Orte

Ort am Jakobsweg

Beilstein

Germany

Unterkünfte
10
Camino
1
Höhe
115 m

Beilstein ist eine Kulisse mit echten Geschichten: Unter der Burgruine Metternich leben 132 Menschen zwischen Fachwerk und einer ehemaligen Synagoge. 108 Stufen führen hinauf zur Karmeliterkirche, deren Schwarze Madonna 1950 heimkehrte. Für den Mosel-Camino reicht ein Nachmittag, das Bett buchst du vorher.

Aktuell in Beilstein (Stand: Oktober 2026)

  • Burg Metternich: Die Burgruine ist nur noch bis zum 2. November geöffnet, 10 bis 18 Uhr, nach einer Angabe montags geschlossen. Danach öffnet sie erst im Frühjahr wieder.
  • Winter am Mosel-Camino: Ab November sind viele Betriebe an der Mosel zu, und die Weinbergpfade werden rutschig. Ruf vorher an, bevor du auf ein Bett oder eine Einkehr zählst.

Wie lange bleiben?

Ein Nachmittag reicht. Beilstein ist klein, und was du sehen solltest, liegt zwischen Moselufer und Burgberg: die Klosterkirche mit der Schwarzen Madonna, der Bergfried der Burgruine, der jüdische Friedhof und die Gassen mit der ehemaligen Synagoge. Wer auf der Fassung der Trierer Jakobusbruderschaft hier übernachtet, hat den Abend für den Marktplatz. Wer die lange Etappe von Treis-Karden nach Bullay geht, macht hier Mittag und zieht weiter.

Beilstein in Ninja-Zahlen

  • 132 Einwohner hatte Beilstein Ende 2025. Im Sommer legen trotzdem Ausflugsschiffe an, und die Gassen sind voll.
  • 108 Stufen hat die Klostertreppe hinauf zur Karmeliterkirche. Auf dem Bergfried der Burg sind es noch einmal über 120.
  • 10 jüdische Familien durften sich laut königlicher Erlaubnis von 1309 am Fuß der Burg ansiedeln. Im neunzehnten Jahrhundert war etwa jeder vierte Beilsteiner jüdisch.
  • 107,3 Kilometer sind es laut Camino Ninja von hier bis zum Apostelgrab in Trier, das Ziel des Mosel-Caminos. Für die Trierer Pilgerurkunde zählen die letzten 100.

Ankommen: von oben ins Bilderbuch

Auf dem Mosel-Camino kommst du nicht am Ufer an, sondern von oben. Von Treis steigst du über die Wildburg ins Flaumbachtal zum Kloster Maria Engelport, laut Camino Ninja 6,2 Kilometer vor Beilstein. Dort steht eine Entfernungstafel nach Santiago, und die Schwestern laden Pilger zu Messe und Chorgebet ein.

Hinter dem Kloster geht es durch den Wald bergauf zur Kreisstraße 36, rund 200 Meter auf der Straße, dann bei der Hütte „Schafstall“ links wieder in den Wald. Der Abstieg führt dich an der Klosterkirche und der Burgruine vorbei hinunter in den Ort. Du begegnest also zuerst den beiden Wahrzeichen und steigst dann in die Gassen ab.

Kurz erzählt: ein Burgherr, ein König und ein Krieg

Die Burg wird 1268 zum ersten Mal erwähnt, damals saßen hier die Herren von Braunshorn. Johann von Braunshorn, Hofmeister König Heinrichs VII., bekam um 1309 und 1310 das Recht, am Burgberg eine befestigte Stadt anzulegen, mit 40 Bürgern und zehn jüdischen Familien. Später herrschten die Winneburger, ab 1637 die Metternichs. Am 2. Februar 1689 zerstörten französische Truppen die Burg, sie wurde nie wieder aufgebaut.

1636 gründete Emmerich von Metternich ein Karmeliterkloster, dessen Kirche 1691 begonnen und um 1738 vollendet wurde. 1794 besetzten französische Revolutionstruppen das Land, und die Herrschaft der Metternichs endete. Das Ortsbild aus dem siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert ist weitgehend erhalten, und man nennt Beilstein das Dornröschen der Mosel.

