Alle Caminos

Moravian-Silesian Way

Von der schlesischen Grenze bei Krzanowice quer durch Mähren bis an die österreichische Grenze hinter Mikulov: 277,1 Kilometer über das Niedere Gesenke, die Haná-Ebene, den Mährischen Karst und zum Schluss über den Pálava-Kamm — der längste der sechs tschechischen Jakobswege und das Mittelstück einer Kette, die von Oberschlesien lückenlos bis an die Donau führt.

21. August 202618 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: polnisch-tschechische Grenze bei Krzanowice/Strahovice → Grenzübergang Mikulov–Drasenhofen (die letzte Stadt, Mikulov, liegt 3,6 km vor dem Ziel)
  • Länge: 277,1 km — der längste der sechs tschechischen Jakobswege
  • Höhenmeter: ↗ 3.771 m / ↘ 3.819 m — 13,6 m/km, ein knappes Viertel weniger als der Camino Francés; höchster Punkt 678,8 m im Nízký Jeseník, tiefster 165,2 m am Stausee Nové Mlýny
  • Dauer: 10–13 Tage (12 Etappen; die ersten sieben sind die offiziellen des Trägers)
  • Wegzeichen: keine eigene Markierung — seit 2018 eine blau-gelbe Jakobsmuschel auf den Wegweisern des Klub českých turistů; mit der Camino Ninja App bist du sicher
  • Träger: ULTREIA z. s., der Verein tschechischer Jakobspilger (gegründet 2008); Credencial 110 Kč
  • Zubringer: zwei polnische Jakobswege enden genau hier — die Droga Śląsko-Morawska an km 0, die Droga Raciborska in Opava (km 17,5); beide zweigen von der Via Regia Polska ab
  • Anschluss: in Mikulov beginnt der Weinviertler Jakobsweg nach Krems an der Donau — nahtlos, am selben Grenzübergang; ab der Grenze bleiben laut Träger 3.193 km bis Santiago
  • Charakter: zwei Mittelgebirgsblöcke, zwei Ebenen, ein steiler Schlusstag über die Pálava; Pensionen statt Pilgerherbergen — Reservieren ist Pflicht, nicht Empfehlung

Überblick

Sechs Jakobswege betreut der tschechische Pilgerverein ULTREIA z. s., und dieser ist der längste: 277,1 Kilometer von der polnisch-tschechischen Grenze zwischen Krzanowice und Strahovice quer durch ganz Mähren — über Opava, das Niedere Gesenke, Olomouc, den Mährischen Karst und Brno bis an die österreichische Grenze hinter Mikulov. Er beginnt, wo im Mittelalter eine Zollkammer stand, und endet an einem Schlagbaum: zwei Grenzen, 277 Kilometer — und die erste ist älter als die zweite. Dazwischen liegt das Mittelstück einer Kette, die inzwischen lückenlos ist: Von Norden kommen zwei polnische Zubringer aus dem Netz der Via Regia herüber, in Mikulov übernimmt der Weinviertler Jakobsweg — von Oberschlesien bis an die Donau reißt die Muschel nicht mehr ab.

Das Gelände ist gnädiger, als 3.771 Höhenmeter klingen: 13,6 Höhenmeter pro Kilometer — ein knappes Viertel weniger als auf dem Camino Francés. Nur sind sie ungerecht verteilt: Drei Viertel des Anstiegs stecken in drei Blöcken — Niederes Gesenke, Drahaner Bergland, Pálava —, dazwischen breiten sich Haná-Ebene und Schwarza-Aue aus, in denen du kilometerweit gar nicht steigst. Die beste Zahl des Weges ist dabei fast eine Frechheit: Sein flachster Abschnitt (1,7 Höhenmeter pro Kilometer) und sein steilster (42,4) liegen nur 24 Kilometer auseinander — der härteste Anstieg kommt am letzten Tag. Zuerst zwei Tage Flussaue, dann eine Kalksteinwand. Und noch zwei Dinge solltest du vor dem Packen wissen: Dieser Weg hat keine eigene Markierung und keine klassischen Pilgerherbergen — wie du trotzdem gut durchkommst, steht weiter unten, ehrlich aufgeschrieben.

