Via Imperii
Die Via Imperii folgt auf 613,6 Kilometern der mittelalterlichen Reichsstraße von der Jakobikathedrale in Szczecin über Berlin, Lutherstadt Wittenberg und Leipzig bis nach Hof an der bayerischen Grenze. Um 1430 rollten auf dieser Straße 6.500 Frachtwagen im Jahr, heute gehst du sie meist allein: durch den Nationalpark Unteres Odertal, an Kloster Chorin vorbei, mitten durch die Hauptstadt und über die Kreuzung mit der Via Regia, an der Leipzig entstand. Erst im Vogtland wird es hügelig, höchster Punkt sind 588 Meter kurz vor dem Ziel. In Hof übernimmt der Oberfränkische Jakobsweg Richtung Nürnberg.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Reichsstraße nach Rom: 6500 Frachtwagen und eine Kreuzung namens Leipzig
- 08Highlights am Weg
- 09Wittenberg und der Lutherstein: der Weg durch das Land, das das Pilgern abschaffte
- 10Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 11Weiterpilgern?
- 12Vorbereitung & Praktisches
- 13Was dich der Weg kostet
- 14Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Jakobikathedrale in Szczecin (Stettin) / Hof an der Saale
- Länge: 613,6 km, davon gut 20 km in Polen
- Dauer: 27 Etappen, Ø knapp 23 km; drei natürliche Abschnitte Szczecin–Berlin, Berlin–Leipzig und Leipzig–Hof von je rund einer Woche
- Höhenmeter: ↗ 3.533 m / ↘ 3.047 m
- Höchster Punkt: 588 m bei km 594,5 bei Schwarzenreuth, zwischen Plauen und Hof
- Landschaft: Oderauen und Polder, Uckermark, Buchen- und Kiefernwald im Barnim, Großstadt Berlin, Fläming, Dübener Heide, Leipziger Auwald, Altenburger Land, zuletzt die Hügel des Vogtlands
- Markierung: gelbe Muschel auf blauem Grund, zwischen Bernau und Berlin noch lückenhaft
- Jakobus-Spuren: Jakobikathedrale Szczecin als Startpunkt, Jakobus im spätgotischen Altar von St. Marien in Bernau, das Jacobshospital in Leipzig
- Unterkunft: wenige echte Pilgerherbergen (Schwedt, Lunow-Stolzenhagen, Groß Ziethen, Eberswalde, Treuenbrietzen, Hof), sonst Pensionen, Gemeindehäuser und Jugendherbergen
- Anschlusswege: Camino Pomorska endet in Szczecin, Jakobsweg Brandenburg Nordroute in Bernau, Jakobsweg Brandenburg Südroute zwischen Marienfelde und Stahnsdorf, Jakobsweg Frankfurt (Oder) – Leipzig ab Plaußig, Via Regia in Leipzig, Sächsischer Jakobsweg in Zwickau und Hof, Oberfränkischer Jakobsweg ab Hof
- Beste Zeit: Mai bis Juni und September bis Oktober; dank des flachen Profils grundsätzlich ganzjährig, im Hochsommer heiß und schattenarm auf den Sandwegen Brandenburgs
Überblick
Die Via Imperii ist der Jakobsweg auf der alten Reichsstraße. Im Mittelalter verband diese Nord-Süd-Achse Stettin an der Odermündung über Berlin, Wittenberg, Leipzig und Nürnberg mit Rom; um 1430 liefen nach Wikipedia „mit 6500 Frachtwagen pro Jahr über 90 Prozent des Fernhandelsverkehrs zwischen Augsburg und der Republik Venedig“ über diese Route. Heute folgt ihr ein markierter Pilgerweg über 613,6 Kilometer, von der Jakobikathedrale in Szczecin bis nach Hof an der bayerischen Grenze. Wo früher sechseinhalbtausend Wagen im Jahr rollten, triffst du heute an manchen Tagen keinen einzigen Pilger.
Kaum ein deutscher Jakobsweg wechselt so oft das Gesicht: Oderauen, Backsteingotik und stille Wälder in Brandenburg, dann quer durch Berlin, durchs Lutherland und in die Messestadt Leipzig; erst im Vogtland wird es hügelig. Ehrlich gesagt ist das kein Weg, auf dem dich ein Herbergsnetz trägt; er verlangt Planung und belohnt sie mit Ruhe, Geschichte und einer Bahnverbindung an fast jedem Etappenziel.
