Via Romea Germanica (Deutschland)
Die Via Romea Germanica folgt dem Weg, den Abt Albert von Stade um 1236 nach Rom beschrieb. Der deutsche Teil führt in 1.094,8 Kilometern von Stade an der Elbe durch Stader Geest, Lüneburger Heide, Harz, Thüringer Wald, Rhön, Franken, Ries und Schwaben bis an die Tiroler Grenze bei Scharnitz – 54 Etappen, knapp 9.000 Höhenmeter, markiert mit dem Pilgerstab auf blauem Grund. Kein Jakobsweg nach Santiago, sondern ein Rompilgerweg, der unterwegs ein Dutzend Jakobswege kreuzt oder ein Stück mitnimmt.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07„Bone Tirri, Romam ire volo“: Abt Albert schreibt einen Reiseführer
- 08Von der Vereinsgründung zum Pilgerstab: wie der Weg wiederkam
- 09Highlights am Weg
- 10Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 11Weiterpilgern?
- 12Vorbereitung & Praktisches
- 13Was dich der Weg kostet
- 14Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Innenhof des ehemaligen Franziskanerklosters in Stade an der Statue des Abtes Albert / Scharnitz an der Grenze zu Tirol; der Träger lässt die deutschen Etappen in Mittenwald enden, die Camino-Ninja-Karte führt bis Scharnitz
- Länge: 1.094,8 km
- Dauer: 54 Etappen, Ø 20,3 km, längste 37,6 km (Dinkelsbühl–Nördlingen)
- Höhenmeter: ↗ 8.900 m / ↘ 7.961 m
- Höchster Punkt: 1.010 m bei km 1.073,3 bei Kaltenbrunn zwischen Garmisch-Partenkirchen und Klais; tiefster Punkt Stade mit 2 m
- Landschaft: Geest, Moor und Heide im Norden, Harz und Thüringer Wald in der Mitte, Mainfranken und Taubertal, das Nördlinger Ries, Lechfeld, Pfaffenwinkel und Werdenfelser Land
- Träger: Förderverein Romweg – Abt Albert von Stade e.V., gegründet 2009 in Hornburg, mit Partnern in Österreich und Italien
- Markierung: Pilgerstab mit dem Schriftzug VIA ROMEA GERMANICA auf blauem Grund, meist als Aufkleber
- Pilgerpass: Pilgerstempelpass Stade–Rom für 7 € beim Ostfalia-Verlag (Stand: September 2026)
- Unterkunft: Pfarrheime und Gemeindesäle nach Vereinbarung, wenige echte Pilgerherbergen, Jugendherbergen, Pensionen und Hotels
- Anschlusswege: in Scharnitz weiter auf der Via Romea Germanica (Österreich); unterwegs kreuzen oder begleiten dich 16 Jakobswege
- Beste Zeit: Mai bis Oktober; der Harz, der Thüringer Wald und die Alpenetappen können bis in den Mai Schnee haben
Überblick
Die Via Romea Germanica ist der Romweg des Nordens. Um 1236 reiste Abt Albert vom Marienkloster in Stade zum Papst, und in seiner Chronik, den Annales Stadenses, hinterließ er eine Wegbeschreibung mit Orten und Meilen. Daraus hat ein Verein seit 2009 einen markierten Pilgerweg gemacht, der rund 2.200 Kilometer von der Elbe bis zum Petersplatz führt. Der deutsche Teil ist knapp die Hälfte davon.
Du gehst durch fast alle deutschen Mittelgebirgs- und Kulturlandschaften zwischen Nord und Süd. Erst flach durch Moor und Heide, dann über den Harz und den Rennsteig, durch Weinberge am Main, durch die Mauern von Rothenburg, Dinkelsbühl und Nördlingen, am Lech entlang nach Augsburg und durch den Pfaffenwinkel an die Alpen. Zweimal überschreitest du die ehemalige innerdeutsche Grenze: hinter Hornburg und bei Eußenhausen.
Ehrlich gesagt: Das ist kein Jakobsweg nach Santiago, sondern ein Weg nach Rom, und die Infrastruktur ist dünner als auf dem Camino Francés. Es gibt wenige Pilgerherbergen, viele Unterkünfte „nach Vereinbarung“, und du wirst selten andere Pilger treffen. Dafür teilt sich die Via Romea immer wieder Trassen mit Jakobswegen.
