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Camino del Mar

Der Camino del Mar ist die lange Küsten-Antwort auf den Camino del Norte: 272,4 km von Castropol in Asturien über die Steilküste Nordgaliciens nach Ferrol — vorbei an der Praia das Catedrais, mitten durch das Totenheiligtum Santo André de Teixido und unter dem Vixía Herbeira entlang, mit 615 Metern die höchsten Steilklippen des kontinentalen Europa. Er endet nicht an einer Anschlussstelle, sondern an einer Startlinie: In Ferrol beginnt der Camino Inglés, 112,5 km vor Santiago — die 100-km-Regel ist damit allein erfüllt. Seit Juni 2021 kirchlich anerkannt; auf die Xunta wartet der Trägerverein seit 2010.

18. August 202623 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Castropol (Asturien, Ría de Ribadeo) → Ferrol (A Coruña) — dem Startpunkt des Camino Inglés
  • Länge: 272,4 km
  • Höhenmeter: ↗ 4.536 m / ↘ 4.576 m — das sind nur 16,7 pro Kilometer: pro Kilometer flacher als der Camino Inglés (24,8); dieser Weg fordert nicht mit Steigung, sondern mit der Summe aus zwölf Küstentagen — die eine Ausnahme ist der Anstieg auf die Serra da Capelada
  • Dauer: 10–12 Tage (12 Etappen; Variante mit 13)
  • Wegzeichen: gelbe Pfeile, die der Trägerverein zweimal im Jahr nachmalt; bis Ladrido läufst du zusätzlich auf dem staatlich beschilderten Camino Natural da Ruta do Cantábrico — danach wird es dünn, ein GPS-Track ist Pflichtausrüstung
  • Zubringer: der Camino del Norte — er läuft durch Castropol und Ribadeo hindurch, die Abzweigung liegt gleich hinter der Altstadt von Ribadeo; direkt: die Meterspurbahn Ferrol–Oviedo
  • Anschluss: in Ferrol beginnt der Camino Inglés — 112,5 km bis Santiago, die 100-km-Regel für die Compostela ist damit allein erfüllt; gesamt ab Castropol rund 385 km
  • Status: kirchlich anerkannt (Kathedralkapitel Santiago, Juni 2021), die Compostela gibt es — die Xunta-Anerkennung steht trotz einstimmiger Parlamentsaufforderung von 2010 aus (Stand: August 2026)
  • Charakter: fast pilgerleere Steilküsten-Langstrecke — Rías, Fischereihäfen, die höchsten Klippen Kontinentaleuropas und ein Totenheiligtum mitten auf der Trasse; keine einzige Pilgerherberge zwischen Ribadeo und Ferrol, Vorbuchen ist Pflicht, nicht Empfehlung

Überblick

Der Camino del Mar beginnt einen Tag vor seiner eigenen Entscheidung: in Castropol, auf der asturischen Seite der Ría de Ribadeo, wo man Eonaviego spricht — den Übergangsdialekt zwischen Galicisch und Asturisch — und am ersten Morgen über das Wasser auf das Land schaut, durch das man die nächsten zwölf Tage gehen wird. Über die Puente dos Santos kommst du nach Ribadeo, und dort fällt sie dann: Der Camino del Norte biegt landeinwärts nach Mondoñedo ab — du bleibst am Meer. 272,4 Kilometer lang: vorbei an den 30-Meter-Felsbögen der Praia das Catedrais, an der 925 geweihten Basilika San Martiño de Mondoñedo, durch die Fischereihäfen von Burela, San Cibrao und Celeiro, nach Viveiro hinein und wieder hinaus, an der Steilküste von Loiba entlang und hinauf auf die Serra da Capelada, wo der Vixía Herbeira mit 615 Metern die höchsten Steilklippen des kontinentalen Europa stellt — und mitten hindurch durch Santo André de Teixido, das Heiligtum, zu dem jeder Galicier einmal muss, lebend oder tot. Danach das Kap Punta Candieira, Cedeira, die Lagunen von Valdoviño — und zuletzt der Bogen in die Ría von Ferrol.