Andere Namen
Via Imperii heißt wörtlich „Straße des Reiches“; sie war eine der großen Reichsstraßen des Heiligen Römischen Reiches, im Süden auch „untere Straße“ genannt. Die Brandenburger Träger schreiben Via Imperii Stettin/Szczecin – Berlin und Via Imperii Berlin – Leipzig, im Alltag liest du auch Jakobsweg Stettin–Hof. Nicht verwechseln: Die Via Regia ist die Ost-West-Schwester von Görlitz nach Westen; beide kreuzen sich in Leipzig.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal ist die Via Imperii für dich, wenn du Geschichte zum Anfassen magst, gern allein oder zu zweit in Stille gehst und flaches, zügiges Pilgern schätzt. Ideal auch, wenn du den Weg auf mehrere Urlaube verteilen willst: Szczecin, Berlin, Wittenberg, Leipzig, Zwickau, Plauen und Hof haben Bahnhöfe, und mit dem Deutschland-Ticket kommst du im Regionalverkehr zu fast jedem Abschnitt.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Bergpanoramen, südliche Sonne oder eine Pilgerszene mit abendlicher Herbergsrunde suchst. Nichts für dich, wenn du ohne Vorausbuchung losgehen willst: Die Unterkünfte liegen weit auseinander, und die beiden ersten Etappen sind mit 35,0 und 32,8 Kilometern lang. Und nichts für dich, wenn du Asphalt, Betonplattenwege und Stadtkilometer hasst: Allein in Berlin gehst du gut 40 Kilometer zwischen Buch und Teltow auf Pflaster.
Streckenverlauf & Landschaft
Szczecin bis Berlin (km 0–206,2): Von der Jakobikathedrale geht es nach Süden aus Szczecin hinaus; nach gut 20 Kilometern, zwischen Kamieniec und Staffelde, bist du in Deutschland. Hinter Gartz (km 35,0) begleitet dich der Nationalpark Unteres Odertal, eingeweiht am 10. September 1995, Deutschlands einzige intakte Polderlandschaft. Über Schwedt (km 67,8) und Angermünde (km 104,5) führt der Weg durch die Endmoränen der Uckermark und das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin zu Kloster Chorin (km 130,9), dann durch den Buchen- und Kiefernwald des Barnim über Eberswalde und Bernau nach Berlin (km 206,2).
Berlin bis Hof (km 206,2–613,6): Südlich der Hauptstadt folgen märkischer Sand, Kiefern und Spargelfelder um Beelitz, dann der Fläming mit den Windrädern von Feldheim und die Elbe bei Lutherstadt Wittenberg (km 332,6). Die Dübener Heide und der Auwald führen nach Leipzig (km 420,3), dahinter liegen die Seen des früheren Braunkohlereviers und das Altenburger Land. Ab Zwickau (km 523,5) steigt das Vogtland an, mit der Talsperre Pöhl, Plauen (km 576,5) und dem höchsten Punkt von 588 Metern bei Schwarzenreuth, bevor der Weg nach Hof (km 613,6) an die Saale hinunterführt.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Wir zeigen den Weg in 27 Etappen. Die Kilometer stammen aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 613,6 km kalibriert; die Etappenorte haben Unterkünfte, die Tageslängen liegen meist zwischen 17 und 28 Kilometern. Der Träger in Brandenburg teilt Szczecin–Berlin in 10 und Berlin–Leipzig in 10 Etappen; bei uns sind es 8 und 10.
