South Bohemian Way
Der South Bohemian Way (Jihočeská svatojakubská cesta) führt dich in 215,4 Kilometern von Vlašim über Tábor, České Budějovice und Český Krumlov an die österreichische Grenze — die südböhmische von sechs tschechischen Jakobsrouten, und die einzige, die durch die Stadt läuft, in der die Wallfahrt 1420 abgeschafft wurde. Acht bis zehn Tage, 115 Kilometer Flusstal an Lužnice und Moldau, ein UNESCO-Welterbe — und ein Zielort, der zwischen 1956 und 1958 abgerissen wurde.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 031420 abgeschafft, 1465 wieder gepilgert, 1958 abgerissen — dreimal endete dieser Weg, und es gibt ihn noch
- 04Andere Namen
- 05Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 06Streckenverlauf & Landschaft
- 07Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Vlašim (am Schloss, exakt am Endpunkt des East Bohemian Way) → bývalá Dolní Hraničná (Untermarkschlag) an der Grenze zu Oberösterreich — ein Dorf, das 1956–58 abgerissen wurde
- Länge: 215,4 km
- Höhenmeter: ↗ 3.469 m / ↘ 3.098 m — 16,1 m pro Kilometer, der steilste der vier böhmisch-mährischen Wege unseres Netzes; höchster Punkt 991 m vor Svatý Tomáš, tiefster 352 m an der Moldau
- Dauer: ca. 8–10 Tage (9 offizielle Etappen; ehrlich gesagt braucht der Weg 9 oder 10)
- Wegzeichen: gelbe Jakobsmuschel im blauen Feld auf den Wegweisern des Klub českých turistů plus gelbe Pfeile — die eigentliche Navigation läuft über die KČT-Farbbalken; mit der Camino Ninja App bist du sicher (komplette Route an Bord)
- Zubringer: der East Bohemian Way endet genau dort, wo dieser Weg beginnt — 262,5 km von der polnischen Grenze; alternativ Zulauf ab Prag über Sázava
- Anschluss: am Endpunkt beginnt nahtlos der Innviertler Jakobsweg — Passau liegt 89 km, Salzburg 236 km hinter der Grenze
- Fähre: ⚠️ die letzte Etappe hängt an der Fähre Frymburk–Frýdava über den Lipno-Stausee — sie fährt nur von April bis November; ohne sie werden aus 16 Kilometern 31
- Unterkünfte: keine Herbergskette — ein kostenloses Pfarrhaus (Bechyně), ein Schwesternkloster (Kájov), Pensionen und viele Saison-Campingplätze; der Betreiber verlangt Reservierung mindestens zwei Tage im Voraus
- Beste Zeit: Mai bis September — im April und Oktober fällt die Fähre unzuverlässig aus und ein Großteil der Camping-Quartiere hat zu
Überblick
Es gibt Jakobswege mit frommer Geschichte — und es gibt diesen: Er läuft mitten durch die Stadt, die die Wallfahrt abgeschafft hat. Im Frühjahr 1420 gründete Jan Žižka mit rund 4.000 Anhängern Tábor, benannt nach dem Berg der Verklärung, gedacht als Gemeinde nach dem Vorbild der Urkirche — und zum Programm der Taboriten gehörte ausdrücklich das Ende von Heiligenverehrung, Reliquien- und Bilderdienst. Damit war die Grundlage der Jakobuswallfahrt in Südböhmen weg, und die Folgen waren Steine: 1420 und 1429 brannte das Kloster Zlatá Koruna, 1421 wurde die Kapelle von Klokoty zerstört, 1423 die Jakobuskirche von Světlík geplündert. Heute klebt an denselben Orten eine gelbe Muschel im blauen Feld, und Klokoty ist das offizielle Etappenziel 2. Kein anderer Weg unseres Netzes trägt seinen eigenen Widerspruch so offen vor sich her.