Und Ferrol ist die eigentliche Pointe: Dieser Weg endet nicht an einer Anschlussstelle, er endet an einer Startlinie. Ferrol ist der klassische Startpunkt des Camino Inglés, aus einem sehr nüchternen Grund: Von Ferrol sind es 112,5 Kilometer nach Santiago, von A Coruña nur 74 — nur Ferrol erfüllt die 100-Kilometer-Regel für die Compostela. Die Rechnung des Umwegs machen wir dir ehrlich auf: Ab Ribadeo hätte der Norte noch 193,2 km bis Santiago; der Camino del Mar braucht ab dort rund 259 — und zwar nur bis Ferrol. Wer von Castropol bis Santiago durchgeht, kommt auf rund 385 Kilometer. Das Meer ist das einzige Argument dieses Umwegs, und es reicht. Anerkannt ist der Weg halb: Seit Juni 2021 stellt das Kathedralkapitel von Santiago seinen Pilgern die Compostela aus; die Xunta lässt ihn trotz einstimmiger Parlamentsaufforderung von 2010 bis heute warten (Stand: August 2026). Mit rund 200 Compostelas im Jahr bist du hier tagelang der einzige Mensch mit Muschel am Rucksack.

1391 vermacht, 1456 gezählt, 2021 anerkannt

Das älteste Schriftstück dieses Weges ist ein Nachlass. 1391 verfügt eine Adlige aus Viveiro in ihrem Testament: „Iten mando yr por min en romaria a Santo Andre de Teixido, porque llo tenno prometudo“ — ferner befehle ich, für mich nach Santo André de Teixido zu wallfahren, denn ich habe es ihm versprochen. Auf der langen Küstenlinie ist dieser Satz keine Fußnote mehr, sondern eine Wegbeschreibung: Ihr Wohnort ist das Ziel deiner Etappe 5, das Heiligtum das Ziel deiner Etappe 9 — deine Etappen 6 bis 9 sind eine Testamentsvollstreckung zu Fuß, mit gut 630 Jahren Verzug. Und das Ziel ist der Ort, über den ganz Galicien denselben Satz sagt: „A San Andrés de Teixido vai de morto o que non foi de vivo“ — dorthin geht als Toter, wer nicht als Lebender ging. Wer sich drückt, kommt der Überlieferung nach als Eidechse, Kröte oder Schlange wieder, weshalb man auf dem Weg nach Teixido kein Tier tötet: Es könnte eine Seele auf ihrer letzten Wallfahrt sein. Der Camino del Mar erledigt die Sache im Vorbeigehen — Santo André de Teixido ist hier kein Abstecher, sondern Wegpunkt: Zwischen Cariño und Cedeira führt die Trasse mitten hindurch, vorbei an den Amilladoiros, den Steinhaufen am Zugang, die am Jüngsten Tag aussagen sollen, wer sein Gelübde eingelöst hat. Leg deinen Stein dazu.

Der Jakobus-Unterbau dieses Weges liegt nicht im Boden, sondern im Hafen — und er ist gezählt. 1456 notierte der englische Pilger William Wey im Hafen von A Coruña „84 barcos de todas las naciones del norte“ — 84 Schiffe aus allen Nationen des Nordens; für das 15. Jahrhundert schätzt der Historiker Ilja Mieck 8.000 bis über 35.000 Seepilger im Jahr, und Ribadeo war neben A Coruña und Padrón einer der drei Haupt-Anlandehäfen dieser maritimen Santiago-Pilgerfahrt. An Land stand die Infrastruktur bereit: bis zu sechs Pilgerhospitäler in Viveiro (so zählt sie der Cicerone-Führer), ein 1531 dokumentiertes Hospital gegenüber der Apsis von San Martiño de Mondoñedo — jener 925 geweihten Basilika, die als „älteste Kathedrale Spaniens“ gilt und deren romanische Fresken erst 2008 unter dem Kalk hervorkamen. Eines aber sagen wir dir lieber, als es zu beschönigen: Ein Pilgerzeugnis, das die Küste von Ribadeo bis Ferrol als durchgehenden Weg beschreibt, existiert nicht. Die Belege sind punktuell — Häfen, Hospitäler, ein Teixido-Gelübde. Der durchgehende Weg ist eine Rekonstruktion des 21. Jahrhunderts aus historischen Bausteinen, und genau das sollst du wissen.

