Zittau Way
Der Zittau Way führt dich auf 192,1 Kilometern von Görlitz über Zittau nach Prag — der Südteil des internationalen Jakobswegs Gnesen–Görlitz–Prag, auf der Trasse der mittelalterlichen „Žitavská cesta“, an der die Johanniter 1237 ausdrücklich ein Hospital „für Pilger“ stifteten. Sechs Tage Flusstal, zwei Tage Gebirge, fünf Jakobuskirchen — und am Ziel eine Basilika, über deren Eingang eine abgehackte Hand hängt.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03„Hospitaldienste für Pilger sicherstellen“ — der Weg, der seinen Zweck schriftlich hat
- 04Andere Namen
- 05Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 06Streckenverlauf & Landschaft
- 07Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Görlitz (am Neiße-Ufer, an der Altstadtbrücke nach Zgorzelec) → Prag (Altstadt, an der Basilika sv. Jakuba Většího)
- Länge: 192,1 km — ältere Quellen nennen „ca. 210 km“, gemessen sind es 192
- Höhenmeter: ↗ 1.921 m / ↘ 1.919 m — exakt 10,0 Höhenmeter pro Kilometer, aber 52,7 % davon liegen auf zwei aufeinanderfolgenden Tagen
- Dauer: 7–9 Tage (8 offizielle Etappen; bequemer in 9, sportlich in 7)
- Höchster / tiefster Punkt: 585 m über Kryštofovo Údolí / 173 m in der Elbe-Niederung bei Brandýs nad Labem
- Länder: Deutschland und Tschechien — Polen liegt am Start und an der Neiße in Rufweite auf dem anderen Ufer
- Einordnung: Südteil des internationalen Jakobswegs Gnesen – Görlitz – Prag; Träger: Internationale Vereinigung für den Jakobsweg Gnesen – Görlitz – Prag e.V., Herberge und Wegpflege in Deutschland beim Pilgerhäusl e.V. in Hirschfelde
- Wegzeichen: in Deutschland weiße Muschel mit rotem Jakobskreuz auf blauem Grund; in Tschechien lückenhaft — überwiegend die Farbbalken des Klub českých turistů, streckenweise eine gelb-blaue Muschel. Mit der Camino Ninja App bist du trotzdem sicher — sie hat die komplette Route an Bord
- Pilgerausweis: kostenlos beim Katholischen Pfarramt Zittau (Lessingstraße 18), 22 Stempelfelder — einer alle 8,7 Kilometer; Pilgerführer samt Ausweis für 13,50 € bei der Görlitz-Information
- Beste Zeit: März bis Oktober; am angenehmsten März–Mai und September–Oktober. Das Pilgerhäusl hat Saison von Ostern bis Ende Oktober
Überblick
Dieser Weg trägt keinen erfundenen Namen — er trägt den Namen der Straße, auf der er liegt: Žitavská cesta, die Zittauer Straße, so hieß die Handelsroute von Prag nach Zittau schon im Mittelalter, und der Johanniterorden, der 1169 nach Böhmen kam, baute seine Kommenden ausdrücklich an ihr. Du gehst 192,1 Kilometer von Görlitz nach Prag — den Südteil des internationalen Jakobswegs Gnesen–Görlitz–Prag — und beginnst am Neiße-Ufer, an der Altstadtbrücke nach Zgorzelec: Start in Deutschland, Blick nach Polen, Ziel in Tschechien — drei Länder an einem Tagesbeginn. Bis 1635 waren das keine drei Länder, sondern eine Innenbeziehung: Görlitz und Zittau waren böhmische Kronstädte, Prag ihre Hauptstadt — erst der Prager Frieden machte aus der Strecke eine Auslandsverbindung.
Die Zahlen sind ehrlich einfach: 1.921 Höhenmeter auf 192,1 Kilometer — exakt 10,0 pro Kilometer, zum Vergleich kommt der Camino Francés auf 17,8. Nur verteilen sie sich nicht: 52,7 Prozent aller Höhenmeter liegen auf zwei aufeinanderfolgenden Tagen, dort, wo der Weg westlich an Liberec vorbei über die Flanke des Jeschken steigt — sechs Tage Flusstal, zwei Tage Gebirge, und die zwei liegen hintereinander. Unterwegs reihen sich fünf Jakobuskirchen auf 192 Kilometern, ein Zisterzienserinnenkloster von 1234, das größte mittelalterliche Bilderfastentuch Europas und der älteste Wallfahrtsort Böhmens. Nur eines reiht sich nicht: Herbergen. Es gibt auf diesem Weg keine Herbergskette — Pensionen, zwei Pfarrämter, ein Pilgerhäusl —, und in Tschechien ist er nicht durchgehend markiert. Wer das vorher weiß, hat einen der substanzreichsten Wege Mitteleuropas fast für sich.
