Camino Inglés
Der Camino Inglés führt auf 114,2 Kilometern in 5–6 Etappen von Ferrol nach Santiago de Compostela — der Weg, auf dem englische, irische und skandinavische Seepilger im Mittelalter an Land gingen: Seine erste Etappe war das Meer. Er ist der einzige Jakobsweg mit Passagierlisten — 781 Schiffslizenzen der englischen Krone zwischen 1235 und 1500 — und heute mit über 30.200 Pilgern (2025) der viertmeistgegangene Weg nach Santiago: die Compostela in einer Urlaubswoche, ohne den Andrang von Sarria.

- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Die erste Etappe war das Meer
- 04Andere Namen
- 05Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 06Streckenverlauf & Landschaft
- 07Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Und danach? Weiterpilgern ab Santiago
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Ferrol (Muelle de Curuxeiras, Kilometer Null) → Santiago de Compostela
- Länge: 114,2 km — damit liegt Ferrol als einziger Startpunkt dieses Weges über der 100-km-Marke für die Compostela
- Höhenmeter: ↗ 2.854 m / ↘ 2.609 m — kein einziger Anstieg über 400 Meter, aber es summiert sich: Die härteste Etappe ist Betanzos–Hospital de Bruma mit 630 Metern aufwärts
- Dauer: 5–6 Tage (5–6 Etappen)
- Wegzeichen: durchgehend gelbe Pfeile und Muschelsteine — die Markierung ist gut, Aufmerksamkeit brauchst du an den Straßenquerungen der Neutrassierung von 2017, nicht an den Wegweisern
- Zweiter Startpunkt: A Coruña (72,8 km) — historisch der große Pilgerhafen, heute unter der 100-km-Marke; seit dem Kapitelbeschluss vom 21.12.2016 gibt es die Compostela ab A Coruña trotzdem: für Einwohner mit Ausweis, für alle anderen über den Celtic Camino (mindestens 25 km auf einem anerkannten Pilgerweg in Irland oder Großbritannien + 75 km ab A Coruña); beide Äste vereinigen sich in Hospital de Bruma
- Zubringer: zu Fuß der Camino del Mar — er endet exakt in Ferrol; per Schiff kamen die Pilger 700 Jahre lang selbst
- Herbergen: Xunta-Albergues in Ferrol (60 Betten), Neda (26) und Hospital de Bruma (22) für je 10 €, dazu municipal und privat — zwischen Bruma und Santiago gibt es keine öffentliche Herberge mehr; der Ferroler Albergue war im August 2026 wegen einer Bettwanzen-Plage geschlossen (Stand: August 2026)
- Pilger: über 30.200 im Jahr 2025 — vierthäufigster Weg nach Santiago, rund 6 % aller Pilger, siebenmal so viele wie 2014
- Charakter: kurzer, welliger Rías-und-Hügelland-Weg mit hohem Asphaltanteil und der dichtesten Aktenlage aller Jakobswege: der einzige Camino mit mittelalterlichen Passagierlisten
Überblick
Der Camino Inglés ist der Weg, auf dem du dort anfängst, wo die mittelalterlichen Pilger ankamen. Sie kamen mit dem Schiff — aus Bristol und Plymouth, aus Irland, Island, Skandinavien und Flandern —, und weil die Mehrheit an Bord englisch war, heißt dieser Weg bis heute nach der Staatsangehörigkeit seiner Passagiere: kein König, kein Heiliger, kein Fluss. Vier Tage brauchte der Eton-Priester William Wey im Mai 1456 von Plymouth nach A Coruña; dann begann das, was du heute gehst: 114,2 Kilometer von der Ría de Ferrol über die Andrade-Brücke von Pontedeume, die gotischen Kirchen von Betanzos und das einsame Hügelland um Hospital de Bruma nach Santiago. Die erste Etappe dieses Weges war das Meer — deine beginnt am Kai, an dem sie endete.
