Všeruby Way
Der Všeruby Way (Všerubská svatojakubská cesta) führt dich auf 204,8 Kilometern von der Prager Jakobsbasilika über die Svatá Hora bei Příbram, Nepomuk und Klatovy zum Všerubský průsmyk an der bayerischen Grenze — die südliche der beiden Prager Westrouten, und der einzige Weg unseres Netzes mit drei Jakobuskirchen direkt an der Trasse. Er beginnt an einer Kirchentür, läuft nach 137 Kilometern durch den Geburtsort des Mannes, den man 1393 von der Karlsbrücke geworfen hat, und endet an einem Pass, der zwischen 1948 und 1989 niemanden durchließ.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 031040 verteidigt, 1948 zugemacht, 1990 wieder aufgemacht — der Pass, an dem zwei Wege nahtlos ineinander übergehen
- 04Andere Namen
- 05Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 06Streckenverlauf & Landschaft
- 07Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Praha, Staré Město (an der Bazilika sv. Jakuba Většího) → Všerubský průsmyk bei Všeruby, an der Passstraße, wo der Ostbayerische Jakobsweg beginnt
- Länge: 204,8 km — die Trasse ist die offizielle Všerubská trasa des Betreibers Ultreia, Etappe für Etappe am Track nachgewiesen
- Höhenmeter: ↗ 3.264 m / ↘ 3.034 m — 15,9 m pro Kilometer, aber ohne einen einzigen Berg: Der größte Aufstieg in irgendeinem 5-km-Fenster beträgt 219 Meter, der Rest sind Dutzende Wellen
- Dauer: 7–9 Tage — realistisch 9 bis 10; wer 7 plant, hat drei Tage über 32 Kilometer vor sich
- Wegzeichen: gelbe Muschel auf blauem Feld plus KČT-Farbbalken (rot, blau, grün, gelb), international als I 24 geführt — laut tschechischem Pilgerbericht „po naprosto dokonale značených cestách“, auf absolut perfekt markierten Wegen
- Jakobuskirchen: drei — Praha, Zbraslav, Nepomuk, alle direkt am Weg; „od Jakuba k Jakubovi“, von Jakob zu Jakob, nennt es eine tschechische Pilgerin
- Zubringer: der Zittau Way aus Görlitz endet an derselben Prager Basilika, vor deren Tür dieser Weg beginnt
- Anschluss: der Ostbayerische Jakobsweg nach Regensburg, Eichstätt und Neresheim beginnt direkt am Endpunkt dieses Weges
- Charakter: Mittelgebirge ohne Gipfel, drei Wallfahrtsorte, null hinterlegte Pilgerherbergen — Vorbuchen und Tagesproviant sind Pflicht, nicht Empfehlung
Überblick
Dieser Weg beginnt nicht in Prag — er beginnt an einer Tür: unmittelbar vor der Bazilika sv. Jakuba Většího in der Altstadt. Und er hält, was die Tür verspricht: drei Jakobuskirchen auf 204,8 Kilometern, alle direkt am Weg — Prag, Zbraslav, Nepomuk. Eine tschechische Pilgerin nennt das in vier Wörtern: „od Jakuba k Jakubovi“ — von Jakob zu Jakob. Unter der zweiten dieser Kirchen liegt das Kloster Aula Regia, das Václav II. 1292 stiftete und zur Grablege der Přemysliden machte: fünfzehn Königsbestattungen von 1305 bis 1419, ein Jahr bevor die Hussiten die Gräber schändeten. Und genau dort, in Zbraslav, macht der Weg seinen Knick: Sechzehn Kilometer Moldauufer mit 53 Höhenmetern — dann zwanzig Kilometer Brdy mit 517. Danach ist er ein anderer Weg, und er bleibt es bis Bayern.