Mehr als eine Kulisse

Beilstein sieht aus wie gebaut für die Kamera, und die Kamera hat es gefunden. Für Helmut Käutners „Der Schinderhannes“ mit Curd Jürgens entstanden 1958 Außenaufnahmen auf der Burgruine. Heinz Rühmann soll 1936 für „Wenn wir alle Engel wären“ hier gewesen sein, und Willi Millowitsch stieg für „Der wahre Jakob“ die Klostertreppe auf und ab.

Hinter der Kulisse liegt aber ein Ort, der von echten Menschen erzählt: von spanischen Soldaten, die im Dreißigjährigen Krieg eine Madonna zurückließen, von Mönchen, die der Überlieferung nach für Pilger eine große Kirche auf den Felsen setzten, und von einer jüdischen Gemeinde, die mit Unterbrechungen sechs Jahrhunderte lang hier lebte. Ihre Synagoge steht noch, ihr Friedhof liegt über der Burg. Wenn du durch Beilstein gehst, lohnt es sich, hinter die Fassaden zu schauen.

Treppauf durchs Dornröschen-Dorf: was du sehen solltest

Alles liegt nah beieinander, aber fast alles liegt oben. Rechne mit Stufen.

  • Karmeliterkirche St. Josef: Die Kirche des ehemaligen Karmeliterklosters steht auf einem Felsen über dem Ort. Ein Frater Wynant aus dem Kloster Springiersbach hat die dreischiffige Hallenkirche entworfen, 1691 war Grundsteinlegung, um 1738 war sie fertig. Die Ausstattung stammt aus der Bauzeit: der Hochaltar aus Nussbaum mit dem heiligen Josef und die geschwungene Orgelempore von 1738. Der Grund für deinen Besuch ist die Schwarze Madonna, eine Marienfigur aus dem zwölften oder dreizehnten Jahrhundert, vermutlich aus Spanien. Spanische Truppen ließen sie nach dem Dreißigjährigen Krieg hier zurück, und der Überlieferung nach bauten die Karmeliter ihre Kirche so groß, damit die Pilger Platz fanden. Erst 1950 kehrte die Figur nach Beilstein zurück. Gottesdienstzeiten stehen auf der Seite der Pfarreiengemeinschaft Beilstein-Moselkrampen.
  • Die Klostertreppe: 108 Stufen führen vom Ort hinauf zur Kirche, gesäumt von Fachwerkhäusern aus dem achtzehnten Jahrhundert. Man erzählt, die Mönche hätten sie angelegt und für ihre Fertigstellung von den Bewohnern eine Treppensteuer verlangt. Heute nennen Wanderführer sie auch die Rühmann-Treppe.
  • Burgruine Metternich: Die Burg wurde 1268 zum ersten Mal erwähnt, ihr Bergfried stammt aus der Zeit um 1200 und ist rund 25 Meter hoch. Über 120 Stufen führen hinauf, und oben überblickst du den Ort und die Moselschleife. In der Ruine gibt es ein Restaurant mit Terrasse. Erwachsene zahlen 3 € Eintritt, Kinder 1 € (Stand: Oktober 2025). Geöffnet bis zum 2. November.
  • Der jüdische Friedhof: Auf dem Südrücken des Burgbergs, hoch über der Mosel, liegt der Friedhof der jüdischen Gemeinde aus dem siebzehnten Jahrhundert. Auch die Juden aus Bruttig und Ediger wurden hier begraben. Die erhaltenen Grabsteine stammen aus der Zeit von etwa 1818 bis 1938, es sind über hundert. In der NS-Zeit wurde der Friedhof geschändet und teilweise abgeräumt, nach 1945 stellte man die Steine wieder auf, nicht überall an ihrem alten Platz. Gleich daneben steht die Dreikreuzkapelle von 1652.
  • Die ehemalige Synagoge: In der Weingasse, im alten Judenviertel, steht die Synagoge, im Kern aus dem achtzehnten oder neunzehnten Jahrhundert. Über dem Eingang sitzt ein steinerner kaiserlicher Doppeladler mit Davidstern. 1925 wurde sie verkauft und als Scheune und Kelterraum genutzt, deshalb blieb sie im November 1938 unbeschädigt. Seit der Sanierung von 1990 ist sie eine Galerie, Betraum und Frauenempore sind wiederhergestellt. Öffnungszeiten haben wir nicht gefunden.
  • Der Marktplatz: Hier stehen das Zehnthaus von 1537 mit seinem Treppenturm und die Alte Schule, früher die Kirche Sankt Christophorus, ein Saalbau von 1732.

