Camino Sicilia
Der Camino Sicilia durchquert Sizilien von Hafen zu Hafen: 454,2 Kilometer und 11.719 Höhenmeter in 20 Etappen von der Malta-Fähre in Pozzallo durch die Barockstädte des Val di Noto nach Caltagirone, über den Cammino di San Giacomo nach Capizzi, dann über den höchsten Punkt auf 1.301 Metern und durch die Madonie nach Palermo – wo die Fähre nach Cagliari das nächste Glied des Camino Maltés beginnt.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07In Capizzi schlägt die Prozession jedes Jahr eine Mauer ein
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Pozzallo, Fährhafen (Malta-Fähre) → Palermo, Hafen (Fähre nach Cagliari)
- Länge: 454,2 km
- Höhenmeter: 11.719 m im Aufstieg, 11.694 m im Abstieg
- Höchster Punkt: 1.301 m auf dem Kamm zwischen Capizzi und Geraci Siculo (km 276,9)
- Etappen: 20
- Dauer: 20–23 Tage
- Schwierigkeit: anspruchsvoll – Bergland im Alpenmaß, eine 47-Kilometer-Etappe, im Sommer Wasserknappheit
- Träger: Kernstück Caltagirone – Capizzi: Associazione Borgo San Giacomo di Piazza Armerina; Zubringer Pozzallo – Caltagirone und Fortsetzung Capizzi – Palermo: Camino-Ninja-Trassierung
- Markierung: gelbe Pfeile und Logo zwischen Caltagirone und Capizzi; auf den übrigen Abschnitten keine durchgehende Jakobsweg-Markierung – GPS-Track nötig
- Beste Zeit: April–Mai und Oktober; Sommer heiß und wasserarm, Winter Schnee möglich in Nebrodi und Madonie
Überblick
Der Apostel kam mit den Normannen nach Sizilien, nicht mit den Spaniern. Am 25. Juli 1090, dem Jakobstag, schlug Graf Ruggero d'Altavilla bei Caltagirone die Sarazenen – der Heilige war ihm nach der Überlieferung zuvor mit gezogenem Schwert erschienen – und gründete zum Dank die Basilica di San Giacomo, der er den Schutz der Stadt anvertraute. 125 Kilometer und 2.800 Höhenmeter weiter, in Capizzi auf 1.100 Metern in den Nebrodi, steht das älteste Jakobusheiligtum der Insel, urkundlich seit einer päpstlichen Bulle von 1227, mit einem Fingerglied des Apostels – und mit einer Prozession, die jedes Jahr am 26. Juli eine Hauswand einschlägt, weil ein spanischer König 1435 die Reliquien mitnehmen ließ. Diese beiden Orte verbindet der Cammino di San Giacomo in Sicilia, den Totò Trumino aus Piazza Armerina im Lockdown trassierte, fertig am 10. Mai 2021. Er ist das Kernstück dieses Weges.
Der Camino Sicilia macht daraus die ganze Insel. Er beginnt dort, wo die Fähre aus Malta anlegt, in Pozzallo, zieht durch die Barockstädte Modica und Ragusa und über die Hügel der Monti Iblei nach Caltagirone, folgt dem Cammino di San Giacomo nach Capizzi und steigt dann weiter: über den höchsten Punkt auf 1.301 Metern in die Madonie, nach Geraci Siculo, Castelbuono und Caccamo, hinunter nach Palermo an den Hafen, wo die Fähre nach Cagliari ablegt. 454,2 Kilometer, 11.719 Höhenmeter, 20 Etappen, von Hafen zu Hafen – das sizilianische Glied des Camino Maltés, der Kette von Malta über Sizilien und Sardinien nach Katalonien und Santiago. Ehrlich gesagt ist nur das Mittelstück ein markierter Trägerweg; Zubringer und Fortsetzung sind unsere eigene Trassierung, und die gehst du mit dem Track, nicht mit Pfeilen.
