Jakobsweg Schrobenhausen – Augsburg auf der Karte

Jakobsweg Schrobenhausen – Augsburg

52,9 Kilometer in drei Tagen, von Bahnhof zu Bahnhof: Die seit 2005 beschilderte Zuführung führt von Schrobenhausen an der Paar über die alte Wallfahrt Inchenhofen, Haunswies und Friedberg zum Augsburger Rathausplatz, wo der Augsburger Jakobsweg nach Süden weiterzieht. Unterwegs drei Jakobuskirchen, ein Dorf, das man im Spätmittelalter mit Santiago und Rom in einem Atemzug nannte, und eine Rokokokirche, die auf das Gelübde eines Jerusalempilgers zurückgeht.

20. Oktober 202610 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Schrobenhausen, Altstadt / Augsburg, Rathausplatz
  • Länge: 52,9 km
  • Etappen: 3 (wie beim Verein)
  • Dauer: 3 Tage, sportlich 2
  • Höhenmeter: ↗ 353 m / ↘ 285 m
  • Höchster Punkt: 529 m zwischen Haunswies und Derching (km 31,1); tiefster Punkt 412 m im Paartal bei Schrobenhausen
  • Charakter: Zuführung zum Bayerisch-Schwäbischen Jakobsweg, beschildert seit 2005
  • Regionen: Schrobenhausener Land, Wittelsbacher Land, Augsburg
  • Markierung: Jakobsweg-Beschilderung; der Hauptweg trägt die gelbe Muschel auf weißem Grund
  • Anschluss: am Rathausplatz in Augsburg an den Augsburger Jakobsweg (Ostroute) und den Augsburger Jakobsweg (Memmingen) (Westroute)

Überblick

Der Jakobsweg Schrobenhausen – Augsburg ist ein kurzer Weg mit langem Gedächtnis. 52,9 Kilometer führen von der Spargelstadt an der Paar nach Westen, über das Hügelland zwischen Paar und Lech, durch Inchenhofen, Hollenbach und Haunswies hinauf auf 529 Meter, dann hinab über Derching und Friedberg in die Augsburger Altstadt. Der Verein nennt die Strecke „Vom Spargelland in die Fuggerstadt" und teilt sie in drei entspannte Tage; Schrobenhausen und Friedberg haben Bahnhöfe, Augsburg ohnehin, und so ist der Weg das, was Pilgerwege in Deutschland selten sind: ein vollständiger Jakobsweg für ein langes Wochenende.

Erstaunlich ist die Dichte. In Schrobenhausen, Haunswies und Friedberg stehen Jakobuskirchen, am Ziel wartet St. Jakob in Augsburg mit seiner Pilgerherberge im Turm. Dazwischen liegt Inchenhofen, heute ein stiller Markt im Wittelsbacher Land, um 1400 nach Schätzung des Heimatvereins Ziel von vermutlich einer halben Million Wallfahrern im Jahr. Ehrlich gesagt ist das Gehen selbst unspektakulär — Felder, Waldstücke, Dörfer, am Ende Stadt —, aber kaum ein Weg dieser Länge erzählt so viel darüber, wie Bayern früher gepilgert ist.

Andere Namen

Offiziell läuft die Strecke unter dem Titel „Vom Spargelland in die Fuggerstadt"; Wikipedia beschreibt sie als Zuführung von Schrobenhausen über Friedberg zum Bayerisch-Schwäbischen Jakobusweg, Augsburg Tourismus als Teilstück des bayerisch-schwäbischen Jakobus-Pilgerwegs. Einen eigenen, festen Wegnamen hat sie nicht. Der Verein rechnet mit 54 Kilometern, unsere 52,9 Kilometer stammen aus der Camino-Ninja-Karte.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Ideal ist der Weg, wenn du drei Tage hast und einen echten Pilgerweg gehen willst, nicht nur eine Wanderung: Start und Ziel liegen an der Bahn, die Etappen messen 14,5 bis 23,8 Kilometer, das Profil ist sanft. Ideal auch als Probelauf vor einem langen Camino — Schuhe, Rucksack und Tagesrhythmus testen, ohne dass etwas schiefgehen kann — oder als Auftakt, wenn du in Augsburg auf den Augsburger Jakobsweg Richtung Allgäu und Bodensee weitergehen willst. Wer Kirchen liebt, bekommt drei Jakobuspatrozinien, eine der großen spätmittelalterlichen Wallfahrten Süddeutschlands und Rokoko von Cosmas Damian Asam.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du abends Pilgerherberge und Pilgergemeinschaft suchst: Bis Augsburg schläfst du in Gasthöfen, und in Haunswies gibt es nur wenige Zimmer. Nichts für dich auch, wenn du Berge, Weite oder Einsamkeit erwartest — die letzten acht Kilometer ab Friedberg führen durch Vorstadt und Stadt, und das Gelände bleibt auf der ganzen Strecke freundliches Hügelland.