- Szczecin → Gartz (35,0 km) — über die Grenze an die Oderauen; lang
- Gartz → Schwedt (Oder) (32,8 km) — durch den Nationalpark, wenig Einkehr
- Schwedt (Oder) → Stolpe (22,0 km) — Polderwiesen; ASP-Sperrbereich
- Stolpe → Groß-Ziethen (26,8 km) — Angermünde, Herberge in Groß Ziethen
- Groß-Ziethen → Eberswalde (26,3 km) — Brodowin, Kloster Chorin, Ragöser Mühle
- Eberswalde → Biesenthal (21,0 km) — Naturpark Barnim
- Biesenthal → Berlin-Buch (22,3 km) — Bernau mit St. Marien, Stadtrand
- Berlin-Buch → Berlin (20,0 km) — Pankow, Mitte
- Berlin → Teltow (23,2 km) — Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde
- Teltow → Saarmund (22,1 km) — erste Kiefernwälder
- Saarmund → Beelitz (16,0 km) — kurzer Tag ins Spargelland
- Beelitz → Treuenbrietzen (23,5 km) — Pilgerunterkunft in Treuenbrietzen
- Treuenbrietzen → Marzahna (17,2 km) — sanft hinauf in den Fläming, durch Feldheim auf 149 m
- Marzahna → Lutherstadt Wittenberg (24,4 km) — hinunter zur Elbe
- Lutherstadt Wittenberg → Kemberg (18,9 km) — über die Elbe
- Kemberg → Bad Düben (25,3 km) — Dübener Heide, Lutherstein, die Mühlen bei Tornau
- Bad Düben → Krostitz (21,7 km) — Dörfer der Leipziger Tieflandsbucht
- Krostitz → Leipzig (21,8 km) — Plaußig, Portitz, Markt
- Leipzig → Rötha (21,7 km) — Auwald und Tagebauseen
- Rötha → Borna (12,6 km) — kurzer Tag, Zeit für die beiden Silbermann-Orgeln in Rötha
- Borna → Altenburg (23,3 km) — Windischleuba
- Altenburg → Crimmitschau (28,0 km) — Gößnitz, die ersten Hügel
- Crimmitschau → Zwickau (17,6 km) — in die Schumann-Stadt
- Zwickau → Reichenbach im Vogtland (25,5 km) — Schönfels mit der Burg, Neumark
- Reichenbach im Vogtland → Plauen (27,5 km) — Buchwald, Talsperre Pöhl, Möschwitz; der hügeligste Tag
- Plauen → Heinersgrün (21,6 km) — höchster Punkt 588 m; wenig Betten
- Heinersgrün → Hof (15,5 km) — über Trogen an die Saale
Der Untergrund wechselt zwischen Feld- und Waldwegen, märkischem Sand, Betonplatten und viel Asphalt um Berlin und Leipzig; technisch schwierig ist nichts. Über 500 Kilometer spürst du kaum Steigung, erst zwischen Zwickau und Hof kommen Tage mit mehreren hundert Metern Auf und Ab. Die Markierung ist in Sachsen und im Berliner Süden meist zuverlässig, im Norden laut Träger „derzeit noch nicht vollständig ausgeschildert“ (Stand 26.11.2025: markiert bis Bernau). Nimm den Track mit, am besten direkt in der Camino Ninja App.
Reichsstraße nach Rom: 6500 Frachtwagen und eine Kreuzung namens Leipzig
Die Via Imperii war keine romantische Nebenstraße, sondern eine der wichtigsten Verkehrsadern Europas: privilegiert durch Straßenzwang, gut ausgebaut und kräftig verzollt. Die Straße verband die Hansestädte an der Ostsee mit Venedig und Rom, und mit den Händlern zogen nach Angaben der Brandenburger Jakobus-Gesellschaft nachweislich Pilger nach Jerusalem, Rom und Santiago. Für das Heilige Jahr 1500 zeichnete der Nürnberger Erhard Etzlaub eine Pilgerkarte, deren Straßen alle auf Rom zulaufen: „Das ist der Rom-Weg von meylen zu meylen mit puncten verzeychnet von eyner Stat zu der andern durch deutzsche lantt“. Ein Jahr später, 1501, folgte seine Karte der Landstraßen durch das Römische Reich.
Die schönste Pointe liegt in der Mitte des Weges. An der Kreuzung von Via Imperii und Via Regia entstand der „Ort bei den Linden“, sorbisch Lipsk, das heutige Leipzig; Thietmar von Merseburg nennt es 1015 „urbs Libzi“. Um 1165 gab Markgraf Otto der Reiche Stadt- und Marktrecht, 1497 erhob Kaiser Maximilian I. die Märkte zu Reichsmessen. Seit dem 28. April 2017 erklärt eine Bronzetafel vor der Alten Waage auf dem Markt, was du gerade tust: „Hier in Leipzig kreuzte sie die Via Imperii (Reichsstraße), die in Nord-Süd-Richtung verlief.“ Leipzig ist also nicht an der Straße entstanden – die Straßen haben Leipzig gemacht.
Wiederbelebt wurde der Weg in Etappen. Zuerst markierten sächsische Ehrenamtliche zwischen 2009 und 2013 den Sächsischen Jakobsweg und dann die Abschnitte zwischen Leipzig und Hof; seit Frühjahr 2015 ist Berlin–Leipzig markiert, und am 20. November 2015 wurde der Lückenschluss Berlin–Hof eröffnet, passend zum Festjahr „1000 Jahre Leipzig“. Die St. Jakobus-Gesellschaft Berlin-Brandenburg-Oderregion, im Frühjahr 2011 gegründet, begann im Frühjahr 2020 mit der Markierung des Nordabschnitts ab Szczecin, gemeinsam mit Kloster Chorin.
