Orte

Ort am Jakobsweg

Klausen

Germany

Unterkunft
1
Caminos
2
Höhe
227 m

Klausen ist aus fast nichts gewachsen: Um 1440 stellte der Tagelöhner Eberhard eine kaum 20 Zentimeter große Pietà in einen Bildstock, heute kommen über 100.000 Pilger im Jahr. Hier trifft der Eifel-Camino auf den Mosel-Camino, und die Eberhardsklause ist eine von nur zwei Pilgerherbergen am Weg nach Trier.

Aktuell in Klausen (Stand: Oktober 2026)

  • Herberge im Winterschlaf: Die Pilgerherberge Eberhardsklause schließt vom 1. November bis 28. Februar. Ab März ist sie wieder offen.
  • Ende der Wallfahrtszeit: Die Wallfahrtszeit läuft von Mai bis Oktober. Am 25. Oktober 2026 um 18 Uhr beendet ein Orgelkonzert in der Wallfahrtskirche die Saison.

Wie lange bleiben?

Ein Nachmittag reicht. Von Osann-Monzel sind es nur 7,9 Kilometer, und was Klausen ausmacht, liegt um einen einzigen Platz: die Wallfahrtskirche mit ihrer Gnadenkapelle, der Antwerpener Altar und der Abtsgarten. Die alte Klosterbibliothek siehst du nur bei einer Führung, die du vorher anfragen musst. Übernachten lohnt sich trotzdem, denn die Eberhardsklause ist eine von nur zwei Pilgerherbergen am ganzen Weg und eines der günstigsten Betten zwischen Koblenz und Trier.

Klausen in Ninja-Zahlen

  • 20 Zentimeter groß ist das Gnadenbild aus Eichenholz, für das jedes Jahr über 100.000 Menschen nach Klausen kommen.
  • Drei Schritt lang, zwei breit, drei hoch war die Klause, die Eberhard sich 1442 neben seinen Bildstock baute. Der Ort heißt bis heute nach ihr.
  • Rund 700 Wunder schrieben die Chorherren zwischen 1444 und 1536 auf.
  • 35 Betten hat die Eberhardsklause, eine von nur zwei Pilgerherbergen auf den 157 Kilometern des Mosel-Caminos (Stand: Oktober 2026).
  • 47,8 Kilometer sind es laut Camino Ninja noch bis zur Abtei St. Matthias in Trier.

Ankommen: über die Höhe ins Salmtal

Auf dem Mosel-Camino verlässt du Osann-Monzel über die Brunnenstraße in Monzel und steigst Richtung Monzeler Hüttenkopf. An der Grillhütte hältst du dich links und gehst durch den Wald zur Schutzhütte Minheim auf rund 425 Metern. Von dort schaust du über die Wittlicher Senke, über die Burg Landshut hinweg bis zum Hunsrück. Ein Fahrweg bringt dich nach Neu-Minheim, wo du den Kirchturm von Klausen schon siehst, dann geht es ein letztes Stück bergauf. Laut Camino Ninja sind es ab Osann-Monzel 7,9 Kilometer.

Aus Wittlich kommt der Eifel-Camino herein. Zu Füßen der Wallfahrtskirche steht die Pilgerstele, die am 23. April 2010 geweiht wurde. Hier vereinigen sich die beiden Wege und laufen gemeinsam markiert bis Trier.

Kurz erzählt: ein Bild, eine Klause, ein Kloster

Um 1440 stellte Eberhard, ein Tagelöhner aus Esch, an einer unbewohnten Stelle eine kleine Pietà in einen Bildstock. 1442 baute er sich daneben eine Klause. Bald kamen Menschen, die von erhörten Gebeten erzählten. 1444 ersetzte eine Kapelle das Marienhäuschen, am 25. März 1449 wurde eine erste Kirche geweiht. Eberhard starb 1451. Ab 1456 holte man Augustiner-Chorherren der Windesheimer Kongregation, die hier ein Kloster gründeten und die Wallfahrt betreuten. Die heutige Kirche wurde 1502 geweiht.

1802 hoben die Franzosen das Kloster auf, die Klosterkirche wurde Pfarrkirche. Die Wallfahrt blieb. Heute leben rund 1.500 Menschen in Klausen und seinen Ortsteilen Krames und Pohlbach.

