Ort am Jakobsweg
Hof
Germany
- Unterkünfte
- 14
- Caminos
- 3
- Höhe
- 480 m
Hof ist der Ort der Übergabe: Hier endet der Sächsische Jakobsweg nach 307,9 Kilometern an der Lorenzkirche, und hier beginnt der Oberfränkische Jakobsweg nach Nürnberg. Du schläfst in einem ehemaligen Klarissenkloster, isst Würstchen vom Wärschtlamo in der Stadt, in der 1989 die Züge aus Prag ankamen.
Wie lange bleiben?
Ein Nachmittag reicht, aber gönn dir den Abend. Nach 35,6 Kilometern aus Oelsnitz kommst du müde an, und Hof verlangt nicht viel von dir: Lorenzkirche, Hospitalkirche, Rathausturm und ein paar Würstchen in der Altstadt passen in einen Nachmittag. Wenn der Sächsische Jakobsweg hier für dich endet, bleib trotzdem eine Nacht. Ankommen braucht Zeit, und die Pilgerherberge im alten Klarissenkloster ist ein guter Ort dafür. Wer weitergeht, startet am nächsten Morgen auf dem Oberfränkischen Jakobsweg.
Hof in Ninja-Zahlen
- 307,9 Kilometer seit Bautzen. Der Sächsische Jakobsweg ist geschafft, Sachsen liegt hinter dir.
- Drei Jakobswege laufen laut Camino Ninja in Hof zusammen: der Sächsische Jakobsweg, die Via Imperii und der Oberfränkische Jakobsweg, der hier nach Bayreuth und Nürnberg beginnt.
- 13.600 Menschen kamen im Herbst 1989 in 14 Sonderzügen aus Prag am Hofer Hauptbahnhof an, der erste am 1. Oktober um 6.14 Uhr.
- 90 Bildfelder malte Heinrich Andreas Lohe 1688/89 an die Kassettendecke der Hospitalkirche.
- Ab 8 Euro schläfst du laut Camino-Ninja-Daten in der Pilgerherberge im Klarissenkloster (Stand: November 2026).
Ankommen: über die alte Grenze an die Saale
Von Oelsnitz im Vogtland sind es 35,6 Kilometer. Hinter Triebel führt dich der Sächsischer Jakobsweg durch das ehemalige innerdeutsche Grenzgebiet zum Dreiländereck von Bayern, Sachsen und Böhmen, dann durch die Dörfer des Regnitzlands über Trogenau, Kirchgattendorf und Gattendorf nach Hof. Ziel ist die Lorenzkirche mit dem Lorenzpark. Hof liegt an der Saale, hat gut 47.000 Einwohner (Stand: April 2024) und zwei Kerne: die historische Altstadt und die klassizistische Neustadt.
Kurz erzählt: Mutterkirche, Kloster, Neustadt
1214 wird die Großpfarrei Hof mit der Lorenzkirche erstmals genannt, um 1230 entsteht die Neustadt. Im 13. Jahrhundert kommen das Hospital am Unteren Tor und ein Klarissenkloster dazu. Im Zweiten Markgrafenkrieg 1553 werden Lorenz- und Hospitalkirche verwüstet. Am 4. September 1823 brennt fast die ganze Neustadt ab und wird im Biedermeierstil neu aufgebaut. Daher das ruhige, klassizistische Gesicht der Innenstadt.
Im 20. Jahrhundert liegt Hof plötzlich am Rand, an der innerdeutschen Grenze, durch deren früheres Gebiet du heute gekommen bist. Im Herbst 1989 wird die Stadt zum Ankunftsort der Flüchtlingszüge aus Prag. Seit 1967 kommen jedes Jahr im Oktober Filmfans zu den Hofer Filmtagen.
Die Übergabe: Sachsen reicht dich an Franken weiter
Hof ist für Pilger kein Ziel im großen Sinn, sondern ein Staffelstab. Der Sächsische Jakobsweg endet hier und gibt dich an den Oberfränkischen Jakobsweg weiter, der von Hof über Bayreuth nach Nürnberg führt, zum alten Pilgersammelpunkt St. Jakob. Auch die Via Imperii läuft durch Hof. An der Marienkirche steht ein Jakobsweg-Denkmal. Wer hier ankommt, hat also nicht nur einen Weg hinter sich, sondern auch die Wahl: nach Hause oder weiter. Beides ist richtig.
