Sardegna Centrale auf der Karte

Sardegna Centrale

448 Kilometer von Hafen zu Hafen, dazwischen kein Meer: Von der Jakobuskirche in Cagliari durch das Olivenland der Parteolla, über die Menhire von Goni und die Herzogsstadt Mandas hinauf in die Barbagia auf 922 Meter, an den Lago Omodeo, durch das Geisterdorf Rebeccu und das Valle dei Nuraghi zum Bahnknoten Chilivani, wo die anderen sardischen Stränge dazustoßen, und über Saccargia und Sassari hinunter nach Porto Torres. 20 Etappen, sechs Jakobuskirchen, die größte Felsengrabkammer und der schwerste Dolmen der Insel — und ein Heiliger, der auf Sardisch Santu Jacu heißt und die Schlüssel des Blitzes trägt. Die Hauptachse des Cammino di Santu Jacu.

7. September 202620 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Cagliari, Chiesa di San Giacomo in Villanova / Porto Torres, Basilica di San Gavino (Golfo dell'Asinara)
  • Länge: 448,6 km
  • Dauer: 20 Tage, mit Ruhetagen drei bis vier Wochen
  • Höhenmeter: ↗ 7.539 m / ↘ 7.536 m
  • Höchster Punkt: 922 m in der Barbagia zwischen Meana Sardo und Sorgono; tiefster Punkt 0 m an beiden Häfen
  • Etappen: 20 (Camino-Ninja-Einteilung, kalibriert auf die Trägerliste; der Träger gliedert in 24 Etappen und nennt 456 km)
  • Netz: Hauptachse des Cammino di Santu Jacu — „Sardegna Centrale" ist unsere Bezeichnung, der Träger sagt asse centrale
  • Markierung: gelbe Pfeile, in den Orten blaue Aufkleber mit Jakobsmuschel
  • Jakobuskirchen: sechs — Cagliari (1346), Soleminis, Goni, Mandas (1585–1605), Nughedu Santa Vittoria (1634/1674), Ittireddu (13. Jh.)
  • Kein Herbergsnetz: Pilgerunterkünfte (accoglienza) 10–15 € nur in manchen Orten, sonst B&B, Agriturismi, Hotels; referenti di tappa; Credenziale und Testimonium
  • Rettungsleine: Schmalspurbahn Monserrato – Isili und Trenino Verde bis Sorgono; ab Chilivani Trenitalia
  • Anschlüsse Sardinien: Sardegna da Orosei (ab Chilivani), Sardegna Nord (ab Ploaghe), Sardegna da Olbia (Küstenast Olbia – Orosei)
  • Beste Zeit: April, Mai, September, Oktober; Winter mild, Hochsommer im Landesinneren nicht begehbar

Überblick

Du startest an einem Hafen und endest an einem Hafen, und dazwischen siehst du 440 Kilometer lang kein Meer. Das ist der Kern dieses Weges: Er nimmt Sardinien nicht als Küste, sondern als Insel. Von der Chiesa di San Giacomo in Cagliaris Viertel Villanova, 1346 erstmals genannt und eines der ersten katalanisch-gotischen Bauwerke der Insel, läufst du durch das Olivenland der Parteolla nach Dolianova, dann wird es leer: Sant'Andrea Frius, Silius, die sechzig Menhire von Goni, die Herzogsstadt Mandas mit ihrer Jakobuskirche und dem Bahnhof, an dem D. H. Lawrence im Januar 1921 ausstieg. Ab Isili mit seinem weißen Nuraghe steigt der Weg ins Sarcidano und in die Barbagia, bis auf 922 Meter — Eichen, Kastanien, der Wein des Mandrolisai, Dörfer, in denen es genau eine Bar gibt.

