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Ort am Jakobsweg

Zwickau

Germany

Unterkünfte
22
Caminos
2
Höhe
267 m

Zwickau ist eine Kreuzung: Hier treffen der Sächsische Jakobsweg und die Via Imperii aufeinander, und beide führen nach Hof. Du kommst über eine Holzbrücke mit einer Wasserleitung von 1535 in die Stadt, gehst am 88 Meter hohen Dom und Schumanns Geburtshaus vorbei. Ein Nachmittag reicht, für Autofans ein halber Tag mehr.

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Wie lange bleiben?

Ein Nachmittag reicht, aber wer Autos liebt, plant einen halben Tag mehr ein. Der Weg führt mitten durch die Altstadt: Dom St. Marien, Hauptmarkt, Robert-Schumann-Haus und Katharinenkirche liegen praktisch an der Strecke, das schaffst du am Ankunftsnachmittag. Das August Horch Museum ist ein eigenes Programm mit rund 160 Fahrzeugen auf 6.500 Quadratmetern. Montags ist es geschlossen, dann reicht der Nachmittag erst recht.

Zwickau in Ninja-Zahlen

  • 214,1 km liegen laut Camino Ninja hinter dir, seit Bautzen. Bis Hof sind es noch 93,9 km. Zwickau ist die letzte große Stadt am Weg vor Hof.
  • 88 Meter misst der Dom St. Marien und ist damit noch immer das höchste Gebäude der Stadt. Kein Wegweiser nötig.
  • 1535 stammt die Wasserleitung, die der Röhrensteg über den Bach trägt. Sie ist 255 Jahre älter als die Brücke selbst.
  • 10 € kostet das Kombiticket für Robert-Schumann-Haus, Priesterhäuser und die Galerie am Domhof, gültig an einem Öffnungstag (Stand: November 2026). Am ersten Mittwoch im Monat ist der Eintritt dort frei.
  • 2 Jakobswege laufen durch Zwickau: der Sächsische Jakobsweg und die Via Imperii. Beide enden in Hof.

Ankommen: dem Wasser nach in die Stadt

Von Oelsnitz kommst du über Reinsdorf, laut Camino Ninja 21,0 km. Hinter den ersten Häusern von Zwickau steigst du zum Reinsdorfer Bach ab und gehst über den Röhrensteg, eine überdachte Holzbrücke in ihrer heutigen Form von 1790. Sie trägt eine Wasserleitung von 1535 aus ausgehöhlten Baumstämmen, die Trinkwasser aus Reinsdorf und Pöhlau in die Stadt bringt. Du läufst also dieselbe Strecke wie das Wasser, nur ein paar Jahrhunderte später.

Über den Muldendamm geht es zur Paradiesbrücke, über die Nicolaistraße zur Katharinenkirche und über den Alten Steinweg zum Hauptmarkt mit Gewandhaus, Rathaus und Schumannhaus, dann zum Dom. Ein schönerer Stadteingang ist auf diesem Weg kaum zu haben.

Kurz erzählt: Silber, Reformation, Kohle, Autos

Zwickau lag an der Handelsstraße von Sachsen nach Böhmen. 1403 brannte die ganze Stadt ab, danach kam der Aufschwung, vor allem nach der Entdeckung der Schneeberger Silbergruben 1470. Ab 1521 war Zwickau evangelisch, und schon 1520/21 predigte Thomas Müntzer an der Katharinenkirche. Aus Zwickau gingen auch die Wiedertäufer hervor.

Danach wurde es dunkel, im wörtlichen Sinn: Bis 1977 wurde hier Steinkohle gefördert. Nach 1900 kam das Auto. Zwickau ist der Geburtsort von Audi, und der Name ist eine Übersetzung: „Audi“ ist der lateinische Imperativ von „horch!“, und Horch hieß der Firmengründer August Horch. Nach dem Zweiten Weltkrieg lief hier der Trabant vom Band, heute baut Volkswagen in Zwickau.

Zwei Jakobswege, ein Ziel

In Zwickau musst du dich entscheiden, aber nicht über das Ziel. Die Via Imperii beginnt ihren Abschnitt durchs Vogtland am Dom St. Marien und führt über Schönfels, Reichenbach und Plauen nach Hof. Der Sächsische Jakobsweg, dem diese Seite folgt, verlässt die Stadt über Brand und geht über Lengenfeld und Treuen ins Vogtland, ebenfalls bis Hof. Zwei Wege, ein Ziel, und in Hof treffen sie sich wieder. Wenn du in Zwickau einen Pilger triffst, der ab morgen eine andere Richtung nimmt: Ihr seht euch womöglich in Hof wieder.

