Augsburger Jakobsweg auf der Karte

Augsburger Jakobsweg

231,7 Kilometer vom Rand des Nördlinger Rieses durch Augsburg ins Oberallgäu: Wörnitz, Donau, Lech und Wertach als Leitlinien, elf leichte bis mittlere Etappen, am Ende die ersten Hügel vor den Alpen. Dazwischen eine Stadt, die dem Apostel eine ganze Vorstadt gewidmet hat, ein Augsburger Patrizier, der 1446 nach Santiago ging und darüber schrieb, ein zehnjähriger Mozart an einer Orgel — und in Ermengerst die Übergabe an den Münchner Jakobsweg Richtung Bodensee.

6. September 202615 Min. Lesezeit
Augsburger Jakobsweg
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Oettingen in Bayern, Jakobsstatue vor St. Jakob / Ermengerst (Wiggensbach, Oberallgäu)
  • Länge: 231,7 km
  • Dauer: 11 Tage
  • Höhenmeter: ↗ 2.462 m / ↘ 2.060 m
  • Höchster Punkt: 862 m im Oberallgäu kurz vor Ermengerst; tiefster Punkt 399 m an der Donau
  • Etappen: 11 (Camino-Ninja-Einteilung entlang der Ostroute; der Träger zählt Nord- und Ostroute getrennt)
  • Richtung: Nord → Süd, vom Ries über Donau und Lech ins Allgäu
  • Träger: Jakobuspilgergemeinschaft Augsburg e. V., gegründet 2003, Sitz Kaisheim
  • Markierung: gelbe Jakobsmuschel auf weißem Grund, regional mit blauem Rand („Augsburger Muschel")
  • Anschluss Norden: in Oettingen Abzweig vom Jakobsweg Nürnberg–Ulm; in Donauwörth mündet der Ostbayerische Jakobsweg ein
  • Anschluss Süden: in Ermengerst auf den Münchner Jakobsweg, gemeinsam bis Scheidegg und Lindau
  • Beste Zeit: Mai bis Oktober (Pilgerherberge Augsburg Ostermontag bis Ende Oktober)

Überblick

Der Augsburger Jakobsweg ist ein Weg, der eine Stadt in die Mitte stellt. 231,7 Kilometer von Oettingen am Ostrand des Nördlinger Rieses — dort, wo vor knapp 15 Millionen Jahren ein Meteorit einschlug — über die Wörnitz nach Harburg und Donauwörth, den Lech hinauf nach Augsburg, die Wertach hinauf nach Bad Wörishofen, über Ottobeuren und Bad Grönenbach an die Iller und über Altusried und Wiggensbach nach Ermengerst, wo das Allgäu beginnt und der Münchner Jakobsweg übernimmt. Bis Bad Grönenbach ist das flaches bis sanftes Land; erst die letzte Etappe steigt merklich, und bei klarem Wetter siehst du am Ende die Alpenkette.

Was den Weg trägt, ist Augsburg auf halber Strecke. Die Stadt hat dem Apostel nicht nur eine Kirche gebaut, sondern eine ganze Jakobervorstadt mit Jakoberstraße, Jakobsplatz und Jakobertor; aus ihrem Patriziat kam 1446 ein Pilger, der nach Santiago ging und einen Bericht darüber hinterließ; Jakob Fugger stiftete 1521 die Fuggerei, in der die Jahresmiete bis heute 0,88 Euro beträgt; und seit 2019 steht das historische Wassersystem der Stadt auf der UNESCO-Welterbeliste. Davor liegt Biberbach, wo der zehnjährige Mozart 1766 ein Orgelduell spielte, dahinter Ottobeuren, dessen Abtei seit 764 besteht. Ein Weg für den ersten langen Pilgergang — technisch leicht, per Bahn gut teilbar, aber ehrlich gesagt ohne Herbergskette und kein Billigweg.

Andere Namen

Offiziell heißt der Weg Bayerisch-Schwäbischer Jakobsweg — so nennt ihn sein Träger, die Jakobuspilgergemeinschaft Augsburg, und so steht er auf den Wegweisern; Wikipedia führt ihn als Bayerisch-Schwäbischer Jakobusweg. Augsburger Jakobsweg ist die gängige Kurzform, weil Augsburg das Herzstück ist, im Allgäu heißt der südliche Teil oft schlicht Jakobsweg im Allgäu, und die Muschelmarkierung mit blauem Rand trägt den Namen Augsburger Muschel.