Andere Namen
Der Träger schreibt VIA ROMEA Germanica, im Alltag heißt der Weg einfach Via Romea oder Romweg, im Vereinsnamen Romweg – Abt Albert von Stade. Italiener sagen auch Via Romea di Stade. Die mittelalterliche Grundlage nennen Historiker das Stader Itinerar. Einzelne Abschnitte hatten eigene Namen: Bei Celle hieß der Weg Dietweg oder Folkweg, über den Harz Trockweg. „Romea“ bezeichnet im Italienischen einen Weg der Rompilger.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal, wenn du eine lange Strecke durch Deutschland gehen willst, die nicht an Landesgrenzen haltmacht, und wenn dich Geschichte reizt, die schon im Mittelalter aufgeschrieben wurde. Ideal auch, wenn du den Weg in Stücken gehst: Fast jede Etappe endet an einem Bahnhof oder einer Buslinie, und die zwölf Regionen des Trägers eignen sich als Urlaubswochen.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Herbergsleben mit Pilgergemeinschaft suchst: Du bist oft allein, Unterkünfte musst du fast überall selbst organisieren, und viele Pfarrheime öffnen nur nach Anruf. Nichts für dich auch, wenn du jeden Tag eine flache 20-Kilometer-Etappe erwartest: Zwischen Dinkelsbühl und Schongau liegen drei Etappen mit 36 bis 38 Kilometern, die du teilen solltest. Und im Norden ist viel Asphalt – schon auf der ersten Etappe laut Tourenportal fast die Hälfte.
Streckenverlauf & Landschaft
Von der Elbe über den Harz (km 0–393): Aus Stade geht es durch die Geest nach Harsefeld und Zeven, durch Moor und Heide über Soltau nach Celle (km 199,3), dann durch dichter besiedeltes Land nach Braunschweig (km 261,5), Wolfenbüttel und Hornburg. Hinter der alten Grenze bei Osterwieck steigt der Weg über Wernigerode in den Harzwald und fällt über Hasselfelde nach Nordhausen (km 392,8) ab.
Durch Thüringen und Franken (km 393–844): Durchs Thüringer Becken kommst du über Bad Langensalza nach Gotha (km 500,1), über den Rennsteig nach Schmalkalden und Meiningen. Durch die Rhön geht es nach Schweinfurt und Würzburg (km 690,1), am Main nach Ochsenfurt, durchs Taubertal nach Rothenburg ob der Tauber, über die Frankenhöhe nach Dinkelsbühl und in den Meteoritenkrater des Ries nach Nördlingen (km 843,6).
Von der Donau an die Alpen (km 844–1.094,8): Das Wörnitztal führt über Harburg nach Donauwörth, der Lech nach Augsburg (km 934,3). Nach dem weiten Lechfeld beginnt ab Schongau der Pfaffenwinkel. Über Oberammergau und Ettal geht es nach Garmisch-Partenkirchen, hinauf zum höchsten Punkt bei Kaltenbrunn, nach Mittenwald unter dem Karwendel und durchs Isartal nach Scharnitz.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Wir folgen den 54 Etappen des Trägers, die Kilometer stammen aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 1.094,8 km kalibriert. Zwei Abweichungen: Das offizielle Etappenziel Bellen (Etappe 5/6) liegt nicht auf unserer Ortskette, wir setzen Brockel; und die letzte Etappe führt über Mittenwald hinaus bis Scharnitz. Garmisch-Partenkirchen, Bad Neustadt, Schweinfurt und Rothenburg liegen 0,6 bis 1,0 Kilometer neben der Trasse.
- Stade → Harsefeld (23,5 km) — Auf einem Damm durchs Frankenmoor zum ehemaligen Kloster Harsefeld.
- Harsefeld → Zeven (28,3 km) — Weite Flächen und kleine Dörfer bis zur St.-Viti-Kirche.
- Zeven → Gyhum (14,7 km) — Flach, am Rand des Königsmoors.
- Gyhum → Scheeßel (16,9 km) — Norddeutsches Tiefland, Scheeßel mit voller Versorgung.
- Scheeßel → Brockel (14,3 km) — Moorlandschaft; in Brockel einkaufen.
- Brockel → Neuenkirchen (20,5 km) — Am Hahnenbach durchs Moor zur Pilgerherberge in der Pfarrscheune.