Die größte Pointe trägt ein Mensch. Bei Kilometer 0,9 liegt die Karlsbrücke nur wenige Minuten abseits — von ihr wurde am 20. März 1393 der Generalvikar Jan z Pomuku geworfen. Bei Kilometer 137 gehst du direkt an der Jakobskirche seiner Geburtsstadt Nepomuk vorbei. Und am Ende wechselst du in das Land, dessen Landespatron er ebenfalls ist: Johannes von Nepomuk, kanonisiert am 19. März 1729, rund 66.000 Darstellungen weltweit, Landespatron von Böhmen und Bayern — auf einem Weg, der von Böhmen nach Bayern führt. Von der Brücke zum Geburtshaus zum zweiten Vaterland, in dieser Reihenfolge, in 205 Kilometern. Dazwischen: der bedeutendste Marienwallfahrtsort Böhmens wenige Minuten neben der Trasse, dreißig Mumien unter einer Jesuitenkirche und ein Marienbild, das 1685 zu bluten begann — und dessen Blutgruppe 1985 ein Hämatologe bestimmte.
1040 verteidigt, 1948 zugemacht, 1990 wieder aufgemacht — der Pass, an dem zwei Wege nahtlos ineinander übergehen
Der Böhmerwald-Grenzkamm liegt hier überall über tausend Metern. Der Všerubský průsmyk liegt auf 430. Er ist die Delle — und deshalb ist hier seit tausend Jahren alles durchgegangen, was durchwollte: Handel, Heere, Wallfahrer. Am 22./23. August 1040 verteidigte Fürst Břetislav I. diesen Pass mit Palisaden und Bogenschützen gegen König Heinrich III.; dessen Elitetruppe unter Graf Werinhar wurde „unerwartet von Pfeilen überschüttet“, Werinhar fiel. Der Chronist Kosmas weigerte sich ausdrücklich, das Gemetzel zu beschreiben. Die vollständige Geschichte gehört dazu: Břetislav siegte 1040 — und verlor den Konflikt 1041 zu schlechteren Bedingungen. An der Walstatt ließ er der Tradition nach eine hölzerne Wenzelskirche bauen: der kostel sv. Václava in Brůdek, heute die älteste erhaltene Wenzelskirche Böhmens — bei Reparaturen fand man dort „eine enorme Menge menschlicher Knochen“. Er liegt knapp anderthalb Kilometer neben dem Weg, ein Abstecher am letzten Tag, und er lohnt jeden Meter.
Danach hat der Pass fast jedes Jahrhundert datiert abgeliefert: 1431 zog das geschlagene Kreuzfahrerheer nach der Schlacht bei Domažlice hier zurück. 1765/66 setzte Maria Theresia nach dem Grenzvertrag von 1764 ihre Grenzsteine — sie stehen noch. Am 4. Mai 1945 kapitulierten in Všeruby deutsche Truppen. Und dann kam der längste Eintrag: 1948 bis 1989 war der Pass zu, Teil des Eisernen Vorhangs, 41 Jahre lang. Seit 1996 steht in Všeruby ein Denkmal für die, die den Grenzübertritt in diesen Jahren trotzdem versuchten und dabei starben. 1990 ging der Übergang wieder auf.
Und jetzt der Teil, der diesen Weg im Netz einzigartig macht. Am 15. Juni 2003 wurde der erste tschechische Abschnitt offiziell an das westeuropäische Jakobswegnetz angeschlossen; am 16. Juli 2004 wurde drüben der Ostbayerische Jakobsweg eingeweiht — und der definiert sich wörtlich über diesen hier: „Der Ostbayerische Jakobsweg setzt die tschechische Südvariante des Jakobsweges fort, welche von Prag an die tschechisch-deutsche Grenze bei Všeruby führt.“ Die beiden Wege gehen nahtlos ineinander über — an genau der Stelle, an der 41 Jahre lang niemand durchkam. Daneben steht der Jakubský kámen, ein Stein mit einer Zahl darauf: 2.826. So weit ist es von hier noch nach Santiago.