Zwei Dinge musst du wissen. Erstens: Der offizielle Gesamtweg geht weiter als unsere Route — bis Lindau und zur Jakobskapelle in Nonnenhorn am Bodensee, rund 309 Kilometer. Unsere 231,7 Kilometer enden in Ermengerst, weil der Weg dort mit dem Münchner Jakobsweg verschmilzt und wir die gemeinsame Strecke nur einmal führen. Zweitens: Ab Augsburg hat der Weg zwei Gesichter — eine Ostroute über Bad Wörishofen und Ottobeuren (112,6 km) und eine 17 Kilometer längere Westroute über Oberschönenfeld, Babenhausen und Memmingen. Beide treffen sich in Bad Grönenbach. Diese Route folgt der Ostroute.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Ideal ist dieser Weg, wenn du deinen ersten längeren Jakobsweg gehst und keine Bergerfahrung mitbringst — das Gelände verzeiht viel, und die Route lässt sich per Bahn ungewöhnlich gut in Abschnitte zerlegen: Donauwörth, Augsburg, Türkheim und Bad Wörishofen haben Bahnhöfe am Weg. Ideal auch, wenn du Kulturgeschichte willst und nicht nur Landschaft: Zwischen Oettingen und Ermengerst reihen sich eine Reichsburg der Staufer, eine Reichsstadt an der Donau, eine Welterbestadt mit der ältesten Sozialsiedlung der Welt und eine Benediktinerabtei aus dem 8. Jahrhundert aneinander. Und wer gern in kleinen Gasthöfen unterkommt, findet hier den Standard, der auf deutschen Jakobswegen üblich ist.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du eine Herbergsinfrastruktur wie in Spanien erwartest: Auf der ganzen Strecke gibt es genau eine Pilgerherberge, in Augsburg, mit sechs Plätzen. Nichts für dich auch, wenn Einsamkeit dein Hauptmotiv ist — die Etappen um Gersthofen, Augsburg und Bobingen führen durch besiedeltes, teils industriell geprägtes Gebiet, und der Asphaltanteil ist wie auf den meisten deutschen Jakobswegen spürbar. Wer Höhenmeter und Gipfelblicke sucht, wartet bis Bad Grönenbach; wer knapp kalkuliert, sollte wissen, dass Bad Wörishofen und Bad Grönenbach Kurorte sind, in denen die Zimmerpreise am Kurniveau hängen.

Streckenverlauf & Landschaft

Der Weg gliedert sich in drei klar unterscheidbare Teile. Ries und Donautal: Von Oettingen gehst du am Ostrand des Nördlinger Rieses über Megesheim, Polsingen und Amerbach nach Wemding mit der Wallfahrtsbasilika Maria Brünnlein, dann durch Gosheim und Ronheim ins Wörnitztal nach Harburg, wo eine der besterhaltenen Burgen Süddeutschlands über dem Fluss liegt, und in Donauwörth an die Donau. Lech und Wertach: Über Mertingen, Holzen, Blankenburg und Kühlenthal geht es durch das flache Land westlich des Lechs nach Biberbach mit seiner Jakobus-Wallfahrtskirche, über Eisenbrechtshofen, Gablingen und Gersthofen hinein nach Augsburg; südlich der Stadt wechselst du über Bobingen ins Wertachtal — Auwald, Flussschleifen, viel Wasser — und über Klimmach, Siebnach, Ettringen und Türkheim nach Bad Wörishofen.