Highlights am Weg
- Jakobikathedrale Szczecin (km 0,0) — gestiftet vom Bamberger Beringer, nach der Überlieferung 1187; Turmspitze 1677 bei der Belagerung verloren, 1894 erneuert, im August 1944 zerbombt, seit 1983 Basilica minor.
- Gartz (km 35,0) — Stadtrecht 1249, Stettiner Tor aus dem 13. Jahrhundert als letztes von vier Stadttoren, die Stephanskirche als Teilruine seit 1945.
- Nationalpark Unteres Odertal (km 40–90) — 10.323 Hektar, im Winter geflutete Polder, Kraniche, Störche und Seeschwalben.
- Kloster Chorin (km 130,9) — Zisterzienser, gegründet 1258, 1542 säkularisiert; Schinkel ließ die Ruine ab 1817 sichern, seit 1964 Choriner Musiksommer.
- St. Marien in Bernau (km 175,9) — spätgotischer Flügelaltar um 1520, vermutlich aus der Cranach-Schule, mit 39 Figuren und 68 Bildern; unter den Heiligen laut Träger auch Jakobus.
- Feldheim (km 304,5) — seit Oktober 2020 der erste energieautarke Ort Deutschlands.
- Lutherstadt Wittenberg (km 332,6) — Schlosskirche mit Thesentür, Stadtkirche St. Marien mit dem Cranach-Altar, Lutherhaus; seit 1996 UNESCO-Welterbe.
- Leipzig (km 420,3) — Thomaskirche mit Bachs Grab, Nikolaikirche der Montagsdemonstrationen von 1989, die Bodentafel am Markt.
- Rötha (km 442,0) — zwei Kirchen mit Silbermann-Orgeln, St. Marien eine ehemalige Wallfahrtskirche.
- Altenburg (km 477,9) — Barbarossa war fünfmal hier, die Roten Spitzen erinnern an das Augustinerkloster; zwischen 1810 und 1818 entstand hier das Skatspiel.
- Zwickau (km 523,5) — Dom St. Marien mit dem Wolgemut-Altar von 1479 und Peter Breuers Pietà von 1502.
- Plauen (km 576,5) — Johanniskirche, 1122 geweiht; am 7. Oktober 1989 die erste große freie Demonstration der DDR.
- Hof (km 613,6) — nach dem Brand von 1823 als Biedermeierstadt wieder aufgebaut; 1989 kamen hier die Züge mit den Prager Botschaftsflüchtlingen an.
Wittenberg und der Lutherstein: der Weg durch das Land, das das Pilgern abschaffte
Ausgerechnet auf einem Jakobsweg kommst du in die Stadt, von der aus das Pilgern in halb Europa zum Erliegen kam. Kurfürst Friedrich der Weise hatte in der Wittenberger Schlosskirche einen der größten Reliquienschätze seiner Zeit gesammelt: Das Heiltumsbuch von 1509, illustriert von Lucas Cranach, verzeichnet 5005 Reliquien, und wer sie verehrte und spendete, konnte auf 501.300 Tage Ablass hoffen. 1517 stellte Martin Luther an derselben Kirche seine 95 Thesen gegen den Ablass zur Debatte. Ein Wallfahrtsort, der sich selbst abschaffte.
Luther kannte diese Straße. Der Lutherstein in der Dübener Heide, an deinem Weg bei km 367,9 zwischen Kemberg und Bad Düben, erinnert an ihn: Nach der Überlieferung kam er hier 1508 als Augustinermönch von Erfurt nach Wittenberg vorbei und predigte im Juni 1519 vom Stein, auf dem Rückweg von der Leipziger Disputation. Die Inschrift aus seinem Lied „Ein feste Burg“ kam 1817 zum 300. Reformationsjubiläum dazu. Dass hier heute wieder Muscheln an den Bäumen kleben, ist eine leise Ironie der Geschichte – und eine schöne.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Aus dem Nordosten kommt dir Polen entgegen: Der Camino Pomorska führt 791,6 Kilometer entlang der polnischen Ostseeküste und endet genau an der Jakobikathedrale von Szczecin, wo die Via Imperii beginnt. Wer dort ankommt, wechselt nur die Richtung, von West nach Süd.
Unterwegs münden weitere Wege ein, und jeder Einmündungspunkt ist ein möglicher Start:
- Jakobsweg Brandenburg Nordroute — von Frankfurt (Oder) nach Bernau bei Berlin
- Jakobsweg Brandenburg Südroute — von Frankfurt (Oder) in den Berliner Süden, gemeinsame Trasse zwischen Marienfelde und Stahnsdorf
- Jakobsweg Frankfurt (Oder) – Leipzig — über Lübben und Torgau, ab Plaußig auf der Via Imperii nach Leipzig
- Via Regia — die Ost-West-Achse von Görlitz, Kreuzung in Leipzig
- Sächsischer Jakobsweg — von Bautzen über Dresden und Chemnitz, berührt die Via Imperii in Zwickau und endet ebenfalls in Hof
Weiterpilgern?