Heute ist der Camino Inglés die seriöseste Abkürzung im ganzen Wegenetz: 5–6 Etappen, durchgehend markiert, drei öffentliche Herbergen für je 10 € — und mit 114,2 Kilometern liegt Ferrol über der 100-km-Marke, die die Kathedrale für die Compostela verlangt. Genau diese Regel hat die Geschichte auf den Kopf gestellt: Im Mittelalter war A Coruña der große Pilgerhafen — Lizenzen, Hospitäler, seit 1448 sogar zwei Pilgermuscheln im Stadtsiegel —, doch sein Ast misst nur 72,8 Kilometer. Also starten heute über neun von zehn Pilgern in Ferrol, dem historisch kleineren Hafen. Über 30.200 Menschen sind diesen Weg 2025 gegangen, siebenmal so viele wie 2014 — Rang vier hinter dem Francés und den beiden portugiesischen Wegen. Er ist damit kein Geheimtipp mehr, aber er ist etwas Selteneres: ein kurzer Weg mit langer Aktenlage.
Die erste Etappe war das Meer
Dieser Weg ist der einzige Jakobsweg mit Passagierlisten. Weil englische Pilger per Schiff reisten und die Krone den Transport lizenzierte, kennen wir Namen, Schiffe und Kopfzahlen: 781 Schiffslizenzen zwischen 1235 und 1500 hat die Historikerin Constance M. Storrs aus den Kronregistern gehoben — rund 5.000 beförderte Pilger im 14. Jahrhundert, rund 14.000 im 15. Die älteste Lizenz von 1235 lief auf Simon of Whitlesgray, 1391 durfte Thomas Norton auf der „George“ unbegrenzt Pilger fahren, 1428 segelten über 4.000 Briten in einem einzigen Jahr. Ein anonymer englischer Vers des 15. Jahrhunderts fasst die Überfahrt zusammen: „Men may leue alle gamys, that saylen to seynt Jamys!“ — wer nach St. James segelt, kann alle Spiele lassen. Und 1417 ging Margery Kempe an Bord, die Mystikerin aus King's Lynn, deren Buch als erste Autobiografie in englischer Sprache gilt: sieben Tage Bristol–Galicien, fünf zurück. Dann das Heilige Jahr 1456: William Wey zählte im Hafen von A Coruña 84 Schiffe, gut dreißig davon englisch — die Krone hatte in jenem Jahr 19 Lizenzen ausgestellt. Die Register sind nicht die Wahrheit, sie sind das Minimum.
Das Ende kam nicht vom Meer, sondern aus einem Schlafzimmer. 1533 annullierte Erzbischof Cranmer die Ehe Heinrichs VIII. mit Katharina von Aragón — derselben Katharina, die 1501 selbst über A Coruña nach Santiago gepilgert war. 1534 erklärte das Parlament den König zum obersten Haupt der englischen Kirche, und mit Rom brach auch dieser Weg: Die Xunta formuliert amtlich, der Konflikt habe die englische Pilgerfahrt beendet und die Route „jahrhundertelang in die Verbannung“ geschickt. 1589 kam Francis Drake mit 120 Schiffen und 17.000 Soldaten und zerstörte in A Coruña das Hospital San Andrés mit seinen 150 bis 180 Pilgerbetten. Erst nahm England dem Weg die Pilger, dann nahm England dem Weg das Bett. Der Rest war Abtragung statt Zerstörung — am besten abzulesen an der Brücke von Pontedeume: 1380–1386 von Fernán Pérez de Andrade, genannt „o Boo“ (der Gute), mit 78 Bögen gebaut, trug sie zwischen Bogen 20 und 21 eine Kapelle und das Hospital do Espírito Santo — ein Pilgerbett mitten über dem Wasser. Das Hospital verschwand 1791–1820, Türme und Kapelle 1843, die Brücke selbst 1863. Heute gehst du über 15 Bögen; der Pilger von 1400 ging über 78 — und konnte auf Bogen 20 einchecken.