„Hospitaldienste für Pilger sicherstellen“ — der Weg, der seinen Zweck schriftlich hat
Die meisten Jakobswege müssen ihre Pilgergeschichte mühsam zusammensuchen. Dieser hat sie als Stiftungszweck: 1237 gründeten Havel z Lemberka und seine Frau Zdislava — später heiliggesprochen — in Český Dub eine Johanniterkommende, „za vlády českého krále Václava I.“, unter König Wenzel I., und das Museum vor Ort nennt den Auftrag wörtlich: „zajišťovat špitálnické služby poutníkům“ — Hospitaldienste für Pilger sicherstellen. Drei Jahre früher, 1234, hatte Kunigunde von Staufen, die Gemahlin desselben Königs, 61 Kilometer weiter nördlich das Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal gestiftet — es besteht bis heute ununterbrochen, als ältestes Frauenkloster des Ordens in Deutschland. Zwei Fürsorgegründungen, drei Jahre, ein Königspaar, eine Straße: Das ist kein Zufall, das ist Infrastrukturpolitik. Und 1238 taucht in einer Marienthaler Urkunde zum ersten Mal der Name Zittau auf — das Kloster an Kilometer 21 ist das Dokument, das die Stadt an Kilometer 40 zum ersten Mal aussprechbar macht.
Der Beweis steht auch in Stein: Im dritten Viertel des 13. Jahrhunderts bauten dieselben Johanniter in Letařovice eine Kirche und weihten sie dem Patron der Pilger — sie steht heute direkt an der Trasse, ihre barocke Kassettendecke zeigt das Leben des heiligen Jakobus, und genau diese Dorfkirche ist auf dem Pilgerausweis dieses Weges abgebildet, nicht Görlitz und nicht Prag. Dann kam der Abriss, datiert auf ein Jahrzehnt: Am 30. April 1420 brannten die Hussiten Klášter Hradiště nieder — das Kloster wurde nie wieder aufgebaut —, 1424 unterlag Zittau, 1427 fiel Marienthal und der Konvent floh nach Görlitz. Die Kommende Český Dub endete 1425 oder 1429 — die Quellen widersprechen sich, und genau das sagen wir dir lieber, als es glattzubügeln: Sicher ist nur, dass es danach vorbei war. So gründlich vorbei, dass der Bau verschwand: 1991 stieß der Archäologe Tomáš Edel am Marktplatz von Český Dub unter einem Haus des 19. Jahrhunderts auf einen zweigeschossigen Bau von 1240–1250 mit Gewölben und romanischer Kapelle. Das Pilgerhospital dieses Weges war fünf Jahrhunderte lang buchstäblich eingemauert. Seit 1993 kannst du hineingehen.
Und die Neuzeit hat dem Weg denselben Rhythmus noch einmal verpasst: 1945 gesprengt, 1945 zerschnitten, 1945 beschossen — die Görlitzer Altstadtbrücke von Wehrmachtstruppen, das Große Zittauer Fastentuch von sowjetischen Soldaten, die Jakobus-Kathedrale von Artillerie. Und dann: 1999 hängt das Fastentuch wieder, 2004 steht die Brücke wieder, 2015 ist die Kathedrale außen wieder heil — und seit 2008 gibt es wieder einen Pilgerausweis, kostenlos, mit 22 Stempelfeldern, ausgegeben vom Pfarramt Zittau. Du gehst hier keine Grenze entlang. Du gehst eine alte Innenbeziehung zurück — auf einer Straße, deren Pilgerzweck seit 1237 aktenkundig ist.