Zwanzig Zentimeter Anfang

Klausen ist ein Lehrstück darüber, wie klein etwas anfangen kann. Ein Mann ohne Besitz, eine handgroße Figur aus Eichenholz, eine Hütte, in der man kaum liegen konnte. Daraus wurde eine Kirche, die als bedeutendster spätgotischer Bau der Mosel-Eifel gilt, ein Kloster mit einer der großen Bibliotheken des Erzstifts Trier und ein Wallfahrtsort, den die Tourismusverbände den größten im Bistum Trier nennen.

Für dich als Pilger ist Klausen ein seltener Ort: Auf dem ganzen Eifel-Camino reicht die Pilgerspur nirgends sonst so sicher ins Mittelalter zurück. Der Mosel-Camino selbst wurde erst 2008 eröffnet, aber in Klausen gehen Menschen seit fast sechshundert Jahren zu Fuß an. Vom siebzehnten Jahrhundert bis in die 1980er Jahre kamen 200 bis 330 Prozessionen im Jahr, vor allem aus der Eifel und dem Hunsrück. Du bist hier nicht der Erste mit staubigen Schuhen, du bist einer von sehr vielen.

Um den Augustinerplatz: was du sehen solltest

Alles liegt nah beieinander, rund um die Kirche und die alten Klostergebäude.

  • Die Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung: Eine zweischiffige Halle mit roten Strebepfeilern, achteckigen Pfeilern und einem Netzgewölbe. Schau nach oben: Auf den Schlusssteinen sind Apostel, Heilige und die Wappen von Handwerkern zu sehen. Der Chor wurde 1474 geweiht, die ganze Kirche 1502. Drinnen stehen ein gotisches Chorgestühl, eine Kanzel von 1774, Beichtstühle im Rokoko und eine Rieger-Orgel von 2007. Das Herz der Kirche ist die Gnadenkapelle, die der versetzte Lettner abschließt. Dort steht das Gnadenbild, eine Pietà aus Eichenholz von etwa 1440 und nur rund 20 Zentimeter hoch. Daneben steht eine größere Pietà aus Sandstein aus dem siebzehnten Jahrhundert. Wenn du die kleine Figur gefunden hast, verstehst du den Ort.
  • Der Antwerpener Altar: Der Hochaltar entstand um 1480 in Antwerpen und gilt als eines der frühesten erhaltenen Antwerpener Retabel überhaupt. Fast hundert geschnitzte und vergoldete Figuren erzählen die Passion Christi. Die Beweinungsgruppe unter dem Kreuz ist aus einem einzigen Stück Holz gearbeitet. Wer den Altar geschnitzt hat, ist nicht sicher, genannt werden Johann Eltusch und Peerken von Rosselder. Die äußeren Flügel gingen bei der Aufhebung des Klosters verloren.
  • Die Klosterbibliothek: Der Raum über der Sakristei stammt vom Ende des fünfzehnten Jahrhunderts. Seine Wandmalereien vom Anfang des sechzehnten Jahrhunderts zeigen eine Kreuzigung und 19 überlebensgroße Figuren, vielleicht ein Hinweis darauf, wie die Bücher geordnet waren. Die Chorherren schrieben vier Stunden am Tag Bücher ab. Hinein kommst du nur mit Führung, rund 90 Minuten gegen Spende. Offene Termine gibt es einige Male im Jahr, Gruppen bis 20 Personen können ganzjährig anfragen (Stand: Oktober 2026).
  • Der Abtsgarten: Der Garten geht auf die Gründungszeit des Klosters zurück. 1769 wurde er auf drei Terrassen mit einem Pavillon neu angelegt, seit 2005 wird er wieder bepflanzt. Auf der oberen Ebene wachsen beschriftete Kräuter, und du schaust ins Salmtal, in das dich der Weg morgen führt.

Essen und Trinken

Im Erdgeschoss der Herberge ist der Dorfladen, seit 2007 die Versorgung des Ortes. Dort bekommst du Proviant für die nächste Etappe und morgens Frühstück. Nach Angaben der Herberge ist der Laden die einzige Einkaufsmöglichkeit im Ort. Ein Abendessen ist nicht sicher: Eine Pilgerin schrieb im Oktober 2026, das einzige Restaurant habe montags und dienstags geschlossen, ein anderer Gast fand gar keins mehr. Frag beim Buchen nach. Als Mitbringsel gelten die Klausener Zuckerpfeifen.

