Camino dos Faros
Der Camiño dos Faros führt dich in acht Etappen und 198,9 km von Malpica nach Fisterra — immer so nah am Atlantik wie möglich, über Klippenpfade, Strände und von Leuchtturm zu Leuchtturm. Er ist kein offizieller Jakobsweg, aber für viele Pilger die schönste Verlängerung nach Santiago.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal — und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Sechs Wanderer, zwei Hunde, ein Kobold: der Weg, der sich selbst erfand
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Malpica de Bergantiños → Cabo Fisterra
- Länge: 198,9 km
- Höhenmeter: rund ↗ 5.000 m / ↘ 5.000 m
- Dauer: 7–9 Tage (8 offizielle Etappen)
- Wegzeichen: grüne Pfeile und Punkte, dazu die Fußspuren des Trasno; grünes X = falsche Richtung
- Status: KEIN offizieller Jakobsweg — eine Küstenwanderroute, von Pilgern als Verlängerung geliebt
- Charakter: wilder Klippenweg über die Costa da Morte — Trittsicherheit und Schwindelfreiheit Voraussetzung
Überblick
Der Camiño dos Faros ist das, was passiert, wenn man den Jakobsweg zu Ende gegangen ist und trotzdem nicht aufhören kann: 198,9 Kilometer wilde Atlantikküste von Malpica nach Fisterra, immer an der Kante zwischen Land und Meer, von Leuchtturm zu Leuchtturm über die Costa da Morte — die Todesküste, die ihren Namen von Jahrhunderten voller Schiffbrüche trägt. Kein Weiler ohne Klippenpfad, kein Tag ohne Strand, und über allem das Motto der Erfinder: eine andere Landschaft bei jedem Schritt.
Eines vorweg, weil es zu diesem Weg gehört wie der Wind: Der Camiño dos Faros ist kein offizieller Jakobsweg. Er führt nicht nach Santiago, es gibt keine Compostela und keinen Herbergsausweis-Zwang — dafür die vielleicht spektakulärste Küstenlinie Spaniens und am Ende dasselbe Kap, an dem Pilger seit Jahrhunderten aufs Meer schauen. Wer nach der Ankunft in Santiago noch eine Woche übrig hat und das Meer hören will, findet hier den schönsten Nachschlag, den Galicien zu bieten hat.
Andere Namen
Auf Galicisch heißt der Weg O Camiño dos Faros, auf Spanisch Camino de los Faros, auf Englisch The Lighthouse Way, auf Deutsch meist Leuchtturmweg — alle Namen meinen dieselbe Kette von Leuchttürmen, die dieser Weg von Malpica bis Fisterra abklappert. Nur eines heißt er nie: Jakobsweg. Trotz des Ziels Fisterra ist das kein offizieller Camino, sondern eine Küstenwanderroute — die Kirche zählt diese Kilometer nicht, und genau das steht hier auch überall ehrlich dran.
Für wen ideal — und für wen eher nicht
Dieser Weg ist für dich gemacht, wenn du das Meer nicht nur sehen, sondern acht Tage lang hören willst. Die Regel der Gründer war simpel: immer so nah am Wasser wie möglich — das Ergebnis sind Fischer- und Percebes-Sammler-Pfade an der Abbruchkante, Strände als Wegstrecke und Leuchttürme als Etappenziele. Wer längere Touren kennt, mit der Camino Ninja App navigiert und einen Tag ohne Café verkraftet, wird hier glücklich — erst recht als Zugabe nach dem Camiño a Fisterra oder Camiño a Muxía: Du kennst die Küste dann schon. Aber nicht so.
Ehrlich gesagt ist er nichts für dich, wenn du ein Netz aus Albergues, Pilgergesellschaft am Abend und eine Compostela am Ende willst — das alles gibt es hier nicht. Dafür gibt es rund 5.000 Höhenmeter auf acht Etappen von 18 bis 32,6 Kilometern (Vereinsansage: 7,5 bis 10 Stunden pro Tag), Blockfelder, auf denen die Hände mitarbeiten, und ungesicherte Passagen direkt an der Kante: Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind keine Empfehlung, sondern Voraussetzung. Bei Sturm sind exponierte Abschnitte schlicht gefährlich, Hilfe ist weit — deshalb rät dir hier jeder davon ab, allein zu gehen.
