Orte

Etappenort am Jakobsweg

Puente la Reina

Navarra, Spain

Unterkünfte
22
Caminos
2
Höhe
349 m

In Puente la Reina werden die Wege eins: Kurz vor dem Ort mündet der Camino Aragonés vom Somport in den Camino Francés, und am Ortsausgang führt dich eine Brücke aus dem elften Jahrhundert über den Arga, die eine Königin für Pilger bauen ließ. Bis Santiago sind es noch 686 Kilometer. Ein Nachmittag reicht.

Wie lange bleiben?

Ein Nachmittag reicht. Puente la Reina ist eine Straße mit einer Brücke am Ende, und genau so solltest du es erleben: Herberge beziehen, ohne Rucksack einmal die Calle Mayor hinunter bis zur Brücke gehen, in die Kirchen schauen, die offen sind, und am Abend noch einmal zurück ans Wasser. Für einen Ruhetag gibt der Ort zu wenig her. Wer einen braucht, ist in Pamplona oder Estella besser aufgehoben.

Puente la Reina in Ninja-Zahlen

  • 686 Kilometer sind es laut Camino Ninja von hier bis Santiago. Ab jetzt ist es für alle derselbe Weg.
  • Rund 2,5 Kilometer liegen laut Camino Ninja zwischen Óbanos, wo die beiden Wege zusammenfließen, und Puente la Reina.
  • 165 Kilometer lang ist laut Camino Ninja der Camino Aragonés vom Somport bis hierher.
  • Gut 500 Pilger zählte die letzte belastbare Erhebung im Jahr 2015 am Somport. In Saint-Jean und Roncesvalles begannen im selben Jahr 38.500. Der erste Weg des alten Pilgerführers ist heute der leerste.

Ankommen: wo zwei Wege einer werden

Von Pamplona kommst du über den Alto del Perdón, Uterga und Muruzábal nach Óbanos. Hier endet der Camino Aragonés, der vom Somport über Jaca und Sangüesa kommt, und fließt in den Camino Francés ein. Am Ortsausgang von Óbanos markiert eine Skulptur die Stelle. Danach überquerst du eine Landstraße und gehst durch das Tal des Arga nach Puente la Reina.

Vor dem Ortseingang steht seit 1965 das Monumento al Peregrino, eine Pilgerfigur mit dem Satz: „Y desde aquí, todos los caminos a Santiago se hacen uno solo.“ Und von hier an werden alle Wege nach Santiago zu einem einzigen. Der Satz geht auf den Pilgerführer im Codex Calixtinus aus dem zwölften Jahrhundert zurück. Danach gehst du unter einem Bogen hindurch, der die Kirche del Crucifijo mit dem Konvent verbindet, und bist in der Calle Mayor. Sie führt dich durch den ganzen Ort bis zur Brücke.

Ein Ort, der aus einer Brücke wuchs

Im elften Jahrhundert ließ eine Königin von Navarra hier eine Brücke über den Arga bauen, damit die Pilger den Fluss sicher überqueren konnten. Welche Königin es war, ist nicht sicher: Die Überlieferung nennt Muniadona, die Frau von Sancho dem Großen, oder Estefanía, die Frau von García de Nájera. Der Ort bekam ihren Namen: Puente la Reina, die Brücke der Königin. Auf Baskisch heißt er Gares.

König Alfonso der Kämpfer holte fränkische Siedler an den Fluss, 1122 bekamen sie ihr Stadtrecht. Sie bauten den Ort als Rechteck, mit der Calle Mayor in der Mitte. Die Straße folgt dem Camino bis zur Brücke. Puente la Reina ist also wirklich um den Weg herum gebaut, und das spürst du bis heute. Seit 1931 steht die Brücke unter Denkmalschutz.

An der Calle Mayor: was du sehen solltest

Alles Wichtige liegt an deinem Weg, vom Ortseingang bis zur Brücke. Öffnungszeiten der Kirchen haben wir nicht gefunden.