Ehrlich gesagt

  • Im Winter fehlt das Pilgerbett. Von November bis Februar ist die Eberhardsklause zu. Dann planst du die Etappe um und schläfst in einer Pension in Osann-Monzel oder Klüsserath.
  • Ankommen nur zu Ladenzeiten. Eingecheckt wird im Dorfladen, und der hat an mehreren Tagen nur bis mittags offen. Wer später kommt, spricht die Ankunft vorher ab.
  • Kochen kannst du nicht. Die Herberge ist kein Selbstversorgerhaus, und das Abendessen im Ort ist unsicher. Kauf tagsüber im Dorfladen ein, was du abends essen willst.
  • Die Bibliothek ist meist zu. Der ausgemalte Bibliotheksraum ist nur bei Führungen offen. Wer ihn sehen will, ruft vorher im Pfarrbüro an.

Wo Pilger schlafen

  • Pilgerherberge Eberhardsklause: Die Ortsgemeinde hat das frühere Hotel Eberhardsklause zum Dorfzentrum umgebaut und im Februar 2012 eröffnet, mit Dorfladen, Gemeindebüro und der Herberge. 35 Betten in Doppel- und Mehrbettzimmern mit Dusche und WC, ein Bett ab 30 € mit Frühstück (Stand: Oktober 2026). Reserviert wird per E-Mail, kurzfristig ist kein Bett garantiert. Bring deinen Pilgerausweis mit, die Herberge will ihn sehen. Geöffnet von März bis Oktober.

Die nächste Pilgerherberge hinter dir liegt in Traben-Trarbach. Vor dir gibt es bis Trier keine mehr, dort schläfst du in Pensionen, Gästehäusern und bei Winzern.

Ninja-Tipps

  • Such die kleine Figur: Vor dem großen Altar vergisst man sie leicht. Geh in die Gnadenkapelle und such das Gnadenbild, es ist kaum größer als deine Hand.
  • Proviant für den Wald: Zwischen Klausen und Klüsserath gibt es keine Einkehr. Füll im Dorfladen deine Flaschen auf, zwei Liter sind gut.
  • Foto an der Stele: An der Pilgerstele zu Füßen der Kirche treffen sich Eifel- und Mosel-Camino. Wer aus Andernach kommt und wer aus Koblenz, steht hier zum ersten Mal am selben Stein.
  • Der Heilige Kommholmich: In der Kirche liegt der Grabstein des Ritters Philipp von Ottenesch, der 1535 starb. Unverheiratete Frauen besuchen ihn der Überlieferung nach, wenn sie einen Mann suchen. Im Ort heißt er der Heilige Kommholmich.
  • Kultur am Abend: Seit 2013 organisieren Ehrenamtliche Konzerte und Lesungen in der Wallfahrtskirche. Schau vor deiner Ankunft, ob an deinem Abend etwas ansteht.
  • Bibliothek vorher anfragen: Wenn du die Bibliothek sehen willst, ruf ein paar Tage vorher im Pfarrbüro an und frag, ob eine Führung ansteht.

Praktische Tipps für Pilger

  • Pfarrbüro: Katholisches Pfarramt Maria Heimsuchung, Augustinerplatz 2, Telefon 06578 218. Hier fragst du nach Führungen und Gottesdienstzeiten.
  • Pilgerstempel: Eine feste Stempelstelle haben wir nicht gefunden. Frag in der Herberge oder im Pfarrbüro.
  • Pilgerausweis und Urkunde: Den Ausweis gibt es vorab bei der St. Jakobusbruderschaft Trier. Für die Trierer Pilgerurkunde musst du die letzten 100 Kilometer mit Stempeln belegen.
  • Dorfladen: Montag, Donnerstag und Samstag 7.30 bis 12 Uhr, Dienstag, Mittwoch und Freitag 7.30 bis 17 Uhr, Sonntag 7.30 bis 12 und 14 bis 17 Uhr (Stand: Oktober 2026). Telefon für die Herberge: 06578 985859.
  • Abbrechen: Die Buslinie 304 fährt nach Wittlich.

