Orte

Ort am Jakobsweg

Povoa de Varzim

Distrito do Porto, Região do Norte, Portugal

Unterkünfte
18
Caminos
2
Höhe
4 m

Póvoa de Varzim ist eine Fischerstadt, die zum Badeort wurde. Ihre Fischer unterschrieben über Generationen mit eigenen Zeichen, den Siglas Poveiras, die du heute noch vor dem Rathaus im Boden findest. Die Pfarrherberge liegt mitten in der Stadt. Ein Nachmittag reicht, morgen geht es an Dünen entlang nach Esposende.

Aktuell in Póvoa de Varzim (Stand: Oktober 2026)

  • Herberge im Winter: Die Pilgerherberge São José de Ribamar ist montags geschlossen. Ob sie im Winter offen hat, ist unklar: Eine Quelle nennt März bis November, eine andere ganzjährig. Ruf ab Dezember vorher an.
  • Ponto das Almas am 30. November: Jedes Jahr gehen die Leute im Morgengrauen am Strand entlang zur Capela de Santo André und beten für die Toten, die das Meer behalten hat.

Wie lange bleiben?

Ein Nachmittag reicht. Rathausplatz, Museum und Fischerkirche schaffst du an einem Nachmittag, danach bleibt Zeit für die Promenade. Wer aus Vila do Conde kommt, hat ohnehin nur ein paar Kilometer in den Beinen und kann am Nachmittag in Ruhe schauen. Wer direkt aus Porto kommt, hat einen sehr langen Tag hinter sich und will vor allem duschen und schlafen. Einen Ruhetag braucht Póvoa nicht, wohl aber einen offenen Blick auf den Boden.

Póvoa de Varzim in Ninja-Zahlen

  • 243,8 Kilometer sind es laut Camino Ninja von hier bis Santiago auf der Senda Litoral. Auf dem Caminho Português da Costa sind es 224,6.
  • 54 Familien bekamen 1308 von König Dinis das Stadtrecht. Heute leben in der Gemeinde rund 64.000 Menschen (Stand: 2021).
  • 105 Fischer ertranken am 27. Februar 1892 in einem Sturm, wenige Meter vor dem Ufer.
  • 20 Prozent mehr Pilger und Besucher waren 2025 auf dem Küstenweg unterwegs als im Jahr davor.

Ankommen: an der Küste vom Nachbarn herüber

Póvoa de Varzim und Vila do Conde liegen dicht beieinander. Laut Camino Ninja trennen sie nur 5,7 Kilometer auf der Senda Litoral und 3,5 Kilometer auf dem Caminho da Costa, durch das Fischerviertel Caxinas. Die Pilgerherberge liegt zentral an der Avenida Mouzinho de Albuquerque, nah am Weg. Bis Porto fährt von hier die Metro, Linie B endet in Póvoa.

Kurz erzählt: von der Villa Euracini zum Badeort

Der Name geht auf eine römische Villa Euracini zurück, erwähnt wird der Ort erstmals 953. König Dinis gab 1308 das Stadtrecht, König Manuel I. 1514 ein neues, samt dem Pranger, der heute noch auf dem Rathausplatz steht. Póvoa lebte vom Meer: Seit mindestens 1506 fuhren die Fischer bis vor Neufundland. Im Februar 1892 kamen bei einem einzigen Sturm 105 von ihnen ums Leben. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts entdeckten Urlauber die langen Sandstrände, 1934 öffnete das Casino. Seitdem ist Póvoa beides, Fischerstadt und Badeort.

Siglas Poveiras: die Schrift der Fischer

Die Fischer von Póvoa hatten ihre eigenen Zeichen, die Siglas Poveiras. Mit ihnen markierte jede Familie Boote und Besitz, sie dienten als Unterschrift und tauchten in Kirchen und auf Gräbern auf. Fachleute sprechen von einer Vorform der Schrift. Ganz verschwunden sind sie nicht, manche Familien nutzen sie bis heute. Gern wird erzählt, die Zeichen stammten von den Wikingern, die hier im zehnten Jahrhundert angriffen. Ob das stimmt, ist umstritten.

Du findest die Zeichen vor dem Rathaus im Pflaster, neben dem Stadtwappen. Und im Museum, dessen Ausstellung über die Siglas 1980 einen Preis als Europäisches Museum des Jahres gewann. Für einen Pilger hat das etwas Vertrautes: Auch du gehst seit Tagen Zeichen nach, die andere für dich gemalt haben.

Zeichen in der Stadt: was du sehen solltest

Alles Wichtige liegt im Zentrum und an der Küste nördlich davon.