In Hof ist längst nicht Schluss: Historisch lief die Reichsstraße weiter nach Nürnberg und Rom. Als Jakobsweg übernimmt der Oberfränkischer Jakobsweg, eingeweiht am 25. Juli 2009, und bringt dich in 181,1 Kilometern über Bayreuth nach Nürnberg. Dort beginnen die Wege Richtung Bodensee und Schweiz, und von da aus ist es eine durchgehende Linie bis Santiago.
Auch der Sächsische Jakobsweg endet in Hof; ab Zwickau hast du also die Wahl zwischen zwei Linien. Der Camino-Ninja-Planer kombiniert die Wege automatisch, so wie sie auf den Schildern aneinanderstoßen.
Vorbereitung & Praktisches
Pilgerausweis und App. Wie auf allen Jakobswegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial), um in den Pilgerherbergen zu übernachten und am Ende in Santiago die Compostela zu erhalten. Am besten bestellst du ihn schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist; die St. Jakobus-Gesellschaft Berlin-Brandenburg-Oderregion gibt die Credencial und einen eigenen Brandenburger Pilgerpass aus. Stempel gibt es in Kirchen, Touristinfos und Rathäusern. Plane deine Etappen vorab, gerade wegen der Unterkunftslage lohnt sich das hier mehr als in Spanien – am einfachsten gelingt das direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.
Afrikanische Schweinepest. In der Uckermark zwischen Criewen und Crussow, auf den Etappen 3 und 4, ist laut Träger das Betreten der Wälder und der offenen Landschaft verboten (Stand 17.07.2026). Prüfe vor dem Start die Trägerseite und plane eine Umgehung ein.
Unterkünfte und Jahreszeit. Pilgerherbergen gibt es im Norden in Schwedt (StroamCamp), in Lunow-Stolzenhagen nahe Stolpe, in Groß Ziethen und als Pilgerstube in Eberswalde, im Süden die Pension Britta in Treuenbrietzen und die Pilgerherberge der Diakonie in Hof mit 4 Plätzen. Dazwischen helfen Pensionen, Gemeindehäuser und Jugendherbergen. Melde dich ein paar Tage vorher an, in Treuenbrietzen ist das Pflicht. Mai, Juni und September sind ideal; im Hochsommer sind die Sandwege im Fläming und in der Dübener Heide heiß.
Was dich der Weg kostet
Die Pilgerunterkünfte sind günstig: Schwedt 10 bis 55 € je nach Zelt oder Zimmer, Lunow-Stolzenhagen ab 10 €, Groß Ziethen auf Spende, die Pilgerstube Eberswalde kostenlos, die Pension Britta in Treuenbrietzen 25 € (Stand: Oktober 2026). Pensionen liegen bei 40 bis 70 € im Einzelzimmer, in Berlin und Leipzig deutlich darüber.
Rechne mit etwa 50 bis 85 € pro Tag mit Pension und Einkehr, mit 30 bis 45 €, wenn du Pilgerquartiere nutzt und dich selbst versorgst (Stand: Oktober 2026). Ein echter Spartipp ist das Deutschland-Ticket für 63 € im Monat (Stand: Oktober 2026): Es deckt An- und Abreise im Regionalverkehr und jeden Abbruch zwischendurch.
Anreise
Zum Start. Nach Szczecin fährst du am bequemsten über Berlin: Der Regionalexpress braucht von Berlin rund zwei Stunden bis Szczecin Główny. Aus Polen ist Szczecin ohnehin ein Bahnknoten.
Vom Ziel. Hof Hauptbahnhof verbindet dich direkt mit Leipzig, Nürnberg und Regensburg. Weil Berlin, Wittenberg, Leipzig, Altenburg, Zwickau, Reichenbach und Plauen alle am Schienennetz liegen, ist die Via Imperii ideal zum Abschnittspilgern.
- Bahn: bahn.de — Verbindungen nach Szczecin über Berlin und ab Hof
- Polnische Bahn: intercity.pl — Anreise nach Szczecin Główny aus Polen
- Infos (Nord): brandenburger-jakobswege.de — Etappen, GPS-Daten, Pilgerpass und aktuelle Sperrungen
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