- Neuenkirchen → Soltau (11,2 km) — Heide und Moor am Westrand der Lüneburger Heide.
- Soltau → Wietzendorf (15,6 km) — Wald entlang der Bahn zur Jakobikirche.
- Wietzendorf → Bergen (17,4 km) — Durchs Wietzendorfer Moor, Lichtungen und Wäldchen.
- Bergen → Sülze (10,9 km) — An Hügelgräbern vorbei nach Wohlde und in den alten Salzort.
- Sülze → Celle (26,0 km) — Dörfer, dann lange durch Wald in die Residenzstadt.
- Celle → Eltze (28,7 km) — Über Wienhausen mit seinem Kloster nach Süden.
- Eltze → Braunschweig (33,5 km) — Lang, über Rietze und Wendeburg.
- Braunschweig → Wolfenbüttel (14,7 km) — Kurzer Tag in die Lessingstadt.
- Wolfenbüttel → Hornburg (23,1 km) — Über Börßum zur Burgstadt am Harzrand.
- Hornburg → Osterwieck (11,8 km) — Über die alte innerdeutsche Grenze.
- Osterwieck → Wernigerode (21,0 km) — Feldwege, sanfter Anstieg, Aussichtspunkt Charlottenlust.
- Wernigerode → Elbingerode (11,9 km) — Durch den Harzwald auf die Hochfläche.
- Elbingerode → Hasselfelde (18,6 km) — Am Kalksteinbruch und an Königshütte vorbei.
- Hasselfelde → Neustadt/Harz (21,1 km) — Überwiegend Wald, fast eben, am Ende bergab.
- Neustadt/Harz → Nordhausen (9,1 km) — Die kürzeste Etappe, in den offenen Südharz.
- Nordhausen → Münchenlohra (19,1 km) — Kleine Orte Richtung Thüringer Becken.
- Münchenlohra → Ebeleben (28,2 km) — Hügel des Thüringer Beckens, lang und einsam.
- Ebeleben → Kirchheilingen (19,5 km) — Dörfer und Felder.
- Kirchheilingen → Bad Langensalza (14,3 km) — Auf einer alten Bahntrasse über Thamsbrück.
- Bad Langensalza → Gotha (26,2 km) — Welliges Hügelland, am Ende die Residenzstadt.
- Gotha → Friedrichroda (17,9 km) — Anstieg aus dem Becken an den Thüringer Wald.
- Friedrichroda → Schmalkalden (21,9 km) — Übers Spießberghaus und den Rennsteig, Abstieg über Floh-Seligenthal.
- Schmalkalden → Meiningen (22,5 km) — Waldig, dann hinunter ins Werratal.
- Meiningen → Mellrichstadt (23,5 km) — Wald und Flur, bei Eußenhausen über die alte Grenze.
- Mellrichstadt → Bad Neustadt (16,7 km) — Durchs Streutal in offene Hügel.
- Bad Neustadt → Münnerstadt (12,5 km) — Hügel und Wälder der Rhön.
- Münnerstadt → Schweinfurt (28,3 km) — Weites Tal, zuletzt durch die Vororte.
- Schweinfurt → Bergtheim (27,5 km) — Am Main über Wipfeld, dann aufs Land.
- Bergtheim → Würzburg (19,2 km) — Durch die Felder in die Bischofsstadt.
- Würzburg → Ochsenfurt (23,2 km) — Das Maintal hinauf, über Eibelstadt und Sommerhausen.
- Ochsenfurt → Aub (15,8 km) — Über Hopferstadt und Oellingen durch den Ochsenfurter Gau.
- Aub → Rothenburg ob der Tauber (27,4 km) — Ins Taubertal, über Tauberzell und Detwang.
- Rothenburg → Schillingsfürst (15,7 km) — Hinauf auf die Frankenhöhe.
- Schillingsfürst → Feuchtwangen (20,9 km) — Entlang der Romantischen Straße, über Kloster Sulz.
- Feuchtwangen → Dinkelsbühl (12,9 km) — In die ummauerte Stadt.
- Dinkelsbühl → Nördlingen (37,6 km) — Die längste Etappe, über Wilburgstetten, Fremdingen und Wallerstein in den Ries; in Fremdingen teilen.