Altstadt am Fluss: was du sehen solltest
Hof hat zwei Kerne, die historische Altstadt und die klassizistische Neustadt. Alles Wichtige erreichst du zu Fuß. - Lorenzkirche: Die älteste Kirche Hofs, Mutterkirche und Urpfarrei Hochfrankens, schon 1214 erwähnt. 1553 wurde sie geplündert und brannte ab, 1822 wurde sie klassizistisch umgestaltet. Sie birgt den Hertnidaltar, einen Tafelaltar, den Hertnid von Stein in Auftrag gab. Für dich ist sie der Schlusspunkt des Sächsischen Jakobswegs. Öffnungszeiten haben wir nicht gefunden. - Hospitalkirche: Hospital und Kirche entstanden im 13. Jahrhundert am Unteren Tor. Nach der Zerstörung im Zweiten Markgrafenkrieg wurde die Kirche 1557 neu aufgebaut. Heinrich Andreas Lohe bemalte 1688/89 alle 90 Felder der Kassettendecke mit biblischen Szenen, der spätgotische Marienaltar von Michael Heuffner stammt von 1511. Geöffnet Dienstag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr, sonst am Pfarramt nebenan klingeln (Stand: November 2026). Adresse: Unteres Tor 11a. - Ehemaliges Klarissenkloster: Gegründet wahrscheinlich 1287, nach der Reformation aufgelöst. Erhalten sind Ost- und Südflügel, heute mit dem Diakonischen Werk, einem Café und der Pilgerherberge. Im Ostflügel steht ein Dachstuhl aus der Zeit nach dem Hussitensturm von 1444/45, die größte Hängegebälkkonstruktion Oberfrankens. Besichtigung auf Anfrage. - Rathaus: Am 23. Dezember 1566 eingeweiht. Der Turm ist 32 Meter hoch und begehbar, von oben siehst du über die Stadt. - Michaeliskirche und Marienkirche: Die Michaeliskirche geht auf einen Kapellenbau um 1230 zurück und ist heute die evangelische Hauptkirche. Die neugotische Marienkirche in der Fußgängerzone hat vor der Tür das Jakobsweg-Denkmal und innen eine Gedenkstätte für den Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg, der 1943 auf dem Transport ins KZ Dachau in Hof starb.
Essen und Trinken
Hof isst Wurst, und zwar auf der Straße. Seit 1871 verkaufen die Wärschtlamänner Würstchen aus dem Messingkessel: „Wienerla“, „Gnagger“, „Bauern“ und „Weisa“, im Brötchen („Laabla“), mit oder ohne „Sempft“. Daneben gibt es die kalt über Buchenholz geräucherte Hofer Rindfleischwurst, seit 2009 im EU-Register regionaltypischer Spezialitäten, und den Hofer Schnitz, einen Gemüseeintopf. Gebraut wird in Hof seit dem 14. Jahrhundert, „Hofer Bier“ ist seit 1998 eine geschützte geografische Angabe. Restaurants nennen wir nicht, die Tourist-Information berät dich gern.
Ehrlich gesagt
- Die letzte Etappe ist hart. 35,6 Kilometer von Oelsnitz, das ist die längste Etappe auf dem Weg durchs Vogtland. Wer kann, teilt in Triebel.
- Zur Herberge haben wir wenig Belegtes. Wie viele Betten es gibt und wie du dich anmeldest, haben wir nicht verlässlich herausgefunden. Schau vorher auf der Unterkunftsseite bei Camino Ninja oder bei der Diakonie Hochfranken nach.
- Die Lorenzkirche ist nicht immer offen. Öffnungszeiten haben wir nicht gefunden. Rechne damit, dass du am Schlusspunkt vor einer verschlossenen Tür stehst, und hol dir den Moment dann im Lorenzpark.
- Fernzüge halten in Hof nicht mehr. Nach Hause geht es mit Regionalzügen, etwa Richtung Nürnberg, Bamberg, Dresden, Zwickau oder München. Plane Umstiege ein.
Wo Pilger schlafen
- Pilgerherberge im Klarissenkloster (Diakonie Hochfranken, Klostertor 2): die Pilgerherberge der Stadt, untergebracht im ehemaligen Klarissenkloster, betrieben von der Diakonie Hochfranken, die das Haus „Pilgerherberge und Ort der Stille“ nennt. Laut Camino-Ninja-Daten ab 8 Euro (Stand: November 2026). Ein Bett im Kloster am Ende eines langen Wegs, besser kann man einen Weg nicht abschließen.
- Daneben gibt es Hotels, Pensionen und Apartments in allen Preislagen. Die Unterkunftsliste weiter unten zeigt dir, was Camino Ninja kennt.