Dann fällt er zum Lago Omodeo, an dem in Sedilo jeden Juli hundert Reiter um ein Heiligtum jagen, und in den Norden: Bolotana im Marghine, das verlassene Rebeccu, die Felsengräber von Bonorva, das Valle dei Nuraghi mit dem Turm, der einmal 24 Meter hoch war, der Dolmen von Mores, die Jakobuskirche von Ittireddu mit ihrer Pilgerloggia. In Chilivani und Ploaghe stoßen die anderen sardischen Stränge dazu, und gemeinsam geht es über die gestreifte Basilika von Saccargia nach Sassari und hinunter an den Strand von Platamona bis Porto Torres, wo die Basilica di San Gavino seit 1080 steht und die einzige Direktfähre Sardiniens nach Barcelona ablegt. Drei Wochen, sechs Jakobuskirchen, kein zweiter Pilger — und ein Heiliger, der hier nicht die Muschel, sondern die Schlüssel des Blitzes trägt.

Andere Namen

Auf Sardisch heißt Jakobus Santu Jacu, und so heißt das Wegenetz, dessen Rückgrat dieser Weg ist: der Cammino di Santu Jacu, italienisch auch Cammino di Santiago in Sardegna. Der Träger nennt diese Süd-Nord-Strecke asse centrale, Zentralachse, und gibt sie mit 456 Kilometern in 24 Etappen an — ältere Vereinsangaben schwanken zwischen 430 und rund 470 Kilometern, wir schreiben die 448,6 unserer Streckendaten. „Sardegna Centrale" ist unsere Bezeichnung. Camino Ninja zerlegt die rund 1.600 Kilometer des Netzes in vier planbare Routen — diese hier, Sardegna Nord durch die Gallura, Sardegna da Orosei von der Ostküste und den Küstenast Sardegna da Olbia. Der Verein kennt die vier Namen nicht; vor Ort sagst du „Cammino di Santu Jacu", das versteht jeder.

Auf den Kirchenfassaden begegnet dir daneben die italienische Form San Giacomo, und in Sedilo ein Heiliger, der wie ein Verwandter klingt und keiner ist: Santu Antine — das ist Kaiser Konstantin, dem die S'Ardia gilt. Und noch eine Warnung fürs Namensgedächtnis: Der Träger schreibt seine Etappen als CSJ-01 bis CSJ-24, unsere zwanzig sind anders geschnitten. Wenn dir ein referente von „tappa 17" spricht, meint er Bolotana – Rebeccu, nicht unsere Etappe 17.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Ideal, wenn du einen Fernweg suchst, auf dem du drei Wochen lang praktisch keinem anderen Pilger begegnest — der Santu Jacu ist seit 2012 offizieller Pilgerweg Sardiniens und trotzdem leer. Wenn dich Vorgeschichte packt: Zwischen Cagliari und Porto Torres liegen die höchste Tholos-Kammer, die größte Felsengrabkammer, der schwerste Dolmen und zwei der größten Menhirfelder der Insel, dazu zwei Nekropolen, die seit 2025 UNESCO-Welterbe sind. Wenn du Sardinien ohne Strand kennenlernen willst: Der Weg meidet das Meer konsequent bis zum letzten Tag. Und wenn du besser schläfst, wenn eine Bahnlinie in der Nähe ist — die ersten sieben Wegorte liegen an einer echten Schmalspurbahn, danach übernimmt der Trenino Verde, ab Chilivani die Staatsbahn.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du ein Herbergsnetz erwartest. Der Träger nennt Pilgerunterkünfte für 10 bis 15 Euro, aber längst nicht in jedem Ort, und Hotels und Restaurants in den kleinen Dörfern haben oft nur von Ostern bis Ende September geöffnet. Solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs. Nichts für dich ist er auch ohne Italienisch: Im Landesinneren kommst du mit Englisch selten weit, und die referenti di tappa, die dir die Betten organisieren, sprechen es in der Regel nicht. Nichts für dich im Juli und August — die Barbagia-Hochebenen sind dann keine Wanderzeit, sondern ein Hitzeproblem. Und der Träger warnt in seinem eigenen Etappenführer ausdrücklich vor Stacheldraht und Weidegattern: Du wirst hier mehr Zäune öffnen und schließen als auf allen spanischen Caminos zusammen.