Andere Namen
Der Weg heißt offiziell Zittauer Jakobsweg — nach der Stadt in seiner Mitte, nicht nach Start oder Ziel. Auf tschechischer Seite läuft er als Žitavská svatojakubská cesta oder kurz Žitavská, und das ist mehr als eine Übersetzung: Žitavská cesta, die Zittauer Straße, war schon im Mittelalter der Name der Handelsroute von Prag nach Zittau, an der die Johanniter im 13. Jahrhundert ihre Kommenden bauten. Formal ist er der Südteil des internationalen Jakobswegs Gnesen – Görlitz – Prag, so steht es im Namen des Trägervereins; bei uns findest du ihn unter seinem Datenbanknamen Zittau Way.
Drei Verwechslungen ersparen dir Verwirrung. Erstens die Länge: Ältere Quellen nennen „ca. 210 km“, die offizielle Etappenkette summiert 190,4 — gemessen sind es 192,1 Kilometer, und dabei bleiben wir. Zweitens die Via Sacra: kein Jakobsweg, sondern ein trinationales Netz von 25 sakralen Stationen im Dreiländereck — sechs davon liegen allerdings an dieser Trasse, von Görlitz bis Mnichovo Hradiště. Drittens die Svatá cesta: eine barocke Prozessionsstraße von 1674 zwischen Prag und Stará Boleslav — deine letzte Etappe läuft sie rückwärts.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Dieser Weg ist etwas für dich, wenn du eine gute Woche hast, gern durch Flusstäler gehst und zwei Länder sehen willst, die einander seit Jahrhunderten näher sind, als die Grenze suggeriert. Mit 10 Höhenmetern pro Kilometer ist er technisch leicht, mit der Bahn hervorragend erreichbar und an beiden Enden von Städten gerahmt, die allein die Reise wert sind. Ideal ist er vor allem, wenn du Kunstgeschichte im Original willst: fünf Jakobuskirchen auf 192 Kilometern, ein seit 1234 ununterbrochen bestehendes Zisterzienserinnenkloster, eine 1991 hinter einer Hauswand wiedergefundene Johanniterkommende, das größte mittelalterliche Bilderfastentuch Europas und der älteste Wallfahrtsort Böhmens — diese Dichte pro Kilometer bietet kein anderer Weg unseres mitteleuropäischen Netzes.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Herbergsalltag und Pilgergesellschaft suchst: Auf diesen 192 Kilometern gibt es keine Herbergskette — Pensionen, zwei Pfarrämter, ein Pilgerhäusl in Hirschfelde und in Prag ein Kapuzinerkloster, mehr nicht, und Vorbuchen ist Pflicht, nicht Empfehlung. Nichts für dich ist er auch, wenn du dich auf Schilder verlassen willst: In Tschechien ist der Weg nicht durchgehend als Jakobsweg markiert, du gehst auf den Farbbalken des Klub českých turistů und brauchst die Camino Ninja App (komplette Route an Bord) und den Pilgerführer. Und wenn du reinen Naturweg erwartest: Die Etappe durch Zittau besteht laut Wegdatenbank zu fast 46 Prozent aus Asphalt und Straße — die Prag-Etappe dagegen nur zu gut einem Zehntel. Der Weg ist in dieser Frage nicht konsistent, und das sollst du wissen, bevor du losläufst.
Streckenverlauf & Landschaft
Du beginnst in Görlitz am Neiße-Ufer, an der Altstadtbrücke nach Zgorzelec, unterhalb der Peterskirche — und folgst dann rund 47 Kilometer der Neiße flussabwärts durchs Tal: vorbei am Berzdorfer See, der bis 1997 ein Braunkohletagebau war und erst 2002 bis 2013 geflutet wurde — zwei Dörfer, die dort standen, gibt es nicht mehr, und das ist die ehrlichste Landschaftsbeschreibung, die dieser Abschnitt zulässt. Weiter an Kloster St. Marienthal vorbei (wenige Minuten vom Weg), durch Hirschfelde nach Zittau, bei Kilometer 43 dicht am Dreiländereck entlang, und in Hrádek nad Nisou beginnt Tschechien. Diese ersten 47 Kilometer bringen ganze 201 Höhenmeter — ein Talweg, er tut nicht weh.