Du gehst 215,4 Kilometer von Vlašim an die Grenze zu Oberösterreich — und der Weg hat zwei Gesichter: Die ersten 137 Kilometer bis České Budějovice sind ein Wellblech ohne Netto-Gewinn, mehr als die Hälfte davon Flusstal an Lužnice und Moldau, vorbei an Tábor, Bechyně, dem Schloss Hluboká und mitten über den Marktplatz von Budweis. Danach steigt er und hört nicht mehr auf: Český Krumlov (UNESCO, der Track läuft direkt am Schloss vorbei), der Wallfahrtsort Kájov, Světlík auf 777 Metern — und zum Schluss eine Fähre über den Lipno-Stausee und 991 Meter Höhe neben der höchstgelegenen Burg Böhmens. Mit 16,1 Höhenmetern pro Kilometer ist er der steilste der vier böhmisch-mährischen Wege unseres Netzes, nur knapp unter dem Camino Francés. Und er ist Mittelstück einer lückenlosen Kette: East Bohemian Way, dieser Weg, Innviertler Jakobsweg — 566,9 Kilometer von der polnischen Grenze bis Passau, ohne eine einzige Lücke.
1420 abgeschafft, 1465 wieder gepilgert, 1958 abgerissen — dreimal endete dieser Weg, und es gibt ihn noch
Der erste Bruch hat ein Programm und ein Datum. 1420 gründen die Hussiten Tábor und streichen, was einen Jakobsweg ausmacht: Heiligenverehrung, Reliquien, Bilder. Die Rechnung wird sofort materiell — Zlatá Koruna brennt 1420 und 1429, Světlíks Jakobuskirche wird 1423 geplündert, und in Klokoty passiert 1421 das Grausamste. Die Pfarrei des heutigen Wallfahrtsorts schreibt es selbst, wörtlich: „Kaple byla pobořena a u fary bylo v roce 1421 upáleno asi 50 členů sekty adamitů.“ — die Kapelle zerstört, und beim Pfarrhaus etwa fünfzig Adamiten verbrannt. Die Radikalen verbrannten ihre eigenen Radikalen, an einer Stelle, die heute offizielles Etappenziel 2 dieses Pilgerwegs ist. Und der künftige Papst Pius II., Aeneas Silvius Piccolomini, protokollierte die Gründung der Anti-Wallfahrts-Stadt mit einem Satz, der in Übersetzung überliefert ist: „Er befestigte ihn und befahl jedem, sein Haus zu bauen, wie er vorher sein Zelt gebaut hatte.“ Ein Lager, das zur Stadt wird — du gehst bei Kilometer 55,5 hindurch.
Die Rückkehr ist datierbar wie ein Fahrplan. 1437 kehren die Mönche nach Zlatá Koruna zurück, 1452 unterwirft sich Tábor dem König Jiří z Poděbrad — und am 25. November 1465 bricht dessen eigener Schwager Jaroslav Lev z Rožmitálu mit rund vierzig Herren nach Santiago auf. Sein Begleiter Václav Šašek z Bířkova führt Tagebuch, eine der großen Reisechroniken des Mittelalters; zurück kamen sie über Finisterre, Portugal, Norditalien und die österreichischen Länder — auf genau der Achse, die dieser Weg heute geht. Fünfundvierzig Jahre nach der Abschaffung der Wallfahrt pilgerte die Königsfamilie wieder. Und wie groß das wurde, zeigt Kájov bei Kilometer 176,8: Der Wallfahrtsort, dessen Name der Überlieferung nach von káti se — „büßen“ — kommt und dessen Hauptaltar über einer Heilquelle sitzt, zählte Ende des 17. Jahrhunderts 20.000 Pilger im Jahr, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts 40.000. Das ist die Zahl, an der man messen kann, was zweimal verloren ging.