  • Iglesia del Crucifijo: Die erste Kirche am Ortseingang. Im zwölften Jahrhundert gründeten die Templer hier ein Hospiz für Pilger und bauten diese Kirche, die ursprünglich Santa María de los Huertos hieß. Im vierzehnten Jahrhundert kam ein gotisches Schiff dazu. Nach dem Ende der Templer ging alles an die Johanniter. Die Kirche birgt das Kruzifix, nach dem sie heute heißt. Der Camino führt unter dem Bogen hindurch, der Kirche und Konvent verbindet.
  • Iglesia de Santiago: Die Jakobskirche an der Calle Mayor stammt aus dem zwölften Jahrhundert und wurde später umgebaut. Achte auf das Portal mit seinen vielfach gezackten Bögen und den Turm. Drinnen steht der Santiago Beltza, der schwarze Jakobus, eine Holzfigur des Apostels. Sie heißt so, weil sie bei ihrer Auffindung von Ruß geschwärzt war.
  • San Pedro und die Virgen del Txori: In der Kirche San Pedro steht eine Marienfigur, die früher in einem Turm mitten auf der Brücke stand, bis man den Turm um 1843 abriss. Die Legende erzählt, dass ein kleiner Vogel, auf Baskisch „txori“, immer wieder vom Fluss heraufflog und ihr mit Wasser das Gesicht wusch. Seitdem heißt sie Virgen del Txori.
  • Die Puente Románico: Die romanische Brücke ist der Grund, warum es den Ort gibt. Geh am Abend ohne Rucksack noch einmal hinüber und zurück. Am nächsten Morgen überquerst du sie ohnehin, aber dann bist du in Gedanken schon bei der Etappe.

Essen und Trinken

Eine eigene Spezialität von Puente la Reina haben wir nicht verlässlich gefunden. Camino-Ninja-Pilger loben, dass es in der Nähe der Herbergen viele Restaurants gibt. Einige Herbergen bieten selbst ein Abendessen an, Jakue zum Beispiel als Buffet und Santiago Apóstol mit einem Pilgermenü.

Ehrlich gesagt

  • Die Herberge auf dem Hügel ist weit. Santiago Apóstol liegt jenseits des Ortskerns oben auf einem steilen Hügel. Viele Camino-Ninja-Pilger finden die Herberge schön, den Weg dorthin nach einer langen Etappe aber hart. Und für den Abend im Ort musst du wieder hinunter.
  • Günstig heißt eng. Bei den Padres Reparadores schlafen viele Pilger in kleinen Zimmern, sagen Camino-Ninja-Pilger. Dafür gibt es einen Garten, den fast alle loben.
  • Dünne Wände bei Jakue. Die Herberge am Ortseingang ist gepflegt, aber hellhörig, auch in den Privatzimmern.
  • Der Abstieg vom Perdón kostet Kraft. Auf dem Weg hierher kommt nach dem Alto del Perdón ein Abstieg über losen Schotter, der viele überrascht.

Wo Pilger schlafen

  • Albergue de los Padres Reparadores: die große Herberge am Ortseingang an der Calle del Crucifijo, direkt am Weg, mit Garten und Küche. Ab 9 € (Stand: Oktober 2026), die günstigste im Ort.
  • Albergue Santiago Apóstol: am Ortsende auf dem Hügel, mit viel Platz, großem Waschbereich, Bar und Aussicht. Im Schlafsaal etwa 10 bis 15 € (Stand: Oktober 2026).
  • Albergue Jakue: am Ortseingang am Camino, Herberge und Hotel in einem, mit Abendbuffet.

Dazu kommen kleinere private Herbergen wie Albergue Puente mit Terrasse, Amalur und Estrella Guía, im Schlafsaal von etwa 11 bis 25 € (Stand: Oktober 2026).

Ninja-Tipps

  • Eunate mitnehmen: In Muruzábal zweigt ein markierter Weg zur achteckigen Kirche Santa María de Eunate ab. Der Umweg kostet etwa drei Kilometer, und du kommst über Óbanos zurück. Eintritt 2 €, für Pilger 1,50 €. Den Stempel gibt es im Haus neben der Kirche.
  • Ein Foto am Monument: Die Pilgerfigur vor dem Ortseingang ist der Ort, an dem der Satz „todos los caminos … se hacen uno solo“ steht. Wenn du über den Aragonés gekommen bist, ist das dein Zielfoto.
  • Wäsche bei Santiago Apóstol: Wenn du auf dem Hügel schläfst, nutz den großen Waschbereich. Mehrere Camino-Ninja-Pilger heben ihn hervor.
  • Die Brücke zweimal gehen: einmal am Abend ohne Gepäck, einmal am Morgen beim Aufbruch. Es lohnt sich beide Male.
  • Schnell nach Pamplona: Wenn du hier aufhören musst, fährt der Bus in rund 25 Minuten nach Pamplona. Dort gibt es Bahn, Fernbusse und einen kleinen Flughafen.