1997 ausgegraben, 2008 gegründet, 2018 markiert — und an der Grenze stehen noch 3.193 km

Dieser Weg hat keine Gründungsurkunde, keinen Bischofsbrief, kein Königsprivileg — und sein polnischer Trägerverein tut nicht so, als hätte er welche. Er legt drei Indizien auf den Tisch und nennt sie selbst so. Erstens die Handelsstraße: Im alten Polen, schreibt er, hielten sich die Compostela-Pilger an die ausgetretenen Handelswege, und einer davon führte über Mähren nach Süden. Zweitens das Zollamt: „Jedna z nich istniała tuż przy granicy Polsko-Czeskiej w Krzanowicach“ — eine der mittelalterlichen Zollkammern stand direkt an der Grenze bei Krzanowice, exakt dort, wo heute dein Kilometer 0 liegt. Drittens die Muschel: Am 16. September 1997 fanden Archäologen in Racibórz eine Jakobsmuschel, datiert auf das 13. bis 14. Jahrhundert — heute im Museum ausgestellt, 13 Kilometer nördlich deines Startpunkts, am polnischen Zubringer. Der Träger formuliert vorsichtig: „Kolejnym śladem może być muszla św. Jakuba“ — eine weitere Spur mag sie sein. Genau diese Zurückhaltung ist die Stärke: Ein Weg, der mit einem Zollamt und einer ausgegrabenen Muschel argumentiert statt mit erfundenen Urkunden, hat mehr Substanz als mancher mit Legende.

Einen Pilger, der nachweislich diesen Korridor ging, kann dir niemand nennen — auch das sagen wir lieber, als einen zu erfinden. Was die tschechische Seite stattdessen hat, ist ein Augenzeuge am Ziel: Václav Šašek z Bířkova, ein böhmischer Reisender des Spätmittelalters, erreichte Santiago und hielt fest, was man ihm in der Kathedrale zeigte: „Potom nám byla ukázána hůl, o kterou se světec opíral na svých cestách“ — danach wurde uns der Stab gezeigt, auf den sich der Heilige auf seinen Wegen stützte. Der Satz ist auf Tschechisch überliefert, und er ist der Personenanker des ganzen tschechischen Netzes. Das Fundament dazu steht in der Fläche: Von den mehr als 2.000 Jakobskirchen Europas steht laut ULTREIA über ein Zwanzigstel in Böhmen und Mähren — mehr als hundert. Drei davon passierst du auf diesem Weg: in Hradec nad Moravicí (km 27,8), in Guntramovice (km 73,7) und mitten in Brno (km 213,8). Und der Träger untertreibt dazu auf die sympathischste Art: Die Tschechen, schreibt er, waren unter den Santiago-Pilgern immer nur ein unbedeutender Anteil — und trotzdem nicht wenige.

Die jüngere Geschichte ist präzise datiert, und sie ist eine Dankesgeschichte: 2008 beschloss eine Gruppe tschechischer Pilger auf dem Heimweg von einer Camino-Etappe, dem Weg, der ihnen so viel gegeben hatte, etwas zurückzugeben — und gründete ULTREIA. 2018 folgte der pragmatischste Schachzug: eine formale Vereinbarung mit dem Klub českých turistů, dank derer die tschechischen Jakobswege „modrožlutou mušlí na turistických rozcestnících“ markiert sind — mit einer blau-gelben Muschel auf den Wegweisern des Wandervereins. Kein eigenes Wegzeichen, keine eigenen Pfosten: Die Muschel wohnt zur Untermiete. Und ganz am Ende, an der Grenze hinter Mikulov, hat der Verein die Gesamtrechnung gleich selbst aufgemacht: „Od hranice s Rakouskem zbývá poutníkovi ještě 3193 km“ — von der Grenze zu Österreich bleiben dem Pilger noch 3.193 Kilometer. 277 gegangen, 3.193 offen. Ehrlicher hat selten ein Weg sein eigenes Ende beschriftet.