Gebaut hat ihn ein Verein: die Asociación Amigos do Camiño do Mar, gegründet am 10.12.2013 nach Vorarbeiten seit 2007. Das galicische Parlament forderte die Xunta schon im März 2010 einstimmig zur Anerkennung auf — passiert ist nichts, und Vereinspräsident Manuel Vicente sagt dazu den Satz, der die Lage vollständig beschreibt: „No entendemos cómo el Camino de Invierno fue reconocido rápidamente y el nuestro lleva más de quince años esperando“ — wir verstehen nicht, wie der Camino de Invierno so schnell anerkannt wurde und unserer seit über fünfzehn Jahren wartet. Die Kirche war schneller als der Staat: Seit Juni 2021 erkennt das Kathedralkapitel von Santiago den Camino del Mar an, die Compostela wird ausgestellt. Zwei Dinge gehören ehrlich dazu. Erstens publiziert der Träger unter demselben Namen zwei Linien — die kurze, direkte nach Neda (rund 187 km) auf seiner aktuellen Website, die lange Küstenlinie bis Ferrol auf seinen Partnerportalen: Das hier ist die lange, die einzige mit Teixido und der Capelada. Zweitens deckt die offizielle Stempelkette der fünfzehn Concellos nur Ribadeo bis Neda/Narón ab — in Castropol stempelst du, wo Norte-Pilger stempeln, in Ferrol beim Tourismusbüro. Praktisch entschärft beides die Geographie selbst: Weil der Weg an der Startlinie des Inglés endet, erfüllen dessen 112,5 Kilometer die 100-km-Regel ganz allein — egal, wie ein Prüfer die 272 davor bewertet.

Andere Namen

Auf Galicisch heißt der Weg Camiño do Mar, auf Spanisch Camino del Mar — so nennt ihn sein Trägerverein, so steht er auf der Credencial. International liest du oft Ruta do Mar, seit der Cicerone-Verlag den Namen 2019 in den Titel des einzigen englischsprachigen Führers hob („The Camino Inglés and Ruta do Mar“); gelegentlich auch Camino de la Costa Norte oder schlicht „die Küstenvariante des Norte“. Wichtiger als die Namen sind die zwei Linien dahinter: Unter demselben Namen kursieren eine kurze, direkte Trasse (rund 187 km in acht Etappen, Ribadeo → Neda) und die lange Küstenlinie bis Ferrol — die hier beschriebene, die einzige, die Santo André de Teixido und die Serra da Capelada wirklich mitnimmt. Der Vereinspräsident selbst beharrt darauf, dass es nur einen dokumentierten, gebilligten Weg gibt: „El Camino del Mar, sólo hay uno.“ Zwei Verwechslungen solltest du außerdem vermeiden. Der Camiño Natural da Ruta do Cantábrico ist ein staatlich gebauter Wanderweg (154 km, Ribadeo → Ladrido, eröffnet 2017) — kein Jakobsweg, aber über weite Strecken dieselbe Trasse und der Grund, warum die erste Wegehälfte so gut beschildert ist. Und der Camino dos Faros ist der andere galicische Küsten-Kultweg — er liegt an der Costa da Morte südwestlich von Santiago: ein Verwandter, kein Abschnitt.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Dieser Weg ist etwas für dich, wenn du schon einen Camino hinter dir hast und den nächsten ohne Warteschlange am Waschbecken willst: rund 200 Compostelas im Jahr, 26 Nationalitäten — das ist die ganze Größenordnung. Du solltest zwölf Tage am Stück gehen können und Ausdauer höher schätzen als Drama, denn die Höhenmeter-Zeile liest sich härter, als sie ist: 4.536 Meter auf 272,4 Kilometern sind 16,7 pro Kilometer — pro Kilometer ist dieser Weg flacher als der Camino Inglés (24,8), an den er dich am Ende übergibt. Dafür bekommst du eine Küste, die sonst niemand zu Fuß sieht — die Felsbögen der Catedrais, den nördlichsten Zipfel Spaniens in Reichweite, die höchsten Steilklippen des kontinentalen Europa und ein Totenheiligtum mitten auf der Trasse — und eine Absicherung, die kein anderer unserer Wege hat: Die Küstenbahn hält an fast jedem Etappenort. Aussteigen geht immer.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du dein Bett spontan am Nachmittag suchst, auf durchgehende gelbe Pfeile angewiesen bist oder mit 30 Euro am Tag rechnest: Zwischen Ribadeo und Ferrol gibt es keine einzige Pilgerherberge, es gibt Abschnitte von bis zu 40 Kilometern ohne Versorgung, und hinter Ladrido hängt die Markierung an den Pfeilen, die ein Verein zweimal im Jahr nachmalt. Solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs. Und wer die soziale Seite des Camino sucht — abends zwanzig Pilger an einem Tisch —, findet sie erst in Ferrol, wo der Camino Inglés sie serienmäßig liefert.

