East Bohemian Way
Der East Bohemian Way führt dich auf 262,5 Kilometern von der tschechisch-polnischen Grenze bei Libná über Broumov, Hradec Králové, Pardubice und das UNESCO-Silber von Kutná Hora nach Vlašim — mit 9,3 Höhenmetern pro Kilometer der flachste der sechs tschechischen Jakobswege, und der einzige dieser Kette, der Prag komplett umgeht. An der Trasse stehen sechs Jakobuskirchen, die älteste 1165 geweiht — und in Broumov das Kloster, dessen geschlossenes protestantisches Bethaus 1618 den Dreißigjährigen Krieg mitauslöste.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 031165 geweiht, 1618 geschlossen, 2017 geklebt
- 04Andere Namen
- 05Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 06Streckenverlauf & Landschaft
- 07Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Libná an der tschechisch-polnischen Grenze (587 m) → Vlašim, am Schloss und seinem Landschaftspark (348 m)
- Länge: 262,5 km — der Wegbetreiber nennt bis zu 269 km, das ist die Variante über Kuks plus polnischer Zulauf
- Höhenmeter: ↗ 2.443 m / ↘ 2.682 m — 9,3 m pro Kilometer, der flachste der sechs tschechischen Jakobswege und flacher als die Via de la Plata; netto verliert der Weg 239 Meter
- Höchster / tiefster Punkt: 665 m auf dem Kamm der Broumovské stěny (km 30,7) / 199 m an der Elbe bei Záboří nad Labem (km 183,5)
- Dauer: 9–12 Tage (12 Etappen Standard; 10 sportlich, 9 als untere Grenze)
- Markierung: gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund — aber nur an den Wegweisern; dazwischen die Farbbalken des Klub českých turistů. Mit der Camino Ninja App bist du sicher — sie hat die komplette Route an Bord
- Träger: ULTREIA z.s. (Prag) mit dem Klub českých turistů, dem Královéhradecký und dem Pardubický kraj; markiert ab 18. Mai 2017
- Pilgerausweis: tschechischer Credencial von ULTREIA (110 Kč), Verkauf und Stempel u. a. am Schloss Pardubice; über 100 Stempelstellen im tschechischen Netz
- Herbergen: genau eine — der „Jakub klub“ in Přelouč, gegen freiwilligen Beitrag; sonst Pensionen, Camping, Caritas und Sportvereine ab 230 Kč, immer mindestens zwei Tage vorher reservieren
- Zubringer: der Camino Sudecka geht am Startpunkt nahtlos in diesen Weg über — ein Punkt, zwei Wege; zweiter Ast von Wambierzyce über Božanov nach Broumov
- Anschluss: der South Bohemian Way schließt am Ziel in Vlašim nahtlos an; ⚠️ ein Prag-Anschluss existiert nicht — die Trasse kommt der Hauptstadt auf 49 km nicht näher
- UNESCO: Kutná Hora mit Barbara-Kathedrale und Sedlec (1995) an der Trasse; das Hofgestüt Kladruby nad Labem (2019) 3,4 km ab
- Beste Zeit: Mai bis Oktober — keine Wetterempfehlung, sondern eine Bettenrechnung: mehrere Quartiere und das Klostermuseum Police öffnen nur in der Saison
Überblick
Am 18. Mai 2017 stand eine Frau aus Pardubice an der polnischen Grenze und fing an, einen Jakobsweg zu kleben — mit gelben Aufklebern von zwei mal zwei Zentimetern, Muschel und Richtungspfeil, jede Stelle vorher bei Gemeinden und Eigentümern genehmigt und danach fotografiert. Zora Voženílková war mehrfach in Santiago, und ihr Motiv steht wörtlich in der Zeitung: „Cestu jsem prioritně začala dělat pro ženy, které mi často říkaly, že nemají finance …“ — sie hat den Weg vor allem für Frauen angelegt, die ihr sagten, sie hätten kein Geld. Nämlich kein Geld für Spanien. Herausgekommen ist ein Camino, auf dem das günstigste Bett 230 Kronen kostet, rund neun Euro — und der trotzdem kein Kunstprodukt ist: Auf seinen 262,5 Kilometern stehen sechs Jakobuskirchen, eine alle 44 Kilometer, die älteste 1165 geweiht. Kein Verein hat sie dorthin gestellt. Sie standen schon.