Andere Namen
Camino Sicilia ist unser Name für die komplette Durchquerung von Pozzallo nach Palermo – eine Camino-Ninja-Systematik, keine offizielle Bezeichnung. Das Kernstück heißt beim Träger Cammino di San Giacomo in Sicilia, so steht es im Führer von Totò Trumino und Giuseppe Riggio (Terre di mezzo, 2025) und bei Cammini d'Italia; in englischen Quellen liest du Sicilian Camino. Capizzi trägt in italienischen Quellen den Beinamen „Compostela di Sicilia“ – ein Ehrenname, kein Titel. Im größeren Netz ist der Weg das sizilianische Glied des Camino Maltés, der rund 3.600 Kilometer langen Kette Malta → Sizilien → Sardinien → Katalonien → Santiago. Verwechsle ihn nicht mit der Via Francigena Normanna, die von Palermo nach Messina läuft und Nicosia und Capizzi als 9. und 10. Etappe passiert, und nicht mit der Magna Via Francigena, die weiter westlich nach Agrigento zieht.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Der Camino Sicilia ist für dich, wenn du drei Wochen hast und eine Insel wirklich durchqueren willst: vom Barock des Val di Noto über die Getreidehügel der Erei und die Nebrodi in die Buchenwälder der Madonie und hinunter an die Küste bei Palermo, durch Orte, in denen kaum Touristen aussteigen – Monterosso Almo, Mirabella Imbaccari, Assoro, Geraci Siculo, Gratteri. Er ist für dich, wenn du Kunstgeschichte auf Schotterwegen suchst: die Mosaiken der Villa Romana del Casale, ein Reliquienschrein mit 92 Jahren Bauzeit, eine Gagini-Tribuna von 1515, eine Kirche, die seit 1227 in den Akten steht. Und er ist für dich, wenn du die lange Kette gehst: Wer aus Malta mit der Fähre in Pozzallo ankommt, hat hier die Fortsetzung, und wer in Palermo aufs Schiff nach Cagliari steigt, hat die nächste.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du „moderat“ glaubst, weil es die Quellen für das Kernstück so nennen: 11.719 Höhenmeter auf 454 Kilometern sind Alpenmaß, die Etappe von Capizzi nach Geraci Siculo misst 47 Kilometer ohne Ort dazwischen, und der höchste Punkt liegt auf 1.301 Metern. Nichts für dich im Hochsommer: Wasserstellen sind knapp, Schatten gibt es in der Dittaino-Ebene kaum. Nichts für dich, wenn du Markierung erwartest – die gibt es nur zwischen Caltagirone und Capizzi. Und nichts für dich, wenn du ohne Buchung losgehst: Es gibt kein Herbergsnetz, sondern B&Bs, Agriturismi und Pfarrhäuser, und in den kleinen Bergorten stehst du sonst vor einer Handvoll Betten. Solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs.
Streckenverlauf & Landschaft
Du startest in Pozzallo am Fährhafen unter der Torre Cabrera und steigst durch die Cava d'Ispica, einen dreizehn Kilometer langen Canyon voller Felswohnungen, hinauf in den Barock: Modica mit dem Duomo di San Giorgio und seiner Schokolade nach aztekischem Rezept, Ragusa Ibla mit Rosario Gagliardis Kathedrale – beide Teil des Welterbes „Città tardo barocche del Val di Noto“, wiederaufgebaut nach dem Erdbeben vom 11. Januar 1693. Über Chiaramonte Gulfi, den „Balcone di Sicilia“, Monterosso Almo und Vizzini, wo Giovanni Verga seine „Cavalleria rusticana“ spielen ließ, erreichst du Grammichele, die Sechseckstadt von 1693, und Caltagirone, die Keramikstadt mit der Basilika des Grafen Ruggero und der Scala di Santa Maria del Monte.
Ab Caltagirone folgst du dem Cammino di San Giacomo: über San Michele di Ganzaria nach Mirabella Imbaccari, nach Piazza Armerina mit der Villa Romana del Casale, durch die Riserva Rossomanno-Grottascura-Bellia mit ihren windgeformten „pupi ballerini“ nach Valguarnera, über die Piana del Dittaino und den Schwefelberg Assoro nach Nicosia, der Stadt der 24 Barone, und hinauf in die Nebrodi nach Capizzi. Dann beginnt das dritte Sizilien: ein langer Kamm auf über 1.300 Metern, Geraci Siculo auf 1.077 Metern, Castelbuono mit der Burg der Ventimiglia, Isnello, Gratteri und Collesano in den Madonie, hinunter über Cerda und Sciara nach Caccamo unter einer der größten Burgen der Insel – und die letzten zwei Tage durch Casteldaccia und Bagheria an die Küste nach Palermo. Untergrund: Schotter- und Feldwege, Bergpfade in Nebrodi und Madonie, Asphalt in den Orten und auf den letzten Kilometern zur Stadt.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Zwanzig Tage mit 13 bis 47 Kilometern. Zwischen Caltagirone und Capizzi übernehmen wir die Etappenschnitte des Trägers; davor und danach setzen wir sie nach Betten, weshalb Modica – Ragusa kurz bleibt und Capizzi – Geraci Siculo lang wird – dort gibt es schlicht keinen Ort dazwischen, plane also Zwischenübernachtung in einem Agriturismo mit Abholung oder einen sehr frühen Start. Schwierigkeit: Die Quellen nennen das Kernstück „moderat“, die Zahlen sagen etwas anderes – 11.719 Höhenmeter, vier Etappen über 25 Kilometer, der höchste Punkt am 14. Tag. Kilometer aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 454,2 km kalibriert.
