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Ort am Jakobsweg

Oelsnitz

Germany

Unterkünfte
6
Camino
1
Höhe
396 m

Oelsnitz im Vogtland ist die Stadt unter Jakobus' Türmen: Die Stadtkirche St. Jakobi ragt 73,5 Meter auf und birgt die größte Orgel des Vogtlands. Nach dem Brand von 1859 wurde die Stadt im Schachbrett neu gebaut, dazu kommt Schloss Voigtsberg. Ein Nachmittag reicht, denn morgen warten 35,6 Kilometer bis Hof.

Übernachten in Oelsnitz6

Wie lange bleiben?

Ein Nachmittag reicht, und den solltest du dir nehmen. Oelsnitz ist die letzte Stadt des Sächsischen Jakobswegs vor der bayerischen Grenze, und sie hat eine Jakobuskirche, die man nicht übersehen kann. Für St. Jakobi, einen Gang über den Markt und den Aufstieg zu Schloss Voigtsberg brauchst du zwei bis drei Stunden. Mehr nicht, denn die letzte Etappe nach Hof ist mit 35,6 Kilometern länger als die beiden Etappen davor. Früh schlafen gehen gehört hier zum Programm.

Oelsnitz in Ninja-Zahlen

  • 272,3 Kilometer seit Bautzen. Nur noch eine Etappe bis Hof.
  • 73,5 Meter hoch sind die Türme von St. Jakobi, sie gehören zu den höchsten im Vogtland. Das Rathaus von 1861 bis 1864 bringt es auf 42 Meter und muss zu Jakobus aufschauen.
  • 79,2 Kilometer liegen zwischen den beiden Oelsnitz am Sächsischen Jakobsweg. Oelsnitz im Erzgebirge hast du bei km 193,1 passiert, dies hier ist das andere.
  • Rund 500 Gebäude zerstörte der Stadtbrand von 1859, 70 Prozent der Bürger wurden obdachlos. Deshalb sind die Straßen heute so gerade.
  • 65 Register hat die Orgel von St. Jakobi aus dem Jahr 1930, die größte im Vogtland.

Ankommen: Jakobus wartet schon

Von Treuen her sind es 27,1 Kilometer über Bergen, Tirpersdorf und Hartmannsgrün. Der Sächsischer Jakobsweg führt mitten durch Oelsnitz, eine Stadt mit gut 10.000 Einwohnern (Stand: 2019) an der Weißen Elster. Hier gerätst du nicht zufällig in eine Jakobuskirche, sie ist die Hauptkirche der Stadt. Verwechslungsgefahr: Oelsnitz im Erzgebirge liegt ebenfalls an diesem Weg, knapp 80 Kilometer weiter hinten. Wenn du Unterkünfte buchst, achte auf das „Vogtland“ im Namen.

Kurz erzählt: die Erlen, das Zinn, der Teppich

Slawische Siedler ließen sich im 8. Jahrhundert dort nieder, wo der Gerbersbach in die Weiße Elster fließt, und gaben dem Ort einen Namen, der „Ort der Erlen“ bedeutet. Schon im frühen 13. Jahrhundert stand eine Kirche auf dem Hügel über der Siedlung, 1357 ist das Stadtrecht belegt. Im frühen 16. Jahrhundert brachte der Zinnbergbau einen ersten Aufschwung, im Dreißigjährigen Krieg besetzten kaiserliche Truppen 1632 die Stadt, mehr als 500 Menschen starben.

Dann kamen die Brände. Im 18. und 19. Jahrhundert verwüsteten sie die eng bebaute Stadt immer wieder, 1859 am schlimmsten. Oelsnitz wurde danach auf einem Raster neu angelegt. Um 1880 gründeten Karl Wilhelm Koch und Fritz te Kock die Teppichfabrik, aus der die Marke „Halbmond“ wurde. Seither heißt Oelsnitz „Teppichstadt“, und Teppiche unter diesem Namen werden hier bis heute gemacht.