Streckenverlauf & Landschaft
Los geht es am Fischereihafen von Malpica, die Illas Sisargas vor der Nase — und schon am ersten Tag stehst du am Faro de Punta Nariga, den César Portela 1995 wie einen Schiffsbug in den Fels gesetzt hat. Danach wechseln Klippen und Buchten, bis die Ría do Anllóns bei Ponteceso den Weg einmal ins Landesinnere zwingt — eine von nur zwei Stellen, an denen das Meer kurz aus dem Bild gerät. Über Laxe und die einsamen Strände bei Arou und Camelle folgt das wilde Herzstück: die Praia do Trece hinter ihren Wanderdünen, der Klippenrand über Punta do Boi mit dem Engländerfriedhof — und darüber seit 1896 der Faro de Cabo Vilán.
Ab Camariñas führt die längste Etappe um die Ría nach Muxía, wo der Weg auf die Steinboot-Legende trifft und mit „A Ferida“ auf die jüngste Wunde dieser Küste. Dann wird es noch einmal ernst: Der Abschnitt über Cabo Touriñán, den westlichsten Punkt des spanischen Festlands, gilt als technisch härtester des ganzen Wegs. Der letzte Tag zieht über die weite Praia do Rostro, den Monte Pindo als Kulisse, zum Leuchtturm von Cabo Fisterra — dem Punkt, den die Römer für das Ende der Welt hielten. Das Gründermotto „eine andere Landschaft bei jedem Schritt“ ist dabei keine Werbung, sondern eine Beschreibung: Klippen, Dünen, Eukalyptus, Fischerdörfer und ein Megalithgrab aus dem 4. Jahrtausend vor Christus.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Der Verein teilt den Weg in acht offizielle Etappen — und die sind sportlich gedacht, von den Trasnos selbst, mit 7,5 bis 10 Stunden Gehzeit pro Tag. Viele strecken den Weg deshalb auf zehn Tage, und das ist keine Schwäche, sondern Planung: In kürzeren Abschnitten bleibt Zeit für Leuchttürme, Engländerfriedhof und ein Mittagessen am Hafen. Geübte schaffen es in sieben. Nimm die Liste als Gerüst, nicht als Vorschrift — verhandelt wird ohnehin mit dem Wetter.
- Malpica → Niñóns (21,2 km) — Faro de Punta Nariga, Illas Sisargas, sechs Strände
- Niñóns → Ponteceso (27,1 km) — Klippen, Ría do Anllóns, Dünen; laut Verein die schwerste der frühen Etappen
- Ponteceso → Laxe (25,3 km) — Dolmen de Dombate, Monte Castelo 312 m — höchster Punkt des Weges
- Laxe → Arou (18,0 km) — kürzeste und leichteste Etappe
- Arou → Camariñas (23,8 km) — Praia do Trece, Cementerio de los Ingleses, Faro de Cabo Vilán
- Camariñas → Muxía (32,6 km) — längste Etappe, wenig Steigung, Ría de Camariñas, Ankunft an der Punta da Barca
- Muxía → Nemiña (25,3 km) — Cabo Touriñán, westlichster Punkt des spanischen Festlands; technisch anspruchsvollster Abschnitt
- Nemiña → Cabo Fisterra (26,9 km) — Monte Pindo im Blick, Praia do Rostro, Ziel am Leuchtturm
Sechs Wanderer, zwei Hunde, ein Kobold: der Weg, der sich selbst erfand
Am 7. Dezember 2012 brachen in Malpica sechs Freunde und zwei Hunde auf, mit einer einzigen Prämisse: Malpica mit Fisterra verbinden, immer am Rand des Meeres. Sie nannten sich Trasnos — nach dem verspielten Kobold der galicischen Mythologie — und hatten am 26. Januar 2013 die durchgehende Linie gefunden: Fischerpfade, Percebes-Sammler-Steige, Dünenquerungen, zusammengeknüpft zu einem Weg, den es vorher schlicht nicht gab. Im April 2013 gingen 23 Leute die erste öffentliche Etappe mit, bald waren es über fünfhundert; seit dem 21. Dezember 2013 wacht ein gemeinnütziger Verein darüber, dass der Weg so bleibt, „wie die Trasnos ihn entworfen haben“.
Genau darin liegt sein Charakter: Der Camiño dos Faros ist ein camino indómito — ein unbezähmbarer Weg. Er ist bis heute kein zertifizierter GR-Wanderweg, seine grünen Pfeile und Trasno-Fußspuren sind Handarbeit von Freiwilligen, und zuletzt verlangten Behörden fünfzehn Streckenänderungen, deren Ausgang offen ist. Wer ihn geht, geht einen Weg, der von unten entstanden ist und von unten verteidigt wird — das spürst du an jeder handgemalten Umleitung.