Praktische Tipps für Pilger

  • Einkaufen: Puente la Reina hat alle Dienste, die du als Pilger brauchst. Kauf für den nächsten Tag ein, die Dörfer auf dem Weg nach Estella sind klein.
  • Stempel: in den Herbergen und, wenn sie offen sind, in den Kirchen.
  • Óbanos: Das Dorf vor Puente la Reina hat Apotheke, Geldautomat, Laden und Touristeninformation. Im Juli gerader Jahre spielen die Einwohner dort das „Misterio de Obanos“, eine Legende von einem Pilger.

Weiter: über die Brücke nach Westen

Du verlässt den Ort über die romanische Brücke. Danach geht es über Mañeru (4,9 Kilometer) und Cirauqui (7,6 Kilometer) nach Lorca (13,1 Kilometer) und Villatuerta (17,9 Kilometer). Nach 21,7 Kilometern erreichst du Estella. Alle Distanzen laut Camino Ninja.

Morgen erwartet dich

Der Pilgerführer im Codex Calixtinus hatte für Estella nur Lob: „fértil en buen pan y excelente vino, así como en carne y pescado“, fruchtbar an gutem Brot und ausgezeichnetem Wein, an Fleisch und Fisch. Und über den Fluss schrieb er, das Wasser des Ega sei süß, gesund und außergewöhnlich. An der alten Pilgerstraße von Estella steht die Kirche Santo Sepulcro, und neben ihrer Treppe begrüßt dich ein Jakobus, der selbst als Pilger dargestellt ist.

Tiefer eintauchen: Wo die Wege eins werden

Ein langer Text, falls du noch mehr über Puente la Reina erfahren willst. Etwa fünfzehn Minuten Lesezeit.

Ein Satz auf einem Sockel

Kurz bevor du nach Puente la Reina hineinkommst, steht ein Pilgerdenkmal am Weg. Seit 1965 trägt es einen Satz: „Y desde aquí todos los caminos a Santiago se hacen uno solo“. Und von hier an werden alle Wege nach Santiago zu einem einzigen.

Der Satz ist ein Echo. Er geht zurück auf einen Text aus dem zwölften Jahrhundert, auf den ältesten Pilgerführer, den wir kennen. Ein Geistlicher aus Frankreich, den die Überlieferung Aymeric Picaud nennt, schrieb ihn auf, und heute ist er das fünfte Buch des Codex Calixtinus. Gleich am Anfang heißt es dort: „Cuatro son los itinerarios que conducen hacia Santiago“, vier Wege führen nach Santiago, „que en Puente la Reina, en tierras españolas, confluyen en uno solo“. In Puente la Reina, in spanischem Land, fließen sie zu einem einzigen zusammen.

Drei dieser Wege benennt der Codex nach Heiligen an ihrem Lauf: der Weg der heiligen Fides, der des heiligen Leonhard von Limoges und der des heiligen Martin von Tours. Sie treffen sich schon vor den Pyrenäen bei Ostabat, und wer auf ihnen geht, steigt über den Pass von Cize nach Roncesvalles hinauf. Der vierte Weg kommt aus dem Süden Frankreichs und überquert die Berge weiter östlich am Somport. Von dort, schreibt der Autor, seien es bis Puente la Reina drei kurze Etappen: von Borce am Fuß des Passes bis Jaca, von Jaca bis Monreal und von Monreal bis Puente la Reina.

Wenn du hier stehst, stehst du also an einem Ort, an dem das Mittelalter den Weg sortiert hat. Davor viele Wege, danach einer.

Das Treffen in Óbanos

Ganz genau genommen treffen sich die beiden Wege nicht in Puente la Reina, sondern gut zwei Kilometer vorher. In Óbanos endet der Camino Aragonés auf dem Dorfplatz und geht im Camino Francés auf. Am Ortsausgang von Óbanos steht eine Skulptur mit dem schlichten Namen „Un camino“, ein Weg, geschaffen von Patxi Alduna und Pepe L. Tazón. Sie markiert die Stelle. Der Codex aber nennt Puente la Reina, und so ist es geblieben: Das Dorf hat den Treffpunkt, die Stadt hat den Ruhm.