Essen und Trinken

In der Burgruine gibt es ein Restaurant mit Terrasse und Blick ins Moseltal, laut Betreiberangaben dienstags bis sonntags von 11.30 bis 17 Uhr. Im Ort verkaufen viele Winzer ihren Wein, und im Herbst kommen Pfifferlinge und Federweißer auf die Karten. Ein Pilger erzählt von einem Café im Innenhof des Klosters, in dem er auf der Etappe Rast machte. Werbung machen wir keine.

Ehrlich gesagt

  • Beilstein hat keine Pilgerherberge. Es gibt nur Hotels, Gasthäuser und Ferienwohnungen, und laut Camino Ninja beginnen die Preise bei rund 78 € (Stand: Oktober 2026). Sonst zahlst du am Mosel-Camino für ein Einzelzimmer mit Frühstück etwa die Hälfte.
  • Im Sommer ist das Dornröschen hellwach. Ausflugsschiffe legen an, und die Gassen sind voll. Komm früh oder zur Mittagszeit, wenn die Gruppen beim Essen sitzen.
  • Der Ausgang ist Asphalt und Anstieg. Ein gutes Stück gehst du auf der Kreisstraße 42, dann steigst du durch den Wald auf die Hunsrückhöhen.
  • Danach kommt lange nichts. Zwischen Beilstein und Bullay gibt es auf der Höhe kaum eine Einkehr. Füll hier deine Flaschen, zwei Liter sind nicht zu viel.

Wo Pilger schlafen

Eine Pilgerherberge gibt es in Beilstein nicht, und auf dem ganzen Mosel-Camino gibt es nur zwei, in Traben-Trarbach und in Klausen. In Beilstein schläfst du im Hotel, im Gasthof oder in einer Ferienwohnung. Rechne mit Preisen am oberen Ende und buch vorher, vor allem zur Weinlese.

Die pilgerfreundliche Alternative liegt vor dem Ort:

  • Kloster Maria Engelport: das Gästehaus des Klosters im Flaumbachtal, laut Camino Ninja 6,2 Kilometer vor Beilstein. Hier lässt sich die lange Etappe von Treis-Karden nach Bullay teilen, und du kannst die Messe der Schwestern mitfeiern.

Ninja-Tipps

  • Zwei Orte, ein Weg: Der jüdische Friedhof und die Dreikreuzkapelle liegen nebeneinander über der Burg. Nimm dir für beide ein paar ruhige Minuten.
  • Die Bruderschaft macht hier Station: Die Trierer Jakobusbruderschaft teilt die zwei langen Tage zwischen Treis-Karden und Traben-Trarbach in drei kürzere, mit Übernachtung in Beilstein und Zell.
  • Stempel sammeln: Für die Trierer Pilgerurkunde brauchst du die letzten 100 Kilometer belegt, und Beilstein liegt laut Camino Ninja 107,3 Kilometer vor Trier. Eine feste Stempelstelle haben wir nicht gefunden. Frag in der Kirche oder in deiner Unterkunft.
  • Die Burg vom anderen Ufer: Die Fähre „St. Josef“ von 1949 setzt nach Ellenz-Poltersdorf über. Von dort hast du die Burg im Blick. Aktuelle Fahrzeiten haben wir nicht gefunden.
  • Engelport nicht überspringen: Am Kloster Maria Engelport steht eine Tafel mit der Entfernung nach Santiago. Das Foto lohnt sich.

Praktische Tipps für Pilger

  • Pilgerausweis: Besorg ihn vorab bei der St. Jakobusbruderschaft Trier oder bei deiner Diözese.
  • Gottesdienste: Die Zeiten für die Karmeliterkirche findest du bei der Pfarreiengemeinschaft Beilstein-Moselkrampen.
  • Bahn: Beilstein hat keinen Bahnhof. Die nächsten Halte an der Moselstrecke liegen in Treis-Karden und in Bullay, wo der Weg ohnehin vorbeikommt.
  • Gepäck und Abbruch: Weil die Bahn den Mosel-Camino fast durchgehend begleitet, kannst du ab Bullay abbrechen, überspringen oder Gepäck vorschicken.

