Ansbacher Jakobsweg
211,9 km von Weihenzell über Ansbach nach Oberdischingen: durch zwei Reichsstädte, über die Ostalb zwischen Kocher- und Brenzquelle, an Klöstern vorbei zum Ulmer Münster – die „Nordroute“ der Schwäbischen Jakobusgesellschaft.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Zwischen Kocher und Brenz: Wo das Wasser sich entscheidet
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Jakobskirche Weihenzell am Mittelfränkischen Jakobsweg / Jakobusbrunnen am Haus St. Jakobus in Oberdischingen bei Ulm
- Länge: 211,9 km
- Etappen: 9, zwischen 13,4 und 30,0 km (Gliederung des Trägers, erste Etappe ab Weihenzell verlängert; Kilometer aus der Camino-Ninja-Karte)
- Dauer: 9 bis 11 Tage
- Höhenmeter: ↗ 2.383 m / ↘ 2.269 m
- Höchster Punkt: 676 m bei km 121,1 zwischen Unterkochen und Königsbronn, auf der Wasserscheide zwischen Kocher und Brenz; tiefster Punkt 386 m in Weihenzell
- Regionen: Mittelfranken (Bayern) und Ostwürttemberg (Baden-Württemberg) – Frankenhöhe, Wörnitzgrund, Virngrund, Ostalb, Brenztal, Donauried, Hochsträß
- Markierung: gelbe Strahlenmuschel auf blauem Grund, dazu gelbe Pfeile
- Entstehung: erforscht ab 2006, markiert und gesegnet 2018
- Pilgerpass / Stempel: Pilgerausweis über das Haus St. Jakobus; Stempel u. a. in Weihenzell, Ansbach, Leutershausen, Feuchtwangen, Dinkelsbühl, Ellwangen, Schnaitheim, Elchingen und im Ulmer Münster
- Anschluss Ende: Oberschwäbischer Jakobsweg nach Konstanz und Ulm – Pfullendorf
Überblick
Dieser Weg hat mehrere Namen und einen klaren Auftrag. Die Schwäbische Jakobusgesellschaft nennt ihn ihre „Nordroute“ oder Ansbacher Jakobsweg, und auf der Karte verbindet er zwei Landschaften, die selten im selben Satz vorkommen: das evangelische Mittelfranken und das katholische Ostwürttemberg. Dazwischen liegen 211,9 km, zwei ehemalige Reichsstädte, eine romanische Basilika, fünf Klöster und eine Wasserscheide.
Neu ist der Weg nicht im Verlauf, sondern in seiner Zusammensetzung. Er folgt alten Verbindungswegen, Klosterwegen und Wallfahrtsorten, die ab 2006 erforscht, 2015 in einem Pilgerführer beschrieben und 2018 markiert und ökumenisch gesegnet wurden. Er beginnt an einer Jakobskirche und endet an einem Brunnen: Am Jakobusbrunnen in Oberdischingen hört die Nordroute auf, und die Südroute nach Konstanz fängt an.
Andere Namen
Mittelfränkisch-Schwäbischer Jakobsweg (so auf der Wegeseite des Trägers), Jakobsweg Weihenzell – Ansbach – Ulm (im Unterkunftsverzeichnis), Jakobusweg Ansbach – Ulm (bei Aalen-Tourismus und Pilgern in Bayern), Jakobusweg Ansbach – Ulm / Oberdischingen „Zwischen Städten und Klöstern“ (nach dem Pilgerführer), Nordroute der Schwäbischen Jakobusgesellschaft. Für Radpilger gibt es eine eigene Fassung, den Ansbacher Jakobusradpilgerweg.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal ist der Weg für alle, die Pilgern lieber mit Kirchen, Altstädten und Gasthöfen verbinden als mit Herbergsromantik, und die in neun bis elf Tagen ein Stück Süddeutschland am Stück gehen wollen. Er ist technisch einfach, quert die Alb über Täler statt über Gipfel und hat in Ansbach, Ellwangen, Unterkochen, Königsbronn, Heidenheim, Langenau und Ulm Bahnhöfe am Weg. Wer weiter nach Konstanz oder an den Bodensee will, hat in Oberdischingen nahtlos Anschluss.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du ein dichtes Netz von Pilgerherbergen und Pilgergemeinschaft suchst. Echte Pilgerherbergen gibt es kaum, die meisten Nächte verbringst du in Gasthöfen, Pensionen und Privatzimmern, und viele Kirchen am Weg sind werktags geschlossen. Die erste Etappe hat ab Weihenzell knapp 27 Kilometer, die siebte 30, und zwischen Dinkelsbühl und Ellwangen bist du lange allein.
