Camino-Fliesen: die schönsten Wegmarken aus Keramik weltweit
Von der Bretagne über die Schweiz bis Santiago: eine Foto-Weltreise entlang der Fliesen und Azulejos, die den Jakobsweg markieren – und wie man sie liest.
1. Juli 20265 Min. Lesezeit
Die Muschel unter deinen Füßen
Irgendwann auf dem Jakobsweg schaust du zwischen zwei Schritten nach unten – und da ist sie: eine Fliese mit der Jakobsmuschel. Mal ins Pflaster eingelassen, mal in eine Hauswand gesetzt, mal als glasierter Azulejo an einer Kapelle. Auf keinem anderen Fernweg der Welt begegnet dir das Wegzeichen so oft in gebrannter, glasierter Form.
Diese Sammlung ist ein Gemeinschaftswerk der Freunde der Camino-Ninja-App: Pilgerinnen und Pilger aus vielen Ländern haben ihre schönsten Funde fotografiert und uns geschickt – Dutzende Bilder, oft innerhalb weniger Stunden. Daraus ist diese kleine Weltreise entstanden, von der Bretagne über die Schweiz bis vor das Pilgerbüro in Santiago.
Mach mit – schick uns deine Fliese
Diese Seite wächst mit der Community. Alle Fotos hier stammen von Freundinnen und Freunden der Camino-Ninja-App, die ihre Funde mit uns geteilt haben. Hast auch du unterwegs eine schöne Fliese entdeckt und fotografiert? Dann schick sie uns – per E-Mail an info@caminoninja.com – und wir nehmen sie gern in diese Sammlung auf. So wird aus vielen kleinen Entdeckungen nach und nach die schönste Fliesen-Sammlung des Camino.
Fliese, Azulejo, Bronzemuschel – was ist was?
Nicht jede Wegmarke aus Keramik ist gleich. Grob begegnen dir drei Familien:
Azulejos – die blau-weiße (oder bunte) glasierte Keramik, vor allem in Portugal und Spanien. Oft an Kirchen, Brunnen und Hauswänden, manchmal eigens für den Weg gefertigt.
Pflaster- und Bodenfliesen – Platten mit Muschel oder Pfeil, direkt in Gehwege und Plätze eingelassen; typisch in Städten, wo Schilder stören würden.
Bronze- und Messingmuscheln – in Altstädten ins Kopfsteinpflaster gesetzt, dezent und dauerhaft; kein Ton, aber dieselbe Idee.
Wie man eine Camino-Fliese liest
Die Muschel ist mehr als Dekoration – sie ist Wegweiser. Die Rillen laufen strahlenförmig zusammen, und traditionell deutet man das Zusammenlaufen als Richtungshinweis nach Santiago. Nur: einheitlich ist das nicht. Mal zeigt die Muschel mit der schmalen Seite in Gehrichtung, mal genau andersherum, je nach Region und Handwerker. Unter Pilgern ist das ein liebevoll gepflegter Dauerstreit – verlass dich im Zweifel auf den gelben Pfeil, der die Muschel fast überall begleitet.
Zwei Dinge lohnen den Blick nach unten also immer: die Orientierung – und die kleinen Kunstwerke selbst. Los geht die Reise.
Frankreich und die Niederlande
In Morlaix in der Bretagne treffen zwei von der Küste kommende Wege (aus Moguériec und aus Locquirec) zusammen und werden zur Voie de Moguériec. Foto: Emma Delvaux de Fenffe.
In Vézelay, am Beginn der Via Lemovicensis, einem der vier historischen französischen Hauptwege. Foto: Son Ja.
In Chartres, auf dem Weg hinauf zur berühmten Kathedrale. Foto: Norma Inderst.
In Bourges, ebenfalls an der Via Lemovicensis. Foto: Roswitha Kliment.
Kurz vor Thiviers, weiter südlich auf der Via Lemovicensis. Foto: Son Ja.
Bei Périgueux, dieselbe Route, mitten im Périgord. Foto: Son Ja.
In St-Jean-St-Maurice an der Loire, auf dem alten Weg von Cluny nach Le Puy. Foto: Hans-Martin Seubert.
Und ein Ausreißer nach Norden: Vlissingen in den Niederlanden, auf der Via Scaldea entlang der Schelde. Foto: Gabriele Meixner.