Denn der dritte Bruch ist der jüngste, und er steht bis heute in den Ortsnamen. Ab 1946 wird die deutschsprachige Bevölkerung des Grenzstreifens ausgesiedelt, nach 1950 wird das Gebiet militärisches Sperrgebiet, auf der Burgruine Vítkův hrádek arbeitet eine Radarstation. Zwischen 1956 und 1958 werden die meisten Häuser abgerissen — Svatý Tomáš schrumpft von 207 Einwohnern in 32 Häusern (1840) auf heute rund 20 in 11, und die letzten beiden Orte deines Weges heißen seither bývalý Otov und bývalá Dolní Hraničná: ehemaliges Otov, ehemaliges Untermarkschlag. Parallel läuft die zweite Löschung, diesmal durch Wasser: 1952–1959 entsteht der Lipno-Stausee, und am 30. Dezember 1955 um 02:30 Uhr wird die Moldau in ihr neues Bett umgeleitet — Dolní Vltavice versinkt, Teile von Frymburk, zwei Friedhöfe werden verlegt. Seit 1961 lag sogar der Plan bereit, den See im Kriegsfall um zwei Drittel zu leeren. Dieser Jakobsweg endet nicht an einem Ort. Er endet an der Stelle, wo einer war — und dort beginnt nahtlos der nächste Weg.
Andere Namen
Auf Tschechisch heißt der Weg Jihočeská svatojakubská cesta, kurz Jihočeská trasa — die südböhmische Route. In unserer Datenbank steht er als South Bohemian Way, so wie seine Nachbarn East Bohemian Way und Moravian-Silesian Way, und der Name sagt genau, was er ist: die südböhmische von sechs markierten tschechischen Jakobsrouten (zusammen 1.378 Kilometer, betreut vom Verein ULTREIA z.s. mit dem Klub českých turistů) — und die einzige, die an einer Grenze endet, hinter der es sofort weitergeht. Drei Zahlen-Fallen zum Schluss: Die Wegseite nennt mal „213“, mal „216 Kilometer“, ihre eigene Etappenkette summiert 214,4 — gemessen sind es 215,4 Kilometer, dabei bleiben wir. Und blanik.net lässt den Weg in Svatý Tomáš enden; tatsächlich liegen dahinter noch 8,3 Kilometer bis zur Grenze. Nicht verwechseln außerdem: Tábor ist ein Städtename, kein „Lager“, und České Budějovice heißt so — „Budweis“ ist die deutsche Form, kein Ersatz.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Dieser Weg ist etwas für dich, wenn du eine Dramaturgie willst statt einer Strecke: erst Hügelland mit Sagenberg, dann 115 Kilometer Flusstal, dann UNESCO in Český Krumlov — und zum Finale ein Aufstieg in den Böhmerwald, der auf 991 Metern neben der höchstgelegenen Burg Böhmens endet. Ideal auch, wenn du Städte magst — Tábor (Hussitenstadt von 1420, Untergrundgänge), České Budějovice (Braurecht seit 1265), Bechyně, Český Krumlov — und wenn du günstig unterwegs sein willst: Ein Pensionsbett kostet oft 300 bis 700 Kronen, das Pfarrhaus in Bechyně nimmt Pilger mit Credencial kostenlos auf.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Herbergsalltag und Pilgergesellschaft suchst. Es gibt keine Herbergskette — ein Pfarrhaus, ein Schwesternkloster, ein Pilgerhaus in Tábor, sonst Pensionen und auffällig viele Campingplätze mit Saisonbetrieb; auch Pilgerzahlen für diesen Weg gibt es schlicht nicht, so jung ist er. Nichts für dich ist er auch, wenn du dich auf Schilder verlassen willst: Die gelb-blaue Muschel ist ein Aufkleber auf den Wegweisern des Klub českých turistů, die eigentliche Navigation läuft über deren Farbbalken — mit der Camino Ninja App gehst du hier sicher. Und rechne mit Stille: Auf den letzten dreißig Kilometern wohnen fast keine Menschen mehr, die beiden letzten Orte existieren nicht mehr. Wer Einsamkeit sucht, findet sie hier; wer sie nicht sucht, sollte es vorher wissen. Die letzte Etappe hängt zudem an einer Fähre mit Saisonfahrplan — solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs.