Streckenverlauf & Landschaft

Du startest in der Altstadt von Schrobenhausen, deren Stadtwall mit zwölf erhaltenen Türmen auf das frühe 15. Jahrhundert zurückgeht, und verlässt das Paartal nach Westen. Über Hörzhausen und Unterbernbach geht es durch Felder und kleine Waldstücke nach Inchenhofen (km 14,5), dessen Wallfahrtskirche St. Leonhard man schon von Weitem sieht. Am zweiten Tag wird es hügeliger: über Hollenbach, Schönbach, Igenhausen und Sankt Georg nach Haunswies (km 29,1) im Gemeindegebiet von Affing.

Kurz hinter Haunswies erreichst du mit 529 Metern den höchsten Punkt (km 31,1), danach geht es auf dem Lechrain hinab über Derching, Stätzling und Wulfertshausen nach Friedberg (km 44,3), das hoch über dem Lechtal liegt. Von dort sind es noch rund acht Kilometer, über den Lech und durch die Augsburger Ostviertel, bis du auf den letzten knapp zwei Kilometern auf den Augsburger Jakobsweg triffst und mit ihm den Rathausplatz erreichst.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Wir folgen der Dreiteilung des Vereins. Die Kilometer stammen aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 52,9 km kalibriert; die Anstiege haben wir aus den Höhenpunkten der Karte gerechnet.

  1. Schrobenhausen → Inchenhofen (14,5 km) — ↗ 65 m; Paartal, Hörzhausen, Unterbernbach, Wallfahrtskirche St. Leonhard.
  2. Inchenhofen → Haunswies (14,6 km) — ↗ 121 m; Hollenbach, Igenhausen, Sankt Georg, Jakobuskirche Haunswies.
  3. Haunswies → Augsburg (23,8 km) — ↗ 166 m; höchster Punkt, Derching, Stätzling, Friedberg mit Herrgottsruh, Lechübergang, Rathausplatz.

Schwierigkeit: leicht. Kein Tag bringt mehr als rund 170 Höhenmeter Anstieg; du gehst auf Feld- und Wirtschaftswegen, Nebenstraßen und durch Ortschaften, ab Friedberg überwiegend auf Asphalt. Wer es sportlich mag, geht den Weg in zwei Tagen mit einer Übernachtung in Haunswies (28,7 und 23,8 km) — dann sollte das Zimmer dort fest gebucht sein. Wer es gemütlicher will, teilt die letzte Etappe in Friedberg (15,2 und 8,6 km).

Das Dorf, das man mit Santiago in einem Atemzug nannte

Inchenhofen ist heute ein stiller Markt im Wittelsbacher Land. Im 14. Jahrhundert, so schreibt das bayerische Museumsportal, wurde der Ort in einem Atemzug mit Santiago de Compostela und Rom genannt. Der Grund war der heilige Leonhard, Patron des Viehs und der Gefangenen. Seit 1283 betreuten die Zisterzienser des Klosters Fürstenfeld die Wallfahrt, 1332 weihte ein Augsburger Weihbischof, Heinrich von Kiew, eine erste große Basilika, und zwischen 1450 und 1457 entstand die heutige Kirche. Nach den Mirakelbüchern der Mönche kamen Pilger aus Südpolen, Böhmen und Burgund; der Heimatverein schätzt, dass um 1400 vermutlich eine halbe Million im Jahr den Ort erreichten. Die Fürstenfelder blieben bis zur Säkularisation 1803, und in der Mundart heißt Inchenhofen bis heute nach seinem Heiligen „Leahad".

