Camino Olvidado
Der „vergessene“ Jakobsweg: rund 494 Kilometer von Bilbao am Südfuß der Kantabrischen Berge bis nach Cacabelos im Bierzo – eine der ältesten Routen überhaupt, heute herrlich still.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen der Weg ideal ist – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Campo de Santiago – wo der Apostel selbst erschienen sein soll
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
- 14Wegträger
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Bilbao → Cacabelos
- Länge: 493,6 km
- Höhenmeter: ↗ 10.465 m / ↘ 9.992 m
- Dauer: rund 18–22 Tage
- Markierung: gelbe Pfeile, durchgehend, aber dünn – GPS-Track empfohlen
- Andere Namen: Viejo Camino de Santiago, Camino de la Montaña
- Charakter: stiller historischer Bergweg am Südfuß der Kantabrischen Kordillere
Überblick
Der Name sagt alles: Der Camino Olvidado – „der vergessene Weg“ – war zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert eine der Hauptrouten nach Santiago, als die Meseta noch unsicher war und Pilger den Schutz der Berge suchten. Erst als der Camino Francés im 12. Jahrhundert zur bestens organisierten Hauptachse wurde, geriet die alte Bergroute in Vergessenheit.
Heute ist genau das ihr Trumpf: Von Bilbao zieht sich der Weg durch das Bergland von Burgos, die Montaña Palentina und die Täler Nord-Leóns bis nach Cacabelos im Bierzo – gut 494 Kilometer mit über 10.000 Höhenmetern, auf denen du oft tagelang keinem anderen Pilger begegnest. Am Ende wartet der Anschluss an den Camino Francés, rund 200 Kilometer vor Santiago.
Andere Namen
- Spanisch: Camino Olvidado, Viejo Camino de Santiago, Camino de la Montaña
- Deutsch: der „vergessene Weg“
- Englisch: Forgotten Way
„Olvidado“ heißt vergessen – vergessen wurde der Weg aber nur von der Geschichte, nicht von den Dörfern an seiner Strecke, die ihn seit gut einem Jahrzehnt gemeinsam wiederbeleben.
Für wen der Weg ideal ist – und für wen eher nicht
Ideal, wenn du Einsamkeit, Berge und Geschichte suchst und schon weißt, wie man mit dünner Infrastruktur umgeht. Der Olvidado ist die stille Alternative zwischen Küstenweg und Francés – mit Kreuzungspunkten, an denen du jederzeit auf andere Routen wechseln kannst.
Weniger geeignet, wenn du Herbergsleben und Pilgergesellschaft willst: Echte Albergues gibt es nur wenige (etwa Cistierna, La Robla, Fasgar), sonst Casas Rurales – für Alleinreisende oft teuer. Dazu kommen ein hoher Asphaltanteil (Pilgerberichte sprechen von 60–70 %), lange Etappen bis 37 Kilometer und eine Markierung, die ohne GPS-Track stellenweise zu dünn ist.
Streckenverlauf & Landschaft
Aus Bilbao führt der Weg durch die grünen Hügel der Encartaciones nach Balmaseda mit seiner mittelalterlichen Brücke und weiter durch das Valle de Mena nach Espinosa de los Monteros – hinein ins Hochland von Burgos. Über die Hochflächen am Ebro-Stausee erreicht er Aguilar de Campoo, die Hauptstadt der palentinischen Romanik, und Cervera de Pisuerga am Rand der Montaña Palentina.
Dann folgt der lange Marsch durch die Vorberge Leóns: Guardo, Cistierna (wo der Camino Vadiniense kreuzt), Boñar und La Robla, wo der Weg den Camino San Salvador schneidet. Durch die stillen Täler der Omaña – UNESCO-Biosphärenreservat – steigt er nach Fasgar und über das legendäre Campo de Santiago nach Igüeña, bevor er durch das Weinland des Bierzo Ponferrada passiert und in Cacabelos auf den Camino Francés trifft.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Rund 494 Kilometer, gut 10.000 Höhenmeter, 18–22 Gehtage: Der Olvidado ist Mittelgebirge, kein Hochgebirge – aber die Etappen sind lang (20 bis 37 km) und die Versorgung dünn. Eine bewährte Grobgliederung:
- Bilbao → Balmaseda (2 Etappen) – Encartaciones, erste Hügel hinter der Großstadt
- Balmaseda → Espinosa de los Monteros (2 Etappen) – Valle de Mena, Übergang nach Burgos
- Espinosa → Aguilar de Campoo (3 Etappen) – Hochflächen am Ebro-Stausee
- Aguilar → Cervera de Pisuerga (1 Etappe) – Romanik-Land der Montaña Palentina
- Cervera → Guardo (1 Etappe) – Bergbau- und Bergdörfer
- Guardo → Cistierna (2 Etappen) – Puente Almuhey; Kreuzung mit dem Camino Vadiniense
- Cistierna → La Robla (2 Etappen) – Boñar, Vorberge; Kreuzung mit dem Camino San Salvador
- La Robla → Fasgar (3 Etappen) – hinein in die Omaña-Täler
- Fasgar → Igüeña (1 Etappe) – über das Campo de Santiago, der Höhepunkt des Weges
- Igüeña → Cacabelos (2–3 Etappen) – Congosto, Ponferrada, Weinberge des Bierzo
Campo de Santiago – wo der Apostel selbst erschienen sein soll
Zwischen Fasgar und Colinas del Campo liegt auf einem einsamen Hochfeld der erzählerische Kern des ganzen Weges: das Campo de Santiago. Der Legende nach erschien hier im Jahr 981 der Apostel Santiago höchstpersönlich, um die Christen in der Schlacht gegen die Mauren zu unterstützen – eine kleine Ermita erinnert bis heute daran, und das Nachbardorf trägt den Kampf im Namen: Colinas del Campo de Martín Moro Toledano, nebenbei der längste Ortsname Spaniens.