Streckenverlauf & Landschaft

Du startest in Castropol, dem weiß getünchten Städtchen über der asturischen Seite der Ría, wo der Eo ins Meer geht und die Leute Eonaviego sprechen, den Übergangsdialekt zwischen Galicisch und Asturisch — und gehst über die Puente dos Santos gleich am ersten Tag in dein Zielland hinüber. In Ribadeo drehst du nach Westen statt nach Süden. Die ersten Tage laufen über Strandketten und Kliffkante: das Fischerdorf Rinlo, die Praia das Catedrais mit ihren 30-Meter-Bögen, die Ría de Foz mit San Martiño de Mondoñedo. Ab Burela und San Cibrao wird die Küste maritim und arbeitsam — Fischereihäfen, die Aluminiumhütte, die Porzellanfabrik von Sargadelos —, dann öffnet sich die Ría de Viveiro, und mit Viveiro betrittst du die historische Mitte dieses Weges: Stadttore, Klöster, einst bis zu sechs Pilgerhospitäler.

Hinter O Vicedo und O Porto do Barqueiro kippt der Charakter. Du bist am nördlichsten Ende Spaniens — die Estaca de Bares, wo Atlantik und Kantabrisches Meer aufeinandertreffen, liegt als Abstecher vor dir —, und ab hier geht es nur noch um Fels: die Steilküste von Loiba, dann Santa Marta de Ortigueira und Cariño, und schließlich der Anstieg auf die Serra da Capelada — geologisch eine versunkene Vulkaninsel, auf der Erdmantelgestein aus über 70 Kilometern Tiefe offen zutage liegt, seit 2023 UNESCO Global Geopark. Der Vixía Herbeira stellt hier mit 615 Metern die höchsten Steilklippen des kontinentalen Europa, und mittendrin, zwischen Klippenkante und Ginster, duckt sich Santo André de Teixido. Danach das Kap Punta Candieira, der Abstieg nach Cedeira, die Lagunen und Dünenstrände von Valdoviño — und zuletzt der Bogen in die Ría de Ferrol, über Montefaro, das Castelo de San Felipe und Brión hinein nach Ferrol, die Marinestadt, in der der Camino Inglés beginnt.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Rechne mit zwölf Etappen zwischen 13 und 34 Kilometern — 10 bis 12 Gehtage, je nachdem, ob du die längste teilst. Die Höhenmeter klingen erst einmal gewaltig, sind es aber pro Kilometer nicht: 4.536 Meter auf 272,4 Kilometer sind 16,7 pro Kilometer — der Camino Inglés kommt auf 24,8. Der Camino del Mar ist also pro Kilometer flacher als der Weg, an den er dich übergibt; was ihn schwer macht, ist die Summe: zwölf Tage, keine Herberge, wenig Versorgung, und ein Untergrund, der ständig wechselt — Küstensenda, Waldweg, Sandpiste, Ortsdurchfahrt, Asphalt. Die eine Ausnahme ist Etappe 9 von Cariño auf die Serra da Capelada: von Meereshöhe auf über 600 Meter Klippenkante, der größte Einzelanstieg des ganzen Weges — Pilgerberichte nennen einzelne Passagen „montañero“, Bergwandergelände. Und wie auf allen herbergslosen Wegen gilt: Dein Etappenziel bestimmt nicht deine Kondition, sondern die Frage, wo ein Bett steht.