Und der Jakobus-Faden? Er läuft mitten hindurch. In Muxía erreicht der Weg das Santuario da Virxe da Barca — jenen Felsvorsprung, an dem der Überlieferung nach Maria dem Apostel Jakobus in einem Steinboot erschien, um ihn nach erfolgloser Predigt zu trösten; Segel, Rumpf und Ruder liegen als Pedra de Abalar, Pedra dos Cadrís und Pedra do Timón bis heute am Ufer. Und am Ende wartet Cabo Fisterra, das finis terrae der Römer mit dem keltischen Sonnenaltar Ara Solis im Rücken. Kein Jakobsweg also — aber ein Weg, der zwei der stärksten Orte der ganzen Jakobus-Welt verbindet, nur eben von der Meerseite her.
Highlights am Weg
- Faro de Punta Nariga — 1995 von César Portela wie ein Schiffsbug gebaut, gekrönt vom bronzenen „Atlante“: halb Mensch, halb auffliegende Möwe.
- Illas Sisargas — die Inselgruppe vor Malpica, eine der wichtigsten Seevogelkolonien Galiciens, Begleiterin der ganzen ersten Etappe.
- Dolmen de Dombate und Monte Castelo — ein Megalithgrab aus dem 4.–3. Jahrtausend v. Chr., und mit 312 Metern der höchste Punkt des ganzen Wegs. Mehr Aufstieg hat diese Route nicht — nur eben zweihundert Mal.
- Praia do Trece — ein Strand hinter Wanderdünen, den nur Wanderer und Fischer erreichen, Auftakt zum wildesten Klippenabschnitt der Route.
- Cementerio de los Ingleses — der Friedhof über Punta do Boi: 172 Seeleute der 1890 gesunkenen HMS Serpent liegen hier, nur drei von 176 Mann überlebten. Die dankbare Admiralität schenkte Camariñas ein Barometer.
- Faro de Cabo Vilán — seit 1896 der erste elektrische Leuchtturm Spaniens, 25 Meter Turm auf hundert Meter Fels, Reichweite 40 Seemeilen. Gebaut als Antwort auf die Serpent.
- Camariñas und das Encaixe — Klöppelspitze seit dem 16. Jahrhundert, über 2.000 „palilleiras“ halten sie lebendig, seit 1991 mit eigener Mostra in der Karwoche.
- Cabo Fisterra — der Leuchtturm von 1853, der Monte Facho mit der Erinnerung an den Sonnenaltar Ara Solis, und das Kap, das bis heute finis terrae heißt.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Die meisten kommen aus einer ganz bestimmten Stimmung: Sie haben in Santiago den Camiño a Fisterra oder den Camiño a Muxía beendet, standen am Leuchtturm, sahen die Sonne im Meer verschwinden — und wollten nicht in den Bus steigen. Genau dafür ist der Camiño dos Faros gemacht. Du kannst ihn ab Fisterra rückwärts nach Malpica gehen oder in der offiziellen Richtung, mit Fisterra als zweitem, diesmal erwandertem Ende der Welt. Wer die Runde des Camiño a Fisterra-Muxía kennt, merkt hier schnell, wie viel Küste zwischen beiden Orten noch gefehlt hat.
Der Startpunkt Malpica liegt rund 55 Kilometer westlich von A Coruña — und eine Direktverbindung gibt es nicht: per Bus immer über Carballo umsteigen (ab A Coruña mit Arriva, ab Santiago über bus.gal), oder Taxi/Transfer ab einem der beiden Flughäfen. Plane die Anreise als halben Tag und übernachte die erste Nacht in Malpica — der Weg beginnt direkt am Hafen, und die erste Etappe ist lang genug.
Weiterpilgern?
In Fisterra endest du, wo für viele Pilger der Camino endet — nur von der anderen Seite. Wer Tage übrig hat, dreht den Spieß um: auf dem Camiño a Fisterra zurück Richtung Santiago (89 km über Cee und Negreira, markiert, mit Herbergsnetz und Fisterrana), oder hinüber nach Muxía und auf dem Camiño a Muxía (87 km). Beides verbindet der Camiño a Fisterra-Muxía über Olveiroa, je nach Richtung 118,8 oder 119,9 Kilometer.
Und hier gehört die Wahrheit hin: Für den Camiño dos Faros selbst gibt es keine Compostela — er führt nicht nach Santiago, die Kirche zählt seine Kilometer nicht. Erst in Santiago, etwa über den Camino Francés oder die Küstenwege zurück, wird aus der Reise eine anerkannte Pilgerfahrt. Viele machen es genau so herum: erst der Francés, dann die Küste, dann der Leuchtturmweg als Zugabe — und nicht wenige erinnern sich an die Zugabe am längsten.