Wer vom Somport kommt, hat sehr stille Tage hinter sich. Im Jahr 2015 zählte man am Somport gut 500 Pilger, in Saint-Jean und Roncesvalles waren es im selben Jahr rund 38.500. Ab Óbanos gehen beide Ströme gemeinsam. Für manche, die vom Aragonés kommen, ist das ein kleiner Schock. Für andere ist es eine Erleichterung, endlich wieder Gesellschaft zu haben.

Óbanos selbst hat eine stolze Geschichte. Im dreizehnten Jahrhundert trafen sich hier am häufigsten die Infanzones, ein Bund des niederen und mittleren Adels von Navarra, der darauf achtete, dass die Könige ihre Macht nicht missbrauchten. Auf ihrem Siegel stand ein lateinischer Wahlspruch: „Pro libertate patria gens libera state“, für die Freiheit des Landes steht, ihr freien Leute. Erst Königin Johanna die Zweite und ihr Mann Philipp von Évreux lösten den Bund auf.

Felicia und Guillén

In Óbanos erzählt man eine Pilgergeschichte, die düsterer ist als die meisten. Felicia, eine Prinzessin aus Aquitanien, kehrt von einer Pilgerreise nach Santiago zurück und will von ihrem Leben am Hof nichts mehr wissen. Sie dient unerkannt auf dem Herrensitz von Amocáin, im Tal von Egüés in Navarra. Ihr Bruder Guillén sucht sie und findet sie. Außer sich darüber, dass sie ihren Stand verraten hat, tötet er sie.

Dann kommt die Reue. Guillén pilgert selbst nach Compostela, geführt von einem Mönch. Danach bleibt er als Einsiedler in der Einsiedelei Arnotegui oberhalb von Óbanos und kümmert sich um die Pilger. Der Überlieferung nach starb er dort als Märtyrer auf dem Weg hinauf zur Kapelle. Ein Schädel, der als seiner gilt, ist in Silber gefasst, und einmal im Jahr wird mit ihm Wein gesegnet. Auch Felicia hat ihre Legende: Auf ihrem Grab soll eine weiße Nelke geblüht haben, und ihr Leib wird bis heute in der Kirche von Labiano verehrt.

Aus dieser Legende wurde ein Theaterstück. 1962 schrieb Santos Beguiristáin Eguílaz einen kurzen Text, den Kinder am Feuer des heiligen Guillermo vorlasen. Die Leute kamen in Scharen, und man riet ihnen, gegessen zu haben und keine Eile mitzubringen. Im Sommer 1965 wurde daraus das „Misterio de Obanos“, ein Bühnenstück über den Jakobsweg, aufgeführt unter freiem Himmel auf dem Dorfplatz, mit drei- bis vierhundert Mitwirkenden, die meisten aus dem Dorf. Es gab lange Pausen und Neuanfänge. Der Präsident der Stiftung, die das Misterio trägt, hat eine Rückkehr für 2027 vorgeschlagen. Ob es dazu kommt, konnten wir im Herbst 2026 nicht klären.

Es ist eine seltsame Geschichte für einen Pilgerweg: ein Mord, eine Pilgerschaft als Buße, ein Leben im Dienst an Fremden. Aber vielleicht erklärt sie, warum Menschen gehen. Nicht alle gehen, weil sie glücklich sind.

Eine Kirche mit acht Ecken

Wenn du über den Camino Aragonés gekommen bist, kennst du sie vielleicht schon. Vom Camino Francés aus ist sie ein Abstecher ab Muruzábal: Santa María de Eunate steht allein im offenen Feld, etwa zwei Kilometer von Muruzábal entfernt, im Tal von Valdizarbe. Gebaut wurde sie in der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts, im romanischen Stil, auf einem Grundriss, der ein nicht ganz regelmäßiges Achteck bildet. Außen umgibt sie ein Kranz aus 33 Bögen, eine Art Kreuzgang unter freiem Himmel. Das Nordportal, das zum Weg hin schaut, ist reich geschmückt.