Für dich als Pilger ist das eine Lektion in Perspektive. Der Weg, den du gehst, war im Spätmittelalter ein Zuweg zu einem der großen Wallfahrtsorte Europas — und die Jakobuskirche in Schrobenhausen trägt ihr Patrozinium nach Wikipedia „vermutlich" wegen der Lage an einem Zubringer nach Santiago. Heute kommen am Pfingstmontag und am Leonhardiritt Anfang November noch Tausende, das Wallfahrtsmuseum mit Mirakelbüchern und Votivgaben öffnet nach Vereinbarung. Den Rest des Jahres hast du St. Leonhard meist für dich.

Highlights am Weg

  • Stadtbefestigung Schrobenhausen — rund 1.300 Meter Stadtwall mit zwölf erhaltenen Türmen, ausgebaut im frühen 15. Jahrhundert unter Herzog Ludwig dem Gebarteten.
  • St. Jakob, Schrobenhausen — spätgotische Hallenkirche des 15. Jahrhunderts, Wandmalereien von 1461, Gedenkstein für Ludwig den Gebarteten von 1419.
  • Lenbachmuseum und Spargelmuseum, Schrobenhausen — Geburtshaus des Malerfürsten Franz von Lenbach (1836–1904) und das Europäische Spargelmuseum; Spargelsaison Mitte April bis 24. Juni.
  • Wallfahrtskirche St. Leonhard, Inchenhofen — erbaut 1450–1457, Rokoko-Ausstattung von 1757, Wallfahrtsmuseum nach Vereinbarung; Leonhardiritt am ersten Sonntag im November.
  • St. Jakobus der Ältere, Haunswies — Chor im Kern von 1507, Langhaus 1777, Chorfresko von 1915: Jakobus hilft Armen und Kranken; am Hochaltar sein Martyrium.
  • St. Sebastian, Derching — ehemalige Pfarrkirche, eines der am besten erhaltenen romanischen Bauwerke der Gegend.
  • St. Georg, Stätzling — Pfarrkirche mit Stuck der Wessobrunner Schule.
  • Wallfahrtskirche Herrgottsruh, Friedberg — 1731 begonnen, 1753 geweiht, Fresken von Cosmas Damian Asam und Matthäus Günther.
  • Schloss Friedberg — 1257 erbaut, heute Museum mit Friedberger Uhren aus der Zeit, als die Stadt ein Zentrum der Uhrmacher war.
  • St. Jakob, Augsburg — Ziel deines Weges, mit der Pilgerherberge im Kirchturm.

Ein Gelübde aus der Gefangenschaft

Die schönste Pilgergeschichte des Wegs steht kurz vor dem Ziel. Nach der Legende gelobte ein Jerusalempilger, der in türkische Gefangenschaft geraten war, eine Kapelle zu bauen, falls er heimkehre — und hielt nach seiner Rückkehr Wort; 1964 fand man unter der heutigen Kirche tatsächlich die Fundamente einer kleinen Kapelle, wohl eine Nachbildung des Heiligen Grabes. Das Gnadenbild „Christus in der Rast" stammt aus der Zeit um 1496, der Chor wurde in jenem Jahr geweiht.

Aus dem Gelübde wurde einer der großen Rokokobauten Bayerns: 1731 legte Kurfürst Karl Albrecht den Grundstein für den Neubau, 1753 wurde er geweiht, Cosmas Damian Asam malte die Kuppeln, Matthäus Günther vollendete die Fresken. Ein Pilger, der nicht nach Hause kommen durfte, hat damit den Pilgern, die heute auf dem Weg nach Augsburg vorbeikommen, die letzte große Rast gebaut — passender Name inklusive.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Einen markierten Zubringer nach Schrobenhausen gibt es nicht; die Stadt ist ein Startpunkt, kein Durchgangsort. Du kommst mit der Paartalbahn, die etwa stündlich zwischen Ingolstadt und Augsburg fährt — aus München mit Umstieg in Ingolstadt oder Augsburg, aus Regensburg und Nürnberg über Ingolstadt.

Andere Jakobswege berühren die Strecke nicht: Der Ostbayerische Jakobsweg verläuft gut 25 Kilometer weiter nördlich, der Münchner Jakobsweg mehr als 30 Kilometer weiter südlich. In Augsburg selbst triffst du am Ende auf die Nordroute des Augsburger Jakobswegs, die aus Oettingen über Donauwörth kommt, und auf die Via Romea Germanica, den Romweg des Abtes Albert von Stade, die ebenfalls durch die Altstadt führt.

Weiterpilgern?