Andere Namen
Auf Tschechisch heißt der Weg Všerubská svatojakubská cesta oder kurz Všerubská trasa — nach dem Grenzort Všeruby (deutsch historisch Neumark) und dem Všerubský průsmyk, dem Neumarker Pass. Auf der bayerischen Seite trägt er einen Namen, den ihm der Nachbar gab: Dort ist er die „tschechische Südvariante“ des Ostbayerischen Jakobswegs — so steht es wörtlich auf dessen Wikipedia-Seite. International läuft er als Route I 24; dieselbe Nummer trägt die Schwesterroute nach Železná, die nördliche der beiden Prager Westrouten. Zur Länge kursieren 205, 206 und sogar 214 Kilometer — gemessen sind es 204,8: Wir haben die Trasse selbst nachgerechnet und dabei den Etappenplan des Betreibers Etappe für Etappe bestätigt. Der Weg, den wir zeigen, ist der offizielle Weg. Und eine Warnung, die dir Umwege erspart: Es gibt in Tschechien zwei Orte namens Všeruby — den hier gemeinten im Bezirk Domažlice am Grenzpass und ein zweites Všeruby (Wscherau) nördlich von Plzeň. Wer navigiert, schaut auf den Bezirk.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Dieser Weg ist etwas für dich, wenn du einen Weg mit These willst: drei Jakobuskirchen, alle direkt an der Trasse, und dazwischen 205 Kilometer böhmisches Mittelgebirge, das für fast jedes Jahrhundert seit 1040 ein Datum am Wegrand stehen hat. Ideal auch, wenn du Höhenmeter magst, aber keine Gipfel: 3.264 Meter Aufstieg, und der größte Anstieg in irgendeinem Fünf-Kilometer-Fenster beträgt 219 Meter — das ermüdet schleichend statt brutal. Und ideal, wenn du den Zittau Way schon gegangen bist: Prag ist die Naht zwischen beiden — dieselbe Kirchentür.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du eine Herbergskette erwartest — es gibt keine. Unsere Datenbank kennt auf 45 Orten null hinterlegte Pilgerherbergen; die tschechischen Pilger, die über den Weg schreiben, suchen ihr Bett am Vortag über Buchungsportale („Téměř každý jsme si den předen hledali ubytování přes booking.com“) — und schlafen notfalls unter einem Unterstand: „Taky jsme spali pod přístřeškem, když jsme nic nenašli.“ Nichts für dich ist er auch, wenn du unterwegs einkehren willst: Der Betreiber schreibt für eine ganze Etappe „ohne Einkehrmöglichkeit unterwegs“, und eine Pilgerin fasst den Weg in einem Ausrufezeichensatz zusammen: „Po cestě není žádné restaurační zařízení, takže jídlo s sebou!“ — unterwegs gibt es keine Gastronomie, also Essen mitnehmen. Und er ist nichts für dich, wenn du stur sieben Tage eingeplant hast: 204,8 Kilometer in sieben Tagen bedeuten auf diesem Weg drei Tage über 32 Kilometer. Neun bis zehn sind die richtige Antwort. Solche Rechnungen macht man vorher, nicht unterwegs.
Streckenverlauf & Landschaft
Der Weg macht in Zbraslav einen Knick, und du merkst ihn im Bein. Die ersten 16,1 Kilometer folgen der Moldau durch Prag hinaus — 53 Höhenmeter insgesamt, vorbei am Altstädter Ring, an der Karlsbrücke, am Emauzkloster und unter Vyšehrad; bei Zbraslav mündet, einen knappen Kilometer neben dir, die Berounka in die Moldau, und das ist auch schon die ganze Berounka-Bekanntschaft dieses Weges. Dann die Brdy: 517 Höhenmeter auf zwanzig Kilometer, Waldrücken, Teiche, wenig Menschen. Über Dobříš (381 m) steigt der Weg weiter ins Bergbauland um Příbram (528 m), wo wenige Minuten neben der Trasse die Svatá Hora thront, und erreicht bei Kilometer 105,9 seinen höchsten Punkt: 791 Meter auf dem Rücken des Třemšín — der 827-Meter-Gipfel selbst liegt einen guten halben Kilometer daneben, sichtbar, machbar, aber nicht auf dem Weg.