Weiter: durch den Wald an die Mosel

Du verlässt Klausen über den Ortsteil Krames, vorbei an der Blasiuskapelle, und gehst auf Feld- und Waldwegen nach Süden zur Waldkapelle am Hansenberg. Dort querst du die Straße, folgst einem befestigten Fahrweg und biegst scharf rechts zur Klüsserather Schutzhütte ab. Nach etwa einer halben Stunde im Wald erreichst du die ersten Weinberge von Klüsserath und steigst auf asphaltierten Wegen zur Salm ab, die hier in die Mosel mündet. Bis Klüsserath sind es laut Camino Ninja 9,9 Kilometer, bis Schweich 27,1 Kilometer und bis Trier 47,8 Kilometer.

Morgen erwartet dich

Klüsserath liegt an der Mündung der Salm in die Mosel. In der Pfarrkirche St. Maria Rosenkranzkönigin von 1783 liegt das Grabmal des Kreuzfahrers Richard von Hagen aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Und im Haus der Krippen stehen das ganze Jahr über fast hundert Krippen aus aller Welt. Nach einem Ort, der aus einer einzigen Figur entstand, kommst du in einen, der hundert sammelt.

Tiefer eintauchen: Eine Klause, aus der ein Wallfahrtsort wurde

Ein langer Text, falls du noch mehr über Klausen erfahren willst. Etwa dreizehn Minuten Lesezeit.

Ein Kirchturm über dem Wald

Wenn du aus Monzel kommst, siehst du ihn zuerst bei Neu-Minheim: einen Kirchturm, der für ein Dorf viel zu groß wirkt. Darunter liegt Klausen, ein Ort mit etwa 1.500 Einwohnern, verteilt auf drei Ortsteile. Und darin steht eine Kirche, die als der bedeutendste spätgotische Bau zwischen Mosel und Eifel gilt, mit einem Altar aus Antwerpen und einer Klosterbibliothek, über die noch 2015 eine Doktorarbeit erschienen ist.

Wer verstehen will, warum das so ist, muss nicht nach einem Fürsten suchen und nicht nach einem Bischof. Am Anfang dieses Ortes steht ein Mann, der nichts besaß, und eine Figur, die nicht größer ist als eine Hand. Alles andere ist daraus gewachsen.

Zu Füßen der Kirche steht seit dem 23. April 2010 eine Pilgerstele. Hier treffen sich zwei Wege, der Eifel-Camino aus Andernach und der Mosel-Camino aus Koblenz. Beide sind jung, der Mosel-Camino wurde 2008 eröffnet. Aber an dieser Stelle laufen sie in eine Spur hinein, die fast sechshundert Jahre alt ist. Auf dem ganzen Eifel-Camino gibt es keinen zweiten Ort, an dem das Pilgern so weit zurückreicht.

Ein Tagelöhner und ein Bildstock

Um 1440 stellte ein Mann namens Eberhard an einer Stelle, an der niemand wohnte, einen Bildstock auf, zwölf Fuß hoch. Darin stand eine kleine Pietà, die Mutter Gottes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß. Das Gnadenbild, das heute in der Kapelle der Kirche steht, eine Pietà aus dem fünfzehnten Jahrhundert, ist aus Eichenholz und rund 20 Zentimeter hoch.

Wer war Eberhard? Die Quellen nennen ihn einen Tagelöhner aus Esch, andere einen Kleinbauern und Winzer. Reich war er jedenfalls nicht. Der Überlieferung nach hatte er eine Vision, verkaufte, was er besaß, und kaufte dafür eine Glocke, einen Leuchter und ein Marienbild. Ob das genau so war, wissen wir nicht. Sicher ist, dass er 1442 neben seinem Bildstock eine Klause baute, eine Wohnzelle, die nach der Überlieferung drei Schritt lang war, zwei breit und drei hoch. Darin lebte er als Einsiedler.

1442 ist auch das Jahr, in dem der Ort zum ersten Mal erwähnt wird. Seinen Namen hat er von dieser Hütte: Eberhardsklausen, die Klause des Eberhard. Bis heute heißt er Klausen. Es gibt nicht viele Orte, die nach der Wohnung eines armen Mannes benannt sind.

Streit um ein kleines Bild

Lange blieb Eberhard nicht allein. Menschen kamen, beteten vor seinem Bild und erzählten, dass ihre Gebete erhört worden seien. Und wo Menschen hinkommen, kommt bald auch Streit.