Streckenverlauf & Landschaft
Du beginnst in Vlašim am Schloss — auf exakt dem Punkt, an dem der East Bohemian Way aufhört. Der erste Tag ist gleich der steilste des ganzen Weges: 691 Höhenmeter durch das Podblanicko, das Hügelland um den Blaník, in dem nach der tschechischen Nationalsage die Ritter des heiligen Wenzel schlafen, vorbei an der romanischen Bartholomäuskirche von Kondrac und der Burgruine Šelmberk nach Mladá Vožice. Dann kippt der Weg ins Flusstal und bleibt dort 115 Kilometer: die Lužnice durch Tábor und den Wallfahrtsort Klokoty, an den Burgruinen Příběnice und Dobronice vorbei nach Bechyně; bei Týn nad Vltavou mündet sie in die Vltava — dort liegt mit 352 Metern der tiefste Punkt. Moldauaufwärts folgen Purkarec, Hluboká nad Vltavou mit dem neugotischen Schloss im Windsor-Stil und České Budějovice (km 137) — der Track läuft direkt am Rathaus am Hauptplatz vorbei.
Ab Budweis verlässt der Weg die Ebene und arbeitet die 639 Meter Höhenspanne ab: durch die Moldauschlucht mit der Burgruine Dívčí Kámen und dem keltischen Oppidum Třísov zum Zisterzienserkloster Zlatá Koruna (1263), dann als kürzeste und steilste Etappe des Weges nach Český Krumlov — UNESCO-Welterbe, der Track läuft direkt am Schloss vorbei — und hinauf zum Wallfahrtsort Kájov. Jetzt beginnt der Böhmerwald: Světlík auf 777 Metern mit der letzten Jakobuskirche auf tschechischem Boden, hinunter an den Lipno-Stausee nach Frymburk. Die Schlussetappe startet mit einer Fährfahrt nach Frýdava, klettert an Přední Výtoň und der höchstgelegenen Burg Böhmens vorbei auf 991 Meter und endet hinter bývalý Otov und bývalá Dolní Hraničná — zwei Dörfern, die 1956 bis 1958 abgerissen wurden — an der Grenze zu Oberösterreich. Von dort sind es 89 Kilometer nach Passau.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Neun Etappen sind der offizielle Zuschnitt des Betreibers, zehn die bequemere Variante (Etappe 4 in Týn nad Vltavou teilen, Krumlov einen halben Tag geben) — plane also 8 bis 10 Tage, ehrlicherweise eher 9 oder 10. Die Kilometer unten sind auf unsere Trackmessung normiert und tragen „ca.“; die Gesamtstrecke misst 215,4 km. Technisch ist nichts schwierig: Feld- und Waldwege, Flussufer, in den Städten Asphalt. Anspruchsvoll ist die Verteilung, und sie ist gegenläufig zur Intuition: Der härteste Aufstiegstag ist Tag 1 — 691 Höhenmeter, mehr als das Doppelte der Grenzetappe am Schluss —, und die kürzeste Etappe ist die steilste (Zlatá Koruna → Kájov, 33 Höhenmeter pro Kilometer). Die wichtigste Planungsgröße kommt aber erst ganz am Ende: die Fähre auf Etappe 9.
- Vlašim → Mladá Vožice — ca. 28 km — ⚠️ der höchste Aufstiegstag des ganzen Weges (691 Hm), Blaník-Hügelland, Kondrac, Burgruine Šelmberk mit dem ersten Stempelkasten.
- Mladá Vožice → Klokoty (Tábor) — ca. 29 km — dünn besiedeltes Land, Pohnání, dann durch Tábor (Žižkovo náměstí, Untergrund, Kotnov) zum Wallfahrtsort Klokoty, 1,7 km hinter der Stadt.
- Klokoty → Bechyně — ca. 27 km — der ruhigste Tag: das Lužnice-Tal mit den Burgruinen Příběnice und Dobronice und der Kettenbrücke von Stádlec. Ziel mit kostenlosem Pfarrhaus.
- Bechyně → Purkarec — ca. 30 km — die längste Etappe; in Týn nad Vltavou trifft die Lužnice die Moldau, dort der tiefste Punkt (352 m). Teilbar in Týn (ca. 14 + 17 km).