- Pozzallo → Ispica (15,3 km) – Vom Fährhafen unter der Torre Cabrera hinauf in die Hügel; ein kurzer Ankunftstag, auf den die Cava d'Ispica wartet.
- Ispica → Modica (23,8 km) – Durch den Canyon der Cava d'Ispica mit seinen Felswohnungen in die Barockstadt der Schokolade.
- Modica → Ragusa (13,4 km) – Kurz, aber mit Ziel: Ragusa Ibla, Duomo di San Giorgio, Welterbe.
- Ragusa → Chiaramonte Gulfi (23,2 km) – Hinauf in die Monti Iblei zum „Balcone di Sicilia“ mit seinem Olivenöl.
- Chiaramonte Gulfi → Vizzini (26,4 km) – Über Monterosso Almo ins Verga-Land; in der Cunzirìa, dem alten Gerberviertel, spielt das Duell der „Cavalleria rusticana“.
- Vizzini → Grammichele (21,3 km) – Über Licodia Eubea in die Sechseckstadt, die Carlo Maria Carafa 1693 nach dem Erdbeben am Reißbrett gründete.
- Grammichele → Caltagirone (17,9 km) – In die Keramikstadt: Basilica di San Giacomo, Scala di Santa Maria del Monte; ab hier gelbe Pfeile.
- Caltagirone → Mirabella Imbaccari (20,4 km) – Über San Michele di Ganzaria durch die Hügel der Erei, Weizen und Olivenhaine.
- Mirabella Imbaccari → Piazza Armerina (18,9 km) – Über die Eremo di Leano in die Stadt des Gründers; Villa Romana del Casale als Abstecher.
- Piazza Armerina → Valguarnera Caropepe (20,7 km) – Durch die Riserva Rossomanno-Grottascura-Bellia auf 800 Metern, „pupi ballerini“ und Nekropole Rocca Crovacchio.
- Valguarnera Caropepe → Assoro (25,1 km) – Über die Piana del Dittaino, den tiefsten Abschnitt der Mitte, und hinauf ins Schwefeldorf mit der Gagini-Tribuna.
- Assoro → Nicosia (23,6 km) – Über Nissoria ins Bergland nach Nicosia, „Civitas Constantissima“, Kathedrale San Nicolò.
- Nicosia → Capizzi (16,9 km) – Über Crociate hinauf in die Nebrodi zum Santuario di San Giacomo, Fingerreliquie, vollkommener Ablass.
- Capizzi → Geraci Siculo (47,1 km) – Die Königsetappe: über den höchsten Punkt des Weges auf 1.301 Metern (km 276,9) durch Buchenwald und Weideland in die Madonie; kein Ort dazwischen, Zwischenübernachtung organisieren.
- Geraci Siculo → Castelbuono (19,6 km) – Vom Ventimiglia-Nest auf 1.077 Metern hinunter zur Burg von 1316 und zur Manna-Stadt.
- Castelbuono → Gratteri (18,6 km) – Über Isnello durch das Herz der Madonie.
- Gratteri → Cerda (25,8 km) – Über Collesano, die Targa-Florio-Stadt, hinab aus den Bergen ins Artischockenland.
- Cerda → Caccamo (20,5 km) – Über Sciara zur normannischen Burg von Caccamo, einer der größten Siziliens.
- Caccamo → Casteldaccia (31,9 km) – Der lange Abstieg an die Küste; Bellacera und die ersten Weinberge des Tyrrhenischen Meeres.
- Casteldaccia → Palermo (23,8 km) – Über Bagheria mit der Villa Palagonia, Ficarazzi und Villabate in die Hauptstadt und zum Hafen.