Streckenverlauf & Landschaft
Von der Jakobskirche in Weihenzell, wo der Weg vom Mittelfränkischen Jakobsweg abzweigt, geht es nach Ansbach zu St. Gumbertus und St. Johannis, dann hinaus auf die Frankenhöhe, über Leutershausen an der Altmühl in die ehemalige Reichsstadt Feuchtwangen und durch den Frickinger Wald nach Dinkelsbühl an der Wörnitz. Dahinter beginnt das Grenzland: Waldwege und Weiler im Virngrund, bis bei Haselbach Württemberg erreicht ist und der Weg über Eigenzell nach Ellwangen mit seiner Basilika und dem Wallfahrtsberg Schönenberg hinabführt.
Dann kommt die Alb. Über Schrezheim, Hüttlingen und Oberalfingen läuft der Weg ins Kochertal nach Unterkochen, wo der Kocher entspringt, steigt auf 676 m zur Wasserscheide und fällt nach Königsbronn ab, wo die Brenz aus dem Brenztopf kommt. Er folgt der Brenz über Itzelberg, Schnaitheim und Heidenheim unter Schloss Hellenstein nach Anhausen, quert die Hochfläche über Bissingen ob Lontal und Lindenau nach Langenau, durchs Donauried zum Kloster Elchingen und ins Donautal nach Ulm. Die letzte Etappe läuft über den Hochsträß nach Grimmelfingen, Erbach und Donaurieden bis Oberdischingen. Das Ulmer Münster liegt 340 m neben dem Track, das Zentrum von Aalen 2,5 km – der Weg lässt die Stadt östlich liegen.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Wir zeigen den Weg in der Gliederung des Trägers mit neun Etappen; dessen erste Etappe beginnt in Ansbach, wir lassen sie in Weihenzell starten. Die Kilometer stammen aus der Camino-Ninja-Karte und sind exakt auf 211,9 km kalibriert, die Höhenmeter haben wir aus den Höhenpunkten der Strecke gerechnet. Technisch ist der Weg leicht: Feldwege, Waldwege, Radwege und am Rand der Städte viel Asphalt. Die einzige echte Steigung führt von Unterkochen zur Wasserscheide; mit dem Rad ist der Weg fast überall fahrbar, nur nicht zwischen Unterkochen und Königsbronn.
- Weihenzell → Leutershausen (26,7 km) — ↗ 275 m / ↘ 233 m. Nach Ansbach (km 10,3, Bahnhof bei km 9,8 – hier steigen viele ein), hinaus auf die Frankenhöhe, im Wald bei Hinterholz der Gumbertusbrunnen; „Im Zeichen der Eyb'schen Muschel“ nennt der Träger diesen Tag.
- Leutershausen → Feuchtwangen (24,1 km) — ↗ 213 m / ↘ 195 m. Auf Altwegen über Erlbach, Röttenbach und Weinberg in die Reichsstadt mit Stiftskirche und Johanniskirche.
- Feuchtwangen → Dinkelsbühl (13,4 km) — ↗ 120 m / ↘ 119 m. Die kurze Etappe: über Zehdorf und durch den Frickinger Wald, an der B 25 bei der Unsinnigen Mühle aufpassen, über die Wörnitz in die Altstadt.
- Dinkelsbühl → Ellwangen (26,6 km) — ↗ 296 m / ↘ 302 m. „Einsamkeit pur im Grenzland“: Mühlen, Weiler und Wald, über die Landesgrenze bei Haselbach und Eigenzell nach Ellwangen.
- Ellwangen → Unterkochen (26,6 km) — ↗ 380 m / ↘ 355 m. Über Schrezheim, Hüttlingen und Oberalfingen ins Kochertal; Aalen bleibt westlich liegen.
- Unterkochen → Heidenheim (24,1 km) — ↗ 272 m / ↘ 230 m. Vom Kocherursprung hinauf zur Wasserscheide (676 m), hinunter zum Brenztopf in Königsbronn und das Brenztal abwärts.
- Heidenheim → Langenau (30,0 km) — ↗ 340 m / ↘ 389 m. „Der Klösterliche“: über Bolheim, Anhausen und Falkenstein, durchs Lontal und über Lindenau nach Langenau – die längste Etappe.
