Camino Dolnosląska
Der Camino Dolnosląska führt dich in 160 km von der Piastenstadt Głogów durch Europas größtes Kupferrevier und die Kiefernwälder der Bory Dolnośląskie bis zur Grenzbrücke in Zgorzelec, wo Görlitz und die deutschen Jakobswege beginnen. Unterwegs liegt Jakubów, das einzige Jakobus-Sanktuarium Polens — und du gehst den Abschnitt, mit dem am 24. Juli 2005 das ganze polnische Camino-Netz angefangen hat.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal — und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 071323 gestiftet, 1508 beglaubigt, 2005 als Erster zurück
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Głogów → Zgorzelec (Altstadtbrücke nach Görlitz)
- Länge: 160 km
- Dauer: 6–8 Tage (6 offizielle Etappen)
- Wegzeichen: Jakobsmuschel auf blauem Grund und gelbe Pfeile; ab Lubań zusätzlich Via-Regia-Markierung — beide führen zur Brücke
- Zubringer: in Głogów endet der Camino Wielkopolska (davor der Camino Polaco von der litauischen Grenze)
- Anschluss: über die Altstadtbrücke nach Görlitz — Via Regia Deutschland, ab Bautzen Sächsischer Jakobsweg
- Charakter: Polens erster Jakobsweg — eine Woche zwischen Kupferrevier, Kiefernwald und Grenzbrücke, viel Asphalt
Überblick
Der Camino Dolnosląska ist der Weg, mit dem Polens Jakobsweg-Geschichte von vorn begann: Am 24. Juli 2005 wurde er als erster dauerhaft markierter Jakobsweg des Landes eröffnet — alles, was heute knapp 6.000 Kilometer polnisches Camino-Netz ist, kam danach. Auf 160 Kilometern führt er von der Piasteninsel in Głogów zum einzigen Jakobus-Sanktuarium Polens in Jakubów, dann durch Europas größtes Kupferrevier — der Jakobus-Schacht der KGHM grüßt mit seinem Förderturm — und durch die endlosen Kiefern der Bory Dolnośląskie, ehe er in Zgorzelec auf einer Brücke endet, hinter der Deutschland steht.
Es ist die komplette Camino-Erfahrung im Urlaubsformat: sechs Etappen, ein klarer Anfang, ein Ziel mit Symbolkraft — und ehrliche Bedingungen. Herbergen ersetzt hier das Pfarrquartier von Jakubów plus Pension und Agroturystyka mit Telefon und Vorlauf, drei der sechs Tage verlangen acht Stunden Gehzeit, und ab Nowogrodziec warten 17 Kilometer Asphalt am Stück. Dafür stehst du am Ende an einem Knoten statt an einem Ende: Hinter der Neiße übernehmen die Via Regia Deutschland und ab Bautzen der Sächsischer Jakobsweg — noch rund 2.800 Kilometer bis Santiago, und die Muschel an der Brücke zeigt schon in die richtige Richtung.
Andere Namen
Auf Polnisch heißt der Weg Dolnośląska Droga św. Jakuba — Niederschlesischer Jakobsweg —, beim Betreiber kurz „Droga Dolnośląska“. In deutschen Texten begegnen dir stattdessen oft die alten Ortsnamen der Trasse: Glogau, Jakobskirch, Bunzlau, Lauban, Görlitz. Zwei Verwechslungen solltest du vermeiden. Erstens ist die Via Regia Polska nicht dieser Weg — sie kommt von der ukrainischen Grenze über Kraków und Wrocław und trifft erst in Lubań ein; die letzten 30 Kilometer bis Zgorzelec gehören dann beiden, mit beiden Markierungen. Und zweitens: Wenn Reiseberichte von „rund 1.000 Kilometern Camino Polaco“ schwärmen, meinen sie die Gesamtlinie von der litauischen bis zur deutschen Grenze — Camino Polaco, Camino Wielkopolska und dieser Weg hintereinander. Der Dolnosląska selbst misst 160 Kilometer.