Ninja-Tipps
- Geh vormittags in die Hospitalkirche. Dienstag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr ist offen, sonst klingelst du am Pfarramt nebenan. Die 90 bemalten Deckenfelder sind die schönste Überraschung der Stadt.
- Steig auf den Rathausturm. 32 Meter, begehbar, der beste Blick über die Stadt, die dein Ziel war.
- Such das Jakobsweg-Denkmal. Es steht an der Marienkirche in der Fußgängerzone. Ein Abschlussfoto dort ist ehrlicher als eines vor dem Ortsschild.
- Frag nach dem Dachstuhl. Wenn du im Klarissenkloster schläfst: Der mittelalterliche Dachstuhl im Ostflügel ist auf Anfrage zu besichtigen.
- Iss beim Wärschtlamo. Die Würstchen aus dem Messingkessel sind seit 1871 Hofer Institution. Bestell ein „Wienerla“ im „Laabla“ mit „Sempft“.
- Schau auf den Kalender. Am Schlappentag, dem Montag eine Woche nach Pfingstmontag, feiert Hof ein Schützenfest, das es seit 1432 gibt. Im Oktober laufen die Hofer Filmtage.
Praktische Tipps für Pilger
- Stempel: Laut der Wegbeschreibung des Sächsischen Jakobswegs gibt es den Stempel in der Tourist-Information.
- Tourist-Information: Ludwigstraße 24, Telefon 09281 815-7777. Im Winter (November bis März) Montag bis Freitag 10 bis 16 Uhr, Samstag 10 bis 13 Uhr; im Sommer (April bis Oktober) Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 13 Uhr (Stand: November 2026).
- Sonntag: Die Tourist-Information hat sonntags geschlossen. Wer am Sonntag ankommt, holt den Stempel am Montag oder fragt in der Herberge.
Weiter: zwei Wege führen aus Hof hinaus
Hier endet der Sächsische Jakobsweg. Wer weitergehen will, hat zwei Möglichkeiten: Der Oberfränkische Jakobsweg führt von Hof über Bayreuth nach Nürnberg zur Jakobskirche, die schon im Mittelalter Sammelpunkt der Pilger war. Die Via Imperii läuft ebenfalls durch Hof. Die fränkischen Jakobswege sind mit dem blauen Zeichen mit stilisierter gelber Muschel markiert.
Tiefer eintauchen: Eine Stadt, in der man ankommt
Ein kurzer Text, falls du noch mehr über Hof erfahren willst. Etwa vier Minuten Lesezeit.
Am Schlusspunkt
Wenn du in Hof vor der Lorenzkirche stehst, hast du seit Bautzen gut dreihundert Kilometer hinter dir. Bautzen, Dresden, Freiberg, Chemnitz, Zwickau, das Vogtland, zuletzt das frühere Grenzland zwischen Sachsen und Bayern. Der Sächsische Jakobsweg endet hier, an der ältesten Kirche der Stadt. Sie ist so alt wie die schriftliche Geschichte Hofs selbst: 1214, am Fest der heiligen Katharina, wird die Großpfarrei Hof mit dieser Kirche zum ersten Mal genannt. Man nennt sie die Mutterkirche, die Urpfarrei Hochfrankens. Ein guter Ort, um einen Weg abzuschließen, denn alles in Hof hat hier angefangen.
Eine Stadt am Fluss, zwei Kerne
Hof wuchs aus zwei Siedlungskernen, der alten Stadt um die Lorenzkirche und einer Neustadt, die um 1230 entstand. Im dreizehnten Jahrhundert kamen zwei Häuser dazu, deren Spuren du heute noch siehst. Am Unteren Tor gründete man ein Hospital mit Kirche. Und es entstand ein Kloster der Klarissen, wahrscheinlich 1287 gegründet, also von Schwestern, die nach der Regel der heiligen Klara von Assisi lebten. 1348 erneuerte eine Stiftung der Gertrud von Uttenhofen das Kloster, ab 1350 bauten die Schwestern ihre eigene Kirche.
Feuer und Krieg
Die Stadt hat viel durchgemacht. Nach dem Hussitensturm der Jahre 1444 und 1445 errichtete man über dem Ostflügel des Klosters einen Dachstuhl, der bis heute steht. 1477 brannte das Kloster, als Margareta von Brandenburg Äbtissin war. Im Zweiten Markgrafenkrieg 1553 wurde die Lorenzkirche geplündert und brannte ab, auch die Hospitalkirche wurde zerstört und erst 1557 wieder aufgebaut. Mit der Reformation endete das Klosterleben. Die letzte Äbtissin, Amalie von Hirschberg, starb 1564, danach fiel das Kloster an den Markgrafen. Die Klosterkirche verfiel, 1743 wurde ihr Turm abgetragen. Heute ist von ihr nichts mehr zu sehen. Am 4. September 1823 schließlich brannte fast die ganze Neustadt nieder. Sie wurde im Stil des Biedermeier neu aufgebaut, und so sieht die Innenstadt bis heute aus.