- Purkarec → České Budějovice — ca. 23 km — der flachste Tag (184 Hm): Burgruine Karlův hrádek, Schloss Hluboká, dann mitten über den Budweiser Hauptplatz.
- České Budějovice → Zlatá Koruna — ca. 24 km — Jakobuskirche Boršov nad Vltavou, Moldauschlucht mit Dívčí Kámen, Ziel: Zisterzienserkloster von 1263.
- Zlatá Koruna → Kájov — ca. 16 km — ⚠️ die kürzeste und steilste Etappe (506 Hm auf 15,5 km): Moldau-Mäander, Český Krumlov (UNESCO), dann hinauf zur Wallfahrtskirche Kájov.
- Kájov → Frymburk — ca. 23 km — der Böhmerwald beginnt: Slavkov, Světlík auf 777 m mit der letzten Jakobuskirche des Landes, hinunter an den Lipno-Stausee.
- Frymburk → bývalá Dolní Hraničná (Grenze) — ca. 16 km — ⚠️ die Fährenetappe: Fähre nach Frýdava (nur April–November, sonst 31 km Umweg!), Přední Výtoň, höchster Punkt 991 m, Svatý Tomáš — und zwei verschwundene Dörfer bis zur Grenze.
Wer zehn Tage hat, teilt Etappe 4 in Týn nad Vltavou und macht aus Etappe 7 einen halben Tag mit UNESCO-Nachmittag in Český Krumlov — die bequemste Version dieses Weges. Acht Tage gehen rechnerisch, aber nicht vernünftig: Dann müsste man Etappe 7 und 8 zum steilsten Abschnitt des ganzen Weges zusammenlegen (38,5 km, 927 Hm) und Krumlov im Durchmarsch nehmen. Ehrliche Empfehlung: Dieser Weg braucht neun oder zehn Tage, nicht acht.
Highlights am Weg
- Blaník (bei km 12) — der Sagenberg der Nation: In ihm schlafen die Ritter des heiligen Wenzel, bis das Land in höchster Not ist. Aussichtsturm auf dem Velký Blaník, Kapellenruine auf dem Malý Blaník — und die Regionalseite fragt selbst: „Věděli jste, že od Blaníku můžete dojít až do Santiaga de Compostela?“ Es sind von hier noch fast 3.000 Kilometer.
- Tábor (km 55,5) — im Frühjahr 1420 von Jan Žižka gegründet, benannt nach dem Berg der Verklärung. Žižkovo náměstí, Hussitenmuseum, das Untergrundsystem aus dem 15. Jahrhundert, Burg Kotnov, kostel sv. Filipa a Jakuba — und der Jordán von 1492, die erste Talsperre ihrer Art in Mitteleuropa: der Fluss der Taufe als Wasserwerk.
- Klokoty (km 57,2, direkt am Weg) — Wallfahrtsort mit Marienerscheinungs-Überlieferung um 1389 und Wunderquelle; 1421 zerstört, dabei wurden beim Pfarrhaus rund 50 Adamiten verbrannt. Ab 1701 barock umgebaut von Benediktinern aus Montserrat; heute Etappenziel 2.
- Bechyně (km 83,8) — Franziskanerkloster, Schloss, Synagoge, jüdischer Friedhof — und das Pfarrhaus, das Pilger mit Credencial kostenlos aufnimmt.
- Týn nad Vltavou (km 97,7) — hier trifft die Lužnice die Moldau, hier steht die kostel sv. Jakuba mit dem Stempel im Kirchturm, und hier liegt der tiefste Punkt des Weges: 352 Meter.
- Hluboká nad Vltavou (km 125,8, gut 100 m vom Weg) — das neugotische Schloss im Windsor-Stil, eines der bekanntesten Böhmens; der Weg läuft direkt daran vorbei.