Für wen ideal — und für wen eher nicht
Dieser Weg ist etwas für dich, wenn du eine echte Jakobsweg-Erfahrung in eine Urlaubswoche packen willst, ohne etwas Beliebiges zu gehen: 160 Kilometer, sechs Etappen, Start an einer Kollegiatkirche auf einer Piasteninsel, Ziel auf einer Brücke zwischen zwei Ländern. Ideal auch für alle, die Geschichte in Schichten mögen — schlesische Piasten, Reformation, Preußen, 1945, Kupferbergbau, EU-Grenzöffnung liegen hier auf 160 Kilometern übereinander. Und für Sammler von Ersten sowieso: Mit diesem Abschnitt fing am 24. Juli 2005 das ganze polnische Camino-Netz an.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du weiche Waldböden erwartest. Der Betreiber warnt selbst: ab Nowogrodziec 17 Kilometer am Stück auf Asphalt, „für Radfahrer geeignet, für Fußgänger anspruchsvoll“ — und die Schlussetappe ist kaum besser. Die Tage sind lang (29, 18, 22, 26, 33, 29 Kilometer, dreimal mindestens acht Stunden), das Herbergsnetz besteht aus dem kostenlosen Pfarrquartier in Jakubów und ansonsten Pensionen mit Vorlauf. Und einsam ist es wirklich: Ein paar hundert Menschen im Jahr gehen diesen Weg. Du wirst oft der einzige sein.
Streckenverlauf & Landschaft
Du startest in Głogów an der Kollegiatkirche auf dem Ostrów Tumski, der Insel der alten Piastenburg — hier verteidigten die Glogauer 1109 ihre Stadt gegen Heinrich V., der ihre eigenen Kinder an die Belagerungsmaschinen band —, gehst über die Brücke der Toleranz und stehst nach wenigen Kilometern im Herzstück: Jakubów, seit 2007 das einzige Jakobus-Sanktuarium Polens, mit der Jakobsquelle neben der Kirche. Dann wird es industriell-erhaben: Der Weg quert das Legnicko-Głogowskie Kupferrevier, vorbei am Förderturm des Jakobus-Schachts und mit Blick auf Żelazny Most, Europas größtes Bergbau-Absetzbecken — 14 Kilometer Damm, sichtbar aus dem All. Und mit Grodowiec liegt gleich der zweite Wallfahrtsort des ersten Tages am Weg.
Ab Chocianów wird es still: Die Bory Dolnośląskie, mit über 165.000 Hektar Polens größter zusammenhängender Wald, schlucken zwei volle Etappen — fast reine Kiefer, dazwischen Dörfer, auf deren Friedhöfen ukrainische Inschriften an die zwangsumgesiedelten Lemken erinnern. Dahinter Bolesławiec, die Keramikstadt am Bóbr, dann die längste Etappe entlang der alten Grenze zwischen Schlesien und der Lausitz nach Lubań, wo 1323 das Jakobshospital gestiftet wurde. Die Schlussetappe teilst du dir mit der Via Regia: vorbei an der über 1.300 Jahre alten Eibe von Henryków Lubański, dem ältesten Baum Polens, bis zur Altstadtbrücke über die Lausitzer Neiße. Auf der anderen Seite: Görlitz.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Die offizielle Einteilung sind sechs Etappen, und der Betreiber verspricht die knapp 160 Kilometer „in einer Woche“. Der Schnitt von 26 Kilometern täuscht wie immer: Die Spanne reicht von 18 bis 33 Kilometern, und für drei der sechs Tage nennt der Betreiber mindestens acht Stunden Gehzeit. Technisch fordert dich nichts — Tiefebene, Waldwege, keine ausgesetzte Stelle. Was fordert, ist der Asphalt, allen voran die 17 Kilometer am Stück hinter Nowogrodziec, und die Frage, wo abends das Bett steht. Wer die lange fünfte Etappe in Nowogrodziec teilt und Bolesławiec einen halben Tag gönnt, braucht acht Tage; wer die Betreiber-Einteilung durchzieht, sechs.
- Głogów → Grodowiec — 29 km (min. 8 h) — Start an der Kollegiatkirche Mariä Himmelfahrt auf dem Ostrów Tumski, über die Brücke der Toleranz ans linke Oderufer; über Kurowice (Kreuzerhöhungskirche) und Łagoszów Mały nach Jakubów mit dem Jakobus-Sanktuarium und der Jakobsquelle; weiter über Maniów, Jerzmanowa, Golowice und Żuków ins Marienheiligtum Grodowiec (früher Wysoka Cerekiew). Unterwegs weithin sichtbar: der Förderturm des Szyb św. Jakuba.