Du gehst 262,5 Kilometer von der Grenze bei Libná bis Vlašim, und der Weg macht dabei ein U: erst Sandstein — der Kamm der Broumovské stěny auf 665 Metern, zwischen Felstürmen, von denen einer Mušle heißt, Muschel —, dann hundert Kilometer Elbe-Ebene, die zusammen ganze 418 Höhenmeter bringen, dann noch einmal Hügel bis ins Sázava-Tal. Mit 9,3 Höhenmetern pro Kilometer ist er der flachste der sechs tschechischen Jakobswege, flacher als die Via de la Plata, und er verliert netto 239 Meter: Dieser Weg geht bergab. Insgesamt. Und er ist der Weg, der Prag umgeht — näher als 49 Kilometer kommt er der Hauptstadt nie. Stattdessen bildet er mit dem Camino Sudecka und dem South Bohemian Way eine eigene Ostkette von 592 Kilometern, von Lubań in Niederschlesien bis an die österreichische Grenze, mit zwei Übergaben, die nahtlos funktionieren: Am Start endet der eine Weg genau dort, wo du losgehst, am Ziel beginnt der nächste genau dort, wo du ankommst.
1165 geweiht, 1618 geschlossen, 2017 geklebt
Die älteste Urkunde dieses Weges gehört Jakobus: 1165 weihte Daniel, der dreizehnte Prager Bischof, die Jakobskirche von Jakub bei Kutná Hora — im Beisein von König Vladislav und Königin Judith, gestiftet von einer Frau namens Marie mit ihren Söhnen Slavibor und Pavel; die Weiheurkunde fand man 1846 bei Reparaturen in der Kirche. Ihre Südwand trägt „nejrozsáhlejším zachovaným souborem románské plastiky v Čechách“ — das umfangreichste erhaltene Ensemble romanischer Plastik in Böhmen (ehrlich dazu: sie liegt 3,3 Kilometer neben der Trasse). Und am anderen Ende der Beweiskette steht eine Fälschung, die keiner versteckt: Broumov und Police nad Metují, die beiden Klosterorte am Weganfang, berufen sich auf Schenkungsurkunden von 1213 und 1229 — und die Stadt Police schreibt auf ihrer eigenen Geschichtsseite: „obě tyto listiny patří do souboru tzv. ‚břevnovských falz'“ — beide gehören zu den „Břevnov-Fälschungen“, angefertigt wohl erst nach 1260, von Mönchen, die ihr Land behalten wollten und dafür einen schenkenden König erfanden. Ein Weg, dessen ältester Beleg echt ist und dessen Gründungsurkunde gefälscht — und beides sagen die Quellen selbst.
Dann Kilometer 24,3. 1618 ließ Abt Wolfgang Selender das protestantische Bethaus in Broumov schließen — und das Militärhistorische Institut Prag nennt genau das als einen der beiden unmittelbaren Auslöser des Prager Fenstersturzes: „Byl uzavřen evangelický kostel v Broumově a dokonce zbourán kostel v Hrobu u Teplic.“ Am 21. Mai 1618 versammelten sich die protestantischen Stände gegen kaiserliches Verbot, am 23. Mai 1618 flogen die Statthalter aus dem Fenster. Der Dreißigjährige Krieg begann an Kilometer 24 dieses Weges — das Kloster steht direkt an der Trasse. Es ist nicht der einzige Bruch, den du abläufst: 1421 brannte Sedlec, 1424 wurde Jan Žižka in Hradec Králové beigesetzt (km 110), 1424 brannte er zuvor Kutná Hora nieder (km 201), 1437 fiel Sion, die letzte Hussitenburg (1,2 km ab km 208,6). Der Weg geht die Hussitenkriege in dieser Reihenfolge ab — rückwärts, vom Grab zur Tat.
Und dann, nach Vertreibung und vierzig Jahren Grenzsperre — bis 1946 verließen 22.000 Deutsche in 22 Transporten das Broumover Land, ein Versöhnungsdenkmal bei Kilometer 1,9 erinnert daran —, kam 2017 die Frau mit den Aufklebern. Bis Kuks hatte Zora Voženílková 150 Stück gesetzt und über 130 Kilometer markiert, in Abstimmung mit dem Klub českých turistů, unterstützt von zwei Kreisverwaltungen, unter dem Projektnamen „Poutníci poutníkům“ — Pilger für Pilger. Ihr Satz dazu: „Co mi cesta dala, to se ji snažím vrátit.“ — Was der Weg mir gegeben hat, versuche ich ihm zurückzugeben. Damit ist die Pointe dieses Weges komplett: 1165 stand hier eine Jakobskirche. 1618 wurde hier ein Weltkrieg des 17. Jahrhunderts ausgelöst. 2017 hat eine Frau aus Pardubice den Weg dazwischen mit Aufklebern zusammengeklebt.