Über Eunate wird viel geraunt. Oft heißt es, die Templer hätten sie gebaut. Ein Dokument, das das beweist, gibt es nicht. Belegt ist dagegen etwas anderes, und es ist für dich wichtiger: In Gräbern in der Kirche hat man Jakobsmuscheln gefunden. Weil die Kirche zudem fern von jedem Dorf liegt, vermutet man, dass hier einst ein Hospiz für Pilger stand. Wer hier begraben wurde, war also vielleicht unterwegs wie du.

Ein Stück westlich, in Torres del Río, steht übrigens eine Kirche vom Heiligen Grab mit sehr ähnlichen Formen, nur ohne den Bogenkranz. In ein paar Tagen kommst du dort vorbei.

Die Brücke der Königin

Und dann die Brücke. Sie hat dem Ort seinen Namen gegeben, Puente la Reina, die Brücke der Königin, und ohne sie gäbe es diese Stadt wohl nicht. Im elften Jahrhundert ließ eine Königin sie über den Arga bauen, damit die Pilger nicht mehr durch den Fluss mussten. Welche Königin das war, weiß man nicht sicher. Die Überlieferung schwankt zwischen Muniadona, auch Doña Mayor genannt, der Frau von König Sancho dem Großen, und Estefanía, der Frau seines Sohnes García von Nájera. Am häufigsten wird Doña Mayor genannt.

Die Brücke ist rund 110 Meter lang, die Fahrbahn etwa vier Meter breit. Wie viele Bögen sie hat, darüber sind sich nicht einmal die Quellen einig. Manche zählen sieben, einer davon unter der Erde verborgen, andere sechs, wieder andere fünf. Sicher ist: Wer sie heute überquert, geht über eine Brücke, über die schon Pilger vor fast tausend Jahren gingen. Seit 1931 steht sie unter Denkmalschutz.

Auch der Codex kennt diesen Übergang. Er spricht vom Land der Navarrer, das bis zur Brücke über den Arga reiche und darüber hinaus. Und er schreibt, durch Puente la Reina flössen der Arga und auch der Runa, ein Fluss, der von den Pyrenäen nach Pamplona komme. Der Forscher José María Jimeno Jurío hat sogar vermutet, der baskische Name des Ortes, Gares, könne auf diesen alten Flussnamen zurückgehen, auf eine Brücke über den Runa. Andere leiten Gares von gari ab, dem baskischen Wort für Weizen. Gewiss ist keins von beiden.

Der Vogel und die Madonna

Auf der Mitte der Brücke stand früher ein Turm, und in einer Nische darin stand eine Marienfigur, die Virgen del Puy. Bis 1834 ist sie dort belegt. Die Leute erzählten im neunzehnten Jahrhundert, ein kleiner Vogel, auf Baskisch txori, bringe jeden Tag Wasser aus dem Fluss in seinen Flügeln und wasche ihr damit das Gesicht. Darum nannte man sie die Virgen del Txori, die Jungfrau des Vogels.

Um 1843 wurde der Turm abgerissen. Die Figur kam in die Kirche San Pedro, eine gotische Kirche aus dem vierzehnten Jahrhundert, etwa hundert Meter von der Calle Mayor entfernt. Dort steht sie noch heute. Man muss den Vogel nicht für wahr halten. Aber die Geschichte erzählt etwas über das Verhältnis der Menschen hier zu ihrer Brücke: Sie war nicht nur ein Bauwerk. Sie hatte eine Hüterin.

Eine Stadt für Fremde

Vor der Stadt gab es hier ein Dorf, das baskisch sprach und Garesch hieß, auch Garex oder Garez geschrieben. Dann kam König Alfonso der Erste, den man den Kämpfer nennt. Er gab Siedlern aus Frankreich, den sogenannten Franken, ein Gründungsprivileg am Ufer des Arga, dort, wo das alte Dorf lag. 1122 bekamen sie das Stadtrecht von Estella. Im Lauf des zwölften Jahrhunderts entstand nahe der Brücke ein rechteckiger Ort mit einer Hauptstraße und zwei Parallelstraßen.