Unterallgäu und Voralpenland: Ab Bad Wörishofen wird es hügelig. Über Dirlewang, Köngetried und Mussenhausen nach Markt Rettenbach, dann nach Ottobeuren mit der Abteikirche, weiter über Niebers und Niederdorf nach Bad Grönenbach, wo die Westroute wieder einmündet. Dann querst du die Iller — auf einer Hängebrücke zwischen Pfosen und Fischers, unter der Burgruine Neukalden und am Vogelschutzgebiet Briels vorbei — und steigst über Altusried, Frühstetten, Schwenkels und Wiggensbach ins Oberallgäu. Auf den letzten Kilometern erreichst du mit 862 Metern den höchsten Punkt, und in Ermengerst wartet der Münchner Jakobsweg.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Der Träger zählt Nordroute (Oettingen–Augsburg) und Ostroute (Augsburg–Bad Grönenbach) getrennt und führt den Allgäu-Teil als Fortsetzung. Wir teilen die 231,7 Kilometer in elf Etappen von 16,9 bis 24,7 Kilometern, kalibriert auf die exakte Länge unserer Route — die offiziellen Abschnittsangaben summieren sich auf gut 240 Kilometer, weil sie Ortsdurchquerungen großzügiger rechnen als ein GPS-Track. Alle Etappenorte liegen auf der Route; wer es ruhiger mag, teilt Etappe 3 in Donauwörth und Etappe 5 in Gablingen und kommt auf dreizehn Tage.

  1. Oettingen in Bayern – Megesheim – Polsingen – Wemding (17,4 km) — Rieslandschaft, Ziel Wallfahrtsbasilika Maria Brünnlein.
  2. Wemding – Gosheim – Ronheim – Harburg (16,9 km) — Kraterrand und Wörnitztal, am Ende die Burg über dem Fluss.
  3. Harburg – Donauwörth – Mertingen (21,3 km) — Wörnitz- und Donautal, Reichsstraße und Kloster Heilig Kreuz.
  4. Mertingen – Holzen – Kühlenthal – Biberbach (21,3 km) — Lechfeld-Ränder, Kloster Holzen, Jakobus-Wallfahrtskirche.
  5. Biberbach – Gablingen – Gersthofen – Augsburg (23,8 km) — Anmarsch durchs Lechtal, Stadteinstieg zur Jakobervorstadt.
  6. Augsburg – Bobingen – Klimmach (23,2 km) — Wertachauen, Wallfahrtskirche Klimmach.
  7. Klimmach – Siebnach – Ettringen – Türkheim – Bad Wörishofen (21,7 km) — Wertachtal, Kneippstadt.
  8. Bad Wörishofen – Dirlewang – Mussenhausen – Markt Rettenbach (20,3 km) — Unterallgäuer Hügel, Jakobskirche Markt Rettenbach.
  9. Markt Rettenbach – Eheim – Guggenberg – Ottobeuren (19,3 km) — Ziel Benediktinerabtei und Basilika.
  10. Ottobeuren – Niebers – Niederdorf – Bad Grönenbach (21,8 km) — Voralpenland, Vereinigung mit der Westroute.
  11. Bad Grönenbach – Fischers – Altusried – Wiggensbach – Ermengerst (24,7 km) — Iller-Hängebrücke, Ruine Neukalden, Anstieg ins Oberallgäu, Übergabe an den Münchner Jakobsweg.

Schwierigkeit: leicht bis mittel. Die nördlichen und mittleren Abschnitte gelten in den Wanderportalen als leicht, die Höhenmeter pro Tag bleiben meist unter 300; erst die Schlussetappe kommt auf gut 420 Meter Aufstieg und wird zugleich als eine der schönsten des ganzen Weges beschrieben. Untergrund: Feld-, Wald- und Wirtschaftswege im Wechsel mit Asphalt — eine Prozentzahl gibt es für diese Strecke nicht, für den anschließenden Allgäu-Abschnitt sind rund 39 Prozent dokumentiert, im flachen Norden dürfte es nicht weniger sein. Nimm Schuhe, die auf Hartbelag lange bequem bleiben.

Eine Familie, eine Kirche und der Weg nach Santiago

Augsburg hat dem Apostel ein Stadtviertel gegeben. Die Kirche St. Jakob vor der östlichen Stadtmauer wird 1080 erstmals sicher erwähnt — weil sie in jenem Jahr bei einer Belagerung niederbrannte —, und um sie herum wuchs die Jakobervorstadt: Jakoberstraße, Jakobsplatz, Jakobertor, und das älteste Volksfest der Stadt, die Jakober Kirchweih, trägt bis heute ihren Namen. Zur Kirche gehörte die Jakobspfründe, ein Pilgerhaus, das Santiago-Pilger beherbergte. 1355 ließ der Patrizier Ulrich Ilsung die Kirche neu bauen, an der Stelle des heutigen Chors. Und rund neunzig Jahre später, 1446, brach ein Mann derselben Familie nach Santiago de Compostela auf: Sebastian Ilsung, Augsburger Patrizier, Vertrauter Kaiser Friedrichs III., vermutlich zugleich in diplomatischer Mission für Papst Felix V. unterwegs — und er beschrieb die Reise nachträglich. Sein Bericht ist bis heute Gegenstand der Forschung. Eine Familie baut die Jakobskirche, eine Familie geht den Weg und schreibt ihn auf: Auf kaum einem deutschen Jakobsweg lässt sich die Klammer zwischen Kirche und Pilgerfahrt so sauber schließen wie hier.