  • Praça do Almada: Der Rathausplatz entstand ab 1791, das klassizistische Rathaus wurde 1807 bezogen. Vor dem Eingang liegen im Boden das Stadtwappen und Siglas Poveiras, auf der Westseite steht der manuelinische Pranger von 1514. Gleich daneben wurde 1845 der Schriftsteller Eça de Queirós geboren, eine Statue von 1952 erinnert an ihn. Nahe am Platz ist auch die Touristinfo.
  • Museu Municipal de Etnografia e História: Das Museum, 1937 gegründet, steht in einem Adelshaus aus dem siebzehnten Jahrhundert in der Rua Visconde de Azevedo. Hier verstehst du, was du draußen siehst: die Siglas, ein nachgebautes Poveiro-Boot und einen Raum über die Unglücke auf See. Dort steht das erste Rettungsboot der Stadt von 1864, benannt nach dem Retter Cego do Maio, und über sechzig Jahre im Einsatz. Öffnungszeiten und Eintritt haben wir nicht gefunden.
  • Igreja da Lapa: Die Fischer bauten diese Kirche von 1770 bis 1772 selbst. Hinter ihr steht ein kleiner Leuchtturm, der die Boote nach Hause führte. Wenn es auf See schlecht stand, kamen die Familien hierher.
  • Capela de Santo André: Die Kapelle aus dem sechzehnten Jahrhundert steht nördlich der Stadt auf dem Kap Santo André, zwischen den Stränden von Quião und Santo André. Nach dem Unglück von 1892 wurde der heilige Andreas für die Fischer noch wichtiger. Jedes Jahr am 30. November, im Morgengrauen, gehen die Leute am Strand entlang zur Kapelle, umrunden sie und beten für die Ertrunkenen. Eine kleine Wallfahrt, mitten auf deiner großen.

Essen und Trinken

Póvoa ist eine Fischerstadt, und am Strand gibt es Restaurants mit frischem Fisch und Meeresfrüchten. Wer sparen will, kocht in der Küche der Pilgerherberge: Der Supermarkt liegt laut Pilgern gleich um die Ecke.

Ehrlich gesagt

  • Porto bis Póvoa ist zu lang. Laut Camino Ninja sind es auf der Senda Litoral 39,6 Kilometer. Wer kann, übernachtet vorher, etwa in Vila do Conde.
  • Die Herberge ist laut. Mehrere Pilger schreiben, dass es in den Schlafsälen zur Straße nachts laut wird. Ohrstöpsel gehören ins Gepäck.
  • Montags ist zu. Wer an einem Montag ankommt, steht vor verschlossener Tür und muss privat schlafen.
  • Im Sommer ist es voll. Póvoa ist ein Badeort. Im Sommer sind Strand und Promenade voller Urlauber, und wer privat schlafen will, sollte früh buchen.

Wo Pilger schlafen

  • Albergue de peregrinos São José de Ribamar: die Herberge der Pfarrei São José de Ribamar, seit 2013 im ersten Stock eines Pfarrgebäudes im Zentrum. Nur für Pilger mit Credencial, keine Reservierung, 10 € (Stand: Oktober 2026), montags geschlossen. Es gibt eine Küche, Bettwäsche gibt es nur zum Wegwerfen und keine Decken. Seit Ende 2025 hat die Herberge einen neuen Verwalter, den viele Pilger für seinen Empfang loben.

Private Hostels nahe am Weg kosten im Schlafsaal ab etwa 15 €, buchbar über die üblichen Portale. Im Sommer lohnt es sich, früh zu reservieren.

Ninja-Tipps

  • Schlafsack mitnehmen: In der Pfarrherberge gibt es nur Einwegbettwäsche und nichts zum Zudecken.
  • Wasser auffüllen: Zwischen Póvoa und Esposende haben Pilger keine Trinkbrunnen gefunden, auch nicht an den Holzstegen. Füll morgens alle Flaschen.
  • Auf den Boden schauen: Die Siglas vor dem Rathaus übersieht man leicht. Such sie neben dem Stadtwappen.
  • Am Fußballplatz aufpassen: Kurz vor A Ver-o-Mar ist die Markierung verwirrend. Am großen Fußballplatz ohne Rasen gilt: Liegt er rechts von dir, nimm die kleine Brücke. Liegt er links, biegst du am Ende des Platzes links ab und gehst geradeaus über eine andere Brücke und ein kurzes Sandstück.
  • Die Metro als Joker: Die Linie B fährt von Póvoa nach Porto. Wer in Porto noch etwas sehen will oder die lange erste Etappe teilen möchte, kann sie nutzen.

Praktische Tipps für Pilger

  • Einkaufen: Supermärkte, Apotheken und Geldautomaten liegen im Zentrum nahe am Weg. Kauf hier Wasser und Proviant für morgen.
  • Check-in: In der Pfarrherberge laut Gronze von 14 bis 20 Uhr. Wer früher ankommt, nutzt die Zeit für Museum und Rathausplatz.
  • Touristinfo: Sie liegt nahe der Praça do Almada.