In Capizzi schlägt die Prozession jedes Jahr eine Mauer ein
Am 26. Juli, dem Tag nach dem Jakobsfest, tragen die Männer von Capizzi die Vara – das schwere Gestell mit der Statue des Apostels, den Engeln und dem Reliquienschrein – auf die Piazza dei Miracoli und schlagen sie wiederholt und mit Gewalt gegen eine alte Hauswand, bis das Mauerwerk nachgibt. Das Ritual heißt „I Miracoli“ und erinnert an „la spogliazione delle sacre reliquie di San Giacomo“, die Beraubung der heiligen Reliquien: 1435 ordnete König Alfonso il Magnanimo an, dass der spanische Edelmann Sancho de Heredia die Reliquien des Jakobus, des Nikolaus und des Paulus aus Capizzi fortbringen und Messina überlassen solle. Die Mauer, sagt eine Deutung, stellt das Haus des Hidalgos dar; alte Leute zählen die Schläge, eine gerade Zahl verheißt Segen. Geblieben ist ein Fingerglied des Apostels, „la reliquia più antica della Sicilia di San Giacomo Apostolo Maggiore“, im goldenen Reliquiar am Hochaltar; am 25. Juli in der Morgendämmerung gehen die Pilger barfuß.
Dass der Zorn so lange hält, liegt daran, dass die Kirche so alt ist: Die erste Nachricht ist eine päpstliche Bulle von 1227, als San Giacomo di Capizzi zu den Besitzungen der Kirche von Bethlehem gehörte. In den Rationes decimarum von 1308–1310, den päpstlichen Zehntlisten, steht sie neben den Jakobuskirchen von Caltagirone, Piazza, Enna, Palermo, Syrakus und einem Dutzend weiterer Orte – dieser Jakobuskult ist rund 400 Jahre älter als die spanische Herrschaft. Und Sizilianer sind wirklich nach Santiago gegangen, mit Namen und Jahr: Calofina de Apothecis aus Messina 1253, „Piero da Palermo con due compagni“ 1399, Girolamo Aglialoro 1692 mit einem Gesundheitspass „per andare a Dio piacendo a S. Giacomo in Galitia“. Eleonora d'Aragona verfügte 1402 in ihrem Testament, „tres personas pro anima nostra ad Sanctum Iacobum de Galicia“ zu entsenden. Ehrlich gesagt kommt keiner dieser Pilger aus Caltagirone oder Capizzi, sie stammen aus Messina, Palermo, Randazzo. Und der Weg, den du gehst, ist keine wiederentdeckte Trasse, sondern eine neue – Trumino hat sein Kernstück 2020/21 zwischen zwei alten Zielen gezogen, wir haben es bis an die beiden Häfen verlängert. Genau darin liegt die Redlichkeit: Niemand behauptet, alt zu sein; verbunden wird, was alt ist. Wer in Capizzi ankommt, erhält den vollkommenen Ablass; wer außerdem den Camino nach Santiago nachweist, die Urkunde „Duppiu piddirinu“ – der doppelte Pilger, auf Sizilianisch, nicht auf Latein.
Highlights am Weg
- Cava d'Ispica (Etappe 2) – dreizehn Kilometer Kalksteincanyon mit Felswohnungen, Katakomben und Kapellen von der Bronzezeit bis ins Mittelalter.
- Modica (km 39,1) – Duomo di San Giorgio über einer 250-stufigen Treppe; Schokolade nach aztekischem Verfahren, seit 2018 geschützte Herkunftsbezeichnung; Welterbe Val di Noto.
- Ragusa Ibla (km 52,5) – Duomo di San Giorgio von Rosario Gagliardi, 18. Jahrhundert, nach dem Erdbeben vom 11. Januar 1693 auf dem alten Hügel neu errichtet; Giardino Ibleo.
- Vizzini und die Cunzirìa (km 102,1) – Giovanni Vergas Heimat, Schauplatz der „Cavalleria rusticana“; das verlassene Gerberviertel Cunzirìa liegt direkt am Weg.
- Grammichele (km 123,4) – die einzige Sechseckstadt Europas, 1693 von Fürst Carlo Maria Carafa für die Überlebenden des zerstörten Occhiolà gegründet.
- Basilica di San Giacomo Apostolo, Caltagirone (km 141,3) – gegründet 1090 von Graf Ruggero nach dem Sieg am Jakobstag; nach Pest (1575), Erdbeben (1693, 700 Tote in der Kirche) und Bomben (1943) dreimal erneuert. Arca delle Reliquie der Gagini, 92 Jahre Bauzeit (1599–1691); Di–So 9:30–12 und 17–19 Uhr (Stand: September 2026). Daneben die Scala di Santa Maria del Monte, 142 Stufen von 1606, am 24./25. Juli mit rund 4.000 Öllämpchen erleuchtet.