Die Vorstadt hat die Reformation als erste Augsburger Gemeinde mitgemacht — 1525 wurde St. Jakob evangelisch —, den Bombenkrieg 1944 bis auf die Mauern verloren und ist trotzdem geblieben, was sie war: Heute sitzt die Pilgerherberge der Jakobuspilgergemeinschaft im Turm der Kirche, sechs Plätze, Küche, Dusche, offen von Ostermontag bis Ende Oktober. Fünfundzwanzig Kilometer vorher, in Biberbach, steht die andere Jakobskirche dieses Wegs, die Wallfahrtskirche St. Jakobus major mit dem „Herrgöttle von Biberbach", einem romanischen Kruzifix aus dem 13. Jahrhundert, das 1525 vor Bilderstürmern in Sicherheit gebracht wurde. Am 6. November 1766 trat hier der zehnjährige Wolfgang Amadeus Mozart zu einem Orgelwettspiel gegen den jungen Joseph Sigmund Eugen Bachmann an, arrangiert von einem Fugger. Wer gewonnen hat, weiß bis heute niemand — Leopold Mozart schwieg, und der einzige Bericht hält nur fest, der Wettstreit sei „für beide sehr ehrenvoll" ausgegangen. Ein Jakobsweg, auf dem zwischen zwei Jakobskirchen ein Kind Orgel spielt und ein Kaufmann seinen Weg nach Santiago aufschreibt, braucht keine erfundenen Legenden.

Highlights am Weg

  • St. Jakob, Oettingen — Chor 1326, Langhaus 1430, Turm 1461, heute evangelisch; vor der Kirche die Bronzestatue des Jakobspilgers, an der der Weg beginnt und den Jakobsweg Nürnberg–Ulm kreuzt.
  • Wallfahrtsbasilika Maria Brünnlein, Wemding — Gnadenbild, das ein Schuhmacher um 1680 aus Rom mitbrachte; Kirche 1748–1782 mit Fresken Johann Baptist Zimmermanns, seit 1998 Basilica minor.
  • Burg Harburg — eine der besterhaltenen Burgen Süddeutschlands, 1150 erstmals sicher erwähnt, seit 1731 im Besitz der Linie Oettingen-Wallerstein; Führungen Mitte März bis Anfang November.
  • Donauwörth — Reichsstraße der ehemaligen Reichsstadt und Kloster Heilig Kreuz, um 1040 um eine Kreuzpartikel aus Konstantinopel gestiftet; 1809 wohnte Napoleon hier.
  • Wallfahrtskirche St. Jakobus major, Biberbach — romanisches „Herrgöttle" aus dem 13. Jahrhundert und Schauplatz von Mozarts Orgelduell am 6. November 1766.
  • Augsburg, Jakobervorstadt — St. Jakob (1080 erwähnt, 1355 von Ulrich Ilsung erbaut), Jakoberstraße, Jakobsplatz, Jakobertor; im Turm die Pilgerherberge.
  • Fuggerei, Augsburg — 1521 von Jakob Fugger gestiftet, 140 Wohnungen in 67 Häusern; Jahresmiete ein Rheinischer Gulden, 0,88 Euro, plus täglich drei Gebete für den Stifter.
  • Augsburger Dom — die Prophetenfenster gelten als die ältesten großflächig erhaltenen Buntglasfenster; fünf Scheiben sind erhalten: Jona, Daniel, Hosea, David, Mose.
  • Augsburger Wassermanagement — seit 2019 UNESCO-Welterbe: 22 Objekte, Kanäle, Wassertürme, drei Prachtbrunnen, der olympische Eiskanal von 1972 und rund 530 Brücken.
  • Lechfeld — südlich der Stadt schlugen König Otto I. und Bischof Ulrich im August 955 die Ungarn; das Ende der Ungarneinfälle nach Westeuropa.
  • Bad Wörishofen — 1855 kam Sebastian Kneipp hierher, sechs Jahre nach seiner Selbstheilung mit eiskalten Donaubädern; aus der Kur wurde eine Weltmarke.
  • Basilika Ottobeuren — Abtei seit 764, Reichsabtei seit 972, Basilika 1737–1766 mit zwei Riepp-Orgeln von 47 und 27 Registern; Orgelkonzerte samstags von Mai bis Oktober.
  • Iller-Hängebrücke und Ruine Neukalden — zwischen Bad Grönenbach und Altusried, mit dem Vogelschutzgebiet Briels und seinen Hunderten brütenden Schwänen.
  • Altusried — Allgäuer Freilichtbühne seit 1879 (Spiel im mehrjährigen Rhythmus) und eine überlebensgroße Jakobusfigur in St. Blasius und Alexander.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Der Weg fängt nicht bei null an. In Oettingen zweigt er vom Jakobsweg Nürnberg–Ulm ab: Wer aus Nürnberg oder Franken kommt, wechselt an der Bronzestatue vor St. Jakob einfach die Richtung — statt weiter nach Ulm geht es nach Süden Richtung Augsburg und Bodensee. Wer noch weiter nördlich einsteigen will, findet mit dem Oberfränkischen Jakobsweg das Anschlussstück im selben Netz. In Donauwörth mündet der Ostbayerische Jakobsweg ein, die Verbindung aus dem Donauraum, und seit 2005 gibt es eine Zuführung von Schrobenhausen über Friedberg, die bei Augsburg auf den Hauptweg stößt.