Weiter: an Stränden und Dünen nach Norden

Du verlässt die Stadt über die Strandpromenade, die Avenida dos Banhos, und gehst am Meer entlang nach A Ver-o-Mar. Danach führen Holzstege durch die Dünen, vorbei an einer alten Windmühle bei Aguçadoura. Hinter Aguçadoura verlässt der Weg die Küste und folgt eine Weile der schmalen Straße M-501 zwischen Feldern und Gewächshäusern, mit kaum Seitenstreifen. Über Apúlia und ein Stück Pinienwald erreichst du Fão. Dort kommen auch Pilger dazu, die vom Camino Portugués Central ab São Pedro de Rates an die Küste wechseln. Über die Eisenbrücke geht es nach Esposende, laut Camino Ninja 20,8 Kilometer von Póvoa auf der Senda Litoral und 20,1 auf dem Caminho da Costa.

Morgen erwartet dich

Morgen ist ein Tag am Meer, flach und windig, mit Holzstegen über die Dünen. Am Ende überquerst du den Cávado auf einer Eisenbrücke von 1892 und kommst in Esposende an, einer kleinen Stadt an der Flussmündung, mit einer Festung, die seit 1866 ein Leuchtfeuer trägt.

Tiefer eintauchen: Eine Stadt, die mit Zeichen schrieb

Ein langer Text, falls du noch mehr über Póvoa de Varzim erfahren willst. Etwa zwanzig Minuten Lesezeit.

Zeichen im Pflaster

Stell dich auf die Praça do Almada und schau nach unten. Vor dem Rathaus liegen im Pflaster das Wappen der Stadt und daneben kleine Figuren aus Strichen, Kreuzen und Haken. Sie sehen aus wie Buchstaben einer Sprache, die du nicht kennst. Es sind keine Buchstaben. Es sind die Siglas Poveiras, die Familienzeichen der Fischer von Póvoa. Über Generationen haben Menschen hier damit unterschrieben, ihre Boote markiert, ihre Gräber gekennzeichnet.

Auf demselben Platz steht der Pranger, den König Manuel der Erste der Stadt 1514 gewährte, und eine Statue des Schriftstellers Eça de Queirós, der gleich nebenan geboren wurde. Ein Platz also, auf dem drei Arten zu schreiben nebeneinanderstehen: die Urkunde eines Königs, die Romane eines der größten Autoren Portugals und die Zeichen der Fischer. Póvoa de Varzim ist heute ein Badeort mit langen Stränden und einem großen Casino. Aber wer genauer hinsieht, findet unter dem Badeort eine sehr eigene Fischergemeinde.

Die Stadt auf dem Hügel

Die Geschichte beginnt nicht am Strand, sondern im Hinterland. Auf dem Hügel der Cividade, im Ortsteil Terroso, keine fünf Kilometer von der Küste und gut 150 Meter hoch, gründeten Menschen in der Bronzezeit, etwa zwischen 900 und 800 vor Christus, eine befestigte Siedlung. Die Cividade de Terroso wuchs zu einer kleinen Stadt mit drei Mauerringen aus großen, ohne Mörtel geschichteten Granitblöcken. Auf ihrem Höhepunkt lebten dort einige hundert Menschen.

Von dort oben trieben die Bewohner Handel mit Phöniziern, Karthagern, Griechen und Römern, die Stoffe und Wein gegen Gold und Zinn tauschten. Dann kam Rom selbst. Nach dem Tod des Lusitaniers Viriatus im Jahr 138 vor Christus zog der Feldherr Decimus Junius Brutus nach Norden und zerstörte die Siedlung. Doch die Menschen zog es hinunter in die Küstenebene. Dort entstand ein römisches Landgut, die Villa Euracini, mit einer Fischfabrik, Salzbecken und einem Gräberfeld.

Ausgegraben wurde die Cividade ab 1906, bezahlt von António dos Santos Graça, dem Mann, der später auch die Siglas erforschen sollte. Nach dem Tod des Archäologen Rocha Peixoto im Jahr 1909 holte man Steine der alten Stadt herunter und pflasterte damit Straßen in Póvoa. Die Cividade ist umzäunt, der Eintritt ist frei, ein kleines Museum am Eingang erklärt die Anlage.

Aus Euracini wird Varzim

Aus dem Namen Euracini wurde über die Jahrhunderte Uracini, Veracini, Verazim und schließlich Varzim. Erstmals erwähnt wird der Ort am 26. März 953, zur Zeit der Gräfin Mumadona Dias. Ruhig war es an dieser Küste nicht. In den 960er Jahren griffen Wikinger an, 997 die Mauren, 1015 und 1016 normannische Piraten. Es gibt Hinweise, dass sich danach Nordleute hier niederließen.