Andere Namen
Auf Tschechisch heißt der Weg Východočeská svatojakubská cesta — Ostböhmische Jakobsstraße — oder im Verzeichnis des Trägervereins kurz Východočeská trasa; bei uns führt er den englischen Namen East Bohemian Way, wie ULTREIA selbst ihn international schreibt und wie seine Geschwisterwege buchstabiert sind: Zittau Way, Železná Way, Všeruby Way, South Bohemian Way, Moravian-Silesian Way. Er ist einer von sechs tschechischen Jakobswegen desselben Vereins — und der einzige dieser Ostkette, der um Prag einen Bogen macht. Eine Zahlen-Falle solltest du kennen: ULTREIA nennt in eigenen Publikationen 264, 265, 269 und 269,4 Kilometer. Die längeren Werte rechnen den Zulauf ab Krzeszów mit — das Schlussstück des Camino Sudecka —, und 6,5 Kilometer stecken in der offiziellen Schleife über Kuks, die der direkte Track auslässt. Gemessen sind es 262,5 Kilometer von der Grenze bei Libná bis Vlašim — dabei bleiben wir. Nicht verwechseln: Die Vambeřická poutní cesta ist ein eigener Wallfahrtsast, der von Wambierzyce über Božanov herüberkommt und in Broumov in diese Trasse mündet. Und die Trstenická stezka, an der Přelouč entstand, ist eine mittelalterliche Handelsstraße von Mähren nach Litomyšl — kein Pilgerweg, aber ein Beweis, dass diese Linie alt ist.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Dieser Weg ist etwas für dich, wenn du zwölf Tage hast und Denkmäler magst, ohne dafür klettern zu wollen: 9,3 Höhenmeter pro Kilometer, fast alles Anstrengende in den ersten zwei Tagen, danach hundert Kilometer mit zusammen 418 Höhenmetern — und unterwegs zwei UNESCO-Stätten, sechs Jakobuskirchen (die älteste von 1165) und die Stelle, an der der Dreißigjährige Krieg seinen Anfang nahm. Ideal ist er auch, wenn du günstig gehen willst, denn dafür wurde er gemacht: Das billigste Bett kostet 230 Kronen, rund neun Euro, und in Přelouč zahlst du, was du für richtig hältst. Und er ist etwas für dich, wenn du Alleinsein aushältst — wie viele Pilger hier gehen, zählt niemand, und wer unterwegs jemandem mit Muschel begegnet, darf sich wundern.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Herbergsalltag und Pilgergesellschaft suchst. Auf 262 Kilometern gibt es ein echtes Pilgerquartier, den „Jakub klub“ in Přelouč, und dort brauchst du eigene Matte und eigenen Schlafsack; alles andere sind Pensionen, Campingplätze, eine Caritas-Einrichtung und Sportvereinsbetten, die der Wegbetreiber selbst „ohne Gewähr“ listet und die mindestens zwei Tage vorher reserviert sein müssen. Nichts für dich ist er auch, wenn du dich auf Beschilderung verlassen willst: Die Muschel klebt nur an den Wegweisern, dazwischen folgst du den Farbbalken des Klub českých turistů — mit der Camino Ninja App findest du den Weg trotzdem: Sie hat die komplette Route an Bord. Und wenn du reinen Naturweg erwartest: Für die hundert flachen Kilometer im Elbe-Korridor gilt, was für alle Flussradweg-Landschaften gilt — da ist viel Hartbelag darunter. Eine offizielle Oberflächenstatistik gibt es für diesen Weg nicht, und das sagen wir dir lieber, als eine zu erfinden.
Streckenverlauf & Landschaft
Du beginnst auf einem Grenzkamm auf 587 Metern — genau dort, wo der Camino Sudecka aus Niederschlesien endet. Nach zwei Kilometern steht das Versöhnungsdenkmal auf der Bukova hora für die Opfer der Nachkriegsvertreibung, dann läufst du in die Barocklandschaft des Broumover Landes hinein: Kreuzwege, Dientzenhofer-Kirchen, ein Bahnhof mit Theater im Obergeschoss (Meziměstí, direkt an der Trasse). Bei Kilometer 24 liegt Broumov mit seinem Benediktinerkloster, direkt am Weg — und dahinter kommt der einzige richtige Anstieg: über Křinice auf den Kamm der Broumovské stěny, bei Kilometer 30,7 auf 665 Metern, zwischen Sandsteintürmen namens Kočka, Bumbrlíček und Mušle. Danach fällt der Weg über Police nad Metují ins Metuje-Tal, nach Hronov und Červený Kostelec — Náchod bleibt sieben Kilometer nordöstlich liegen, als ausgewiesene Tagesvariante — und durch das Babiččino údolí nach Česká Skalice.