Andere Namen

Auf Tschechisch heißt dieser Weg Moravskoslezská svatojakubská cesta — Mährisch-Schlesischer Jakobsweg —, kurz Moravskoslezská trasa. Er ist einer von sechs Jakobswegen, die der Verein ULTREIA z. s. in Tschechien betreut, und mit 277,1 Kilometern der längste der Familie; der kürzeste, der Zittau Way, startet ganz im Norden des Landes. Die polnischen Nachbarn führen ihre Anschlusswege unter eigenen Namen — Droga Śląsko-Morawska und Droga Raciborska —, und weil deren Trägerverein den ganzen Korridor gern in einem Zug denkt, liest du dort auch von der Idee eines Weges „von Racibórz nach Wien“. Bei den Kilometern begegnen dir drei Zahlen: Das offizielle Faltblatt nennt 255 km — eine Altangabe, die du getrost vergessen kannst. Die Website des Trägers nennt 276,5 km, unsere Messung am aktuellen GPS-Track ergibt 277,1 km — 0,2 Prozent Differenz, das ist Messrauschen: derselbe Weg. Wir bleiben bei 277,1.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Dieser Weg ist etwas für dich, wenn du gut zwei Wochen Zeit hast und einen Fernweg willst, der Mittelgebirge und Ebene sauber abwechselt — und der dich durch zwei Städte schickt, die kaum jemand auf einem Jakobsweg erwartet: Olomouc bei km 114 und Brno bei km 214, beide groß genug für einen Ruhetag, und in beiden läuft die Trasse an der Kathedrale vorbei statt um sie herum — Wenzelsdom wie Petrov liegen direkt am Weg. Ideal auch, wenn du Stille nicht nur erträgst, sondern suchst: Wie viele Pilger hier gehen, weiß niemand — es gibt keine Statistik, keinen Zähler, nur eine Bettenliste. Und wenn du gern mit einem Paukenschlag ankommst: Der letzte Tag geht über den Kalkkamm der Pálava, den steilsten Abschnitt des ganzen Weges, und entlässt dich in eine Weinstadt.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du eine durchgehende eigene Wegmarkierung erwartest — die gibt es nicht. Du folgst rot, blau, gelb oder grün markierten Wanderwegen des Klub českých turistů, auf deren Wegweisern seit 2018 eine blau-gelbe Muschel klebt, und musst diese Logik lesen können; die Camino Ninja App ist deine Rückversicherung — sie hat die komplette Route an Bord. Nichts für dich ist er auch, wenn du dich auf Pilgerherbergen verlassen willst: Es gibt sie nicht. Es gibt Pensionen, Autocamps, Hostels, ein Kloster-Gästehaus, eine Berghütte und ein privates Betten-Netzwerk — und zwischen km 146 und km 174, mitten im härtesten Abschnitt, steht in der offiziellen Liste gar nichts. Solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs.

Streckenverlauf & Landschaft

Du startest an einem Grenzstein zwischen Krzanowice in Polen und Strahovice in Tschechien — dort, wo im Mittelalter Handelsware nach Mähren verzollt wurde. 17 flache schlesische Kilometer bringen dich nach Opava, dann dreht der Weg nach Südwesten ins Tal der Moravice: Bei km 28 stehen in Hradec nad Moravicí eine Jakobuskirche und ein Schloss, in dem Beethoven und Liszt zu Gast waren — direkt neben der Trasse. Danach steigt es ernsthaft: über die Talsperre Kružberk hinauf ins Niedere Gesenke, den Nízký Jeseník, vorbei an der Jakobuskirche von Guntramovice, bis du bei km 76,9 auf 678,8 Metern den höchsten Punkt des Weges erreichst — Hochfläche, Wald, weiter Himmel. Der Lohn ist ein Abstieg von 510 Metern, der dich an der Wallfahrtsbasilika Svatý Kopeček vorbei nach Olomouc trägt; die Dreifaltigkeitssäule liegt wenige Minuten neben dem Weg.