Im Mittelalter stritten Adlige, Ritterorden und Könige um den Hafen. Am 9. März 1308 gab König Dinis vierundfünfzig Familien eine Urkunde und gründete damit die Gemeinde rund um die heutige Praça Velha. Póvoa bedeutet so viel wie Siedlung, eine neu angelegte Ortschaft. Schon 1312 verschenkte Dinis den Ort an seinen unehelichen Sohn Afonso Sanches. Der übertrug ihn dem Kloster Santa Clara im benachbarten Vila do Conde, das er selbst gegründet hatte. Die Macht des Klosters über den Ort wuchs, und schließlich baten die Bewohner König Manuel den Ersten, dem ein Ende zu machen. 1514 bekam Póvoa eine neue Urkunde, die Selbstverwaltung und den Pranger, der bis heute auf dem Rathausplatz steht. Die Rivalität mit Vila do Conde ist nie ganz verschwunden. Bis heute gehören die Fischerviertel Caxinas und Poça da Barca, in denen viele Familien aus Póvoa leben, verwaltungsmäßig zum Nachbarn, obwohl Póvoa sie seit langem für sich beansprucht.

Eine Schrift ohne Buchstaben

Die Siglas Poveiras sind keine Schrift im eigentlichen Sinn. Sie stehen nicht für Laute oder Wörter. Fachleute sprechen von einer Vorform der Schrift. Jedes Zeichen gehörte einer Familie und wurde vom Vater an den Sohn vererbt, und zwar nach einer eigenen Regel: Das Grundzeichen bekam der jüngste Sohn, denn nach örtlichem Brauch war er der Erbe. Seine älteren Brüder erhielten das Zeichen mit kleinen Strichen, den Piques. Der Älteste einen Strich, der Zweite zwei, und so weiter. Wer die Zeichen lesen konnte, las einen Stammbaum. Forscher haben Hunderte solcher Marken untersucht und daraus vierundachtzig ursprüngliche Familien bestimmt.

Die Zeichen waren überall. Man schnitt sie mit dem Rasiermesser in Holz, malte sie auf Boote und Strandhütten. Fische, die in einem fremden Netz gefangen wurden, bekamen mit Schlägen das Zeichen des Netzbesitzers eingeprägt und wurden ihm gebracht. Händler führten damit Schuldbücher. Bei der Hochzeit schrieben die Poveiros ihr Zeichen auf einen Tisch der Hauptkirche, Beispiele davon gibt es in der Igreja Matriz und in der Igreja da Lapa. Ein Tisch in der alten Misericórdia-Kirche trug Tausende von Zeichen, er ging verloren, als die Kirche abgerissen wurde. Später wurde es üblich, die Sigla auch auf den Grabstein zu setzen.

Und die Fischer ritzten ihre Zeichen in die Türen von Kapellen an Stränden und auf Hügeln, als Wegmarke oder als Gelübde, um beim Heiligen des Ortes Glück zu finden. Man hat solche Zeichen an der Kapelle Nossa Senhora da Bonança gefunden, am Strand von Esposende, wo du morgen ankommst, und auf dem Monte Santa Trega in Galicien, oberhalb von A Guarda, an dem der Küstenweg vorbeiführt. Dort wurde am 23. September 1991 eine Skulptur zu Ehren der Siglas eingeweiht. Wenn du in ein paar Tagen am Fuß dieses Berges entlanggehst, denk daran: Poveiros waren schon vor dir dort.

Der Erste, der die Zeichen gründlich erforschte, war António dos Santos Graça. 1952 erschien sein Buch Epopeia dos Humildes, das Epos der Einfachen, mit Hunderten von Siglas. Das städtische Museum, das er 1937 gegründet hatte, zeigte später eine Ausstellung über die Zeichen und erhielt dafür 1980 den Preis als Europäisches Museum des Jahres. Ganz verschwunden sind die Siglas nicht. Die Strandwärter im Nordviertel markieren noch heute ihre Sachen damit, und die Casa dos Pescadores, das Haus der Fischer, nimmt die Zeichen bis heute als gültige Unterschrift an.

Die umstrittene Frage: Kamen die Zeichen aus dem Norden?

Woher stammen die Siglas? Die beliebteste Antwort lautet: von den Wikingern. In manchen Darstellungen gilt der skandinavische Ursprung sogar als allgemein anerkannt, sie schreiben die Zeichen zumindest teilweise Nordleuten zu, die sich im zehnten und elften Jahrhundert hier niedergelassen hätten. Der Forscher Octávio Lixa Filgueiras fand im Nationalmuseum in Kopenhagen Hausmarken von der dänischen Insel Fünen, die den Zeichen aus Póvoa ähnelten. Er verglich einzelne Siglas mit Runen, die Harpune etwa mit der Rune des Gottes Tyr. Er und der Schriftsteller Raul Brandão hielten auch das traditionelle Fischerboot von Póvoa, die Lancha Poveira mit ihrem flachen Boden und dem Lateinersegel, für einen Nachfahren der Wikingerschiffe.