- Nördlingen → Harburg (27,4 km) — Offenes Land und Wald, über Mönchsdeggingen zur Burg.
- Harburg → Donauwörth (14,9 km) — Die Wörnitz entlang bis zur Mündung in die Donau.
- Donauwörth → Meitingen (26,0 km) — Kleine Dörfer, Kloster Holzen.
- Meitingen → Augsburg (22,4 km) — Am Lechkanal entlang in die Stadt.
- Augsburg → Igling (37,1 km) — Übers Lechfeld und Klosterlechfeld; in Untermeitingen teilen.
- Igling → Schongau (36,2 km) — Über Denklingen, Hohenfurch und Altenstadt; in Denklingen teilen.
- Schongau → Rottenbuch (17,4 km) — Durchs Ammertal; Peiting bleibt 3,5 Kilometer abseits.
- Rottenbuch → Saulgrub (11,1 km) — Über die Echelsbacher Brücke, erste Alpenblicke.
- Saulgrub → Oberammergau (12,7 km) — In die Ammergauer Alpen.
- Oberammergau → Garmisch-Partenkirchen (19,2 km) — Über Ettal und Oberau, Farchant ins Loisachtal.
- Garmisch-Partenkirchen → Klais (12,6 km) — Zum höchsten Punkt bei Kaltenbrunn.
- Klais → Scharnitz (14,2 km) — Nach Mittenwald, dem offiziellen Ende in Deutschland, und durchs Isartal an die Grenze.
Die Schwierigkeit liegt nicht in den Höhenmetern, sondern in der Länge und in der Logistik. Nennenswert steigen nur Harz, Thüringer Wald und Alpenrand an; im Norden ist viel Asphalt. Die langen Etappen im Ries und am Lech solltest du teilen, die kurzen im Harz und in der Heide kannst du zusammenlegen.
„Bone Tirri, Romam ire volo“: Abt Albert schreibt einen Reiseführer
Albert von Stade wurde 1232 Abt des Benediktinerklosters St. Marien in Stade. Um 1236 ging er nach Rom, um sich von Papst Gregor IX. eine strengere Klosterregel nach Zisterzienserart genehmigen zu lassen. Der Papst stimmte zu, die Mönche zu Hause nicht. 1240 trat Albert zu den Franziskanern ins Johanniskloster über, in dessen Innenhof heute der Weg beginnt, und schrieb dort seine Weltchronik bis zum Jahr 1256.
Mitten in diese Chronik, beim Jahr 1152, setzte er ein Gespräch zweier Mönche, Tirri und Firri. Die beiden teilen Wein mit Rechenrätseln – der Mathematikhistorie gilt das als erstes Umfüllrätsel überhaupt – und dann fragt Firri nach dem Weg: „Bone Tirri, Romam ire volo, expedias me de itinere.“ Tirri verspricht: „Loca tibi nominabo et miliaria interponam.“ Und er nennt Orte und Meilen, für mehrere Routen über Mont Cenis, Gotthard, Großen Sankt Bernhard und Brenner. Der Historiker Heinrich Krüger prüfte die Angaben in den 1950er-Jahren und fand sie so genau, dass sie im Toleranzbereich eines modernen Kilometerzählers lagen.
Für dich heißt das: Die heutige Via Romea Germanica folgt der Brenner-Variante, die Albert laut Verein für seinen Rückweg nahm – nur in Gegenrichtung, von Nord nach Süd. Das einzige erhaltene Manuskript der Chronik, eine Abschrift aus dem 14. Jahrhundert, liegt in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel, am Ziel der 14. Etappe. Ehrlich gesagt: Welche Orte Albert genau nannte, weicht an vielen Stellen von der markierten Trasse ab, und ob die Reise 1236 oder 1237 stattfand, geben die Quellen unterschiedlich an.
Von der Vereinsgründung zum Pilgerstab: wie der Weg wiederkam
Am 30. Januar 2009 gründeten Gemeinden vom Harzrand bis Bayern in Hornburg den Förderverein Romweg – Abt Albert von Stade; erster Vorsitzender war der Hornburger Bürgermeister. Heute gehören 28 deutsche Städte und Gemeinden dazu. Mit italienischen Partnern entstand das gemeinsame Logo, der Pilgerstab auf blauem Grund, 2018 die europäische Dachvereinigung mit Partnern aus Deutschland, Österreich und Italien.