- Grodowiec → Nowa Wieś Lubińska — 18 km (ca. 4,5 h) — Kürzeste Etappe. Über Komorniki (Maria-Magdalena-Kirche) und Trzebcz nach Polkowice (Rathaus, Michaeliskirche, Kupferbergbau seit 1957), dann über Sobin auf Waldwegen nach Nowa Wieś Lubińska. Aussicht auf das Absetzbecken Żelazny Most. Verlängerung bis Chocianów möglich: dann 31 km.
- Nowa Wieś Lubińska → Modła — 22 km (min. 5 h) — Quer durch die Bory Dolnośląskie. Über Pogorzeliska (evangelische Hyazinth-Kirche mit Palmensäulendecke) nach Chocianów (Josefskirche, englischer Landschaftspark, 15 ha), weiter über Nowa Kuźnia nach Modła (Rosenkranz-Filialkirche). Lemken-Siedlungsgebiet, ukrainische Grabinschriften. Unterkünfte laut Betreiber in Gromadka und Osła.
- Modła → Bolesławiec — 26 km (min. 7 h) — Weiter durch die Kiefernwälder, vorbei an einem ehemaligen Militärflugplatz, über die A4, dann auf Feldwegen der Schlesischen Tiefebene über Osła (Peter und Paul), Szczytnica, Tomaszów Bolesławiecki (Hedwigskirche) und Kruszyn nach Bolesławiec (Basilika Mariä Himmelfahrt, Rathaus von 1525, Keramikstadt).
- Bolesławiec → Lubań — 33 km (min. 8 h) — Längste Etappe. Entlang der historischen Grenze zwischen Schlesien und der Lausitz über Mierzwin, Dzięcioły und Nowogrodziec (Peter-und-Paul-Kirche, Rathaus) sowie Nawojów Śląski nach Lubań (Bracka Wieża, Stadtmauern, Dreifaltigkeitskirche). Achtung: Ab Nowogrodziec 17 Kilometer auf lokalen Asphaltstraßen — laut Betreiber radfahrertauglich, für Fußgänger anstrengend.
- Lubań → Zgorzelec — 29 km (min. 8 h; camino-europe.eu misst 32,45 km) — Überwiegend Asphalt, deckungsgleich mit der Via Regia (beide Markierungen). Über Pisarzowice, Henryków Lubański (Eibe „Henryk“, ältester Baum Polens), Sławnikowice (Schlossanlage), Gronów (Gutshof mit Eichenallee), Pokrzywnik und Łagów nach Zgorzelec: Dom Kołodzieja, das Haus Jakob Böhmes, Ziel an der Altstadtbrücke über die Lausitzer Neiße, wo es im Tourismusbüro den letzten polnischen Stempel gibt. Achtung: Vorsicht an der Schnellstraßenkreuzung bei Lubań und an der Umgehung von Zgorzelec.
Etappe 2 lässt sich offiziell bis Chocianów verlängern (31 statt 18 km). Und der Betreiber denkt die Route als Teil einer Kette: nordwärts die Droga Wielkopolska, hinter Görlitz weiter als Droga Żytawska (Zittauer Weg) Richtung Prag.
1323 gestiftet, 1508 beglaubigt, 2005 als Erster zurück
Die Belege dieses Wegs sind keine frommen Vermutungen, sondern Verwaltungsakte. 1323 stiftete der Gastwirt Ulrich Aumann in Lubań das Jakobshospital — überliefert im trockenen Kanzleiton: „der Ulrich Aumannin zu Luban stiftung des Jacobshospitals daselbst. D. 1323“; noch 1539 bedachte es der Breslauer Bischof in seinem Testament. In Jakubów, urkundlich seit dem 14. Januar 1376, pilgerte man schon im 12. Jahrhundert zur Jakobsquelle, und am 25. Juli 1735 reichten zwanzig Priester nicht aus, um allen Angereisten die Beichte abzunehmen. Die ehrlichste Zahl liefern die Görlitzer Register von 1358 bis 1545: 140 verzeichnete Pilgerfahrten — davon gingen vier nach Santiago, der Rest in erdrückender Mehrheit nach Aachen. Einer der vier Richtigen hat einen Namen: 1508 stellte der Breslauer Rat dem Jan Wenzel aus Lubań ein Empfehlungsschreiben für den Weg nach Compostela aus — Papiere für einen Mann aus deinem Etappenort fünf.