Vorbereitung & Praktisches
Die beste Zeit sind später Frühling und früher Herbst: Im Mai und Juni blüht der Ginster, im September ist die Luft klar und die Küste leer. Der Hochsommer bringt Hitze auf schattenlosen Klippen, der Winter Stürme, bei denen ausgesetzte Passagen kein Spaß mehr sind — prüfe vor jeder Etappe das Wetter, hier ist das ein Sicherheitsthema, kein Komfortthema. Bereite dich ehrlich vor: rund 5.000 Höhenmeter in acht Tagen, zwei Monate Training mit gepacktem Rucksack sind eine verbreitete Empfehlung, eingelaufene wasserdichte Schuhe Pflicht, lange Hosen schützen vor Ginster und Dornen.
Markiert ist der Weg mit grünen Pfeilen und Punkten und den Fußspuren des Trasno; ein grünes X heißt: falsch. Verlass dich nicht allein darauf — Grün verschwindet vor Fels und Ginster, Camino Ninja App und Offline-Karten sind hier Standardausrüstung. Übernachtet wird in Pensionen, kleinen Hotels und Casas rurales; Pilgerherbergen gibt es praktisch nur in Muxía und Fisterra. Wildcampen ist verboten (durchgehend Natura-2000-Gebiet), Brunnen sind selten — nimm zwei Flaschen mit. Und geh nicht allein: Es gibt lange Abschnitte ohne Menschen und ohne Empfang.
Einen Pilgerausweis brauchst du hier nicht — kein offizieller Jakobsweg, keine Stempelpflicht, die Unterkünfte fragen nicht danach. Sinnvoll ist er trotzdem, wenn du danach offiziell weiterpilgerst: Für die öffentlichen Herbergen und für Fisterrana, Muxiana oder Compostela ist er die Grundlage. Wichtiger als jedes Dokument ist hier ohnehin die Planung — ohne Herbergsnetz musst du die Betten vorher festmachen, besonders im Sommer; am einfachsten gelingt das direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.
Was dich der Weg kostet
Der Camiño dos Faros ist teurer als ein klassischer Camino, weil ihm die günstigen Herbergen fehlen: Ein Doppelzimmer in Pension oder Casa rural kostet an der Costa da Morte meist 50 bis 70 € pro Nacht, ein Einzelzimmer selten unter 40. Fürs Essen rechnest du 20 bis 30 € am Tag — ein menú del día liegt in den Fischerdörfern bei 13 bis 16 €. Realistisch landest du bei 60 bis 90 € pro Person und Tag, zu zweit am unteren, allein am oberen Ende — für den ganzen Weg grob 500 bis 750 € plus An- und Rückreise. Und nimm mindestens 80 € Bargeld mit: Geldautomaten sind unterwegs so selten wie Brunnen (Stand: August 2026).
Anreise
Der Weg beginnt in Malpica an der Nordküste der Costa da Morte und endet am Leuchtturm von Cabo Fisterra, gut drei Kilometer hinter dem Ort. Beide Enden erreichst du öffentlich, aber nie ganz direkt: Nach Malpica führt keine durchgehende Linie von den Flughäfen A Coruña und Santiago, und ab Fisterra geht es zuerst nach Santiago zurück.
Und das Wichtigste vorweg: Zwischen den Etappenorten fahren keine Busse. Wer abkürzen oder abbrechen muss, nimmt das Taxi — auf kurzen Strecken bezahlbar, aber es will vorher bedacht sein. Plane die Anreise als halben bis ganzen Tag und schlafe die erste Nacht in Malpica.
- Anreise nach Malpica: Von A Coruña mit Arriva (arriva.gal) bis Carballo, dort umsteigen nach Malpica; von Santiago über bus.gal, ebenfalls via Carballo. Alternativ Taxi/Transfer ab Flughafen A Coruña oder Santiago.
- Rückreise ab Fisterra: Mit Monbus (monbus.es) direkt nach Santiago; von dort Zug/Bus nach A Coruña, Madrid und zu den Flughäfen. Dieselbe Linie bedient Muxía.
- Zwischeneinstieg: Ponteceso, Laxe, Camariñas und Muxía sind per Bus über Carballo bzw. Santiago erreichbar. Zwischen den Etappenorten selbst hilft nur das Taxi.
Weg und Markierung betreut die Asociación O Camiño dos Faros: caminodosfaros.com.
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