Ab dem Třemšín läuft der Weg durch die Plánická vrchovina — Buchenwald, Hochflächen zwischen 550 und 630 Metern, dazwischen Kasejovice, Nepomuk und Plánice —, bis er bei Klatovy auf 418 Meter fällt. Das Podšumaví hebt ihn noch einmal auf 718 Meter bei Kilometer 192, dann geht es hinunter in den Všerubský průsmyk. Und der Pass ist der eigentliche Witz der Landschaft: Der Böhmerwald-Grenzkamm liegt hier überall über tausend Metern — im Pass sind es 430. Deshalb steht an dieser Delle seit 1040 Geschichte, und deshalb war sie von 1948 bis 1989 zu. Insgesamt: 44 Prozent des Weges liegen über 500 Metern, aber nur 2 Prozent über 700 — Mittelgebirge ohne Gipfel, Wellen ohne Ende. Was du auf Betreiberseiten liest und am Boden nicht stimmt: Der Weg folgt nicht dem Tal der Berounka, und Karlštejn liegt gut 7 Kilometer neben der Trasse. Beides sind Ausflüge, keine Wegpunkte.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Der Betreiber Ultreia teilt den Weg in zehn Etappen von 10 bis 27 Kilometern, dazu kommt der 16-Kilometer-Vorspann von der Prager Jakobsbasilika nach Zbraslav — flachestes Gehen, das ein Jakobsweg zu bieten hat, und zugleich die innerstädtische Prager Jakobsroute mit zwei Jakobuskirchen an einem Vormittag; wer Zeit sparen muss, kürzt ihn mit Bus oder Bahn ab. Wir haben die offizielle Gliederung gegen unseren Track nachgerechnet, und sie hält. Alle Kilometerangaben unten tragen dennoch „ca.“. Planungsrelevant ist vor allem eins: Der schwerste Tag kommt an Nummer neun — und die Etappe ohne jede Einkehrmöglichkeit an Nummer sieben.
- Zbraslav → Skalka (Mníšek pod Brdy) — ca. 20 km — hier kippt der Weg: 517 Höhenmeter hinauf in die Brdy, über Jíloviště und Černolice. Das Barockareal Skalka liegt 1,5 km neben der Trasse.
- Skalka → Dobříš — ca. 15 km — über Kytín hinunter nach Dobříš; das Rokokoschloss liegt wenige Minuten vom Weg.
- Dobříš → Příbram / Svatá Hora — ca. 24 km — über Holšiny und Buková u Příbramě; am Ziel, wenige Minuten abseits, der bedeutendste Marienwallfahrtsort Böhmens.
- Příbram → Rožmitál pod Třemšínem — ca. 21 km — der Bergbau-Tag über Bohutín und Vysoká u Příbramě; das Schloss Rožmitál steht direkt am Weg.
- Rožmitál → Kasejovice — ca. 24 km — der höchste Tag: über den Třemšín-Rücken (791 m, höchster Punkt des Weges) hinunter zur Synagoge von Kasejovice.
- Kasejovice → Nepomuk — ca. 16 km — der ruhigste Tag, überwiegend abwärts über Dvorec (Bahnhof direkt am Weg) in die Geburtsstadt Jan Nepomuckýs; dritte Jakobskirche, direkt am Weg.
- Nepomuk → Plánice — ca. 17 km — durch die Buchenwälder der Plánická vrchovina. ⚠️ Laut Betreiber ohne jede Einkehrmöglichkeit unterwegs — Verpflegung für den ganzen Tag mitnehmen.
- Plánice → Klatovy — ca. 15 km — über Habartice (626 m) hinunter in die Königsstadt von 1260: Černá věž, Katakomben, blutendes Gnadenbild. Kurz planen — die Stadt will Zeit.