Dann verstummte der Weg für vier Jahrhunderte: 1571 übernahmen die Evangelischen die Jakobskirche, im Dreißigjährigen Krieg verbrannten schwedische Truppen ihre Urkunden, 1741 kam Preußen, 1945 der komplette Bevölkerungsaustausch — Jakubów hieß bis 1950 amtlich „Dębina“, und am 7. Mai 1945 sprengten deutsche Soldaten die Altstadtbrücke nach Görlitz. Dass sie am 20. Oktober 2004 wiedereröffnet wurde, neun Monate vor dem Weg, gehört zur Pointe: Das Ziel dieses Camino existierte 59 Jahre lang nicht.
Die Wiederkehr begann mit einem Hausbesuch. 1999 übernahm Pfarrer Stanisław Czerwiński die Pfarrei Jakubów — von deren Jakobus-Vergangenheit er nichts wusste, bis 2004 Henryk Karaś vor der Tür stand, ein pensionierter Bergbauingenieur aus dem Kupferrevier, und ihm die europäischen Jakobswege zeigte. Noch im selben Jahr gründete sich die Bruderschaft, am 18. Oktober fiel der Beschluss, und am 24. Juli 2005 wurde der Weg gleichzeitig in Jakubów und Zgorzelec eröffnet; 2007 erhob der Bischof die Kirche zum ersten Jakobus-Sanktuarium Polens. Ein Bergmann, ein Pfarrer, eine Quelle — und seither führt wieder ein markierter Weg von der Oder an die Neiße, wo Bergleute und Pilger in Niederschlesien ohnehin schon immer denselben Schutzheiligen hatten.
Highlights am Weg
- Głogów, Ostrów Tumski — der Startpunkt steht auf der Insel der Piastenburg: erste Steinkirche im 11. Jahrhundert, 1157 von Barbarossas Zug zerstört, als Backsteinbasilika 1218 erstmals urkundlich. 1945 stürzten Dächer und Gewölbe ein; der Wiederaufbau läuft seit 1995. Und 1109 schrieb die Stadt das dunkelste Kapitel der polnischen Frühzeit: Sie hielt der Belagerung stand, obwohl ihre Kinder an den Belagerungsmaschinen des Kaisers hingen.
- Sanktuarium św. Jakuba in Jakubów — das erste und einzige Jakobus-Sanktuarium Polens (erhoben am 20. Juni 2007). Ortstradition seit 991, harter Beleg seit dem 14. Januar 1376; innen Fresken des 14. Jahrhunderts, ein Deckengemälde von 1720, Jakobus-Reliquien aus Rom — und eine Glocke von 1506 mit der Inschrift „O König der Glorie, komm mit Frieden“, eine der ältesten Polens.
- Die Jakobsquelle — gemauerter Brunnen neben der Kirche, darüber Jakobus im Pilgergewand mit Hut. Gepilgert wird hierher seit dem 12. Jahrhundert, aus Böhmen, Frankreich, Mähren und Schlesien; am Jakobstag 1735 reichten zwanzig Priester nicht für die Beichten.
- Jakobus-Schacht und Żelazny Most — auf Etappe 1 grüßt der Förderturm des Szyb św. Jakuba, eines 1.027 Meter tiefen Kupferschachts, der täglich über 5.000 Tonnen Erz hebt; auf Etappe 2 öffnet sich der Blick auf Żelazny Most: 1.580 Hektar, 14 Kilometer Dämme, Europas größtes Bergbau-Absetzbecken, sichtbar aus dem Weltall. Angefangen hat alles am 23. März 1957 mit einer Bohrung namens Sieroszowice IG 1.
- Grodowiec — das Marienheiligtum „Jutrzenka Nadziei“ am Ende der ersten Etappe, keine 30 Kilometer nach Jakubów. Zwei Wallfahrtsorte an einem Tag schafft in Polen sonst kaum ein Weg.