Die Rückkehr ist jung und exakt datierbar — und sie besteht aus drei Daten, die ständig verwechselt werden und drei verschiedene Dinge sind. Am 4. September 2014 legte die Xunta mit dem Decreto 110/2014 die amtliche Trasse fest und trug den Weg als „territorio histórico“ ins Kulturerbe-Register ein. Am 21. Dezember 2016 beschloss das Kathedralkapitel die Compostela ab A Coruña — die Celtic-Camino-Regel (dazu unten). Und 2017 wurde die Neutrassierung wirksam, die rund die Hälfte des Itinerars verlegte — unter lautem Protest, weil sie Pilger an Landstraßenschultern und über Querungen der N-651 und AC-542 schickte. Wie viel Vergangenheit dabei unter die Räder kam, hat 2026 der Ingenieur Carlos Nárdiz vorgerechnet: Zwischen A Coruña und Santiago liegen drei Trassen übereinander — der mittelalterliche Weg über Ardemil, Poulo und Buscas, die Kutschenstraße des 18. Jahrhunderts und der heutige Camino, der weitgehend der Kutschenstraße folgt. Sein Fazit: „No se está protegiendo el trazo original“ — die Originaltrasse wird nicht geschützt. Die Pilger stört das erkennbar wenig: Von rund 4.000 im Jahr 2014 auf über 30.200 im Jahr 2025 — Faktor 7 in elf Jahren, während sich der Gesamtmarkt nur verdoppelt hat.
Andere Namen
Auf Galicisch heißt der Weg Camiño Inglés, auf Spanisch Camino Inglés, im Englischen English Way — und in irischen Pilgerkreisen gern Irish Way, weil der irische Anteil an Bord immer überproportional war. Der Name ist eine Mehrheitsbezeichnung, keine Exklusivität: Der offizielle Pilgerführer der Stadt A Coruña zählt neben den Engländern Pilger aus Schottland, Wales, Irland, Deutschland, Frankreich, Skandinavien, Polen, den Niederlanden, von den Färöern und aus Island auf. Er trägt schlicht den Namen der Mehrheit an Bord — der einzige große Jakobsweg, der nach der Staatsangehörigkeit seiner Kundschaft heißt. Für den Zubringer-Verbund aus Irland und Großbritannien hat sich der Begriff Celtic Camino eingebürgert; in England wird seit 2019 ein Finchale Camino Inglés (Finchale Priory – Durham – Bishop Auckland – Escomb) als Vorstrecke geführt, seit 2025 bis Hull verlängert. Amtlich heißt der Weg in Galicien seit dem Decreto 110/2014 Camino de Santiago Inglés und steht als „territorio histórico“ im Kulturerbe-Katalog.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Dieser Weg ist etwas für dich, wenn du eine Woche hast und eine echte Compostela willst: 114,2 Kilometer, fünf bis sechs Etappen, kein Anstieg über 400 Meter, durchgehende Markierung — und am Ende die Kathedrale, ohne den Andrang von Sarria. Ideal auch, wenn dich Rías mehr reizen als Meseta: Die ersten zwei Tage gehören dem Wasser, erst dann dreht der Weg ins Hügelland. Und ideal, wenn du Geschichte magst, die man anfassen kann — Brücke, Grabmal und Kirchen eines einzigen Bauherrn aus dem 14. Jahrhundert stehen hier auf drei verschiedenen Etappen, und du siehst sie alle in derselben Woche.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Asphalt hasst: Der Anteil befestigter Strecke ist hoch — meist verkehrsarme Ortsstraßen und Flurbereinigungspisten, aber Asphalt bleibt Asphalt. Nichts für dich ist er auch, wenn du dich blind auf öffentliche Herbergen verlässt: Zwischen Hospital de Bruma und Santiago gibt es keine Xunta-Herberge mehr, in Sigüeiro bist du auf private Betten angewiesen, und die 60 Betten in Ferrol waren im August 2026 wegen einer Bettwanzen-Plage geschlossen (Stand: August 2026). Solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs. Und wer in A Coruña starten will, weil ihm 73 Kilometer reichen: Das geht — aber nur als Einwohner oder mit dem Celtic-Camino-Nachweis, dazu unten mehr.