Das Land, auf dem die Klause stand, gehörte zu Krames, und Krames gehörte zur Pfarrei Piesport unten an der Mosel. Der Pfarrer dort, Johann Ordonis, ließ das Bild in seine Pfarrkirche Sankt Michael bringen. Der Bischof von Trier erlaubte schließlich, dass das Bild zurückkehrte, und Eberhard hängte es wieder an seinen alten Platz.

Damit war der Streit nicht vorbei. In der Kapelle feierte ein Pater Nikolaus die Messe, ohne Erlaubnis. Ordonis verklagte ihn beim geistlichen Gericht in Trier. Das Gericht befand den Pater für schuldig, bestraft wurde er nicht. Und man erzählt von einer Frau namens Anna von Esch, die nach der Kommunion in der noch nicht geweihten Kapelle geheilt worden sei. Die Pilger kamen trotzdem, und es wurden mehr.

Aus der Hütte wird eine Kirche

1444 erlaubte Erzbischof Jakob von Sierck, das Marienhäuschen durch eine Kapelle zu ersetzen. Sie war nach der Überlieferung fünf Schritte lang und fünf breit. Bald brauchte es mehr Platz. Ab 1446 entstand eine Kirche, geleitet von einem Baumeister aus Antwerpen namens Cluys, sechsundzwanzig Schritte lang und zwölf breit, mit einem zweigeschossigen Turm. Am 25. März 1449, am Fest der Verkündigung des Herrn, weihte Jakob von Sierck sie, und Maria wurde ihre Hauptpatronin.

Eberhard hat das noch erlebt. Er starb 1451. Was er angefangen hatte, war da schon größer als er selbst: Neben seiner Hütte stand eine Kirche, die ein Erzbischof geweiht hatte, und es kamen mehr Menschen, als ein Einsiedler betreuen konnte.

Die Männer aus Windesheim

1456 berief das Trierer Domkapitel Ordensleute zur Betreuung der Wallfahrer, und zwar ganz bestimmte: Augustiner-Chorherren der Windesheimer Kongregation. Das war ein Reformorden aus den Niederlanden, verbunden mit einer Frömmigkeitsbewegung, die sich Devotio moderna nannte, neue Frömmigkeit. Disziplin und Demut waren ihre Leitlinien, und Bücher waren ihr Werkzeug. Die ersten Chorherren kamen aus den Klöstern Niederwerth bei Koblenz und Böddeken.

Am 14. September 1459 übertrug Erzbischof Johann von Baden ihnen das Heiligtum, mit allen Rechten, Gütern und Einkünften, wie es in der Urkunde heißt. 1461 wurde das Kloster in den Verband von Windesheim aufgenommen. Damit war aus der Klause eines Tagelöhners ein Kloster geworden, das bis 1802 bestehen sollte, mehr als dreihundertvierzig Jahre.

Die Chorherren bauten weiter. Der Chor der heutigen Kirche wurde 1474 geweiht, die ganze Kirche 1502. Es ist eine zweischiffige Halle mit roten Strebepfeilern und einem Netzgewölbe. Auf den Schlusssteinen oben sind nicht nur Apostel und Heilige zu sehen, sondern auch die Wappen von Handwerkern.

Hundert Figuren aus Antwerpen

Um 1480 kam ein Altar nach Klausen, der heute als Schatz des Ortes gilt. Er stammt aus Antwerpen, das damals für seine geschnitzten Altäre bekannt war. Der Klausener Altar gilt als eines der frühesten erhaltenen Beispiele dieser Antwerpener Retabel.

Fast hundert geschnitzte und vergoldete Figuren erzählen darin die Passion Christi. Unter dem Kreuz steht die Beweinungsgruppe, und die ist aus einem einzigen Stück Holz gearbeitet. Wer den Altar geschaffen hat, weiß man nicht sicher. Genannt werden ein Meister Johann Eltusch und ein Peerken von Rosselder.

Wenn du davorstehst, achte auf das, was fehlt. Ein Flügelaltar hat Flügel, die man schließen kann. Die äußeren Flügel dieses Altars gingen verloren, als das Kloster aufgehoben wurde. Was du siehst, ist der Schrein, der geblieben ist. Und vielleicht fällt dir auf, dass die Kirche zwei Bilder desselben Themas hat: den großen Altar mit seinen hundert Figuren und das kleine Gnadenbild in der Kapelle, eine Mutter mit ihrem toten Sohn. Der Altar ist prachtvoller. Gekommen sind die Menschen wegen der kleinen Figur.