- Bory Dolnośląskie und Bolesławiec — zwei Etappen durch Polens größten Wald (über 165.000 Hektar Kiefer, mit Wölfen), dann die Keramikstadt: Stadtrecht 1251, Rathaus von 1525, Basilica minor seit 2012 — und der Obelisk für Feldmarschall Kutusow, der hier 1813 auf der Verfolgung Napoleons starb.
- Lubań und die Eibe „Henryk“ — 1323 stiftete der Gastwirt Ulrich Aumann hier das Jakobshospital samt Kapelle. Auf der Schlussetappe steht in Henryków Lubański die Eibe „Henryk“: über 1.300 Jahre alt, mit Kosaken-Säbelhieben aus dem 19. Jahrhundert — der älteste Baum Polens.
- Zgorzelec und die Altstadtbrücke — im Haus an der Daszyńskiego 12 lebte der Schuster-Mystiker Jakob Böhme (1575–1624, heute Museum, Eintritt frei). Die Brücke selbst: 1298 erstmals erwähnt, 1547 in Stein gebaut, am 7. Mai 1945 gesprengt, am 20. Oktober 2004 wiedereröffnet. Den letzten polnischen Stempel gibt es im Tourismusbüro am Brückenkopf.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Der natürliche Zubringer ist der Camino Wielkopolska: Er kommt aus Mogilno über Gniezno, Poznań und Leszno und endet genau in Głogów — du wechselst nur den Namen des Wegs. Und davor liegt der Camino Polaco von der litauischen Grenze: Alle drei hintereinander ergeben die rund tausend Kilometer, die in Reiseberichten manchmal pauschal „Camino Polaco“ heißen.
Die meisten reisen direkt an: Głogów hat Bahnverbindungen nach Wrocław (1:11 bis 2:00 Stunden), Zielona Góra und Poznań. Unterwegs liegen mit Bolesławiec, Lubań und Zgorzelec drei weitere Bahnhöfe — wer nur ein langes Wochenende hat, geht die Schlussetappen mit Eibe und Grenzbrücke. Und wer aus Deutschland kommt, macht es elegant andersherum: Zug nach Görlitz, zu Fuß über die Altstadtbrücke, per Bahn nach Głogów zum Start — dann hast du dein Ziel schon gesehen, bevor du losgehst.
Weiterpilgern?
Dieser Weg endet nicht in Santiago, er endet auf einer Brücke — und dahinter steht Deutschland. Von der Altstadtbrücke sind es keine dreihundert Meter in die Görlitzer Altstadt, wo die Via Regia Deutschland übernimmt, der Ökumenische Pilgerweg quer durch Sachsen und Thüringen. Wer lieber nach Süden will, geht mit ihr bis Bautzen — dort beginnt der Sächsischer Jakobsweg. Beide sind ab Görlitz durchgehend markiert; zu organisieren bleibt nur das Abendessen.
Und noch eine Route trifft hier ein: Die Via Regia Polska kommt von der ukrainischen Grenze über Kraków und Wrocław und läuft ab Lubań mit diesem Weg zusammen — die Schlussetappe gehört beiden. In Zgorzelec stehst du also an einem Knoten, nicht an einem Ende: Nordosten Camino Wielkopolska und Camino Polaco, Südosten Via Regia Polska, Westen Via Regia Deutschland, Südwesten Sächsischer Jakobsweg. Bis Santiago sind es noch rund 2.800 Kilometer — die Muschel an der Brücke zeigt schon in die richtige Richtung.
Vorbereitung & Praktisches
Die beste Zeit sind Mai bis September. Niederschlesien gehört zu den mildesten Ecken Polens — mit einem Haken: Auf den Asphaltabschnitten der Etappen 5 und 6 wird es im Hochsommer heiß, und Schatten gibt es dort kaum; die Kiefernwälder der Bory Dolnośląskie dagegen gehen sich auch bei Hitze angenehm. Der 25. Juli, der Jakobstag, ist in Jakubów der große Termin — wer um dieses Datum herum geht, bucht dort besonders früh.