Ab Jaroměř ändert sich alles: Der Weg tritt ins Polabí ein, die Elbe-Ebene, und bleibt dort hundert Kilometer — Josefov, Smiřice, Hradec Králové, die Burg Kunětická hora auf ihrem Vulkankegel, Pardubice, Přelouč, die Weiden von Kladruby nad Labem mit den Kutschpferden der Habsburger. 104 Kilometer dieses Weges liegen unter 250 Metern, und der tiefste Punkt, 199 Meter, ist eine romanische Prokopskirche am Elbeufer bei Záboří. Nach Kutná Hora — Silberstadt, Ossarium, Barbara-Kathedrale — kippt es zurück in die Hügel: über Malešov mit der Hussitenruine Sion und Zbraslavice auf 501 Metern hinunter ins Sázava-Tal, dem Fluss folgend über Kácov bis Vlašim. Am Schlosspark ist der Weg zu Ende — und genau dort fängt der South Bohemian Way an. Der Sagenberg Blaník steht 7,7 Kilometer südlich in der Sichtachse.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
12 Etappen sind der Zuschnitt, den wir empfehlen — im Schnitt 21,9 Kilometer, kalibriert an den Betten der offiziellen Unterkunftsliste, denn der Wegbetreiber hat nur die ersten fünf Etappen definiert; ab Jaroměř teilst du selbst ein. Die Kilometer stammen aus der Trackmessung unserer Routendatenbank (Gesamtstrecke 262,5 km) und tragen trotzdem „ca.“. Technisch ist nichts an diesem Weg schwierig — anspruchsvoll ist nur, dass er seine Anstrengung nach vorne legt: Die Etappen 1 und 2 bringen zusammen 644 Höhenmeter, die Etappen 5 bis 8 zusammen 357 auf 91 Kilometern. Die eigentliche Planungsgröße ist ohnehin nicht die Steigung, sondern das Bett: Dein Etappenziel bestimmt nicht deine Kondition, sondern die Frage, wo ein reserviertes Quartier steht.
- Libná (Grenze) → Broumov — ca. 24,3 km, ↗ 261 m — Start auf dem Grenzkamm, dort, wo der Camino Sudecka endet; Versöhnungsdenkmal Bukova hora (km 1,9), Dientzenhofer-Michaelskirche Vernéřovice (direkt am Weg), Bahnhof Meziměstí mit Theater im Obergeschoss, erste Jakobskirche in Ruprechtice (Grundstein 1720). Ziel: Kloster Broumov, direkt an der Trasse.
- Broumov → Hronov — ca. 23,0 km, ↗ 383 m — die Königsetappe, und sie kommt an Tag zwei: über die Broumovské stěny, höchster Punkt des Weges (665 m, km 30,7), Felsen namens Mušle; Kloster Police nad Metují, Stein „3 321 km nach Santiago“ in Bezděkov. In Hronov zweigt die offizielle Náchod-Variante ab: 21 km, ein Tag mehr.
- Hronov → Česká Skalice — ca. 23,3 km, ↗ 282 m — die rote Jakobskirche von Červený Kostelec (1744–54), dann hinunter ins Babiččino údolí mit Schloss Ratibořice und Staré bělidlo.
- Česká Skalice → Jaroměř — ca. 17,9 km, ↗ 185 m — der kurze Tag, und der Tag zum Verlängern: Kuks mit den Braun-Statuen liegt 3,2 km ab, die offizielle Variante geht hindurch (+6,5 km). Ziel: dritte Jakobskirche in Jaroměř, gotischer Kern. ⚠️ Baustellenwarnung 2025/26 bei Kuks, Umleitung über den blau markierten Weg.
- Jaroměř → Hradec Králové — ca. 21,5 km, ↗ 26 m — der flachste Pilgertag dieses Weges: 1,2 Höhenmeter pro Kilometer. Festungsstadt Josefov, dann Kathedrale des Heiligen Geistes — Žižkas Grabkirche von 1424.