- Klatovy → Kdyně — ca. 25 km — die längste Etappe und mit 474 Höhenmetern eine der steilsten, über Soustov (Koráb-Variante, +9,5 km) und Branišov (Etappenhoch 718 m).
- Kdyně → Všeruby / Všerubský průsmyk — ca. 10 km — die kürzeste Etappe und die dichteste: Tanaberk, Brůdek-Abstecher, Jakubský kámen — und nach 204,8 Kilometern das Ende an der Passstraße, wo der Ostbayerische Jakobsweg beginnt.
Wer neun Tage hat, hängt den Prager Vorspann an Etappe 1 (macht 36 km — oder bis Jíloviště, 25 km) und legt Nepomuk → Klatovy zusammen; dieser Doppeltag hat dann allerdings 32,4 Kilometer, 624 Höhenmeter und unterwegs keine Einkehr — Proviant komplett einpacken, Bett in Klatovy vorbuchen. Sieben Tage gehen rechnerisch, aber sie erzwingen drei Tage über 32 Kilometer: Das ist ein Marsch, keine Pilgerreise, und er kostet alles, was auf diesem Weg zwischen den Kilometern liegt — und dort liegt eine Menge. Neun bis zehn Tage sind die richtige Antwort auf diesen Weg.
Highlights am Weg
- Bazilika sv. Jakuba Většího, Praha (km 0) — der Weg beginnt direkt vor der Tür der Prager Jakobsbasilika. An derselben Kirche endet der Zittau Way: Prag ist in unserem Netz keine Stadt, sondern eine Kirchentür.
- Kostel sv. Jakuba Staršího, Zbraslav (km 16, direkt am Weg) — die zweite Jakobskirche und die Grablege der Přemysliden: Kloster Aula Regia, 1292 von Václav II. gestiftet („Náš dvůr na Zbraslavi…od nynějška vám trvalým právem věnujeme“), fünfzehn Königsbestattungen von 1305 bis 1419, 1420 von den Hussiten geschändet, erst in den 1970er Jahren wiedergefunden.
- Barockareal Skalka (km 36, 1,5 km ab) — Kryštof Dientzenhofers Kapelle von 1692/93, deren Inneres eine Höhle imitierte: Tropfsteine an der Decke, Flusskiesel auf dem Boden. In den 1950ern durch Eisenerzabbau untergraben, 2019 „Denkmal des Jahres“.
- Schloss Dobříš (km 52, wenige Minuten abseits) — 1630 von Bruno Mansfeld für 40.000 Gulden gekauft, 1720 abgebrannt, 1745–1765 von einem Franzosen und einem Italiener als Rokokoschloss mit Hufeisengrundriss neu gebaut; nach 1945 fast fünfzig Jahre Schriftstellerheim, 1998 restituiert.
- Svatá Hora, Příbram (km 76, wenige Minuten abseits) — der bedeutendste Marienwallfahrtsort Böhmens: ab 1647/48 von den Jesuiten unter Carlo Lurago zum Sanktuarium ausgebaut, 1658 die Svaté schody, um 1727 die Doppeltreppe von Kilián Ignác Dientzenhofer, 1732 die Krönung des Gnadenbildes, Basilica minor durch Pius X. Ende des 19. Jahrhunderts kamen 20.000 bis 25.000 Pilger zum Hauptfest am 7. Juli — und vom Marktplatz in Příbram führen 365 Stufen hinauf, eine pro Tag des Jahres. Die Gründungslegende (Ritter Malovec, 13. Jahrhundert) bestritt schon der Barockhistoriker Balbín — die Eiche traf 1643 der Blitz.
- Hornické muzeum Březové Hory (km 78, 1,1 km ab) — hier erreichte der Vojtěch-Schacht 1875 als mutmaßlich erste Grube der Welt 1.000 Meter Tiefe; im 19. Jahrhundert kamen aus diesen Gruben 97,7 Prozent des Silbers und Bleis von ganz Österreich-Ungarn.