  1. Castropol → Ribadeo — ca. 13 km — Kurzer Auftakt auf der asturischen Seite der Ría, über die Puente dos Santos hinüber nach Galicien. Eonaviego-Sprachgrenze im Rücken, Torre dos Moreno vor der Nase — gleich hinter der Altstadt von Ribadeo zweigst du vom Camino del Norte ab.
  2. Ribadeo → San Cosme de Barreiros — ca. 26 km — Über das Fischerdorf Rinlo und die Praia das Catedrais (Voranmeldung in der Semana Santa und vom 1.7. bis 30.9.!). Bögen bis 30 Meter, danach Strandkette.
  3. San Cosme de Barreiros → Foz — ca. 21 km — Milder Tag an der Ría de Foz. Pflichtstopp: San Martiño de Mondoñedo, 925 geweiht, „älteste Kathedrale Spaniens“, mit den ältesten romanischen Fresken Galiciens.
  4. Foz → San Cibrao — ca. 23 km — Über Burela, den größten Fischereihafen der Strecke, und an Sargadelos vorbei. Ziel ist die Halbinsel von San Cibrao mit dem Museo Provincial do Mar und den Farallóns der Maruxaina vor der Nase.
  5. San Cibrao → Viveiro (Celeiro) — ca. 28 km — Der längste Tag der ersten Hälfte, über Xove in die Ría de Viveiro. Viveiro ist die historische Hauptstadt dieses Weges: Porta de Carlos V (1548), einst bis zu sechs Pilgerhospitäler — und Heimat der Frau, die 1391 ihre Teixido-Wallfahrt testamentarisch delegierte.
  6. Viveiro → O Vicedo — ca. 21 km — Die Ría hinaus und nach Norden — der Übergangstag, bevor die Küste wild wird.
  7. O Vicedo → O Porto de Espasante — ca. 18 km — Über O Porto do Barqueiro an der kleinsten Ría Galiciens. Von hier lohnt der Abstecher zur Estaca de Bares, dem nördlichsten Punkt Spaniens, mit dem spätrömischen Hafendamm O Coído. Danach die Steilküste von Loiba mit der berühmtesten Fehlübersetzung Galiciens.
  8. O Porto de Espasante → Cariño — ca. 28 km — Über Santa Marta de Ortigueira; bei Ladrido endet der staatlich gebaute Camino Natural — ab hier trägt die Markierung allein der Verein.
  9. Cariño → Santo André de Teixido — ca. 21 km — Die Königsetappe: hinauf auf die Serra da Capelada, vorbei am Vixía Herbeira (615 m), den höchsten Steilklippen des kontinentalen Europa, mitten durch den UNESCO-Geopark Cabo Ortegal. Am Ende des Tages stehst du in Santo André de Teixido — nicht als Ausflügler, sondern als jemand, der zu Fuß gekommen ist.
  10. Santo André de Teixido → Cedeira — ca. 17 km — Kurz, aber spektakulär: über das Kap Punta Candieira und den Klippenzug hinunter nach Cedeira. Unterwegs der Strand von Teixidelo mit seinem weltweit einzigartigen schwarzen, nicht-vulkanischen Sand.
  11. Cedeira → Valdoviño — ca. 22 km — Ruhigerer Küstenabschnitt, Lagunen und Dünenstrände, weiterhin im Geoparkgebiet.
  12. Valdoviño → Ferrol — ca. 34 km — Der längste Tag zum Schluss: über Montefaro, das Castelo de San Felipe und Brión in die Ría de Ferrol hinein. Am Strand von Doniños landeten 1800 die Briten mit 109 Schiffen — und kamen nicht weiter. In Ferrol endet der Camino del Mar direkt an der Startlinie des Camino Inglés.

Wer nach elf Tagen keinen 34er mehr will, teilt die Schlussetappe: Valdoviño → Covas (ca. 21 km) und Covas → Ferrol (ca. 13 km) — Covas hat Betten, und aus zwölf Etappen werden dreizehn. Überhaupt verzeiht dieser Weg Planänderungen wie kein zweiter: Die Meterspurbahn Ferrol–Oviedo hält in Ribadeo, Foz, Burela, San Cibrao, Viveiro, O Vicedo und Ortigueira — abbrechen, überspringen, in Abschnitten gehen: alles ohne Taxi möglich. Die kritischste Buchung des ganzen Weges bleibt trotzdem Santo André de Teixido: Der Wallfahrtsort hat nur sehr wenige Betten, und Cariño davor ist auch nicht groß.