- Hradec Králové → Pardubice — ca. 22,2 km, ↗ 110 m — Elbe-Mäander, der Opatovický kanál von 1498 (arbeitet bis heute), Burg Kunětická hora wenige Minuten vom Weg. Am Schloss Pardubice gibt es Credencial und Stempel.
- Pardubice → Přelouč — ca. 21,8 km, ↗ 82 m — der zweitflachste Tag. Ziel: vierte Jakobskirche, direkt am Weg — und der Jakub klub, das einzige echte Pilgerquartier des Weges.
- Přelouč → Týnec nad Labem — ca. 25,3 km, ↗ 139 m — das UNESCO-Gestüt Kladruby nad Labem liegt 3,4 km ab; Quartier im Kemp Marina (Týnec, 1,9 km ab der Trasse) oder kürzer in Zdechovice.
- Týnec nad Labem → Kutná Hora — ca. 21,9 km, ↗ 174 m — der Denkmal-Tag: tiefster Punkt des Weges (199 m) an der Prokopskirche von Záboří, Schloss Kačina, Abstecher zur Jakobskirche von Jakub (1165, 3,3 km), dann Sedlec mit Ossarium und Kathedrale. Ziel: sechste Jakobskirche, direkt am Weg. Hier gehört ein Ruhetag hin.
- Kutná Hora → Zbraslavice — ca. 22,3 km, ↗ 371 m — zurück in die Hügel; Burgruine Sion, „poslední významná bašta husitů“, 1,2 km ab. ⚠️ Ultreia listet in Zbraslavice kein Bett — vorher klären oder in Malešov bleiben (dann folgt eine 31,5-km-Etappe).
- Zbraslavice → Kácov — ca. 16,5 km, ↗ 161 m — der kürzeste Tag, welliges Hornosázava-Land, hinunter zur Sázava; in Kácov laut Wegbetreiber „dobrá restaurace v pivovaru“ — gute Wirtschaft in der Brauerei.
- Kácov → Vlašim — ca. 22,4 km, ↗ 270 m — der Sázava entlang bis zum Schlosspark von Vlašim (das Kloster Sázava liegt 9,1 km ab — ein großer Abstecher, kein Wegpunkt). Ende am Schlosspark — und dort nahtlose Übergabe an den South Bohemian Way.
Wer nur zehn Tage hat, schafft die Strecke mit Ø 26 Kilometern — bezahlt aber doppelt: Die Durchmarsch-Etappen lassen Hradec Králové und Pardubice links liegen, und zwischen Kutná Hora und Kácov entsteht ein 38,8-km-Tag mit 532 Höhenmetern, weil zwischen Malešov (km 208,5) und Kácov (km 240,0) auf 31,5 Kilometern kein einziges Bett gelistet ist — solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs. Neun Tage sind die untere Grenze: Ø 29,2 Kilometer täglich, zwei Bergtage am Anfang, die Bettenlücke inklusive. Zwölf Tage sind der ehrlich angenehmere Zuschnitt. Und noch einmal die Kuks-Warnung: Für 2025/26 meldet der Wegbetreiber Autobahnbau bei Kuks mit offizieller Umleitung über den blau markierten Weg nach Jaroměř — vor der Abreise auf ultreia.cz prüfen.
Highlights am Weg
- Grenzkamm bei Libná (km 0) — 587 Meter, der Punkt, an dem der Camino Sudecka endet und dieser Weg beginnt — nahtlos, nicht „in der Nähe“. Bei km 1,9 das Versöhnungsdenkmal auf der Bukova hora — bis 1946 verließen 22.000 Deutsche in 22 Transporten das Broumover Land.
- Ruprechtice (km 21,5) — die erste Jakobskirche des Weges, wenige Minuten abseits: Grundstein 18. August 1720, geweiht 1723, Kilián Ignác Dientzenhofer — eine von vier Kirchen der Broumover Gruppe (elf Bauten, 1709–43, seit 2022 nationales Kulturdenkmal) direkt an dieser Trasse.
- Broumov (km 24,3) — Benediktinerkloster sv. Václav, direkt am Weg; im Klostermuseum eine Kopie des Turiner Grabtuchs. Hier stand das protestantische Bethaus, dessen Schließung 1618 den Dreißigjährigen Krieg mitauslöste.
- Broumovské stěny (km 26,6–34,6) — der höchste Punkt des Weges, 665 m, zwischen Sandsteintürmen namens Kočka, Bumbrlíček und Mušle — ein Fels namens Muschel, auf einem Jakobsweg. Die sternförmige Kapelle Maria Schnee auf Hvězda liegt 3,7 km nordöstlich am Kamm (Abstecher).