- Rožmitál pod Třemšínem (km 97) — das Schloss steht direkt am Weg. Und wenige Minuten weiter, in Starý Rožmitál, komponierte der Kantor Jakub Jan Ryba 1796 die „Česká mše vánoční“ — ein Kantor namens Jakob, neben einem Jakobsweg.
- Kasejovice (km 121) — spätbarocke Synagoge mit 66 Männer- und 45 Frauenplätzen, jüdischer Friedhof erstmals 1669 erwähnt, Museum in der Synagoge — mitten in einem 1.300-Seelen-Ort.
- Nepomuk (km 137) — die Pointe des Weges: der kostel sv. Jakuba Většího direkt an der Trasse, in der Geburtsstadt von Jan Nepomucký († 20. März 1393, kanonisiert 19. März 1729) — rund 66.000 Darstellungen weltweit, Landespatron von Böhmen und Bayern. Einen guten halben Kilometer abseits: Schloss Zelená Hora, Fundort des „Rukopis zelenohorský“ (1817), dessen Echtheit seit über 200 Jahren bestritten wird — seit 2025 wegen Rekonstruktion geschlossen.
- Plánice (km 154, direkt am Weg) — das Geburtshaus von František Křižík, dem „tschechischen Edison“ und Erfinder der Bogenlampe; 1,7 km weiter die Wallfahrtskirche von Nicov, Kilián Ignác Dientzenhofer, 1717–1726 — ein Monumentalbau in einem Weiler.
- Klatovy (km 169) — Königsstadt von 1260 mit drei Superlativen auf hundert Metern: die Černá věž (1547–1555, 81,6 m) direkt am Weg; die Jesuitenkirche mit den Katakomben (Bestattungen 1676–1783, heute 30 natürlich mumifizierte Tote sichtbar); und das Gnadenbild, das am 8. Juli 1685 an der Stirn zu bluten begann — 1985 bestimmte der Chefhämatologe des Klatovyer Krankenhauses die Substanz: menschliches Blut, Gruppe AB. Die Frage bleibt offen, die Flecken sind noch sichtbar.
- Tanaberk (km 198, rund 100 m ab) — die Wallfahrtskirche sv. Anna auf 613 Metern: ovaler Grundriss, Gedenklinden, Kreuzweg mit 14 Steinstationen von 2017. Die letzte Wallfahrtsstation vor Bayern.
- Brůdek (km 203, knapp 1,5 km ab) — der kostel sv. Václava, nach der Tradition 1040 von Břetislav I. an der Walstatt gebaut, gilt als älteste erhaltene Wenzelskirche Böhmens; bei Reparaturen fand man „eine enorme Menge menschlicher Knochen“. Ein Abstecher — und der beste des Weges.
- Všeruby (km 204) — Kirche sv. Michaela archanděla (1628–1650), theresianische Grenzsteine von 1765/66, das Kapitulationsdenkmal vom 4. Mai 1945, das Denkmal des Dritten Widerstands (1996) für die zwischen 1948 und 1989 an der Grenze Getöteten — und der Jakubský kámen mit der Zahl 2.826: so viele Kilometer sind es von hier nach Santiago.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Der klassische Zubringer ist ein ganzer Weg: Der Zittau Way kommt aus Görlitz und endet an derselben Prager Basilika, vor deren Tür dieser hier beginnt — wer beide hintereinander geht, hat 397 Kilometer von der Neiße bis nach Bayern und muss in Prag nicht einmal die Straßenseite wechseln. Und weil der Zittau Way in Görlitz an einem Vierwege-Knoten hängt, reicht die Kette weiter: Dort enden der Camino Dolnosląska aus Niederschlesien und die Via Regia Polska, dort beginnt die Via Regia Deutschland — und 55 Kilometer weiter, in Bautzen, startet der Jakobsweg Sachsen.