Beim Samstagspilgern 2026 auf dem Sächsischen Jakobsweg war Zwickau Ziel und Start zugleich: Im Juli endete die Etappe am Dom St. Marien, im August ging es an der katholischen Kirche St. Franziskus weiter nach Irfersgrün.

Zwischen Mulde und Dom: was du sehen solltest

Fast alles Wichtige liegt am Weg oder ein paar Schritte daneben. Ohne Rucksack ist die Altstadt in einem Nachmittag gut zu schaffen.

  • Röhrensteg: Die überdachte Holzbrücke über den Reinsdorfer Bach wurde in ihrer heutigen Form 1790 gebaut und im März 2019 vollständig saniert. Die Leitung aus hohlen Baumstämmen stammt von 1535. Für Pilger der erste Gruß der Stadt, und einer, der zeigt, wie lange Menschen schon Wege nach Zwickau gebaut haben.
  • Paradiesbrücke: 1900 als genietete Stahlbrücke über die Mulde gebaut, 69 Meter lang, von der Königin-Marien-Hütte im Stadtteil Cainsdorf. Sie gilt als jüngere Schwester des Blauen Wunders in Dresden. Der Legende nach floh Luther hier vor Franziskanermönchen in ein Wirtshaus, das seitdem „Paradies“ heißt. Belegt ist das nicht, aber die Geschichte passt zu einer Stadt, die schon 1521 evangelisch wurde.
  • Dom St. Marien: Die Kirche geht auf das 12. Jahrhundert zurück und wurde zwischen 1453 und 1565 als spätgotische Hallenkirche vollendet, die barocke Turmhaube kam 1671 bis 1677 dazu. Drinnen stehen der Flügelaltar, der Michael Wolgemut zugeschrieben wird, dem Lehrer Albrecht Dürers, Peter Breuers Beweinung Christi und das Heilige Grab von Michael Hauffner, dazu Taufstein und Kanzel von Paul Speck aus dem 16. Jahrhundert. Für Pilger ist der Dom der Ort, an dem in Zwickau die Wege zusammenlaufen: Hier beginnt die Via Imperii ins Vogtland. Öffnungszeiten haben wir nicht gefunden, frag bei der Nicolai-Kirchgemeinde nach.
  • Katharinenkirche: Eine gotische Kirche mit einem Flügelaltar von Cranach. Hier predigte Thomas Müntzer 1520 und 1521. Du kommst auf dem Weg durch die Nicolaistraße direkt an ihr vorbei.
  • Robert-Schumann-Haus: Am Hauptmarkt wurde Robert Schumann am 8. Juni 1810 geboren. Das Haus ist seit 1956 Museum und besitzt nach eigenen Angaben die weltweit größte Sammlung von Handschriften, Porträts und Besitz von Robert und Clara Schumann. Das Geburtszimmer ist mit Möbeln des Paares eingerichtet. Eintritt 9 €, ermäßigt 7 € (Stand: November 2026).
  • Priesterhäuser: Hier ist das Museum zur Stadtgeschichte untergebracht. Eintritt 7 €, ermäßigt 5 € (Stand: November 2026). Wer die Geschichte der Stadt hinter Dom und Markt verstehen will, ist hier richtig.
  • August Horch Museum: In den historischen Werkhallen, in denen Audi entstand und später DKW und Trabant gebaut wurden, stehen rund 160 Fahrzeuge auf 6.500 Quadratmetern. Audistraße 7, dienstags bis sonntags 9:30 bis 17 Uhr, letzter Einlass 16 Uhr, Eintritt 15 €, ermäßigt 13 € (Stand: November 2026). Für Pilger ein Kontrastprogramm: einen Tag lang zu Fuß, einen Nachmittag lang Motoren.

Essen und Trinken

Die Zwickauer Spezialität ist das Zwickauer Bürgersteak: ein Schweinerückensteak, gefüllt mit Schinken, Gewürzgurke, Zwiebeln und Senf, in einer Eihülle gebraten. Nach 21 Kilometern genau das Richtige.

Ehrlich gesagt

  • Eine Pilgerherberge haben wir nicht gefunden. In der größten Stadt dieses Abschnitts schläfst du in Pension, Apartment oder Hotel, und das kostet mehr als ein Pilgerbett.
  • Eine Stempelstelle konnten wir nicht belegen. Frag in den Kirchen am Weg nach, am besten am Dom oder an der Katharinenkirche, und plan nicht fest damit.
  • Montags ist vieles zu. Das August Horch Museum öffnet nur dienstags bis sonntags.
  • Der Ausgang ist lang. Hinter der Altstadt geht es durch Wohnstraßen, unter dem Eisenbahnviadukt hindurch und über die Hofer Straße und Brand bis zur Stadtgrenze. Das sind städtische Kilometer, bevor du die Stadt hinter dir hast.
  • Die nächste Etappe ist lang. Bis Treuen sind es laut Camino Ninja 31,1 km.