Dann kippt der Charakter. Ab Bílý Kostel nad Nisou steigt der Weg westlich an Liberec vorbei in die Nordwestflanke des Ještědský hřbet, des Jeschkenkamms, und erreicht bei Kilometer 60 seinen höchsten Punkt: 585 Meter, direkt über Kryštofovo Údolí — dem Christophstal, mit einem hölzernen Kirchlein des Reisepatrons von 1686. Der Ještěd-Gipfel mit seinem Turm bleibt zwei Kilometer und 470 Höhenmeter entfernt: sichtbar, machbar, aber ein echter Abstecher. Zwei Etappen, 1.012 Höhenmeter — mehr als die Hälfte des ganzen Weges. Unten wartet das Podještědí mit Český Dub und der Jakobskirche von Letařovice, dann trägt dich das Jizera-Tal sechzig Kilometer lang: Mnichovo Hradiště, Klášter Hradiště, Bakov, Mladá Boleslav, Vinec, Benátky. Bei Stará Boleslav treffen Jizera und Elbe zusammen — dort steht der älteste Wallfahrtsort Böhmens, und die letzten 29 Kilometer folgen der barocken Svatá cesta rückwärts nach Prag: Jenštejn, Kbely, Prosek, Libeň, Pulverturm.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Acht Etappen sind der offizielle Zuschnitt, neun die bequemere, sieben die sportliche Variante. Technisch ist nichts an diesem Weg schwierig: Feldwege, Waldwege, Flussauen, dazu mehr Asphalt, als schön ist. Anspruchsvoll ist allein die Verteilung der Höhenmeter — Tag 3 bringt 659, Tag 4 noch 353, alle übrigen sechs Tage zusammen den Rest. Lege diese beiden Tage nicht zusammen, und plane den Gebirgstag nicht als ersten Tag nach einer langen Bahnanreise. Die Kilometerangaben tragen „ca.“; die Trackmessung unserer Routendatenbank ergibt für die Gesamtstrecke 192,1 km.
- Görlitz → Hirschfelde — ca. 29 km, ↗ 98 m — der lange, flache Auftakt an der Neiße, vorbei am Berzdorfer See und bei km 21,4 an Kloster St. Marienthal (wenige Minuten vom Weg, Zisterzienserinnen seit 1234). Ziel ist das Pilgerhäusl, ein saniertes Umgebindehaus. Teilbar in Ostritz (km 19).
- Hirschfelde → Bílý Kostel nad Nisou — ca. 26 km, ↗ 221 m — durch Zittau (Johanniskirche direkt am Weg, Fastentuch in der Kreuzkirche), bei km 43,1 dicht am Dreiländereck vorbei, in Hrádek nad Nisou beginnt Tschechien. Rund 46 % Hartbelag; Chrastava (3,3 km östlich) ist die Etappenziel-Alternative mit Bahnanschluss.
- Bílý Kostel nad Nisou → Český Dub — ca. 27 km, ↗ 659 m — die Königsetappe über die Jeschkenflanke, westlich an Liberec vorbei; höchster Punkt des ganzen Weges (585 m) direkt über Kryštofovo Údolí mit Christophorus-Holzkirche von 1686. Am Ziel die Johanniterkommende von 1237.
- Český Dub → Mnichovo Hradiště — ca. 22 km, ↗ 353 m — nach vier Kilometern Letařovice mit der Jakobskirche der Johanniter (direkt am Weg, Kassettendecke, Beinhaus), dann über die Höhen hinunter ins Jizera-Tal. Am Ziel Jakobskirche und Wallensteins Grab, beide direkt am Weg.
- Mnichovo Hradiště → Mladá Boleslav — ca. 23 km, ↗ 223 m — nach zwei Kilometern Klášter Hradiště nad Jizerou (direkt am Weg): Zisterzienser ab 1145, 1420 verbrannt, ab 1852 Brauerei, darunter die 1995 entdeckte Krypta. Weiter über Bakov nad Jizerou in die Škoda-Stadt.
- Mladá Boleslav → Benátky nad Jizerou — ca. 18 km, ↗ 76 m — der kürzeste und flachste Tag, immer an der Jizera; nach vier Kilometern Vinec mit der spätromanischen Nikolauskirche, dann der Eisenbahnviadukt von Krnsko. Ziel: Schloss Benátky, wenige Minuten vom Weg.
- Benátky nad Jizerou → Stará Boleslav — ca. 19 km, ↗ 97 m — über Předměřice nad Jizerou mit seiner Jakobskirche (direkt am Weg) durch die Auen. Am Ende der älteste Wallfahrtsort Böhmens: Wenzelsbasilika und Palladium von Böhmen.