Nach zwei ruhigen Tagen in der Haná-Ebene kommt der härteste Block: die Drahanská vrchovina, das Drahaner Bergland — 744 Höhenmeter an einem Tag, hinauf nach Protivanov, den höchsten Ort der Strecke. Belohnt wirst du im Mährischen Karst: die Wallfahrtskirche von Sloup, der Eingang zu den Punkva-Höhlen und die Santini-Kirche von Křtiny direkt am Weg, der Macocha-Abgrund einen Steinwurf abseits. Der Einlauf nach Brno folgt dem Svitava-Fluss und passiert die Jakobuskirche und die Petrov-Kathedrale, beide direkt am Weg. Dann das genaue Gegenteil: 22 Kilometer Flussaue mit 1,7 Höhenmetern pro Kilometer, vorbei am Benediktinerkloster Rajhrad, hinein ins südmährische Weinland und zum tiefsten Punkt am Stausee Nové Mlýny (165,2 m). Ganz zum Schluss stellt sich die Pálava quer: 42,4 Höhenmeter pro Kilometer über den Kamm, an der Burgruine Sirotčí hrad vorbei, über den Gipfel des Děvín und den Heiligen Berg von Mikulov hinunter in die Stadt — und dann noch 3,6 Kilometer bis zur österreichischen Grenze.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

12 Etappen sind der natürliche Rhythmus — im Schnitt 23,1 Kilometer, geplant also 10 bis 13 Tage. Eine ehrliche Fußnote zur Quelle: Die Etappen 1–6 sind die offiziellen des Trägers ULTREIA, dessen veröffentlichte Liste nach Etappe 7 (Náměšť na Hané → Stražisko) abbricht — wir verlängern Etappe 7 bis Protivanov und schlagen die Etappen 8–12 selbst vor, ausgerichtet an Orten mit belegter Unterkunft. Alle Kilometer stammen aus der Trackmessung unserer Routendatenbank.

  1. Krzanowice/Strahovice → Opava — 17,5 km — Grenze, Zollamt-Erbe, schlesische Ebene: ein bewusst kurzer erster Tag mit Ankommen in Opava.
  2. Opava → Podhradí — 25,9 km — Jakobuskirche und Schloss von Hradec nad Moravicí (km 28), dann das mäandernde Moravice-Tal hinauf.
  3. Podhradí → Budišov nad Budišovkou — 24,8 km — der Aufstieg ins Niedere Gesenke, 584 Höhenmeter; Talsperre Kružberk bei km 57.
  4. Budišov nad Budišovkou → Jívová — 24,5 km — Jakobuskirche Guntramovice (km 73,7), höchster Punkt des Weges (678,8 m) bei km 76,9, Hochfläche am Rand des ehemaligen Sperrgebiets Libavá.
  5. Jívová → Olomouc — 21,8 km — 510 Meter Abstieg; Wallfahrtsbasilika Svatý Kopeček bei km 106,2, dann Dreifaltigkeitssäule und Wenzelsdom.
  6. Olomouc → Náměšť na Hané — 17,6 km — Haná-Ebene, 6,1 Höhenmeter pro Kilometer: der leichteste Tag des Weges.
  7. Náměšť na Hané → Protivanov — 27,7 km — der härteste Tag: 744 Höhenmeter durch die Drahanská vrchovina; Protivanov (663 m) ist der höchste Ort des Weges. Offiziell endet die Etappe in Stražisko (km 145,9) — wer teilt, entschärft den Tag.
  8. Protivanov → Jedovnice — 25,6 km — hinein in den Mährischen Karst: Wallfahrtskirche Sloup (direkt am Weg), dann der Macocha-Abgrund einen Steinwurf abseits.
  9. Jedovnice → Brno — 28,4 km — Santini-Kirche Křtiny (km 194,9), Abstieg ins Svitava-Tal, Einlauf nach Brno an sv. Jakub und Petrov vorbei.
  10. Brno → Židlochovice — 22,2 km — der flachste Abschnitt des ganzen Weges (1,7 m/km); Benediktinerkloster Rajhrad bei km 228,5. Aue-Etappe.
  11. Židlochovice → Dolní Věstonice — 24,0 km — Südmähren, Weinberge, tiefster Punkt des Weges (165,2 m) am Stausee Nové Mlýny.
  12. Dolní Věstonice → Mikulov / Grenze Drasenhofen — 16,9 km — der steilste Tag (42,4 m/km): über den Pálava-Kamm an Sirotčí hrad vorbei und über den Děvín, dann über den Heiligen Berg nach Mikulov — und 3,6 km weiter zur Grenze.