Streckenverlauf & Landschaft

Das erste Drittel ist Süden und Hügel. Von Cagliari geht es über Monserrato und Settimo San Pietro — eine römische Straßenstation an der alten Verbindung Karales – Turris — in die Parteolla, sanftes Olivenland um Dolianova mit seiner ehemaligen Kathedrale San Pantaleo. Dann wird es dünner besiedelt: Sant'Andrea Frius, Silius, Goni mit dem Menhirfeld von Pranu Muttedu, über Siurgus Donigala nach Mandas. Ab Isili steigst du ins Sarcidano und in die Barbagia: Zwischen Laconi, Meana Sardo, Belvì und Sorgono liegt der Höhepunkt im Wortsinn, 922 Meter, in Eichen- und Kastanienwald und im Weinland des Mandrolisai. Über Nughedu Santa Vittoria fällt der Weg zum Lago Omodeo, dem größten Stausee der Insel, und nach Sedilo.

Das letzte Drittel ist Norden und Stein. Über Bolotana im Marghine, das verlassene Rebeccu und Bonorva mit der Nekropole Sant'Andrea Priu kommst du ins Meilogu und ins Valle dei Nuraghi bei Torralba, dann über Borutta, Bonnanaro und Mores nach Ittireddu und zum Bahnknoten Chilivani. Ab hier läufst du auf denselben Wegpunkten wie die anderen sardischen Stränge: Ploaghe, Codrongianos mit Saccargia, Florinas, Cargeghe, Ossi, Sassari, Sorso, der Strand von Platamona, Porto Torres. Untergrund: Feld- und Hirtenwege, Forststraßen, Schotterpisten, Asphalt in den Ortsdurchfahrten und auf Verbindungsstücken. Die 7.539 Aufstiegsmeter verteilen sich auf viele kleine Rampen statt auf wenige Pässe — im Schnitt 17 Höhenmeter pro Kilometer, kein Alpenweg, aber auch nirgends flach.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Der Träger gliedert die Achse heute in 24 Etappen und rechnet für die ganze Strecke rund einen Monat; sein Etappenführer von 2017 listet 26 Abschnitte mit Kilometern. Wir teilen die 448,6 Kilometer in 20 Etappen — das Rohgerüst ist die Trägerliste, umgelegt auf die Wegpunkte unserer Streckendaten und exakt auf deren Länge kalibriert; deshalb weichen einzelne Werte um wenige hundert Meter von den Vereinsangaben ab. Ein Unterschied ist grundsätzlicher: Zwischen Bolotana und Ittireddu führt unsere Route über Rebeccu, Bonorva, Torralba und Mores durchs Meilogu — so, wie der Verein die Etappe Bolotana – Rebeccu heute selbst führt —, während sein Führer von 2017 noch über Foresta Burgos ging. Noragugume und Ardara aus der alten Liste liegen nicht an unserem Weg.