- Stará Boleslav → Prag — ca. 29 km, ↗ 182 m — die Barocketappe, rückwärts gegangen: über Brandýs nad Labem, Dřevčice, die Wasserburg Jenštejn und Kbely entlang der Svatá cesta von 1674–1679, bei km 183 die Wenzelskirche in Prosek. Ende an der Basilika sv. Jakuba, nahe dem Pulverturm. Nur 2,4 % Asphalt — erstaunlich viel Natur bis tief hinein nach Prag.
Wer neun Tage hat, teilt die beiden 29er: Görlitz → Ostritz (ca. 19 km), Ostritz → Zittau (ca. 21 km), Zittau → Bílý Kostel (ca. 16 km) — der Rest bleibt wie oben, und der Gebirgstag bekommt frische Beine. Die sportliche 7-Tage-Variante zieht stattdessen die Jizera-Etappen zusammen: Český Dub → Bakov nad Jizerou (ca. 32 km) und Bakov → Benátky (ca. 30 km) — aber Vorsicht, die 32 Kilometer kommen mit 353 Höhenmetern direkt nach dem Gebirgstag. Nur für Trainierte, und nicht ohne vorgebuchtes Bett in Bakov. Dank der Bahnlinien Zittau–Liberec und Mladá Boleslav–Prag lässt sich der Weg außerdem sauber in zwei Wochenend-Hälften zerlegen.
Highlights am Weg
- Görlitz — die vollständig erhaltene Altstadt, die Kathedrale St. Jakobus (1898–1900, heute Bischofskirche) und das Heilige Grab: eine Nachbildung der Jerusalemer Grabeskirche von 1481–1504 mit einem Prozessionsweg von 709 bzw. 721 Metern — exakt die Länge vom Haus des Pilatus nach Golgatha. Entstanden im Umkreis von Georg Emmerich, der 1465 selbst nach Jerusalem gepilgert war und danach fünfmal Bürgermeister wurde.
- Altstadtbrücke Görlitz–Zgorzelec — 1298 erstmals urkundlich, am 7. Mai 1945 gesprengt, am 20. Oktober 2004 wieder eröffnet: 59 Jahre Lücke. Hier beginnt der Weg — und von hier siehst du Polen.
- Kloster St. Marienthal, Ostritz (km 21,4, wenige Minuten abseits) — Zisterzienserinnen seit dem 14. Oktober 1234, gestiftet von Königin Kunigunde von Staufen, ununterbrochen bis heute: das älteste durchgehend bestehende Frauenkloster des Ordens in Deutschland. Dazu der östlichste Weinberg Deutschlands und seit 1992 ein Begegnungszentrum im Dreiländereck.
- Großes Zittauer Fastentuch (km 39,6) — 1472 vom Gewürz- und Getreidehändler Jacob Gürtler gestiftet: 8,20 × 6,80 Meter, 90 Bildfelder in 10 Reihen von der Schöpfung bis zum Jüngsten Gericht. 1840 in der Ratsbibliothek wiedergefunden, 1945 von Soldaten zerschnitten, seit 1999 in der Kreuzkirche — in der größten Museumsvitrine der Welt.
- Dreiländereck Trojzemí (km 43,1, wenige Minuten abseits) — Deutschland, Polen und Tschechien in einem Punkt.
- Berg Oybin (5,7 km ab km 45) — Kaiserhaus 1364 und Cölestinerkloster 1369 durch Karl IV., die Klosterkirche 1366–1384 „unter Mitwirkung der Prager Dombauhütte“; 1429 Zuflucht für einen Teil des Prager Domschatzes, 1577 durch Blitzschlag zerstört, 1810 von Caspar David Friedrich gemalt. Die beiden Enden dieses Weges waren hier physisch verbunden — durch Steinmetze in der einen, Reliquien in der anderen Richtung.
- Kryštofovo Údolí (km 60,5) — das Christophstal am höchsten Punkt des Weges: hölzernes Christophorus-Kirchlein von 1686, ein Orloj von 2008 mit 22 Figuren (die dritte astronomische Uhr Tschechiens nach Prag und Olmütz) und der Novinský-Viadukt von 1900 — 230 Meter lang, im Volksmund „zvonící viadukt“, die klingende Brücke. Der Ještěd (1.012 m) ist von km 71 aus in zwei Kilometern erreichbar — und 470 Höhenmetern.