- Villa Romana del Casale, Piazza Armerina (km 180,6) – spätantike Mosaiken, UNESCO-Welterbe; 14 Euro, ermäßigt 7 Euro, täglich 9–19 Uhr (Stand: September 2026).
- Basilica di San Leone, Assoro (km 226,4) – gegründet 1186, Marmortribuna von Antonello Gagini (1515) mit Hölle, Purgatorium und Paradies; Assoro ist „il borgo dello zolfo“.
- Nicosia (km 250,0) – „Civitas Constantissima“ (Friedrich II., 1209), Kathedrale San Nicolò mit hölzerner Kassettendecke des 14. Jahrhunderts; gallo-italischer Dialekt der lombardischen Siedler, „città dei 24 baroni“.
- Santuario di San Giacomo Apostolo Maggiore, Capizzi (km 266,9) – ältestes Jakobusheiligtum Siziliens, Bulle 1227; Fingerreliquie, Madonna del Soccorso von Antonello Gagini (1517); Santuario Diocesano seit 27. September 1999. Festa 16.–26. Juli mit Corteo storico und „I Miracoli“.
- Geraci Siculo und Castelbuono (km 314,0 / 333,6) – die beiden Sitze der Ventimiglia: Geraci auf 1.077 Metern, Castelbuono mit der Burg von 1316, der Cappella palatina und der Manna, dem getrockneten Saft der Eschen, der nur noch hier geerntet wird.
- Castello di Caccamo (km 398,5) – normannischer Ursprung im 11. Jahrhundert, eine der größten und besterhaltenen Burgen Siziliens, hoch über dem Stausee.
- Bagheria und Palermo (km 434,8 / 452,7) – Villa Palagonia, die „Villa der Ungeheuer“ von 1715; in Palermo die normannische Kathedrale von 1185 und die Cappella Palatina – und der Hafen, an dem dieser Weg endet.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Der natürliche Zubringer kommt vom Meer. Wer den Camino Maltés geht, hat zuerst den Camino Malta von Rabat nach Birgu hinter sich und nimmt in Valletta die Fähre von Virtu Ferries nach Pozzallo – rund 1 Stunde 45 Minuten, etwa 30 Abfahrten pro Woche. Der Camino Sicilia beginnt direkt am Anleger; die Lücke zwischen Hafen und Jakobusbasilika, die der Cammino di San Giacomo offen lässt, schließen die ersten sieben Etappen.
Aus der Luft ist Catania Fontanarossa der Flughafen der Wahl, mit Bus nach Pozzallo oder Ragusa; wer nur das markierte Kernstück gehen will, fährt von Catania mit der Regionalbahn nach Caltagirone (ab 4 Euro, rund 1 Stunde 50 Minuten, zwei direkte Züge am Tag, Stand: September 2026) und steigt bei Etappe 8 ein. Palermo, Ragusa und Piazza Armerina sind weitere Einstiege für Abschnittspilger; die Via Francigena Normanna kreuzt in Nicosia und Capizzi.
Weiterpilgern?
Ja – dieser Weg ist ausdrücklich als Glied gebaut. Im Hafen von Palermo legt die Fähre von Grimaldi Lines nach Cagliari ab, rund 12 Stunden über die Straße von Sizilien, in der Regel einmal pro Woche und tagsüber (Stand: September 2026, Fahrtage vorher prüfen). In Cagliari beginnt an der Chiesa di San Giacomo in Villanova der Sardegna Centrale, 448,6 Kilometer quer durch Sardinien nach Porto Torres – von dort setzt die Fähre nach Barcelona über, und der Camino de Barcelona und der Camino Catalán bringen dich über Montserrat und Lleida an die großen spanischen Achsen und schließlich auf den Camino Francés nach Santiago. Rund 3.600 Kilometer insgesamt, vier bis fünf Monate.
Wer stattdessen auf Sizilien bleibt, hat in Palermo die Via Francigena Normanna nach Messina vor sich, und wer zurück nach Malta will, nimmt in Pozzallo die Fähre. Für die Compostela in Santiago zählen weiterhin die letzten 100 Kilometer zu Fuß – Sizilien liefert Ablass, Urkunde und Stempel, nicht die Compostela.