- České Budějovice (km 137) — am 10. März 1265 übergab Ritter Hirzo den abgesteckten Stadtgrundriss, im selben Jahr verlieh Přemysl Otakar II. das Braurecht. Daraus wurde 630 Jahre später ein Weltmarkenstreit: 1876 gründete Adolphus Busch in den USA „Budweiser“ — „to produce beer with the same quality, colour and taste as beer produced in Budějovice“, sagte er zu Protokoll. Der Track läuft direkt am Rathaus am náměstí Přemysla Otakara II. vorbei.
- Dívčí Kámen (km 156,2, gut 100 m vom Weg) — Burgruine über der Moldauschlucht, daneben das keltische Oppidum Třísov.
- Zlatá Koruna (km 161,3) — Zisterzienserkloster, 1263 von Přemysl Otakar II. gegründet und von Heiligenkreuzer Mönchen besiedelt; erster Name Svatá Koruna, „Zlatá Koruna“ erst ab 1315 belegt. 1420 und 1429 von den Hussiten niedergebrannt, 1437 zurückbesiedelt, 1785 von Joseph II. aufgehoben — heute Nationales Kulturdenkmal.
- Český Krumlov (km 170,7) — UNESCO-Welterbe; Schloss (direkt am Weg), Trojklášteří, kostel sv. Víta und das barocke Schlosstheater mit originaler Ausstattung.
- Kájov (km 176,8, direkt am Weg) — Wallfahrtskirche über einer Heilquelle, erstmals 1263 in der Gründungsurkunde von Zlatá Koruna, spätgotisch umgebaut 1471–88. Der Name kommt der Überlieferung nach von káti se — „büßen“; im Barock 20.000, später 40.000 Pilger im Jahr. Das Schwesternkloster nimmt Pilger gegen Spende auf.
- Světlík (km 188,3, 777 m) — kostel sv. Jakuba Většího, die letzte Jakobuskirche auf tschechischem Boden: Marktdorf seit 1258 bezeugt, 1423 von den Hussiten geplündert, 1663 erweitert, 1872–74 neu gebaut — und immer blieb es Jakobus.
- Vítkův hrádek und Svatý Tomáš (km 206–207) — die höchstgelegene Burg Böhmens (1.035 m, im Kalten Krieg Radarstation, seit 2006 Aussichtsplattform, im Sommer geöffnet, 50 CZK) neben der Kapelle Božího Těla von 1257/58 — bei deren Restaurierung ab 1991 fand man Wandmalereien des 14. Jahrhunderts. Danach: bývalý Otov und bývalá Dolní Hraničná, zwei Dörfer, die es seit 1956–58 nicht mehr gibt. Die letzten 2,6 Kilometer dieses Weges führen durch sie hindurch.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Vlašim ist keine Zwischenstation, sondern eine Naht: Der East Bohemian Way endet genau dort, wo dieser Weg beginnt — kein „in der Nähe“, sondern eine nahtlose Übergabe. Wer aus Norden kommt, läuft 262,5 Kilometer von Libná an der polnischen Grenze über Broumov, Hradec Králové und Kutná Hora herunter und geht in Vlašim einfach weiter; zusammen sind das 477,9 Kilometer von der polnischen Grenze bis Oberösterreich. Übrigens der stärkste Beleg dafür, dass Böhmen schon einmal so gepilgert ist: Die früheste greifbare Muschel des Landes, eine in Most gefundene Pecten maximus aus Santiago, stammt aus Nordböhmen — nicht von dieser Trasse, aber aus genau der Richtung, aus der dieser Zubringer kommt.
Die zweite Zulaufachse ist Prag. Der Betreiber nennt eine Prag-Anbindung als Alternative zum Start in Vlašim; Wanderberichte belegen die Kette Prag → Sázava → Vlašim — ein dokumentierter Zulauf, kein eigener markierter Weg. Prag selbst ist der Knoten des tschechischen Netzes: Dort endet der Zittau Way aus Görlitz, dort beginnen die Routen Všerubská und Železná Richtung Bayern, und von Prag nach Santiago sind es nach Angabe des Betreibers rund 2.800 Kilometer. Praktisch ist der Einstieg einfach: Vlašim liegt gut 60 Kilometer südöstlich von Prag und ist per Regionalbahn und Bus in etwa anderthalb Stunden erreichbar.