- Johanniterkommende Český Dub (km 82,3) — 1237 von Havel z Lemberka und Zdislava gestiftet, um „Hospitaldienste für Pilger sicherzustellen“; 1991 hinter einer Hauswand wiederentdeckt, seit 1993 Museum. Karl IV. war 1357 hier zu Besuch.
- Jakobskirche Letařovice (km 86,4, direkt am Weg) — von den Johannitern im 13. Jahrhundert gebaut, mit barocker Kassettendecke voller Jakobus-Szenen; die Kirche auf dem Pilgerausweis dieses Weges. Ihr Beinhaus mit einem Altar aus Knochen und Schädeln öffnet nur zur Jakobskirmes — wer am 25. Juli da ist, kommt hinein, an 364 anderen Tagen nicht.
- Mnichovo Hradiště (km 103,8) — Jakobskirche von 1726/27, „dem Schutzpatron der Pilger geweiht“, daneben die Kapelle sv. Anny mit den Gebeinen Albrechts von Wallenstein (seit 1785) und ein Lapidarium mit rund 50 barocken Skulpturen.
- Klášter Hradiště nad Jizerou (km 106, direkt am Weg) — Zisterzienserkloster ab 1145, „eines der bedeutendsten kirchlichen Objekte Mitteleuropas“, am 30. April 1420 von den Hussiten verbrannt und nie wieder aufgebaut; ab 1852 Brauerei. 1995 fand man darunter eine 28,6 Meter lange romanische Krypta.
- Mladá Boleslav (km 126,4) — hier druckte Mikuláš Klaudyán 1518 die erste Landkarte Böhmens überhaupt: 1:685.000, rund 280 Städte und Burgen, mit Straßen, Süden oben. Dazu der Sbor českých bratří (1544–1554) — und einen Kilometer vom Weg das Škoda-Werk. Du gehst durch den Geburtsort der böhmischen Kartografie, mit der Camino Ninja App in der Tasche.
- Nikolauskirche Vinec (km 130,2) — „eine der bemerkenswertesten spätromanischen Dorfkirchen der ganzen Tschechischen Republik“: 14 × 9 Meter, Bildhauerschmuck um 1240, und auf dem Tympanon liegen am Fuß des Kreuzes sehr wahrscheinlich die Stifter selbst.
- Stará Boleslav (km 163, wenige Minuten abseits) — der älteste Wallfahrtsort Böhmens: die Wenzelsbasilika am Mordort des heiligen Wenzel (28. September 929 oder 935 — das Jahr ist offen, der Tag nicht) und die Mariä-Himmelfahrts-Kirche mit dem Palladium von Böhmen, so genannt seit 1609. Seit 2003 wird am Vorabend des 28. September die Wenzelsreliquie aus Prag hierhergetragen — davor gab es das nur unter Karl IV. und 1929.
- Svatá cesta (km 165–186) — 1674–1679 von den Prager Jesuiten gebaut: 44 Kapellen, eine für jede Anrufung der Lauretanischen Litanei, jede „eine Prager Brückenlänge“ von der nächsten entfernt. 17 stehen noch, und deine Schlussetappe läuft die Straße rückwärts.
- Basilika sv. Jakuba Většího, Prag — Grundstein 1232, Krönungsfest Johanns von Luxemburg 1311, die größte Orgel Tschechiens (1705, 8.277 Pfeifen), 1974 von Paul VI. zur Basilica minor erhoben — und über dem Eingang hängt eine vertrocknete menschliche Hand: die des Diebes, den die Marienstatue der Überlieferung nach festhielt. Dein Ziel — hier endet der Weg.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Görlitz ist der dichteste Wegeknoten unseres mitteleuropäischen Netzes: Drei Fernwege enden hier, einer beginnt. Der direkte Zubringer ist der Camino Dolnosląska, der Niederschlesische Jakobsweg — 164 Kilometer von Glogau über Bunzlau und Lauban, und er endet genau hier: Zusammen bildet ihr den internationalen Weg Gnesen–Görlitz–Prag, dessen Südteil du vor dir hast. Wer die ganze Kette gehen will, startet in Gniezno und kommt über den Camino Wielkopolska heran — das polnische Gesamtnetz erschließt der Camino Polaco. Und aus dem Osten mündet die Via Regia Polska in Görlitz: 935 Kilometer ab Medyka an der ukrainischen Grenze.