Weiter: über die Hunsrückhöhen nach Bullay

Du verlässt Beilstein auf der Kreisstraße 42 und gehst ein gutes Stück auf Asphalt. Dann steigst du durch den Wald auf die Hunsrückhöhen, querst die Landstraße 200 und gehst durch einen Hohlweg und über einen offenen Wiesenweg zur „Alten Schanze“. Nach einer weiteren Landstraße erreichst du die Kapelle Lindenhäuschen, laut Camino Ninja 4,5 Kilometer hinter Beilstein. An der Panoramahütte biegst du in den Wald, und nach etwa anderthalb Stunden bist du in Bullay wieder an der Mosel, laut Camino Ninja 12,5 Kilometer von Beilstein. Gegenüber steht der Calmont.

Wer weitergeht, steigt hinter Bullay in Serpentinen zur Marienburg im Zeller Hamm und kommt über Kaimt nach Zell, laut Camino Ninja 18 Kilometer von Beilstein.

Morgen erwartet dich

Morgen erwartet dich Zell, und kurz davor ein Jakobus. In Kaimt steht die Kapelle Sankt Jakobus der Ältere, 1143 zum ersten Mal erwähnt. Drinnen zeigt eine romanische Kalksteintafel aus der Zeit um 1220 die Stifter Sifrid und Friderun, und der Tabernakel hat die Form eines Weinstocks. Ein paar Schritte weiter in Zell wartet die Weinlage Schwarze Katz. Sie heißt so seit 1863, weil eine Katze namens Mori auf ein Fass sprang und Aachener Händlern die Entscheidung abnahm.

Wer es kürzer mag, bleibt in Bullay und hat dort die Bahn.

Tiefer eintauchen: Eine Madonna, eine Gemeinde und ein schlafendes Dorf

Ein langer Text, falls du noch mehr über Beilstein erfahren willst. Etwa dreizehn Minuten Lesezeit.

Von oben ins Bilderbuch

Wenn du auf dem Mosel-Camino nach Beilstein kommst, kommst du von oben. Du hast den Wald hinter Engelport verlassen, und der Weg führt dich hinunter, an einer großen barocken Kirche auf einem Felsen vorbei und an einer Burgruine mit einem schlanken Turm, bis in den Ort an der Mosel. Es ist ein Bild, so vollkommen, dass man ihm misstrauen möchte.

Beilstein hat 132 Einwohner, so stand es Ende 2025 in der Statistik. Man nennt es das Dornröschen der Mosel, oder auch Rothenburg ob der Tauber im Kleinformat. Filmleute haben es seit den 1930er Jahren als Kulisse benutzt. Aber dieser Text will dir zeigen, dass hinter der Kulisse echte Geschichten liegen: von einem Ritter mit einem Jagdhorn im Wappen, von einer Madonna, die mit Soldaten kam, von Mönchen, die für Pilger bauten, und von einer jüdischen Gemeinde, deren Friedhof noch immer über dem Ort liegt.

Ein Horn im Wappen

Gesiedelt wurde hier früh. Fränkische Gräber deuten auf Menschen um das Jahr 800 hin, und 1129 taucht ein Crafto von Beilstein in einer Urkunde auf. Die Burg selbst wird 1268 zum ersten Mal erwähnt. Sie gehörte damals den Herren von Braunshorn, die sie als Lehen des Kölner Erzbischofs hielten.

Die Braunshorner führten ein Wappen, das du in Beilstein bis heute findest: drei silberne Jagdhörner auf rotem Grund. Das Stadtsiegel von 1336 zeigt ein solches Horn, und als die Gemeinde 1951 ein Wappen annahm, griff sie auf das Horn der alten Herren zurück.

Der bedeutendste von ihnen war Johann von Braunshorn. Er war Hofmeister König Heinrichs des Siebten, also ein Mann am Hof eines Herrschers, der wenig später zum Kaiser gekrönt wurde. Diese Nähe zahlte sich aus. Im April 1310 erlaubte ihm der König, am Fuß seiner Burg einen befestigten Ort anzulegen und 40 Bürger anzusiedeln. Manche Quellen nennen dafür schon das Jahr 1309. 1316 bestätigte König Ludwig die Freiheiten und gab der kleinen Stadt einen Wochenmarkt am Dienstag. Eine Stadtmauer mit fünf Toren und Türmen entstand, zwei Rundtürme stehen bis heute.