Im Herbst 2020 zertifizierte der Europarat die Via Romea Germanica als Kulturroute. 2024 kam sie in eine Sonderprüfung, und auf der Routenseite des Europarats steht heute, dass die Zertifizierung 2025 wieder entzogen wurde; der deutsche Verein erwähnt das auf seiner Website nicht. Der Weg selbst ist davon unberührt: Markierung, Pilgerpass und Stempelstellen werden weiter gepflegt, 2025 kamen etwa vier neue Stempel in der Pfarrgemeinschaft Fremdingen dazu.
Highlights am Weg
- Johanniskloster Stade (km 0) — Start im Innenhof des ehemaligen Franziskanerklosters an der Statue des Abtes Albert, der hier seine Chronik schrieb.
- Braunschweig (km 261,5) — Stadt Heinrichs des Löwen mit Dom und Burgplatz; Kreuzungspunkt mit dem Braunschweiger Jakobsweg.
- Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel (km 276,2) — hier liegt die einzige Handschrift der Annales Stadenses.
- Wernigerode (km 332,1) — Fachwerkstadt mit Schloss über den Dächern, Tor zum Harz.
- Würzburg (km 690,1) — Bischofsstadt am Main, Residenz und Dom; Ziel und Start mehrerer Jakobswege.
- Rothenburg ob der Tauber (km 756,5) — vorher in Detwang die Kirche im Taubertal, dann die Mauern der Altstadt; drei Jakobswege beginnen oder enden hier.
- Nördlingen (km 843,6) — Stadt mit vollständig erhaltener Mauer mitten im Ries, dem Krater eines Meteoriteneinschlags vor knapp 15 Millionen Jahren.
- Augsburg (km 934,3) — Römerstadt am Lech mit Dom und Fuggerei, Einlauf gemeinsam mit dem Augsburger Jakobsweg.
- Rottenbuch (km 1.025,0) — Stiftskirche am Beginn des Pfaffenwinkels, dessen Name von der Dichte an Klöstern und Wallfahrtskirchen kommt.
- Oberammergau und Ettal (km 1.048,8 und 1.055,8) — das Passionsspieldorf und das Benediktinerkloster Ettal am Ettaler Sattel.
- Mittenwald (km 1.089,2) — offizielles Ende des deutschen Teils unter dem Karwendel, bekannt für den Geigenbau.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Die meisten fahren mit der Bahn nach Stade oder steigen irgendwo unterwegs ein, oft abschnittsweise über mehrere Jahre. Viele kommen aber zu Fuß von einem Jakobsweg, denn die Via Romea teilt Trassen oder Kreuzungspunkte mit einem Dutzend davon:
- Via Jutlandica — kommt aus Dänemark und läuft die ersten rund 29 Kilometer mit, bis zwischen Hollenbeck und Kakerbeck.
- Via Baltica — rund 38 Kilometer gemeinsam von Harsefeld über Zeven bis Brümmerhof, dann nach Westen Richtung Bremen.
- Via Scandinavica — kurze gemeinsame Trasse bei Celle und Wienhausen.
- Braunschweiger Jakobsweg — Kreuzung in Braunschweig.
- Via Regia (Deutschland) — Kreuzung in Gotha.
- Jakobsweg Vacha–Fulda–Würzburg — endet in Würzburg.
- Fränkisch-Schwäbischer Jakobsweg — beginnt in Würzburg und läuft streckenweise parallel bis Rothenburg.
- Jakobsweg Main-Taubertal — seine letzten 14 Kilometer durchs Taubertal bis Rothenburg sind gemeinsam.
- Mittelfränkischer Jakobsweg — endet in Rothenburg, wo der Jakobsweg Rothenburg–Speyer und der Jakobsweg Rothenburg–Rottenburg beginnen.
- Jakobsweg Nürnberg–Ulm — gemeinsam von Wallerstein über Nördlingen bis Schmähingen.
- Ostbayerischer Jakobsweg — rund 20 Kilometer gemeinsam um Mönchsdeggingen und Harburg.
- Augsburger Jakobsweg — weitgehend gemeinsam von Harburg über Donauwörth bis Meitingen und im Einlauf nach Augsburg.
- Münchner Jakobsweg — rund 10 Kilometer gemeinsam bei Rottenbuch.