Streckenverlauf & Landschaft
Der Weg beginnt am Muelle de Curuxeiras in Ferrol Vello, am Monolithen mit dem Kilometer Null, keine 600 Meter von der Xunta-Herberge — Ferrol selbst ist eine Stadt der Aufklärung, gebaut um das königliche Arsenal, das Ferdinand VI. 1749 anordnete. Die ersten zwei Tage gehören dem Wasser: die Ría de Ferrol landeinwärts nach Neda, wo der Albergue am Platz des alten Pilgerhospitals Sancti Spiritus steht, über den Xubia und via Cabanas nach Pontedeume, wo der Eume in die Ría mündet und die berühmteste Brücke des Weges wartet — heute 15 Bögen, im Mittelalter 78. Weiter über Miño mit seinem langen Strand und Paderne nach Betanzos, der gotischen Stadt am Mandeo: drei Kirchen des 14. und 15. Jahrhunderts auf wenigen hundert Metern.
Ab Betanzos dreht der Weg vom Meer weg und steigt ins Innere: Die Etappe nach Hospital de Bruma ist mit 630 Höhenmetern die längste Steigung des Weges — kaum Dörfer, kaum Bars, dafür Eukalyptus und Mais. In Bruma, auf 470 Metern in der Gemeinde Mesía, treffen die Pilger aus Ferrol auf die aus A Coruña; der Ort heißt nach seiner Funktion: ein für 1175 bezeugtes Pilgerhospital, in Betrieb bis ins 18. Jahrhundert, 1520 übernachtete hier Karl V. Von dort rollt der Weg durch das sanfte Hügelland von Ordes nach Sigüeiro, über die Tambre-Brücke mit ihren fünf romanischen Bögen und dem gotischen Spitzbogen der Andrade — und durchs Industriegebiet am Tambre und Meixonfrío hinauf in die Altstadt von Santiago de Compostela. Insgesamt 30 Ortschaften, 2.854 Höhenmeter aufwärts, 2.609 abwärts.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Sechs Etappen sind die entspannte Aufteilung, fünf gehen auch — der Unterschied liegt fast komplett im ersten Tag und in der Frage, ob du die harte Bruma-Etappe in Presedo teilst. Technisch ist nichts schwierig; der Untergrund ist überwiegend Asphalt auf ruhigen Ortsstraßen, dazwischen Wald- und Feldwege. Anspruchsvoll ist einzig die vierte Etappe — und die Betten-Frage am Ende: In Sigüeiro gibt es nur private Herbergen, im Sommer buchst du dort vor. Die Kilometerangaben tragen „ca.“, weil die Quellen um bis zu drei Kilometer streuen; maßgeblich ist die Trackmessung unserer Routendatenbank: 114,2 km.
- Ferrol → Neda — ca. 15 km — Flach an der Ría, Start am Monolithen am Muelle de Curuxeiras in Ferrol Vello, Übergang über den Xubia. Xunta-Albergue Neda (26 Betten, 10 €) — am Platz des alten Pilgerhospitals Sancti Spiritus.
- Neda → Pontedeume — ca. 13 km — Kurz, dafür die schönste Ankunft des Weges: die Andrade-Brücke, der Torreón, die Altstadt am Eume. Albergue municipal (20 Betten).
- Pontedeume → Betanzos — ca. 20 km — Die erste echte Wellenetappe, Zwischenhalt Miño (Strand, Albergue); Vorsicht an den beiden N-651-Querungen bei Cabanas — eine Hinterlassenschaft der Neutrassierung von 2017.
- Betanzos → Hospital de Bruma — ca. 24 km — Die härteste und einsamste Etappe: ↗ 630 m / ↘ 273 m, kaum Services, am Schluss die nebelanfällige AC-542. Teilbar in Presedo (Albergue municipal). Ziel: Xunta-Albergue Hospital de Bruma (22 Betten, 10 €) — die letzte öffentliche Herberge vor Santiago.