Highlights am Weg

  • Castropol — weiß getünchtes Städtchen über der Ría, mit der Capilla del Campo (15. Jh.), Palästen des 16.–18. Jahrhunderts und dem Eonaviego als Alltagssprache. Ehrlich gesagt: Der Track beginnt hier einen Tag vor der Vereinslinie — auf der asturischen Seite, dort, wo auch der Camino del Norte entlangkommt.
  • Torre dos Moreno, Ribadeo — die Brüder Moreno Ulloa kehrten als Indianos aus Argentinien zurück und ließen sich von Julián García Núñez, einem Gaudí-Schüler, einen modernistischen Turm an den Hauptplatz setzen. Die Rückkehr über See, in Stein.
  • Praia das Catedrais — amtlich Praia de Augas Santas, Naturdenkmal seit 2005: Felsbögen und Tunnel bis 30 Meter Höhe auf 2,2 Kilometern Kliffkante. In der Semana Santa und vom 1. Juli bis 30. September brauchst du eine kostenlose Voranmeldung — ein Kuriosum: Du meldest dich an, um an deiner eigenen Etappe vorbeizukommen.
  • San Martiño de Mondoñedo (Foz) — 925 von San Rosendo geweiht, deshalb „älteste Kathedrale Spaniens“; BIC seit 1931, Basilica minor seit 2007. Bei der Restaurierung 2008 kamen unter dem Kalk die ältesten romanischen Fresken Galiciens hervor. Im Pfarrmuseum: Grab, Ring und der 1,45 m lange Bischofsstab des San Gonzalo — des Bischofs, dessen Kniefall der Legende nach Normannenschiffe versenkte.
  • Sargadelos (Cervo) — die Ruinen der Real Fábrica von 1791, der ersten Hochofen-Eisenfabrik Spaniens, und die kreisrunde Keramikmanufaktur von 1970 auf demselben Gelände: Die Kanonenkugeln des Königs und das blau-weiße Porzellan aus dem Museumsshop stammen aus derselben Erde.
  • San Cibrao und die Maruxaina — vor der Halbinsel liegen die Schäreninseln Os Farallóns, Heimat der Maruxaina: Sirene, die Seeleute ins Verderben singt, oder gütige Alte, die vor Stürmen warnt — die Fischer sind sich bis heute uneins. Am zweiten Samstag im August fahren Männer mit Hörnern und Nebelhörnern hinaus, um ihren Gesang nicht zu hören, und holen sie zum Gran Xuízo Popular an Land. Sie wird immer freigesprochen.
  • Viveiro — erstmals 857 urkundlich, drei erhaltene Stadttore, darunter die Porta de Carlos V von 1548 mit dem Kaiserwappen; die Semana Santa mit ihren 15 Prozessionen ist seit 2013 Fiesta de Interés Turístico Internacional. Und hier wurde 1391 das Testament unterschrieben, das der älteste Beleg dieses Weges ist.
  • Estaca de Bares — der nördlichste Punkt Spaniens, wo nach amtlicher Lesart Atlantik und Kantabrisches Meer aufeinandertreffen; über 280.000 Zugvögel im Jahr, dazu der 292 Meter lange spätrömische Hafendamm O Coído. Bis 1978 betrieb hier die US Coast Guard eine Funkstation — der Nordzipfel war immer Horchposten.
  • Die Bänke von Loiba — 2009 stellte der Mechaniker Rafael Prieto zwei Bänke an die Steilküste, 2010 schnitzten schottische Festivalmusiker „The best bank of the world“ hinein: gemeint war die Steilküste („bank“), geblieben ist die Sitzbank. Ein Weg, dessen berühmtester Satz ein Übersetzungsfehler ist.
  • Vixía Herbeira und der Geopark Cabo Ortegal — 615 Meter, die höchsten Steilklippen des kontinentalen Europa, mit der 2003 restaurierten Garita de Herbeira aus dem frühen 19. Jahrhundert. Seit dem 24.05.2023 UNESCO Global Geopark: Die Serra da Capelada war einst eine Vulkaninsel, und hier liegt Erdmantelgestein aus über 70 Kilometern Tiefe an der Oberfläche — du gehst über den ältesten Untergrund der Halbinsel.
  • Santo André de Teixido — das Heiligtum, zu dem man geht, bevor man muss: „A San Andrés de Teixido vai de morto o que non foi de vivo.“ Seit dem 12. Jahrhundert belegt, 1196 an den Johanniterorden; dazu die Amilladoiros, die Herba de namorar und die acht Brotfiguren der Sanandresiños. Große Romería am 8. September — und auf diesem Weg kein Abstecher, sondern Etappenziel.
  • Teixidelo — der Strand unterhalb der Capelada mit schwarzem Sand nicht-vulkanischen Ursprungs — laut Geopark weltweit einmalig. Schwarzer Sand ohne Vulkan: Auch das kann nur diese Küste.
  • Punta Candieira — das Leuchtturmkap zwischen Teixido und Cedeira, der letzte große Felsauftritt der Capelada, bevor der Weg zur Ría von Cedeira abfällt.
  • Castelo de San Felipe und das Finale von 1800 — im Jahr 1800 setzte eine britische Flotte von 109 Schiffen Truppen am Strand von Doniños ab, auf deiner letzten Etappe — und scheiterte am Festungsgürtel der Ría de Ferrol. Ein Pilgerweg, der auf einer Festungslinie endet — auf der Seite, die gehalten hat.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Der natürliche Zubringer ist der Camino del Norte. Er läuft auf seinem Weg nach Galicien genau durch Castropol und überquert bei der Puente dos Santos die Ría nach Ribadeo — wer aus Irún, Bilbao oder Gijón kommt, trifft dort nur eine Entscheidung: landeinwärts über Lourenzá und Mondoñedo weiter auf dem Norte, 193,2 km bis Santiago — oder am Meer bleiben: rund 259 km bis Ferrol, plus die 112,5 des Camino Inglés. Der Umweg ans Meer kostet dich knapp 180 zusätzliche Kilometer, und er hat genau ein Argument: das Meer. Wem das als Argument reicht, dem reicht es vollständig.