Zehn Familien am Burgberg

Schon im Dezember 1309 hatte der König Johann von Braunshorn noch etwas anderes erlaubt: die Ansiedlung von zehn jüdischen Familien. Vielleicht, so vermuten Historiker, waren die ersten von ihnen Überlebende der Verfolgungen, die 1287 am Mittelrhein gewütet hatten. Sie halfen, die neue Stadt und ihre Mauern zu bauen.

Sicher ist, dass diese erste Gemeinde nicht lange in Frieden lebte. 1349, im Jahr der großen Pest, wurden auch die Juden von Beilstein Opfer eines Pogroms. Danach verlieren sich ihre Spuren für lange Zeit. Erst 1547 werden wieder jüdische Einwohner erwähnt. Im sechzehnten Jahrhundert wuchs die Gemeinde von neuem, und in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts erreichte sie ihren Höhepunkt.

Sie lebte in einem eigenen Viertel rund um die Weingasse, das man über zwei Tore betrat. Dort stand ihr Gotteshaus, vermutlich schon im Mittelalter an derselben Stelle wie die heutige Synagoge, wahrscheinlich mit einem rituellen Bad im Keller. Im neunzehnten Jahrhundert war etwa jeder vierte Mensch in Beilstein jüdisch. 1808 zählte man 47 jüdische Einwohner, 1816 waren es 73, 1885 noch 49.

Eine Burg für viele Herren

Als die Braunshorner im Mannesstamm ausstarben, um 1362, fiel ihr Erbe an die Familie von Winneburg. Cuno von Winneburg hatte eine Tochter des Hauses geheiratet, Lise von Braunshorn. Die Burg wurde nun zu einer Ganerbenburg, einer Burg, die sich mehrere Zweige einer Familie teilten, jeder mit eigenen Gebäuden und eigenen Eingängen. Teile verkauften sie an den Erzbischof von Trier, und 1488 stritt der Erzbischof in der sogenannten Beilsteiner Fehde um seine Ansprüche auf die Hälfte der Burg.

Die Braunshorner hinterließen aber noch eine zweite Spur, und wenn du von Treis kommst, bist du heute daran vorbeigekommen. Das Kloster Maria Engelport im Flaumbachtal wurde um 1220 von einem Ritter aus Monreal gegründet. Die ersten Nonnen kehrten bald in ihr Mutterhaus zurück, die Lebensbedingungen waren zu hart. Um 1260 nahmen sich Philipp von Wildenburg und seine Frau das verfallene Kloster vor, und sie gelten als die eigentlichen Gründer. Die Frau hieß Irmgard von Braunshorn. Drei ihrer Töchter traten dort ein, eine von ihnen, Beatrix, wurde die erste Priorin.

Spanier, Pest und eine Madonna

In der Reformation wurde Beilstein unter den Winneburgern protestantisch. Dann kam der Dreißigjährige Krieg. Schwedische und spanische Truppen besetzten die Gegend, und die Burg überstand die Jahre weitgehend unversehrt. Leicht war die Zeit nicht. Im Nachbarort Ellenz, auf der anderen Seite des Flusses, brach 1624 die Pest aus, wohl eingeschleppt von einquartierten spanischen Soldaten.

Mit den Spaniern kam auch die Figur, die heute in der Klosterkirche steht. Es ist eine Marienfigur aus dem zwölften oder dreizehnten Jahrhundert, vermutlich aus Spanien. Man nennt sie die Schwarze Madonna von Beilstein. Wie sie genau hierher kam, erzählt die Überlieferung so: 1620 sei das protestantische Beilstein spanischen Truppen begegnet, die die Figur mit sich führten. Die Bürger hätten die Tore geöffnet, und niemand sei getötet worden, nichts sei gestohlen oder verbrannt worden. Die Menschen hätten das der Madonna zugeschrieben und sie die Königin des Friedens genannt. Als die Spanier abzogen, ließen sie die Figur zurück. Ob es so war, wissen wir nicht. Sicher ist nur, dass die Madonna nach dem Krieg in Beilstein blieb und dass zu ihr Menschen kamen.