St. Jakobi: Türme, die zweimal brannten

Die Kirche des Apostels, zu dem du unterwegs bist, hat in Oelsnitz einiges ausgehalten. Die erste Steinkirche entstand 1240, 1519 brannte sie ab und wurde spätgotisch wieder aufgebaut. Spätere Brände zerstörten große Teile, das Gewölbe überstand sie. Nach 1859 gab ihr Constantin Lipsius 1866/67 die heutige Gestalt mit den beiden Türmen. Das Taufbecken von Ernst Rietschel aus dem Jahr 1833 hat den Brand von 1859 überlebt. An der Kirche erinnern zwei Tafeln an den Komponisten Johannes Rosenmüller, der aus Oelsnitz stammte, und an die erste friedliche Demonstration der Stadt im Oktober 1989. Für dich als Pilger ist das vielleicht die schönste Pointe des Vogtlands: Nach 272 Kilometern auf dem Jakobsweg stehst du unter den höchsten Türmen weit und breit, und sie gehören Jakobus.

Unter Jakobus' Türmen: was du sehen solltest

Die Innenstadt ist nach dem Brand im Raster gebaut, du findest dich schnell zurecht. - St. Jakobi: Innen trägt ein Sterngewölbe auf zwölf Pfeilern den Raum, die Ausstattung stammt von 1888, der Altar ist neugotisch. An der Südwand hängt ein Kruzifix von 1515, das bis 1978 in der Katharinenkirche war. Die romantische Orgel baute die Dresdner Werkstatt Jemlich 1930 nach Plänen des Leipziger Professors Karl Hoyer, mit 65 Registern und über 4.100 Pfeifen. Öffnungszeiten haben wir nicht gefunden. Gelegentlich werden Turmbesteigungen angeboten, frag in der Tourist-Information nach. - Schloss Voigtsberg: Die Burg der Vögte entstand im 13. Jahrhundert, ihr Bergfried ist heute Aussichtsturm. Von 1855 an war die Anlage Teil der Strafanstalt Zwickau, ab 1874 Frauengefängnis, bis 1924. Heute zeigt sie das Teppichmuseum, ein kleines Mineralienkabinett und seit 2013 die Ausstellung „Illusorium“ zur Buchillustration. Öffnungszeiten haben wir nicht verlässlich gefunden, frag vorher unter Telefon 037421 729484. - Markt und Rathaus: Das Rathaus wurde 1861 bis 1864 gebaut, als die Stadt sich vom Brand erholte. Sein Turm misst 42 Meter. Auf dem Markt steht der Sperkenbrunnen. - Zöphelsches Haus: Das Fachwerkhaus von 1755 lag vor der Stadtmauer und hat deshalb alle Brände überstanden. Heute sind hier die Stadtbibliothek und die Kultur- und Tourist-Information untergebracht. Morgen früh beginnt hier die letzte Etappe.

Ehrlich gesagt

  • Eine Pilgerherberge haben wir nicht gefunden. In Oelsnitz schläfst du in Ferienwohnungen, Zimmern und Apartments, viele davon am Markt.
  • Öffnungszeiten sind schwer zu bekommen. Für St. Jakobi und die Museen auf Schloss Voigtsberg haben wir keine verlässlichen Zeiten gefunden. Wer etwas Bestimmtes sehen will, ruft vorher an.
  • Die letzte Etappe ist die längste. 35,6 Kilometer bis Hof, durch kleine Dörfer und das frühere Grenzgebiet. Wer das nicht in einem Tag will, teilt in Triebel.
  • Zwei Oelsnitz, ein Weg. Beim Buchen und beim Ticket auf Oelsnitz/Vogtl. achten, nicht Oelsnitz/Erzgeb.

Wo Pilger schlafen

Eine Pilgerherberge, ein Pfarrquartier oder eine Donativo-Unterkunft haben wir in Oelsnitz nicht gefunden. Du schläfst in Ferienwohnungen, Zimmern und Apartments, die meisten davon am Markt, also direkt am Weg. Die Unterkunftsliste weiter unten zeigt dir, was Camino Ninja kennt.

Ninja-Tipps

  • Schau dir das Taufbecken an. Rietschels Taufstein von 1833 ist eines der wenigen Stücke in St. Jakobi, die den Brand von 1859 überlebt haben.
  • Teile die letzte Etappe. Triebel liegt nach 11,1 Kilometern, dort gibt es eine restaurierte Wehrkirche und einen Landgasthof, der auch Zimmer hat. Dann bleiben am nächsten Tag 24,5 Kilometer bis Hof.
  • Nimm den Bergfried mit. Der Turm von Schloss Voigtsberg ist Aussichtsturm, von oben siehst du die Stadt und St. Jakobi. Öffnung vorher klären.
  • Starte am Zöphelschen Haus. Hier beginnt die Etappenbeschreibung nach Hof, und in der Tourist-Information bekommst du Auskunft für den letzten Tag in Sachsen.