Wer nicht auf dem Norte kommt, reist direkt an — einfacher, als die Lage vermuten lässt: Castropol und Ribadeo liegen beide an der Meterspurstrecke Ferrol–Oviedo, dazu gibt es Busverbindungen nach Lugo, A Coruña und Oviedo. Historisch ist die direkte Anreise sogar die authentischste: Ribadeo war einer der drei Haupt-Anlandehäfen der maritimen Santiago-Pilgerfahrt — wer im 15. Jahrhundert aus England oder Flandern kam, betrat Galicien genau hier, vom Schiff aus. Du kommst heute mit dem Zug statt mit der Kogge, aber die Richtung stimmt.

Weiterpilgern?

Der Camino del Mar endet nicht in Santiago — er endet in Ferrol, und das ist keine Schwäche, sondern seine beste Idee: Ferrol ist der klassische Startpunkt des Camino Inglés. Von dort sind es 112,5 Kilometer nach Santiago, von A Coruña nur 74 — nur Ferrol erfüllt die 100-Kilometer-Regel für die Compostela. Dein Küstenweg lädt dich also nicht irgendwo ab, sondern stellt dich exakt an die Startlinie. Fünf bis sechs Etappen über Neda, Pontedeume, Betanzos, Bruma und Sigüeiro bringen dich zum Obradoiro — gut markiert, mit öffentlichen Herbergen und wieder mit Gesellschaft; in Neda stehen die Reste des mittelalterlichen Pilgerhospitals Sancti Spiritus und die Xunta-Herberge von 2002. Nach zwölf Tagen Pensionswirtschaft ist das ein Systemwechsel: Ab Ferrol bist du wieder im klassischen Camino-Betrieb.

Für die Compostela ist die Rechnung auf dieser Linie besonders bequem: Die 112,5 Kilometer des Inglés erfüllen die 100-km-Regel ganz allein — unabhängig davon, wie ein Prüfer die 272,4 davor bewertet. Sammle trotzdem durchgehend Stempel: Fünfzehn Concellos zwischen Ribadeo und Neda haben eigene Camiño-do-Mar-Stempel anfertigen lassen; in Castropol stempelst du, wo Norte-Pilger stempeln, in Ferrol beim Tourismusbüro oder in der Inglés-Herberge. Von Castropol bis Santiago summiert sich das Ganze auf rund 385 Kilometer — und am Ende steht die Urkunde, für die vor 600 Jahren ganze Flotten den Atlantik überquerten.

Vorbereitung & Praktisches

Die beste Zeit ist Mai bis Anfang Oktober — wobei diese Küste auch im Hochsommer einregnen kann wie anderswo im April: Die Regenjacke ist Grundausstattung, nicht Option. Nimm Wasser und Proviant für ganze Tage mit, besonders für die Capelada zwischen Cariño und Cedeira — es gibt Abschnitte von bis zu 40 Kilometern ohne Versorgung. Und wenn du in der Semana Santa oder zwischen dem 1. Juli und dem 30. September an der Praia das Catedrais vorbeikommst, holst du dir vorher online die kostenlose Zutrittsgenehmigung — ja, wirklich: Anmeldung für die eigene Etappe.

Lade den GPS-Track und verlass dich nicht auf Pfeile. Bis Ladrido bei Ortigueira läufst du weitgehend auf dem 2017 eröffneten, staatlich gebauten Camiño Natural da Ruta do Cantábrico und bist hervorragend geführt; danach hängt alles an den gelben Pfeilen, die der Verein zweimal im Jahr nachmalt — es gibt Pilgerberichte, die auf ganzen Abschnitten keinen einzigen gefunden haben. Die zweite Pflicht ist das Bett: keine einzige Pilgerherberge zwischen Ribadeo und Ferrol. Du übernachtest zwölf Tage lang in Pensionen, Hostales und Casas Rurales — vorbuchen, in den kleinen Orten stehen oft nur zwei oder drei Häuser, und die zwei heikelsten Nächte sind Cariño und Santo André de Teixido. Solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs.