  1. Cagliari – Monserrato – Settimo San Pietro – Soleminis – Dolianova (35,2 km) — längste Etappe, aber flach und mit Bahnhöfen gespickt; Jakobuskirchen in Cagliari und Soleminis, Kathedrale San Pantaleo.
  2. Dolianova – Sant'Andrea Frius (21,9 km) — Olivenhügel der Parteolla, erste Einsamkeit.
  3. Sant'Andrea Frius – Silius (17,1 km) — Hügelland der Trexenta.
  4. Silius – Goni (16,2 km) — Menhirfeld Pranu Muttedu, Jakobuskirche.
  5. Goni – Siurgus Donigala – Mandas (22,4 km) — Herzogsstadt, San Giacomo von 1585–1605, Bahnhof des Trenino Verde.
  6. Mandas – Isili (15,2 km) — Nuraghe Is Paras, der weiße Riese des Sarcidano.
  7. Isili – Nurallao – Su Lau – Laconi (20,0 km) — Parco Aymerich, Menhir-Museum, Geburtshaus des heiligen Ignazio.
  8. Laconi – Meana Sardo (19,0 km) — Einstieg in die Barbagia.
  9. Meana Sardo – Belvì (17,1 km) — die Bergpassage, höchster Punkt 922 m; Kastanien, Wald, Weite.
  10. Belvì – Sorgono (20,0 km) — Mandrolisai-Wein, Santuario di San Mauro, Menhire von Biru 'e Concas.
  11. Sorgono – Nughedu Santa Vittoria (25,7 km) — Jakobuskirche von 1634/1674 mit Pilgerunterkunft.
  12. Nughedu Santa Vittoria – Sedilo (20,0 km) — Lago Omodeo, Santuario di San Costantino, Reiterrennen S'Ardia.
  13. Sedilo – Ziu Zolo – Bolotana (26,6 km) — Marghine, Nuraghen, Teppichweber.
  14. Bolotana – Rebeccu – Bonorva (28,5 km) — rund 1.000 Höhenmeter durch die Wälder des Marghine, Geisterdorf Rebeccu; die härteste Etappe.
  15. Bonorva – Giave – Torralba (19,0 km) — Sant'Andrea Priu, Valle dei Nuraghi, Santu Antine.
  16. Torralba – Borutta – Bonnanaro – Mores (18,1 km) — San Pietro di Sorres, Dolmen Sa Coveccada.
  17. Mores – Ittireddu – Chilivani (25,7 km) — Jakobuskirche des 13. Jh. mit Pilgerloggia; Bahnknoten, Zusammenfluss mit Sardegna da Orosei.
  18. Chilivani – Ploaghe – Codrongianos (28,5 km) — Knoten mit Sardegna Nord, Basilika von Saccargia.
  19. Codrongianos – Florinas – Cargeghe – Ossi – Sassari (21,9 km) — Logudoro-Hügel, zweitgrößte Stadt der Insel.
  20. Sassari – Sorso – Platamona – Porto Torres (30,5 km) — Romangia-Weinberge, endlich Meer, Basilica di San Gavino.

Schwierigkeit: mittel, so stuft der Träger sie ein, und das trifft es — nichts ist alpin, aber die Barbagia-Etappen 8 bis 11 und die 1.000 Höhenmeter von Bolotana nach Bonorva fordern. Die Auftaktetappe ist mit 35 Kilometern lang, aber flach und jederzeit per Bahn abkürzbar; die Schlussetappe mit 30 Kilometern ist der Preis fürs Meer. Die gelben Pfeile stehen zuverlässig, aber nicht lückenlos, in den Orten helfen die blauen Aufkleber; die GPX-Tracks des Trägers sind Pflicht, auf den einsamen Abschnitten mehr als jeder Pfeil. Zwei Praxisprobleme benennt der Verein selbst: Stacheldraht und Weidegatter — jedes Gatter so hinterlassen, wie du es vorgefunden hast, hier leben Hirten — und wenige Wasserstellen; zwei Liter im Rucksack sind hier kein Übergepäck. Zecken ab Mai, Hitze ab Juni.

Santu Jacu trägt die Schlüssel des Blitzes

Der Heilige, dem dieser Weg gehört, ist auf Sardinien nicht in erster Linie der Pilger mit der Muschel. Er ist der Schutzherr gegen Gewitter. Im Campidano betet man bei aufziehendem Wetter: „Santa Bràbara e Santu Jacu, bosu portais is crais de su lampu, bosu portais is crais de su celu, no tocheis a fillu allenu, né in domu né in sartu" — Santa Barbara und Santu Jacu, ihr tragt die Schlüssel des Blitzes, ihr tragt die Schlüssel des Himmels, rührt kein fremdes Kind an, weder im Haus noch auf dem Feld. Die Zuordnung hat einen biblischen Grund: Jesus nannte Jakobus und seinen Bruder Johannes Boanerges, Söhne des Donners. Santa Barbara steht daneben, weil ihr Vater vom Blitz erschlagen wurde. Wer über die Hochebenen der Barbagia geht, wo sich die Wetter schnell aufbauen, versteht, warum die Sarden ausgerechnet diesem Apostel die Schlüssel anvertraut haben.