In Prag selbst gibt es einen zweiten Anfang an derselben Kirche: Die Železná Way, die Schwesterroute, startet ebenfalls an der Jakobsbasilika und läuft 259 Kilometer zur bayerischen Grenze bei Tillyschanz. Die beiden Wege trennen sich noch im Stadtgebiet — Železná über das linke Moldauufer, Všeruby über Modřany und Zbraslav. Wer abwägt: Železná ist 54 Kilometer länger und pro Kilometer noch etwas hügeliger (17,6 gegen 15,9 Höhenmeter); Všeruby hat die drei Jakobuskirchen und die Wallfahrtsorte. Wer nur diesen Weg gehen will, fährt oder fliegt nach Prag — Näheres unter Anreise.
Weiterpilgern?
Ja — und zwar ohne Lücke: Am Ende dieses Weges, an der Passstraße im Všerubský průsmyk, beginnt der Ostbayerische Jakobsweg — genau dort, wo dieser endet. Er wurde am 16. Juli 2004 eingeweiht, führt 312 Kilometer über Eschlkam, Neukirchen beim Heiligen Blut, Regensburg und Eichstätt nach Neresheim — und er beschreibt sich selbst als Fortsetzung genau dieses Weges: „Der Ostbayerische Jakobsweg setzt die tschechische Südvariante des Jakobsweges fort, welche von Prag an die tschechisch-deutsche Grenze bei Všeruby führt.“ Hier hört Böhmen auf, hier fängt Bayern an, und der Weg merkt es nicht.
In Neresheim übergibt die Kette weiter an den Jakobsweg Nürnberg–Ulm, von Ulm führt der Oberschwäbische Jakobsweg nach Konstanz, dort beginnt die schweizerische Via Jacobi — und irgendwann, hinter Genf und Le Puy, stehst du auf dem Camino Francés nach Santiago. Der Stein in Všeruby nennt die Zahl, die dann noch vor dir liegt: 2.826 Kilometer. Wer stattdessen erst die Schwesterroute nachholen will, kehrt nach Prag zurück und geht die Železná Way — gleiche Kirchentür, andere Grenze.
Vorbereitung & Praktisches
Markierung und Papiere: gelbe Muschel auf blauem Feld, dazu die KČT-Farbbalken in Rot, Blau, Grün und Gelb, je Abschnitt wechselnd; betreut von Ultreia, z.s. gemeinsam mit dem Klub českých turistů, seit 2018 KČT-zertifiziert. Ein tschechischer Pilgerbericht lobt „po naprosto dokonale značených cestách“ — absolut perfekt markierte Wege. Trotzdem: Nimm die Camino Ninja App mit — sie hat die komplette Route dieses Weges an Bord —, denn die Balkenfarben wechseln, und in den Wäldern der Plánická vrchovina ist niemand, den du fragen kannst. Den Pilgerpass gibt Ultreia aus; das tschechische Netz hat über 100 Stempelstellen, auf dieser Route liegen sie in allen Etappenorten — namentlich belegt etwa das Muzeum příhraničí in Kdyně.
Verpflegung — der Punkt, an dem dieser Weg unsentimental ist. Der Betreiber schreibt für die Etappe Nepomuk → Plánice wörtlich „ohne Einkehrmöglichkeit unterwegs“, und eine tschechische Pilgerin fasst den ganzen Weg so zusammen: „Po cestě není žádné restaurační zařízení, takže jídlo s sebou!“ Das ist keine Übertreibung — die Brdy und die Plánická vrchovina sind dünn besiedelt. Wasser und Essen für den ganzen Tag, jeden Tag. In Příbram, Nepomuk, Klatovy und Kdyně gibt es alles; dazwischen oft nichts.