Wo Pilger schlafen

Eine Pilgerherberge, Pfarrherberge oder kirchliche Unterkunft haben wir in Zwickau nicht gefunden. In der Camino-Ninja-Datenbank stehen Pensionen, Apartments und Hotels, viele davon rund um den Hauptmarkt und die Innenstadt, also direkt am Weg. Ein Pilgerpreis ist uns nicht bekannt.

Ninja-Tipps

  • Erster Mittwoch im Monat: Dann ist der Eintritt ins Robert-Schumann-Haus, in die Priesterhäuser und die Galerie am Domhof frei.
  • Kombiticket statt Einzeltickets: Für alle drei städtischen Häuser zahlst du an einem Öffnungstag 10 € (Stand: November 2026). Schumann-Haus allein kostet schon 9 €.
  • Teil die Etappe nach Treuen: 31,1 km sind viel. Lengenfeld liegt laut Camino Ninja 25,0 km hinter Zwickau, Irfersgrün nach 17,6 km.
  • Bleib am Röhrensteg kurz stehen. Die Brücke ist kein Durchgang, sondern ein Denkmal, unter dem seit fast fünfhundert Jahren Wasser in die Stadt fließt.
  • Entscheide dich bewusst: Wenn du nach Plauen willst, ist die Via Imperii dein Weg ab dem Dom. Wer bei den Wegzeichen des Sächsischen Jakobswegs bleibt, geht über Treuen.

Praktische Tipps für Pilger

  • Tourist-Information: Hauptstraße 6, mitten in der Altstadt.
  • An- und Abreise: Zwickau hat Bahnanschluss nach Hof, Dresden und Leipzig.
  • Altstadt ohne Rucksack: Leg ab, dann geh. Dom, Hauptmarkt, Schumann-Haus, Priesterhäuser und Katharinenkirche liegen nah beieinander.

Weiter: 31 Kilometer bis Treuen

Der Sächsische Jakobsweg verlässt die Altstadt über die Innere Plauensche Straße und den Georgenplatz, am Busbahnhof vorbei zum Marienthaler Bachweg, an der Lutherkirche und unter dem Eisenbahnviadukt hindurch zur Hofer Straße mit der Pauluskirche und über Brand bis zur Stadtgrenze. Laut Camino Ninja geht es dann über Rottmannsdorf, Hirschfeld, Irfersgrün, Waldkirchen und Lengenfeld nach Treuen, insgesamt 31,1 km. Bis Hof sind es noch 93,9 km.

Die Via Imperii nimmt ab dem Dom einen eigenen Weg über Schönfels und Reichenbach nach Plauen und Hof.

Morgen erwartet dich

Treuen im Vogtland. Unterwegs wartet Waldkirchen, und an der Strecke liegt der Perlaser Turm bei Treuen. Nach einer Stadt mit Dom, Museen und Fußgängerzone wird es wieder still, und das ist nach Zwickau vielleicht genau richtig.

Tiefer eintauchen: Die Stadt, durch die alles hindurchging

Ein kurzer Text, falls du noch mehr über Zwickau erfahren willst. Etwa vier Minuten Lesezeit.

Über die Brücke in die Stadt

Wer zu Fuß von Osten nach Zwickau kommt, betritt die Stadt über eine Holzbrücke. Der Röhrensteg steht in seiner heutigen Gestalt seit 1790, doch was er trägt, ist älter: eine Wasserleitung aus dem Jahr 1535, gebaut aus ausgehöhlten Baumstämmen, die Trinkwasser aus Reinsdorf und Pöhlau in die Stadt führt. Es ist ein guter Anfang für eine Stadt, durch die immer schon etwas hindurchging. Wasser, Waren, Silber, Ideen, Kohle, Autos und Pilger.