Die Verbindung Sardiniens nach Compostela ist alt und dünn zugleich. Ein armenisches Brevier von 1054 schreibt die Insel in die Legende der Apostelreise ein — Jakobus sei vom Hafen Jaffa aufgebrochen, zur Insel Sardinien gekommen und von dort nach Spanien; das ist Überlieferung, kein Nachweis, aber der älteste Text, der die Insel auf den Jakobsweg setzt. Der Bischof von Cagliari soll alle zwei Jahre auf dem Seeweg nach Santiago gepilgert sein. Und in den Passagelisten von Barcelona sind, so der Träger, zwischen 1378 und 1385 genau sechs sardische Pilger verzeichnet, die nach Compostela wollten. Sechs in sieben Jahren — das ist keine Massenbewegung, das ist ein Faden. Einen Pilger mit Namen und Geschichte hat die Recherche für diesen Weg nicht gefunden, und wir erfinden keinen; die Zahl ist stärker.

Was es dagegen gibt, sind Steine. Sechs Jakobuskirchen liegen an der Achse, und sie folgen den zwei Wellen, in denen der Kult auf die Insel kam: Cagliari (1346 urkundlich, Glockenturm von 1442 oder 1447) und Ittireddu (erste Hälfte des 13. Jahrhunderts, mit einer barocken Loggia, eigens gebaut, um Pilger bei den Feiern unterzustellen) gehören in die pisanische Zeit; Mandas (1585 begonnen, 1605 geweiht, Wappen der Carroz über dem Portal) und Nughedu Santa Vittoria (Bauende 1634, Fassade 1674) sind katalanisch-gotisch; dazu Soleminis und Goni, deren Baudaten wir dir nicht nennen, weil wir sie nicht belegen können. In Mandas feiert man den Heiligen Ende Juli zusammen mit dem Käsefest, in Ittireddu und Nughedu am 25. Juli mit Prozessionen. Der Verein, im Winter 2009 als Idee entstanden, im Dezember 2010 gegründet und im Dezember 2012 von der Region als erster Pilgerweg Sardiniens anerkannt, hat diese Kirchen nur wieder an einem Faden aufgereiht — den Faden gab es.