Diese Hauptstraße ist die Calle Mayor, und sie ist der Camino. Wenn du durch Puente la Reina gehst, gehst du durch eine Stadt, die um den Weg herum geplant wurde: Er tritt am einen Ende ein, läuft mitten hindurch und verlässt die Stadt am anderen Ende über die Brücke. Eine Mauer mit Türmen umgab die Altstadt, von einigen Türmen siehst du noch Reste. Nachts wurden die Tore geschlossen. Und bis vor nicht langer Zeit läutete man jeden Abend vierzig Glockenschläge, ein Ritual aus der Zeit, als die Stadt sich zur Nacht verschloss.

Nicht alle Fremden waren willkommen. In Puente la Reina lebten bis ins vierzehnte Jahrhundert Juden und Agotes, eine ausgegrenzte Bevölkerungsgruppe, mit eigenem Viertel und eigener Synagoge. 1328, nach dem Tod des Königs, kam es zu gewaltsamen Pogromen, wie im selben Jahr auch in Estella.

Ritter am Fluss

Wo Pilger waren, waren bald auch die Ritterorden. Die Templer sind in Puente la Reina belegt. König Alfonso der Kämpfer hatte ihnen in seinem Testament sogar sein Reich vermacht, doch diesen Letzten Willen setzte niemand um. Sein Nachfolger García Ramírez schenkte dem Tempel immerhin den Ort Murugarren.

Am Eingang der Stadt gründeten die Templer, so die Überlieferung, ein Hospiz für Pilger und eine Kirche. Als der Orden 1312 aufgelöst wurde, sollte sein Besitz an die Johanniter gehen. In Puente la Reina dauerte das allerdings bis 1443. Gut hundertdreißig Jahre zwischen Beschluss und Übernahme, das sagt viel über die Mühlen des Mittelalters.

1469 gründeten Juan de Beaumont und andere bei dieser Kirche ein Konvent mit sechs Kaplänen, und später gehörte die Kirche zum Johanniterorden. Seit 1919 gehören Kirche und Konvent den Herz-Jesu-Priestern, die man hier die Padres Reparadores nennt. Neben ihrem Konvent liegt heute die große Herberge Padres Reparadores. Und der Camino geht unter einem Bogen hindurch, der Kirche und Konvent verbindet. Du betrittst Puente la Reina also unter einem Bogen, der zu einer alten Pilgerkirche gehört.

Ein Kreuz wie ein Baum

Die Kirche, um die es geht, heißt heute Iglesia del Crucifijo. Früher hieß sie Santa María de las Huertas, die heilige Maria der Gärten. Sie entstand im zwölften Jahrhundert in spätromanischem Stil und wurde im vierzehnten Jahrhundert erweitert. Drinnen steht eine Madonna mit Kind aus dem zwölften Jahrhundert. Aber die meisten kommen wegen des Kreuzes.

Es ist kein gewöhnliches Kruzifix. Der Gekreuzigte hängt nicht an einem Balkenkreuz, sondern an einem Kreuz in Form eines Y, das aussieht wie ein Baum, dem man die Rinde abgezogen hat. Die Fachleute sprechen von einem schmerzensreichen Kruzifix, einem crucifijo doloroso, und ordnen es der Gotik zu, einer tragischen Strömung der Kunst am Rhein, mit italienischem Einfluss. Einer von ihnen, Luis Vázquez de Parga, sah in der Baumform das Bild vom Baum des Lebens.

Woher das Kreuz kommt, ist die eigentliche Frage. Die Fachleute sind sich weitgehend einig, dass es aus dem deutschen Rheinland stammt oder zumindest von dort geprägt ist. Bei der Datierung gehen sie auseinander: Vázquez de Parga dachte an die Zeit um 1400, andere an den Anfang des vierzehnten Jahrhunderts, die Kunsthistorikerin Ángela Franco Mata an die Jahre 1315 bis 1320. Und dann ist da die Legende: Deutsche Pilger hätten das Kreuz mitgebracht, vielleicht nach ihrer Pilgerfahrt nach Santiago, und es hier zurückgelassen.

Haben Pilger das Kreuz gebracht?