Wer 13 Tage hat, teilt Etappe 7 in Stražisko (13,8 + 13,9 km) — das ist die einzige Variante, die durchgehend der offiziellen Zählung des Trägers folgt, und sie entschärft den härtesten Tag. Attraktiv ist auch die Teilung von Etappe 9 in Křtiny: Dort liegt mit dem Norbertinum die einzige echte Pilgerherberge des Weges. Sportliche schaffen die Strecke in 10 Tagen — dann stehen allerdings ein flacher 33er hinter Brno und ein Schlusstag mit 30 Kilometern und 705 Höhenmetern über die Pálava im Plan.

Highlights am Weg

  • Das Zollamt an Kilometer 0 — bei Krzanowice stand eine der mittelalterlichen „komory celne“, der Zollkammern an der Grenze nach Mähren. Dieser Weg beginnt an einer Stelle, an der schon Ware verzollt wurde, lange bevor hier jemand von einem Jakobsweg sprach.
  • Opava (km 17,5) — die erste Stadt: Horní náměstí und Konkathedrale direkt an der Trasse, das Minoritenkloster sv. Václav wenige Schritte abseits. Hier trifft der polnische Zubringer Droga Raciborska ein.
  • Hradec nad Moravicí (km 27,8) — die erste der drei Jakobuskirchen des Weges, daneben ein Schloss direkt an der Trasse, in dem Beethoven und Liszt zu Gast waren — der Träger nennt beide im selben Satz wie die Kirche.
  • Kirche sv. Jakuba Většího, Guntramovice (km 73,7) — Jakobuskirche Nummer zwei, direkt an der Trasse, kurz vor dem höchsten Punkt des Weges.
  • Der höchste Punkt (km 76,9) — 678,8 Meter auf der Hochfläche des Nízký Jeseník, zwischen Guntramovice und Stará Libavá.
  • Wallfahrtsbasilika Svatý Kopeček (km 106,2) — der „Heilige Berg“ über Olomouc, einen guten halben Kilometer ab; der Träger nennt ihn als Höhepunkt der Etappe, mit Blick hinüber zum Wenzelsdom.
  • Olomouc (km 114,5) — Dreifaltigkeitssäule wenige Minuten neben der Trasse, Wenzelsdom und Hauptbahnhof direkt am Weg: eine Stadt, durch die du hindurchgehst, statt zu ihr abzubiegen.
  • Wallfahrtskirche Sloup (km 174,2) — direkt am Weg, das Eingangstor zum Mährischen Karst.
  • Macocha-Abgrund (km 180,2) — einen Steinwurf neben dem Weg, der Eingang zu den Punkva-Höhlen gleich daneben: kein Abstecher, der Weg geht am Rand vorbei. Der Name bedeutet auf Tschechisch „Stiefmutter“ — und bleibt trotzdem in jeder Sprache Macocha.
  • Santini-Kirche Křtiny (km 194,9) — die barocke Wallfahrtskirche des Baumeisters J. B. Santini, direkt am Weg; nebenan die Pilgerherberge Norbertinum.
  • Brno (km 213,8) — die Jakobuskirche sv. Jakub direkt an der Trasse, die Petrov-Kathedrale ebenso: die dritte Jakobuskirche des Weges steht mitten in der zweitgrößten Stadt Tschechiens.
  • Benediktinerkloster Rajhrad (km 228,5) — einen knappen Kilometer ab, mitten im flachsten Abschnitt des Weges. (Der Wegort heißt Rajhradice — das Kloster steht im Nachbarort Rajhrad.)
  • Dolní Věstonice (km 260,0) — das Museum zur berühmten Venus von Dolní Věstonice liegt direkt am Weg, direkt nach dem tiefsten Punkt der Strecke am Stausee Nové Mlýny (165,2 m).
  • Der Pálava-Kamm (km 260–273) — die Burgruine Sirotčí hrad und der Gipfel des Děvín direkt am Weg, die Wallfahrtskapelle auf dem Svatý kopeček über Mikulov und das Schloss von Mikulov wenige Minuten abseits: der steilste Halbtag des Weges, und der mit den meisten Belohnungen.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Der natürliche Zubringer ist der polnische, und es gibt ihn doppelt: Die Droga Śląsko-Morawska (96 Kilometer, von Toszek über die Zisterzienserabtei Rudy Raciborskie und Racibórz) endet exakt an deinem Kilometer 0 bei Krzanowice, die Droga Raciborska (115 Kilometer, eröffnet am 20. Juli 2019) trifft bei km 17,5 in Opava ein — dort, so schreibt es der polnische Trägerverein selbst, verbinde sie sich mit dem Mährisch-Schlesischen Jakobsweg. Beide zweigen von der Via Regia Polska ab, dem 935 Kilometer langen Rückgrat des polnischen Netzes — die eine in Toszek, die andere in Zimna Wódka, beide rund 50 Kilometer nördlich deines Startpunkts. Auf unserer Karte findest du die beiden Zubringer selbst noch nicht — die Via Regia Polska schon.