Highlights am Weg

  • Chiesa di San Giacomo, Cagliari — 1346 erstmals urkundlich, Glockenturm von 1442 oder 1447, rund 30 Meter, eines der ersten katalanisch-gotischen Bauwerke Sardiniens; hier holst du den ersten Stempel.
  • Nostra Signora di Bonaria, Cagliari — Wallfahrtskirche der Mercedari seit 1335; der Legende nach trieb am 25. März 1370 eine über Bord geworfene Kiste mit einer Madonnenstatue hier an Land. Seit 1907 Patronin Sardiniens, und Buenos Aires ist nach diesem Hügel benannt.
  • San Pantaleo, Dolianova — Kathedrale der Diözese Dòlia bis 1503, geweiht 1289, Taufbecken aus dem 5./6. Jahrhundert.
  • Pranu Muttedu, Goni — rund 60 Menhire und Felsengräber der Ozieri-Kultur auf 20 Hektar; der Volksmund sagt „das sardische Stonehenge".
  • San Giacomo, Mandas — katalanisch-gotisch, 1585 begonnen, 1605 geweiht; am Bahnhof stieg D. H. Lawrence im Januar 1921 aus, ein Kapitel seines Buchs „Sea and Sardinia" heißt schlicht „Mandas".
  • Nuraghe Is Paras, Isili — die höchste Tholos-Kammer Sardiniens aus 37 Steinlagen weißem Mergelkalk; Giovanni Lilliu nannte sie die harmonischste der Insel.
  • Laconi — Geburtsort des heiligen Ignazio da Laconi (1701–1781, heiliggesprochen 1951), der 22 Hektar große Parco Aymerich mit Burgruine und Wasserfall, das Menhir-Museum im Palazzo Aymerich.
  • Sorgono — der Mandrolisai, eine Weinbauzone, die es nur hier gibt; das gotisch-aragonesische Santuario di San Mauro mit seinem 4,5-Meter-Rosettenfenster; rund 150 Menhire von Biru 'e Concas.
  • S'Ardia, Sedilo — am 6. Juli bei Sonnenuntergang und am 7. Juli im Morgengrauen jagen bis zu hundert Reiter drei Fahnenträger um das Santuario di San Costantino über dem Lago Omodeo; erinnert wird Konstantins Sieg an der Milvischen Brücke 312.
  • Rebeccu — verlassenes Dorf über der Ebene von Santa Lucia, 1353 von einer katalanischen Expedition gebrandschatzt; die Legende der Prinzessin Donoria belegte es mit dem Fluch der dreißig Häuser.
  • Sant'Andrea Priu, Bonorva — zwanzig Felsengräber; die Tomba del Capo ist mit 250 Quadratmetern und 18 Räumen die größte der Insel und wurde in byzantinischer Zeit zur Felsenkirche mit Fresken. UNESCO-Welterbe seit 2025.
  • Nuraghe Santu Antine, Torralba — heute 17,5 Meter, ursprünglich geschätzte 24; auf Sardisch „Sa Domu de su Re", das Haus des Königs. Ringsum das Valle dei Nuraghi mit dreißig Nuraghen auf 37 Quadratkilometern.
  • San Pietro di Sorres, Borutta — pisanisch-romanisch, begonnen 1171–1178, schwarz-weiß aus Sandstein und Basalt; Kathedrale bis 1503, seit 1950 wieder Benediktiner, seit 1974 Abtei.
  • Dolmen Sa Coveccada, Mores — die größte Megalithgrabanlage Sardiniens, Deckplatte rund 27 Tonnen, 3500–2900 v. Chr.
  • San Giacomo, Ittireddu — 13. Jahrhundert, zweifarbiger Stein, barocke Pilgerloggia; Fest am 25. Juli mit Reiterprozession.
  • Santissima Trinità di Saccargia, Codrongianos — 1116 vollendet unter Judex Constantino I., schwarz-weiß gestreift, das bekannteste romanische Bauwerk der Insel.
  • Sassari — Kathedrale San Nicola und am 14. August die Discesa dei Candelieri: dreizehn Zünfte tragen Riesenleuchter durch die Altstadt, UNESCO-Kulturerbe seit 2013.
  • Basilica di San Gavino, Porto Torres — 1080 geweiht, zwei Apsiden und keine Fassade, 22 Säulen, Krypta mit römischen Sarkophagen; Bischofssitz von 489 bis 1441.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Die meisten kommen geflogen: Cagliari-Elmas liegt sieben Bahnminuten vom Hauptbahnhof, und von dort läufst du in einer Viertelstunde zur Chiesa di San Giacomo in Villanova, wo der Weg beginnt. Wer per Schiff anreist, landet in Cagliari von Civitavecchia, Neapel oder Palermo — oder in Porto Torres und Olbia im Norden und geht die Achse von Nord nach Süd; der Träger beschreibt sie ausdrücklich in beiden Richtungen und in Abschnitten von einer Woche oder fünfzehn Tagen.

Aus dem Süden kommt der Weg übers Meer: Wer den Camino Sicilia von Pozzallo nach Palermo gegangen ist, nimmt im Hafen von Palermo die Fähre von Grimaldi Lines nach Cagliari – rund 12 Stunden, in der Regel einmal pro Woche (Stand: September 2026, Fahrtage vorher prüfen) – und steht am nächsten Morgen an der Chiesa di San Giacomo in Villanova, wo diese Achse beginnt. Malta, Sizilien, Sardinien: Der Camino Maltés hängt hier seine Inselstücke aneinander.

Innerhalb des sardischen Netzes ist diese Achse das Rückgrat, auf das die anderen Routen zulaufen. Wer von Olbia startet, kann den Küstenast Sardegna da Olbia nach Orosei gehen, dort auf Sardegna da Orosei wechseln und trifft über Nuoro und Ozieri in Chilivani auf diese Achse; wer die Gallura-Route Sardegna Nord wählt, stößt in Ploaghe dazu. Von dort sind es noch drei Etappen bis Porto Torres, die alle drei Stränge gemeinsam gehen. Und wer nur die Barbagia will, steigt in Mandas oder Isili aus der Schmalspurbahn und in den Weg.

Weiterpilgern?