Dazu kamen ältere Beobachtungen, die man heute mit Vorsicht liest. Der Schriftsteller Ramalho Ortigão schrieb 1876, die Fischer von Póvoa seien eine eigene Rasse an der portugiesischen Küste. Fonseca Cardoso hielt sie 1908 für eine Mischung aus Germanen, Juden und vor allem Normannen. Ein amerikanisches Werk über die Rassen Europas vermerkte 1938, unter ihnen gebe es mehr Blonde als üblich. Das ist die Sprache der Rassenkunde jener Zeit, kein Beweis für irgendetwas.

Ehrlich gesagt: Bewiesen ist die Wikinger-Herkunft nicht. Ähnlichkeit ist noch keine Abstammung. Belegt sind Überfälle von Wikingern und Normannen an dieser Küste, belegt sind die Parallelen zu Fünen, und belegt ist, dass die Fischergemeinde über Jahrhunderte vor allem untereinander heiratete. Das erklärt gut, warum sich ein so altes System hier erhalten hat. Woher es ursprünglich kam, darüber streiten die Fachleute bis heute. Du darfst die Geschichte mit den Wikingern gern weitererzählen. Nur solltest du dazusagen, dass es eine Vermutung ist.

Fischer, Lotsen und Schiffbauer

Sicher ist, dass die Poveiros hervorragende Seeleute waren. Spätestens seit 1506 fischten sie vor Neufundland. Im sechzehnten Jahrhundert fuhren sie als Lotsen und Matrosen auf portugiesischen Schiffen, und unter König Johann dem Dritten holte die königliche Werft in Lissabon Zimmerleute aus Póvoa. Im siebzehnten Jahrhundert blühte der Schiffbau in der Ribeira nahe der Festung, etwa ein Drittel der Bevölkerung lebte davon.

Im achtzehnten Jahrhundert versandete die Küste, die großen Werften verschwanden, aber die Fischerei wuchs. Die Königliche Akademie der Wissenschaften in Lissabon nannte die Poveiros die geschicktesten Fischer zwischen dem Kap São Vicente und Caminha. 1789 zählte man 1.340 Fischer. Zwei Jahre später schickte Königin Maria die Erste ihren Generalinspektor Almada, der die Stadt neu ordnete und ihr ein Zentrum mit dem großen Rathaus gab, das du auf der Praça do Almada siehst.

Schon vorher, von 1770 bis 1772, hatten die Fischer sich eine eigene Kirche gebaut, die Igreja da Lapa am Hafen. Hinter ihr steht ein kleiner Leuchtturm, der die Boote heimführte. Wenn es auf See schlecht stand, kamen die Familien hierher. Die Kirche und das Licht gehören zusammen. Das eine war für die Seele, das andere für die Heimfahrt.

Die Hauptkirche: Gott, Steuern und Fischerzeichen

Die Igreja Matriz steht an der Praça Velha, dort, wo König Dinis die Gemeinde 1308 gegründet hatte. Sie ist der Unbefleckten Empfängnis geweiht, Nossa Senhora da Conceição, der Schutzpatronin der Stadt. Die alte Pfarrkirche Santa Maria de Varzim aus dem elften Jahrhundert war für die wachsende Stadt zu klein geworden. Am 1. Juni 1736 erlaubte König Johann der Fünfte, für fünfzehn Jahre Steuereinnahmen für einen Neubau zu verwenden. Die Bevölkerung legte selbst etwas dazu, eine Abgabe auf Fleisch und Wein.

Am 18. Februar 1743 wurde der Grundstein gelegt. Die Leitung hatte der Architekt Manuel Fernandes da Silva aus Braga, bis er 1753 starb. Danach führten drei Baumeister die Arbeit zu Ende, Domingos da Costa, João Moreira und José Fernandes Lucas. Geweiht wurde die Kirche am 6. Januar 1757, fertig war sie da noch nicht ganz.

Von außen siehst du eine barocke Fassade mit zwei hohen Glockentürmen, über dem Portal das königliche Wappen und eine Nische mit einer steinernen Marienfigur. Drinnen ist es ein einziges, langes Schiff mit einem Tonnengewölbe, gestützt von drei kräftigen Bögen. An den Seiten stehen neun Altäre aus vergoldetem Schnitzwerk, darauf Heiligenfiguren aus dem achtzehnten Jahrhundert. Den Hochaltar im Rokokostil, mit sechs Säulen, schnitzte zwischen 1755 und 1758 André Ribeiro Soares da Silva. Zum Schatz der Kirche gehört eine Figur der Nossa Senhora da Boa Viagem aus dem siebzehnten Jahrhundert, der Muttergottes der guten Reise. In einer Stadt, deren Männer auf See fuhren, hat dieser Name einen eigenen Klang. Und in einem Möbel der Sakristei findest du Siglas, eingeritzt von den Fischern der Stadt.