Der Chronist aus Bernkastel

Am 29. Mai 1481 trat ein junger Mann ins Kloster ein, der dafür sorgen sollte, dass wir so viel über diesen Ort wissen. Wilhelm von Bernkastel hatte in Deventer studiert, einem Zentrum der neuen Frömmigkeit, und war dort vom Prior Jan van Eindhoven für Klausen gewonnen worden. 1485 wurde er zum Priester geweiht. Er blieb bis zu seinem Tod am 6. März 1536, mehr als fünfzig Jahre.

Wilhelm schrieb eine lateinische Chronik seines Klosters, und vor allem schrieb er auf, was die Pilger erzählten, die zum Danken kamen. Für die Jahre 1444 bis 1490 sammelte Wilhelm rund hundert Wunder, für die Jahre danach bis 1536 noch einmal rund sechshundert. Seine Handschrift ist erhalten und liegt heute in der Stadtbibliothek Trier. 1640 und 1647 erschienen gedruckte Wunderbücher aus Klausen.

In diesen Berichten tauchen Handwerker, Eltern und Dorfpriester mit ihren Namen auf. Man erfährt, woher sie kamen, woran sie litten, was sie gelobten und was sie mitbrachten.

Wachs im Gewicht eines Kindes

Ein paar dieser Geschichten lohnen das Zuhören. 1495 brachten Eltern aus Sûre, zwei Meilen vor Saint-Hubert, ihre etwa dreijährige Tochter. Das Kind war mit verdrehten Gliedern geboren worden und konnte nicht einmal kriechen. Die Eltern hatten gelobt, der Muttergottes Wachs im Gewicht ihres Kindes zu bringen. Das Mädchen, so steht es im Buch, wurde gesund.

1501 hatte sich ein Zimmermann mit der Axt ins Knie geschlagen. Die Wunde eiterte so seltsam, dass er an Zauberei dachte. Er gelobte, bis zu seiner Wallfahrt weder zu spielen noch zu singen noch zu arbeiten. Am vierten Tag war er geheilt, und seine Krücken hängte er in Klausen auf. Solche Gaben hingen in der Gnadenkapelle, die Wilhelm die memoria nannte, den Ort der Erinnerung.

Nicht jede Geschichte endet mit Heilung. Am 20. Mai 1510 bat ein Schmied namens Michel aus Consthum um Hilfe für seine achtjährige Tochter, die ein tollwütiger Hund gebissen hatte. Er versprach, barfuß nach Klausen zu gehen und ein Schaf zu bringen. Das Mädchen kam noch einmal zu sich und starb dann friedlich. Der Vater kam trotzdem und erfüllte sein Gelübde, dankbar, wie es heißt, für ein so gutes Ende.

Die Orte in diesen Berichten liegen in den Ardennen und in Luxemburg, bei Saint-Hubert, Vianden und Wiltz. Klausen zog Pilger aus einer weiten Gegend an, über Grenzen, die damals anders verliefen als heute.

Die dunkle Seite des Wunderbuchs

Zum ehrlichen Bild dieses Ortes gehört eine Geschichte, die man nicht gern erzählt. In Wilhelms Wunderbuch geht es auffallend oft um Hexerei. Der Forscher Zender hat in rund fünfzig Jahren Aufzeichnungen etwa siebzig solcher Geschichten gezählt.

In den frühen Berichten sind es meist Menschen, die Fremdkörper erbrechen, Würmer, Leder, Eisen, Knochensplitter, die ihnen angeblich angehext worden waren. 1512 berichtete ein Mann namens Tylo von seinem Sohn, der in Vianden Schuster lernen sollte. Nachts hätten ihn zwei Frauen heimgesucht, danach habe er alles erbrochen, bis er nach einem Gelübde einen Haarknäuel ausspuckte. Die Haare hängte man in der Kapelle auf, mit einer beschrifteten Tafel. Wilhelm schrieb anfangs vorsichtig. Er bezweifelte oft, dass das alles wirklich geschehen war, und hielt eine Täuschung des Teufels für möglich.