Der Weg endet nicht in Santiago, sondern an einer Kaikante — und das ist Absicht. Porto Torres ist der einzige sardische Hafen mit Verbindung nach Spanien: Von hier fährt die Direktfähre nach Barcelona, und dort wartet der Camino Catalán über Montserrat und Lleida zum Ebro und weiter nach Westen. Der Träger versteht seine Achse genau so, als sardisches Teilstück eines längeren Weges — hier legten im Mittelalter die Schiffe Richtung Iberien ab, hier legen sie es heute noch.

Konkret heißt das: Von der Stazione Marittima in Porto Torres fährt Grimaldi Lines ganzjährig nach Barcelona, rund 12 Stunden über das Mittelmeer, je nach Saison ein- bis mehrmals pro Woche (Stand: September 2026, Fahrtage vorher prüfen). In Barcelona übernehmen der Camino de Barcelona über Montserrat und der Camino Catalán über Lleida – so wird aus dem sardischen Ziel die nächste Etappe des Camino Maltés nach Santiago.

Wer auf der Insel bleibt, hat drei Anschlüsse, alle in Gegenrichtung über das gemeinsame Finale: Sardegna Nord ab Ploaghe durch Anglona und Gallura nach Olbia, 268,3 Kilometer; Sardegna da Orosei ab Chilivani über Ozieri, Nuoro und Dorgali an die Ostküste, 270,7 Kilometer; und von Orosei der Küstenast Sardegna da Olbia zurück nach Olbia, 135,4 Kilometer. Alle vier zusammen sind gut 1.100 Kilometer sardischen Cammino — das Gesamtnetz des Vereins umfasst rund 1.600 Kilometer in etwa 60 Etappen über mehr als hundert Gemeinden.

Vorbereitung & Praktisches

Die Saison ist der Kalender abseits des Sommers: April und Mai, September und Oktober sind die stärksten Monate, der Winter ist mild und geht, der Hochsommer ist im Landesinneren keine Wanderzeit. Zwei Termine lohnen die Planung und verlangen sie: die S'Ardia in Sedilo am 6. und 7. Juli und die Discesa dei Candelieri in Sassari am 14. August — beide grandios, beide mit ausgebuchten Betten im Umkreis. Ein Herbergsnetz gibt es nicht. Der Träger führt eine Unterkunftsliste mit Pilgerunterkünften (accoglienza) für 10–15 € pro Nacht, dazu B&B, Agriturismi und in den größeren Orten Hotels; in den Dörfern haben Hotels und Restaurants oft nur von Ostern bis Ende September geöffnet, und mehrere Etappenziele haben schlicht keine Pilgerunterkunft. Dafür gibt es die referenti di tappa, lokale Etappenbetreuer, die du am Vortag anrufst; solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs. Deine Etappen und Quartiere planst du am einfachsten direkt in der Camino Ninja App.

Die Credenziale stellt die Associazione Amici del Cammino di Santu Jacu aus — bestell sie rechtzeitig vor der Abreise, sie öffnet die Pilgerunterkünfte und ist die Bedingung für das Testimonium am Ende; die Compostela gibt es hier nicht. Die Markierung sind gelbe Pfeile, in den Orten blaue Aufkleber mit Muschel; die GPX-Tracks des Trägers lädst du vor dem Start. Wasser und Zäune: wenige Wasserstellen auf den einsamen Abschnitten, Stacheldraht und Weidegatter überall — zwei Liter Kapazität, Gatter schließen. Sprache: Italienisch, dazu Sardisch in vielen Varianten; Englisch in Cagliari und Sassari, im Landesinneren selten — ein paar Brocken Italienisch sind hier keine Höflichkeit, sondern Ausrüstung. Rettungsleine: Die Schmalspurbahn Monserrato – Isili hält an den ersten sieben Wegorten, der Trenino Verde fährt sonntags Mandas – Laconi und Belvì – Sorgono, ab Chilivani übernimmt Trenitalia; zwischen Sorgono und Chilivani bist du auf ARST-Busse angewiesen. Ausrüstung: Sohlen für Schotter und Asphalt, Sonnenschutz, Zeckenschutz, Bargeld für die Dörfer.