Weiterpilgern?
Dieser Weg endet an einer Grenze — und gleich dahinter beginnt nahtlos der nächste. Der Innviertler Jakobsweg startet praktisch auf demselben Punkt und läuft in 236,5 Kilometern über Aigen im Mühlkreis, Rohrbach und Untergriesbach nach Passau (89 Kilometer hinter der Grenze) und weiter über Schärding und das Innviertel nach Salzburg. Genau so beschreibt es der tschechische Betreiber selbst: von der Grenze weiter „towards Santiago via Passau“. Wer nur noch eine Nacht braucht: In Aigen-Schlägl, wenige Kilometer hinter der Grenze, nimmt die Pilgerherberge des Stifts Schlägl Pilger mit Credencial für 41 Euro auf — ein guter Ort, um eine Etappe zu beenden, die durch zwei abgerissene Dörfer führte.
In Salzburg verzweigt es sich: Dort beginnt der Voralpiner Jakobsweg (255,7 km bis Hohenpeißenberg), und dort läuft der Jakobsweg Österreich durch (853 km von Wolfsthal bei Wien bis Rankweil in Vorarlberg). Wer die böhmische Kette komplett geht — East Bohemian Way, South Bohemian Way, Innviertler Jakobsweg —, hat von der polnischen Grenze bis Salzburg 714,4 Kilometer ohne eine einzige Lücke vor sich. Und ganz am Ende jeder dieser Ketten wartet derselbe Weg: der Camino Francés ab Saint-Jean-Pied-de-Port.
Vorbereitung & Praktisches
Zuerst die Fähre, denn an ihr hängt dein letzter Tag. Etappe 9 setzt mit der Fähre Frymburk → Frýdava über den Lipno-Stausee — und die fährt nur von April bis November. Fährt sie nicht, wird aus der 16-Kilometer-Etappe eine von 31 Kilometern über Lipno nad Vltavou, also fast ein zusätzlicher Tag. Prüfe den Fahrplan, bevor du deine letzte Nacht buchst — das ist die härteste Planungsentscheidung dieses Weges, und sie hängt an einem Aushang. Aus demselben Grund ist die beste Zeit Mai bis September: Im April und Oktober fällt nicht nur die Fähre unzuverlässig aus, auch ein erheblicher Teil der Quartiere sind Saison-Campingplätze — und die letzten dreißig Kilometer liegen zwischen 700 und 991 Metern im Böhmerwald, wo es früh kalt und spät nass wird.
Navigation: Seit der Vereinbarung von 2018 zwischen ULTREIA z.s. und dem Klub českých turistů kleben gelbe Jakobsmuscheln im blauen Feld an den Wanderwegweisern, dazu gelbe Pfeile. Aber die Muschel ist ein Aufkleber, kein Wegweiser — die eigentliche Wegführung tragen die KČT-Farbbalken (meist rot, streckenweise blau, grün, gelb). Wer nur nach Muscheln sucht, verläuft sich: Nimm die Camino Ninja App — sie hat die komplette Route dieses Weges an Bord — und nimm das Faltblatt des Betreibers mit (Ausgabe 2025). Den Credencial gibt es bei ULTREIA (obchod.ultreia.cz); am Weg warten zehn Stempelstellen — acht Stempelkästen von Šelmberk bis Svatý Tomáš plus die Infozentren Hluboká und České Budějovice.
Unterkünfte: Es gibt keine Herbergskette, und auch unsere Datenbank kennt hier noch keine Pilgerherbergen — was es gibt, ist die Liste des Betreibers: das Pfarrhaus in Bechyně (kostenlos mit Credencial), das Kloster der Barmherzigen Schwestern in Kájov (Spende, Voranmeldung), das Pilgerhaus Poutní dům Emauzy in Tábor, dazu Pensionen und viele Campingplätze. Der Betreiber ist unmissverständlich: „Accommodation must always be reserved at least two days in advance“ — Unterkünfte immer mindestens zwei Tage im Voraus reservieren. Nimm das ernst, besonders in Bechyně, Kájov und Frymburk. Am einfachsten planst du die Tage direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und die Übernachtungen gleich mit einplanst.