Reist du direkt an, ist Oettingen der schwierigste Punkt der ganzen Route: Die Stadt hat keinen Bahnhof. Du fährst nach Nördlingen und nimmst dort den Regionalbus — Details unter Anreise. Wer nur die Nordroute Oettingen–Augsburg gehen will, hat ein rundes Fünf-Tage-Paket mit Bahnanschluss am Ende.

Weiterpilgern?

In Ermengerst endet diese Route nicht — sie geht in eine andere über. Die offizielle Etappenbeschreibung des Münchner Jakobswegs sagt es wörtlich: „Wir verlassen Kempten westwärts und treffen in Ermengerst auf den Bayerisch-Schwäbischen Jakobsweg, den wir auf gleicher Wegstrecke gemeinsam bis Scheidegg gehen." Ab hier gehst du also auf dem Münchner Jakobsweg weiter: über Buchenberg, wo du die Wasserscheide zwischen Donau und Rhein querst, Weitnau und Lindenberg nach Scheidegg und Lindau; der Bayerisch-Schwäbische Weg endet offiziell an der Jakobskapelle in Nonnenhorn am Bodensee.

Vom Bodensee führen mehrere Wege weiter. Über die Via Jacobi Bregenz kommst du nach Österreich und in die Schweiz; der Oberschwäbische Jakobsweg ist die Verbindung nordwestlich des Sees; und Lindau – Héricourt ist die große Westroute durch die Schweiz und den Jura nach Frankreich. Rechnerisch: Von Oettingen bis Nonnenhorn sind es rund 309 Kilometer, von Augsburg nach Santiago noch einmal rund 2.500 — der Augsburger Weg ist ein Anfang, aber einer mit Anschluss in alle Richtungen.

Vorbereitung & Praktisches

Die Saison läuft von Mai bis Oktober; der Pilgerführer empfiehlt Mai bis Ende September. Praktisch bindend ist die Pilgerherberge St. Jakob in Augsburg im Turm der Jakobskirche: sechs Plätze, Küche, Bad, Aufnahme ab 17 Uhr für Angemeldete mit gültigem Pilgerausweis, geöffnet von Ostermontag bis Ende Oktober. Sie ist die einzige Pilgerherberge auf der Strecke — sonst übernachtest du in Gasthöfen, Pensionen und Privatzimmern, in Bad Wörishofen mit Pilgerpreis im Kneippkurhaus St. Josef, in Ottobeuren im Gästehaus der Abtei auf Anfrage, auf Etappe 4 in Kloster Holzen, das heute als Hotel geführt wird. In kleinen Orten ist das Angebot dünn: Reserviere im Voraus. Deine Etappen und die passenden Quartiere planst du am einfachsten direkt in der Camino Ninja App.