Vorbereitung & Praktisches
Beste Zeit: April–Mai und Oktober. Im Sommer ist Wasser das Sicherheitsthema – früh starten, mindestens zwei Liter pro Person, Wasserstellen vorab prüfen; in Nebrodi und Madonie kann bis in den April Schnee liegen, und Talabschnitte stehen nach Regen unter Wasser. Markierung gibt es nur zwischen Caltagirone und Capizzi (gelbe Pfeile, Logo, Führer „Il Cammino di San Giacomo in Sicilia“ von Totò Trumino und Giuseppe Riggio, Terre di mezzo, 2025, 16 Euro); auf den anderen 330 Kilometern gehst du nach Track. Unterkunft: kein Herbergsnetz, sondern B&Bs, Agriturismi, kleine Hotels und Pfarrhäuser – in den kleinen Bergorten wenige Betten, also vorab buchen; der Verein bietet für sein Kernstück Gepäcktransport, Transfers und eine 24-Stunden-Hotline.
Die Credenziale bekommst du beim Verein gegen Spende, anerkannt von der Confraternita di San Jacopo di Compostella; Stempel in Kirchen und Gemeindeämtern. Am Ziel des Kernstücks, in Capizzi, wartet der vollkommene Ablass, und wer zusätzlich den Camino nach Santiago nachweist, erhält die Urkunde „Duppiu piddirinu“. Packliste: feste Wanderschuhe mit Profil, Sonnenschutz, zwei Liter Wasserkapazität, Regen- und Kälteschutz für die Berge, Stöcke für 11.700 Höhenmeter, Powerbank. Wer die Festa erleben will, ist am 24.–26. Juli in Capizzi oder am 24./25. Juli in Caltagirone – Betten dann Monate vorher buchen.
Etappen, Höhenprofile und passende Unterkünfte stellst du dir am einfachsten direkt in der Camino Ninja App zusammen, in der du deine Etappen planst und Unterkünfte gleich mit einplanst – auf diesem Weg mit seiner 47-Kilometer-Etappe ist das die eigentliche Vorbereitung.
Was dich der Weg kostet
Ehrlich gesagt ist die einzige belastbare Zahl eine Vereinsangabe: rund 60 Euro pro Tag für Übernachtung und Verpflegung. Richtwerte: B&B oder Pfarrhaus 30–45 Euro pro Person, Agriturismo mit Abendessen 55–80 Euro, kleines Hotel in Ragusa, Piazza Armerina oder Palermo 60–100 Euro im Doppelzimmer; Trattoria-Menü 15–25 Euro, Arancino und Kaffee 4–6 Euro. Realistisches Tagesbudget: sparsam 45–60 Euro, mittel mit Agriturismo und Eintritten 70–95 Euro, komfortabel mit Hotel und Gepäcktransport 110–160 Euro. Für drei Wochen rechne grob 1.000–1.800 Euro vor Ort (Stand: September 2026).
Die kleinen Posten: Führer Terre di mezzo 16 Euro, Credenziale gegen Spende, Villa Romana del Casale 14 Euro (ermäßigt 7 Euro), Basilika Caltagirone und Santuario Capizzi frei; Fähre Valletta–Pozzallo je nach Saison, Fähre Palermo–Cagliari als Deckspassage ab rund 50 Euro; Regionalbahn Catania–Caltagirone ab 4 Euro (alle Preise Stand: September 2026).
Anreise
Zum Start: Pozzallo erreichst du aus Malta mit der Fähre von Virtu Ferries ab Valletta, rund 1 Stunde 45 Minuten; aus Catania mit dem Bus über Ragusa oder Modica, rund zwei bis drei Stunden. Der nächste Flughafen ist Comiso bei Ragusa, der größere Catania Fontanarossa.
Vom Ziel: Palermo hat Flughafen (Falcone-Borsellino, Bahn in die Stadt), Hauptbahnhof und Hafen – von dort die Fähre nach Cagliari für Sardinien, nach Neapel oder Genua fürs Festland. Unterwegs haben Ragusa, Caltagirone, Piazza Armerina, Nicosia, Castelbuono und Caccamo Busanschluss, in den Bergen mit dünnem Fahrplan.
- Fähren: Virtu Ferries – Valletta – Pozzallo; Grimaldi Lines – Palermo – Cagliari
- Bahn und Bus Sizilien: trenitalia.com – Catania – Caltagirone, Palermo; Interbus, AST und Etna Trasporti für die Bergorte
- Träger Kernstück, Credenziale, Führer: camminosangiacomosicilia.it, terre.it
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