Silber und Feuer

Zwickau lag an der Handelsstraße von Sachsen nach Böhmen, und das machte die Stadt wohlhabend. Im Jahr 1403 brannte sie vollständig ab. Der Wiederaufbau fiel in eine glückliche Zeit, denn 1470 wurden die Silbergruben von Schneeberg entdeckt, und Zwickau erlebte einen Aufschwung. Aus dieser Zeit stammt der Dom St. Marien in seiner heutigen Gestalt. Zwischen 1453 und 1565 wurde er zu einer der bedeutendsten spätgotischen Hallenkirchen Obersachsens vollendet. Der Flügelaltar wird Michael Wolgemut zugeschrieben, in dessen Werkstatt der junge Albrecht Dürer lernte. Dazu kommt die Beweinung Christi von Peter Breuer, eine Gruppe trauernder Figuren um den toten Christus, und daneben das Heilige Grab von Michael Hauffner. Taufstein und Kanzel schuf Paul Speck im sechzehnten Jahrhundert. Zwischen 1671 und 1677 bekam der Turm eine barocke Haube, und heute ist er mit achtundachtzig Metern noch immer das höchste Bauwerk der Stadt. Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts kamen außen an die Strebepfeiler Figuren von Aposteln, Propheten und Männern der Reformation. Wer um den Dom herumgeht, sieht also beide Zeiten nebeneinander, die alte Kirche und die neue Lehre.

Die laute Reformation

In den Jahren 1520 und 1521 predigte an der Katharinenkirche ein Mann namens Thomas Müntzer. Aus der Stadt gingen auch die Wiedertäufer hervor. Zur Paradiesbrücke erzählt man sich eine Legende, nach der Luther selbst hier vor Franziskanermönchen in ein Wirtshaus floh, das seitdem Paradies heißt. Ob das stimmt, ist nicht belegt. Belegt ist, dass die Stadt 1521 die Reformation einführte.

Musik am Markt

Am achten Juni 1810 wurde am Hauptmarkt Robert Schumann geboren. Sein Vater August führte dort eine Buchhandlung und einen Verlag und gilt als Erfinder des Taschenbuchs. Seit 1956, dem hundertsten Todesjahr des Komponisten, ist das Haus ein Museum. Es besitzt nach eigenen Angaben die größte Sammlung von Handschriften, Bildnissen und persönlichen Dingen von Robert Schumann und seiner Frau, der Pianistin Clara Wieck. Das Zimmer, in dem er zur Welt kam, ist mit Möbeln der beiden eingerichtet. Wer abends nach einem langen Tag am Markt sitzt, sitzt also wenige Schritte von dem Zimmer entfernt, in dem Schumann zur Welt kam.

Kohle und Motoren

Das neunzehnte Jahrhundert brachte die Kohle. Bis 1977 wurde in Zwickau Steinkohle gefördert, und aus Zwickau kam auch der Bergbeamte Karl Gottlob Wolf, der das Kohlerevier um Oelsnitz entdeckte, durch das du gestern gegangen bist. Nach 1900 kam das Auto. Zwickau wurde der Geburtsort von Audi, und der Name verrät den Gründer: Audi ist das lateinische Wort für horch, und Horch hieß August Horch. Nach dem Zweiten Weltkrieg rollte in denselben Hallen der Trabant vom Band, nach der Wende kam Volkswagen. In den alten Werkhallen steht heute das August Horch Museum. Die Stadt ist seitdem kleiner geworden. Vor 1989 lebten über hunderttausend Menschen hier, heute sind es um die siebenundachtzigtausend.

Pilger auf der Frankenstraße

Der Sächsische Jakobsweg, auf dem du hierher gekommen bist, folgt einer alten Handelsroute, der Frankenstraße. Sein Abschnitt von Zwickau ins Vogtland wurde im Juni 2013 eröffnet und ist mit der europäischen Jakobsmuschel durchgehend gekennzeichnet. Ein paar Kilometer vor der Stadt, in Reinsdorf, steht eine Kirche, die dem heiligen Jakobus geweiht ist, und aus Reinsdorf kommt auch das Wasser, das über den Röhrensteg in die Stadt fließt. In Zwickau selbst kreuzt die Via Imperii, die alte Reichsstraße, deren Jakobsweg am Dom ihren Weg durchs Vogtland beginnt. Pilgern ist hier keine Erinnerung an das Mittelalter, sondern etwas, das Menschen heute tun. Im Jahr 2026 lud ein Kreis von Kirchgemeinden und dem Verein des Sächsischen Jakobswegs an einem Samstag im Monat zum gemeinsamen Pilgern ein. Im Juli endete eine dieser Etappen am Dom, im August begann die nächste an der katholischen Kirche Sankt Franziskus.

Was Zwickau dir mitgibt

In Zwickau laufen zwei Jakobswege zusammen und wieder auseinander. Die Via Imperii beginnt ihren Weg durchs Vogtland am Dom, der Sächsische Jakobsweg nimmt einen anderen, über Treuen. Beide enden in Hof. Vielleicht ist das die Einladung dieser Stadt: Es gibt nicht nur einen richtigen Weg. Wasser, Silber, Ideen und Autos haben hier jeweils ihre eigene Strecke gefunden. Du findest deine auch, und das Ziel bleibt dasselbe.

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