Den Pilgerpass gibt die Jakobuspilgergemeinschaft Augsburg heraus — dreisprachig, in Santiago anerkannt, 6,00 € plus 1,80 € Versand (Stand: September 2026). Dieselbe Gemeinschaft veröffentlicht ein laufend aktualisiertes Stempelstellenverzeichnis nach Nord-, Ost- und Westroute: An Klöstern bekommst du den Stempel an der Pforte, bei geschlossenen Kirchen liegt er oft in einem Kasten oder in den Kirchenbänken. Markiert ist der Weg durchgehend mit der gelben Muschel auf weißem Grund; ein GPS-Track ist in den Stadtdurchquerungen trotzdem hilfreich. Der Pilgerführer von Markus Meier und Janina Rauscher (Conrad Stein Verlag, 3. Auflage 2023) deckt den ganzen Weg bis zum Bodensee mit beiden Varianten ab; einen kostenlosen PDF-Führer für Radpilger stellt der Träger bereit. Wasser gibt es in den Ortschaften reichlich, im Wertachtal und an der Iller läufst du oft direkt am Fluss.

Was dich der Weg kostet

Ehrlich gesagt ist der Augsburger Jakobsweg kein Billigweg: Es fehlt die Herbergsstruktur, die andere Routen günstig macht, und mit Bad Wörishofen und Bad Grönenbach liegen zwei Kurorte an der Strecke. Rechne in Gasthöfen und Pensionen mit 50 bis 80 € im Doppelzimmer, Einzelzimmer meist teurer; im Kneippkurhaus St. Josef in Bad Wörishofen gilt ein Pilgerpreis von 65 € pro Person mit Frühstück, maximal eine Nacht; die Pilgerherberge in Augsburg läuft auf Spendenbasis (alle Angaben Stand: September 2026). Für Verpflegung mit Einkauf und einer Einkehr am Tag kommen 25 bis 35 € dazu.

Realistisches Tagesbudget: rund 85 bis 110 € für Alleinreisende in einfachen Gasthöfen, über elf Tage grob 950 bis 1.200 € ohne An- und Abreise; zu zweit im Doppelzimmer und mit Selbstverpflegung deutlich weniger. Fixkosten: Pilgerpass 6,00 € plus Versand, Pilgerführer 15,90 € (Stand: September 2026). Die Kirchen kosten nichts — und die Fuggerei ist mit 0,88 € Jahresmiete zwar das günstigste Wohnen der Welt, aber nur für Augsburger.

Anreise

Zum Start (Oettingen): Oettingen hat keinen Bahnhof. Die nächsten sind Nördlingen, Otting-Weilheim und Gunzenhausen; am praktischsten ist die Bahn bis Nördlingen und von dort der Regionalbus nach Oettingen (Linien 502/503). Mit dem Auto über die B466 und B25.

Unterwegs: Bahnanschluss haben Donauwörth (ICE-Halt an der Strecke München–Nürnberg), Augsburg Hauptbahnhof (Fernverkehrsknoten), Türkheim und Bad Wörishofen sowie Memmingen nahe Bad Grönenbach — die Route lässt sich problemlos in zwei oder drei Urlauben gehen.

Vom Ziel (Ermengerst): Ermengerst gehört zur Marktgemeinde Wiggensbach; von dort fahren Regionalbusse nach Kempten (Allgäu), dessen Hauptbahnhof Fernverkehrsknoten Richtung München, Ulm und Lindau ist. Wer weiterpilgert, geht ab Ermengerst ohnehin direkt weiter auf dem Münchner Jakobsweg.

  • Bahn: bahn.de — Nördlingen, Donauwörth, Augsburg, Türkheim, Bad Wörishofen, Kempten
  • Bus Ries: vdr-ries.de — Nördlingen – Oettingen (Linien 502/503)
  • Träger, Pilgerpass, Herberge: pilgern-schwaben.de — Jakobuspilgergemeinschaft Augsburg
  • Achtung: kein Bahnhof in Oettingen — Anreise über Nördlingen mit Bus
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