Die Geschichte ist zu schön, um sie nicht zu erzählen. Man stellt sich gern vor, wie ein Kreuz über die Pyrenäen getragen wird und ausgerechnet dort bleibt, wo alle Wege eins werden. Einige Fachleute haben die Überlieferung für glaubhaft gehalten. Der navarresische Forscher José María Muruzábal Aguirre widerspricht. Er schreibt: „Pienso que esta legendaria atribución surgiría en Navarra y no sería traída por los peregrinos alemanes.“ Er denkt also, die Legende sei in Navarra entstanden und das Kreuz sei nicht von deutschen Pilgern gebracht worden.

In seinem Aufsatz verweist Muruzábal auf ein Vermächtnis. Im Jahr 1328 vermachte eine Familie namens Martija etwas „a la obra del Crucifijo de Santa María de las Huertas“, also für das Werk des Kruzifixes von Santa María de las Huertas. Spätestens 1328 gab es hier also ein Werk, das man den Crucifijo nannte. Er erwähnt noch eine andere alte Überlieferung, nach der das Kreuz das dritte gewesen sei, das Nikodemus geschnitzt habe, jener Mann aus dem Evangelium, der Jesus begrub. Auch das hält er für abwegig.

Was bleibt, ist ehrlich gesagt ein offenes Ende. Das Kreuz ist deutsch geprägt, gotisch und alt. Wie es nach Navarra kam, weiß niemand. Ob ein Pilger es getragen hat oder ein Händler, ob es bestellt oder geschenkt wurde, darüber gibt es kein Papier. Du darfst davor stehen und dir deine eigene Version aussuchen. Nur solltest du wissen, dass es eine Version ist.

Santiago, der Schwarze

Mitten an der Calle Mayor steht die Kirche, die dem Apostel gehört, die Iglesia de Santiago. Ihren Ursprung hat sie im zwölften Jahrhundert. Aus dieser Zeit stammen die Außenmauern und ein schlichtes Portal an der Rückseite, mit einem Christusmonogramm im Bogenfeld. Das Hauptportal zur Straße hin kam am Anfang des dreizehnten Jahrhunderts dazu. Es hat fünf reich verzierte Bögen, und der innerste ist in acht Bögen gelappt, wie eine Blume, mit Engeln rund um Christus. Darin wimmelt es: Dämonen, die für die Sünden stehen, Kampfszenen, geflügelte Löwen, zwei gekreuzte Fische, ein Ritter im Kampf mit einem Drachen, ein Mann, der einem Löwen das Schwert in den Leib stößt. Vieles ist stark verwittert. Kunsthistoriker sehen eine Verwandtschaft mit Portalen in Estella und in Cirauqui, durch das du morgen gehst.

Innen ist die Kirche ein Bau des sechzehnten Jahrhunderts. Von 1543 bis 1566 bauten sie die Meister Martín de Oyarzábal und Lázaro de Iriarte im gotischen Stil neu, mit Sterngewölben. Den Namen Martín de Oyarzábal wirst du übermorgen noch einmal hören: Ein Baumeister dieses Namens schuf auch den Kreuzgang des Klosters Irache hinter Estella. Den oberen Teil des Turms setzte erst Santos Ángel de Ochandátegui in den Jahren 1776 bis 1778 auf.

Und dann steht da, an der Nordwand, der Mann, um den es hier geht: Santiago Beltza. Beltza ist baskisch und heißt schwarz. Die Figur ist aus Holz, aus einem einzigen Baumstamm gearbeitet, so schmal wie der Stamm es zuließ. Sie zeigt Jakobus als Pilger, mit Stab und mit einem Hut, auf dem Muscheln sitzen. Die Augenbrauen sind hochgezogen, die Augen schräg, der Mund leicht geöffnet. Woher der Name kommt, wird verschieden erklärt: wegen der dunklen Hautfarbe, sagt die eine Darstellung, wegen des Rußes, der die Figur geschwärzt hatte, bevor sie restauriert wurde, sagt die andere. Auch beim Alter gehen die Angaben auseinander. Die ausführlichste Beschreibung datiert die Figur in die zweite Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts und nennt sie spätgotisch, andere Quellen nennen sie romanisch. Ursprünglich stand sie auf dem mittelalterlichen Hochaltar.