Die Etappe über das Campo gilt als die schönste der ganzen Route – und als Sinnbild für ihren Charakter: Von Fasgar nach Colinas sind es zu Fuß gerade einmal 12 Kilometer, mit dem Auto dagegen 79 Kilometer Umweg durchs Gebirge. Hier oben ist der Weg tatsächlich noch das, was er vor tausend Jahren war.
Dass der Olvidado wieder begehbar ist, verdankt er den Dörfern selbst: Seit gut einem Jahrzehnt treiben die Anrainer-Gemeinden gemeinsam Markierung, Herbergen und Bekanntheit voran – die alte Dorfschule von Fasgar ist heute die Pilgerherberge „La Escuela“, und die Pilgerzahlen wachsen Jahr für Jahr.
Highlights am Weg
- Bilbao – Altstadt, Guggenheim und der Start an der Ría
- Balmaseda – mittelalterliche Puente Viejo, erste Vizcaya-Stadt
- Espinosa de los Monteros – Stadt der königlichen Leibwächter („Monteros“)
- Aguilar de Campoo – Hauptstadt der palentinischen Romanik
- Montaña Palentina – Bärenland um Cervera de Pisuerga
- Cistierna & La Robla – Kreuzungspunkte mit Vadiniense und San Salvador
- Omaña-Täler – UNESCO-Biosphärenreservat, kaum besiedelt
- Campo de Santiago – Legendenort der Apostel-Erscheinung von 981
- Ponferrada – Templerburg am Rand des Bierzo
- Cacabelos – Weinort am Camino Francés, das Ziel
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Der natürliche Zubringer ist der Camino del Norte: Er führt mitten durch Bilbao, und wer die Küste gegen die Berge tauschen will, biegt hier einfach auf den Olvidado ab. Auch als Fortsetzung einer früheren Nordweg-Etappe ist Bilbao der perfekte Wiedereinstieg.
Unterwegs docken zwei weitere Wege an: In La Robla kreuzt der Camino San Salvador (León → Oviedo), in Cistierna der Camino Vadiniense aus Kantabrien – beide erlauben einen Wechsel in Richtung Oviedo oder zum Francés.
Weiterpilgern?
In Cacabelos mündet der Olvidado direkt in den Camino Francés – von hier sind es noch rund 200 Kilometer über O Cebreiro nach Santiago de Compostela. Wer es noch stiller mag, wechselt in Ponferrada auf den Camino de Invierno, die winterfeste Alternative durch das Sil-Tal. So oder so: Die Compostela ist dir sicher, die letzten 100 Kilometer läufst du auf markiertem Hauptnetz.
Vorbereitung & Praktisches
Die beste Zeit ist Mai bis Oktober; im Hochsommer können die Täler heiß und Wasserstellen rar werden – Brunnen gibt es in den Dorfkernen. Höhere Abschnitte tragen bis ins Frühjahr Schnee.
Übernachtet wird in den wenigen Herbergen und vor allem in Casas Rurales und Pensionen – unbedingt vorab anrufen, viele Häuser vermieten sonst nur komplett. Wie auf allen spanischen Wegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial) für Stempel und Herbergen und am Ende die Compostela – am besten vorab online bestellen. Lade dir den GPS-Track, besonders für den Abschnitt um die Peñacorada. Deine Etappen und Unterkünfte planst du am einfachsten direkt in der Camino Ninja App, in der du beides gleich zusammen einteilst.
Was dich der Weg kostet
Rechne mit 45–70 € pro Tag (Stand: August 2026): Die wenigen Herbergen sind günstig, aber Casas Rurales kosten allein schnell 40–60 € pro Nacht – zu zweit oder zu dritt wird der Weg deutlich billiger. Verpflegung in Dorfbars und kleinen Läden ist preiswert, aber nicht überall vorhanden.
Anreise
Startpunkt ist Bilbao – internationaler Flughafen, Bahn- und Fernbusknoten. Wer pilgernd anreist, kommt auf dem Camino del Norte direkt durch die Stadt.
- Anreise nach Bilbao: Flughafen BIO mit Direktflügen aus dem deutschsprachigen Raum, Bahn (renfe.com) und Fernbusse mit ALSA (alsa.es)
- Rückreise ab Cacabelos/Ponferrada: Bahnhof Ponferrada mit Direktzügen nach Madrid (renfe.com), Busverbindungen im Bierzo
- Etappeneinstiege: Aguilar de Campoo, Guardo und La Robla sind per Bahn/Bus erreichbar
Wegträger
Getragen wird die Wiederbelebung von den Anrainer-Gemeinden entlang der Strecke, die sich seit gut einem Jahrzehnt gemeinsam um Markierung, Herbergen und Sichtbarkeit kümmern, unterstützt von lokalen Jakobsweg-Vereinen in Bizkaia, Kastilien-León und dem Bierzo. Die Route ist durchgehend mit gelben Pfeilen markiert; offizielle Etappeninfos bündelt die Initiative auf viejocaminoolvidado.com.
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