- Police nad Metují (km 37,1) — Klosterkirche Mariä Himmelfahrt (Steinbau 1254–94), direkt am Weg, Trinkbrunnen mitten auf dem Platz — und eine Gründungsurkunde von 1213, die nachweislich gefälscht ist: „obě tyto listiny patří do souboru tzv. ‚břevnovských falz'“, schreibt die Stadt selbst. Vier Kilometer weiter, in Bezděkov, der Stein: „Z Bezděkova nad Metují je to do Santiaga de Compostela 3 321 km.“
- Červený Kostelec (km 54,4) — die zweite Jakobskirche: 1744–54 nach Plänen Kilián Ignác Dientzenhofers, rot gestrichen — der Ort heißt „Rote Kirche“.
- Ratibořice / Babiččino údolí (km 67,8) — Schloss, Staré bělidlo und Viktorkas Wehr: die Landschaft aus Božena Němcovás „Babička“. Den Namen „Großmuttertal“ bekam das Tal erst 1878 von einem Arzt aus Smiřice — 23 Jahre nach dem Roman.
- Kuks (3,2 km ab km 84,2) — das Barockhospital mit den zwölf Tugend- und Laster-Statuen von Matthias Braun, dazu sein in den Fels gehauenes Betlém. Die offizielle Etappe schleift hindurch (+6,5 km), und die Wegmacherin sagte über den Ort: „i když jde o cestu poutníků … tuhle obec prostě vynechat nejde“ — diesen Ort kann man einfach nicht auslassen. ⚠️ Baustelle 2025/26, Umleitung nach Jaroměř.
- Jaroměř & Josefov (km 88,5–90,5) — die dritte Jakobskirche, außen unscheinbar, innen gotisch, in der königlichen Witwenstadt — und gleich dahinter Josefov, die Habsburger Festungsstadt.
- Hradec Králové (km 110,0) — Kathedrale des Heiligen Geistes, wenige Minuten vom Weg: Stiftung der Königin Eliška Rejčka (ab 1307), Grabkirche von Jan Žižka (1424) — wo der Feldherr heute liegt, streiten Hradec Králové und Čáslav seit einem Schädelfund von 1910. ⚠️ Das Schlachtfeld von 1866 liegt bei Chlum, sieben Kilometer nordwestlich: Der Weg geht durch die Stadt, nicht über das Schlachtfeld.
- Pardubice (km 132,2) — Renaissance-Wasserschloss der Pernštejner, wenige Minuten vom Weg, davor die Burg Kunětická hora auf ihrem Vulkankegel (km 126,9, wenige Minuten abseits). Am Schloss gibt es Credencial und Stempel — und aus dieser Stadt stammt die Frau, die den ganzen Weg markiert hat.
- Přelouč (km 153,9) — die vierte Jakobskirche, direkt am Weg, romanischer Kern; im Pflaster davor die markierte Stelle, an der 1738 der Jesuit Koniáš ketzerische Bücher verbrannte. Und hier liegt der Jakub klub, das einzige Pilgerquartier des Weges: „dobrovolný příspěvek, karimatku a spacák s sebou“ — freiwilliger Beitrag, Matte und Schlafsack selbst mitbringen.
- Kladruby nad Labem (3,4 km ab km 164,3) — das UNESCO-Hofgestüt (2019): kaiserlich per Urkunde Rudolfs II. vom 6. März 1579, 1.310 Hektar — und die Altkladruber Pferde sind seit 2002 rechtlich lebende Denkmäler.
- Jakub bei Církvice (3,3 km ab km 193,2) — die Jakobskirche von 1165, geweiht von Bischof Daniel vor König und Königin: das umfangreichste erhaltene romanische Skulpturenensemble Böhmens, „absolutně ojedinělá stavba“ — die fünfte und älteste Jakobskirche dieses Weges, ehrlicherweise ein Abstecher ab Nové Dvory.
- Sedlec & Kutná Hora (km 198,8–202,0) — 1278 brachte Abt Heinrich eine Handvoll Erde von Golgota nach Sedlec; sie zog die Skelette von 40.000 bis 70.000 Menschen an diesen Ort, seit 1870 zu Pyramiden und Leuchtern geordnet (Ossarium knapp 1 km abseits). Dahinter die Silberstadt: die sechste Jakobskirche (um 1300, Nordturm 84 m) direkt am Weg, die Barbara-Kathedrale wenige Minuten abseits — geplant doppelt so groß, doch das Silber ging vorher aus. Ende des 13. Jahrhunderts kam ein Drittel des europäischen Silbers von hier. UNESCO 1995.