Was dich der Weg kostet

Ehrlich gesagt ist der teuerste Posten auf diesem Weg nicht das Bett, sondern die Lücke — wo keine Pilgerunterkunft liegt, zahlst du B&B-Preise, und solche Lücken sind auf der Achse zahlreich. Alle Beträge sind Richtwerte (Stand: September 2026), bis auf zwei belegte: die Pilgerunterkunft laut Träger 10–15 €, der Trenino Verde Mandas – Laconi 12 € einfach, 16 € hin und zurück. Ein B&B mit Frühstück liegt bei 35–55 € pro Person, ein Agriturismo mit Halbpension bei 55–80 €, ein Hotel-Doppelzimmer in Cagliari oder Sassari bei 70–120 €. Ein Panino an der Bar kostet 6–10 €, ein Menü in der Trattoria 18–30 €, Selbstversorgung 10–15 € am Tag; die Credenziale ist ein Vereinsbeitrag von wenigen Euro.

Realistisches Tagesbudget: sparsam mit Pilgerunterkunft und Selbstversorgung 25–35 € — aber nur dort, wo es eine gibt —, mittel mit B&B und einem warmen Essen 60–85 €. Für 20 Etappen macht das grob 500–700 € sparsam und 1.200–1.700 € mittel, ohne Anreise und Ausrüstung; die Rückfahrt Porto Torres – Cagliari mit dem Zug kostet 20–25 €. Kirchen kosten nichts, die archäologischen Stätten — Pranu Muttedu, Is Paras, Sant'Andrea Priu, Santu Antine — je ein paar Euro, das Menhir-Museum in Laconi ebenso.

Anreise

Zum Start (Cagliari): Der Flughafen Cagliari-Elmas hat direkte Verbindungen aus ganz Italien und saisonal aus vielen europäischen Städten; ein Zug bringt dich in rund sieben Minuten zum Hauptbahnhof, von dort sind es zu Fuß etwa 15 Minuten zur Chiesa di San Giacomo in Villanova. Per Schiff erreichst du Cagliari von Civitavecchia, Neapel und Palermo.

Unterwegs: Der Süden ist bahntechnisch komfortabel. Die ARST-Schmalspurbahn Monserrato – Isili, eröffnet am 15. Februar 1888 als erste Schmalspurstrecke Sardiniens, hält in Monserrato, Settimo San Pietro, Dolianova, Mandas und Isili; ab Mandas fährt der Trenino Verde sonntags nach Laconi und Meana sowie Belvì – Sorgono (Mandas – Laconi 37 km, 2:45 h, 12 €, Stand: September 2026). Zwischen Sorgono und Chilivani gibt es keine Bahn, dort fahren ARST-Busse; ab Chilivani verbindet Trenitalia nach Sassari, Porto Torres, Olbia und Cagliari. Vom Ziel (Porto Torres): Trenitalia bringt dich über Sassari und Chilivani zurück nach Cagliari, Umsteigen in Ozieri-Chilivani oder Macomer, rund 20–25 €. Der nächste Flughafen ist Alghero-Fertilia, rund 35 Kilometer; Olbia liegt gut zwei Bahnstunden entfernt. Fähren gehen von Porto Torres nach Genua (ganzjährig, rund 10 h), Civitavecchia (7:45 h), saisonal Savona — und als einzige Direktverbindung Sardiniens nach Barcelona. Die Strecke Chilivani – Porto Torres war im ersten Halbjahr 2026 wegen Streckenausbaus gesperrt; prüfe vor der Reise den aktuellen Stand.

  • Bahn Sardinien: trenitalia.com — Cagliari, Chilivani, Sassari, Porto Torres
  • Schmalspurbahn und Bus: arst.sardegna.it — Monserrato – Isili, Busse Barbagia und Marghine
  • Trenino Verde: treninoverde.com — Mandas – Laconi, Belvì – Sorgono
  • Credenziale, GPX, referenti: camminosantujacu.it — Associazione Amici del Cammino di Santu Jacu
  • Fähre: grimaldi-lines.com — Porto Torres – Barcelona, Porto Torres – Civitavecchia

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