Das Netz dahinter ist beachtlich: Knapp 6.000 markierte Muschel-Kilometer führen heute durch Polen, vom Camino Polaco im Norden bis zu den oberschlesischen Wegen hier im Süden. Wer nicht pilgernd anreist, hat es trotzdem leicht: Racibórz, 13 Kilometer nördlich (Vorsicht: am Zubringer, nicht am Weg), hat Bahnanschluss und Busse nach Krzanowice; auf tschechischer Seite ist Opava der nächste Bahnknoten — wer dort startet, spart 17,5 Kilometer und verpasst dafür die Grenze mit dem Zollamt-Erbe. Deinen Credencial bestellst du vorab bei ULTREIA (110 Kč).

Weiterpilgern?

In Mikulov endet dieser Weg nicht — er wird nahtlos übergeben: Dort beginnt der Weinviertler Jakobsweg, 162,7 Kilometer weiter nach Krems an der Donau, und beide Wege benutzen denselben Grenzübergang nach Drasenhofen. Die letzten 3,6 Kilometer dieses Weges und die ersten des österreichischen sind praktisch derselbe Pfad — eine der saubersten Übergaben, die wir auf der Karte haben.

Und danach reißt die Kette nicht ab: An der Donau bei Krems läuft der Jakobsweg Österreich vorbei — 853 Kilometer von Wolfsthal über Innsbruck nach Rankweil in Vorarlberg, wo die Via Jacobi übernimmt und die Schweiz quert, bis in Spanien der Camino Francés das letzte große Stück besorgt. Der Träger hat diese Gesamtrechnung längst gemacht und an die Grenze geschrieben: Ab hier bleiben dem Pilger noch 3.193 Kilometer. 277 hast du dann in den Beinen. Der Weg tut nicht so, als wäre das viel — aber es ist ein Anfang ohne eine einzige Lücke.

Vorbereitung & Praktisches

Die wichtigste Vorbereitung ist, die Markierung zu verstehen. Dieser Weg hat kein eigenes durchgehendes Wegzeichen: Seit der Vereinbarung von 2018 sitzt eine blau-gelbe Jakobsmuschel auf den Wegweisern des Klub českých turistů, und die Trasse folgt dessen rot, blau, gelb oder grün markierten Wanderwegen, streckenweise auch nummerierten Radwegen. Wer diese Logik nicht lesen kann, verläuft sich — also nimm die Camino Ninja App mit — sie hat die komplette Route dieses Weges an Bord und lässt dich die Trasse jederzeit prüfen; dazu lohnen die Kartenebenen des Trägers mit Etappen und Stempelstellen.

Die zweite Pflicht ist die Bettenplanung, und hier ist der Träger unmissverständlich: „Domluvte si ubytování předem. Některá ubytování fungují jen sezónně nebo na objednání.“ — vereinbare die Unterkunft im Voraus, manche funktionieren nur saisonal oder auf Bestellung. Klassische Pilgerherbergen gibt es nicht; du übernachtest in Pensionen, Autocamps, Hostels und dem Kloster-Gästehaus Norbertinum in Křtiny — und zwischen Stražisko (km 146) und Sloup (km 174) steht in der offiziellen Liste gar nichts, ausgerechnet im härtesten Abschnitt. Hilfreich ist das private Betten-Netzwerk postelpropoutnika.cz („Bett für den Pilger“) mit eigener Seite für diesen Weg. Und immerhin: Seit November 2025 pflegt die Tourismuszentrale Südmähren eigene Unterkunftslisten für die Abschnitte Olomouc–Křtiny–Brno und Brno–Mikulov — der Weg ist aus der Bastelphase heraus.

