nicht mit Soldaten, sondern mit Mönchen. 1392 gründeten Franziskaner aus Galicien, Brüder der strengen Observanz, auf der Insel ein Kloster. Eine Quelle nennt Frei Diogo Arias als Gründer. Wieder waren es also Menschen von der anderen Seite des Flusses, die an der portugiesischen Mündung etwas aufbauten.
Die Insel hatte zwei Schätze. Der eine waren Muscheln. Schon 1441 verhandelte die Stadt mit den Franziskanern über die Muscheln der Ínsua, und im fünfzehnten Jahrhundert brannte man daraus Kalk, später dienten sie auch als Dünger. Der andere Schatz liegt unter der Erde: ein Brunnen mit Süßwasser mitten im Meer. Solche Quellen sind selten. Die Stadt Caminha sagt, man kenne weltweit nur zwei weitere.
Die Franziskaner in Caminha hatten übrigens auch in der Stadt ein kleines Haus, ein Hospiz bei der Pfarrkirche, das man die Häuser der Armen nannte und in dem man übernachten konnte. Wer dort schlief, verraten die Quellen nicht.
Mönche und Kanonen
Weil Kloster, Hafen und Küste immer wieder von Piraten bedroht wurden, kam zum Kloster bald eine Festung. Schon König João der Erste soll eine erste Anlage gebaut haben, von der nichts erhalten ist. 1471 bekam das Kloster neue Zellen. Eine portugiesische Quelle erzählt, König Manuel der Erste habe 1502 auf seiner Pilgerreise nach Santiago hier neue Arbeiten angeordnet. Belegt ist, dass Manuel Anfang des sechzehnten Jahrhunderts nach Compostela pilgerte und der Kathedrale eine Lampe stiftete, die sie dauerhaft erleuchten sollte. Und 1512 ließ er die Anlage auf der Insel vergrößern.
Ihre heutige Form bekam die Festung zwischen 1649 und 1652 unter König João dem Vierten, geleitet von Diogo de Lima. Sie ist ein fünfzackiger Stern mit fünf Bastionen und kleinen Wachhäuschen, das Haupttor trägt das portugiesische Wappen. Das Besondere: Das Kloster blieb mitten in der Festung erhalten. Mönche beteten im Kreuzgang mit seinen Säulengängen, während auf den Mauern Kanonen standen. Die Insel gehört deshalb zu den wenigen Befestigungen Portugals, in denen das Religiöse und das Militärische gleichzeitig zu Hause waren.
1705 kam das Kloster an die Kapuziner. König João der Fünfte half 1717 beim Wiederaufbau der Kirche, 1767 kamen neue Zellen, ein Kapitelsaal und ein neuer Altar dazu. In den Napoleonischen Kriegen nutzten spanische und französische Truppen die Anlage. 1834 wurden in Portugal alle Orden aufgelöst, und die Mönche mussten die Insel endgültig verlassen. Danach gehörte sie nur noch der Armee, bis 1909 der letzte militärische Gouverneur ernannt wurde. Wie es heute um die Gebäude steht, beschreiben die Quellen unterschiedlich. Eine nennt die Klosterreste verlassen und von Vandalen beschädigt, eine andere die Anlage insgesamt relativ gut erhalten. 2019 schrieb der portugiesische Staat die Festung aus, um sie für fünfzig Jahre touristisch nutzen zu lassen. Ob daraus etwas geworden ist, haben wir nicht herausgefunden.
Ein Präsident aus der Rua Direita
In der Rua Direita wurde Sidónio Pais geboren, der 1918 Präsident Portugals wurde und noch im selben Jahr einem Attentat zum Opfer fiel. In Caminha lebt er auf eine sehr friedliche Weise weiter: Eine der örtlichen Süßigkeiten, die Sidónios, trägt seinen Namen. Wenn du morgens in einer der Bäckereien in der Rua de São João stehst, kannst du ihn probieren.
Waren hier immer Pilger unterwegs?
Hier muss man ehrlich sein. Die Küste von Porto nach Galicien ist heute einer der beliebtesten Jakobswege überhaupt. Am 2. Februar 2022 hat die portugiesische Regierung den Caminho Português da Costa offiziell zertifiziert, von Porto bis Valença auf 138 Kilometern, durch zehn Gemeinden, darunter Caminha. Die Staatssekretärin für das Kulturerbe, Ângela Ferreira, nannte den Weg damals „um símbolo único do património cultural europeu“, ein einzigartiges Symbol des europäischen Kulturerbes. Begründet wurde die Zertifizierung unter anderem mit dem hohen Wert der historischen Wegführungen in Porto und Viana do Castelo.