Gegenüber steht ein Bartholomäus aus Stein, ebenfalls aus dem vierzehnten Jahrhundert. Im barocken Hauptaltar, 1665 in Auftrag gegeben, siehst du noch einmal Jakobus als Pilger, und im unteren Teil zwei Reliefs: die Muttergottes, die ihm in Zaragoza erscheint, und seine Enthauptung in Jerusalem. Wenn du in dieser Kirche stehst, bist du von Jakobus umgeben, als Pilger, als Prediger, als Märtyrer. Es ist ein guter Ort, um kurz innezuhalten, bevor der Weg dich über die Brücke weiterschickt.

Ein Autor, der die Navarrer nicht mochte

Der Codex, der Puente la Reina berühmt gemacht hat, ist kein freundliches Buch, jedenfalls nicht über die Menschen hier. Der Autor beschreibt das Land der Navarrer als reich an Brot, Wein, Milch und Vieh. Über die Leute selbst schreibt er dagegen hart: „Son un pueblo bárbaro, diferente de todos los demás en sus costumbres y naturaleza“, ein barbarisches Volk, anders als alle anderen in Sitten und Wesen. Er lästert über ihr Essen, ihre Kleidung und ihre Sprache. Immerhin räumt er ein, sie seien tapfer im Kampf, und er lobt, dass sie fromm ihren Zehnten zahlen und der Kirche reichlich geben.

Eine Erfahrung, die zu diesem Urteil passt, erzählt er an anderer Stelle. Bei Lorca, an einem Fluss namens Salado, trafen er und seine Begleiter zwei Navarrer, die am Ufer saßen und ihre Messer schärften. Auf die Frage, ob man das Wasser trinken könne, sagten sie ja. Die Pilger tränkten ihre Pferde, zwei davon starben sofort, und die beiden Männer zogen ihnen auf der Stelle die Haut ab. Der Autor nennt den Fluss tödlich und warnt jeden, daraus zu trinken. Lorca liegt auf deinem Weg nach Estella. Du darfst den Bericht als frühes Beispiel dafür lesen, dass schlechte Erfahrungen auf Reisen schnell zu Urteilen über ganze Völker werden. Heute ist dir in Navarra vermutlich anderes begegnet.

Kriege und Feste

Die Ruhe der Calle Mayor täuscht. Im neunzehnten Jahrhundert stand Puente la Reina in den Karlistenkriegen treu zum Thronanwärter Don Carlos. Bei der Stadt kämpften liberale und karlistische Truppen gegeneinander, und auf dem Hügel San Guillermo, nahe der Einsiedelei Arnotegui, bauten die Liberalen eine Festung, deren Ruinen noch stehen. 1874 schlug der karlistische Thronanwärter sein Hauptquartier in der Stadt auf, bevor er aufbrach, um Estella zu verteidigen.

Heute sind die lautesten Tage im Juli. Vom 24. bis 29. Juli feiert die Stadt ihre Fiestas de Santiago. Wenn du in diesen Tagen ankommst, wirst du merken, dass der Apostel hier nicht nur in der Kirche steht.

Was Puente la Reina dir mitgibt

Morgen früh gehst du die Calle Mayor hinunter und über die Brücke. Am anderen Ufer liegt der Weg nach Estella, und bei Lorca kreuzt du den Fluss, vor dem schon der Codex gewarnt hat. Von hier an gehen alle, die nach Santiago wollen, auf demselben Weg, ob sie in Arles aufgebrochen sind oder in Le Puy, in Saint-Jean oder erst in Pamplona.

Vielleicht ist das das Geschenk dieses Ortes. Eine Königin, deren Namen niemand sicher kennt, hat für Fremde eine Brücke gebaut. Ein Kreuz, dessen Herkunft niemand sicher kennt, hängt am Eingang der Stadt. Und ein schwarzer Jakobus steht seit Jahrhunderten in einer Kirche an der Hauptstraße. Nicht alles muss geklärt sein, damit es trägt. Die Brücke hält seit fast tausend Jahren, und sie fragt nicht, woher du kommst. Nur, ob du hinüber willst.

Übernachten in Puente la Reina

Die von Pilgern am besten bewerteten Unterkünfte in Puente la Reina stehen vorn.

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Angebote in Puente la Reina

Was du vor der nächsten Etappe im Ort findest.

  • Geldautomat
  • Café
  • Geschäft
  • Tabak
  • Arztpraxis
  • Apotheke
  • Brunnen
  • Post
  • Restaurant

Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert November 2025

Caminos durch Puente la Reina

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