Beste Zeit sind laut Träger April/Mai und September/Oktober. Die Dorfläden haben begrenzte Öffnungszeiten — Vorräte planst du über die Städte (Opava, Olomouc, Brno, Mikulov). Den Credencial gibt es bei ULTREIA für 110 Kč; wer mindestens 100 Kilometer zu Fuß (oder 200 mit dem Rad) mit datierten Stempeln nachweist, bekommt am Ende den Poutnický certifikát. Und weil auf diesem Weg das Bett die Etappenlänge bestimmt und nicht deine Kondition, planst du am einfachsten direkt in der Camino Ninja App — Etappen zusammenstellen und die passenden Unterkünfte gleich mit einplanen.

Was dich der Weg kostet

Gerechnet wird in Kronen, und die Rechnung ist freundlich (Stand: August 2026): Auf der Preisliste des Trägers kostet ein Bett zwischen 220 und 800 Kč pro Nacht — Budišov nad Budišovkou 220–250 Kč, Brno 370–450 Kč, Mikulov 350–495 Kč, Opava 300–800 Kč —, umgerechnet also etwa 9 bis 32 €. ULTREIA selbst veranschlagt 18 bis 30 € pro Tag für alles zusammen, das sind rund 450 bis 750 Kč. Für zwölf Tage landest du damit grob bei 5.500 bis 9.000 Kč (rund 220 bis 360 €) vor Ort, plus einmalig 110 Kč für den Credencial und die An- und Abreise. Punktuell günstiger geht es über postelpropoutnika.cz, dessen Preisregel man einrahmen möchte: „Cena je na Tobě – od dobrovolného příspěvku až po pevnou cenu“ — der Preis liegt bei dir, vom freiwilligen Beitrag bis zum Festpreis.

Anreise

Zum Start: Krzanowice liegt im südlichsten Winkel Oberschlesiens. Du reist mit der Bahn nach Racibórz (13 Kilometer nördlich, erreichbar über Katowice oder Kraków) und nimmst den Bus nach Krzanowice — oder du fährst auf tschechischer Seite nach Opava, den nächsten Bahnknoten, und beginnst bei km 17,5; dann sparst du einen Tag und verpasst dafür die Grenze mit dem Zollamt-Erbe. Die passenden Flughäfen für den Start sind Katowice und Kraków.

Vom Ziel weg: Mikulov hat einen Bahnhof (1,3 Kilometer von der Trasse, bei km 270,6) mit Verbindungen Richtung Brno und Břeclav; Wien liegt nur 66 Kilometer hinter dem Grenzübergang, Brno-Tuřany und Wien-Schwechat sind die Rückreise-Flughäfen. Unterwegs bist du zweimal bahnverwöhnt: In Olomouc liegt der Hauptbahnhof direkt neben der Trasse, in Brno ebenso — der Weg lässt sich also sauber in Hälften teilen. Wer zu Fuß ankommt, kommt über die polnischen Zubringer, die von der Via Regia Polska abzweigen — und wer weitergeht, geht ab Mikulov auf dem Weinviertler Jakobsweg Richtung Donau.

  • Anreise zum Start: Bahn bis Racibórz (über Katowice oder Kraków), Bus nach Krzanowice; alternativ Bahn bis Opava und Start bei km 17,5. Flughäfen: Katowice, Kraków.
  • Rückreise: Bahn ab Mikulov Richtung Brno oder Břeclav; Flughäfen Brno-Tuřany und Wien-Schwechat (Wien liegt 66 km hinter dem Grenzübergang Drasenhofen).
  • Zwischeneinstieg: Olomouc und Brno (Hauptbahnhof jeweils direkt an der Trasse) teilen den Weg in saubere Abschnitte; weitere Bahnpunkte sind Opava und Mikulov.
Camino Shop

Hol dir deinen Pilgerausweis und die Muschel

Alles, was du für den Moravian-Silesian Way brauchst, direkt zu dir nach Hause.

Camino Shop besuchen