Was dich der Weg kostet
Das ist einer der günstigsten Wege unseres Netzes (Stand: August 2026). Ein Pensionsbett kostet nach der Liste des Betreibers meist 300 bis 700 CZK pro Person (etwa 12 bis 28 Euro), Campingplätze 80 bis 280 CZK, und zwei Häuser kosten so gut wie nichts: das Pfarrhaus Bechyně (kostenlos mit Credencial) und das Schwesternkloster Kájov (freiwillige Spende). Für neun Nächte landest du bei rund 150 bis 220 Euro, wenn du Pensionen nimmst — und deutlich darunter, wenn du Campingplätze und die kirchlichen Häuser mischst. Dazu kommen der Credencial, das Fährticket in Frymburk und ein paar Eintritte, die sich lohnen: Hussitenmuseum und Untergrund in Tábor, Schloss Hluboká, Kloster Zlatá Koruna, das Schlosstheater in Český Krumlov — und Vítkův hrádek für 50 CZK, also rund zwei Euro für die höchstgelegene Burg Böhmens. Hinter der Grenze zieht das Niveau an: Die Pilgerherberge im Stift Schlägl kostet 41 Euro — wer in Österreich weitergeht, rechnet mit etwa dem Doppelten pro Nacht.
Anreise
Nach Vlašim kommst du über Prag: Der Startort liegt gut 60 Kilometer südöstlich der Hauptstadt und ist per Regionalbahn und Bus angebunden; der Weg beginnt am Schloss im Zentrum. Wer gleich den ganzen Nordteil gehen will, startet stattdessen auf dem East Bohemian Way an der polnischen Grenze. Unterwegs ist dieser Weg ungewöhnlich gut zerlegbar: Tábor (km 55,5) liegt am Bahnknoten der Strecke Prag–Wien/Linz und ist der beste Punkt, um den Weg zu halbieren; České Budějovice (km 137) hat Fernverbindungen nach Prag, Linz, Wien und Plzeň; nach Bechyně, Zlatá Koruna und Český Krumlov fährt die Bahn, nach Týn nad Vltavou und Hluboká der Bus, und Frymburk am Lipno-Stausee ist per Bus erreichbar.
Die Rückreise von der Grenze ist der aufwendigste Teil, und das solltest du vorher wissen: Am Endpunkt gibt es keine Ortschaft und keinen Bahnhof — nur einen Grenzstein und zwei verschwundene Dörfer. Praktisch läufst du entweder auf dem Innviertler Jakobsweg weiter nach Aigen-Schlägl und Rohrbach in Oberösterreich (Busanbindung nach Linz), oder du organisierst die Rückfahrt ab Frymburk beziehungsweise Český Krumlov mit den Lipno-Bussen nach České Budějovice. Plane den letzten Tag nicht als Abreisetag.
- Anreise zum Start: Prag (Flughafen + Fernbahn), weiter per Regionalbahn oder Bus nach Vlašim (~60 km, gut anderthalb Stunden). Start am Schloss.
- Zwischeneinstiege: Tábor (Bahn Prag–Wien/Linz, beste Halbierung), České Budějovice (Bahnknoten: Prag, Linz, Wien, Plzeň), Bechyně/Zlatá Koruna/Český Krumlov (Bahn ab Tábor bzw. Budějovice), Týn nad Vltavou und Hluboká (Bus), Frymburk (Bus, dazu Schiffs- und Fährverkehr auf dem Lipno-Stausee).
- Rückreise: kein Bahnhof am Endpunkt — entweder auf dem Innviertler Jakobsweg weiter bis Aigen-Schlägl/Rohrbach (Bus nach Linz) oder zurück über Frymburk/Český Krumlov (Lipno-Busse) nach České Budějovice.
Hol dir deinen Pilgerausweis und die Muschel
Alles, was du für den South Bohemian Way brauchst, direkt zu dir nach Hause.
Camino Shop besuchen