- Jakobsweg Isar-Inn — gemeinsam von Klais bis Mittenwald.
An diesen Abschnitten kennen viele Kirchen Pilger schon.
Weiterpilgern?
Ja, bis Rom. In Scharnitz beginnt die Via Romea Germanica (Österreich): 82,1 Kilometer über das Seefelder Plateau, Innsbruck und das Wipptal zum Brenner. Von dort führt die Via Romea Germanica (Italien) in 1.017,9 Kilometern über Bozen, Trient, Padua, Ferrara, Ravenna, den Apennin und Arezzo nach Rom – zusammen mit dem deutschen Teil 2.194,8 Kilometer.
Ab Montefiascone läuft die Via Romea praktisch auf der Via Francigena (Italien). In Rom stellt das Pilgerbüro Opera Romana Pellegrinaggi das Testimonium aus, wenn du mindestens die letzten 100 Kilometer zu Fuß gegangen bist und den gestempelten Pilgerpass vorlegst.
Vorbereitung & Praktisches
Pilgerpass und App. Einen Pilgerausweis brauchst du hier nicht, um überhaupt übernachten zu dürfen, aber viele Pfarrheime nehmen dich damit leichter auf, und in Rom ist er Bedingung für das Testimonium. Der offizielle Pilgerstempelpass Stade–Rom kostet 7 € beim Ostfalia-Verlag (Stand: September 2026) und hat Platz für alle Stempel bis Rom; bestell ihn vorab. Mit der Camino Ninja App hast du Karte und Track offline dabei; am einfachsten planst du den Weg direkt in der App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.
Unterkünfte früh klären. Der Verein führt ein Unterkunftsverzeichnis für Deutschland und Tirol, ausdrücklich ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Viele Einträge sind Pfarrheime und Gemeindesäle mit „Empfang nach Vereinbarung“ – ruf also ein, zwei Tage vorher an. In Städten wie Braunschweig oder Augsburg gibt es Jugendherbergen, in Würzburg das Exerzitienhaus Himmelspforten mit Pilgerbetten.
Sperrungen und Wetter. Im Sommer 2026 waren alle Wanderwege zwischen Ettal und Oberau bis voraussichtlich Ende August gesperrt; der Verein empfahl den Bus von Ettal nach Oberau oder einen längeren Umweg über Bad Kohlgrub und Eschenlohe (Stand: September 2026). Prüf vor den Alpenetappen, ob die Sperrung aufgehoben ist. Harz, Thüringer Wald und die Strecke ab Oberammergau können im April noch Schnee haben.
Was dich der Weg kostet
Die Formalien sind günstig: Pilgerpass 7 €, Stempel und Testimonium ohne Gebühr, soweit die Quellen etwas sagen (Stand: September 2026). Bei den Betten gibt es kaum veröffentlichte Preise. Die Pilgerherberge in der Pfarrscheune von Neuenkirchen nimmt 15 €, mit Wäschepaket 25 €; die Jugendherberge Braunschweig verlangt laut Preisliste 2025 für Erwachsene 48,60 € mit Frühstück im Mehrbettzimmer.
Rechne mit einem Mix: einige günstige Nächte in Pfarrheimen, viele in Pensionen und Gasthöfen zu deutschen Landpreisen. Unsere Schätzung, nicht belegt: 50 bis 80 € pro Tag mit Pensionen und Einkehr, deutlich weniger, wenn du oft in Pfarrheimen schläfst und selbst kochst. Wer abschnittsweise geht, zahlt zusätzlich die Bahnfahrten.
Anreise
Zum Start. Stade erreichst du von Hamburg mit der S-Bahn oder dem Regionalzug, der Bahnhof liegt am Rand der Altstadt, zum Johanniskloster sind es wenige Minuten zu Fuß.
Vom Ziel. Scharnitz liegt an der Mittenwaldbahn zwischen Innsbruck und Garmisch-Partenkirchen; von dort fährst du direkt nach Innsbruck oder über Garmisch nach München.
- Träger: viaromeagermanica.de — Etappen, Unterkunftsverzeichnis, Stempelstellen, aktuelle Sperrungen
- Pilgerpass: ostfalia-verlag.de — Pilgerstempelpass Stade–Rom, 7 €
- Bahn: bahn.de — Verbindungen nach Stade und ab Scharnitz ---
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