- Hospital de Bruma → Sigüeiro — ca. 24 km — Ab hier gehst du gemeinsam mit den A-Coruña-Pilgern; ruhiges Hügelland durch Ordes, viel Flurbereinigungsasphalt. In Sigüeiro nur private Betten — vorbuchen.
- Sigüeiro → Santiago de Compostela — ca. 16 km — Über die Tambre-Brücke (fünf romanische Bögen + ein gotischer Spitzbogen von Andrade), durchs Industriegebiet und Meixonfrío in die Altstadt.
Wer nur fünf Tage hat, legt die beiden kurzen Auftakt-Etappen zusammen: Ferrol → Pontedeume (ca. 28 km) am ersten Tag, danach wie oben — das ist der übliche Gronze-Schnitt. Wer es entspannter mag, teilt stattdessen die Bruma-Etappe in Presedo: Dann werden aus sechs Etappen sieben, und kein Tag ist länger als 20 Kilometer. Beides funktioniert mit derselben Bettenkette; entscheidend ist nur, dass du die private Übernachtung in Sigüeiro rechtzeitig sicherst.
Highlights am Weg
- Muelle de Curuxeiras, Ferrol — Kilometer Null am Monolithen, mitten im alten Fischerviertel Ferrol Vello; die Stadt selbst ist eine Gründung der Aufklärung um das königliche Arsenal von 1749.
- Neda — der Xunta-Albergue steht am Platz des alten Pilgerhospitals Sancti Spiritus, gleich hinter dem Fluss Xubia: Du schläfst, wo seit Jahrhunderten Pilger schliefen — nur das Gebäude ist von 2002.
- Brücke von Pontedeume — heute 15 Bögen, 1380–1386 von Fernán Pérez de Andrade „o Boo“ mit 78 Bögen gebaut; zwischen Bogen 20 und 21 standen Kapelle und Hospital do Espírito Santo, an den Türmen prangten Bär und Eber der Andrade.
- Betanzos — drei gotische Kirchen auf engstem Raum: Santa María do Azougue (14./15. Jh., seit 1944 Nationaldenkmal), die Igrexa de Santiago mit dem reitenden Jakobus im Tympanon — und San Francisco mit dem Andrade-Grabmal von 1387, das auf einem Bären und einem Eber ruht: eine Komposition ohne Parallele auf der Iberischen Halbinsel.
- Hospital de Bruma — der Ort heißt nach seiner Funktion: ein für 1175 bezeugtes Pilgerhospital, in Betrieb bis ins 18. Jahrhundert; 1520 übernachtete hier Karl V. Heute Treffpunkt beider Wegäste und letzte öffentliche Herberge vor Santiago.
- Tambre-Brücke bei Sigüeiro — fünf romanische Bögen und ein gotischer Spitzbogen, letzterer von Andrade beauftragt; 1846 tobte hier die Schlacht um Sigüeiro.
- Herkulesturm, A Coruña (A-Coruña-Ast) — römischer Leuchtturm des 2. Jahrhunderts, seit 2009 UNESCO-Welterbe; 1448 setzte ihn die Stadt zwischen zwei Pilgermuscheln ins Stadtsiegel — das Wappen eines Pilgerhafens.
- Santiago de Compostela — Kathedrale, Praza do Obradoiro, Pilgerbüro. Wer will, geht weiter zum Kap.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Zu Fuß gibt es genau einen natürlichen Zubringer: den Camino del Mar, der auf 272,4 Kilometern und zwölf Etappen von Castropol über Ribadeo an der galicischen Nordküste entlangläuft — vorbei am Totenheiligtum San Andrés de Teixido — und exakt in Ferrol endet. Er ist selbst die Küsten-Abzweigung des Camino del Norte; wer also aus Irún oder Oviedo kommt und das Meer nicht verlassen will, landet punktgenau an unserem Kilometer Null. Die 100-Kilometer-Bedingung der Kathedrale erfüllen die 114,2 Kilometer ab Ferrol dann ganz allein.