Die Karmeliter auf dem Felsen

Im Juli 1636 starb der letzte Winneburger im Exil. Die Herrschaft ging an die Familie von Metternich, und mit ihr kam der katholische Glaube zurück. Emmerich von Metternich, Dompropst in Trier, gründete um 1636 in Beilstein ein Kloster der Karmeliter. Die Mönche kamen aus Köln und sollten den Ort wieder katholisch machen. Zuerst wohnten sie in einem einfachen Haus unten an der Mosel.

1686 bekamen sie den Felsen über dem Ort, und 1691 legten sie den Grundstein für ihre Kirche. Entworfen hat sie ein Ordensbruder aus dem Kloster Springiersbach namens Wynant. Die Quellen nennen ihn mal David, mal Franz. 1692 zogen die Mönche ein, und um 1738 war die Kirche fertig. Man erzählt, die Mönche hätten auch die Treppe vom Ort hinauf angelegt und von den Bewohnern eine Treppensteuer verlangt, um sie zu vollenden. Belegt ist diese Geschichte nicht, aber jeder, der die 108 Stufen mit Rucksack hinaufsteigt, wird sie gern glauben.

Warum eine so große Kirche für ein so kleines Dorf? Die Überlieferung gibt eine Antwort, die dich als Pilger angeht: Die Karmeliter bauten groß, weil Pilger zur Madonna kamen. Die Karmeliter verehren Maria besonders als Frau vom Skapulier, und an ihrem Fest im Sommer sollen so viele Wallfahrer nach Beilstein gekommen sein, dass rund um den Ort Zelte standen.

Was du in Sankt Josef siehst

Wenn du die Kirche betrittst, stehst du in einer dreischiffigen Halle. Mächtige Säulen tragen das Gewölbe, sie stehen auf hohen achteckigen Sockeln. Die Ausstattung ist aus einem Guss, sie stammt aus der Bauzeit. Vorn steht der Hochaltar aus Nussbaumholz, nach 1737 errichtet, in schweren barocken Formen. Er trennt den Chor ab, in dem früher die Mönche beteten. In der Mitte steht der heilige Josef, der Patron der Kirche, und oben in der Bekrönung ein Gemälde der Heiligen Familie.

Dreh dich um und schau nach oben. Die Orgelempore von 1738 schwingt sich mehrfach durch den Raum, mit einer reich geschnitzten Brüstung. Den Orgelprospekt hat Balthasar König gebaut, 2002 wurde das Instrument restauriert. Die Ausmalung entstand 1753 und wurde 1923 erneuert.

Und dann such die Madonna. Sie ist klein, nach einer Beschreibung nur etwa einen halben Meter hoch, aus bemaltem Holz. Sie ist der eigentliche Grund, warum diese Kirche hier steht. Ein Pilger, der 2013 auf dem Mosel-Camino hier vorbeikam, fand in der Kirche einen Männerchor, der geistliche Lieder sang. Er schrieb, es sei ein Moment der Besinnung gewesen. Vielleicht hast du Glück.

Der 2. Februar 1689

Die Metternichs waren aufgestiegen. Im Mai 1652 erhielten die Brüder Wilhelm und Lothar von Metternich die Burg nach einem Streit mit dem Erzbistum Trier endgültig zu Lehen, und 1679 wurde die Familie in den Grafenstand erhoben. Der Schwerpunkt ihrer Macht lag längst woanders, in Böhmen und in ihrem Stadthof in Koblenz. Beilstein war ein Besitz unter mehreren.

Dann kam der Krieg, den die Franzosen den Krieg der Augsburger Allianz nannten und die Deutschen den Pfälzischen Erbfolgekrieg. Die Truppen König Ludwigs des Vierzehnten zogen durch das Moseltal. Bevor sie Beilstein erreichten, räumte Graf Franz Ferdinand von Metternich die Burg. Ein Kunstwerk gab er vorher weg: Ein venezianisches Tafelbild aus dem Umkreis Giovanni Bellinis, um 1480 gemalt, überließ er der Sebastianus-Bruderschaft im Nachbarort Ellenz. Dort ist es bis heute das wertvollste Kunstwerk der Gemeinde.

Am 2. Februar 1689 zerstörten französische Truppen unter einem Grafen Montalt die Burg. Sie wurde nie wieder aufgebaut. Die Chronik der Beilsteiner Karmeliter erzählt eindringlich von der Not dieser Jahre. Wenn du heute auf dem Bergfried stehst, stehst du auf dem Rest einer Burg, die seit über dreihundert Jahren Ruine ist.