- Langenau → Ulm (19,5 km) — ↗ 166 m / ↘ 159 m. Durchs Donauried über Göttingen zum Kloster Elchingen, dann mit dem Nürnberger Weg nach Ulm zum Münster.
- Ulm → Oberdischingen (20,9 km) — ↗ 318 m / ↘ 285 m. „Auf dem Hochsträß“: über Grimmelfingen mit seiner Jakobuskirche, Erbach und Donaurieden zum Jakobusbrunnen.
Zwischen Kocher und Brenz: Wo das Wasser sich entscheidet
Auf der sechsten Etappe erreichst du den höchsten Punkt des Weges, und er liegt nicht auf einem Gipfel, sondern auf einer Grenze. Kurz hinter Unterkochen, wo der Kocher aus dem Berg tritt, steigt der Weg bei km 121,1 auf 676 m – und dahinter fließt alles Wasser in die andere Richtung. Der Kocher läuft zum Neckar und mit dem Rhein in die Nordsee, die Brenz, die knapp acht Kilometer weiter in Königsbronn aus dem Brenztopf quillt, zur Donau und ins Schwarze Meer. Ein Pilgertag, zwei Quellen, zwei Meere.
Königsbronn erzählt noch eine zweite Geschichte. Hier ging Georg Elser zur Schule und arbeitete als Schreiner, bevor er am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller seine Bombe gegen Hitler zündete – 13 Minuten zu spät. Die Gedenkstätte im Ort ist einen Halt wert, und sie passt zu einem Pilgerweg: Elser war ein Einzelner, der seinem Gewissen folgte, als fast alle anderen mitliefen.
Und dann ist da Lindenau bei Langenau. Über der Tür des Gasthofs steht 1274, der Pilgerführer nennt das Haus eine mittelalterliche Pilgerherberge, die zu einem Kloster gehörte. Das Kloster wurde 1803 aufgehoben, seine Madonna wanderte nach Elchingen – wo du sie am nächsten Tag als „Mutter der Sieben Schmerzen“ wiedertriffst. Der Weg hat eine Figur verloren und sie einen Tag später wiedergefunden.
Highlights am Weg
- Jakobskirche Weihenzell — Start und erster Stempel, am Mittelfränkischen Jakobsweg
- St. Johannis und St. Gumbertus, Ansbach — Pilgersegen, „Pilgereck“ und Stempel; die Pfarrei St. Johannis ist 1139 erstmals erwähnt
- Gumbertusbrunnen bei Hinterholz — gefasste Quelle im Wald, aus der Abt Gumbertus der Legende nach getauft haben soll
- Stiftskirche und Johanniskirche, Feuchtwangen — Stift 819 erwähnt, Johanniskirche 1257; zusammen ein mittelalterlicher Hof wie eine Filmkulisse
- Münster St. Georg, Dinkelsbühl — 1448 bis 1499 erbaut, an der Orgelempore Jakobus; am Gasthof „Goldener Hirsch“ eine Jakobusfigur
- Basilika St. Vitus, Ellwangen — 1182 bis 1233, eine der bedeutendsten romanischen Kirchen Schwabens; darüber der Schönenberg mit der Wallfahrtskirche von 1729
- Kocherursprung Unterkochen und Brenztopf Königsbronn — zwei Quellen, eine Wasserscheide, dazu Kloster Königsbronn (1303) und die Georg-Elser-Gedenkstätte
- Schloss Hellenstein, Heidenheim — die Burg über der Stadt an der Brenz
- Kloster Anhausen und Lindenau — Klosterland im Brenz- und Lontal, der Gasthof Lindenau mit der Jahreszahl 1274
- Klosterkirche Oberelchingen — barocke Marienwallfahrt mit der Madonna aus Lindenau, Stempel am Schriftenstand
- Ulmer Münster — 161,53 m Turm, 768 Stufen, das Chorgestühl von Jörg Syrlin d. Ä.; Stempel an der Turmkasse
- Jakobuskirche Grimmelfingen — 1463 geweiht, mit Pilgerstempel
- Haus St. Jakobus, Oberdischingen — 1794 neben der Dreifaltigkeitskapelle errichtet, seit 1986 unter Jakobus' Patronat; Pilgerzentrum mit Jakobusbrunnen
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Der Weg beginnt in Weihenzell an der Jakobskirche, und dort liegt er am Mittelfränkischen Jakobsweg von Nürnberg nach Rothenburg (dessen km 51,5). Wer von Nürnberg kommt, biegt in Weihenzell nach Süden ab, statt weiter nach Rothenburg zu gehen. Wer mit dem Zug anreist, steigt meist erst am Bahnhof Ansbach bei km 9,8 ein.