Der zweite Zubringer ist eine Erfindung des 21. Jahrhunderts und heißt Celtic Camino. Weil der A-Coruña-Ast mit 72,8 Kilometern unter der 100-Kilometer-Marke bleibt, beschloss das Kathedralkapitel am 21. Dezember 2016 eine Sonderregelung: Wer mindestens 25 Kilometer auf einem anerkannten Pilgerweg in Irland oder Großbritannien geht und das mit der Celtic Camino Compostela der Camino Society Ireland belegt, darf die 75 Kilometer ab A Coruña dazurechnen. Zehn irische Routen sind anerkannt, zusammen 443 Kilometer — darunter der Kerry Camino auf dem Dingle Way von Tralee nach Dingle: 57 Kilometer, mehr als das Doppelte des Nötigen. Damit ist dies der einzige Jakobsweg, bei dem eine Wanderung in Kerry offiziell auf dein spanisches Kilometerkonto zählt. (Einwohner von A Coruña brauchen nur ihren Ausweis — die Stadt hat sich ihr historisches Startrecht zurückgeholt.)
Und danach? Weiterpilgern ab Santiago
Streng genommen endet dieser Weg dort, wo alle enden: an der Kathedrale. Wenn dir nach fünf oder sechs Etappen aber noch etwas fehlt — auf kurzen Wegen passiert das öfter als auf langen —, geht es hinter Santiago weiter auf dem Camino a Fisterra, rund 90 Kilometer ans Ende der Welt. Historisch schließt sich damit ein Kreis: Die englischen Seepilger kamen über das Meer und fuhren über das Meer zurück — wer ihnen nachgeht, darf sich das Meer noch einmal zu Fuß holen.
Vorbereitung & Praktisches
Der Camino Inglés ist logistisch der freundlichste kurze Weg Galiciens — mit zwei Haken. Der erste ist das Wetter: Atlantik heißt Regen, ganzjährig; rechne nüchtern mit ein, zwei Schauern pro Woche, auch im August. Wasserdichte Jacke, Rucksackhülle und ein zweites Paar Socken sind keine Vorsicht, sondern Ausstattung. Der zweite Haken sind die Betten: Die Xunta-Albergues in Ferrol (60 Betten), Neda (26) und Hospital de Bruma (22) kosten je 10 €, nehmen keine Reservierungen an, verlangen die Credencial und lassen dich eine Nacht bleiben, Auszug bis 8 Uhr. Zwischen Bruma und Santiago gibt es keine öffentliche Herberge mehr — in Sigüeiro buchst du privat, im Sommer vorher. Zur ehrlichen Lage gehört: Der Ferroler Albergue war wegen einer Bettwanzen-Plage geschlossen, ohne genanntes Wiedereröffnungsdatum, und Neda entsprechend früh am Morgen voll (Stand: August 2026) — prüfe das kurz vor der Abreise nach und halte für Ferrol eine private Reserve bereit.
Die Markierung ist gut: gelbe Pfeile und Muschelsteine, durchgehend. Aufmerksamkeit brauchst du an den Straßen, nicht an den Wegweisern — die Neutrassierung von 2017 hat rund die Hälfte des Itinerars verändert und dabei Abschnitte an Landstraßenschultern und über Querungen der N-651, EP-0105, AC-542 und N-550 gelegt. Die AC-542 vor Bruma führt über 10.000 Fahrzeuge am Tag, ist zwei Kilometer schnurgerade und nebelanfällig: Reflektorweste ins Gepäck, und an diesen Stellen das Handy in die Tasche.