Die bronzenen Türen kamen erst zum zweihundertfünfzigsten Jahrestag, bezahlt auch von Poveiros im Ausland, vor allem von einem Pfarrer an der Copacabana in Rio de Janeiro.

Jakobus kam übers Meer

Es gibt in Póvoa eine Kapelle, die dich als Pilger direkt angeht. Sie steht an einem dreieckigen Platz, der heute Praça da República heißt und im Volksmund Largo de Santiago. Gegründet wurde sie 1582 von einem Seemann, Diogo Peres de São Pedro, und seiner Frau Maria Fernandes de Faria, als Kapelle des heiligen Rochus, an der Kreuzung, wo der Weg zum Hafen abging. Dann geschah etwas, das zu dieser Stadt passt: Am Strand fand man eine Figur des heiligen Jakobus, vielleicht aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Ihre Verehrung wuchs so sehr, dass die Kapelle schließlich ihren Namen wechselte. Heute kennen sie die meisten als Capela de Santiago. 1741 wurde hier eine Bruderschaft des heiligen Jakobus gegründet.

Ein Apostel, der vom Meer an Land gespült wird, das klingt vertraut. Die große Legende von Santiago erzählt, wie der Leichnam des Jakobus in einem steuerlosen Boot an der galicischen Küste ankam. In Póvoa ist es nur eine Figur, und die Quellen sagen nicht, wann und wie sie an den Strand kam.

Vor der Kapelle steht ein Brunnen mit der Jakobsmuschel. Für Pilger auf dem Küstenweg ist er ein Halt. Von hier führen die Zeichen durch die Rua da Junqueira, die Rua da Alegria und die Avenida dos Banhos an den Strand und auf die Holzstege nach Norden.

Ein Bischof aus der Hand des Apostels

Zur Gemeinde Póvoa de Varzim gehört auch ein Ort, den du kennst, wenn du auf dem Camino Portugués Central gekommen bist oder später einmal kommst: Rates, gut elf Kilometer östlich der Innenstadt. Hier steht eine der ältesten und besterhaltenen romanischen Kirchen Portugals, São Pedro de Rates, seit 1910 Nationaldenkmal. Graf Heinrich von Portugal, der Vater des ersten portugiesischen Königs, gründete hier um 1100 ein Kloster, an der Stelle eines älteren Gotteshauses.

Die Kirche ist einem Heiligen geweiht, dessen Geschichte eng mit Jakobus verbunden ist. Der Überlieferung nach kam der Apostel im Jahr 44 in den Nordwesten der Iberischen Halbinsel und weihte auf dem Bergland von Rates einen Mann namens Pedro zum ersten Bischof von Braga. Pedro predigte, wurde von Anhängern der alten römischen Religion enthauptet und begraben. Jahrhunderte später, so erzählt es die Legende, sah ein Einsiedler namens Félix, ein Fischer, nachts immer wieder ein Licht auf einem Hügel, ging hin und fand den Leichnam. Der Hügel heißt bis heute Monte de São Félix. Ein Licht in der Nacht, ein Einsiedler und ein vergessenes Grab: Es ist fast dieselbe Geschichte, die man sich von der Auffindung des Jakobusgrabes in Santiago erzählt.

Historisch hält das alles nicht. Jakobus feierte nach den Quellen das Osterfest des Jahres 44 in Jerusalem, wo er kurz darauf hingerichtet wurde. Die Bollandisten, katholische Gelehrte, die seit Jahrhunderten Heiligenleben prüfen, nannten die Verbindung rein überliefert. Die Erzbischöfe von Braga nutzten die Legende dennoch gern: Wenn ihr erster Bischof vom Apostel selbst geweiht worden war, dann war ihr Bistum älter als alle anderen in Hispanien. Die Reliquien lagen in Rates bis 1552 und kamen dann in die Kathedrale von Braga, wo sie bis heute sind. Rates selbst wurde zu einem wichtigen Ort am portugiesischen Jakobsweg. Und das Nachbardorf Balazar wurde im zwanzigsten Jahrhundert selbst zum Wallfahrtsort, wegen Alexandrina Maria da Costa, die 1955 starb und von Papst Johannes Paul dem Zweiten seliggesprochen wurde.