- Vlašim (km 262,4) — Ende am Schloss und seinem Landschaftspark, und genau dort Anfang des South Bohemian Way. Der Blaník, in dem nach der Sage die Ritter des heiligen Wenzel schlafen, steht 7,7 Kilometer südlich in der Sichtachse — über ihn läuft die Fortsetzung.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Der Camino Sudecka geht nahtlos in diesen Weg über: Er endet genau dort, wo dieser beginnt. Der Sudecka läuft 114,3 Kilometer von Lubań in Niederschlesien über das Kloster Krzeszów und Chełmsko Śląskie, und er mündet direkt in diesen Weg. Keine Anschlusslücke, keine Übergangsetappe: zwei Wege, ein nahtloser Übergang. Wer noch weiter oben anfangen will: Lubań liegt am Camino Dolnosląska (159,7 km, Głogów → Görlitz), von dem der Sudecka nach Süden abzweigt — damit hängt diese Kette am polnischen Gesamtnetz.
Der zweite Zulauf ist ein Wallfahrtsast: Von Wambierzyce kommt die Vambeřická poutní cesta über Božanov herüber und trifft diese Trasse in Broumov — „die Wege von den Wallfahrtsorten Krzeszów und Wambierzyce treffen sich in Broumov“, so hat es der Regionalrat des Královéhradecký kraj formuliert. Und wer gar keinen Zubringer gehen will, steigt einfach in Meziměstí ein: Der Bahnhof liegt direkt an der Trasse bei Kilometer 13,4 — näher hält auf keinem unserer Wege ein Zug am Weg.
Weiterpilgern?
Dieser Weg endet nicht in Santiago, sondern an einem Schlosspark — und Vlašim ist eine Übergabestelle, die nahtlos funktioniert: Genau dort, wo dieser Weg endet, beginnt der South Bohemian Way, 215,4 Kilometer am Blaník vorbei durch Südböhmen bis Svatý Tomáš an der österreichischen Grenze. Zusammen mit dem Camino Sudecka im Norden ergibt das eine durchgehende Kette von 592 Kilometern vom niederschlesischen Lubań bis in den Böhmerwald — mit zwei Übergaben ohne eine einzige Lücke, und ohne Prag.
Und genau dazu der Hinweis, der oft falsch gemacht wird: Der Zittau Way, die Železná Way und die Všeruby Way laufen alle über Prag — dieser Weg kommt der Hauptstadt auf 49 Kilometer nicht näher. Wer von hier nach Prag will, fährt; er geht nicht. Hinter der österreichischen Grenze übernimmt das Alpen-Netz, und am Ende jeder dieser Ketten steht derselbe Weg: der Camino Francés ab Saint-Jean-Pied-de-Port.
Vorbereitung & Praktisches
Markierung: Du folgst der gelben Jakobsmuschel auf blauem Grund — aber nur an den Wegweisern. Der Wegbetreiber sagt es selbst: „Značení v maximální míře využívá existující turistické značení Klubu českých turistů“ — die Markierung nutzt größtmöglich die bestehende Beschilderung des Klub českých turistů. Praktisch heißt das: Du gehst auf den Farbbalken rot, blau, grün und gelb und suchst an Kreuzungen die Muschel. Die ist immerhin gerichtet — „srdce mušle ukazuje směr do Santiaga a paprsky ukazují směr ze Santiaga“: das Herz der Muschel zeigt nach Santiago, die Strahlen davon weg. Mit der Camino Ninja App hast du die komplette Route dieses Weges dabei — ohne sie wirst du suchen. Den tschechischen Credencial gibt ULTREIA heraus (110 Kč); Verkauf und Stempel u. a. am Schloss Pardubice, über hundert Stempelstellen im Netz.