Die Papierfrage ist auf diesem Weg besonders klar geregelt: Für die Compostela brauchst du 100 zu Fuß gegangene Kilometer und zwei Stempel pro Tag — ab Ferrol ist das mit 114,2 Kilometern erledigt, ab A Coruña brauchst du den Einwohner-Ausweis oder den Celtic-Camino-Nachweis. Die Credencial bekommst du in Ferrol im Pilgerbüro unter den Arkaden am Paseo da Mariña und in der Konkathedrale; am besten bestellst du sie schon vorab online, damit sie rechtzeitig zum Start bei dir ist. Und plane deine Tagesetappen vorher durch, weil die Bettenkette (Sigüeiro!) die Etappen bestimmt — am einfachsten gelingt das direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.
Was dich der Weg kostet
Rechne mit 35 bis 45 € pro Tag, wenn du sparsam unterwegs bist, und mit 65 bis 90 € mit Doppelzimmer und Restaurant (Stand: August 2026). Die Xunta-Albergues kosten einheitlich 10 € inklusive Einweg-Bettwäsche, der Albergue municipal in Pontedeume liegt bei rund 5 bis 6 €, private Herbergsbetten bei 14 bis 22 €, eine Pensión oder ein Doppelzimmer bei 35 bis 65 €. Das Menú del peregrino — Vorspeise, Hauptgang, Nachtisch, Brot und Wein — liegt bei 11 bis 14 €, das Frühstück an der Bar bei 3 bis 5 €. Weil der Weg nur fünf bis sechs Tage dauert, bleibt das Gesamtbudget angenehm klein: grob 200 bis 270 € sparsam, 390 bis 540 € komfortabel — plus An- und Abreise. Wer den Rucksack transportieren lässt, zahlt 6 bis 12 € pro Etappe; nötig ist das hier kaum, denn kein Tag ist länger als 24 Kilometer. Die Credencial kostet nach der Cabildo-Vorgabe höchstens 2 € und ist an vielen Stellen kostenlos, die Compostela in Santiago ist frei.
Anreise
Ferrol ist mit rund 71.000 Einwohnern die dritte Stadt der Provinz A Coruña und gut erreichbar — der Startpunkt am Muelle de Curuxeiras liegt wenige Minuten von Bahnhof und Busstation. Mit der Bahn kommst du direkt aus A Coruña oder mit dem Alvia aus Madrid in rund fünfeinhalb Stunden; aus Santiago, Vigo und Ourense mit einem Umstieg. Mit dem Bus fährt Arriva von A Coruña im dichten Takt, Monbus mehrmals täglich aus Santiago und Vigo, ALSA täglich aus Madrid (Stadt und Flughafen) sowie international. Der nächste Flughafen ist A Coruña–Alvedro (52 km, rund eine Stunde nach Ferrol); für die Rückreise ist Santiago–Lavacolla die praktische Wahl, weil du dort ohnehin ankommst.
Und dann gibt es die Anreise, die zu diesem Weg am besten passt: gar keine — jedenfalls keine motorisierte. Wer zu Fuß kommt, kommt über den Camino del Mar, der direkt am Kilometer Null endet; historisch die authentischste Variante bleibt ohnehin das Meer, denn 700 Jahre lang begann dieser Weg mit einer Schiffspassage von vier bis sieben Tagen. Du kommst heute mit dem Zug statt mit der Kogge — aber du beginnst am selben Kai.
- Anreise zum Start: Bahn nach Ferrol (direkt aus A Coruña, Alvia aus Madrid ca. 5,5 h); Busse von Arriva (A Coruña), Monbus (Santiago, Vigo), ALSA (Madrid, international); Flughafen A Coruña–Alvedro (52 km).
- Rückreise ab Santiago: Flughafen Santiago–Lavacolla (Bus ins Zentrum alle 30 Minuten, ca. 3 €), dazu Bahn- und Busanschluss in alle Richtungen.
- A-Coruña-Ast: Wer die Celtic-Camino-Variante geht, reist nach A Coruña an — Flughafen Alvedro, Bahnhof und Fernbusse direkt in der Stadt; ab dort 75 km über Hospital de Bruma nach Santiago.
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