Dann las er den Hexenhammer, das Buch, das 1486 und 1487 erschienen war und die Hexenverfolgung befeuerte. An den Rand seiner früheren Einträge schrieb er, dass er die Bücher von Sprenger und Nider damals noch nicht gekannt habe. Und er notierte: Clara sunt dicta in Malleo Maleficarum, klar ist das im Hexenhammer gesagt. Von da an schrieb er sachlich über alte Frauen, die gestanden hatten und verbrannt worden waren. Zwölf Hexenverbrennungen erwähnt er, und manche Namen der Frauen kennt man nur aus seinem Buch.

Was macht man mit so einem Erbe? Man kann es nicht wegerzählen. Ein Ort, an dem Menschen Trost suchten, hat auch Verfolgung aufgeschrieben, nüchtern und ohne Widerspruch. Zender hat eine nüchterne Deutung vorgeschlagen: Der Vorwurf der Hexerei konnte Eltern von ihrer eigenen Schuld entlasten, wenn ein Kind aus der Wiege gefallen oder im Bett der Eltern erstickt war. Und es gibt in Wilhelms Buch noch eine andere Spur. Er berichtet von zwei Frauen, die gefangen waren und durch die Hilfe Marias entkamen. Ihre Namen schrieb er nicht auf, um sie nicht noch einmal in Gefahr zu bringen. Derselbe Mann, der die Verbrennungen ohne Widerspruch notierte, schützte zwei Entkommene mit seinem Schweigen. Beides steht in einem Buch.

Eine Bibliothek über der Sakristei

Die Chorherren aus Windesheim waren Menschen der Bücher. Jeder von ihnen verbrachte vier Stunden am Tag damit, in seiner Zelle Bücher abzuschreiben, dazu an Sonn- und Feiertagen in der freien Zeit. So wuchs eine Bibliothek, die im fünfzehnten Jahrhundert zu den bedeutendsten im ganzen Erzstift Trier gehörte. Zu ihr gehörte auch ein Exemplar des Hexenhammers.

Gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts bekam die Bibliothek einen eigenen Raum, direkt über der Sakristei. Anfang des sechzehnten Jahrhunderts wurde er ausgemalt, mit einer Kreuzigung und neunzehn überlebensgroßen Figuren. Vielleicht standen die Bücher nach diesen Figuren geordnet. Dass dieser Raum erhalten ist, macht Klausen auch für Fachleute besonders.

Der Historiker Marco Brösch hat die Bücher, die erhalten sind, in einer Doktorarbeit an der Universität Trier untersucht. Er fand heraus, dass etwa jedes zehnte Buch auf Deutsch geschrieben war und nicht auf Latein. Er fand Makulatur, also Reste alter Handschriften, die man in anderen Büchern wiederverwendet hatte, darunter hebräische Fragmente und die Reste eines Heiligenlebens, das ein Schreiber namens Cundpato im neunten Jahrhundert in Freising geschrieben hatte. Und er fand eine Predigt des Nikolaus von Kues, die bis dahin niemand kannte. Der große Kardinal und Gelehrte stammte aus Kues, laut Camino Ninja knapp neunzehn Kilometer zurück am Weg. Und noch einmal kreuzen sich die beiden Orte: 1830 stellte Matthias Martini, Rektor des Cusanus-Hospitals in Kues, die Liste der Prioren von Klausen zusammen.

Das Ende des Klosters

Kriege gingen an Klausen nicht vorbei. Am 20. Oktober 1735, im Polnischen Thronfolgekrieg, schlugen kaiserliche Truppen unter Friedrich Heinrich von Seckendorff hier ein französisches Heer. 1769 wurde der Abtsgarten auf drei Terrassen neu angelegt, mit einem kleinen Pavillon.

Das Ende kam mit der französischen Herrschaft. 1802 wurde das Kloster aufgehoben. Die Kirche wurde Pfarrkirche, und die Bücher wurden verstreut. Wilhelms Wunderbuch liegt heute in der Stadtbibliothek Trier, und eine Ausgabe des Flavius Josephus, 1480 in Verona gedruckt, die einmal den Chorherren gehörte, steht heute in der Universitätsbibliothek von Aberdeen in Schottland. Auch die äußeren Flügel des Antwerpener Altars gingen in dieser Zeit verloren.