Ein Himmel aus neunzig Bildern
Einer der schönsten Räume der Stadt entstand in einer Zeit, in der kaum jemand an Pilger dachte. 1688 und 1689 bemalte Heinrich Andreas Lohe die Kassettendecke der Hospitalkirche, alle neunzig Felder, mit Szenen aus der Bibel. Unter dieser Decke steht ein Marienaltar, den Michael Heuffner 1511 für die Michaeliskirche geschnitzt hatte und der nach der Reformation dort nicht mehr gebraucht wurde. So wanderte er ins Hospital. Wer heute unter dieser Decke sitzt, sitzt in einem Raum, der über Jahrhunderte für Menschen da war, die Hilfe brauchten.
Ankunft auf dem Bahnhof
Im zwanzigsten Jahrhundert wurde Hof zur Grenzstadt. Durch das frühere Grenzgebiet bist du auf der letzten Etappe gegangen. Zwei Momente aus dieser Zeit sind in Hof gegenwärtig. 1943 starb hier der Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg auf dem Transport ins Konzentrationslager Dachau. Er hatte öffentlich für die verfolgten Juden gebetet. In der Marienkirche erinnert eine Gedenkstätte an ihn. Und im Herbst 1989 wurde Hof zum Ort der Ankunft. Am 1. Oktober, um vierzehn Minuten nach sechs Uhr morgens, rollte der erste Sonderzug aus Prag in den Hauptbahnhof. Bald waren es vierzehn Züge und dreizehntausendsechshundert Menschen, die aus der Prager Botschaft in den Westen gekommen waren.
Weitergereicht
Für Pilger ist Hof seit einigen Jahren ein Knotenpunkt. Am Jakobustag, dem 25. Juli 2009, wurde in Marktschorgast der Oberfränkische Jakobsweg eröffnet, der von Hof über Bayreuth zur Jakobskirche nach Nürnberg führt, einem historischen Sammelpunkt der Pilger. Zehn Jahre später zählte der Evangelische Pressedienst in Oberfranken sechsunddreißig Jakobskirchen, dreizehn davon an Pilgerwegen. Und das Netz wuchs in die andere Richtung: Von Hof aus wurde es durch Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt bis nach Görlitz und Berlin erweitert. In Hof treffen sich die Linien, und hier werden sie weitergereicht.
Wurst, Bier und ein altes Fest
Wer abends durch die Innenstadt geht, trifft auf eine Stadt, die ihre Gewohnheiten pflegt. Seit 1871 stehen die Wärschtlamänner mit ihren Messingkesseln auf der Straße und verkaufen Würstchen im Brötchen. Bier wird in Hof seit dem vierzehnten Jahrhundert gebraut. Und jedes Jahr, am Montag eine Woche nach Pfingstmontag, feiert die Stadt den Schlappentag, ein Fest, das es seit 1432 gibt und das seit 2019 zum immateriellen Kulturerbe Bayerns gehört. Für einen Pilger, der wochenlang unterwegs war, ist das eine freundliche Erinnerung daran, dass Ankommen auch heißt, sich wieder an einen Tisch zu setzen.
Was Hof dir mitgibt
Als dieser Text entstand, im Herbst 2026, gab es im alten Klarissenkloster eine Pilgerherberge, betrieben von der Diakonie, die das Haus einen Ort der Stille nennt. Das ist vielleicht das Schönste an Hof: dass eine Stadt, in der so viele Menschen angekommen sind, für Pilger einen stillen Raum bereithält. Du kannst hier aufhören oder weitergehen, nach Bayreuth und Nürnberg, auf dem Oberfränkischen Jakobsweg. Hof stellt dir keine Bedingungen. Es nimmt dich auf, wie es seit Jahrhunderten Menschen aufnimmt, und gibt dich weiter.
Übernachten in Hof
Unterkünfte in Hof.
GeöffnetDiakonie Hochfranken — Pilgerherberge Klarissenkloster
GeöffnetReservierung möglichHotel Posthorn
GeöffnetReservierung möglichHotel Strauss
Ort 15 von 15
Weiter auf dem Sächsischer Jakobsweg
Hof ist der letzte beliebte Ort auf dem Sächsischer Jakobsweg.