Der 27. Februar 1892

Vor der Küste von Póvoa liegt eine Sandbank, und sie war über Jahrhunderte der Feind der Fischer. Viele sind dort gestorben. Ein Tag aber steht über allen anderen. Am 27. Februar 1892 geriet die Flotte in einen schweren Sturm. Sieben Lanchas Poveiras zerbrachen, nur wenige Meter vom Ufer entfernt, und 105 Fischer ertranken.

Keine zwei Monate später, am 21. April 1892, wurde unter Königin Amélie das Königliche Institut zur Rettung Schiffbrüchiger gegründet. Es besteht bis heute und hat eine Station im Hafen von Póvoa. Der Politiker David José Alves machte sich damals einen Namen, weil er half, die Krise nach dem Unglück zu bewältigen. Weil die Sandbank gefährlich blieb, zogen manche Fischer in galicische Häfen. Der geschützte Hafen, den die Stadt schon 1857 vom König verlangt hatte, wurde erst ab 1939 gebaut.

Das Unglück hat auch den Glauben der Stadt geprägt. Im Norden, auf dem Kap Santo André, steht eine Kapelle aus dem sechzehnten Jahrhundert. Der heilige Andreas, selbst ein Fischer vom See Genezareth und Bruder des Petrus, gilt den Poveiros als Pescador das Almas, als Fischer der Seelen. Man glaubt, dass er die Seelen der Ertrunkenen aus der Tiefe des Meeres holt und hinüberführt. Nach 1892 wurde seine Verehrung noch stärker. Ein Felsen in der Nähe, der Penedo do Santo, trägt eine Vertiefung, die die Fischer für den Fußabdruck des Heiligen halten. Und es heißt, wer die Kapelle zu Lebzeiten nicht besucht, müsse es nach dem Tod tun.

Jedes Jahr am 30. November, dem Tag des heiligen Andreas, gehen Gruppen im Morgengrauen am Strand entlang zur Kapelle. Sie umrunden sie und beten für die Toten, vor allem für die, die das Meer behalten hat. Man nennt das den Ponto das Almas. Die Kapelle liegt nördlich der Stadt, in der Richtung, in die du morgen gehst.

Der Blinde vom Maio

Eine Generation vor dem großen Unglück lebte in Póvoa ein Fischer namens José Rodrigues Maio, geboren am 8. Oktober 1817. Man nannte ihn Cego do Maio, den Blinden vom Maio, wegen eines kleinen Fehlers an einem Auge. Blind war er nicht. Wenn Fischer in Seenot gerieten, drehte er sein kleines Boot und ruderte zu ihnen hinaus. Mehr als achtzig Menschen soll er so gerettet haben, ohne Lohn, ein Amt bekam er erst gegen Ende seines Lebens. Der Bürgermeister Aires Pereira sagte über ihn, er habe praktisch auf dem Meer gelebt, mit seinen beiden Söhnen, die ihn immer begleiteten. Ein Admiral, Silva Pereira, fasste es in einem Satz: Er rettete andere, ohne etwas dafür zu verlangen.

Der Staat verlieh ihm den Orden vom Turm und Schwert, die höchste Auszeichnung des Landes. Die Goldmedaille der Königlichen Humanitären Gesellschaft von Porto steckte ihm König Luís der Erste persönlich an. Als 1864 das erste Rettungsboot nach Póvoa kam, benannt nach seinem Wohltäter Mozer, fuhr der Cego do Maio in seinen späten Jahren in der Mannschaft mit. Das Boot wurde später nach ihm umbenannt, und der Name ging auf spätere Rettungsboote über. Mehr als sechzig Jahre war es im Einsatz. Heute ist es das größte Stück im Museum der Stadt, in einem Raum, der der Geschichte der Unglücke auf See gewidmet ist.

José Rodrigues Maio starb am 13. November 1884, acht Jahre vor dem Sturm, der 105 seiner Leute nahm. Am Passeio Alegre steht seine Büste, von den Bürgern mit Spenden bezahlt, und schaut aufs Meer. Sein Bild hängt bei den Sitzungen des Stadtrats, und der Rat erinnert an ihn, wann immer jemand auf See stirbt.

Badegäste, Spieler und Dichter

Am Anfang stand die Gesundheit. Schon ab 1725 nutzten Benediktinermönche das jodhaltige Meerwasser von Póvoa für Kuren. Im neunzehnten Jahrhundert wurde die Stadt zum Sommerziel wohlhabender Familien aus dem Minho und von Portugiesen, die in Brasilien reich geworden waren. 1875 kam die Eisenbahn aus Porto. Es entstanden Hotels, Theater und vor allem Spielsäle. Zeitweise gab es siebzehn davon, oft im Hinterzimmer von Cafés. Das berühmteste hieß Café Chinês.