Weiter: über die alte Grenze nach Franken

Vom Zöphelschen Haus geht es über die Untere Kirchstraße zur Fußgängerbrücke über die Weiße Elster, am Marienstift vorbei und über die Alte Triebeler Straße durch Wiesen und Wald nach Triebel. Dahinter führt der Sächsische Jakobsweg durch das ehemalige innerdeutsche Grenzgebiet zum Dreiländereck von Bayern, Sachsen und Böhmen. Danach geht es über Kugelreuth, Nentschau, Trogenau, Kirchgattendorf und Gattendorf nach Hof, zusammen 35,6 Kilometer.

Morgen erwartet dich

Hof, das Ziel des Sächsischen Jakobswegs. Dort endet der Weg an der Lorenzkirche, der ältesten Kirche der Stadt, und du kannst in einem ehemaligen Klarissenkloster schlafen, in dem heute eine Pilgerherberge ist. Ein würdiger Schluss, und zugleich ein Anfang: In Hof beginnt der Oberfränkische Jakobsweg nach Nürnberg.

Tiefer eintauchen: Eine Kirche für Jakobus

Ein kurzer Text, falls du noch mehr über Oelsnitz im Vogtland erfahren willst. Etwa zwei Minuten Lesezeit.

Unter zwei Türmen

Wenn du in Oelsnitz vor der Stadtkirche stehst, musst du den Kopf weit in den Nacken legen. Die beiden Türme von St. Jakobi sind 73,5 Meter hoch, sie gehören zu den höchsten im Vogtland. Für jemanden, der seit Bautzen auf dem Jakobsweg unterwegs ist, hat das etwas Tröstliches. Seit Wochen gehst du auf einem Weg, der seinen Namen trägt, und hier, in einer Kleinstadt an der Weißen Elster, hat man ihm die mächtigste Kirche weit und breit gebaut.

Eine Kirche auf dem Hügel

Die Geschichte der Stadt beginnt bei den Erlen. Slawische Siedler ließen sich im achten Jahrhundert an der Mündung des Gerbersbachs in die Weiße Elster nieder, und der Name, den sie dem Ort gaben, bedeutet Ort der Erlen. Schon im frühen dreizehnten Jahrhundert stand auf einem kleinen Hügel über der Siedlung eine Kirche. Die erste Kirche aus Stein entstand 1240. Nicht weit davon bauten die Vögte im dreizehnten Jahrhundert die Burg Voigtsberg.

Feuer, immer wieder

Oelsnitz ist eine Stadt der Brände. 1519 brannte die Kirche ab und wurde spätgotisch wieder aufgebaut. 1632 eroberten kaiserliche Truppen die Stadt, mehr als fünfhundert Menschen starben. Im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert wüteten immer wieder Feuer in den eng gebauten Gassen. Das schlimmste kam 1859. Rund fünfhundert Gebäude brannten nieder, sieben von zehn Bürgern verloren ihr Dach über dem Kopf. Von der Kirche blieb das Gewölbe, und es blieb das Taufbecken, das der Bildhauer Ernst Rietschel 1833 geschaffen hatte.

Neu gebaut

Danach baute Oelsnitz sich neu, diesmal mit geraden Straßen. Das Rathaus entstand bis 1864, die Kirche bekam 1866 und 1867 nach Plänen von Constantin Lipsius ihre heutige Gestalt mit den zwei Türmen. 1930 kam die große Orgel dazu. Um dieselbe Zeit, ab 1880, wuchs die Teppichindustrie, und Oelsnitz wurde zur Teppichstadt. Die Burg auf dem Berg diente da längst als Gefängnis, zuletzt für Frauen, bis 1924.

Was Oelsnitz dir mitgibt

An der Kirche hängt eine Tafel, die an die erste friedliche Demonstration der Stadt im Oktober 1989 erinnert. An einer Kirche, die so oft gebrannt hat, steht damit auch eine Erinnerung an Menschen, die ohne Gewalt für etwas eingestanden sind. Vielleicht ist das die Botschaft dieser Türme: Was niederbrennt, kann wieder aufgebaut werden. Morgen gehst du über die alte Grenze nach Hof.

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