Markiert ist der Weg mit dem polnischen Standard: Muschel auf blauem Grund plus gelbe Pfeile, alle 200 bis 250 Meter, ausschließlich in Richtung Santiago. Ab Lubań laufen die Zeichen der Via Regia parallel — nicht irritieren lassen, beide führen zur selben Brücke. Lade dir den GPS-Track herunter (camino.net.pl hat Karten und Tracks je Etappe) und rechne mit Asphalt: 17 Kilometer am Stück ab Nowogrodziec, dazu zwei Vorsicht-Stellen an den Kreuzungen bei Lubań und Zgorzelec.
Wie auf allen Jakobswegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial) für die Stempel — in den Pfarreien von Jakubów und Grodowiec, in Rathäusern und zuletzt im Tourismusbüro an der Brücke. Den Paszport Pielgrzyma gibt der Verein „Przyjaciele Dróg św. Jakuba w Polsce“ aus, ab 100 Kilometern zu Fuß gibt es das Zertifikat; bestell mindestens zehn Tage vor Abreise online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist — er ist auch die Grundlage für die Compostela in Santiago. Plane die Tagesetappen vorher durch, weil du zwischen Pfarrquartier, Pension und Agroturystyka wechselst; am einfachsten gelingt das direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.
Was dich der Weg kostet
Rechne mit 130 bis 200 Złoty pro Tag, also etwa 30 bis 46 Euro — nicht wegen spanischer Herbergspreise, sondern weil Polen insgesamt günstig ist. Das Pilgerquartier der Pfarrei Jakubów ist kostenlos; sonst kosten Pension oder Agroturystyka je nach Saison 100 bis 200 Złoty pro Zimmer, in Bolesławiec und Zgorzelec auch mehr. Ein Mittagessen liegt bei 40 Złoty, ein Bier bei 15, das Wasser unter 2. Weil der ganze Weg nur sechs bis acht Tage dauert, bleibt die Summe übersichtlich: rund 800 bis 1.400 Złoty für die Strecke (190 bis 325 Euro) plus An- und Rückreise, dazu der Pilgerausweis für wenige Złoty und das Zertifikat für 19. Sparsame kommen auf 90 bis 130 Złoty am Tag, Genießer auf 250 bis 300 — alle Preise Stand: August 2026, gerechnet zu 4,31 Złoty je Euro.
Anreise
Głogów liegt an der Bahnstrecke Wrocław–Zielona Góra mit Verbindungen den ganzen Tag; ab Wrocław Główny brauchst du 1:11 bis 2:00 Stunden. Aus dem deutschsprachigen Raum fliegst du nach Wrocław oder Poznań — oder du nimmst den eleganteren Weg: Bahn nach Görlitz, zu Fuß über die Altstadtbrücke, ab Zgorzelec per Zug nach Głogów.
Das Ende hat gleich zwei Bahnhöfe: Zgorzelec auf polnischer Seite Richtung Węgliniec und Wrocław, Görlitz gegenüber mit den trilex-Zügen nach Bautzen und Dresden. Dazwischen läufst du zu Fuß — Kontrollen gibt es an der Brücke seit 2007 keine mehr. Und wer nicht ganz durchgeht: Bolesławiec und Lubań liegen beide an der Bahnlinie nach Görlitz.
- Anreise nach Głogów: Bahn ab Wrocław Główny (1:11–2:00 h, Verbindungen ab 4:31 Uhr), auch direkt aus Zielona Góra und Poznań. Flughäfen: Wrocław-Strachowice (~120 km), Poznań-Ławica (~130 km). Aus Deutschland: Zug bis Görlitz, über die Brücke, weiter per Bahn.
- Rückreise ab Zgorzelec/Görlitz: Bahnhof Zgorzelec Richtung Węgliniec/Wrocław; Bahnhof Görlitz mit trilex nach Bautzen und Dresden, Anschluss Berlin, Leipzig, Prag. Beide Bahnhöfe wenige Minuten auseinander.
- Zwischeneinstieg: Bolesławiec halbiert den Weg (Bahnhof seit 1845, noch ~62 km bis Zgorzelec); Lubań ist der Kurzeinstieg für die Schlussetappe (29 km, mit der Eibe von Henryków Lubański); Polkowice erreichst du per Bus, wenn du nur ab dem Kupferrevier gehen willst.
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