Einer der eifrigsten Spieler war der Romancier Camilo Castelo Branco. Er schrieb einen Teil seines Werks im Hotel Luso-Brasileiro. Später schrieb der Dichter José Régio den größten Teil seiner Bücher in der Diana Bar am Strand, die heute eine Strandbibliothek ist. Am 28. Februar 1930 begann der Bau des Casinos, im Stil angelehnt an den Pariser Architekten Charles Garnier. Vier Jahre später wurde es eröffnet, daneben entstand das Grande Hotel. 2006 war es das Casino mit dem zweithöchsten Umsatz in Portugal, und es vergibt einen Literaturpreis. Seit Jahren lädt Póvoa außerdem zum Literaturfestival Correntes d'Escritas, das die Stadt international bekannt gemacht hat.

Der Junge, dessen Mutter nicht im Taufbuch stand

Der berühmteste Sohn der Stadt wurde am 25. November 1845 in einem Haus an der Praça do Almada geboren: José Maria Eça de Queirós. Seine Geburt war ein kleiner Skandal. Die Eltern, der Jurist José Maria Teixeira de Queirós und Carolina Augusta Pereira d'Eça, waren nicht verheiratet. Deshalb ließ man den Namen der Mutter im Geburtseintrag weg. Getauft wurde das Kind nicht in Póvoa, sondern in der Kirche São João Batista im Nachbarort Vila do Conde. Als der Junge vier war, heirateten die Eltern. Aufgewachsen ist er trotzdem vor allem bei einer Amme und lange bei seiner Großmutter in Aradas bei Aveiro.

Aus diesem Kind wurde einer der großen Erzähler Europas. Mit Romanen wie O Crime do Padre Amaro, O Primo Basílio und Os Maias nahm er die portugiesische Gesellschaft auseinander, scharf, ironisch und genau. Er war Diplomat, lebte in Havanna, England und Paris und starb im August 1900 in Neuilly bei Paris. Die Stadt hat ihn nicht vergessen: 1906 kam eine Bronzetafel an sein Geburtshaus, und 1952 schenkten Poveiros, die nach Rio de Janeiro ausgewandert waren, ihrer Heimatstadt die Statue, die heute auf dem Platz steht. Geschaffen hat sie Leopoldo de Almeida.

Ala-arriba: Póvoa heute

Die Poveiros haben ein Wort für das, was sie zusammenhält: ala-arriba, nach oben. Es steht für den Geist, gemeinsam anzupacken und einander zu helfen. So heißt auch ein Film von José Leitão de Barros, der die Gemeinde in den 1940er Jahren in ganz Portugal bekannt machte. 1926 entstand hier die Casa dos Pescadores, das erste Haus der Fischer in Portugal.

Heute leben in der Gemeinde 64.320 Menschen, so die Zählung von 2021, und im Sommer verdreifacht sich die Bevölkerung. Am 29. Juni feiert die Stadt ihr großes Fest zu Ehren des heiligen Petrus, mit einer Nacht, in der die Viertel in Umzügen gegeneinander antreten. Die traditionellen Boote sind seit der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts fast verschwunden, verdrängt von moderner Technik und Trawlern. Dafür kommen immer mehr Menschen mit Rucksack und Muschel. 2025 waren laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Lusa auf dem Küstenweg rund zwanzig Prozent mehr Pilger unterwegs als im Jahr davor.

Was Póvoa dir mitgibt

In Póvoa haben Menschen über Jahrhunderte mit Zeichen gesagt, wer sie sind und wohin etwas gehört. Ein Strich mehr oder weniger verriet, welcher Bruder man war. Ein Zeichen in der Tür einer Kapelle sagte: Ich war hier, ich habe um etwas gebeten. Du selbst folgst seit Tagen Zeichen, die andere für dich gemalt haben, gelben Pfeilen und Muscheln an Hauswänden und Laternen. Du kennst die Menschen nicht, die sie angebracht haben. Trotzdem verlässt du dich auf sie.

Vielleicht nimmst du von hier eine einfache Frage mit: Welches Zeichen hinterlasse ich? Nicht auf einer Kapellentür, sondern bei den Menschen, denen du unterwegs begegnest. Morgen früh gehst du nach Norden, in Richtung des Kaps Santo André, wo man für die betet, die nicht heimgekommen sind. Vielleicht bleibst du am Strand kurz stehen. Ob du betest, an jemanden denkst oder einfach aufs Meer schaust, ist deine Sache. Dein Weg führt weiter nach Norden.

Übernachten in Povoa de Varzim

Die von Pilgern am besten bewerteten Unterkünfte in Povoa de Varzim stehen vorn.

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Angebote in Povoa de Varzim

Was du vor der nächsten Etappe im Ort findest.

  • Geldautomat
  • Café
  • Geschäft
  • Tabak
  • Arztpraxis
  • Apotheke
  • Brunnen
  • Post
  • Bahnhof
  • Bushaltestelle
  • Restaurant

Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert April 2026