Das Ende der Herren

Gut hundert Jahre später endete auch die Herrschaft der Metternichs. Am 15. Mai 1773 wurde in Koblenz ein Junge geboren, dessen Vater Franz Georg Karl sich Graf von Metternich-Winneburg zu Beilstein nannte. Der Junge hieß Klemens. Er sollte einer der mächtigsten Staatsmänner Europas werden, Außenminister des Kaiserreichs Österreich. Zum Familienbesitz gehörte, so heißt es in seiner Biographie, ein verfallener Bergfried in Beilstein.

Im Oktober 1794 zog eine französische Revolutionsarmee ins Rheinland und nahm den Metternichs alles außer ihrem Gut in Böhmen. 1803 wurden sie entschädigt, mit der Abtei Ochsenhausen in Oberschwaben. Franz Georg war der letzte Herr von Beilstein. Die Burgruine blieb noch eine Weile in der Familie, dann ging sie durch mehrere Hände. Seit 1962 gehört sie einer Familie, die darin ein Restaurant betreibt.

Auch für das Kloster kam das Ende. Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts wurde es aufgehoben, die Quellen nennen 1802, 1803 oder 1805. Teile der Anlage wurden zerstört, der Besitz verkauft, und die Klosterkirche wurde Pfarrkirche. Und die Madonna verließ Beilstein. Wohin genau, darüber gehen die Erzählungen auseinander. Nach der einen kam sie nach Frankreich. Nach der anderen landete sie in Privatbesitz, wurde dem Bischof geschenkt und kam in ein Diözesanmuseum. 1815 fiel Beilstein an Preußen.

Die Gemeinde, die ging

Die jüdische Gemeinde erlebte im neunzehnten Jahrhundert ihre letzte große Zeit und schrumpfte dann. Um 1900 gab es nicht mehr genug religiös mündige Männer für einen vollständigen Gottesdienst. 1925 lebten noch sieben Jüdinnen und Juden in Beilstein. Im selben Jahr wurden die Synagoge und das angebaute Rabbinerhaus verkauft.

Der neue Besitzer machte aus dem Gotteshaus ein Lager, eine Scheune und einen Kelterraum, den Gewölbekeller nutzte er als Stall. Das klingt nach einem traurigen Ende, und es war eines. Aber es hatte eine Folge, die niemand geplant hatte: Als im November 1938 überall in Deutschland Synagogen brannten, war das Haus in der Weingasse keine Synagoge mehr. Es blieb stehen.

Der Friedhof auf dem Burgberg hatte weniger Glück. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde er geschändet und teilweise abgeräumt. Nach 1945 stellte man die Grabsteine wieder auf, aber nicht alle an ihrem ursprünglichen Platz. Über hundert stehen heute dort, die lesbaren stammen aus der Zeit von 1818 bis 1938. Hier wurden nicht nur die Beilsteiner Juden begraben, sondern auch die aus Bruttig, aus Ediger und aus anderen Orten der Umgebung.

Ab Mitte der 1960er Jahre stand die alte Synagoge leer. 1990 sanierte ein neuer Besitzer das Haus sorgfältig. Er stellte den Betraum wieder her, die Frauenempore und die Bemalung der Wände, und richtete eine Galerie ein. Über der Tür sitzt noch immer der steinerne Doppeladler des Kaiserreichs, mit einem Davidstern.

Die Kulisse und die Frage nach Rühmann

Im zwanzigsten Jahrhundert entdeckte der Film das schlafende Dorf. Am bekanntesten ist „Der Schinderhannes“ von 1958. Helmut Käutner verfilmte darin das Theaterstück von Carl Zuckmayer über den Räuber aus dem Hunsrück, mit Curd Jürgens und Maria Schell. Die Außenaufnahmen auf der Burgruine sollen in Beilstein entstanden sein. Auch „Das Verlegenheitskind“ von 1938 wird genannt, und Willi Millowitsch soll für „Der wahre Jakob“ die Klostertreppe hinauf- und hinuntergestiegen sein.