Wie auf allen Jakobswegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial) — für diesen Weg gibt es eine offizielle, von der Oficina de Peregrinaciones der Diözese Santiago ausgegebene Ausgabe, erhältlich über die Jakobus-Vereine; unterwegs stempelst du an den fünfzehn eigens angefertigten Concello-Stempeln von Ribadeo bis Neda. Die digitale Credencial existiert, aber der Träger selbst rät noch davon ab — zu wenige registrierte Stempelstellen. Am besten bestellst du den Ausweis schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist. Und plane deine Tagesetappen vorher durch, weil die Unterkünfte dünn gesät sind und die Etappen sich nach den Betten richten müssen — am einfachsten gelingt das direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.

Was dich der Weg kostet

Rechne mit 55 bis 85 € pro Tag (Stand: August 2026) — dieser Weg ist teurer als ein klassischer Camino, und der Grund ist einfach: Es gibt kein Herbergsnetz. Zwischen Ribadeo und Ferrol schläfst du in Pensionen, Hostales und Casas Rurales, mit 35 bis 55 € im Einzelzimmer und 45 bis 75 € im Doppelzimmer; je nach Saison nennen Portale für die Region bis zu 90 €. Billig wird es erst wieder am Ziel: Die Inglés-Herbergen in Ferrol und Neda liegen bei rund 10 €. Beim Essen bist du dagegen im Vorteil: Das Menú del Día liegt hier bei 12 bis 16 €, und du läufst durch die Fischereihäfen von Burela, San Cibrao und Celeiro, wo Fisch das Günstigste auf der Karte ist. Über zwölf Etappen landest du je nach Stil bei grob 700 bis 1.000 € ohne An- und Abreise. Immer mehr Häuser geben Pilgerrabatt, wenn du die Credencial zeigst — fragen kostet nichts. Die Credencial selbst kostet wenige Euro, die Compostela in Santiago ist frei, die Reservierung für die Praia das Catedrais auch.

Anreise

Startpunkt ist Castropol im äußersten Westen Asturiens, direkt gegenüber von Ribadeo — und dieser Weg hat einen Anreise-Luxus, den sonst keiner unserer Wege hat: eine eigene Eisenbahn, die Start und Ziel verbindet. Die Meterspurstrecke Ferrol–Oviedo (die frühere FEVE, heute von Renfe betrieben) läuft praktisch parallel zur Trasse und hält in Ribadeo, Foz, Burela, San Cibrao, Viveiro, O Vicedo, Ortigueira und Ferrol. Du kannst anreisen, abbrechen, eine Etappe überspringen oder in Abschnitten pilgern, ohne je ein Taxi zu brauchen — langsam ist sie, aber landschaftlich einer der schönsten Zugabschnitte Spaniens, und praktischerweise eine Vorschau auf deine ersten Etappen.

Mit dem Flugzeug landest du in A Coruña, Santiago de Compostela oder Asturias/Oviedo — Oviedo liegt am selben Bahnstrang wie die Ría de Ribadeo. Mit dem Bus verbinden ALSA, Monbus und Arriva Ribadeo und die asturische Küste mit Lugo, A Coruña, Santiago und Oviedo; Castropol erreichst du von Ribadeo über die Puente dos Santos in wenigen Minuten. Die Rückreise ist die bequemste Seite dieses Weges: Ferrol hat Bahn- und Busanschluss nach A Coruña und Santiago — und wer den Camino Inglés anhängt, braucht die Rückreise ohnehin erst am Obradoiro. Wer zu Fuß kommt, kommt auf dem Camino del Norte: Er führt durch Castropol und Ribadeo hindurch.

  • Anreise zum Start: Flug nach A Coruña, Santiago oder Asturias/Oviedo; Meterspurbahn Ferrol–Oviedo (Ex-FEVE) bis Ribadeo, von dort über die Puente dos Santos nach Castropol; Fernbusse (ALSA, Monbus, Arriva) aus Lugo, A Coruña, Santiago und Oviedo.
  • Rückreise ab Ferrol: Bahn- und Busanschluss nach A Coruña und Santiago — wer auf dem Camino Inglés weitergeht, reist ohnehin erst ab Santiago zurück.
  • Zwischeneinstieg: Die Küstenbahn hält an fast jedem Etappenort — wer nur die Königsetappen um Teixido will, steigt in Viveiro oder Ortigueira ein.
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