Für Caminha selbst haben wir aber keine Spur gefunden, die eindeutig von mittelalterlichen Pilgern erzählt. Keine Jakobusfigur in den Beschreibungen der Kirche, keine Santiago-Kapelle, kein überlieferter Pilger, der hier über den Minho gesetzt hätte. Die königlichen Pilgerfahrten, von denen man weiß, werden eher mit dem Weg im Landesinneren verbunden. Der heiligen Königin Isabel etwa, die 1325 nach Santiago pilgerte, schreibt die Überlieferung eine Übernachtung bei Valença zu. Die Notiz über Manuel den Ersten auf der Insel ist die einzige Verbindung, die wir finden konnten, und auch sie stammt aus einer einzigen Quelle.
Das heißt nicht, dass hier nie Pilger gingen. Fischer, Händler und Reisende sind seit Jahrhunderten über diesen Fluss gefahren, und es ist gut möglich, dass unter ihnen auch Menschen auf dem Weg nach Santiago waren. Belegen können wir es nicht. Aber es heißt, dass der Küstenweg, so wie du ihn gehst, vor allem eine Geschichte der letzten Jahrzehnte ist. Du gehst hier nicht in den Fußstapfen eines berühmten Pilgerstroms. Du gehörst zu denen, die diesen Weg gerade erst groß machen.
Die Fähre, die nicht mehr fährt
Seit 1995 verband eine Autofähre namens Santa Rita de Cássia Caminha mit dem galicischen Ufer. Für Pilger auf dem Küstenweg war sie selbstverständlich: Man stand am Anleger, wartete und fuhr zehn Minuten über den Fluss. Im März 2020 wurde sie wegen der Grenzschließung in der Pandemie angehalten. Danach kamen ein kaputter Anleger auf spanischer Seite, Sand im Fluss und schließlich die Rechnung: Eine Reparatur hätte rund 1,2 Millionen Euro gekostet. Im Sommer 2025 wurde die Fähre in eine Werft bei A Guarda geschleppt, allein das kostete 39.000 Euro.
Im September 2026 sagte die Bürgermeisterin Liliana Silva in der Gemeindeversammlung: „Temos que o desmantelar de uma vez por todas“, wir müssen sie ein für alle Mal zerlegen. Im Oktober 2026 bot die Gemeinde die Fähre öffentlich als Schrott an, als ein Boot am Ende seines Lebens. Geplant ist ein kleineres Schiff mit wenig Tiefgang für fünfzig bis sechzig Menschen. Eine Straßenbrücke steht zwar auf der Wunschliste der Region, aber nur als Studie. Caminha ist damit die einzige Gemeinde im Tal des Minho ohne eigene Brücke nach Galicien.
Als dieser Text entstand, im Herbst 2026, war die Überquerung des Minho bei Caminha also wieder eine Sache kleiner Boote, eine Frage von Wetter, Gezeiten und ein wenig Glück. Ein Linienboot, das von der Xunta und den beiden Gemeinden unterstützt wird, und private Wassertaxis bringen die Pilger hinüber. Auf der anderen Seite gehen die Uhren eine Stunde vor.
Was Caminha dir mitgibt
Vielleicht ist das die Lehre dieses Ortes. Eine Grenze ist nie nur eine Linie, die trennt. In Caminha haben Galicier die Decke der Kirche geschnitzt und Basken ihr Portal gemeißelt, galicische Mönche haben auf der portugiesischen Insel gebetet, und Fischer haben aus dem Fluss einen Christus gezogen, den bis heute alle verehren. Die Mauern gegen den Nachbarn sind fast verschwunden. Das Schönste, was geblieben ist, die Kirche, haben Menschen von beiden Ufern gemeinsam gebaut.
Und auch auf dem Weg nach Santiago ist nicht alles planbar, nicht einmal im Jahr 2026. Manchmal fährt kein Boot, und dann gehst du eben am Fluss entlang, einen Tag länger, durch Dörfer, die du sonst nie gesehen hättest. Beide Wege führen nach Santiago. Auf beiden stellst du irgendwann die Uhr eine Stunde vor. Und wenn du dich am anderen Ufer noch einmal umdrehst, siehst du die Stadt, die so lange gegen dieses Ufer gebaut wurde, und die doch ohne es nie geworden wäre, was sie ist.
Übernachten in Caminha
Die von Pilgern am besten bewerteten Unterkünfte in Caminha stehen vorn.
- Top #1
GeöffnetReservierung möglichBom Caminha
- Top #2
GeöffnetReservierung möglichArca Nova Guest House & Hostel
- Top #3
GeöffnetReservierung möglichAlbergue Santiago de Caminha
Angebote in Caminha
Was du vor der nächsten Etappe im Ort findest.
- Geldautomat
- Café
- Geschäft
- Arztpraxis
- Apotheke
- Brunnen
- Post
- Bahnhof
- Restaurant
Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert April 2026