Unterwegs gibt es weitere Einstiege: Bei Lindenau berührt der Weg den Jakobsweg Nürnberg–Ulm, ab Kloster Elchingen gehen beide gemeinsam bis zum Ulmer Münster. Dort endet auch der Fränkisch-Schwäbische Jakobsweg aus Würzburg. Zwischen Unterkochen und Königsbronn kreuzt der Weg den Abschnitt Neresheim – Neckartailfingen.
Weiterpilgern?
In Oberdischingen bist du nicht am Ende, sondern an der Weiche. Die letzte Etappe ab dem Ulmer Münster war bereits der erste Abschnitt des Oberschwäbischen Jakobswegs; auf ihm geht es weiter über Biberach, Bad Waldsee und Weingarten bis zum Konstanzer Münster am Bodensee. Alternativ beginnt in Oberdischingen der Weg Ulm – Pfullendorf nach Pfullendorf.
Vorbereitung & Praktisches
Den Pilgerausweis bekommst du beim Haus St. Jakobus in Oberdischingen, das auch ein aktuelles Unterkunftsverzeichnis für die Strecke herausgibt (Stand: August 2026). Es listet rund 80 Adressen von Weihenzell bis Ulm, davon nur wenige ausdrücklich für Pilger: die Pilgerherberge Alte Mühle in Burgberg, Pilgerübernachtungen in Feuchtwangen und beim katholischen Pfarramt in Schnaitheim. Der Rest sind Gasthöfe, Pensionen, Privatzimmer und Jugendherbergen in Dinkelsbühl und Ulm. Melde dich vorher an, besonders bei Privatquartieren und am Ruhetag der Gasthöfe.
Die Markierung mit der Strahlenmuschel ist gut, aber nicht lückenlos, und ab Elchingen tauchen mehrere Muschelvarianten verschiedener Wege nebeneinander auf. Nimm den Track in der App mit. Stempel gibt es nicht in jeder Kirche; sichere Stellen sind die Jakobskirche Weihenzell, die Pfarrämter und Tourist-Informationen der Städte, Elchingen und das Ulmer Münster. Den Pilgerführer „Der Jakobusweg zwischen Städten und Klöstern“ verschickt das Haus St. Jakobus für 6,80 € zuzüglich Porto (Stand: Oktober 2026).
Was dich der Weg kostet
Rechne mit Gasthof- und Pensionspreisen: meist 50 bis 90 € pro Nacht im Einzelzimmer, in Privatzimmern auch weniger, Abendessen im Gasthof 15 bis 25 € (Stand: Oktober 2026). Für neun bis elf Tage kommst du so auf etwa 700 bis 1.100 € ohne Anreise. Pilgerübernachtungen und die Herberge in Burgberg sind günstiger; im Haus St. Jakobus in Oberdischingen gibt es Pilgerbetten.
Anreise
Ansbach liegt an der Bahnstrecke Nürnberg–Stuttgart und ist von Nürnberg in etwa 40 Minuten erreichbar; nach Weihenzell, rund 10 km nordöstlich, kommst du mit dem Bus. Unterwegs liegen Bahnhöfe in Ellwangen, Unterkochen, Königsbronn, Heidenheim und Langenau; Feuchtwangen und Dinkelsbühl erreichst du nur mit dem Bus.
Vom Ziel Oberdischingen fährt der Bus nach Ulm und Ehingen; der nächste Bahnhof ist Erbach an der Strecke Ulm–Friedrichshafen. Ulm Hbf hat ICE-Verbindungen nach Stuttgart, München und Frankfurt.
- Ansbach Bahnhof — Regional- und Fernverkehr Nürnberg–Stuttgart, Bus nach Weihenzell; Einstieg bei km 9,8
- Ellwangen, Unterkochen, Königsbronn, Heidenheim, Langenau — Ein- und Ausstieg unterwegs
- Ulm Hbf — ICE-Knoten, auch Ausstieg nach Etappe 8
- Erbach (Donau) — nächster Bahnhof zum Ziel Oberdischingen
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