Die schönste Geschichte gehört Heinz Rühmann. 1936 drehte Carl Froelich nach dem Roman von Heinrich Spoerl die Komödie „Wenn wir alle Engel wären“, mit Rühmann als braven Bürger, der beinahe in einen Skandal gerät. In Beilstein erzählt man, Rühmanns Filmfigur habe in einem Haus gewohnt, das heute ein Gästehaus ist, und Wanderführer nennen die Klostertreppe die Rühmann-Treppe.

Hier lohnt sich ein ehrlicher Blick. Nach den Filmdaten, die man nachlesen kann, entstand der Film in Berliner Studios, mit Außenaufnahmen in der Gegend um Köln. Beilstein taucht dort nicht auf. Lokale Berichte und Ausflugsseiten sind sich sicher, dass Rühmann hier war. Wer recht hat, können wir nicht entscheiden. Vielleicht ist Beilstein auch hier vor allem eins: ein Ort, an dem eine Geschichte so gut passt, dass sie wahr geworden ist.

Die Madonna kehrt zurück

1948 kamen die Karmeliter nach Beilstein zurück. Sie besiedelten das Kloster neu und übernahmen die Seelsorge im Ort. Und sie baten darum, die Madonna zurückzubekommen. Zwei Jahre später, 1950, kehrte sie heim.

Die Überlieferung erzählt diese Rückkehr als ein Fest. Die Figur sei mit einem Schiff über die Mosel gekommen, und entlang des Flusses hätten die Kirchenglocken geläutet. In Beilstein habe eine große, begeisterte Menge sie in ihre Kirche zurückbegleitet. Seitdem steht sie wieder dort, wo die Karmeliter für sie und ihre Pilger gebaut hatten. Die Karmeliter blieben bis nach 1995. Heute gehört die Kirche zu einer Pfarreiengemeinschaft.

Beilstein heute

Im Sommer ist das Dornröschen hellwach. Ausflugsschiffe legen an, und die Gassen füllen sich. Im Juli und August spielt beim Beilsteiner Märchensommer das Marionettentheater aus Cochem Märchen, und die Saison beginnt und endet mit Dornröschen. Winzer verkaufen ihren Wein, und im Herbst kommen Pfifferlinge und Federweißer auf den Tisch. Über den Fluss pendelt die Fähre „Sankt Josef“, gebaut 1949.

Der Mosel-Camino von Koblenz nach Trier wurde 2008 eröffnet, und auf ihm bist du oft der Einzige mit einer Muschel am Rucksack. Die Trierer Jakobusbruderschaft schlägt vor, in Beilstein zu übernachten, wenn man die beiden langen Tage zwischen Treis-Karden und Traben-Trarbach teilen will. Von hier sind es noch 107 Kilometer bis zum Grab des Apostels Matthias in Trier, dem einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen.

Was Beilstein dir mitgibt

Beilstein ist ein Ort, der so schön aussieht, dass man leicht vergisst, ihn anzuschauen. Man macht das Foto und geht weiter. Aber hinter dem Bild liegen Menschen: ein Ritter, der eine Stadt gründen durfte, zehn Familien, die sie mit aufbauten, Soldaten, die eine Madonna zurückließen, Mönche, die für Pilger eine Kirche auf einen Felsen setzten, und eine Gemeinde, deren Steine über der Burg stehen.

Vielleicht ist das die Einladung dieses Ortes an dich. Du bist zu Fuß gekommen, langsam, von oben. Du hast Zeit, hinter die Fassade zu schauen. Steig die 108 Stufen hinauf zur Madonna, die fortging und wiederkam. Geh weiter hinauf zum Friedhof, wo die Steine nicht mehr an ihrem alten Platz stehen und trotzdem noch da sind. Und dann geh hinunter in die Gassen, wo im Sommer die Schiffe anlegen.

Morgen steigst du wieder hinauf auf die Höhen. Beilstein bleibt hinter dir liegen, und vielleicht weißt du jetzt, dass es kein Dornröschen ist, das schläft. Es ist ein Ort, der sich erinnert.

Übernachten in Beilstein

Unterkünfte in Beilstein.

Alle 10 Unterkünfte ansehen

Angebote in Beilstein

Was du vor der nächsten Etappe im Ort findest.

  • Café
  • Geschäft
  • Brunnen
  • Bahnhof
  • Bushaltestelle
  • Restaurant

Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert April 2026