Ort am Jakobsweg
Treuen
Germany
- Unterkünfte
- 7
- Camino
- 1
- Höhe
- 428 m
Treuen ist die Stadt mit den zwei Herren: Seit einem Erbstreit von 1592 gab es hier ein Rittergut oberen und eines unteren Teils, beide Herrenhäuser stehen noch. Für Pilger auf dem Sächsischen Jakobsweg ist Treuen ein ehrlicher Etappenort bei km 245, mit romanischem Turmsockel und Aussichtsturm. Ein Nachmittag reicht.
Wie lange bleiben?
Ein Nachmittag reicht. Treuen ist eine Arbeiterstadt mit Weberei-Vergangenheit und Gewerbegebieten, kein Museumsstädtchen. Was dich hier füllt, schaffst du in zwei, drei Stunden: der Turm von St. Bartholomäi, die beiden Herrenhäuser der Feilitzsch, wenn du noch Beine hast, der Perlaser Turm. Danach ist Ruhe, und die brauchst du: Bis Oelsnitz sind es morgen 27,1 Kilometer.
Treuen in Ninja-Zahlen
- 245,2 Kilometer seit Bautzen. Mehr als drei Viertel des Sächsischen Jakobswegs liegen hinter dir.
- 62,8 Kilometer bis Hof. Zwei gute Tage, dann ist Sachsen geschafft.
- 1592 teilten die Feilitzsch-Erben ihr Gut in einen oberen und einen unteren Teil. Treuen hatte danach zwei Herrenhäuser, und es hat sie bis heute.
- 1806 brannte die Stadt. Von der Kirche blieben nur Teile des Turms, und genau die sind heute das älteste Bauwerk Treuens.
- 20 Meter misst der Perlaser Turm von 1907 auf der Wilhelmshöhe, der Aussichtspunkt der Stadt.
Ankommen: von Zwickau ins obere Vogtland
Von Zwickau her sind es 31,1 Kilometer über Hirschfeld, Irfersgrün, Waldkirchen und Lengenfeld. Schon seit Waldkirchen bist du im Vogtland. Treuen liegt auf rund 424 Metern, gut 13 Kilometer östlich von Plauen, und hat etwa 7.700 Einwohner (Stand: 2021). Der Sächsischer Jakobsweg führt durch Treuen, ein anderer Jakobsweg kreuzt hier laut Camino Ninja nicht.
Kurz erzählt: eine Burg, zwei Güter, ein Brand
Erstmals erwähnt wird Treuen 1214 als Waldhufendorf, 1390 bekommt es Stadtrecht. Darüber thronte eine Burg der Vögte von Plauen, im 11. Jahrhundert aus Stein gebaut, in den Hussitenkriegen zerstört und vor dem Dreißigjährigen Krieg ein zweites Mal. 1510 kam die Herrschaft an Jobst von Feilitzsch. Seine Nachfahren stritten sich ums Erbe und teilten 1592 den Besitz: Fortan gab es die Rittergüter Treuen oberen und unteren Teils, besiegelt mit den Lehnbriefen von 1612.
Im 18. Jahrhundert begann die Weberei, um 1850 zählte ein sächsisches Schlösser-Album rund 4.000 Einwohner, die vor allem Musseline, Kattun und bunte Tücher herstellten. Die Gründerzeit war die Blüte, 1865 kam die Eisenbahn. Heute prägen Automobilzulieferer und vier Gewerbegebiete aus der Zeit nach der Wende die Stadt.
Zwei Herren, eine Stadt: was du sehen solltest
Treuen ist klein, alles Wichtige liegt nah beieinander. Es lohnt sich, die Stadt als Doppelporträt zu lesen: oben das eine Gut, unten das andere, dazwischen die Kirche, die beide überlebt hat. - Stadtkirche St. Bartholomäi: Der Turm ist das älteste Bauwerk der Stadt, sein unterster Teil ist romanisch und stammt aus dem späten 12. Jahrhundert. 1514 kam ein Kirchenschiff dazu, der Stadtbrand von 1806 ließ nur Teile des Turms stehen, danach baute man das Schiff klassizistisch neu. Öffnungszeiten haben wir nicht gefunden. - Schloss Treuen unteren Teils: Ein Fachwerk-Herrensitz, gebaut 1608 bis 1610 auf einem früheren Vorwerk der Burg, mit Andreaskreuzen im Fachwerk, zwei Querhäusern und einem gemauerten Treppenturm mit Welscher Haube. Nach der Bodenreform wurde die Familie Belger enteignet, das Haus verfiel teilweise. 2003 ersteigerte es der Förderverein Schloss Treuen, sanierte es und nutzt es seither für Veranstaltungen. Von außen jederzeit zu sehen, innen nur zu Terminen des Vereins. - Herrenhaus oberen Teils: Ebenfalls 1608 bis 1610 errichtet, und zwar auf den Mauern der alten Burg. Im frühen 20. Jahrhundert wurde es umgebaut, heute wird es privat bewohnt. Der Landwirtschaftsbetrieb „Gut Treuen“ nutzt die Nachfolgebauten der alten Wirtschaftsgebäude. Du siehst es nur von außen, aber dann kennst du beide Hälften des Erbstreits. - Perlaser Turm: 1907 auf der Wilhelmshöhe gebaut, 20 Meter hoch, daneben ein Vermessungspunkt der Königlich-Sächsischen Triangulation von 1876. Von hier schaust du auf das Land, durch das du morgen gehst. Öffnungszeiten haben wir nicht gefunden.
Ehrlich gesagt
- Treuen ist kein Bilderbuchstädtchen. Der Stadtbrand von 1806 hat das alte Zentrum genommen, Industrie und Gewerbegebiete prägen das Bild. Wer Fachwerkgassen sucht, wird hier nur am Schloss fündig.