Und doch brach nicht alles ab. 1803 wurde aus den Dörfern Krames und Pohlbach eine Pfarrei gebildet. Ihr erster Pfarrer war Karl Kaspar Lintz, der letzte Vorsteher des aufgelösten Klosters. Er blieb bis 1816. Der letzte Vorsteher des Klosters betreute die Pilger weiter, jetzt als Dorfpfarrer.

Prozessionen, Schwestern und Motorräder

Die Wallfahrt hat die Aufhebung überlebt. Vom siebzehnten Jahrhundert bis in die 1980er Jahre kamen jedes Jahr 200 bis 330 Prozessionen nach Klausen, vor allem aus der Eifel und dem Hunsrück. Seit 1950 zählt man rund 120.000 Pilger im Jahr und etwa 700 Gruppen. Neuere Angaben sprechen von über 100.000. Die Tourismusverbände nennen Klausen den größten Wallfahrtsort im Bistum Trier, andere den zweitgrößten. Groß ist er in jedem Fall.

1927 wurde die Pfarrei Sitz eines Dekanats. In einer alten Fremdenherberge an der Bernkasteler Straße lebten Dominikanerinnen in ihrem Kloster Mater Dolorosa, bis sie im Jahr 2000 nach Niedersachsen zogen. Am 15. August 2008 wurde in Klausen ein neues Dominikanerinnenkloster gegründet, Sankt Katharina von Siena. Und von 1981 an waren die Pfarrer hier über Jahrzehnte Dominikaner.

Die Wallfahrt hat auch neue Formen gefunden. Seit 1997 gibt es jedes Jahr zu Beginn der Motorradsaison eine Motorradwallfahrt, seit 2014 bringen Landwirte ihre Traktoren zum Segen. Seit 2013 organisieren Ehrenamtliche Konzerte und Lesungen in der Kirche, und seit 2007 hat sie eine neue Orgel. Und unverheiratete Frauen besuchen, so erzählt man, den Grabstein des Ritters Philipp von Ottenesch, den man im Ort den Heiligen Kommholmich nennt.

Zwei Wege an einem Stein

Seit 2012 hat Klausen eine Pilgerherberge. Im Februar 2012 eröffnete die Ortsgemeinde im ehemaligen Hotel Eberhardsklause ein Dorfzentrum, mit Dorfladen, Gemeindebüro und einer Herberge mit 35 Betten, gedacht ausdrücklich für die Pilger auf dem Eifel- und dem Mosel-Camino nach Trier. Sie ist eine von nur zwei Pilgerherbergen am ganzen Mosel-Camino. Wieder trägt ein Haus Eberhards Namen und nimmt Menschen auf, die zu Fuß kommen.

Die beiden Wege, die sich hier treffen, gehen gemeinsam weiter nach Trier, zur Abtei Sankt Matthias, die als einziges Apostelgrab nördlich der Alpen gilt. Von dort kannst du weitergehen, bis nach Santiago, wenn du willst. Von Klausen aus sind es bis zu diesem Apostelgrab laut Camino Ninja noch 47,8 Kilometer.

Was Klausen dir mitgibt

Klausen erzählt keine Geschichte von Macht. Kein König hat diesen Ort gegründet, kein Bischof hat ihn geplant. Ein Mann ohne Besitz hat eine kleine Figur aufgestellt und sich daneben eine Hütte gebaut, in der er kaum liegen konnte. Die Menschen sind gekommen, weil sie Trost suchten, und sie kommen seit fast sechshundert Jahren.

Du musst nicht an Wunder glauben, um davon berührt zu sein. Du kannst einfach in die Gnadenkapelle gehen und die kleine Figur suchen. Sie ist kaum größer als deine Hand. Um sie herum ist eine Kirche gewachsen, ein Kloster, eine Bibliothek, ein Dorf. Und an einem Stein vor der Tür treffen sich heute zwei Wege.

Vielleicht nimmst du von hier mit, dass Großes oft klein anfängt, mit einem einzigen Schritt, einer einzigen Entscheidung, einem Bildstock an einem leeren Ort. Und dass man ehrlich hinschauen darf, auch auf das Dunkle, ohne das Gute zu verlieren. Morgen gehst du durch den Wald hinunter an die Mosel. Bis Trier sind es noch knapp fünfzig Kilometer.

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Was du vor der nächsten Etappe im Ort findest.

  • Café
  • Geschäft
  • Brunnen
  • Restaurant

Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert April 2026