In Görlitz beginnt zugleich die Via Regia Deutschland, der Ökumenische Pilgerweg, und läuft 474 Kilometer nach Westen bis Vacha — wer aus Thüringen oder Sachsen kommt, erreicht Görlitz auf ihr, vorbei am Heiligen Grab in die Stadt hinein. Wer sich in Görlitz umentscheidet, folgt ihr bis Bautzen und wechselt dort auf den Jakobsweg Sachsen. Für alle anderen gilt: Der Görlitzer Hauptbahnhof liegt 1,9 Kilometer vom Startpunkt, und die Görlitz-Information am Obermarkt verkauft den Pilgerführer samt Ausweis für 13,50 Euro.
Weiterpilgern?
Dieser Weg endet nicht in Santiago, sondern in Prag — und Prag ist eine Übergabestelle, kein Schlusspunkt. Zwei tschechische Fernwege beginnen hier und laufen nach Westen zur bayerischen Grenze: die Železná Way — 259 Kilometer über Karlštejn, Svatý Jan pod Skalou und Stříbro nach Železná bei Tillyschanz, auf der Trasse der alten Goldenen Straße nach Nürnberg — und die Všeruby Way, 205 Kilometer über Karlštejn, Příbram, Nepomuk und Klatovy zum Grenzübergang Všeruby. Wer erst einmal in Prag bleiben will, hat auch dort noch Weg vor sich: Die Svatojakubská cesta Prahou verbindet auf 34 Kilometern die Wenzelskirche in Prosek — Kilometer 183 deiner Schlussetappe — mit der Jakobsbasilika und dem Schloss Zbraslav.
Hinter der bayerischen Grenze übernimmt das deutsche Netz: Von Nürnberg führt der Jakobsweg Nürnberg–Ulm nach Süden, die Via Imperii kreuzt als große Nord-Süd-Achse — und am Ende jeder dieser Ketten steht derselbe Weg, der Camino Francés ab Saint-Jean-Pied-de-Port. Von der Prager Jakobsbasilika bis Santiago ist es eine Kette aus lauter dokumentierten Handelsstraßen: erst die Zittauer, dann die Goldene, dann die französische. Der Weg, den du gerade beendet hast, war immer nur das erste Glied.
Vorbereitung & Praktisches
Markierung und Navigation zuerst, denn hier entscheidet sich dieser Weg. In Deutschland folgst du der weißen Muschel mit rotem Jakobskreuz auf blauem Grund und kannst dich darauf verlassen. In Tschechien nicht: Der Weg ist dort nicht durchgehend als Jakobsweg beschildert — jakobsweg.de sagt es unverblümt: „Da der Zittauer Jakobsweg derzeit auf tschechischem Gebiet noch nicht markiert ist, empfiehlt sich zur Orientierung in jedem Fall der Kauf eines Pilgerführers.“ Praktisch gehst du auf den Farbbalken des Klub českých turistů und findest streckenweise eine gelb-blaue Muschel dazwischen. Nimm den Pilgerführer mit und verlass dich nicht auf Schilder — mit der Camino Ninja App hast du die komplette Route dieses Weges immer dabei.
Der Pilgerausweis ist kostenlos und beim Katholischen Pfarramt Zittau (Lessingstraße 18) zu bekommen: 22 Stempelfelder, vorn die Jakobskirche von Letařovice. Stempel gibt es in den Pfarrämtern am Weg — viele Kirchen öffnen nur zu Gottesdienstzeiten, plane das ein. Auf tschechischer Seite ist der Pilgerverein Ultreia zuständig, mit eigenem Credencial und über hundert Stempelstellen im Landesnetz. Wichtig, weil es kein Formalismus ist: Die Prager Pilgerunterkünfte nehmen ausdrücklich nur Pilger mit Credencial auf. Bei den Unterkünften gilt die härteste Regel dieses Weges: Es gibt keine Herbergskette. Das Pilgerhäusl in Hirschfelde ist die einzige klassische Pilgerherberge auf deutscher Seite — Saison Ostern bis Ende Oktober, im Winter ist es ein Krippenhäusl —, in Tschechien schläfst du in Pensionen, in Benátky nad Jizerou im Pfarramt, in Prag im Kapuzinerkloster an der Loreta oder in der Pfarrei Kunratice. Vorbuchen ist Pflicht, nicht Empfehlung — besonders Hirschfelde und Český Dub.