Unterkünfte sind die eigentliche Planung. Ein echtes Pilgerquartier gibt es: den Jakub klub in Přelouč, freiwilliger Beitrag, eigene Matte und eigener Schlafsack. Alles andere sind Pensionen (350–600 Kč), Campingplätze, eine Caritas-Einrichtung in Červený Kostelec und Sportvereinsbetten in Jaroměř ab 230 Kč — und der Wegbetreiber schreibt wörtlich dazu: „ubytování je vždy nutné rezervovat alespoň dva dny předem“ — immer mindestens zwei Tage vorher reservieren. Zwei Lücken planst du von Anfang an weg: die 31,5 Kilometer zwischen Malešov und Kácov, in denen kein Bett gelistet ist, und Vlašim selbst, für das die offizielle Liste nichts nennt — die Stadt hat Hotels, aber verlass dich am letzten Abend nicht auf die Wegliste. Wasser ist unkritischer: Der Betreiber nennt Quellen namentlich (Vernéřovická studánka, der Brunnen auf dem Marktplatz von Police nad Metují), und vielerorts geben Häuser mit Muschelsymbol Pilgern Trinkwasser.
Beste Zeit ist Mai bis Oktober — das ist keine Wetterempfehlung, sondern eine Bettenrechnung: Campingplatz Špinka und Marin klub öffnen erst im Mai, die Handwerkerschule in Jaroměř ist Saisonbetrieb, das Klostermuseum in Police nad Metují von Oktober bis April geschlossen. Prüfe vor der Abreise die Unterkunftsliste auf ultreia.cz (Stand April 2025, wird gepflegt) und die Kuks-Baustellenlage 2025/26. Am einfachsten planst du die Etappen direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Tagesziele zusammenstellst und die Quartiere gleich mit einplanst — bei einem Weg mit einer Herberge, zwei Bettenlücken und Reservierungspflicht ist das keine Spielerei, sondern die halbe Vorbereitung.
Was dich der Weg kostet
Dieser Weg ist billig, und er ist absichtlich billig — die Frau, die ihn markiert hat, hat ihn ausdrücklich für Leute angelegt, die sich Spanien nicht leisten können. Die Preise (Stand: August 2026, aus der offiziellen Unterkunftsliste): das günstigste Bett 230 Kč (Sportverein TJ Jiskra Jaroměř, rund 9 Euro), das Mittelfeld 350–600 Kč (14–24 Euro), Pensionszimmer 600–1.200 Kč — und im Jakub klub in Přelouč ein freiwilliger Beitrag. Für elf Nächte landest du damit bei rund 250 bis 350 Euro plus Verpflegung, die in Tschechien deutlich günstiger ist als in Deutschland oder Spanien. Dazu kommen der Credencial für 110 Kč (rund 4,50 Euro) und moderate Eintritte von meist 100–150 Kč — bewusst Zeit und Geld einplanen solltest du für vier: das Ossarium und die Kathedrale von Sedlec, die Barbara-Kathedrale in Kutná Hora, das Kloster Broumov und das UNESCO-Gestüt Kladruby nad Labem.
Anreise
Der praktischste Einstieg ist Meziměstí: Der Bahnhof liegt direkt an der Trasse bei Kilometer 13,4 — ein alter Grenzknoten mit Verbindungen nach Broumov und Adršpach, und im Obergeschoss des Bahnhofs ist tatsächlich ein Theater untergebracht: „V patře se nachází divadlo.“ Wer korrekt bei Kilometer 0 anfangen will, kombiniert Bahn und Bus bis Zdoňov oder ins polnische Chełmsko Śląskie — oder geht gleich den Camino Sudecka, der exakt dort endet, wo dieser Weg beginnt.
Die Rückreise aus Vlašim ist der einfache Teil: Regionalbahn ins Posázaví, über Benešov auf die Hauptstrecke nach Prag, und vom Prager Hauptbahnhof fahren Fernzüge nach Dresden, Berlin, Wien und Nürnberg. Unterwegs ist der Weg ungewöhnlich gut abbrechbar — die schnellste An- und Abreise der ganzen Strecke bietet Pardubice an der Hauptkorridorstrecke Prag–Ostrava, Hauptbahnhof gut zehn Gehminuten von der Trasse.
- Anreise zum Start: Bahn bis Meziměstí (direkt an der Trasse, km 13,4); für Kilometer 0 weiter per Bus/zu Fuß Richtung Zdoňov bzw. Chełmsko Śląskie — oder zu Fuß über den Camino Sudecka.
- Rückreise: ab Vlašim per Regionalbahn über Benešov nach Prag, dort Fernverkehr nach Dresden, Berlin, Wien und Nürnberg.
- Zwischeneinstiege: Broumov, Hronov, Červený Kostelec und Česká Skalice (Regionalbahn), Jaroměř (Knoten), Hradec Králové (Hbf knapp 1 km), Pardubice und Přelouč (Korridorstrecke Prag–Ostrava), Kutná Hora (Richtung Kolín), Kácov und Vlašim (Posázaví-Bahn).
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