Unterkunft und Zeitfenster: Es gibt keine Herbergskette — unsere Datenbank kennt auf 45 Orten null hinterlegte Pilgerherbergen. Ultreia nennt Pilgerunterkünfte in den Etappenorten für 250 bis 800 CZK; in Nepomuk nimmt das Arciděkanství Pilger auf. Die Praxis der tschechischen Pilger: „Téměř každý jsme si den předen hledali ubytování přes booking.com“ — und notfalls „Taky jsme spali pod přístřeškem, když jsme nic nenašli“. Buche vor — auf diesem Weg ist das keine Empfehlung, sondern die Methode. Beste Zeit: Mai bis Oktober; die Höhen um Kilometer 190 können bis in den April Schnee tragen. Und plane die Etappen nach Příbram und Klatovy kurz: Katakomben und Svatá Hora sind Führungsbetriebe — wer nach 16 Uhr ankommt, sieht die beiden Hauptattraktionen des Weges von außen. Am einfachsten stellst du deine Tage direkt in der Camino Ninja App zusammen und planst die Quartiere gleich mit.
Was dich der Weg kostet
Tschechien ist die günstige Seite dieses Weges. Für Unterkunft nennt der Betreiber 250 bis 800 CZK pro Person und Nacht (Stand: August 2026) — umgerechnet etwa 10 bis 32 Euro; die Spanne ist der Unterschied zwischen Pfarrhaus und Hotel. Rechne mit 25 bis 40 Euro pro Tag inklusive Essen, wenn du dich selbst versorgst und in Pensionen schläfst — in Prag am ersten Abend eher mehr. Bei neun Tagen landest du damit bei rund 250 bis 400 Euro vor Ort, plus An- und Abreise. Was Geld kostet und sich lohnt: die Führung in den Klatovyer Katakomben, das Bergbaumuseum Březové Hory mit der Grubenbahn und Schloss Dobříš. Und was du sparst, weil es schlicht nicht existiert: Gepäcktransport, Herbergsgebühren, Reservierungssysteme.
Anreise
Nach Prag kommst du von überall — Flughafen Václav Havel oder mit der Bahn über Dresden, Wien, Nürnberg oder München. Der Startpunkt liegt mitten in der Altstadt: Vom Hauptbahnhof (Praha hl. n.) ist es ein knapper Kilometer bis zum Kilometer 0 — du steigst aus dem Zug und stehst nach einer Viertelstunde vor der Jakobsbasilika. Wer zu Fuß ankommt, kommt auf dem Zittau Way, der an derselben Kirche endet.
Zurück vom Ziel hast du zwei Optionen. Auf tschechischer Seite: die 10 Kilometer nach Kdyně zurückgehen (der Bahnhof liegt wenige Minuten von der Trasse) und mit der Bahn über Domažlice nach Plzeň und Prag. Auf bayerischer Seite: über den Pass nach Eschlkam und weiter nach Furth im Wald — der Bahnhof liegt an der internationalen Strecke, die Prag mit Regensburg und München verbindet. Wer weiterpilgert, braucht nichts davon: Der Ostbayerische Jakobsweg fängt genau dort an, wo dein letzter Schritt endet.
- Anreise zum Start: Prag per Flug (Václav Havel) oder Bahn (Dresden, Wien, Nürnberg, München); Praha hl. n. → Bazilika sv. Jakuba Většího zu Fuß in einer Viertelstunde.
- Rückreise vom Ziel: Kdyně (Bahnhof wenige Minuten vom Weg) → Domažlice → Plzeň → Prag; oder über den Pass nach Furth im Wald mit Bahnanschluss Richtung Regensburg, München und Prag.
- Zwischeneinstiege per Bahn: Dobříš (wenige Minuten vom Weg), Příbram (einen knappen Kilometer), Nepomuk/Dvorec (direkt am Weg — an der Strecke Plzeň–České Budějovice), Klatovy (gut 1 km, Direktzüge nach Plzeň/Prag) und Kdyně (wenige Minuten). Der Weg lässt sich damit sauber in zwei Hälften teilen — die natürliche Mitte ist Nepomuk.
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