Die Schweiz
Vor der Kathedrale von St. Gallen sind schlichte Muschelfliesen ins Pflaster eingelassen. Hier verläuft die Via Jacobi vom Bodensee bis nach Genf. Foto: Dirk Fehse.
In Rapperswil am Zürichsee, ein Knotenpunkt der Via Jacobi durch die Schweiz. Foto: Karin Kuschel.
In Fribourg, mittendrin auf der Via Jacobi. Foto: Brigitte Vuichard-Schwaninger.
Kurz vor Fribourg, dieselbe Route, anderes Motiv. Foto: Thomas Zellweger.
In Genf, wo die Via Jacobi endet und die Via Gebennensis übernimmt – „nur noch 1913 km bis Santiago“. Foto: Jacqueline Smolders.
Auf dem Schwabenweg kurz vor Einsiedeln, am Brünigpass. Die Schweiz ist eben vertikaler als andere Länder – da darf die Fliese auch mal senkrecht an der Wand hängen. Foto: Thomas Zellweger.
Deutschland und Polen
In Telgte in Nordrhein-Westfalen, auf dem Jakobsweg von Bielefeld nach Wesel. Foto: Julia Heinrich.
In Polen bei Olsztyn, auf dem Camino Polaco, der aus dem Baltikum herführt. Foto: Helmut Winkle.
Über die Pyrenäen nach Spanien
In Saint-Jean-Pied-de-Port, dem klassischen Beginn des Camino Francés am Fuß der Pyrenäen. Foto: Carmen Gerbermann.
In Irún, gleich hinter der französisch-spanischen Grenze, wo der Camino del Norte beginnt. Foto: Brigitte Vuichard-Schwaninger.
Nordspanien: Norte, Olvidado und Primitivo
In Bilbao, am Camino del Norte und zugleich am Beginn des einsamen Camino Olvidado. Foto: Sylvio Hoffmann.
In Aguilar de Campoo, tief im „vergessenen“ Camino Olvidado. Foto: Barbara Schörner.
In der Kathedrale von Oviedo, wo sich der Weg in den Camino Primitivo und den Küstenweg teilt. Foto: Andrea Wionski.
In Lugo, hinter der römischen Stadtmauer, auf dem Camino Primitivo. Foto: Sarah Eberhardt.
Und die Kachel im Hintergrund desselben Motivs – ebenfalls in Lugo am Primitivo. Foto: Sarah Eberhardt.
Der Camino Francés
In Obanos, kurz nach dem Zusammenfluss der Wege aus Roncesvalles und Somport. Foto: Karla Bartelmai.
In Navarrete, im Weinland der Rioja. Foto: Brigitte Vuichard-Schwaninger.
In Logroño, der Hauptstadt der Rioja. Foto: Brigitte Vuichard-Schwaninger.
In Carrión de los Condes, mitten in der weiten Meseta. Foto: Andrea Wionski.
In Burgos, eine offenbar frisch verlegte Platte mit noch feuchten Fugen. Foto: Barbara Schörner.
In Burgos, dasselbe Motiv – nur schon trocken. Foto: Thomas Zellweger.
In Ponferrada, der vermutlich feuchteste Wegweiser des Camino Francés. Man munkelt, seine obere Ecke zeige in die falsche Richtung – aber wegen der sprudelnden Frische lassen wir das durchgehen. Foto: Carmen Gerbermann.
In Villafranca del Bierzo, kurz vor dem Anstieg nach O Cebreiro. Foto: Carmen Gerbermann.
Portugal: der Küstenweg
In Porto, am belebten Caminho Português da Costa. Foto: Cory Ko.
In Vila do Conde, weiter nördlich an der Küste. Foto: Peter Eich.
Kurz vor der spanischen Grenze, noch auf dem Caminho Português da Costa. Foto: Susanne Fröller.
In Tui, gleich hinter der Grenze, wo der portugiesische Weg spanischen Boden erreicht.
Bei Caldas de Reis – ein Motiv für alle, die auch mal nach oben schauen. Foto: Viola Zimmermann.
Ankunft in Santiago
In Santiago de Compostela, kurz vor dem Ziel. Foto: Manu Maela.
In Santiago, am Ziel – hier schaut man ohnehin nach oben. Foto: Thomas Zellweger.
Und am Tag danach, in der Schlange vor dem Pilgerbüro, beim Warten auf die Compostela. Foto: Sta Ni.