- Eine Pilgerherberge haben wir nicht gefunden. Du schläfst in Pensionen, Gästezimmern oder Ferienwohnungen. Rechtzeitig anfragen lohnt sich, die Auswahl ist überschaubar.
- Die Sehenswürdigkeiten sind oft zu. Für Kirche, Schloss und Perlaser Turm haben wir keine verlässlichen Öffnungszeiten gefunden, das Schloss öffnet zu Vereinsveranstaltungen.
- Die nächste Etappe ist lang. Bis Oelsnitz sind es 27,1 Kilometer, ohne größeren Ort dazwischen.
Wo Pilger schlafen
Eine Pilgerherberge, ein Pfarrquartier oder eine Donativo-Unterkunft haben wir in Treuen nicht gefunden. Wer hier übernachtet, bucht eine Pension, ein Gästezimmer oder eine Ferienwohnung, einige davon direkt am Markt. Die Unterkunftsliste weiter unten auf dieser Seite zeigt dir, was Camino Ninja kennt.
Ninja-Tipps
- Lies die Stadt doppelt. Wer zuerst das Schloss unteren Teils und dann das Herrenhaus oberen Teils ansieht, versteht Treuen in zehn Minuten: zwei Familienzweige, zwei Häuser, ein Name.
- Tritt in den Kirchturm-Schatten. Der romanische Turmsockel von St. Bartholomäi ist das einzige Stück Treuen, das den Brand von 1806 überstanden hat.
- Achte auf den Meilenstein. Ein restaurierter königlich-sächsischer Meilenstein wurde im November 2013 wieder aufgestellt, ein Gruß aus der Zeit, als man Entfernungen noch in Stein meißelte.
- Ein Stück Weltall zum Schluss. In Treuen endet der Saturn-Weg der Planetenwege Vogtland. Wer abends noch ein paar Schritte gehen mag, findet hier dessen Ende.
Weiter: durchs Vogtland nach Oelsnitz
Der Sächsische Jakobsweg führt dich über Altmannsgrün, Unterlauterbach, Schönau, Bergen, Lottengrün, Tirpersdorf und Hartmannsgrün nach Oelsnitz im Vogtland, insgesamt 27,1 Kilometer. Bergen liegt nach 12,1 Kilometern, ungefähr bei der Hälfte.
Morgen erwartet dich
Oelsnitz im Vogtland, und dort wartet ausgerechnet Jakobus selbst: Die Stadtkirche heißt St. Jakobi, und ihre Türme ragen 73,5 Meter in den Himmel.
Tiefer eintauchen: Die Stadt der zwei Herren
Ein kurzer Text, falls du noch mehr über Treuen erfahren willst. Etwa zwei Minuten Lesezeit.
Ein Turm, der übrig blieb
Wenn du in Treuen vor der Stadtkirche stehst, schaust du auf zwei Zeiten zugleich. Unten der Turm, dessen unterster Teil im späten zwölften Jahrhundert entstand, romanisch, schwer, das älteste Bauwerk der Stadt. Oben und daneben ein klassizistisches Kirchenschiff, das erst nach dem großen Stadtbrand von 1806 entstand. Der Brand nahm damals die Kirche, das Pfarrhaus, die Schule und einen großen Teil der Stadt. Geblieben ist der Turm.
Eine Burg aus Holz, dann aus Stein
Die Geschichte beginnt früher. Um 800 soll es in der Treuener Flur eine slawische Wasserburg aus Holz gegeben haben, im elften Jahrhundert ersetzten die Vögte von Plauen sie durch eine Höhenburg aus Stein. 1214 wird das Dorf erstmals erwähnt, 1390 erhält es Stadtrecht. Die Burg wechselt die Herren, wird in den Hussitenkriegen zerstört, wieder aufgebaut und vor dem Dreißigjährigen Krieg erneut zerstört. Heute ist von ihr nichts mehr zu sehen.
Ein Erbe, zwei Häuser
1510 übernimmt Jobst von Feilitzsch Burg und Herrschaft. Zwei Generationen später können sich seine Nachfahren nicht einigen. 1592 teilen sie den Besitz, 1612 ist die Teilung mit den Lehnbriefen besiegelt. Von da an gibt es in Treuen zwei Rittergüter, das obere und das untere. Beide Familienzweige bauen zwischen 1608 und 1610 ihr Herrenhaus, der obere auf den Mauern der alten Burg, der untere auf einem ehemaligen Vorwerk. Mehr als drei Jahrhunderte lang hat die kleine Stadt damit zwei Herren.
Nach den Herren
Die Bodenreform nach dem Zweiten Weltkrieg beendet die Geschichte der Güter. Die Familien werden enteignet, Wirtschaftsgebäude abgerissen, das untere Schloss soll Umsiedler aufnehmen. 1987 und 1988 wird es teilweise saniert, 1993 verkauft die Stadt es, Pläne für ein Hotel scheitern. 2003 ersteigert es ein Förderverein, saniert es und öffnet es für Veranstaltungen. Das obere Herrenhaus ist heute ein Wohnhaus.
Was Treuen dir mitgibt
Treuen erzählt von einer Teilung, die niemand rückgängig gemacht hat und mit der die Stadt trotzdem gelebt hat. Zwei Häuser, zwei Linien, ein Ort. Auf dem Weg ist es manchmal ähnlich: Man trägt Dinge mit sich, die sich nicht vereinen lassen, und geht trotzdem weiter. Morgen führt der Weg nach Oelsnitz.
Übernachten in Treuen
Unterkünfte in Treuen.
GeöffnetReservierung möglichFerienwohnung Zeitler
GeöffnetReservierung möglichPension Eberhart
GeöffnetReservierung möglichHotel Wettin
Ort 13 von 15