Am Rathausplatz beginnt das eigentliche Abenteuer. Nach Süden hast du die Wahl: Die Ostroute des Augsburger Jakobswegs führt über Bad Wörishofen und Ottobeuren nach Bad Grönenbach und weiter nach Ermengerst, die Westroute Augsburger Jakobsweg (Memmingen) nimmt den Bogen über Oberschönenfeld, Babenhausen und Memmingen. Beide treffen sich in Bad Grönenbach wieder.

In Ermengerst übernimmt der Münchner Jakobsweg und führt über Scheidegg nach Lindau an den Bodensee; von Schrobenhausen bis dorthin sind es je nach Route rund 260 bis 270 Kilometer, also knapp zwei Wochen. Wer nur drei Tage hatte, nimmt in Augsburg den Zug nach Hause — und weiß, wo es beim nächsten Mal weitergeht.

Vorbereitung & Praktisches

Gehen kannst du das ganze Jahr, am schönsten von April bis Oktober. Kulinarisch ist die Spargelzeit von Mitte April bis zum 24. Juni die beste Zeit für den Start in Schrobenhausen. Plane um zwei Termine herum: Am Pfingstmontag und am Leonhardiritt am ersten Sonntag im November ist Inchenhofen voll — schön zum Erleben, schlecht für die Zimmersuche. Die Strecke ist beschildert; den GPS-Track brauchst du vor allem an Abzweigen in den Feldfluren und in Augsburg. Deine Etappen und Quartiere planst du am einfachsten in der Camino Ninja App.

Pilgerherbergen gibt es an der Strecke keine. Der Verein nennt Gasthöfe in allen drei Etappenorten — in Schrobenhausen etwa den Gasthof Baur'n Bräu, in Inchenhofen Klaras Gästehaus, in Haunswies den Gasthof Zum Bachwirt, in Friedberg den Gasthof Kreisi — und rät, die Öffnung vorher zu klären. Ist in Haunswies nichts frei, weichst du per Taxi oder Bus ins nahe Aichach aus. In Augsburg wartet die Pilgerherberge im Turm von St. Jakob: sechs Plätze, Küche und Dusche, geöffnet von Ostermontag bis Ende Oktober, nur nach Anmeldung und mit Pilgerausweis.

Den Pilgerpass gibt der Verein am Weg heraus, 6,00 € plus 1,80 € Versand (Stand: September 2026). Stempel bekommst du unterwegs am ehesten in den Pfarrbüros und Gasthöfen — frag einfach nach.

Was dich der Weg kostet

Rechne mit Gasthofpreisen: Eine Pilgergruppe der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft zahlte 2024 auf dieser Strecke rund 60 € pro Person und Nacht mit Frühstück; als Alleinpilger im Einzelzimmer kann es mehr werden. Für Verpflegung mit einer Einkehr kommen 25 bis 35 € am Tag dazu (Erfahrungswerte, Stand: Oktober 2026). Die Herberge in Augsburg arbeitet auf Spendenbasis.

Für drei Tage mit zwei Gasthofnächten und einer Nacht in Augsburg landest du damit grob bei 200 bis 260 € ohne Anreise; die Bahnfahrt zum Start und vom Ziel kostet im Regionalverkehr nur wenig. Die Kirchen am Weg kosten nichts.

Anreise

Zum Start: Schrobenhausen liegt an der Paartalbahn Ingolstadt – Augsburg, die Züge fahren etwa stündlich; aus München steigst du in Ingolstadt oder Augsburg um. Vom Bahnhof sind es wenige Minuten in die Altstadt.

Unterwegs und am Ziel: Inchenhofen, Hollenbach und Haunswies haben keine Bahn; nächster Bahnhof ist meist Aichach an derselben Linie, einige Kilometer abseits des Wegs. Friedberg hat einen Bahnhof an der Paartalbahn, praktisch, wenn du die letzte Etappe teilen willst. In Augsburg endest du am Rathausplatz, eine Viertelstunde zu Fuß vom Hauptbahnhof, dem Fernverkehrsknoten Richtung München, Stuttgart, Ulm und Nürnberg.

  • Bahn: bahn.de — Schrobenhausen, Aichach, Friedberg, Augsburg Hbf
  • Region: wittelsbacherland.de — Wittelsbacher Land, Wander- und Busauskünfte
  • Achtung: keine Bahn in Inchenhofen und Haunswies — Zimmer in Haunswies vorher fest buchen

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