Beste Zeit ist März bis Oktober, am angenehmsten Frühjahr und früher Herbst. Wer den 28. September in Stará Boleslav trifft, läuft in die Wenzelswallfahrt hinein — eindrucksvoll, aber dann ist jedes Bett belegt. Und ein Praxisdetail mit Ärgerpotenzial: Die Basilika sv. Jakuba in Prag öffnet außer montags nur 9.30–12.00 und 14.00–16.00 Uhr. Wenn du am letzten Tag 29 Kilometer aus Stará Boleslav gehst, stehst du leicht nach 16 Uhr vor verschlossener Tür — starte früh oder hebe dir die Kirche für den Folgetag auf. Plane deine Tagesetappen vorher durch, weil die Quartiere dünn gesät und oft nur nach Anruf offen sind — am einfachsten gelingt das direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.
Was dich der Weg kostet
Die Übernachtungen sind der ganze Kostenblock, und sie sind moderat (Stand: August 2026): Die offizielle Wegbeschreibung nennt für die Etappenziele rund 20 bis 32 Euro pro Person — Hirschfelde etwa 20 €, die tschechischen Etappenorte meist um 25 €, Prag rund 38 €; die Pilgerunterkunft in Kunratice bei Prag kostet 8 Euro bzw. 200 Kronen. Für acht Nächte landest du damit bei etwa 200 bis 250 Euro plus Verpflegung, die in Tschechien deutlich günstiger ist als in Deutschland. Dazu kommen einmalige Posten: der Pilgerführer mit Ausweis für 13,50 € bei der Görlitz-Information (der Ausweis allein ist beim Pfarramt Zittau kostenlos) sowie An- und Rückreise. Eintritte bleiben fast überall einstellig — bewusst Geld und Zeit einplanen solltest du für vier: das Zittauer Fastentuch, das Heilige Grab in Görlitz, das Kommende-Museum in Český Dub und die Krypta von Klášter Hradiště.
Anreise
Nach Görlitz kommst du am besten mit der Bahn: Der trilex verbindet Dresden mit Görlitz und mit Zittau und fährt von dort weiter über Hrádek nad Nisou nach Liberec — dieselbe Linie bedient also gleich mehrere Orte deiner ersten Etappen. Aus Richtung Berlin und Cottbus erreichst du Görlitz über die Niederschlesische Strecke, aus Polen über Zgorzelec; vom Hauptbahnhof sind es 1,9 Kilometer zum Startpunkt an der Altstadtbrücke. Wer zu Fuß ankommt, kommt auf dem Camino Dolnosląska aus Glogau oder auf der Via Regia Deutschland aus Westen. Die Rückreise aus Prag ist der einfachste Teil: Vom Hauptbahnhof, zehn Gehminuten vom Endpunkt, fahren Fernzüge nach Dresden, Berlin, Wien und Nürnberg.
- Anreise zum Start: Görlitz Hbf (trilex ab Dresden, Regionalverkehr ab Cottbus/Berlin, Anschluss über Zgorzelec nach Wrocław), dann 1,9 km zu Fuß zur Altstadtbrücke.
- Zwischeneinstiege: Zittau (trilex Dresden–Liberec), Hrádek nad Nisou und Chrastava (Bahn Zittau–Liberec — damit sind die Etappen 2 und 3 abbrechbar), Mladá Boleslav und Benátky nad Jizerou (Regionalbahn Richtung Prag), Brandýs nad Labem/Stará Boleslav (Bus nach Prag).
- Rückreise: Praha hl. n. zehn Gehminuten vom Endpunkt (Fernzüge Dresden, Berlin, Wien, Nürnberg); Fernbusse ab Florenc (knapp 1 km) sind die billigste Variante.
- Flughafen: Prag Václav Havel, gut eine Dreiviertelstunde mit Bus und Metro vom Endpunkt.
Hol dir deinen Pilgerausweis und die Muschel
Alles, was du für den Zittau Way brauchst, direkt zu dir nach Hause.
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